Die Fürsorge für die Mischlingskinder in Südwest-Afrika


In Deutsch-Südwestafrika wächst z. Zt. eine grosse Zahl halbweisser Kinder heran, welche von weissen Vätern und farbigen Müttern abstammen. Diese Mischlinge haben schon die stattliche Zahl von 400 erreicht und entbehren zum allergrössten Teil eine regelrechte Erziehung, da ihre Erzeuger nach Deutschland zurückgekehrt sind, ohne sich um ihre Kinder auch nur im geringsten zu kümmern. Leider steigt die Zahl der Mischlinge zum Entsetzen der Behörden von Tag zu Tag. Es ist klar, dass diese Kinder, falls sie ohne Erziehung bleiben, eine ernste Gefahr für den Bestand und die Zukunft unserer schönen südwestafrikanischen Kolonie bilden.

Die Erkenntnis dieser Gefahr und die Sorge um das sittliche und religiöse Wohl jener Kinder hat deshalb die Rheinische Missionsgesellschaft schon vor einigen Jahren dazu veranlasst, in Okahandja und Keetmanshoop Waisenhäuser einzurichten. Sie entsandte gleichzeitig einen deutschen Lehrer nach Okahandja, damit er dort den Unterricht leite und zusammen mit seiner Frau an den Kindern Elternstelle vertrete. Die Arbeit wird neuerdings von dem Zentral-Ausschuss für Innere Mission unterstützt, der zwei Schwestern zur Kinderpflege hinausgesandt hat.

Die Zahl der Kinder, welche sich in Okahandja und Keetmanshoop befinden, beträgt z. Zt. 40 bezw. 70. Von ihnen gehören mütterlicherseits die meisten zu den Bergdamara, ein zweiter Teil zu den Herero, die übrigen teils zu den Hottentotten teils zu den Betschuanen und Buschleuten. Sie werden in allen Elementarfächern unterrichtet. Bei der Unterweisung kommt die deutsche Sprache in weitgehendstem Masse zu ihrem Recht. Es ist eine mühevolle Arbeit, die da getrieben wird, und es gilt, viel Geduld zu haben mit den schwachen Köpfchen und dem angeborenen gleichgültigen Charakter, aber der Gedanke, diesen armen verlassenen Kindern eine Heimat zu bieten, spornt alle an, die am Werk beteiligt sind, und gibt ihnen Mut, den Kampf mit der Lüge und der Faulheit, die diesen Kindern nur zu sehr im Blute steckt, immer wieder aufzunehmen. Unsere Bilder zeigen die Schule von Okahandja mit den jungen Baumanlagen, die vor wenig Jahren gepflanzt wurden. Ein Teil der kleinen Schar selbst ist um Schwester Rosa Kimmerle versammelt und hört ihr aufmerksam zu. Ausserhalb der Schulzeit werden die  Kinder im Haushalt und im Garten beschäftigt, um in der praktischen Arbeit sich Geschick und Kenntnisse anzueignen. Eine peinlich durchgeführte Tageseinteilung sorgt dafür, dass die Kinder sich an Ordnung gewöhnen. So sind denn auch die Erziehungserfolge recht befriedigende zu nennen. In der letzten Zeit ist deshalb der weitere Gedanke aufgetaucht, in Okahandja in Verbindung mit dem Waisenhause eine Handwerkerschule einzurichten. Insbesondere plant man, die Zöglinge in der Tischlerei auszubilden. Fenster, Türen, Tische, Schul-und Kirchenbänke werden gewiss einen guten Absatz finden auf Stationen und Farmen. Für junge Leute, die darin ausgebildet sind, würde reichliche Arbeit vorhanden sein, ohne dass den Weissen Konkurrenz dadurch entstünde. Die beiden Waisenhäuser treiben ein gut Stück Erziehungsarbeit an den Mischlingskindern und führen damit die Besiedelungsfrage in Südwestafrika, die doch schliesslich eine Menschenfrage ist, ihrer Lösung näher. Im allgemeinen beurteilt man zwar Mischlinge als minderwertige Menschen und hält die Pflege, die man ihnen zuteil werden lässt, für unnütz, ja für gefährlich, da der Mischling sich bei Aufständen fast immer auf die Seite der Eingeborenen stelle und unter ihnen als Führer gegen die Europäer auftrete. Doch bei dem letzten Kolonialkongress ist mit Recht darauf hingewiesen worden, dass der Mischling zwischen Weissen und Eingeborenen in den Subtropen Südwestafrikas eine höhere Menschenart darstelle, als in den Tropen.

Der Etat für Südwestafrika ist das Glanzstück im diesjährigen Kolonialetat. Das letzte Jahr hat dank der Einnahmen aus der Diamantenproduktion 2,9 Millionen Mark mehr gebracht als veranschlagt war. Es erscheint nicht mehr als recht und billig, dass diese unvorhergesehenen Einnahmen wenigstens zu einem kleinen Teil für die Erziehung der verlassenen Kinder in Südwestafrika verwendet werden. Das hat auch der frühere Staatssekretär Dernburg anerkannt, indem er bei seinem  Besuch in Okahandja am 17. September 1908 die dort geleistete Arbeit als eine der bedeutsamsten bezeichnete, die er im Schutzgebiet gesehen habe.

Reinhard Mettin.

Da auch wir der Meinung sind, dass der Mischlingsfrage gerade in Südwest ernste Aufmerksamkeit geschenkt werden muss, so haben wir diesen Darlegungen Raum gewährt, ohne dass wir uns in allen Teilen mit ihnen einverstanden erklären möchten. Unseres Erachtens sollte man die Mischlinge, deren Zunahme mit der Zeit sicherlich nachlassen wird, aus rassepolitischen Gründen lieber nicht mehr als absolutnotwendig, den Weissen näher bringen. Die Leistungen des Staatssekretärs Dernburg in allen Ehren, aber in Eingeborenenfragen wird seine Kompetenz verschieden beurteilt.

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    11. Oktober 2016
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