Deutsche Bauern und Bürger sichern das Neuland.

Großtaten des deutschen Volkes.
Deutsche siedeln im Südosten.

In seinem Hoflager in Ungarn sitzt um das Jahr 1000 König Stefan der Heilige mit seiner Königin Gisela. „Wild und arm ist das Land umher, wild sind auch die Sitten meiner Ungarn. Wie kann ich es bessern ?“ spricht der König. „Hole meine deutschen Landsleute in dein Reich“, rät Gisela. Da sandte der Ungamkönig reitende Boten mit Briefen über die Donau. Deutsche kamen und gründeten die ersten Städte. Sie lehrten die Ungarn, den Pflug nach deutscher Art zu fuhren, und dienten dem König als Ritter. Wenn auch in dem Ansturm der Türken viel deutsches Blut zugrunde ging, immer wieder kamen neue Siedler. Trotz späterer Bedrückung haben sie ihr Volkstum treu bewahrt, und viele Städte und Dörfer zeigen noch heute ein deutsches Gesicht.

Im 12. Jahrhundert rief der Ungarnkönig Franken von der Mosel nach Siebenbürgen. Als „Siebenbürger Sachsen“ gründeten sie Hermannstadt und besiedelten das Land. Die Deutschen schufen ein „Land des Segens, der Fülle und Kraft“, wie es in ihrem Volksliede heißt, „ein Land voll Gold und Rebensaft“. Es hat Mongoleneinfalle und Türkennöte überdauert. „Sachs, halte Wacht! Will man deine Rechte dir rauben, die Sprache, die Sitte, den Glauben, dann reiße das Schwert heraus und rücke zum Kampfe hinaus!“ — das ist noch immer ihr Wahlspruch. Die Züge deutscher Siedler in den Südosten haben nie vollständig aufgehört. Bis ins vergangene Jahrhundert sind Deutsche hinausgezogen nach Schlesien, Südpolen und Galizien, in die Zips, ins Banat, nach Kroatien (Gottschee), in die Dobrudscha, nach Bessarabien und tief nach Rußland hinein bis zum Schwarzen Meer und zur Wolga.

Deutsche Siedler im Norden.

Zur Zeit Kaiser Lothars wurde auch im Norden Deutschlands der Raum zu eng. Wieder hocken sie unzufrieden im Dorfkrug. Ein hochgewachsencr Fremdling tritt ein. „Kann man bei euch noch eine Hofstelle erwerben ?“ ist seine Frage. Grimmig lachen sie auf: „Die Zeit ist längst vorbei, aller Boden ist in fester Hand.“ „Ich weiß euch Rat. Hört zu! Ich komme aus dem Land der Wenden. Viel Raum ist dort für neue Höfe. Kommt mit!“ „Neuland, eigene Scholle, Freiheit, Wohlstand!“ Da braucht es kein langes Besinnen, sie schlagen ein. Ein großes Rüsten beginnt. Die Wagen werden gebaut und mit neuen Planen überzogen. Ein paar Pferde zum Ziehen und ein paar Kühe für den Anfang wirft der Hof ab. Zur Sonnenwende wird Hochzeit gehalten, denn Siedeln ohne Bäuerin ist nichts. Und als die Sonne steigt, setzt sich, wie in früher Vorzeit, ein neuer „Heiliger Frühling“ nach dem Osten in Bewegung, begleitet von den Segenswünschen der Zurückgebliebenen. Aus der Ferne verklingt das Lied:

„Nach Ostland wollen wir reiten,
nach Ostland wollen wir fort,
all über die grünen Heiden,
all über die Heiden,
da ist ein bess’rer Ort.“

Nach wochenlangem Zug ging es über die Elbe. Nun hielt der Führer an. „Wir sind am Ort. Hier rechts und links ist unser Boden. Nun, deutsche Bauern, fanget an!“ Bald erhoben sich die ersten Hütten. Im nächsten Jahre sollten Häuser dort stehen wie daheim, mit den Pferdeköpfen am Giebel. Doch bauten sie nicht zerstreut, sondern sie hielten zusammen, denn immer versuchten die Wenden, den Fremden Schaden zu tun. Die erwischten Räuber wurden am nächsten Baum aufgeknüpft. Schließlich verloren die Wenden den Mut. Sie merkten, daß sie gegen Schwert und Pflug der Deutschen nicht standhalten konnten und gaben den Widerstand auf.

Der Deutsche Ritterorden gewinnt Preußen.
Politischer Hilferuf an den Orden.

