Die Malteserbrauerei in Amberg


Dem Fremden, der die Stadt Arnberg betritt, wird der gewaltige Gebäudekomplex auffallen, der im Westen die Stadt abschließt; es ist das sogenannte Maltesergebäude, in dem heutzutage das Gymnasium, das Studienseminar und die Wirtschaftsräume der Malteserbrauerei untergebracht sind.

Kurfürst Maximilian I. gestattete 1621 den Jesuiten in Amberg ein Kollegium mit Gymnasium und Seminar zu errichten; aber infolge der Unruhen und Nachwirkungen des 30 jährigen Krieges konnte erst am 7. Mai 1665 an den Bau des Kollegs gegangen werden. 1693 wurde von den Jesuiten ein Brauhaus (praxatorium) und 1746 eine Wasserleitung für Brauereizwecke gebaut. Nach der 1773 erfolgten Aufhebung des Jesuitenordens wurde das Seminargebäude versteigert, den Zöglingen der hintere Flügel des Kollegs angewiesen und die Brauerei zur Verpachtung ausgeschrieben. 1782 nahmen die Malteserritter die Brauerei in Besitz, seitdem führt sie den Namen Malteserbrauerei. 1808 wurde die bayerische Zunge des Malteserritterordens aufgelöst und die Brauerei nach wie vor alljährlich verpachtet. Am 19. August 1819 erhielt die K. Regierung, um den wechselnden Pachtverhältnissen ein Ende zu machen, den Allerhöchsten Auftrag, die Brauerei öffentlich an den Meistbietenden zu versteigern. Bei der Versteigerung, die am 6. August 1821 statffand, bot Seminardirektor Wiesnet 15.880 Gulden, der Gutsbesitzer von Fernberg 15900 Gulden, allein gemäß Allerhöchster Entschließung vom 28. September 1821 wurde das Studienseminar aus verschiedenen Gründen dem anderen Käufer vorgezogen, seitdem ist die Malteserbrauerei Eigentum des K. Studienseminars.

Heutzutage gehört die Malteserbrauerei zu den bedeutendsten der Stadt Amberg; sie ist in den Jahren 1908 bis 1912 vollständig umgebaut und mit den neuesten Einrichtungen versehen worden.

Das Mälzereigebäude enthält im Kellergeschoß die Tennen, im Parterre den Gerstenübernahmeraum, im 1. und 2. Stockwerk die Gersten- und Malzsilos und in den beiden Dachgeschossen die Mälzereimaschinen und den Elektromotor für den Grünmalzaufzug. Die Malzdarre ist mit elektrisch angetriebenen Wendern und die Darrfeuerung mit automatischer Kohlenbeschickung versehen.

Im Sudhaus befinden sich zwei Pfannen und zwei Bottiche für 30 Zentner Maischquantum. Der Läuterbottich hat Umhackvorrichtung und selbsttätige Austreberung. Das fünf Stockwerk hohe Kellereigebäude weist 6 Lagerkellerabteilungen auf, den Gärkeller mit hochgestellten Bottichen, den Hopfenraum, den Sammelbottich-und Berieslerraum und unter Dach zwei Kühlschiffe.

Das Abfüllereigebäude enthält im Erdgeschoß den Faß- und Flaschenabfüllraum, die Faß- und Flaschenwäscherei und in den oberen Stockwerken Faßlagerräume. Das Pichereigebäude ist mit Holzpflaster versehen.

Im Maschinenhaus liefern zwei Dampfmaschinen mit Ventilsteuerung die Kraft für das Sudhaus und die elektrische Zentrale. Letztere aus zwei Dynamomaschinen, einer Zusatzmaschine und einer Akkumulatorenbatterie bestehend, versieht die Motore mit elektrischer Energie und Brauerei und Studienseminar mit elektrischer Beleuchtung. Die mit automatischer Kohlenbeschickung versehenen zwei Dampfkessel haben eine Heizfläche von je 80 qm. Die Heizgase werden behufs w eiterer Ausnützung noch durch einen Economiser geleitet. Der Abdampf wird in den Sommermonaten kondensiert, im Winter unter Zugabe von Frischdampf zur Heizung der ausgedehnten Seminar- und Wirtschaftsräume verwendet. Zwecks Erzeugung niedriger Temperaturen für die Kellereien sind mit den Dampfmaschinen Ammoniakkompressoren direkt gekuppelt.

