Die Deutsch-chinesische Hochschule in Tsingtau


An einem der schönsten Punkte von Tsingtau, an sanft aufsleigendem grünen Hange, hart an dem felsigen Meeresufer, wo in ewigem Rauschen die Brandung schäumt und wo der Blick weit hinüberschweiit über die prächtige Bucht und die freundlichen Häuser der deutschen Stadt, erheben sich jetzt die einfachen aber schmucken Bauten der Deutsch-chinesischen Hochschule.

Die Anstalt ist zur Ausbildung junger Chinesen bestimmt und wird von der deutschen und der chinesischen Regierung gemeinsam betrieben. Sie gliedert sich in zwei Teile: eine Unterstufe, in der die allgemeine Vorbildung vermittelt wird, und in eine Oberstufe, die in die höheren Spezialwissenschaften einführt. Neben dem abendländischen Bildungsgänge läuft in beiden Stufen parallel der chinesische. Die Unterstufe hat einen sechsjährigen Lehrgang. Lehrfächer sind: Deutsch, allgemeine Geschichte und Geographie, Mathematik, Botanik, Zoologie, Physik, Chemie.

Die Oberstufe besteht aus vier Abteilungen: einer staatswissenschaftlichen, einer medizinischen, einer technischen und einer Forst- und Landwirtschaftlichen. Der Unterricht dauert in jeder der vier Abteilungen drei bis vier Jahre, in der medizinischen schliesst sich noch ein Jahr praktischer Ausbildung daran.

Lehrfächer in der staatswissenschaftlichen Abteilung sind:

Völkerrecht, allgemeines Staats- und Verwaltungsrecht , Etatsrecht, Eisenbahnrecht, Volkswirtschaftslehre und Finanzwissenschaft; in der technischen Abteilung: Maschinenbau, Hochbau, Eisenbahnbau, Bergbau und Elektrotechnik; die vorhandenen Werkstätten werden als Anschauungsmaterial benutzt; in der forst- und landwirtschaftlichen Abteilung: Waldwirtschaft, Viehzucht, Verwendung landwirtschaftlicher Maschinen und ähnliches: zu Hebungen der medizinischen Abteilung dient das Faber-Hospital. Sowohl die Unterstule wie jede Abteilung der Oberstufe schliesst mit einer Prüfung ab. Die Abgangsprüfung in der Oberstufe berechtigt zum Eintritt in den chinesischen Staatsdienst. Wie aus dem obigen Lehrplan erhellt, verfolgt die Anstalt durchaus praktische Ziele. Die künftigen chinesischen Beamten, Techniker, Landwirte und Aerzte sollen im Sinne des deutschen Staats-undWirtschaftslebens ausgebildet und beeinflusst werden. Der steigende Besuch der Deutsch-chinesischen Hochschule beweist, dass unsre Regierung einem wirklichen Bedürfnis entgegen gekommen ist und dass die chinesische Jugend sich gerne bei uns die Kenntnisse holt, der ihre Heimat zu ihrer kulturellen Weitercntwickelung bedarf.