Die Kalkindustrie der Walhallastraße


Etwas über 200 Meter gegen Osten von der Station Walhallastraße der Bahnlinie Regensburg—Hof zieht am linken Donauufer entlang und vom letzteren 600 Meter entfernt bis zur Talschlucht beim Tegernheimer Keller, ein dem Juragebirge ungehöriger Höhenzug, welcher Kalkstein enthält. Dieser ist sehr hochprozentig und erreicht in den meisten Lagen einen Kalkgehalt von 98 bis 99 Prozent.

Die vorzügliche Reinheit, sowie die günstige Struktur des Steines dieses Bergstockes, die vorteilhafte Lage desselben an der obenbezeichneten Bahnlinie wie an der schiffbaren Donau und endlich auch für den Fuhrwerksverkehr in ein weites Hinterland ließen die Gegend für die Begründung einer ausgedehnten Kalkindustrie in ganz besonderer Weise geeignet erscheinen, umsomehr als die Möglichkeit vorlag, die Kalksteinbrüche in engste Verbindung mit den zu schaffenden Fabrikanlagen zu bringen und als über die Erzielung eines bedeutenden Absatzes Bedenken nicht obwalten konnten, da die günstige geographische Lage die Lieferung des erzeugten Fabrikats mit günstiger Fracht in ausgedehnte, äußerst aufnahmefähige Gebiete sicherte.

Alle diese äußerst vorteilhaften hier vorhandenen Bedingungen gaben dem Unternehmungsgeist des damals zirka 30 jährigen Herrn D. Funk aus Kamenitz a. Linde bei Neuhaus in Böhmen, die Veranlassung, an der Stelle, an der schon vorher einzelne kleine Kalköfen gestanden hatten, anfangs der 1870 er Jahre den Bau eines größeren Ringofens in Angriff zu nehmen und damit ein Werk im größeren Stil zu errichten, das seither bestehende Kalk- und Portlandzementwerk „Walhalla“ D. Funk.

Die Voraussetzungen, von denen bei der Errichtung dieses ersten mit einem 55 Meter Kamin verbundenen lökammerigen Ringofens ausgegangen worden war, erwiesen sich als so zutreffend, daß. um den Anforderungen des Abnehmerkreises Genüge leisten zu können, schon im Jahre 1876 ein mit einem Schornstein von 70 Meter Höhe verbundener weiterer lökammeriger Ringofen, sowie in den Jahren 1885, 1886 und 1887 je ein weiterer Schachtofen erbaut werden mußte.

Mit dem Emporblühen der Deutschen Zementindustrie richtete sich der Blick des Herrn D. Funk auch auf diesen aussichtsreichen neuen Fabrikationszweig, für dessen erfolgreichen Betrieb in Walhallastraße gleichfalls die besten Vorbedingungen vorhanden waren. Die Rohmaterialien hierzu standen in geeigneter Qualität und in ausreichenden Mengen zur Verfügung, sodaß man auf die Herstellung eines konkurrenzfähigen Produktes rechnen konnte. Ferner ließ neben den außerordentlich günstigen örtlichen Verhältnissen auch die für viele Kalkabnehmer vorteilhafte Möglichkeit, Zement als Beiladung zu Kalk zu beziehen, eine gute Prosperität erwarten. So wurde denn die Fabrikation von Portlandzement im Jahre 1892 zunächst im kleineren Maßstabe in Angriff genommen. Im Jahre 1898 wurde der Entschluß gefaßt, durch Verdoppelung der Öfen, Erweiterung der Rohmühle und Anlage einer mit den neuesten Maschinen ausgestatteten Zcment-miilile, die Zementfabrik auszubauen. Die Anlage wurde im Sommer 1899 fertiggestellt und in den darauf folgenden Jahren noch bedeutend erweitert und vervollkommnet. Das Brennen des Zementes erfolgte in vier Schachtöfen nach System Schneider. Die Zementfabrik besaß eine Produktionsfähigkeit von 100 000 Faß und ein Kontingent von 75 000 Faß im Süddeutschen und von zirka 6000 Faß im Mitteldeutschen Syndikatsgebiet. Infolge eines sehr günstigen Angebotes wurde das gesamte Zementkontin-gent für die zwölf Jahre vom 1. Januar 1914 bis 31. Dezember 1925 an die Süddeutsche Zementverkaufsstelle G. m. b. H., Heidelberg, abgetreten.

