Die Forstwirtschaft in Ostafrika


Obgleich erst ein kleiner Teil der riesigen Waldungen Deutsch-Ostafrikas einer forstwirtschaftlichen Kontrolle untersteht, betrügt die als Waldreservat erklärte Flüche zurzeit schon annähernd 500000 Hektar.

Hiervon entfallen auf immergrüne, geschlossene Gebirgs-, Höhen- und Küstenwälder allein über 200 000 Hektar. Das übrige verteilt sich auf Ufer-, Fluss- und Niederungswald, Trockenwald, Aufforstungsgelände und Mangrovenwald. Von letzterem sind rund 50 000 Hektar als Reservat erklärt und unter Kontrolle europäischer höherer Forstbeamten. Forstverwaltungsbezirke gibt es zurzeit am Rufiji, in Wilhelmstal, Tanga, Moschi, Morogoro. Bagamojo und Daressalam. Mit der fortschreitenden Entwicklung des Schutzgebiets werden weitere Verwaltungsgebiete notwendig werden, um die alljährlich hinzukommenden Reservatserklärungen, 1909/10 waren es rund 150000 Hektar, staatlich kontrollieren zu können.

In einem Neuland wie Afrika, wo die eingeborene Bevölkerung durchweg vom Raubbau lebt und alljährlich zur Gewinnung immer neuen Ackerlandes weite Strecken durch Niederbrennen der Holzbestände verwüstet, ist ein staatlicher Schutz ein dringendes Bedürfnis. Des weiteren müssen die Bestände wertvoller Kautschuklianen, von denen früher viele in sinnloser Gewinnsucht vernichtet wurden, durch  eine geordnete Wirtschaft gesichert und erhalten werden. Auch die reichen Edelholz bestünde und ganz besonders die Mangrovenwaldungen bedürfen des staatlichen Schutzes.

Die Länder um den Indischen Ozean sind überaus arm an Hölzern, insbesondere Arabien, das Somaliland und selbst Vorderindien. Die alljährlich Ostafrika anlaufenden indischen und arabischen Segelfahrzeuge nehmen deshalb gewohnheitsmässig, als Heimfracht, Nutzholz und Brennholz insbesondere aus den Mangrovenwaldungen. Die Nutzung im Jahre 1909 betrug über 13000 Festmeter. Bevor es eine forstwirtschaftliche Kontrolle hierüber gab, war die Nutzung sicherlich viel grösser, schon aus dem Grunde, weil ungehindert Holz geschlagen werden konnte, ausserdem der Verkehr von Segelfahrzeugen geschildeter Art ganz erheblich lebhafter war. Dass damals ohne jede Schonung und Rücksichtnahme abgeholzt wurde, natürlich. Das Mangrovenholz gehört zu den dauerhaftesten Hölzern, die es überhaupt gibt. Es ist zwar von ausserordentlicher Härte und Sprödigkeit, sehr schwer zu bearbeiten, dafür aber, was in den Tropen ein besonderer Vorzug ist, termitensicher. Die Stämme werden 8 bis 15 Meter hoch und sind meist sehr schlank gewachsen. Das Wachstum ist ein langsames, in 4 bis 5 Jahren etwa 3 Meter. Verwendung findet das Holz besonders zum Bau von Häusern, als Deckenbalken, und ist hier schier unverwüstlich. Auch Planken, Pfosten und Brückenhölzer werden daraus geschnitten und haben sich in jeder Beziehung bewährt. Das früher bei Salale am Rufiji existierende Sägewerk hat aus Mangrovenholz ganze Fahrzeuge gebaut, doch ist das Holz für diese Zwecke nicht besonders geeignet, da es sich leicht wirft und beim Austrocknen springt. Die verschiedenartigen unter dem Sammelnamen Mangrove bekannten Bäume wachsen bekanntlich im Brackwasser. Da die Segelfahrzeuge dicht an die Bäume heranlahren können, ist die Transportfrage ausserordentlich einfach und vor allen Dingen wirtschaftlich sehr vorteilhaft. Das Holz ist in der Farbe gelb bis braunrot. Die Mangrove ptlanzt sich zwar auf sehr einfache Art selbst fort, indem ihre ins Wasser fallenden Früchte sich in den Schlamm einbohren und dann keimen, sie wird aber auch forstmännisch angepflanzt. Seit einigen Jahren wird auch die Mangrovenrinde genutzt, die einen den Eingeborenen längst bekannten und von ihnen zur Bereitung von Leder benutzten wertvollen Gerbstoff enthält, dessen Verwendung jedoch, wegen der anhaftenden roten Farbe, bis jetzt nur beschränkt war.

