Die Mauerschwalbe

KENNZEICHEN DER ART. Mattschwarz ; die Kehle weiß.

BESCHREIBUNG. Schnabel kurz, nur 3. Linien lang, gerade; Oberkiefer vorn etwas gebogen; Augen groß in ein er tiefen Höle; Stern kastanienbraun , Seher indigblau; Nasenlöcher eirund mit einer erhabenen Haut; Rachen groß; die Schnabelwinkel reichen bis unter die Augen, Stirn und der ganze Rand vom Nasenloche an und längs dem Oberschnabel hinab grauschwärzlich mit einem bräunlichen Schiller; Scheitel und der ganze Oberleib, die langen sichelförmige Flügeln und der kürzere, gabelförmige Schwanz, Hals, Brust und Bauch schwärzlich, ins Braune schillernd, Kinn und die Seiten desselben weißlich; Füße kurz , oben bis an die Zehen mit verhältnismäßig ziemlich langen Federn bedekt; die vier Zehen liegen alle vorwärts, die innere an der Seite, die dritte und vierte etwas näher beisammen, sind fleischroth; Nägel schwarz, krumm gebogen und sehr spitzig.

Die Flügelspitzen reichen etwa 1 Zoll weit über die Schwanzspitze hinaus.

Länge 7 Zoll; Breite 1. Fuß 4 Zoll; das Gewicht einer alten 2 Loth, einer hingen 5. Loth.

Zwischen Weibchen und Männchen fanden wir keinen Unterschied. Die Jungen, von welchen hier eins abgebildet ist, unterscheiden sich im ersten Jahr von den Alten durch folgende Merkmale :

Die Stirn, ein schmaler Streifen über den Augen, überhaupt das ganze Gesicht weiß, am leztern ins Gelbliche spielend. Der Stern grau, übrigens gleichen sie den Alten, nur daß die Federnränder der hintern Ruderfedern weiß sind, der vordere Flügelrand weiß und die schwarze Farbe heller ist.

AUFENTHALT. Sie ist in den vier Erdtheilen zu Hause. In Deutschland ist sie ein Zugvogel, der in Thüringen zwischen den 22. und 26. April, im Nürnbergischen wenn der Tag 15. Stundenlang ist, ankommt, und in der Mitte des Augusts in Thüringen, spätestens den 22ten, im Nürnbergischen, wenn der Tag auf 15. Stunden sich wieder verkürzet hat, wegzieht. Sie wohnt in den Löchern hoher Thürme , Stadtmauern, Kirchmauern, ungangbaren Steinbrüchen und holen Eichbäumen.

EIGENSCHAFTEN. Vermöge ihrer großen Flügel ist sie im Stande einen großen Raum in Gesellschaft ihrer Artverwandten mit blizschneller Geschwindigkeit zu durchschneiden, bei welcher Gelegenheit sie denn auch ihr durchdringendes Geschrei: ih, ih, ih, ih, hören läßt. Sie liebt die Geselligkeit und brütet daher gern mit andern an einer Mauer, oder Thurm, nur nicht in einem und demselben Loche. Niemals sieht man sie auf der Erde, weil sie wegen ihrer kurzen Füße und langen Flügel sich nicht  mehr erheben kann. Sie hängt sich daher, wenn sie ausruhen will, mit ihren spitzigen krummen Nägeln entweder an eine Mauer in senkrechter Richtung , wie die Spechte , oder schlüpft in ein Mauerloch. Sie kann sehr lange Hunger leiden. Wir hatten wenigstens eine in einem Käfig, die zehn Tage lang ohne die geringste Nahrung und Trank lebte.

Ihre NAHRUNG besteht aus kleinen Motten, Käfern, Mucken, Bremen oder andern Insekten, die hoch in der Luft herum fliegen. Bei kalter Witterung verschwinden die Insekten aus der höhern Luftgegend, es fehlt ihr dann an Nahrung, und man findet zu einer solchen Zeit, wenn die Kälte länge anhält, und sie sich nicht an Teichen mit Tagfliegen und Wasserjungfern nähren können, mehrere tod auf der Erde liegen.

FORTPFLANZUNG. Das Nest macht sie in Mauerlöcher aus trockenen Grashalmen, Fäden, Würzelehen, Federn und Haaren und klebt sie mit einem aus dem Munde fließenden klebrigen Schleim zusammen., Es ist wie ein flaches Näpfchen geformt und nicht künstlich. Das Weibchen läßt bei der Begattung ein großes Geschrei von sich hören, und legt zwei, selten vier milchweiße, unmerklich grau gesprengte Eier. Sie brütet des Jahrs nur einmal.

Ihren NUTZEN schränkte man bisher bloß auf die Vertilgung der Insekten, ein, obgleich diese vielleicht uns nicht einmal schädlich sind. Ungleich nüzlicher sind sie in Absicht auf unsern Gaumen.. Die flüggen Jungen haben ein sehr zartes, fettes und schmakhafles Fleisch, und geben daher eine angenehme Speise. In Nürnberg wurden alle Jahre durch einige aus dem Bauamte dazu beordnete Personen die Jungen, der an der Stadtmauer häufig brütenden, Mauerschwalben aus dem Neste genommen,, und auf die Tafel einiger Herrn Senatoren geliefert. Einen SCHADEN wüßten wir von ihr nicht anzuführen.

FEINDE hat sie an den Wieseln und Ratten, die sich in ihr Nest schleichen und ihre Brut rauben, und an den häufig auf ihr wohnenden. Schwalbenhäusen.

JAGD UND FANG.

Man schießt sie am besten, wenn sie vor ihrer Höle an der Mauer hängt. Junge und Alte fängt man im Neste. Man lehnt eine hohe Leiter an die Mauer, steigt bis zum Neste und zieht sie mit einem anderthalb Ellen langen eisernen Haken aus demselben.

ANMERKUNGEN. Nach Bechstein sind die Füße mit wolligen Federn bedekt. Wir fanden sie bei alten ausgemauserten Exemplaren nicht so. Die Testikeln fanden wir bei einem Männchen nicht rund. Wie bei mehrem andern Vögeln, sondern walzenförmig, 3. Linien lang und eine Linie dik.

Siehe auch:
Der Uhu
Der Dorndreher
Die Elster
Der Kernbeisser
Der Gimpel
Die Kohlmeise
Der Turmfalke
Der Grünspecht
Die Dohle
Der Stockfalke
Der Pirol
Das Rotschwänzchen
Die weisse Bachstelze
Die Lachtaube
Der Staar
Der Grünling

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