Die Geschichte der Revolution

— Es wird niemals eine wirkliche Abrüstung geben, solange dem Menschen Nägel und Zähne wachsen.

Die deutsche Zeitung in Philadelphia war eines der Blätter, die die Flamme der Revolution anfachten. Ich zitiere aus der Nummer dieses Blattes vom 19. März 1776:

„Gedenket, dass Euere Väter nach Amerika auswanderten, um der Knechtschaft zu entgehen und sich der Freiheit zu erfreuen.“

Bei den Konventen in Philadelphia im Juni und Juli 1774 und im Januar 1775 waren die Deutschen stark vertreten; das beweist, dass die Deutschen schon in den Anfängen der Revolution aggressive Patrioten waren.

Bei Ausbruch des Befreiungskrieges wurde eine Anzahl deutsche Regimenter gebildet; der Oberst des ersten Regiments war Nicholas Haussegger, dem Ludwig Wettner im Kommando folgte. Dieses deutsche Regiment schützte Philadelphia gegen die Engländer und kämpfte unter Washington bei Trenton. Es nahm auch an den Kämpfen bei Princeton und am Brandywine teil und verbrachte den furchtbaren Winter 1778 in Valley Forge.

Bemerkenswert ist, dass Washingtons Leibgarde während der Revolutionszeit in ihrer Mehrheit sich aus Deutschen zusammensetzte; ihr Kommandeur war Major Bartholomew van Heer, ein Preusse. Ihnen wurde die grosse Verantwortung, und ihnen wurde auch die Ehre zuteil, über dem Wohl und der Sicherheit des Vaters des Vaterlandes zu wachen; als besondere Anerkennung wählte man zwölf Mitglieder dieser Garde zu der Ehrenwache, die den Oberbefehlshaber nach seinem Heim in Mt. Vernon geleitete.

Als die beiden überragenden Deutschen in der Revolutionsgeschichte sind Mühlenberg und Steuben zu nennen.

Peter Mühlenberg war mit Patrick Henry und George Washington eng befreundet; während des Krieges führte er das 8. Virginia Regiment. Kennzeichnend für den Mann ist der Zwischenfall während seiner letzten Amtshandlung als Geistlicher. Es war im Januar 1776, Mühlenberg hielt seine Abschiedspredigt, und in Scharen waren die Leute herbeigeeilt, ihn zu hören. Mühlenberg schloss seine Predigt mit den Worten: „Es gibt eine Zeit für Gebet und Predigt, und es gibt eine Zeit für Kampf — diese Zeit ist nun gekommen!“ … damit warf er den Talar ab und stand in der Uniform eines Obersten der Continental-Armee vor seinen Hörern. Nach Beendigung des Gottesdienstes traten sofort dreihundert Mitglieder der Gemeinde in sein Regiment ein, und am nächsten Tage meldeten sich abermals hundert Kämpfer für die Freiheit.

Mühlenberg wurde zum Brigade-General befördert und nahm an den meisten Schlachten in New Jersey und Pennsylvanien teil. Nach dem Kriege wurde er als Abgeordneter in den ersten Kongress gewählt. Sein Bruder Friedrich gehörte in zwei Terminen der Legislatur von Pennsylvanien an, war viermal Kongressabgeordneter und hatte die hohe Ehre, der erste Sprecher des amerikanischen Repräsentantenhauses zu sein.

Es ist eine schwierige Aufgabe, den Verdiensten eines Steuben um die Sache der Unabhängigkeit in vollem Masse gerecht zu weiden. Wie könnte ich die passenden Worte finden für den genialen Drillmeister, den Bildner unseres Heeres. Als Baron Friedrich Wilhelm von Steuben am 1. Dezember 1777 in Portsmouth landete, richtete er folgendes Schreiben an den Kongress:

