Die Reichskleinodien

Bekenntnis eines Niederländers

Um die Reichskleinodien schwebt auch etwas von dem Geheiligten und Wunderbaren, das jeden Mythus umgibt. Damit meinen wir nicht an erster Stelle etwas „Übernatürliches“, Unser Reich ist keine übernatürliche Angelegenheit, sondern natürliche Wirklichkeit und vor allem Zukunft. Aber doch eine Zukunft, die auch eine alte Vergangenheit hinter sich hat. „geheiligte Überlieferung“, und untrennbar ist diese Überlieferung mit den Kleinodien verbunden.

Diese Kleinodien haben stark auf die Phantasie von Tausenden gewirkt und können das noch, auch auf unsere. So konnte es in einer Zeit, als das Christentum alles in Wundergeschichten umdeutete, geschehen, daß die Reichslanze zur Reliquie wurde.

Einst war diese Lanze das meist verehrte Zeichen des Reiches. Wir wissen heute, daß sie von Siegener Stahl geschmiedet ist im 8. Jahrhundert. Aber der Wunderglaube ließ diese Lanze nicht unberührt. Mittendrin wurde ein merkwürdig geformter Eisenstab befestigt, und dieser Stab wurde verehrt wie ein Nagel von dem Kreuz Christi. Diese Lanze vertrat die königliche Macht, und mit der Lanze wurde diese Macht nach uraltem germanischem Brauch übertragen. So erhielt der Burgunderkönig Rudolf II. im Jahre 922 die Lanze, die damals das Symbol der Langobarden war. Jedoch im Jahre 926 mußte Rudolf sie zu Worms Heinrich I. geben, also dem ersten Reich. Bevor diese Lanze also Reichslanze wurde, wurde sie schon durch die Germanen fürsten als Zeichen ihrer Würde benutzt. Als Otto der Große 955 die Ungarn auf dem Lechfeld (bei Augsburg) besiegte, tat er dies unter dem Siegbanner dieser Reichslanze. So war sie einst viel mehr als ein kostbares Museumsstück.

Unter ihrem Zeichen schlugen Kaiser des Reiches ihre Schlachten, bis unter Heinrich IV. (1086 bis 1088) einer ihrer Träger fiel und die Lanze selbst verloren gewesen ist. Der Schaft war schon lange verlorengegangen, und wahrscheinlich ist sie nun auch gebrochen. Aber dann verliert sie ihre Bedeutung gegenüber anderen Reichskleinodien. Legenden werden gesponnen um die alte Waffe; sie wird zum heiligen Speer des Gralstempels, zur Lanze des Märtyrers, des heiligen Sebastian.

An ihre Stelle trat die Kaiserkrone. Einst war es fürstlicher Brauch, daß jeder Kaiser seine eigene Krone hatte. Aber hundert Jahre nach der Lanze kam aus dem gleichen germanischen Burgund ein Krone, die die Kaiserkrone werden sollte, als Burgund dem Reich einverleibt wurde. Diese Krone wurde nun Sinnbild der Macht und Größe des Reiches. An der Vorderseite, mitten unter dem Kreuz, befand sich einst ein Edelstein, der den Namen „Waisen“ trug. Dieser Stein ist verlorengegangcn; nach 1423 wird er nicht mehr genannt, und jetzt ist an seine Stelle ein etwas zu kleiner Stein eingefügt worden. Waisen bedeutet: der Einzige, der Alleinstehende. Der Name des Steines wurde der Name der Krone. Der große Dichter Walther von der Vogelweide nannte zum ersten Male in einem Gedicht im Jahre 1198 die Krone mit diesem Namen. Er sagt darin, daß die Krone, wenn sie auch viel älter als Philipp ist, ihm doch herrlich paßt, wenn sie auch nicht für ihn persönlich gemacht ist.

Die Reichskleinodien umfassen eine große Anzahl kostbarer Stücke. Da sind dann die Zeichen der Reichsherrlichkeit: die Kaiserkrone, das Schwert, das Zepter und der Reichsapfel, Zeichen der Weltmacht. Aber auch das Reichsornat gehört dazu. Das sind die Kleider, die hei der Kaiserkrönung getragen werden: Mantel und Handschuhe. Und schließlich das „Heiltum“, die Reliquien.

Dieser Ornatsmantel ist ein besonderes Prachtstück; auf feuerroter Byzantiner Seide sind goldene Löwen gestickt, die Kamele anspringen, von Perlen umsäumt. Wir wissen, daß der Mantel im Aufträge von Roger II. von Sizilien angefertigt wurde und daß er in Palermo gemacht ist. Wer war dieser Roger? Ein Wikingerfürst aus dem Geschlecht der Normannen, die einst Sizilien zu einem Machtfaktor von Bedeutung im Mittelmeer gemacht haben und deren Bauwerke noch heute stehen. Rogers Ahnen waren vor hundert Jahren aus der Normandie gekommen, wo sie das beispielhafte Nonnannenreich gegründet hatten.

So sehen wir, wie mit diesen Kleinodien die germanische Geschichte von Jahrhunderten verbunden ist, wie sehr diese bewegte Zeit daraus zu uns spricht. Die Schiffe, mit denen diese adligen Normannen einst gen Süden fuhren, trugen bronzene Wimpel mit Bändern, wie wir eines aus jener Zeit aus Schweden kennen.

