Die landwirtschaftliche Ausstellung in Keetmanshoop


Zu Pfingsten dieses Jahres fand im Südbezirk, in Keetmanshoop, die erste landwirtschaftliche Ausstellung statt. Veranstaltet wurde sie von dem dortigen Rennverein und in dankenswerter Weise vom Gouvernement unterstützt. Zahlreiche Gäste aus Lüderitzbucht waren hierzu und zu dem darauffolgenden Renntag mit Extra-Zug eingetroffen.

Die Leser werden sich der Bilder erinnern, die vor genau einem Jahr von der Landesausstellung in Windhuk erschienen. So Grossartiges konnte in Keetmanshoop natürlich noch nicht gezeigt werden. Dazu ist die Arbeitszeit seit der Niederwerfung des Aufstandes viel zu kurz gewesen, abgesehen davon, dass der Süden bekanntlich in seiner Gesamtentwicklung nicht unerheblich hinter dem Norden zurücksteht. Um so erfreulicher war es gelegentlich der Tierschau in Keetmanshoop zu sehen, dass auch im Süden die Wunden des Krieges zu heilen beginnen.

Das 1. Bild zeigt Fettschwanzschafe und Afrikaner Ziegen, sogenannte Bockies, des Farmers Oppermann aus dem Südosten der Kolonie. Ausserdem Karren und Wagen der Wagenbauerei A. Plietz in Lüderitzbucht. Auf dem 4. Bild sind Wollschafe der Firma Brauss, Mahn & Co. zu sehen, die als einzige diese Klasse ausgestellt hatte. Die Firma begann vor etwa zwei Jahren im Süden der Kolonie Wollschafzucht in grossem Massstabe zu betreiben, — im mittleren Teil hat man seit Jahren bereits erfolgreiche Versuche damit gemacht. Wie wir hören, ist man bisher von. dem Resultat befriedigt, was die ausgestellte Nachzucht der aus der Kapkolonie importierten Muttertiere und der aus deutschen Stammschäfereien eingeführten edlen Böcke mit Recht erlaubt.

Im Hintergrund desselben Bildes steht das ausgestellte Rindvieh, meist importiertes Afrikaner Hornvieh und dessen Nachzucht, darunter recht stattliche Exemplare. Das 2. Bild veranschaulicht den Stand der ausgestellten Pferde. Gerade auch diese Zucht scheint im Süden unserer Kolonie erfreuliche Fortschritte zu machen. Daneben verdient das Geflügel und die ausgestellten Gemüse und Fleischwaren hervorgehoben zu werden, welch letztere beiden Erzeugnisse leider nur je einen Aussteller fanden. Immerhin dürlten die ausgestellten Leistungen zu Nachahmungen anspornen.

Nicht unerwähnt dürfen die ausgestellten Angora-Ziegen bleiben, in welcher Klasse zwei Züchter konkurrierten, was bemerkenswert ist. da auch diese Zucht erst nach dem Kriege in grösserem Mastabe aufgenommen worden ist, und zwar vornehmlich auch von der erwähnten Firma Brauss, Mahn & Co. Das gute Haar dieser Tiere ist wertvoller als Wolle, und die Tiere selbst sollen weniger empfindlich als Wollschafe sein. Man verspricht sich grossen Gewinn von dieser Zucht, da auch das Fleisch vorzüglich ist. Bild 3 zeigt prämiiertes Kleinvieh der obengenannten Schäferei Garinais, unter welchem das Auge Wollschafe. Angoraziegen, Perserschafe und Bastard-Russian-Perserschafe unterscheiden kann.

Leider fehlten gänzlich Proben der vielversprechenden Straussenzucht, doch scheint dieser wie gleichfalls der Wollschafzucht auch von privater Seite in letzter Zeit regeres Interesse entgegengebracht zu werden, sodass sich im nächsten Jahr hoffentlich hierfür Aussteller finden werden.

Wenn die Tierschau auch wohl hätte etwas zahlreicher beschickt werden können — die Veranstaltung konnte nicht rechtzeitig genug bekannt gegeben und vorbereitet werden —, so hat sie doch als erste landwirtschaftliche Ausstellung in Keetmanshoop insofern eine gewisse Bedeutung gehabt, als sie zeigte, dass auch im südlichen Binnenlande, seit Ruhe und Frieden wieder hergestellt ist, tüchtig gearbeitet wird, wenn auch weniger augenfällig als auf den Diamantfeldern von Lüderitzbucht.

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