Der Turmfalke

KENNZEICHEN DER ART.

Männchen. Oberleib braunroth und schwarz geflekt; Scheitel und Schwanz blaugrau, zugerundet, ersterer schwarz gestrichelt, lezterer am Ende mit einem breiten schwarzen und schmälern weilsen Band; Füße und Augenlieder safran gelb, Wachshaut heller. Weibchen. Scheitel braunroth,, schwarz gestrichelt; Schwanz brauuröthlich, grau überlaufen.

BESCHREIBUNG. Schnabel kurz, an der Spitze blauschwarz, am Grunde gelblich hornweiß, obere Kinnlade mit einem scharfen Zahn, untere tiefausgerandet; Wachshaut gelb; Nasenlöcher rund; Augenlieder gelb, Augenstern tiefbraun; Stirn schmutzigweiß; Scheitel und Hinterkopf blaugrau, schwarz fein gestrichelt; von dem Auge au neben dem Schnabelwinkel herab ein schwärzlicher Flek; Rücken und die meisten Flügeldekfedern braunroth mit schwarzen, eirund oder herzförmigen Flecken. Unterrücken blaugrau; Schwungfedern braunschwarz, auf der breiten Fahne mit 7. bis 8. weißen Querfleeken; Schwanz fächerförmig, abgerundet, blaugrau, mit einer schwarzen breiten und einem darauffolgenden schmälern weißen Bande an der Spitze. Unterleib schmutzig rosenroth mit schwarzbraunen schmalen Strichen und rundlichen Flecken; Füße safrangelb; dieFlügelspitzen. von der Schwanzspitze 1 5/6 Zoll entfernt. Länge des Männchen 12 3/4 Zoll; Breite 2. F. 3 1/5. Zoll. Weibchen 13 1/2 Zoll; Breite 2.F. 5 1/2 Zoll.

Die Jungen sind im ersten Jahr auf dem Scheitel und dem ganzen Oberleibe und am Schwänze braunroth, Scheitel und Nacken schwarz gestrichelt, Rücken mit vielen sehwarzen, dreieckig herzförmigen Querflecken; Schwungfedern schwarz, auf beiden Fahnen mit weißen und röthlichen und gegen die Spitzen braunrothen runden Flecken; Schwanz, mit 7 schmalen schwarzen Bändern, gegen das Ende eine breite schwarze Binde, die Spitze röthlicbweiß; Unterleib hellröthlich, mit schwarzen länglichen Flecken; Wachshaut und Augenliedcr gelblichgriin. Länge 13. Zoll, Breite 2 Schuh 41/4 Zoll. Die Flügelspitzen erreichen fast die Schwanzspitze.

Der AUFENTHALT dieses bekannten Falken ist Europa, ein Theil von Asien und Nordamerika. In Deutschland ist er ein Zugvogel, der im März ankommt und im September wieder wegzieht. Alte Schlösser, Thürme, Kirchen, hohe Mauern, Vor- und Feldhölzer sind seine Wohnplätze. In einem Nürnbergischen kleinen Feldholze wurden bei 12. Nester gefunden.
EIGENSCHAFTEN. Hoch in der Luft sieht man ihn auf einer und derselben Stelle durch schnelles Bewegen seiner Flügel — in der Jägersprache Rütteln , — sich halten, um irgend ein Thierchen auf der Erde mittelst seines scharfen Blickes auszuspahen. Jezt schiefst er pfeilschnell in einer etwas schiefen Richtung herunter und die Beute ist in seinen Klauen. Ist diese verzehrt, so erhebt er sich wieder und die Jagd geht von neuem an. Mit einem geschwinden Flug verbindet er Gewandheit und Muth und verfolgt sogar größere seiner Gattungsvorwandten, so wie auch Tauben bis zum Schlage. Eine schreckenvolle Stille erfolgt, wenn er in einen Schwarm schreiender,, auf einem Baume versammelter Sperlinge fährt und einen aus ihrer Mitte wegkapert. Sein Geschrei kli, kli, pli, pli, pli, pli, pli, ist hell und durchdringend, midist dem Schalle eines Glökchens ähnlich, daher auch sein lateinischer Name Tinnunculus. Sie lassen sich leicht zähmen und sogar zum Ein- und Ausfliegen gewöhnen. Auch kann man sie zur Baizc auf kleine Vögel ahrichten. Die Jungen, welche wir zähmten, legten sich gern in die Sonne, stunden öfters auf einem Bein und nikten beständig mit dem Köpfe, so bald ihnen irgend etwas Ungewohntes vor die Augen oder Ohren kam. Nahte man sich ihnen, als sie noch wild waren, so legten sie sich sogleich rükwärts, wehrten sich mit ihren Krallen, und schrien, daß einem die Ohren gellten.

