Der tote Buschmann

Authentische Tatsache ist, dass die allerdings noch wenigen, nomadisierenden, waschechten Kalahari-Buschmänner ihre kranken, alten Angehörigen, wenn sie auf den öden wasserarmen Steppen jagen, unter Umständen lebend begraben, da sie sich nicht mit den Aermsten beschweren können. Ein Reittier, geschweige denn Wagen, besitzt niemand und wer sollte inmitten der gewaltigen Durstwüste wohl imstande sein, da jeder mit sich selbst zu kämpfen hat, einen gebrechlichen, kranken Menschen tagelang fortzuschleppen? Daher wohl die allerdings grässlich-grausame Sittel —

Ein Regierungslandmesser, mit diesem Gebrauche unbekannt, befand sich mit wenigen berittenen Begleitern auch einst in der gefürchteten Durstwüste. Zu Führern hatte er einen Trupp dieser Original-Buschmänner angeworben.

Bei einer Mittagsrast — reichlich noch drei Tagereisen von der nächsten Wasserpfanne entfernt — bemerkte der Landmesser, dass einige der Buschleute mit ihren langen Stöcken eine Grube aushöhlten.

„Was tun die Kerle da? Graben die etwa nach Wasser?“ frug der Beamte seinen schwarzen Diener.

„I wo, Herr, ein alter Buschmann ist tot.“

Interessiert beobachtete der Weisse mit seinen Begleitern das weitere Treiben der Wüstenbewohner. Endlich kam ein zweiter Trupp, der einen alten Buschmannsgreis mehr trug als führte, zu der Grube heran.

„Wo haben sie denn die Leiche?“

„Da Herr, der alte Buschmann, welchen man schleppt; dieser ist tot“, erklärte der Diener.

„Bist Du denn blödsinnig, Willem, der Alte lebt doch noch“, fuhr der Landmesser auf und erhob sich, um zu der Grube zu eilen. Willem folgte und dolmetschte.

Der alte „tote“ Buschmann war in der Tat halbtot, vielleicht schon vor Aufregung, als der Landmesser an ihn herantrat.

„Was wollt Ihr denn machen“, frug der Weisse.

„Diesen einbuddeln, er ist tot und kann nicht weiter“, übersetzte Willem die Antwort.

Trotz der ernsten Situation musste der Beamte doch von Herzen auflachen. Dann sagte er jedoch streng:

„Willem, sage den Leuten, dass, so lange ein weisser Mann bei ihnen weile, sie diese Grausamkeit nicht ausführen dürften!“

Ein Murmeln und Zweifeln, Kopfschütteln und Fragen unter den Buschbewohnern.

„Herr, sie fragen, was sie dann tun sollen? Ob sie ihn so sollen liegen lassen, wenn Du aufbrichst?“

„Lächerlich! Wir haben 3 Reservepferde. Auf eins wird der Alte verstaut, während von einem zweiten aus ein Buschmann ihn stützt. Hier, gib dem ,Toten erst einen Kognak.“

Und wohlbehalten schaffte man den Alten bis zur nächsten Wasserpfütze.

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