Die Anlagen der Benzinwerke Regensburg


Dem aufmerksamen Beobachter der großen wirtschaftlichen Bewegungen auf dein Weltmarkt in Mineralölprodukten kann es nicht entgangen sein, daß dem gewaltigen Standard Oil Trust, von dem man am Ende des vorigen und in den ersten Jahren unseres Jahrhunderts behaupten konnte, daß er den Weltmarkt in allen Mineralölprodukten beherrsche, mächtige Gegner entstanden sind. Der bedeutendste dieser Gegner ist zweifellos der Konzern „Koninklijke-Shell“, eine Interessengemeinschaft der „Koninklijke Nederlandsche Maatschappij tot Exploitatie van Petroleumbronnen in Nederlandsch Indie“ und der „Shell Transport and Trading Co.“. Der Konzern steht unter der genialen Leitung von Henri W. A. Deterding und wird in der internationalen Petroleumindustrie daher kurz Deterding-Konzern bezeichnet.

Es würde zu weit führen, wollte man an dieser Stelle die vielfachen Verzweigungen und Verästelungen erwähnen, welche der Deterding-Konzern in fast allen Ländern der zivilisierten Welt in Form von Produktions-, Raffinations-, Transport- und Verkaufsgesellschaften besitzt. Das Vermögen des Konzerns mit allen seinen Untergesellschaften wird auf nicht viel unter 2 Milliarden Mark geschätzt.

Zweifellos überlegen dürfte der Deterding-Konzern dem Konzern der Stand. Oil Co. im Benzingeschäft sein. Im Artikel Benzin verfügt der Konzern auch in Deutschland über eine maßgebende Stellung. Zur Versorgung des deutschen Benzinmarktes hat er zunächst die Benzinwerke Rhenania G. m. b. H. in Düsseldorf und die Benzinwerke Wilhelmsburg G. m. b. H. in Wilhelmsburg (Elbe) ins Leben gerufen und an den Einfallspforten Rhein und Elbe mustergültige Anlagen geschaffen. — Die Erkenntnis der großen Bedeutung der Donauwasserstraße für die Versorgung des deutschen Marktes im Zusammenhang mit der Notwendigkeit, das von der rumänischen Tochtergesellschaft des  Konzerns, der „Astra-Romana“, gewonnene Rohbenzin auf möglichst zweckmäßige und rationelle Weise dem deutschen Absatzgebiet zuzuführen, hat nun den Deterding-Konzern veranlaßt, in Regensburg eine neue Gesellschaft, die „Benzinwerke Regensburg G. m. b. H.“ mit einem Kapital von zunächst Mk. 700000.— ins Leben zu rufen.

Sein Hauptkampfmittel sieht der Deterding-Konzern in der Ausnützung und Erprobung der neuesten Ergebnisse wissenschaftlicher Forschung. So sind speziell seine Raffinerien in Deutschland mit allen modernen Errungenschaften ausgestattet. Die Anlage am Regensburger Hafen stellt zweifellos den vollendetsten Typus einer Anlage zur Verarbeitung des Rohbenzins dar. Eine eingehende Beschreibung derselben dürfte daher allgemein interessieren.

Vorausgeschickt sei, daß der Bau der Anlage Anfang Juni 1913 begonnen wurde. Ende Dezember desselben Jahres war die Anlage bereits betriebsfertig und am 1. Januar 1914 konnte bereits die erste Ladung Fertigfabrikat die Fabrikanlage verlassen. Diese Leistungen sind als Rekordleistungen zü bezeichnen. Daß sie ermöglicht werden konnten, ist in erster Linie dem Organisationstalent des Generaldirektors Heinrich Späth (Düsseldorf), der während der Bauzeit als Geschäftsführer der ..Benzinwerke Regensburg G. rn. b. H.“ fungierte, und der Energie des bauleitenden Ingenieurs H. Larsen (Hamburg) zu danken. Die Pläne der Anlage stammen aus dem technischen Bureau der Bataafschen Petroleum Maatschappij im Haag, einer Tochtergesellschaft des Deterding-Konzerns.