NAHRUNG. In ihrem Magen fanden wir öfters grüne Eidechsen, ganz und zertrümmert, vorzüglich aber Maulwurfgrillen, mit welchen der Magen ganz angefüllt war, Mistkäfer, Heuschrecken und Mäuse. Sie gehen aber auch auf zahme Tauben, Lerchen, Sperlinge und andere kleine Vögel. Unsere gezähmten Thurmfalken rupften die Federn zum Theil aus dem Vogel, den sie unter den Krallen haften, und rissen Stücke davon ab. Knochen, Haare und Federn brachen sie nach vollendeter Verdauung in kleinen Ballen wieder von sich.

FORTPFLANZUNG. Ihr Nest, das aus kleinen Reisern und andern Materialien besteht, hauen sie auf Fohren, Fichten und Tannen, in hole Bäume, in die Ritzen alter Thürme und auf Felsen. Das Weibchen legt vier bis sechs rundliche gelbrölhliche oder auch hraunrothe, mit dunklern Punkten und Flecken besprengte Eier. Die Jungen, von welchen hier eins abgebildet ist, sind anfangs gänzlich mit weisser Wolle bekleidet.

NUTZEN stiften sie theils durch ihre Nahrung, theils dadurch, daß man sie auf Lerchen und junge Rebhüner abrichten kann. SCHADEN bringen sie, wenn sie auf den Vogelherden die Vorläufer, und Tauben und iunge Rebhüner wegfangen.

FEINDE. In ihren Federn wohnt die Thurmfalkenlaus, und in ihren Gedärmen fanden wir ein Bündel kurz – und langgliederiger Bandwürmer.

JAGD UND FANG. Man schießt sie, da sie nicht sehr scheu sind, von den Spitzen der Bäume, auf welchen sie gerne sitzen, herunter. Auf den Vogelherden fangt man sie mit dem Garn, wenn sie auf die Vorläufer fallen.

VERSCHIEDENHEITEN.

1) Falco Tinnunculus albus.

2) Falco Tinnunculus rubro – fuscus, mit rothbrauen und schwarz quer gestreiftem Oberleibe und weißgrauem einzeln gestricheltem Unterleibe.

3) Falco Tinnunculus, mit feinen schwarz gestreiften Schenkelfedern.

ANMERKUNGEN. Faleo Tinnunculus griseus und F. alaudarius oder Aecipiter alaudarius, sind wahrscheinlich nur Alters – und Gesehlechtsverschiedenheiten.

Der rothe Falk. Tinnunculus alter. Frisch, tab. 85. ist ein Männchen, dessen Schwanz noch nicht vermausert ist, und nur erst eine einzige blaugraue Feder hat.

Der kleinste rothe Falk. Frisch tab. 89. scheint uns nicht das Männchen von F. Aesalon,, sondern vielmehr der iunge Thurmfalke im ersten Jahr zu sein. Die schwarzen Streifen auf der Unterseite des Schwanzes am Thurmfalkenmännchen, die Hr. Bechstein in seinem orn. Taschenb. S. 37. nr. 29. angibt, haben wir nicht bemerken können. Zu fernem Nachforschungen mögen nun noch folgende Beobachtungen dienen:

1) Ein Männchen, das wir vom Neste nahmen und aufzogen, erhielt den blaugrauen Schwanz im zweiten Jahr.

2) Bei einem aufgezogenen Weibchen wurden im zweiten Jahr die obem Schwanzdekfedem und der Schwanz blaugrau, lezterer braunröthlich überlaufen, mit 9-10 schmalen unterbrochenen schwarzein Bändern , am Ende mit einer breiten sehwarzen Binde und röthlichweißen Spitzen; alle Schwanzfedern braunroth gerandet. Der Rücken brannroth mit vielen schwarzen großen dreieckigen, imNacken herzförmigen Flecken.

Siehe auch:
Der Uhu
Der Dorndreher
Die Elster
Der Kernbeisser
Der Gimpel
Die Kohlmeise
Der Turmfalke
Der Grünspecht
Die Dohle
Der Stockfalke
Pirol