„Die Ehre, einer Nation dienen zu können, die ihre Rechte und Freiheit verteidigt, war der einzige Beweggrund, der mich hierhergeführt hat. Ich begehre keine Reichtümer und keine Titel. Ich kam aus dem fernsten Winkel Deutschlands hierher, kam auf meine eigenen Kosten und habe eine ehrenvolle und lohnende Stelle aufgegeben. Ich habe Ihren Vertretern in Frankreich Keinerlei Bedingungen gestellt und werde auch Ihnen keine stellen. Mein ganzer Ehrgeiz ist, Ihnen als Freiwilliger dienen zu dürfen, mir das Vertrauen Ihres Oberbefehlshabers zu erringen und ihm bei allen seinen Operationen zu folgen, wie ich dem König von Preussen in sieben Feldzügen gefolgt bin . . . Ich bin bereit, mit meinem Blute für die Ehre zu bezahlen, meinen Namen auf der Liste der Verteidiger Ihrer Freiheit verzeichnet zu sehen.“

Wie edel und wie schlicht klingen Steubens Worte, und wie charakteristisch sind sie für die Grosstaten, die er vollbrachte. Er verfasste unser erstes Exerzier-Reglement, und seinem Bemühen danken wir die gründliche Umgestaltung des amerikanischen Heeres. Aus einem begeisterten Haufen ungeschulter Patrioten schuf er in kurzer Zeit eine trefflich disziplinierte Armee, die zu jenen Waffentaten fähig war, die diesen Kämpfern und uns zur Freiheit verhalt.

(Fortsetzung folgt.)

Das Heim eines Feldgrauen in Mülheim.

Ein ehemaliger deutscher Soldat in Mülheim bei Offenbaeh, der sich an das Leben im Schützengraben gewöhnt hat, hat sich aus altem Kriegsmaterial das hier abgebildete, eigenartige Haus gebaut: vier Zimmer, Küche und Badezimmer mit allem modernen Komfort.

Siehe auch:
Wir Deutsch-Amerikaner
Deutsch-Amerika
Die Deutsch-Amerikaner und das Kaiserreich
Wie das alte Österreich starb
Wie das alte Österreich starb II
Die Deutschen in Amerika
Die Deutschen in Amerika II
Eine Audienz bei Richard II. (Richard Strauss)
Die Lüge als Fundament
„Deutsch-Amerikas“ Mission
Schundromane auf dem Scheiterhaufen
Lincoln und das deutsche Element
Die Geschichte der Revolution
Der Aufbau Palästinas
Deutschland und der Weltfriede
Vaterland vor der Wiedergeburt
Das Schicksal der deutschen Kolonien
Der letzte Zar im Kreise seiner Familie
Krupp-Werk in Friedens-Arbeit
Die Wolkenburgen der neuen Welt
Deutschlands chemische Industrie in der Nachkriegszeit
Jerusalem die Heilige Stadt
Die Schwarzen Truppen in Deutschland
Schiffsmodelle als Zimmerschmuck
„Bismarck“-„Majestic“- der Meeresriese
Quer durch das neue Deutschland
Quer durch das neue Deutschland II
Quer durch das neue Deutschland III
Von Versailles bis Haag
Klein-Amerika in Ostpreussen
Die Hallo-Mädchen
Nach Palästina
Eine Hamburger Überseewoche
Kinder aufs Land
August Thyssen-Der Senior der Grubenbarone

2 Comments

  1. […] Siehe auch: Die Deutsch-Amerikaner und das Kaiserreich Wie das alte Österreich starb Die Deutschen in Amerika Die Deutschen in Amerika II Eine Audienz bei Richard II. (Richard Strauss) Die Lüge als Fundament „Deutsch-Amerikas“ Mission Schundromane auf dem Scheiterhaufen Lincoln und das deutsche Element Die Geschichte der Revolution […]

    4. März 2018
  2. […] Siehe auch: Die Deutsch-Amerikaner und das Kaiserreich Wie das alte Österreich starb Die Deutschen in Amerika Die Deutschen in Amerika II Eine Audienz bei Richard II. (Richard Strauss) Die Lüge als Fundament „Deutsch-Amerikas“ Mission Schundromane auf dem Scheiterhaufen Lincoln und das deutsche Element Die Geschichte der Revolution […]

    4. März 2018

Comments are closed.