Das am Regensburger Hafen gelegene Terrain der Benzinwerke Regensburg hat ca. 17 000 Quadratmeter Grundfläche und ist von der Zollverwaltung Regensburg auf mehrere Dezennien gepachtet. Über ein Drittel der Grundfläche wird von der Reservoiranlage eingenommen. Die von der Dampfkessel- und Gasometerfabrik vorm. A. Wilke & Co. in Braunschweig ausgeführte Anlage (Fig. 1) besteht aus 5 großen Tanks für Rohbenzin und Gasöl. 10 etwas kleineren Tanks für rektifiziertes Benzin und Testware und einem Klaertank. Sämtliche Tanks sind mit Berieselungseinrichtungen versehen. Das gesamte Terrain der Benzinwerke Regensburg besitzt ferner eine Hydrantenleitung, die mit 11 über das Terrain verteilten Hydranten ausgestattet ist.

Die Tankanlage ist ihrem Zwecke entsprechend durch ein sinnreiches, durchweg oberirdisch verlegtes System von Rohrleitungen (Fig. 2) sowohl mit der Anlegebrücke am Petroleumhafen als auch mit dem Benzinpumpenhaus resp. dem Abfüllhaus verbunden.

Die Rohware geht von den Tankschiffen im Petroleumhafen zunächst nach den Rohbenzintanks. Von hier wird sie in die Destillation gepumpt. Die Destillation besteht aus zwei kompletten Destillationsapparaturen und zwar je einer großen Destillierblase, je einer Rektifizierkolonne, je einem Dephlegmator, je einem Kühler, je einem Wasserabscheider und einer Laterne. Für eine dritte Destillationsapparatur ist Raum vorhanden, Unabhängig von den Kolonnen kann ein Kühler zur direkten Kondensation benutzt werden.

In einem Flügelanbau des Destillationsgebäudes sind 6 Vorlagen untergebracht. Für 3 weitere Vorlagen ist Raum vorgesehen. Zur Kühlung der Rückstände aus den Blasen sind zwei Kühler vor der Destillation im Freien aufgestellt. Über der Destillation sind zwei Wasserreservoire montiert. Die gesamte Destillationsanlage ist von der Dingler-schen Maschinenfabrik A. G. in Zweibrücken ausgeführt.

Das Kesselhaus enthält 3 Zweiflamm – Wellrohr-Dampfkessel mit Planrostinnenfeuerung und Überhitzer. Bei der Kesselanlage wurde darauf besondere Rücksicht genommen, daß man als Heizmaterial bayerische Braunkohlenbriketts, die von der Bayerischen Braunkohlen-Industrie A. G. in Schwandorf bezogen werden, verwenden kann.

Der Schornstein des Kesselhauses, der eine Höhe von 40 m hat, ist von der Regensburger Firma Rummel ausgeführt. Die Herstellung der Fundamente, wie die aller übrigen Bauarbeiten lag in Händen der Firma Koch & Spiegel (Regensburg).

Das Raffinationsgebäude besitzt drei große verbleite Agitatoren. Das Gebäude ist so eingerichtet, daß noch Raum für einen weiteren Agitator vorhanden ist. Die Agitatoren sind mit einem durch Riemen angetriebenen Rührwerk versehen. Der Antrieb erfolgt durch eine Dampfmaschine, die Kraftübertragung vermittelt eine Transmission. Die Agitatoren sind von der Halleschen Maschinenfabrik, Halle a. d. Saale, die zugehörige Maschinerie von der Dinglerschen Maschinenfabrik A. G., Zweibrücken. geliefert. Die zur Raffination gehörenden vier Vorlagetanks sind in einem besonderen Gebäude untergebracht. Für zwei weitere Vorlagetanks ist noch Platz vorgesehen.