Das Werk gehört seit dem am 5. September 1900 erfolgten Ableben des Herrn D. Funk den D. Funk’schen Erben in Wien und wird verwaltet durch den Hof- und Gerichtsadvokaten Herrn Dr. Ludwig Hesky in Wien als Bevollmächtigten des Nachlasses.

Die von der Firma D. Funk erzielten Erfolge veran-laßten die Errichtung zweier weiterer Kalkwerke und zwar des in zirka 600 Meter Entfernung nach Norden durch Herrn Ingenieur Joseph Micheler im Jahre 1877 ins Leben gerufenen

Kalkwerk J. Micheler, welches zunächst einen Schachtofen erbaute, dem infolge der großen Nachfrage nach seinem Produkte im Jahre 1881 ein weiterer Schachtofen, im Jahre 1883 ein Ringofen, im Jahre 1886 ein zweiter Ringofen, im Jahre 1893 noch zwei Schachtöfen und im Jahre 1897 ein dritter Ringofen hinzugefügt wurden, sodaß die gesamte Anlage dieses Werkes nunmehr aus drei Ringöfen von je 16 Kammern und vier Schachtöfen besteht, und des auf Grund des immer noch zunehmenden Kalkbedarfes im natürlichen Absatzgebiete der Walhallastraße entstandenen

Kalkwerk Andre Büechl, welches sich nördlich an die Micheler’sche Anlage anschließend, von Herrn Wolfgang Kummer im Jahre 1897 mit einem Ringofen von 18 Kammern erbaut und im Jahre 1898 durch einen weiteren Ringofen von 16 Kammern vergrößert wurde. In die Hände des gegenwärtigen Besitzers, Herrn Büechl, ging dieses Werk durch Kauf am 19. März 1900 über.

Die Betriebe der drei Kalkwrerke in der Walhallastraße werden von ihren Besitzern gesondert geführt, doch haben sich alle drei Werke zum Verkauf ihrer gebrannten Kalkprodukte jeder Art seit 1. Januar 1911 zu einer

Verkaufsstelle der Walhallakalkwerke, D. Funk, J. Micheler, A. Büechl, G. m. b. H., mit dem Domizil in Walhallastraße zusammengeschlossen.

Der Absatz dieser Verkaufsstelle betrug im Durchschnitt der letzten drei Jahre p. a. rd. 4700 Doppelwaggons Walhalla-Stückkalk, 400 Doppelwaggons Walhalla-Nuß-und Abfallkalk; außerdem liefert das Werk D. Funk noch in alljährlich steigendem Maße große Mengen feinstge-mahlenen kohlensauren Kalk.

Der Walhallakalk dient in erster Linie Bauzwecken, sodann findet er aber vor allem auch Verwendung für die Zwecke der Landwirtschaft, die immer mehr zu der Erkenntnis gelangt, daß neben den verschiedenen künstlichen Düngemitteln die Zuführung von Kalk für die Aufschließung des Bodens eine unerläßliche Notwendigkeit ist.

Das Verwendungsgebiet des Walhallakalks erstreckt sich vor allem über sämtliche östliche Kreise Bayerns, sodann über Oberösterreich und über Sachsen, in welchem letzteren Lande er trotz der hohen Fracht immer mehr Eingang und seiner Reinheit wegen namentlich für die Zwecke der chemisch-technischen Industrien von Jahr zu Jahr zunehmende Verwendung findet.

