Die Landesvermessung in Südwestafrika


Bald, nachdem die Aufstände der Herero und Hottentotten niedergeschlagen waren, setzte eine starke Besiedlung des nunmehrigen Regierungslandes ein. Während früher diejenigen, die farmen wollten, grösstenteils aus den Händen der Eingeborenen Land kaufen mussten, stand jetzt fast alles Land den Farmern zur Verfügung.

Infolge des starken Landverkaufs machte sich bald ein grosser Mangel an Landmessern bemerkbar; denn jetzt musste bei Einteilung des Landes planmässig vorgegangen werden. Ausser einigen von Gesellschaften angestellten Landmessern sind etwa 25 Gouvernementslandmesser in Südwestafrika beschäftigt, von denen immer einer oder zwei einen Distrikt aufteilen. Die Zentralleitung liegt in Händen der Landesvermessung in Windhuk, der die drei Vermessungsämter Keetmanshoop, Omaruru und Windhuk unterstellt sind. Auf diesen Vermessungsämtern werden die Arbeiten der Landmesser durch Zeichner weiter bearbeitet. Während früher die Farmen durchweg trigonometrisch vermessen wurden, werden sie jetzt grösstenteils, besonders im ebenen Gelände durch Boussole und Messung vermittels eines Messbandes abgesteckt. Dadurch lässt sich die Arbeit wesentlich beschleunigen. Bei stark unterbrochenem Terrain, wo eine direkte Messung der Strecken sehr zeitraubend ist, werden auch jetzt noch die Farmen trigonometrisch oder vermittels des Messtisches durch Peilungen aufgenommen.

Im Vergleich zu Deutschland hat der Landmesser in Afrika sich für die örtlichen Arbeiten viel eingehender vorzubereiten. Bahnen kommen für ihn als Beförderungsmittel in den wenigsten Fällen in Frage, weil die meisten Farmen mehr oder weniger weit von der Bahn entfernt liegen. Auch muss er selbst für sein Unterkommen sorgen, denn Gasthäuser sind ausserhalb grösserer Ortschaften fast nicht zu finden, auch keine Läden, in denen er Nahrungsmittel und Kleidung erhalten kann. Bei den grossen Entfernungen von Farm zu Farm und den Ausdehnungen der Farmen selbst, die bei den kleinsten Farmen schon eine Meile im Geviert beträgt, ist er auf Pferde angewiesen. Es werden daher jedem Landmesser einige Pferde, eine Karre mit Mauleseln bespannt und ein Ochsenplanwagen mit 20 Ochsen vom Gouvernement zugewiesen. Während die Karre sehr praktisch ist bei Arbeiten in grösserer Entfernung vom jeweiligen Lager, dient der Ochsenwagen zum Herbeischaffen des Proviants von dem nächsten Orte, der mitunter bis zu 200 Kilometer entfernt liegt, sowie zum Transporte der Instrumente und des Lebensunterhalts von Lager zu Lager.

Während in Deutschland die Grenzpunkte durch künstliche, behauene oder rohe Feldsteine vermerkt werden, muss in Afrika eine andere Vermerkung gewählt werden, denn bei den grossen Flächen und Entfernungen von Punkt zu Punkt würde man einen kleinen Grenzstein ohne Messungen schwer wiederfinden. In den Bergen und wo sonst viele Steine Vorkommen, werden daher durch die Eingeborenen unter Leitung des weissen Messgehilten etwa zwei Meter hohe Steinpyramiden als Grenzpunkte aufgebaut, die weithin sichtbar sind. Unter diesen wird der genaue Grenzpunkt durch eine eingesetzte Flasche, einen eisernen Bolzen oder ein in Felsen eingemeisseltes Kreuz bezeichnet. In den grossen Sandflächen, wo keine Steine Vorkommen, muss man sich mit einer anderen, weniger guten Vermarkung behelfen. Es wird ein grosser Sandhügel mit Graben aufgeworfen, und in diesen ein Baumpfahl eingesetzt. Ausser Farmabsteckungen und Aufstellung von Bebauungsplänen gehören noch zu den Landmesserarbeiten die Vermessung der Kleinsiedlungen. Diese haben eine Grösse von durchschnittlich 10 ha. Sie werden auf dieselbe Art wie Grundstücke in Deutschland polygonometrisch und mit Bandmass vermessen.

Die Eingeborenen eignen sich zu Landmesserarbeiten besser, als man von vornherein annimmt. Zu Anfang hat man freilich viel Last damit, sie an die ihnen ganz unbekannte Arbeit zu gewöhnen und nachher muss man stets mit Faulheit und Nachlässigkeit rechnen, wenn der Eingeborene nicht genügend beaufsichtigt wird.

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