Deutsches Frauenleben in Südwest-Afrika: Die Hauswirtschaft

Von Clara Brockmann.

Es wird den Leser in der Heimat vielleicht interessieren, einige Einzelheiten aus dem afrikanischen Haushalt zu erfahren. Nach den in Briefen geäusserten Ansichten und Anfragen zu urteilen, macht man sich daheim ganz wunderliche Vorstellungen über unsere Lebensweise. Um ein paar derartige Fragen zu beantworten, muss ich zunächst ein paar scheinbar lächerliche Wahrheiten sagen.

„Wilde“ gibt es überhaupt nicht mehr in Südwest. Jedenfalls nicht diese Fliegenden Blätter-Wilde mit Ringen durch Ohren und Nase, bewaffnet mit Schild und Speer.

Von der Wohnung kann sich jeder Mensch fortbegeben, so weit es ihm gefällt, meinetwegen kann er auch nachts im Mondschein über die Berge wandeln und Oden dichten. An Lebensmitteln fehlt’s uns nicht. Zu essen haben wir genug, es ist noch niemand in Südwest verhungert. Man könnte sogar antworten: Wir können uns hier fast ein solches Diner hersteilen, wie daheim. Verschiedene Braten, Geflügel, Gemüse, Ragouts, feine Suppen, Puddings, Fische, Eis . . .

Für Geld kann man überhaupt so ziemlich alles bekommen, leider besitzt nur das Geld hier sehr wenig Wert. Kann man für 20 Mark in Deutschland schon allerhand Delikatessen einkaufen, so langt es hier kaum zu einem Gänsebraten. Selbstverständlich werden voraussichtlich auch noch lange Zeit Lebensmittel importiert werden müssen, dennoch sind wir keineswegs ausschliesslich auf Konserven angewiesen.’Wir haben frisches Fleisch, Butter, Milch, Eier, Gemüse, Obst, insbesondere Trauben, und anderes mehr.

Die Preise der Lebensmittel sind infolge des Aufstandes naturgemäss bedeutend gestiegen, sie stehen zum Teil auch heute noch unter den Einwirkungen desselben, doch ist im Vergleich zu früheren Jahren schon vieles wesentlich billiger geworden. Die Flasche Bier kostete noch im Vorjahre in Keetmanshoop 5 Mark. Jetzt zahlt man 1,25 bis 2 Mark dafür. Ganz bedeutend sind die Fleischpreise gesunken. Für gutes Rindfleisch zahlt man zurzeit 40 bis 50 Pfg. gegen 1,40 Mark im vorletzten Jahre, für Kalbfleisch 60 bis 80 Pfg. und Schweinefleisch 1,— bis 1,40 Mark; letzteres wurde noch vor einem Jahre mit 2,50 Mark bezahlt.

Aus dem Angeführten ergibt sich, dass es praktisch ist, sich manche Genussmittel durch Halten von Haustieren wesentlich billiger als zu Storepreisen zu verschaffen. So gleicht denn selbst in grösseren Ortschaften mancher Haushalt einer Kleinsiedelung, es sind Hühner, Tauben, Bockies (Ziegen) vertreten, Wein wird angepflanzt und Gemüse ausgesetzt. Es ist zweckmässig, einen Stamm guter Legehühner milzubringen und zwar brauchen dies keine besonderen Zuchthühner zu sein; einfache Landhühner genügen vollkommen.

Man kocht in Afrika auf eisernen Herden oder Petroleumkochern, nicht selten auch auf der Erde. Das darf keine Ueberraschung sein für die junge Farmersfrau. Dieser Zustand dauert nicht ewig und wenn sie erst in einem richtigen Hause wohnt und nach allen Regeln der Kunst backt und kocht, dann wird sie gerne zurückdenken an die erste Zeit des Padlebens, wo sie draussen den Hammel am Spiess briet.

Die afrikanische Wohnungseinrichtung gleicht der deutschen, nur hin und wieder weisen zur Dekoration verwandte Landesraritäten wie Felle, Hörner, Eingeborenenarbeiten und dergleichen darauf hin, dass wir uns unter afrikanischem Himmel befinden. Praktische Farmersleute verfertigen sich auch eigenhändig manche Möbel und mit einiger Geschicklichkeit lassen sich so hübsche Einrichtungsgegenstände herstellen. In der Schule werden jetzt die Knaben im Handfertigkeitsunterricht unterwiesen, der sich auf Arbeiten in Holz und Metall erstreckt, eine wertvolle Neuerung für den zukünftigen Farmer, der oft Tischler, Schlosser und Maler in einer Person darstellen wuss. — Der Zimmerreinigung muss besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Zwei Widersacher stellen sich oft ein und schaffen Schwierigkeiten. Das ist der Staub und das Ungeziefer. Hat man eben sorgfältig jedes Bild und jede Vase abgestaubt, nach kurzer Zeit schon kann man wieder auf der feinen Staubschicht Figuren malen.

Und das Ungeziefer? Ja, das ist gerade kein vornehmer Unterhaltungsstoff. Aber es hilft nichts, es ist einmal da und mit ein paar schönen Redensarten lässt es sich nicht fortschaffen. Hauptsächlich sind es die Termitenarten, die Häuser beschädigen und kleinere Ameisensorten, die an Esswaren gehen. Auch Wanzen, Flöhe usw. sind hier häufige Gäste, die grosse Neigung zum Sesshaftwerden entwickeln, wenn man ihnen nicht sofort sehr energisch zu Leibe geht. Tägliches Sonnen der Betten und Auswaschen der Bettstellen und Schränke mit Terpentin, Petroleum und Benzin wird hier Abhilfe schaffen. Bei Ameisen bewährt sich auch eine Lösung von Borax und Essigessenz sehr gut. Das Ungeziefer wird fast immer von Schwarzen in die Häuser getragen, das beste Vorbeugungsmittel ist also Erziehung der Schwarzen zur Reinlichkeit.

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  1. […] Kasuarjagd in Deutsch-Neu-Guinea Die deutschen Diamanten am Weltmarkt Der Deutsche Kolonialkongress Deutsches Frauenleben in Südwest-Afrika: Die Hauswirtschaft Der angehende Farmer in Afrika Koranschulen in Deutsch-Ostafrika Eine Mahnung an deutsche Eltern […]

    20. Oktober 2016
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