Die Herstellung von Rindentuch in Zentralafrika


Rindentuch, d. h. zu Tuch geschlagene Baumrinde, wird von tropischen Völkern aller Breiten seit Menschengedenken angefertigt und benutzt. Wohl kein Naturvolk hat diese Kunst des Rindentuch-Schlagens zu einer solchen Vollkommenheit gebracht, wie die Waganda, die Einwohner des Königreiches Uganda am Victoriasee. Von dort ist diese hochentwickelte Kunst auf die stammverwandten Völker des deutschen Nachbargebietes übergegangen und auch dort zu grosser Vollkommenheit gelangt.

Zur Erzeugung des Rindentuches dient ausschliesslich die Rinde einer grossen Anzahl ausserordentlich schnell wachsender Ficusarten, die speziell ihrer Rinde wegen gepflanzt werden und sonst keinen Wert haben.

Die grossblättrigen Ficusarten liefern eine gröbere Rinde, als die feinblättrigen. Der Baum ist nach seinem zweiten Lebensjahre imstande, alle neun Monate die Abnahme der Rinde des Stammes bis zur Höhe der Zweigansätze zu ertragen, und zwar soll dies bis 30 Jahre hindurch fortgesetzt werden können. Vor der Abnahme der Rinde wird die äussere Borke abgeschält oder abgeschabt. Die innere Borke lässt sich dann durch einen Längs- und je einen Querschnitt oben unter dem Zweigansatz und unten, etwa einen Fuss von der Erde, mit Leichtigkeit in einem Stück von dem Baum herunternehmen. Auf die offene Wunde werden Bananenblätter aufgelegt, die durch einige Stricke festgchalten werden. Nach etwa 14 Tagen schon ist dieser Schutz nicht mehr nötig, da die Bildung der neuen Rinde genügend weit fortgeschritten ist.

Das abgestreifte Stück innerer Rinde wird nun in Wasser geweicht und zuerst mit grobgerillten Holzhämmern bearbeitet, wodurch die Kinde sich nach den Seiten, d. h also nicht in der Längsrichtung der Fasern, ausdehnt. Je gleichmässiger dieses Bearbeiten staufindet, um so wertvoller wird das Tuch. Nachdem der grobgerillte Hammer seine Arbeit getan, wird ein neuer Hammer mit feineren Rillen zu der erneuten Prozedur des Schlagens verwandt, dadurch dehnt sich das Tuch naturgemäss immer mehr aus. Zuweilen werden 4—5 verschiedene Hämmer benutzt, und ist es wunderbar, wie glcichmässig die auf dem Tuch selbst erscheinenden Rillen, trotz des primitiven Werkzeuges, über das ganze Tuch hin parallel laufen.

Eine frische Rinde von etwa 2 Meter Stammhöhe und 1/2 Meter Stammumfang ergibt bei richtiger Behandlung ein Tuch von etwa 4 Quadratmeter Grösse. Je dünner diese Tücher sind, um so höher werden sie von Eingeborenen bewertet. Meist werden mehrere Tücher sehr kunstvoll zusammengenäht, auch sind die in den Rindentüchern durch allzu heftiges Klopfen entstehenden Löcher immer sehr kunstvoll gestopft oder durch einen Einsatz ausgebessert.

Sehr interessant sind die von den Eingeborenen mit der Hand bemalten Tücher, die teilweise sehr hübsche Effekte bilden. In Amerika sind solche Tücher sehr geschätzte Dekorationsstücke und werden hoch bezahlt. Rindentuch sollte nach Ansicht unseres Gewährsmannes noch eine Rolle als Ausfuhrartikel zu spielen berufen sein, da dasselbe zur Herstellung einer grossen Anzahl nützlicher und dekorierender Gegenstände z. B. auch zu originellen Bucheinbänden ohne Zweifel Verwendung finden kann.

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