Der Kukuck


KENNZEICHEN DER ART. Kopf, Hals und Rücken bläulich aschgrau ; Schwanz schwarz mit weißen rundlichen und eckigen Flecken.

BESCHREIBUNG. Schnabel etwas gebogen, am Grunde und im Winkel rostgelb, vom schwarz; Rachen orangegelb; Nasenlöcher rund , gerandet und unbedekt; Augenstern und der nakte Augenrand rostgelb ; Kopf, Hals und Rücken bläulichgrau; obere Flügeldekfedern und Oberrücken dunkler ins Grünliche spielend; die erste Ordnung der Schwungfedern dunkelbraun, an der Spitze weißlich, auf der schmalen Fahne mit einem grünlichen, Schiller, auf der breiten mit weiften eiförmigen hie und da rostfarbig gerandeten Querflecken, die übrigen wie die Dekfedern, an der Spitze Weißlich gerandet; Brust oben weißlich, mit vielen grauschwarzen, wellenförmigen Querstreifen und einem schwachen rostfarbigen Ueberzug; der übrige Theil der Brust und der Bauch weiß; untere Dekfedern des Schwanzes weiß, mit drei bis vier dunkelbraunen wellenförmigen Querstreifen; Schwanz keilförmig, schwarz, am Schafte und auf der breiten Fahne mit Weißen rundlichen und eckigen Flecken, Spitzen weiß; Schenkel lang befiedert, Weiß, mit vielen schwarzbraunen wellenförmigen Querstreifen; Füße und Nägel rostgelb; zwei Zehen stehen vorwärts, und zwei rückwärts, von welchen die beiden äußern viel länger sind als die Innern; Die Flügel bedecken drei Viertheile des Schwanzes; Länge 1. Fuß 2 1/4 Zoll; Breite 2.Fuß. Das Weibchen soll nach Bechstein, auf dem Rücken dunkelgrau sein, mit schmutzigbraunen verwaschenen Flecken.

AUFENTHALT. Er lebt in Europa und Asien. In Deutschland ist er ein Zugvogel, der mit andern seiner Artverwandten im April— Nürnbergischen 18o4, den 15. April, in Thüringen zu Ende des Aprils— ankommt, im Sept. aber wieder wegzieht. Er wohnt gern in Wäldern, vorzüglich in Nadelhölzern in deren Nähe Wiesen liegen.

EIGENSCHAFTEN: Er ist ein unruhiger und scheuer Vogel, den man, wenn er auf einem Baum sizt, selten zu Gesicht bekommt, weil er sich tief in das Laub verstekt. Der Alte zeigt sich in der Gefangenschaft als ein wilder Vogel, der lieber stirbt, als daß er sich an eine andere Lebensart gewöhnen läßt. Die Jungen lassen sich eher zähmen, wenn man sie anfangs mit allerhand Raupen und Schmetterlingen füttert und nach und nach an Brod mit Milch und Fleisch gewöhnt.

An einem Alten, den wir einige Tage lebendig im Käfig hatten, bemerkten wir, daß sein Gang hüpfend war, und seine Flügel beim Sitzen beständig herab hingen.

Er hat einen niedrigen , kurzen und unterbrochenen Flug. Seine Stimme sind die bekannten Töne: kukuk , zwischen welchen er noch einige andere heischere, krächzende, nur in der Nähe hörbare, Töne hören läßt, und wobei er immer den Schwanz in die Höhe hebt. Bei der Begattung ist das Männchen außerordentlich hitzig. Um diese Zeit schreit es auch nicht wie gewöhnlich sein langsames Kukuk, sondern sehr geschwind hintereinander: kukuker, kukuker. Ist die Begattuugszeit vorbei, so hört es auf zu schreien, Das Weibchen krächzt nur, und schreit niemals kukuk.

Eine merkwürdige Eigenschaft des Kukuks ist, daß er seine Eier nicht selbst ausbrütet, sondern sie in die Nester anderer und noch dazu kleinerer Vögel als er ist, legt. Den Grund hiezu glauben die Naturforscher, theils in seiner Nahrung, die die Natur diesem gefräßigen Vogel in so kleinen Bissen darreicht, theils darin zu finden, daß die in dem Leibe der Mutter befindlichen Eier ihre Vollkommenheit nicht schnell genug hinter einander erreichen.

Seine NAHRUNG besteht in kleinen Insekten, z. B. Käfern, Haften, Schnaken, and einer gewissen purpurrothen Raupe, die er im August von den Baumstämmen abliest und weswegen man ihn auch wie die Spechte an den Bäumen hängen sieht. Bei Regenwetter1 fliegt er gerne in die an seinen Standort gränzenden Gärten und lieset die Raupen von den Bäumen. Der obige Kukuk, den wir im Käfig hatten, fraß Regen – und Mehlwürmer. In dem Magen eines jungen Kukuks, der von einer Bachstelze aufgezogen wurde , fand man Grashüpfer, kleine unversehrte Schnecken, Raupen, Gänsegrassamen etc.; in dem Magen eines andern von einer Grasmücken erzogenen, Weizen, kleine Wicken und andere Pflanzentheile; in dem Magen eines dritten, der eine Heidelerche zur Pflegmutter hatte, vorzüglich Grashüpfer.

FORTPFLANZUNG.

Seine Eier legt das Weibchen, wie gesagt, in die Nester anderer Vögel und diese sind das Rothkehlchen, der Weidenzeisig, Zaunkönig, die Feldlerche, der Mönch, die geschwätzige Grasmücke, die Bastardnachtigall, die weiße und gelbe Bachstelze, das Goldhähnchen, der Baumläufer.

