Die einträchtigen Hilfsvölker

Zu einer Expedition gegen den schlauen Fuchs Msambakafu waren im Jahre 1894 zahlreiche Masai aufgeboten worden. Msambakafu war ein Mhehe, von seinem Sultan Quawa mit der Grenzwacht gegen die Station Mpapua betraut. Er besass in seinem gesunden, weidereichen, kühlen Bergland grosse Viehherden, und letzterer Umstand hatte die beutelustigen Masai in grossen Scharen herbeigelockt. Um Msambakafu zu überraschen, ging es auf verlassenen Umwegen oder Elefantenpfaden. Hier, fernab vom Feind, bewährten sich die tapferen Masai vorzüglich. Nach anstrengendem Nachtmarsch gelangte die Kolonne kurz nach Sonnenaufgang in die Nahe der Tembe (feste Wohnstätten mit Erdreich) des Msambakafu. Als von dort der erste Schuss erdröhnte und rollend das Echo der nahen Berge weckte, waren die stolzen Hilfskrieger plötzlich verschwunden. Eine Geländefalte hatte sie aufgegessen. Hier hatten sie die langen Stossspeere mit dem Eisenschuh in den harten Erdboden gestossen, den Schild daraufgelehnt und, wie ein Askari treflend bemerkte, „wa me fansa nieder“ (sie haben „nieder“ gemacht, sich gekuscht). Auf meine höfliche Aufforderung, sich dem Angriff anzuschliessen, erhielt ich die grinsend gegebene Antwort, ihre Arbeit sei jetzt beendet, jetzt sei das Uebrige unsere Arbeit, wozu sie nebenbei herzlich Glück wünschten. Der Sturm auf die feste Tembe behagte ihnen also scheinbar nicht. Nachdem die Tembe genommen war, nach heissem Gefecht, fanden sich auch die Masai aus der „Reserve“ überraschend schnell wieder ein und leisteten jetzt wertvolle Dienste beim Zusammentreiben des Viehs. Schon während des vorhergegangenen Nachtmarsches hatten sie sich nützlich gemacht. Bei Wasserrissen und Steilabfällen hatten sie den Trägern mit ihren 60 Pfund schweren Lasten geholfen. Lag ein Baumstamm quer über dem Weg, so hatte sich ein Masai daraufgeselzt und mit dem eisernen Speerschuh andauernd leise klingend dagegengeschlagen, so dass niemand in der totalenFinsterheit darüber gestolpert war.

Jedenfalls mussten sie für „Ziemlich gute“ Führung vor dem Gefecht etwas von der Beute abhaben, wenn auch keine Rinder. Die erhielt nur als Beute der, welcher auch wirklich Pulver gerochen hatte. Ehe es zur Verteilung kam, hatte die ganze Kolonne die Qualen fürchterlichen Durstes durchzusmachen, da auf dem eingeschlagenen anderen Wege sämtliche Wasserstellen ausgetrocknet waren. Ganz besonders litt ich selbst. Am Abend vorher hatte mir mein Unteroffizier so viel von den Münchener Bierverhältnissen erzählt, dass ich am letzten Tage des Rückmarschs im glühenden Sonnenbrand nur noch überschäumende Masskrüge vor meinem Reittier sah, welche beim Zufassen jedoch stets zurückwichen. Die Zunge klebte am Gaumen, das Auge nahm nur noch unscharf die nächste Umgebung wahr, die Pulse flogen, das Blut hämmerte in den Schläfen, ein ständiges Sausen und Klingen machte das Ohr für jeden anderen Ton unempfänglich. Die zitternde Faust konnte kaum noch den Zügel halten — den Masskrug fasste sie nicht. Doch auch das ging vorüber. Ehe die sengende Sonne unter dem Horizont versank, ehe die Schatten der geisterhaft schleichenden Kolonne verblassten, war ein grünlicher, stinkender Tümpel erreicht, in welchen sich jegliche Kreatur hineinstürzte, das labende Nass, eine schlammige, jauchige Brühe, zu schlürfen. Erst am nächsten Nachmittag war die Kolonne wieder marschfähig. In vier Stunden konnten wir Mpapua erreichen. Eine genaue Zählung des Beuteviehs überzeugte mich, dass nicht jeder Masai eine Ziege als Kriegsbackschisch erhalten konnte. Einen Anspruch auf Rinder hatten sie sich durch ihre „Feuerscheu“ verscherzt. Was tun?

Ich kannte meine Pappenheimer. Am zweiten Nachmittag wurde das Lager abgebrochen. Die Masai-Führer wurden zum Lagerplatz der Truppe befohlen, und als ich meine Kolonne in Marsch gesetzt hatte, zeigte ich auf den Ziegenkraal und eröffnete ihnen, dies sei ihr Kriegsbackschisch. ln demselben Augenblick erscholl ohrenbetäubender Lärm und Gebrüll. Von allen Seiten stürzten die Masai-Krieger herbei aus ihren Lagern. In fliegender Hast war der Dornkraal der meckernden Ziegen und blökenden Schafe auseinandergerissen, die geängstigten Tiere ergriffen. In „r“ schnarrenden und tiefen Gurgellauten flogen Schimpfworte hin und her. Die Augen blitzten, die Hände fuhren zu Keule und Schwert. Die wilden Söhne der Steppe kämpften unter sich um die Beute. Die Schilde erdröhnten dumpf unter den wuchtigen Hieben. Erst nach längerer Zeit gelang es, die Kämpfenden zu trennen. Doch die erhitzten Gemüter kühlten sich erst sehr allmählich wieder ab, und noch lange gellten drohende Worte herüber und hinüber, bis man sich schliesslich dahin, einigte, die Beule sofort an Ort und Stelle zu verzehren. Zu neuer Glut waren bald die Feuer entfacht und fröhliches Lachen und Schwatzen erscholl da, wo noch kurz vorher ein folgenschwerer Kampf sich zu entwickeln drohte.

A. Fonck

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