Das für den Brauereibetrieb notwendige Wasserquantum wird einer neugeschaffenen Brunnenanlage entnommen; das Wasser ist von vorzüglicher Beschaffenheit und weil kalkhaltig für Brauereizwecke überaus günstig. Auch das Studienseminar deckt seinen Bedarf an Wasser aus dieser Brunnenanlage.

Die Brauerei hat auch eine eigene Restauration, weiche in Regie betrieben wird. Fünf geräumige Zimmer — darunter der sogenannte Rittersaal — dienen für den Restaurationsbetrieb. Im Sommer steht überdies ein großer schattiger Garten und eine schöne Glashalle zur Verfügung. Die Amberger bezeichnen „Malta“ als ihr Hofbrauhaus und kein Fremder wäre in Amberg gewesen, wenn er nicht „Malta“ aufgesucht und eine Maß „Malteser“ getrunken hätte.

Siehe auch:
Aktien-Papierfabrik Regensburg
Express-Fahrradwerke A.G.Neumarkt in der Oberpfalz
Jesuitenbrauerei Regensburg in Regensburg
Schlüssel-Bleistift-Fabrik J. J. Rehbach in Regensburg
Das Elektrizitätswerk der Stadt Regensburg
Deutsch-Amerikanische Petroleum-Gesellschaft Hamburg. Benzinfabrik Regensburg.
Dampfsägewerk Arnschwang
Johann Müller, Perlmutterknopf-Fabrik
Eisengießerei Carolinenhütte
Dampfsäge, Hobel- und Spaltwerk, Kistenfabrik
Staatliche Eisenindustrie in der Oberpfalz Amberg-Weiherhammer-Bodenwöhr
Prinz Rupprecht-Quelle vormals Silvana-Sprudel in Groschlattengrün
Bayerische Granitaktiengesellschaft in Regensburg
Tonwerk Prüfening und Braunkohlengrube Friedrichzeche
Städtisches Lagerhaus Regensburg am Luitpoldhafen
Die Kalkindustrie der Walhallastraße
Kalblederfabrik Furth i. Wald
Bayerische Braunkohle-Industrie
Die Malteserbrauerei in Amberg
Terranova-Industrie C. A. Kapferer & Co. in Freihung.
Königlich Bayerische Hofglasmalerei Georg Schneider in Regensburg
Das neue Gaswerk der Stadt Regensburg
Die Stadt Weiden
Naabwerke für Licht- und Kraftversorgung
Kalksandsteinfabrik Roding G.m.b.H.
Königl. Schwellenwerk in Schwandorf
Bayerische Maschinenfabrik Regensburg
Metallhammerwerk u. Bronzefarbenfabrik in Rothenbruck Opf. Aluminiumbronzefabrik in Rauhenstein Opf.
Die Entwicklung des Fahrrades
Tonwerk Blomenhof, G.m.b.H., Neumarkt i. Opf.
Die Flügel- und Piano-Fabrik von Georg Weidig in Regensburg
Eisen- und Metallgießerei, Maschinenfabrik und Kesselschmiede
Dresdener Maschinenfabrik und Schiffswerft Übigau A.G. Werft in Regensburg
Die Anlagen der Benzinwerke Regensburg
Portland – Cementwerk Burglengenfeld
Bürgerbräu Weiden
Aktiengesellschaft Porzellanfabrik Weiden
Holzhandlung, Werke für Holzimprägnierung und Kyanisierung
Porzellanfabrik Tirschenreuth
Stanz- und Emaillierwerke in Amberg
Bayerische Schlauchfabrik, mechanische Hanf- und Drahtseilerei
Die Wasserversorgung der Stadt Regensburg
Vereinigte Bayerische Spiegel- und Tafelglaswerke
Cahücitwerke Nürnberg. Fabrik in Neumarkt Oberpfalz.