Die Bisamente


KENNZEICHEN DER ART. Gesicht nackend mit Warzen; vom Scheitel bis zum Hinterhalt ein Schopf.

BESCHREIBUNG. Oberschnabel hinten schwärzlich, vorne röthlich, Nagel grau: Nasenlöcher eirund; an der Schnabelwurzel eine vorwärts stehende schwarzbraune, oben rothe Warze; Unterschnabel sehwarz-braun ; Gesicht nackend, voll Warzen oder auch glatt; Augenstern hellbraun; Scheitel schwarz und stahlblau oder grün glänzend, nach hinten mit einem schwarz und weiß geschäktcn Schopf; Hals und Vordertheil der Brust schwarz oder weiß geschäkt; der übrige Theil, Bauch und untere Dekfedern des Schwanzes schwarz-braun, grünglänzend und die und da weiß geflekt; Rücken und Flügeldekfedern goldgrün mit einem dunkel violetschillernden Rande ; die langen Dekfedern weiß; Schwungfedern schwarzbraun, etwas ins Grüne schillernd; Sehwanz goldgrün; Füße graubraun. Die Flügelspitzen reichen bis an die Schwanzwurzel.

Männchen: Länge 2 Fuß 8 Zoll;- Breite 3 Fuß 8Zoll.
Weibchen: Länge 2 Fuß 1 1/2 Zoll; Breite 3 Fuß 5 Zoll.

Die Weibchen sind viel kleiner und in ihren Farben abwechselnd. Wir besitzen zwei, von welchen das eine abgebildete folgende Zeichnung hat:

Schnabel rosenröthlich, am Grunde und in der Mitte mit einem schwärzlichen Bande; Gesicht hellroth, nakt und warzig; Kopf, Hals und Brust weiß; auf dem Scheitel ein breiter, schwarzer Streifen; Oberhals schwarz und weißbunt; Rücken grün und goldglänzend; Flügel weiß; Schwanz wieder Rücken, die zwei äußern Federn weiß; Füße hell braunroth.

AUFENTHALT. Ihre eigentliche Heimait ist Brasilien, von woher sie nach Europa versezt und völlig einheimisch gemacht worden ist.

EIGENSCHAFTEN. Sie hat eine träge, mürrische und boshafte Gemüthsart und beißt gern andere vom Futter weg. Ihr Gang ist sehr schwerfällig wankend; ihr Flug kreisförmig. Die Federn und das Fleisch haben einen bisamartigen Geruch. Das Männchen von dem Päechen, welches wir beobachteten, bewieß immer eine große Liebe zu seinem Weibchen. Zuweilen fraß ersteres nicht eher, als bis das lezteres zu fressen anfing; das Männchen faßte das Weibchen mit dem Schnabel bei den Halsfedern und wollte es zu dem Freßgeschirr ziehen. Einmal badeten sich beide in einem Zuber. Das Weibchen, dem es, als das Männchen hinein stieg, im Bade zu enge war, wollte einige male heraus, das Männchen pakte es aber allemal sanft beim Halse und nikte ihm zu daß es im Wasser bleiben sollte. Es blieb nun auch wirklich, so lange darin, bis das Männchen heraus stieg. Wenn sie zornig wird , so schwillt die Warzige Gesicht§haut auf, wie beim Puterhuhn. Das Athemholen war beim Männchen so stark, daß man es 8. Schritte weit hören konnte. Wenn man es beunruhigte, so gab es durch den Mund ein starkes Hauchen von sich und nikte öfters auf das Weibchen mit dem Kopfe und Halse zu , welches wahrscheinlich ein Ausdruk der Freude war. Vom Männchen hörte man nie einen andern Laut, als das erst benannte Hauchen. Das Weibchen gab nur in der Angst einen Laut von sich , der aber bei weitem nicht die Stärke des Geschreies zahmer Enten hatte, noch ihm glich, sondern ein helles Kollern, war, das einigermassen dem Laut eines aus einem Selterkrug laufenden Wassers ähnelte. Wenn es gejagt wurde, so bließ es das Kinn wechselsweise wie ein Laub frosch auf. Beide Geschlechter hohen die Haube in die Höhe, wenn man sie beunruhigte. Auch badeten sie sich alle Tage, so gar wenn das Wasser mit einer dünnen Eisrinde überzogen war. Mit den andern Enten im Hofe hatten sie keinen Umgang, bissen vielmehr nach denselben uud blieben gewöhnlich in einer Ecke allein sitzen. Lächerlich ist die große Unbehülflichkeit und Trägheit des Männchens, wenn es sich mit dem Weibchen begatten will. Das Männchen soll nach Bechstein ausserordentlieh hitzig sein, und alles Federvieh , sogar Gänse angehen und sie treten. Diesen heftigen Trieb bemerkte man bei dem erwähnten Pärchen nicht. Den Schwanz bewegten beide Geschlechter wagerecht.

