Die deutschen Schuster amerikanischer Präsidenten

Georg Sauser, der Präsident Hardings Schuhe angefertigt, in seiner Werkstatt.

Handwerk hat auch heute noch einen goldenen Boden, heute, in unserer schnellebigen Zeit, wo die Sucht nach rascher und müheloser Bereicherung alles andere Streben zu überwuchern droht. Herr Georg Sauser sagt es und er muss es wissen, denn seit mehr als dreissig Jahren übt er das Gewerbe Hans Sachsens für dieselbe Firma aus, für die einst schon sein Grossvater tätig war. Und der Enkel ihres ursprünglichen Gründers, Dr. Peter Kahler, in dessen Diensten Georg Sauser, der Grossvater, nach Mass gemachte Stiefel für Abraham Lincoln, den Unvergesslichen, anfertigte, zählt heute den Präsidenten Harding zu seinen Kunden.

Unsere Bilder zeigen Herrn Sauser, den Jüngeren, bei seiner Arbeit im Erdgeschoss von Peter Kahler & Sons, Inc., an 44. Str., nahe 5. Ave.

Als Dr. Peter Kahler I. vor mehr als fünfzig Jahren in Scranton, Pa., eine Werkstätte für orthopädische Schuhe eröffnete, war man es noch allgemein gewohnt, „Schuhe, nach Mass gemacht“, zu tragen. Was dort Sauser, der Aeltere leistete, muss gut gewesen sein, denn mit Stolz zeigt heute noch der Enkel ein Handschreiben aus dem Weissen Hause, worin Präsident Lincoln durch seinen Privatsekretär sein Lob über die Arbeit aussprechen lässt. Heute würde der Brief mit der Schreibmaschine hergestellt werden. Heute ist aber auch längst an die Stelle des Kundenschuhmachers für weitaus die Meisten von uns die grosse Schuhfabrik mit ihrer hübschen und billigen Massenware getreten. Das ist an sich gewiss ein Fortschritt. Wenn sich daher die Firma Kahler als „Anfertiger von Schuhen nach Mass“ nicht nur erhalten konnte, sondern immer mehr aufblüht, so ist dies an sich ein Anzeichen ausserordentlicher Tüchtigkeit. Das Kahlersche Geschäft wurde im Jahre 1867 nach New York an den unteren Broadway verlegt und wanderte, dem Zuge der Zeit folgend, immer mehr nach „Norden“, bis es endlich an der 44. Str. anlangte. Dort ist es heute.

Sauser vergleicht den Leisten für Präsident Härtlings Schuhe mit den aufgezeichneton Massen.

Und Dr. Peter Kahler III. und Sauser, der Enkel, sind mit einander zufrieden. Des Letzteren Schicksal zeigt, wie klein die Welt eigentlich ist. Sauser, der Grossvater, kehrte in seinen alten Tagen nach Balingen, Württemberg, seiner Heimat, zurück, um die Früchte einer Lebensarbeit in Frieden zu geniessen. Der heute lebende Georg Sauser kannte ihn nicht mehr, denn er kam — allerdings auch in Balingen — erst zur Welt als jener bereits zum ewigen Frieden ein, gegangen war. Aber auch der Enkel wanderte, nachdem er sich als tüchtiger Schuhmacher zuerst drüben die Welt ein wenig angesehen hatte, 1888 nach Amerika aus. Er zählte damals zweiundzwanzig Jahre. Hie kam es ihm als dunkle Mär aus seiner Kinderzeit in den Sinn, dass sein Grossvater als gesuchter Kundenschuhmacher für Dr. Peter Kahler II. tätig gewesen war. Es nahm nicht lange, und der jüngere Sauser war in derselben Stellung bei Dr. Peter Kahler II. tätig. Er blieb auch dem Dritten der Dynastie treu — und beide Teile haben es nie bereut.

Kahler und Sauser! Diese beiden Name gemahnen an die gute alte Zeit, wo man noch wusstet, dass eine gesicherte bürgerliche Existenz nur auf dem Boden des Fleisses und nützlicher, ehrlicher Arbeit, an dem Festhalten an dem gesteckten Ziel, dem gründlich erlernten Beruf, wachsen konnte. In einer Zeit tollen Strebens nach Gelderwerb ohne Arbeit, einer Jagd nach Güter für die man nichts Nützliches geleistet hat, einer Jagd, bei der 99 aus 100 auf dem kaum betretenen Weg mit gebrochenen Flügel liegen bleiben, mag es uns mit gerechten Stolz erfüllen, dass es hier abermals deutsche Menschen waren, die zeigten, das die Zufriedenheit auch heute noch nur der Freude am eigenen Werk zu suchen ist. Es war dies ja von jeher eines ,der vornehmlichsten Rassemerkmale der Deutschen.

Und hier mag uns, den Rassegenossen der Kahler und Sauser, die eine Frage gut rechtfertigt erscheinen: Würden die vielen Millionen Deutschen, welche im Laufe eines Jahrhunderts nach Amerika kamen, die Millionen, die heute noch hier leben, nicht vielleicht viel bessere und wertvollere Bürger ihrer Wahlheimat geworden sein, wenn sie durch festen politischen Zusammenschluss auf dem Boden der Rassegemeinschaft das, was im deutschen Wesen gut ist, sich selbst, ihren Kindern und ihren nicht-deutschen Mitbürgern zu erhalten getrachtet hätten, anstatt in prüfungsloser Bewunderung in ihrer neuen Umgebung aufzugehen, die vielfach keinen Gleichwert für das bildet, was der Deutsche im Ausland so gerne aufgibt?

Siehe auch:
Was ist des Deutschen Vaterland?
Wir Deutsch-Amerikaner
Deutsch-Amerika
Die Deutsch-Amerikaner und das Kaiserreich
Gedanken über die Zukunft des Deutschtums in Amerika
Wie das alte Österreich starb
Wie das alte Österreich starb II
Die Deutschen in Amerika
Die Deutschen in Amerika II
Eine Audienz bei Richard II. (Richard Strauss)
„Deutsch-Amerikas“ Mission
Schundromane auf dem Scheiterhaufen
Lincoln und das deutsche Element
Die Geschichte der Revolution
Der Aufbau Palästinas
Deutschland und der Weltfriede
Vaterland vor der Wiedergeburt
Das Schicksal der deutschen Kolonien
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    19. März 2018
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