Deutsches Alphabet

Deutschland, der Träger der Welt-Kultur.

Sie konstatieren ferner, „die Deutschen haben ein barbarisches, mittelalterliches Alphabet beibehalten, während das übrige Westeuropa die lateinische Schrift angenommen hat, die leserlicher ist und sich gefälliger ausnimmt. Es ist eine der natürlichsten Erscheinungen von der Welt, dass eine starke Rasse, wie die deutsche, die ihre besten Charakterzüge aus grauer Vorzeit bewahrt hat, auch ihr Alphabet beibehielt, das schöner, gefälliger, für das Auge leichter fasslich als das lateinische, von den Engländern und anderen Nationen beharrlich für ornamentale Zwecke (besonders auch für Zeitungstitel) verwandt wird. Es steht zweifellos fest, dass das deutsche Alphabet in seinen Hauptteilen gothischen Ursprungs und durch den grossen deutschen Künstler Albrecht Dürer vervollkommnet worden ist.*)

*) Das gotische Alphabet wurde bekanntlich von Bischof Ulfilas oder Wulfila (geboren in Dacia; seine Vorfahren sollen aus Kappadocien stammen) gegen Mitte des vierten Jahrhunderts geschaffen, und zwar unter Anlehnung an das griechische Alphabet, aber mit liebevoller Berücksichtigung der uralten germanischen Runenzeichen.

Nebenbei bemerkt: Sie scheinen die Haltung des deutschen Volkes nicht verstehen zu können, da Sie kein eingehendes Studium der deutschen Literatur getrieben haben. Wenn Sie das deutsche Alphabet studieren, so werden Sie finden, dass es genau so viele Buchstaben enthält wie das englische, und dass die meisten Zeichen in beiden Sprachen einander gleich sind.

Ihre weitere Behauptung, die deutsche Literatur sei schwerfällig und wunderlich, beweist wieder Ihr Unvermögen, das innerste Wesen des deutschen Volkes zu erfassen. Sie sind unfähig, in seinen Geist einzudringen. Wenn Sie die deutsche Sprache beherrschten, so könnte ich Ihnen eine Anzahl Prosawerke deutscher Literatur — „Poesie in Prosa” — empfehlen, die Sie entzücken würden. Solche Werke fehlen der englischen Literatur vollständig. Haben Sie je des grossen Verehrers der Deutschen, Thomas Carlyles, „Liebesbriefe an Jane Welsh” gelesen? Als solche sind sie eine herbe Enttäuschung, da sie monoton, weitschweifig und uninteressant sind. Offenbart überhaupt die englische Literatur uns etwas Herrliches und Packendes auf dem Gebiete der Liebe, diesem köstlichsten aller Themata, das den Vergleich mit Heinrich Heine’s Liedern aushält? — Haben Ihre vielgepriesenen Lyriker, Shelley und Keats , nur annähernd Ähnliches aufzuweisen?

Sie sagen: „Der deutschen Kultur mangelt es an sozialem Empfinden, an dem Bestreben, die Welt für andere leicht und angenehm zu machen.” Die Tatsache, dass Deutschland sich das lateinische Alphabet nicht angeeignet hat, spricht eher zu Gunsten seines alteingewurzelten und starken Charakters und namentlich seiner gradlinigen Entwicklung und Individualität im Denken und Handeln. Der Deutsche ist nicht übermässig höflich. Er ist zu aufrichtig, um schmeicheln zu können. Nur eine geschmeidige Sprache, wie die französische, kann im diplomatischen Verkehr zwischen verschiedenen Nationen, weil sie jede nach ihrer Art zufriedenstellt, benutzt werden. Haben Sie. beobachtet, wie übertrieben die Kriegsnachrichten sind, die aus englischen, romanischen und slavischen Quellen fliessen?

Berichte aus diesen Quellen sind von Anbeginn des Krieges bis auf den heutigen Tag tatsächlich nichts als ein ehrloses Lügengewebe, — kein Wunder, dass eine von britischen Schriftstellern verfasste Weltgeschichte und ganz besonders englische Enzyklopädien manchmal recht unglaubwürdig sind. Das Gegenteil darf von der Presse Deutschlands gesagt werden. Können Sie einer deutschen Zeitung falsche Darstellungen nachweisen? Wenn Ihnen das möglich ist, dann, bitte, heraus damit! Erklärt doch eine englische Zeitung, die Londoner Daily Mail, dass Berlin Londons zuverlässigstes Nachrichtenamt ist, und dass deutsche drahtlose Berichte vollkommenes Vertrauen verdienen, während die englische Zensur nur „blödes Geschwätz” passieren lässt. Ja, wie jedermann weiss, werden alle wichtigen Nachrichten im Interesse Englands und seiner Verbündeten gefälscht.

Friedrich Wilhelm von Frantzius.

Siehe auch:
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