Der Pirol


Kennzeichen der ART.

Männchen. Gelb; Zügel und Flügel schwarz ; Schwanz schwarz mit einer gelben Spitze. Weibchen; oben schmutzig grüngelb, Kinn grau, auf der Kehle ins Gelbe übergehend; Unterleib schmutziggelb mit wenigen bräunlichen Schaftstrichen; Flügel schwärzlich.

BESCHREIBUNG.

Schnabel Fleischrothbraun, Oberkinnlade an der Spitze unmerklich ausgeschnitten; etwas länger als der untere; Nasenlöcher eirund; am Grunde der Oberkinnlade eine Reihe schwärzer herunter stehender Borsten; Augenstern kochenillerotli; Zügel schwarz, hinter dem Auge ein kahler dreieckiger Flek ; der ganze Ober – und Unterleib hochgelb; Flügel schwarz ; die erste Ordnung der Flügeldekfedern bleichgelb, daher ein solcher Flek; die zweite bis vierte Schwungfeder auf der schmalen Fahne gegen die Spitze hin weißlich gerändet; Schwanz von der Wurzel bis zur Mitte schwarz, die übrige Hälfte gelb; die zwei mitttlern schwarz, an der Spitze gelb ; Füße schmutzig bleifarben; Nägel schwarz. Die Flügel bedecken drei Viertheile des Schwanzes. Länge 9 Zoll; Breite 16 Zoll.

AUFENTHALT. Er lebt in Europa und im Orient. In Deutschland ist er ein Zugvogel, der im Mai ankommt und im August schon wieder familienweise abgeht. Bei uns hält er sich in Vorhölzem auf, die aus Laub – und Nadelhölzern bestehen.

EIGENSCHAFTEN. Er hat eine laute flötende Stimme, die er bei schwülem Wetter vom Morgen bis Abend in dem Dickicht der Bäume hören läßt, und wie yo oder pühloh , lautet. Außerdem schreit er auch noch: krätsch, besonders wenn man auf ihn Jagd macht. Er ist muthig, zänkisch , neidisch , scheu , und schwer zu zähmen. Wir hatten einige Junge, die mit Kirschen gefüttert wurden. An anderes Futter wollten sie sich nicht gewöhnen. Um sie nicht verhungern zu lassen, schob man ihnen Ameisenpuppen in den Schnabel , worüber sie aber so erbotst wurden, daß sie die Nikhaut über die Augen zogen, die Füße starr unterwärts strekten, die Flügel herunter hängen ließen, den Hals ausstrekten, und sich entweder gar nicht regten, oder Verzuckungen bekamen. Wenn man auf der Flöte blies, so fing das junge Männchen an zu singen. Mit Heidelbeeren wurde ein altes Männchen zum Fressen der Ameisenpuppen gewöhnt. In der Folge wurde er mit geriebenen gelben Rüben , Brod und Ameisenpuppen erhalten. Im Winter bekam er, wahrscheinlich, weil er sich nicht genug reinigen konnte, eine erstaunliche Menge Milben und starb.

NAHRUNG Der Pirol nährt sich, wie Goeze anmerkt, von Maikäfern. Wir fanden bei der Untersuchung des Magens unter andern mehrern Insektentheilchen, besonders von Käfern, den Frisehischen Maikäfer, Maikäfer, Meololontha Frischii. Fabr, und viele grüne Raupen. Außerdem frißt er auch noch Heidel- und Himbeeren, Erdbeeren, Feigen, besonders aber Kirschen, die er mit dem Schnabel pakt, zerbeißt und sie so lange an einen Zweig schlägt, bis der Kern, den er verschmäht, herausfällt. Einer von den Herren Verfassern der deutschen Ornithologie bemerkte ehemals in der Gegend um Straßburg 5o bis 4o alte und iunge Pirole auf einem Kirschbaum. Jeder andere Vogel, auch sogar der Eichelhäher, mußte sich dann vom Baum entfernen. Der Pirol verfolgt sie mit aufgespertem Schnabel und Flügelschlägen.

FORTPFLANZUNG. Das künstlich aus Wurzeln, Grashalmen, Flechten, Haaren, Papier, Wolle, Bast, und Faden gewebte , sakförmige und herunter hängende Nest befestigen sie jedesmal zwischen einen gabelförmigen Zweig so fest , daß es allen Stürmen trozt. Auch hat dasselbe einen etwas eingebogenen Rand, der vermuthlich zur Sicherheit der Jungen dient. Das Weibchen brütet des Jahrs nur einmal und legt vier, seltner fünf weiße, mit einzelnen schwarzen Flecken und Punkten versehene spitzig zu laufende Eier. Das Männchen löset das Weibchen um die Mittagszeit einige Stunden beim Brüten ab. Nach fünfzehn bis zwanzig Tagen kriechen die Jungen aus dem Ei. Die iungen Pirole sehen dem Weibchen wenigstens zwei Jahre sehr ähnlich. Der ganze Unterleib ist grau-weiß mit Vielen schwärzlichen Strichen.

NUTZEN. Er fängtviele schädliche Käfer und Raupen weg. Sein Fleisch ist zur Kirschenzeit sehr schmakhaft. Auch dient er in der Regel dem Landmanne zu einem Merkmal, daß nach seiner Ankunft so leicht nicht wieder kalte Nächte entstehen. Der SCHADEN ergibt sieh aus seiner Nahrung.

JAGD UND FANG. Ahmt man seine Lokstimme yo nach, und ist man hinlänglich verborgen, so läßt er sich, wiewohl schwer mit der Flinte erschleichen. Leichter wird man seiner habhaft mit Sprenkeln und Dohnen, an welche man Beeren oder reife, Kirschen befestiget.

VERSCHIEDENHEIT.

Oriolus Galbula nigromaculata.

ANMERKUNGEN. Der Augenstern der jungen Pirole ist nicht roth, sondern graubraun, umbrabraun, oder wenn sie älter werden, graubraun mit rothen Punkten oder noch älter, schwachroth mit etwas grau durchwebt, bis sie endlich mit dem hohem Alter ganz roth werden. Eben so ist der Schnabel im ersten Spätsommer glänzend graulich schwarz, späterhin unten röthlich. Bei einem Weibchen fanden wir, daß der Schnabel am Grunde und vorne schwärzlich, übrigens wie gewöhnlich gefärbt war.

Beehstein schlägt in seinem ornithol. Taschenbuch vor, den Pirol wegen seines Schnabelbaues und des Mangels der Barthorsten unter die Rackenarten zu rechnen und schlägt dann den Namen Coracias Galbula vor. Wenn unter den Bartborsten die schwarzen Borsten an der obern Kinnlade verstanden sind: so müßen wir versichern, daß wir mehrere Exemplare vor Augen hatten, die gar wrohl mit Bartborsten versehen sind. Leztere scheinen uns nur bei manchen Exemplaren abgestoßen zu sein.

Siehe auch:
Der Uhu
Der Dorndreher
Die Elster
Der Kernbeisser
Der Gimpel
Die Kohlmeise
Der Turmfalke
Der Grünspecht
Die Dohle
Der Stockfalke