Heinrich VI. brachte Sizilien zum Reich und damit den Kronschatz. Hundertfünfzig Lasttiere waren nötig, diesen Schatz zu transportieren. Heinrich barg diese Kostbarkeiten in der Staufenburg Trifels in der Rheinpfalz. So kam auch der fürstliche Mantel zu den Reichskleinodien.

Im Jahre 1350, während der Aufstände der Hussiten, ließ Karl IV. die Kleinodien nach Prag überbringern Im Jahre 1421 wurden sie nach Ungarn mitgenommen. So befanden sie sich innerhalb, aber auch außerhalb des Reiches, bis die Freie Stadt Nürnberg nach vielen Unterhandlungen mit dem Kaiser und dem Papst die Zustimmung erhielt, „für ewig“ die Kleinodien verwahren zu dürfen.

Im Aufzug, unter großer Begeisterung der Bevölkerung, wurden sie am 22. März in die Stadt eingeholt. Einmal im Jahr, zu Ostern, wurden sie von da an der Bevölkerung auf dem Platz gezeigt. Der Rat der Stadt verwahrte die Stücke sorgfältig; bei Kaiserkrönungen wurden sie nach Aachen, Rom oder Regensburg gebracht und sofort nach der Krönung nach Nürnberg zurückgebracht; am Tage danach wurden sie dann dem Volke gezeigt, damit man sich davon überzeugen konnte, daß sie gut verwaltet wurden.

Im Jahre 1796, als die Franzosen in Deutschland einrückten, wurden sie über allerlei Irrwege unter großer Gefahr nach Wien gebracht. Erst 1818 wagte man es, in Wien bekanntzumachen, duß sich die Kleinodien dort befanden.

Im Jahre 1938 brachte Adolf Hitler sie wieder von Wien nach Nürnberg zurück, in die Mitte des Reiches. So sehen wir, wie diese Kleinodien verbunden sind mit der germanischen Geschichte. Weit im Osten, irgendwo am Schwarzen Meer, entstand die Lanze, weit im Süden wurde für einen Wikinger der Mantel gewebt und gestickt. Im Westen fertigte ein Kunstschmied die Krone an und setzte funkelnde Steine hinein. Und zusammen wurden sie verbunden mit dem Reich in Aufgang und Not — eine wunderbare Geschichte und eine Geschichte, die noch fortgesetzt wird, wenn diese Dinge auch für uns jetzt eine andere Bedeutung haben, wenn wir sie auch nicht mehr mitnehmen in der Schlacht, und wenn sie auch keine Reliquien mehr für uns sind. Aber sie gehören zum Mythus des Reiches, der für uns ein Mythus des Blutes ist, „heilige Überlieferung“, lebende Wirklichkeit, Bild der Zukunft, auch für uns schließlich nicht vom Wissen über Entstehen und Werden bis in die fernsten Vergangenheiten unserer Rasse zu trennen. Mythus ist ein großes Wort; wir wollen es nicht mißbrauchen, aber wir dürfen es verbinden mit der großen Idee unseres Reiches!

J. C. Nachenius, Niederlande.

Die Einzelnen Abschnitte zur Deutschen Geschichte:
Germanen der älteren Bronzezeit (um 1600 v.Chr)
Theoderich der Große
Hermann der Cherusker (Arminius)
Die Krone des Heiligen Römischen Reich
Karl der Große
Sachsenherzog Widukind
Otto der Große
Kaiser Heinrich II.
Siegel Otto des Großen und Heunrichs IV.
Der Bamberger Reiter
Heinrich der Löwe
Kaiser Friedrich I. (Barbarossa)
Rudolf von Habsburg
Kaiser Maximillian I.
Kaiser Karl V.
Martin Luther
Albrecht Wallenstein, Herzog von Friedland
Friedrich Wilhelm, der Große Kurfürst
Prinz Eugen
Friedrich der Große
Kaiserin Maria Theresia
Kaiser Josef II.
Erzherzog Karl von Österreich-Teschen
Andreas Hofer
Das letzte Aufgebot (1809)
Freiherr vom und zum Stein
Gebhard Leberecht Fürst von Blücher
Gerhard von Scharnhorst
Ernst Moritz Arndt
Der Wiener Kongreß
Kaiser Wilhelm I.
Otto von Bismarck
Reichspräsident Hindenburg
Der Berliner Kongreß
Krieger vom Grabmal des Unbekannten Soldaten
Conrad von Hötzendorf
Heldenfriedhof der Tiroler Kaiserjäger am Pordoijoch in den Dolomiten
Erich Ludendorff
Der Führer und Reichskanzler Adolf Hitler
Großdeutschland entsteht!

Landkarten Deutsche Geschichte:
Die germanische Weltherrschaft zur Zeit des Theoderich
Das Reich Karls des Großen
Das Heilige Römische Reich auf der Höhe seiner Macht : Deutschland um 1197
Die Auflösung des Heiligen Reiches um 1500
Der Kampf um das Zweite Reich
Das deutsche Sprachgebiet in Europa