Die Dohle


KENNZEICHEN DER ART. Der halbe Scheitel und Hinterkopf lichtgrau; Oberleib schwarz, Unterleib etwas heller.

BESCHREIBUNG. Schnabel lanzettförmig, etwas zusammengedrükt, schwarz; Nasenlöcher mit Borstenfedern bedekt; Stern milcheiß; Stirn und halber Scheitel schwarz, stahlblauglänzend; Oberhals und Seiten bis an die Augen lichtgrau; Oberrücken schwarz, mit schwachen lichtgrauen Rändern; der übrige Oberleib und Schwanz schwarz, ins Purpurrothe und Grüne schillernd; Unterleib grauschwarz. Füße glänzendschwarz. Die Flügelspitzen sind von der Schwanzspitze 1 Zoll entfernt. Länge 13. Zoll; Breite 2 Fuß, 2 Zoll. Das Weibchen ist fast unmerklich von dem Männchen verschieden.

AUFENTHALT. Europa und Asien. In Deutschland wohnen sie in alten Kirchen, Thürmen und Ruinen, auch in Wäldern, wo es alte Eichen gibt. Sie sind deutsche Strich – und Standvögel. In Nürnberg halten sie sich in großer Menge das ganze Jahr hindurch in den alten gothisch gebauten Kirchthürmen auf. Zu Ende des Oktobers ziehen sie, nach den Beobachtungen des Hrn. Cammerrath Bechsteins, des Morgens und Abends in unübersehbaren Scharen, von welchen immer eine die andere zu verfolgen scheint, mit einem unaufhörlichen Geschrei über den Thüringer Wald im Herbst gegen Abend, im Frühiahr im März von Abend gegen Morgen zurück. Jeder abgesonderte Haufe beschreibet nach einem Flug von etwa einer halben Stunde, in der Luft seine Kreise, welches eine Art des Wartens und Sammelns zu sein scheint, damit der schwächere und leztere Theil sich nicht zu weit entfernen und bei dem ganzen Zug bleiben möge, denn der darauf folgende Schwarm macht fast auf derselben Stelle die nämlichen kreisförmigen Bewegungen. Sie lassen sieh gern an den kahlen Vorderbergen des Thüringer Waldes nieder, und dann sieht ein großer, von vielen Tausenden besezter Hügel ganz schwarz aus. Im Winter suchen diese Zugdohlen, die wegen der warmen Quellen nicht zugefrornen Wiesen zwischen den Gebirgen auf und zerstreuen sich auch auf die Felder, wo Misthaufen liegen.

EIGENSCHAFTEN. Die Dohlen leben in großen Gesellschaften beisammen, haben viel Lebhaftigkeit, aber auch viel Scheuheit. Leztere verlieren sie nur dann einigermassen, wenn tiefer Schnee liegt, und der Hunger sie nöthigt, ihre Nahrung, auf den Gassen in der Stadt zu suchen. Doch thun sie dies auch nur bei Tages Anbruch, ehe noch viele Menschen auf den Gassen sind. Schießt man eine davon, läßt sie liegen und hält sich verborgen, so fliegt der ganze Haufe auf und mit einem großen Geschrei im Kreise über der toten Dohle herum. Dann besuchen sie aber auch diesen Ort so bald nicht wieder. Sie sind schon lange vorher, ehe der Morgen graut, munter, ungeachtet man aus ihrem Geschrei, das sie abends noch um 9 Uhr machen, auf einen kurzen Schlaf schliessen muß. Sie jagen sich am Tage über mit großem Geschrei, besonders wenn abends bei Sonnen-Untergang geläutet wird, entweder runden Thurm herum und necken einander, oder die ganze Schaar macht einen Ausflug auf das Feld, und kehrt dann mit einem eben so grossen Geschrei wieder heim. Merkwürdig ist es, daß wenigstens die in Nürnberg auf dem Lorenzer Kirchthurm wohnenden fast täglich auf einem und demselben Wege nach Hause ziehen, denn ihre Richtung geht allemal gerade über den Markt in der Vorstadt Wöhrd nach dem Thurm zu. Daß sie (nach Goeze) eine starke Vorempfindung von der Veränderung des Wetters haben können, geben wir zwar gerne zu; daß aber im Winter allemal Schnee oder Sturm erfolge, wenn sie in einem großen Zuge und mit starkem Geschrei über die Stadt ziehen, scheint uns noch nicht ganz ausgemacht zu sein. Auch dies ist nicht ganz richtig, daß sie nie auf andere Häuser kommen, sondern sich immer auf den Thürmen aufhalten. In Nürnberg sieht man sie zwar gewöhnlich auf den Thürmen und Kirchen, aber auch auf andern Häusern. Im Frühjiahr, wenn sie Materialien zu ihren Nestern, oder Speise für ihre Iungen aus den Feldern und Gärten holen, ruhen sie sehr oft auf andern Häusern aus. Läßt sich eine Eule oder ein anderer Raubvogel blicken, so verfolgt ihn die ganze Schaar mit einem so großen Geschrei, daß dieser nicht weiß, wie er sich schnell genug retten soll. Besonders zeigen sie auch die fast allen Rabenarten angeborne Eigenheit, daß sie alles Glänzende, vorzüglich Metalle, in ihre Nester oder in andere verborgene Winkel tragen. Man hat Beispiele, daß die Dohlen in Erfurt alte römische Münzen, die sie wahrscheinlich auf den Aeckern fanden, in ihre Nester und Löcher auf den dasigen Dohm trugen. Sie lassen sich jung leicht aufziehen, werden sehr zahm und machen ihrem Erzieher durch ihr possirlichcs Betragen vielen Spaß. Sie lernen nicht nur leicht Worte, nachsprechen, sondern merken auch auf den ihnen beigelegten Namen, und kommen sogleich, wenn man sie mit demselben ruft. Auch zum Ein- und Ausfliegen lassen sie sich gewöhnen. Mit Hunden, und Katzen und dem Hausgeflügel leben sie in Vertraulichkeit, suchen ihnen die Flöhe ab, necken sie aber auch zuweilen. Ihre NAHRUNG besteht in der Freiheit in Regenwürmern, Insektenlarven und Eichen – Kiefern – und Obstbaumraupen. Sie fressen auch Getreidekömer; wenigstens fanden wir welche in dem Magen einer Dohle, die im vergangenen Winter, da ein tiefer Schnee lag, in Nürnberg geschossen wurde. Sie sind so dreiste, daß sie Schweinen und Schafen auf den Rücken springen und ihnen die Läuse absuchen. In dem Nürnbergischen Stadtgraben, wo ehemals einige Damhirsche gehalten wurden, bemerkte man, daß die Dohlen ihnen auf den Rüken flogen und die Engerlinge aus der Haut hakten. Der Hirsch blieb jedesmal stehen, und ließ den Kopf zur Erde hängen.
FORTPFLANZUNG. Ihr Nest legen sie in die Löcher und Winkel in den Thürmen und Mauern, aber auch in hole Eichen. Es besteht aus Reisern , die sie im Frühiahr des Morgens in den Gärten von den Bäumen holen, aus Moos, Haaren und Wolle. Sie rauben öfters einander ihre Baumaterialien, bei welcher Gelegenheit denn auch ein heftiger Streit und Kampf entsteht. Die Eier, deren sie vier bis sieben legen , und in vierzehn Tagen ausbrüten, sind grün, dunkelbraun und schwarz geflekt. Die Jungen fliegen bald aus, und sind im Nacken schwärzlicher als die Alten.