Ihre NAHRUNG ist eben so wie die der gemeinen Ente. Im Hofe füttert man sie mit Waizenkleie die etwas mit Wasser angefeuchtet und mit Gerste oder aufgeschwelten Hafer, Brodkrmnmen etc. vermischt wird. Schlamm aus Weihern, der ihnen vermuthlich zum Ab— dauen dient, verschlucken sie auch gerne. Die Junger lieben das Samenkraut (Potamogeton) sehr.

FORTPFLANZUNG. Etwa in der Hälfte des Aprils legt das Weibchen seine schmutzig-weißen und grünlich überlaufenen Eier, auf ein aus Stroh bereitetes Nest, das es — nach Bechstein — auch mit Flaumfedern, die es sich aus dem Leibe rupft, ausfüttert. Wenn es 12. bis 15. Eier gelegt hat, so fängt es an zu brüten. Die Brütezeit dauert fünf Wochen lang. Obiges Weibchen machte sich kein besonderes Nest, sondern legte die Eier auf die bloße Streu, hin. Es fing mit dem Legen am 28. April an und legte bis zum 29. August 3o. Eier. Den 16. Jun. sezte es aus, den 17. legte es wieder, den 18. sezte es wieder aus bis zum 15. Jul. Von diesem Tage an bis zum 29. Aug. hörte es abermal auf zu legen , dann legte es das lezte. Will man Junge ziehen, so thut man am besten, wenn man das brütende Weibchen von dem Männchen absondert und in einem Stall brüten läßt, oder die Eier einer Truthenne unterlegt.

NUTZEN. Man genießt ihr Fleisch und ihre Eier. Nur soll man, nach Goeze, ihr vor der Zubereitung den Köpf abschneiden, weil im entgegen gesezten Fall das Fleisch einen bisamartigen Geruch erhält. Die Eier schmecken weichgesotten auf der Zunge streng und trocken; unter andern Speisen aber sind sie wegen ihrer Grösse vortheihaft. Einen SCHADEN wüßten wir von ihr nicht anzuführen. FEINDE hat sie an einer Art von Laus, (Pediculus moschatae) woran die Jungen sterben, wenn jene überhand nimmt.

VERSCHIEDENHEITEN.

1. Anas moschata cinnamomea. Nobis. Sie ist kleiner.

2. Anas moschata varia. Nobis. Entweder a) mit bedekten, nicht warzigen Gesicht, bräunlichem Schnabel, grün goldglänzendem Rücken, schwarzbraunem Unterleibe, Flügeln und Schwänze und nuss-braunen Füßen ; oder b) mit grauröthlichem; oder c)mit gelb und weiß geschäktem Leibe.

5. Anas moschata alba. Nobis. Ganz weiß mit blauen Augenstern.

ANMERKUNGEN.

Bei dem oben genannten Weibchen bemerkte man, daß die ersten Eier, welche es legte, eine grünere Farbe hatten, als die leztern, der Dotter weniger gelb, und die Haut unter der Schale weit stärker war, als bei Hünereiern. Die Testikeln beim Männchen waren über 6 Linien lang und 5 1/2 Linien dik im Durchschnitt,  hell röthlichbraun und auf der obern Seite mit feinen Aederchen überzogen. Ungefähr 8 Stunden vor seinem Tode, bekam das Männchen Brod zu fressen. Als der Schlund und Magen untersucht wurde, fand man nur sehr wenig Brodbrei in dem leztern, destomehr aber in dem erstem, welcher als ein walzenförmiger Sak am Halse herab hing. Der Magen ist nicht weit. Es scheint also, daß eine Art von Vordauung in dem Schlunde schon vor sich geht.

Siehe auch:
Der Uhu
Der Dorndreher
Die Elster
Der Kernbeisser
Der Gimpel
Die Kohlmeise
Der Turmfalke
Der Grünspecht
Die Dohle
Der Stockfalke
Der Pirol
Das Rotschwänzchen
Die weisse Bachstelze
Die Lachtaube
Der Staar
Der Grünling
Die Mauerschwalbe
Der Kukuck