Die Mutter streift nach der Begattung herum und beobachtet diese Vögel, wenn sie mit dem Bau ihres Nestes beschäftigt sind.

Ist nun in dem Leibe des Kukuksweibchen ein Ei reif, und dies ist im Anfang des Junius, so trift das Loos Stiefmutter zu werden, diejenige von obigen Vögeln, welche so eben ihr leztes Ei gelegt hat. In dieses Nest legt das Weibchen; wenn das Nest auf der Erde ist, ein schmutzig weißes, an der obem Hälfte braun und braungrau geflektes Ei. Kann sich das Kukuksweibchen nicht wohl auf das fremde Nest setzen, so legt es das Ei auf die Erde, faßt es, mit dein Schnabel und schiebt es in das fremde Nest. Bis zur Mitte des Julius legt sie fast alle acht Tage ein Ei und allemal in ein besonderes Nest. Ist sie damit fertig, so bekümmert sie sich um ihre Nachkommenschaft auch im geringsten nicht mehr. Die Pflegältern sind desto zärtlicher und sorgsamer gegen sie. Das Zaunkönigsweibchen bezeigt bei der Ankunft des Kukuks eine große Freude, hüpft vom Neste herab, um denselben herum uud lokt durch seine freudigen Töne auch das Männchen herbei, das nun ebenfalls über seinen Gast erfreuet ist. Die kleinen Eier werden (nach Bechstein) von der Zaunkönigsmutter etc. oder von dem alten Kukuk (nach Goeze von dem jungen Kukuk) aus dem Neste geworfen, damit das Kukuksei desto mehr Plaz bekommt. Bleiben bei großem Vögeln noch einige von ihren eigenen Eiern im Neste, so bringen sie sie doch nicht auf, denn der gefräßige Stiefbruder ist allemal zuerst bei der Hand, wenn die Pflegmutter Speise bringt. Zu bewundern ist die mütterliche Treue des Zaunkönigs! Er selbst nährt sich nur von kleinen Schnaken, Mücken und Räupchen, und bringt natürlich diese auch seinem Stiefkinde. Wie oft muß er also Futter holen um den Heißhunger des leztern zu befriedigen! Der iunge Kukuk wächst indes zur Freude seiner Pflegältern immer mehr heran und erweitert nach und nach das Nest, damit er desto bequemer herausfliegen kann. Jezt verläßt er das Nest, sezt sich auf einen benachbarten Ast, dehnt sich aus, zieht die Federn durch den Schnabel und läßt seine schnarrende Stimme: girrke, girrke, zum erstenmal hören. Sogleich kommen alle kleine Vögel aus der Nachbarschaft, der Weidenzeisig, die Braunelle, das Rothkehlche etc. zusammen, besehen und begrüßen ihn gleichsam und tragen mit dem größten Eifer Nahrung für ihn herbei. Fast kann er den Schnabel nicht oft genug öffnen. Zieht er weiter, so zieht ihm der Haufe nach und versorgt ihn solange, bis er selbst seinen Unterhalt sich verschaffen kann.

Der junge Kukuk, den wir am 29. September 1801 erhielten, war 1.Fuß  1 1/3 Zoll lang und 1 Fuß 10 Zoll breit.

Hier ist dessen Beschreibung.

Füße und Nagel rostgelb; Schnabel am Winkel gelb, oben schwarz, unten weißlich; Stern gelblichbraun; Augenlieder gelb; Kopf und Hals schwarzbraun, weiß gerandet; Brust, Bauch und untere Dekfedern des Schwanzes weiß mit schwarzbraunen Querbändern; auf dem Rücken graubraun , alle Federn weiß gerandet , die größten Dekfedern der Flügel überdies kupferroth gesprengt ; Schwungfedern schwärzlich mit kupferrothen Flecken, die auf der breite Fahne halb weiß sind; der Unterrücken hatte an einigen Stellen schon die Federn des ausgemauserten alten Kukuks; Schwanz schwärzlich ins Grüne spielend und mit vielen weißen Flecken versehen, die am Schaft paarweise herunter laufen; die breite Fahne am Rande halb Weiße, halb kupferrothe Flecken; Schwanzspitze weiß.

NUTZEN stiftet er durch seine Nahrung, SCHADEN so viel man weiß, gar nicht. FEINDE hat er an den gewöhnlichen Vogelläusen und an der Vogeluusfliege.

JAGD UND FANG. Er ist schwer und fast nur zur Paarungszeit, zu schießen, wenn man seinen Ruf nachahmt.

Siehe auch:
Der Uhu
Der Dorndreher
Die Elster
Der Kernbeisser
Der Gimpel
Die Kohlmeise
Der Turmfalke
Der Grünspecht
Die Dohle
Der Stockfalke
Der Pirol
Das Rotschwänzchen
Die weisse Bachstelze
Die Lachtaube
Der Staar
Der Grünling
Die Mauerschwalbe

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  1. […] Siehe auch: Der Uhu Der Dorndreher Die Elster Der Kernbeisser Der Gimpel Die Kohlmeise Der Turmfalke Der Grünspecht Die Dohle Der Stockfalke Der Pirol Das Rotschwänzchen Die weisse Bachstelze Die Lachtaube Der Staar Der Grünling Die Mauerschwalbe Der Kukuck […]

    1. April 2017

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