Neuerdings ist es aber gelungen diesen Farbstoff auszuscheiden. Ausgeführt wurden im Jahre 1909: 3500 Tonnen Mangrovenrinde zur Gewinnung von Gerbstoff, eine Menge, die sich in den nächsten Jahren voraussichtlich erheblich vergrössern wird. Für Mangroven ist die Forstverwaltung Rufiji die wichtigste und bedeutendste. Doch beschränken sich die Arbeiten keineswegs auf diese eine Kultur. Es sind vielmehr grössere Anpflanzungen von anderen Bäumen und auch Palmen in die Wege geleitet worden. Von Bäumen insbesondere das wertvolle Teakholz, ferner Kautschukbäumen, Eisenholzbäumen und anderen mehr. In den Bezirken Wilhelmstal und Tanga, mit rund 60000 Hektar Waldreservat, richtet sich die Tätigkeit in erster Linie auf den Waldschutz und ferner Vorkehrungen gegen Waldbrände. Leider lässt sich die Feuer abwehr vorläufig nur im beschränkten Masse durchführen, im Jahre 1909 waren 20000 Hektar unter Schutz, immerhin hatte dieser Schutz die Bedeutung, dass bei 19 ausgebrochenen Bränden nur 2000 Hektar abgesengt und 18000 Hektar geschützt wurden. Die Forstkulturen im vorgenannten Bezirk sind ziemlich umfangreich. Sie betreten Gerberakazien, Kampferbäumchen, Eukalypten, Chininpflanzen, Zedern, Zypressen usw., die mit mehr oder minder gutem Erfolg angepflanzt sind, als Versuche aber von besonderem Werte für die umliegenden zahlreichen Europäerbetriebe sind. Im Bezirke sind die grössten privaten Holzausnutzungsgesellschaften der Kolonie tätig. Es sind dies die Deutsche Holz-Gesellschaft mit einer Privatbahn von 75 Zentimeter Spurweite und 23 Kilometer Länge, welche in der Hauptsache die reichen afrikanischen Mahagoni und Zedernbestände und anderen Hölzer ausnützt. Die zweite Privatgesellschaft, die Firma Wilkins & Wiese, hat eine Drahtseilbahn erbaut, um hoch vom Schumewalde herab die schweren Riesenzedernstämme hinab ins Tal, wo die Usambarabahn fährt, zu befördern. Von den gewonnenen Hölzern wird ein grosser Teil, besonders das, was die kleineren Betriebe liefern, in der Kolonie selbst und zwar als Baumaterial und für Möbel verwendet. Verhältnismässig wenig wird ausgeführt und findet seinen Weg nach Deutschland.

In erster Linie ist hieran die Mode und der derzeit herrschende Geschmack schuld, welche unsere so schönen afrikanischen Hölzer nicht schätzen. Die übrigen Forstbezirke betätigen sich in ähnlicherWeise, wie die vorgenannten; je nach der Gegend werden auch die wertvollen einheimischen Hölzer, und deren gibt cs eine grosse Anzahl, forstmännisch angebaut und kultiviert, Waldparzellen werden gelichtet, aufgeforstet und Pflanzungen angelegt. Eine weitere Tätigkeit der Forstverwaltungen besteht in der Unterweisung von Europäern und Eingeborenen in den verschiedenen Kulturen, Beschaffung und Züchtung von Pflänzlingen und Saatgut, Sammeln und Bestimmen von Neuheiten und ganz nebenher im Jagdschutz und was dazu gehört. Die Tätigkeit ist also eine sehr vielseitige und vor allen Dingen eine für die Kolonie äusserst wichtige, wertvolle und segensreiche. Nach dem amtlichen Jahresbericht für das Jahr 1909/10 hat die Forstverwaltung der Kolonie im ganzen rund 7500 Festmeter Holz gewonnen. Dazu kommen gegen 3400 Festmeter Holz und 350000 Kilogramm Rinde, die von privaten Unternehmungen produziert worden sind. Hiervon entfallen 1240 Festmeter auf die Firma Wilkins & Wiese im Schurmewald, auf die Firma Denhardt & Co. in den Bezirken Tanga und Pangani 1725 Festmeter Holz und 2 167 000 Kilogramm Rinde, im Bezirk Kilwa 1094000 Kilogramm Rinde. Die Deutschkoloniale Gerbstoff- und Farbstolfgesellschaft, die ihren Betrieb kaum erst begonnen hatte, hat 394 Festmeter Holz und 9080 Kilogramm Rinde gewonnen.

Das sind im Vergleich zu den Nutzungsergebnissen der heimischen Forstverwaltung natürlich lächerlich geringe Summen. Es ist aber zu bedenken, dass in den Kolonien überhaupt die Waldnutzung in den allerersten Anfängen steht. Ein so schweres Produkt wie Holz kann natürlich nur mit Hilfe moderner Verkehrseinrichtungen verwertet werden, die bisher nicht vorhanden waren. Mit schiffbaren Flüssen ist es in Ostafrika mangelhaft, und Eisenbahnen, die waldreiche Gegenden unmittelbar erschliessen, gibt es ebenfalls nicht.

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    2. November 2016

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