Die Elektrizität im Dienste der Landwirtschaft


Es hieße das gegebene Thema einseitig behandeln, wenn in diesem Buche nicht neben dem Explosionsmotor der Elektromotor behandelt würde. Auch dieser hat in den letzten Jahren zum Antrieb von Fahrzeugen und als transportabler Motor die größte Vervollkommnung erfahren. Leider eignet sich der Elektromotor nicht für jedes Gut, wie der Spiritus- bzw. der Benzinmotor, denn noch ist seine Anschaffung dort, wo elektrischer Strom von einer nahegelegenen Zentrale oder durch Ausnutzung einer Wasserkraft billig zu beschaffen ist, sehr in Erwägung zu ziehen. Für solche Güter aber, welche nicht mit einem Großbetriebe, z. B. einer Brennerei oder einer Zuckerfabrik, in Verbindung stehen, würde die Umwandlung des Betriebes in den elektrischen mit zu großen Unkosten verknüpft sein.

Die elektrische Kraftübertragung ist die beste, welche wir besitzen. Es ist diese geradezu als ideal zu bezeichnen, denn einige Drähte genügen, um die Kraft überall hinzuleiten, soweit dieses sich natürlich mit der Praxis vereinbaren läßt. Die nachstehenden Bilder und Angaben sind mir von den bekannten Siemens-Schuckert-Werken in Berlin zur Verfügung gestellt worden und lassen erkennen, mit welcher Energie sich bereits die elektrische Industrie der Landwirtschaft annimmt. Die Angaben dieser Weltfirma machen insofern schon einen recht guten Eindruck, weil sie ohne Schönfärberei und rein objektiv gehalten sind. Messungen über den Kraftbedarf von Maschinen lassen sich bei dem elektrischen Betriebe bekanntlich sehr leicht und einfach anstellen, und die angeführte Firma teilt mit, daß zum Pflügen im Mittel 30—50 PS. notwendig sind. Die zur Anwendung kommenden Pflugmaschinen sind nach demselben Prinzip konstruiert, wie die Dampflokomotiven. Wir haben daher das Einmaschinen- und das Zweimaschinensystem zu unterscheiden.



Eine elektrische Lokomotive für das Einmaschinensystem ist in der Figur abgebildet (S. 103). Hinten an der Maschine sehen wir zwei große Kabelbunde, die etwa 500—1000 m Kabel enthalten. Uber das Gut sind in passendem Abstande die Stromzuleitungen, ähnlich wie Telegraphendrähte, an Telegraphenstangen befestigt. Das Kabel wird von den Bunden abgewickelt und mittelst geeigneter Haken, mit seinen Enden an die Leitungsdrähte, welche sich an den Holzmasten befinden, gehängt. Vom am Wagen befindet sich ein Schalter und der Regulierwiderstand, mittelst welchem der Motor angelassen wird.

Der Motor arbeitet wie ersichtlich mit einem kleinen Zahnrade, welches auf seine Welle gekeilt ist, auf ein großes Zahnrad am Vorgelege, und dieses arbeitet wieder mit einem kleinen Zahnrade auf ein großes an der Windetrommel. Auf der Vorgelege welle befinden sich ferner noch verschiedene Kupplungen, mit denen eine Umschaltung auf die eine oder die andere Windetrommel, je nachdem ob der Pflug vorwärts- oder zurückgehen soll, bewirkt wird. Ferner ist noch eine Kupplung vorhanden, die eingeschaltet wird, wenn die Maschine vorrücken soll. Mit einem Umschalter, welcher noch vorne in dem Kasten enthalten ist, kann man die Drehrichtung des Motors ändern.

Am anderen Ende des Feldes steht der Ankerwagen, welcher ebenso eingerichtet ist als der eines Dampfpfluges nach dem Einmaschinensystem.

Die Firma gibt die Kosten für das Dampfpflügen mit 6—10 Mk. pro Morgen an und sagt: „Mit dem elektrischen Pflug läßt sich nun, wie die Praxis erwiesen hat, bei zweckmäßiger Anordnung und unter günstigen örtlichen Verhältnissen, wohl eine weitere Verbilligung erreichen“. Man muß hierbei bedenken, daß Hilfsgespanne, wie beim Dampfpflügen, nicht nötig sind, weil Wasser und Kohlen nicht gebraucht werden.

Um die Maschine auf das Feld zu schaffen, benutzt man entweder Gespanne oder man hängt einfach die Kabel an die nächsten Leitungsdrähte und fährt mit eigener Kraft weiter. Hierbei kann dann höchstens einmal das Umhängen des Kabels notwendig werden.

Bei dem Zweimaschinensystem, welches in der vorhergehenden und nächsten Abbildung vorgeführt wird, wird der Pflug wie bei den Dampfpflügen, zwischen zwei Lokomotiven hin- und hergezogen.

Der Preis für einen Takel, bestehend aus zwei Maschinen und Zubehör, nebst dem Kipppflug beträgt ca. 35—50 000 Mk. Dort, wo also schon eine entsprechend kräftige elektrische Station vorhanden ist, wird der elektrische Pflug mit Erfolg einzuführen sein und dürfte wohl ganz gut mit dem Dampfpflug in Konkurrenz treten können. Selbstverständlich wird man in solchen Fällen auch den Antrieb der anderen Maschinen, wie

Dreschmaschinen usw., durch Elektromotoren besorgen. Hierbei hat man noch den großen Vorzug, daß man keinen Wärter für den Elektromotor braucht und daß der Betrieb vollständig ohne Feuersgefahr ist. Wie die ganze Anlage dann aussieht, sehen wir auf dem beigedruckten Bilde. Der treibende Elektromotor ist vorne auf dem Wagen befestigt, also staubdicht eingeschlossen.

Die nächsten Abbildungen führen noch einige Kleinmotoren vor, wie sie im landwirtschaftlichen Betriebe benutzt werden. Zu diesen Bildern ist eine weitere Erklärung wohl unnötig. Interessant ist die moderne Schafschur, wie sie auch auf den landwirtschaftlichen Ausstellungen vorgeführt wird.

Es hieße wohl dem deutschen Landwirt zu viel auf einmal zuzumuten, wenn er plötzlich den ganzen Betrieb motorisch einrichten sollte, aber den einen oder den anderen Vorschlag wird er wohl einer Erwägung unterziehen und ein Versuch wird die Überlegenheit des motorischen Betriebes dartun.

Siehe auch:
Die Arbeitsweise des Explosionsmotors im Vergleich zu der Dampfmaschine
Das kraftspendende Medium im Explosionsmotor
Der Übergang der Motorenkraft auf die treibenden Hinterräder des Wagens
Automobillastwagen für den Transport von landwirtschaftlichen Produkten
Maschinen, welche speziell für landwirtschaftliche Zwecke konstruiert sind
Saunderson Motor Cultivator
Automobil-Rasenwalze
Der Automobilmotor in Haus und Hof
Robert Bosch / Treue zum Werk
Selbstfahrende Motoren für Feld- und Forstwirtschaft