In einem Flügelanbau der Raffination ist der Sodasäure-Mischraum eingebaut, ln demselben sind zwei Sodamontejus aus Schmiedeisen und zwei Säuremontejus aus Weichblei, sowie ein Mischgefäß zum Löschen und Mischen von Soda aufgestellt. In einem weiteren Anbau des Raffinationsgebäudes befindet sich das Maschinenhaus nebst Akkumulatorenraum. Im Maschinenraum ist die elektrische Lichtanlage sowje ein Luftkompressor aufgestellt. Neben dem Akkumulatorenraum sind zwei Kessel aufgestellt, die zur Lagerung von irischer Schwefelsäure für die Raffination dienen. Vor der Raffination sind zwei Bleireservoire angeordnet, die für die Abfallschweielsäure-Abfallaugen bestimmt sind. Die sauren resp. alkalischen Abwässer werden in diesen Reservoiren neutralisiert und nach vollständiger Neutralisation in die Donau abgeleitet. Die Neutralisationsanlage, die in gemeinsamer Arbeit mit den zuständigen Behörden konstruiert wurde, arbeitet absolut zufriedenstellend.

Das Benzinpumpenhaus (Fig. 3) enthält 7 Dampfpumpen. Die Abfüllhalle (Fig. 4) besteht aus einem Raum von 23,5 m Länge, 5,5 tn Breite und 3,64 in Höhe. Hinter der Abfüllhalle sind 10 kubische Tanks aufgestellt (Fig. 5), die mit einer Pumpe vollgepumpt werden und aus denen die Fässer und Kannen durch natürliches Gefälle gefüllt werden.

Zur Wasserversorgung dienen in einem besonderen Wasserpumpenhaus aufgestellt 3 Dampf-Pumpen und zwar eine große und zwei etwas kleinere. Erstere ist als Feuerpunipe aufgestellt und dient vor allem zur Speisung der Berieselungsleitungen und Hydranten. Eine der zwei letztgenannten Pumpen dient hauptsächlich zur ständigen Versorgung der Hochreservoire, während die zweite als Reservepumpe vorgesehen ist. Die drei Pumpen sind derart untereinander durch Rohre verbunden, daß sie gemeinsam wie auch einzeln für Berieselungs- resp. Feuerlöschzwecke und auch zur Förderung des Betriebswassers verwendet werden können. Es sind zwei Saugleitungen vorhanden, die, auf einer kleinen Brücke ruhend, in den Petroleumhafen gelegt sind, aus dem auch die Wasserentnahme erfolgt.

Das zur Kontrolle des gesamten Betriebes dienende Laboratorium ist in einem massiven, zweistöckigen Gebäude untergebracht, das außerdem das Bureau der Betriebsleitung, einen Arbeiteraufenthaltsraum, sowie mo-dernst eingerichtete Wasch- und Baderäurne für die Arbeiterschaft enthält.

Die Fabrikanlage ist durch ein 535 m langes normal-spuriges Anschlußgleis mit zwei Weichen an das Eisenbahnnetz angeschlossen. Eine sehr sinnreich konstruierte Waggonwaage der Firma Eßmann & Co. (Altona) ist in geeigneter Weise am Anschlußgleis angeordnet. Ein massives zweistöckiges Bureaugebäude enthält im Parterre umfangreiche Bureauräume, im ersten Stockwerk die Wohnung des technischen Betriebsleiters.

Mit den vollkommensten Einrichtungen der Neuzeit ausgestattet, haben die Benzinwerke Regensburg G. m. b. H. ihre Tätigkeit im Anfang dieses Jahres aufgenommen. Zwar ist die Zeitspanne dieser Tätigkeit noch eine kurze, aber schon jetzt kann mit Fug und Recht behauptet werden, daß die Anlage allen hochgespannten Erwartungen entspricht, die die Erbauer sich gestellt haben. Unter der technischen Leitung des Ingenieurs Henri van Poelvoorde funktioniert die Anlage zur vollsten Zufriedenheit.

Kurz vor der Fertigstellung der Anlage wurde mit der kaufmännischen Organisation des Absatzgebietes begonnen. das das ganze Königreich Bayern umfaßt. Es war keine geringe Arbeit, der sich der kaufmännische Direktor der Benzinwerke Regensburg G. m. b. H., Herr Johann Theuerkauf. zu unterziehen hatte. Heute kann diese Organisationsarbeit als abgeschlossen gelten. Bei über 5000 Kunden haben die Produkte der Benzinwerke Regensburg G. m. b. H. in den wenigen Monaten, die seit Aufnahme des Betriebes verflossen sind, Eingang gefunden; ein seltener Erfolg, der sowohl für die Qualität der erzeugten Produkte als auch für die Rührigkeit der Geschäftsleitung spricht.

