Die Ölpalme


Zu den wichtigsten Ausfuhrprodukten von Westafrika, namentlich auch unseren Kolonien Kamerun und Togo, gehören Palmkerne, die Früchte der Oelpalme, die im mittleren Küstengebiet von Westafrika in einer Zone von 100 bis 300 Kilometer Breite fast überall wildwachsend vorkommt. In Kamerun trifft man sie auch weiter im Innern bis nach Adamaua an, in Togo bis zum sogenannten Fetischgebirge,bezw. dem Bezirk Alakpame. An der Küste ist sie in grossen Beständen vorhanden, ebenso bedecken Oelpalmenwälder grosse Teile des zur Küste abfallenden Kamerunplateaus in Höhe von 700 bis 900 Metern. Wenn die Gewinnung von Palmkernen für den Export bis jetzt noch keinen grösseren Umfang angenommen hat, so liegt dies einfach daran, dass die Bestände vielfach noch zu abgelegen sind, um eine lohnende Ausnutzung zu gestalten.

In Kamerun betrug im Jahre 1908,09 die Ausfuhr dem Werte nach erst rund 2 200 000 Mark. Dazu kommen allerdings noch 990000 Mark für Palmöl, das an Ort und Stelle aus dem die Palmkerne umhüllenden Fruchtfleisch gewonnen wird. Im Vergleich zu dem Ausfuhrwert eines reinen Kulturprodukts wie Kakao, der 2700 000 Mark betrug, ist dies nicht gerade viel. Wir können aber erwarten, dass die Palmkernausfuhr ganz erheblich an Bedeutung gewinnen wird, wenn die Verkehrsverhältnisse aus dem heutigen primitiven Zustande herausgehoben sind und die Zufuhr auch anderer minder wertvoller Produkte als Kautschuk aus dem Innern nach der Küste ermöglichen. Gerade das letzte Jahr ist ein Schulbeispiel dafür, wie sehr die Produktion der Palmkerne und des Palmöls von den Verkehrsverhältnissen abhängig ist. Der Weltmarktpreis für den Zentner fiel von über 18 Mark auf 12 Mark bezw. von 31 Mark auf 23 Mark. So wurde in bedeutenden Produktionsgebieten die Gewinnung vorübergehend unrentabel.

Die Oelpalme (Bild 1) wird ungefähr 15 Meter hoch; ihr Stamm hat einen Durchmesser von 20—25 cm, höchstens 40 cm. Die Blüten und Fruchtbündel (Bild 2) entstehen am Ansatz der Blätter, sitzen also nahe dem Scheitel des Stammes Schon im dritten Jahre beginnt die Oelpalme zu blühen, im vierten und fünften Jahre Früchte zu tragen.

Die Fruchtbündel, die bis zu 1000 und noch mehr pflaumengrosse Früchte enthalten, werden 10, 30 ja sogar 50 kg schwer. Der Fettgehalt des Fruchtfleiches beträgt 40 bis 70 v. H. Es umhüllt den mit einer sehr harten, holzigen Schale versehenen Samen, der als Palmkern in den Handel kommt. Dieser Kern enthält 50 v. H. seines Gewichts an Oel.

Bei der Gewinnung von Palmöl werden die Früchte, wie dies Bild 3 zeigt, in grosse Töpfe gefüllt und mit Wasser bedeckt. Dann wird der Inhalt 2 bis 3 Stunden lang gekocht. Nach Abgiessen des Wassers wird nun die ganze unangenehm riechende Masse in Tröge oder Kanus gebracht und durch Umrühren das Fruchtfleisch von den Palmkernen getrennt (Bild 3) Dann wird das Fruchtfleisch herausgefischt und das Oel ausgepresst. Die in den Trögen zurückgebliebene Brühe wird nochmals gekocht und das sich ausscheidende Oel abgeschöpft. Diese von den Eingeborenen geübte primitive Methode ist natürlich wenig rationell; es bleibt noch sehr viel Oel in den Rückständen. Um die Palmölgewinnung auch für europäische Unternehmungen lohnend zu machen, musste man darauf sinnen, durch geeignete maschinelle Anlagen das Rohmaterial vollständig auszunutzen. Auf Anregung des Kolonialwirtschaftlichen Komitees hat eine Berliner Maschinenfabrik das auf Bild 4 wiedergegebene Palmölwerk konstruiert, das den gestellten Anforderungen in zufriedenstellender Weise gerecht wird.

Das Palmöl, ebenso wie das in Europa aus den Palmkernen gewonnene Fett, findet vorwiegend bei der Seifenfabrikation Verwendung.

Nach den bisher angestellten Versuchen gelingt es nicht allzuschwer, die Oelpalme anzupflanzen und so die vorhandenen Bestände zu erweitern und zu verdichten. Das hat natürlich nur da einen Zweck, wo die Transportverhältnisse gut sind. Wir dürfen annehmen, dass mit dem Vordringen der Eisenbahnen immer neue Gebiete erschlossen werden, die Palmkerne und Palmöl in Massen auf den Markt zu liefern vermögen.

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