NUTZEN stiften sie durch ihre Nahrung. Auch wird das Fleisch der jungen Dohlen gegessen. SCHADEN mögen sie in den Kirchthürmen anrichten, indem sie wahrscheinlich die Löcher und Ritzen erweitern und den Mörtel loöker machen. FEINDE haben sie an den Hausmardern, Eulen und Katzen, die theils den Eiern, theils den Jungen nachstellen. In ihren Gedärmen haben sie auch Bandwürmer.

JaGD UND FANG. Bei tiefem Schnee und im Frühiahr, wenn sie den Baumraupen nachgehen, sind sie des Morgens aus einem Hinterhalte leicht zu schießen. Man kirret sie auch mit Rinderblut an und schießt oder fängt sie mit dem Schlagnetze.

VERSCHIEDENHEITEN.

1. Corvus Monedula nigra. Ganz schwarz.
2. Corvus Monedula candida. Mit hellgelbem Schnabel.
3. Corvus Monedula leucoptera.
4. Corvus Monedula leucocephala.
5. Corvus Monedula varia.
6. Corvus Monedula fuscescens. Mit weißen Schultern.
7. Corvus Monedula crucifcra. Mit einem kreuzförmigen Schnabel.

Siehe auch:
Der Uhu
Der Dorndreher
Die Elster
Der Kernbeisser
Der Gimpel
Die Kohlmeise
Der Turmfalke
Der Grünspecht
Die Dohle
Der Stockfalke
Pirol

6 Comments

  1. […] Der Dorndreher Die Elster Der Kernbeisser Der Gimpel Die Kohlmeise Der Turmfalke Der Grünspecht Die Dohle Der […]

    28. März 2017
  2. […] Der Dorndreher Die Elster Der Kernbeisser Der Gimpel Die Kohlmeise Der Turmfalke Der Grünspecht Die Dohle Der Stockfalke […]

    28. März 2017
  3. […] Der Dorndreher Die Elster Der Kernbeisser Der Gimpel Die Kohlmeise Der Turmfalke Der Grünspecht Die Dohle Der Stockfalke […]

    28. März 2017
  4. […] Der Dorndreher Die Elster Der Kernbeisser Der Gimpel Die Kohlmeise Der Turmfalke Der Grünspecht Die Dohle Der Stockfalke […]

    28. März 2017
  5. […] Der Dorndreher Die Elster Der Kernbeisser Der Gimpel Die Kohlmeise Der Turmfalke Der Grünspecht Die Dohle Der Stockfalke Der Pirol Das Rotschwänzchen Die weisse Bachstelze Die […]

    29. März 2017

Comments are closed.