Die Elster


KENNZEICHEN DER ART. Schwarz mit verschiedenem Schiller; Bauch- und Flügeldekfedern weiß; Schwanz lang und keilförmig.

BESCHREIBUNG. Schnabel schwarz, an der Spitze etwas abwärts gebogen; Nasenlöcher mit Borstenfedern bedekt, Kopf, Hals, Brust, obere und untere Dekfedern der Flügel sammtschwarz; Rücken schwarz, Bauch, Flügelrand und Achselfedern weiß, daher ein großer, etwas krumm laufender, eiförmiger weißer Flek auf den Flügeln; Schwungfedern nach aussen und an der Spitze schwarz, glänzend stahlblau, mit einem grünen Goldglanze; Dekfedern der Flügel schwarz, glänzend goldgrün; Schwanz lang, keilförmig, mit abnehmenden äussern Federn, schwarz, die zwei mittlern ganz, die vier folgenden an der äussern Fahne glänzend goldgrün, alle mit einer aus dem Purpurrothen ins Stahlblaue sanft übergehenden Spitze. Füße glänzend schwarz. Die Flügel bedecken ein Drittheil des Schwanzes. Länge 1 Fuß 6 Zoll; Breite 1 Fuß 10 Zoll.

AUFENTHALT. Die Elster ist in Deutschland ein Standvogel, der gerne in der Nähe der Städte und Dörfer auf Birn- Erlen- Weiden-Linden-und Kastanienbäumen wohnt. Große Waldungen und Gebirge liebt sie nicht; eher trift man sie noch in Vorhölzern an. Ausser Deutschland hält sie sich auch in mehrern andern Europäischen Ländern und dann noch im nördlichen Asien und Amerika auf.

EIGENSCHAFTEN. Sie ist ein mistrauischer, scheuer und listiger Vogel, dem man so leicht nicht schufsrecht kommen kann. Die Katzen werden von ihr öfters sehr genekt, indem sie immer an sie hinfliegt, oder in ihre Nähe sich sezt und ein so laules, kurz unterbrochennes, dem Lachen eines Menschen ähnliches Geschäker macht, daß man es mehrere Gärten weit hört. Ihr Schwanz ist in einer beständigen Bewegung und sieht im Fluge pfeilförmig aus. Männchen und Weibchen halten sich auch sogar im Winter zusammen. Zur Begattungszeit im Frühjahr sitzen beide Öfters lange beisammen und äussern ihre Liebe durch mannigfaltige sanfte Töne. Um diese Zeit sieht man auch mehrere auf einem Baum oder Dache sitzen, und, allem Anschein nach, die Brautwerbung vornehmen, wobei auch Streitigkeiten vorfallen, die aber nicht in Thätigkeiten übergehen. Sie trägt gerne glänzende Dinge zusammen, läßt sich leicht zähmen und lernt Worte ziemlich deutlich nachsprechen und das Geschrei einiger Thiere nachahmen. Auch läßt sie sich zum Aus- und Einfliegen gewöhnen. Sie scheint ein hohes Alter zu erreichen, da man Beispiele hat, daß gezähmte 16 bis 20 Jahre alt wurden.

NAHRUNG. Sie fressen Mäuse, junge und kleine Vögel, die sie so gut wie ein Falke von dem Vogelherd wegstehlen, Vögeleier, Insekten, Würmer, Obst, Eicheln, Beeren, Getreide, Bamnknospen etc.

FORTPFLANZUNG. Ihr Nest, das sie im März, zuweilen auch schon im Frühjahr aus dünnen Reisern, Erde und Wurzeln bereitet und oben mit einem Deckel von Dornen und einem Eingang zur Seite versieht, bauet sie meistens hoch, doch nicht ganz auf den Gipfel der Bäume, und legt darein drei bis sechs längliche, weißgrüne, mit kleinen aschgrauen und olivenbraunen Punkten und Flecken besprengte Eier, welche das Weibchen in sechzehn Tagen ausbrütet. Sind die hingen acht Wochen alt, so machen die Aeltern auch schon wieder zur zweiten Brut Anstalt.

NUTZEN. Das Fleisch der Jungen, das nicht unangenehm schmekt, wird gegessen. In Gärten stiften sie dadurch SCHADEN daß sie in schneereichen und kalten Wintern die Baumknospen, und im Herbst Weichsein, Kirschen und anderes Obst fressen, und die Pfropfreiser abbrechen. Auf Vogelherden holen sie die Vorläufer von der Schnur weg.

FEINDE. Diese sind Falken und Rabenkrähen. In ihren Gedärmen fanden wir mehrere Bandwürmer, aus der Gattung Tricocephalus. An dem breiten Theil derselben waren einige Knöthen.

JAGD UND FANG. Sie werden geschossen, auch auf Vogelherden mit dem Garn gefangen, wenn sie nach den Lokvögeln gehen.

VERSCHIEDENHEITEN.

1.) Corvus Pica candida.
2.) Corvus Pica varia.
3.) Corvus Pica curvirostra. Nobis. Der Oberschnabcl geht weit über den untern hakenförmig herab.

ANMERKUNG. Bei einer Elster, die im Mai geschossen wurde, fanden wir nur einen einzigen Hoden, der aber so groß als eine große Bohne und eirund war.

Siehe auch:
Der Uhu
Der Dorndreher
Die Elster
Der Kernbeisser
Der Gimpel
Die Kohlmeise
Der Turmfalke
Der Grünspecht
Die Dohle
Der Stockfalke
Pirol