Der Walhallakalk ist in allen Fachkreisen anerkannt als besonders reines, ausgiebiges und lagerfähiges Kalkprodukt. Dieser Ruf sichert ihm sowohl in Bayern, wie im benachbarten Ausland den von jeher behaupteten Platz an erster Stelle für alle Zwecke, für welche die Verwendung von bestem Kalk in Frage kommt.

Möchte die blühende Industrie der Walhallastraße, welcher die eigenartige geologische Beschaffenheit unseres Landes schier unerschöpfliche Vorräte ihres wertvollen. vielverwendbaren Rohstoffes zur Verfügung stellt, noch Jahrhunderte lang zum Segen der Heimat wachsen und gedeihen, lohnend für die Arbeitgeber ebenso wie für die in den Betrieben beschäftigte heimische Arbeiterschaft, Nutzen spendend für weite Abnehmerkreise in Gewerbe, Industrie und Landwirtschaft!

Siehe auch:
Aktien-Papierfabrik Regensburg
Express-Fahrradwerke A.G.Neumarkt in der Oberpfalz
Jesuitenbrauerei Regensburg in Regensburg
Schlüssel-Bleistift-Fabrik J. J. Rehbach in Regensburg
Das Elektrizitätswerk der Stadt Regensburg
Deutsch-Amerikanische Petroleum-Gesellschaft Hamburg. Benzinfabrik Regensburg.
Dampfsägewerk Arnschwang
Johann Müller, Perlmutterknopf-Fabrik
Eisengießerei Carolinenhütte
Dampfsäge, Hobel- und Spaltwerk, Kistenfabrik
Staatliche Eisenindustrie in der Oberpfalz Amberg-Weiherhammer-Bodenwöhr
Prinz Rupprecht-Quelle vormals Silvana-Sprudel in Groschlattengrün
Bayerische Granitaktiengesellschaft in Regensburg
Tonwerk Prüfening und Braunkohlengrube Friedrichzeche
Städtisches Lagerhaus Regensburg am Luitpoldhafen
Die Kalkindustrie der Walhallastraße
Kalblederfabrik Furth i. Wald
Bayerische Braunkohle-Industrie
Die Malteserbrauerei in Amberg
Terranova-Industrie C. A. Kapferer & Co. in Freihung.
Königlich Bayerische Hofglasmalerei Georg Schneider in Regensburg
Das neue Gaswerk der Stadt Regensburg
Die Stadt Weiden
Naabwerke für Licht- und Kraftversorgung
Kalksandsteinfabrik Roding G.m.b.H.
Königl. Schwellenwerk in Schwandorf
Bayerische Maschinenfabrik Regensburg
Metallhammerwerk u. Bronzefarbenfabrik in Rothenbruck Opf. Aluminiumbronzefabrik in Rauhenstein Opf.
Die Entwicklung des Fahrrades
Tonwerk Blomenhof, G.m.b.H., Neumarkt i. Opf.
Die Flügel- und Piano-Fabrik von Georg Weidig in Regensburg
Eisen- und Metallgießerei, Maschinenfabrik und Kesselschmiede
Dresdener Maschinenfabrik und Schiffswerft Übigau A.G. Werft in Regensburg
Die Anlagen der Benzinwerke Regensburg
Portland – Cementwerk Burglengenfeld
Bürgerbräu Weiden
Aktiengesellschaft Porzellanfabrik Weiden
Holzhandlung, Werke für Holzimprägnierung und Kyanisierung
Porzellanfabrik Tirschenreuth
Stanz- und Emaillierwerke in Amberg
Bayerische Schlauchfabrik, mechanische Hanf- und Drahtseilerei
Die Wasserversorgung der Stadt Regensburg
Vereinigte Bayerische Spiegel- und Tafelglaswerke
Cahücitwerke Nürnberg. Fabrik in Neumarkt Oberpfalz.