Im Jahre 1226 war der Kampf des Deutschen Ritterordens um Palästina aussichtslos geworden. Da erreichte ihn der Hilferuf des christlichen Polenherzogs- „Unser Herr und Gebieter“, so sagten die Boten, „fleht um Hilfe gegen die Einfälle der heidnischen Preußen. Das Weichselland ist in Gefahr. Er kann die Stürme nicht allein abwehren. Schickt Euren schwerterprobten Orden! Als Dank sollt Ihr das Kulmerland und noch dazu weites, polnisches Grenzgebiet erhalten.“ Aufmerksam hört der Hochmeister die Boten an. Hier bietet sich Gelegenheit, uraltes, germanisches Land dem Deutschtum zurückzugewinnen. — Er reicht den Polen die Rechte: „Sagt euerem Herzog, daß wir ihm zu Hilfe kommen!“

Deutsche Ritter bringen Ordnung, Kultur und Deutschtum.

Im Frühjahr 1230 war es so weit. Unter dem kampferprobten ersten Landesmeister von Preußen, Hermann Balk, begannen sie den Kampf. In fünfzigjährigem Ringen gewannen sie dem Deutschtum das Land zwischen Weichsel und Memel, wo einst Goten und Rugier siedelten, zurück. Immer weiter drangen die Ordensritter nach Osten vor. In Kurland, Livland und Estland kämpfte der Orden der Schwertbrüder. Die Ritter bauten Burgen und Schlösser, als schönstes und größtes die Marienburg an der Nogat. Hier war der Sitz des Hochmeisters, von dem die Befehle über das ganze Ordensland ausgingen. Im Schutz der schwarzweißen Farben gründeten sie ihre trotzigen Ordensstädte Thorn, Kulm, Marienwerder, Graudenz und Elbing, später entstanden Königsberg und Danzig. Unter seinem besten und glänzendsten Hochmeister, Winrich von Kniprode, war der Orden die stärkste Macht des Ostens (um 1380).

Der Orden erliegt polnischem Haß und eigenem Zwist.

Jedoch erwies sich der Ordensstaat auf die Dauer nicht als lebenskräftig genug. Es fehlte ihm die Verbindung mit dem Mutterland. Da die Ritter nicht heiraten durften, blieb der Nachwuchs aus. Aber auch der lebensnotwendige Zustrom an bäuerlichen Siedlern versiegte. Weil die Polen Christen geworden waren, stellte sich der Papst offen auf ihre Seite gegen die deutschen Ritter. Im Innern des Ordensstaates entstanden scharfe Gegensätze. Der Orden bildete eine Herren Schicht. Die Ritter des Landes wurden nicht in den Orden aufgenommen. Die Siedler waren erbittert darüber, daß sie für den Orden hart fronden und Kriegsdienste leisten mußten. Zu diesem inneren Zwist kamen bald äußere Gefahren hinzu. Die Litauer blieben Feinde des Deutschtums. Sie verbanden sich mit den Polen, die lüstern nach dem schönen und reichen Lande gierten und vereint mit den Litauern den Orden angriffen.

Im Jahre 1410 kam es bei Tannenberg zu einer schicksalsschweren Schlacht gegen die weit überlegenen Polen und Litauer. Verräter aus den Reihen der Ritter waren den Feinden behilflich. Die Ordensritter wurden vernichtend geschlagen. Um die Mitte des 15. Jahrhunderts (1466) mußte der Hochmeister in der Gildenhalle zu Thorn dem Polenkönig den Lehnseid schwören. Westpreußen und das Ermland wurden dem Orden entrissen, die Brücke zum Reich ging verloren. Doch polnisch wurde das deutsche Westpreußen damit nicht. Es blieb ein selbständiges Herzogtum, nur durch die Person des Königs mit Polen verbunden.

In der Folgezeit wurden die Grenzen des Deutschtums im Osten nicht weiter vorgetragen. Nur einzelne deutsche Volksinseln entstanden im brandenden Meer der Slawenflut. Um Westpreußen mußte immer wieder mit den Polen gerungen werden. Aber Ostpreußen blieb für immer ein Eckpfeiler des Deutschtums im Osten.

Siehe auch:
Deutsche Geschichte-Zeittafel
Germanen kämpfen um Europa
Die Wikinger, eine neue germanische Welle.
Das Reich der Deutschen beginnt
Großtaten des deutschen Volkes-Das Rittertum und seine Aufgaben
Großtaten des deutschen Volkes-Deutsche gewinnen Raum im Osten

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    21. Juni 2017

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