Siehe auch:
Aktien-Papierfabrik Regensburg
Express-Fahrradwerke A.G.Neumarkt in der Oberpfalz
Jesuitenbrauerei Regensburg in Regensburg
Schlüssel-Bleistift-Fabrik J. J. Rehbach in Regensburg
Das Elektrizitätswerk der Stadt Regensburg
Deutsch-Amerikanische Petroleum-Gesellschaft Hamburg. Benzinfabrik Regensburg.
Dampfsägewerk Arnschwang
Johann Müller, Perlmutterknopf-Fabrik
Eisengießerei Carolinenhütte
Dampfsäge, Hobel- und Spaltwerk, Kistenfabrik
Staatliche Eisenindustrie in der Oberpfalz Amberg-Weiherhammer-Bodenwöhr
Prinz Rupprecht-Quelle vormals Silvana-Sprudel in Groschlattengrün
Bayerische Granitaktiengesellschaft in Regensburg
Tonwerk Prüfening und Braunkohlengrube Friedrichzeche
Städtisches Lagerhaus Regensburg am Luitpoldhafen
Die Kalkindustrie der Walhallastraße
Kalblederfabrik Furth i. Wald
Bayerische Braunkohle-Industrie
Die Malteserbrauerei in Amberg
Terranova-Industrie C. A. Kapferer & Co. in Freihung.
Königlich Bayerische Hofglasmalerei Georg Schneider in Regensburg
Das neue Gaswerk der Stadt Regensburg
Die Stadt Weiden
Naabwerke für Licht- und Kraftversorgung
Kalksandsteinfabrik Roding G.m.b.H.
Königl. Schwellenwerk in Schwandorf
Bayerische Maschinenfabrik Regensburg
Metallhammerwerk u. Bronzefarbenfabrik in Rothenbruck Opf. Aluminiumbronzefabrik in Rauhenstein Opf.
Die Entwicklung des Fahrrades
Tonwerk Blomenhof, G.m.b.H., Neumarkt i. Opf.
Die Flügel- und Piano-Fabrik von Georg Weidig in Regensburg
Eisen- und Metallgießerei, Maschinenfabrik und Kesselschmiede
Dresdener Maschinenfabrik und Schiffswerft Übigau A.G. Werft in Regensburg
Die Anlagen der Benzinwerke Regensburg
Portland – Cementwerk Burglengenfeld
Bürgerbräu Weiden
Aktiengesellschaft Porzellanfabrik Weiden
Holzhandlung, Werke für Holzimprägnierung und Kyanisierung
Porzellanfabrik Tirschenreuth
Stanz- und Emaillierwerke in Amberg
Bayerische Schlauchfabrik, mechanische Hanf- und Drahtseilerei
Die Wasserversorgung der Stadt Regensburg
Vereinigte Bayerische Spiegel- und Tafelglaswerke
Cahücitwerke Nürnberg. Fabrik in Neumarkt Oberpfalz.
Bayerische Überlandcentrale A.G. Haidhof
Portland-Cementwerk Berching A.G. in Berching
Die Spulen-Fabrik Max Borger in Cham
Teerprodukten-, Dachpappen- und Isoliermaterialienfabrik
Eisenwerkgesellschaft Maximilianshütte in Rosenberg (Oberpfalz)
Die industriellen Betriebe in Friedenfels
Dampfsäge- und Hobelwerke, Kistenfabrik (Bayer. Wald)
Möbelfabrik von A. Schoyerer in Cham – K. Bayer. Hoflieferant.
Hartpapierwarenfabrik in Dietfurt
Eichhofen, industrielle und landwirtschaftliche Besitzung des Herrn Wilh. Neuffer
Weck & Sohn : Bau- und Möbelschreineret Dampfsägewerk, Holzhandlung und Kistenfabrik
Porzellanfabrik und Malerei
Dampfsäge- und Hobelwerk, Holzwollefabrik
Krystallglasfabrik F. X. Nachtmann in Neustadt Waldnaab
Die Fabrikbetriebe der Firma Carl Zinn in Neumarkt i. Oberpfalz