Die Ringeltaube


KENNZEICHEN DER ART. An beiden Seiten des Halses ein weißer Flek; Schwanzfedern am Ende schwarz.

BESCHREIBUNG. Schnabel gerade, Oberschnabel röthlichweiß, vorn etwas erhöht und dann abwärts gekrümmt; Nasenhaut aufgeblasen, roth, weiß bestäubt; Unterschnabel röthlichweiß, unten über die Hälfte der Länge nach befiedert; Augenstern weißgelb ; vor und hinter dem Auge nakt; Kopf, Kinn und ein Theil der Kehle bläulichaschgrau, in das Grüne und Purpurrothe schillernd, erstere mit fünf bogenförmigen, nahe aneinander liegenden, weißen Linien, welche zusammen genommen, einen großen Flek bilden; der untere Theil des Halses purpurroth, auf der Brust ins Graue übergehend; Bauch, Seiten desselben und untere Detfedern des Schwanzes bläulich weißgrau; Oberrücken, Schultern und kleine Flügeldekfedern bräunlichaschgrau; Mittel- und Unterrücken bläulichgrau; Dekfedem der ersten Ordnung der Schwungfedern sehwarz; die vordern großen Dekfedern der Flügel mit einigen darüberstehenden kleinem weiß; die übrigen großen Dekfedern bläulichaschgrau ; die vordern zehn Ruderfedern schwarzgrau, an der schmalen Fahne weiß gerandet; Schwanz bläulichaschgrau, gegen die Spitze in das Schwarze übergehend; Schienbeine unter dem Knie etwas befiedert, und so wie die Zehen kochenilleroth. Die Flügelspitzen endigen sich zwei Zoll vor der Schwanzspitze.

Länge 1 Fuß 5 1/2 Zoll; Breite 2 Fuß 5 Zoll.

Bei einem Päarchen; das wir im April erhielten, fanden wir folgende Unterscheidungszeichen: Das Weibchen hatte einen kürzern und etwas schmälern Schnabel, einen etwas kleinern Kopf und weißen Flek an den Seiten des Halses; Hals und Brust weniger purpurroth; Nacken weniger schillernd; der weiße Rand an der schmalen Fahne der Schwungfedern nicht so breit als beim Männchen; Schulter, Oberrücken und Schwanz dunkler gefärbt.

AUFENTHALT. Sie bewohnt den warmen und gemäßigten Erdstrich von Europa und Asien. In Deutschland ist sie ein bekannter und nicht seltener Zugvogel, der zu Ende des März zu uns kommt, und im Oktober oder November wieder wegzieh.t Im südlichen Frankreich, Italien, und sehr wahrscheinlich auch in England, wandert sie nicht.

Im Meklenburgischen sieht man bei ihrer Ankunft Flüge von 3o. bis 5o. Stücken, in einigen andern Gegenden sind diese Flüge kleiner. Sie vertheilen sich aber bald in den Tannen- und Fichtenwäldern ; und iedes Paar sucht den Plaz wieder auf, den es das vorige Jahr bewohnt hatte.

EIGENSCHAFTEN. Sie sizt gern auf den dürren obersten Zweigen einer alten hohen Eiche oder Buche , fliegt aber sogleich auf, sobald sie in der Ferne einen Feind zu bemerken glaubt, und ist also sehr scheu und vorsichtig. Der Tauber sizt oft stundenlang auf einem Ast und rufet seinem Weibchen: kruk-guk-kruk-gukguk, wobei die ersten drei Töne langsam und abgesezt, die zwei lezten schnell hinter einander ausgestoßen werden. Das Männchen macht bei der Begattung eben die besondern Gebärden wie die zahme Taube und führt eine einweibige Ehe. Zwischen beiden Gatten findet eine große Zärtlichkeit statt. Im Spätsommer und Herbste sieht man kleine Flüge, welches gewöhnlich Familienflüge sind. Ihr Flug ist sehnell und öfters hoch. Die Jungen sind wild, und wenn man sich ihnen nähert, so blähen sie ihren Kropf gewaltig auf, blasen dureh den Schnabel, biegen den Kopf und Hals zurük, schlagen mit den Flügeln und pieken mit den Schnabel auf die Hand, die sich ihnen nähert.

NAHRUNG. Sie frißt Wicken, Waizen, und allerlei andere Getreidekörner und Hülsenfrüchte, Heidelbeeren, Eicheln, Bucheckern, Fohren-Fichten-und Tannensamen.

FORTPFLANZUNG. Sie brütet des Jahrs zweimal, nämlich im April und Julius, und legt ihr aus dürren Reisern bestehendes, kunstloses und niedriges Nest auf den Ast eines hohen Baums, und das Weibchen legt darein zwei, selten drei, weiße längliche Eier, welche von beiden Gatten wechselsweise und mit großer Emsigkeit in 16. bis 18. Tagen ausgebrütet werden. Die Jungen der zweiten Brut werden von den Alten mit Heidelbeeren, gefüttert. Die Farbe der erstem ist dunkel aschgrau und vom weißen Halsflek nur eine schwache Spur vorhanden.

NUTZEN. Das Fleisch der Jungen ist zart und schmakhaft; das der Alten aber zäh und wird nur zu Kraftbrühen gebraucht. SCHADEN bringen sie , wenn sie in Gesellschaft in die Getreidefelder fliegen.

FEINDE haben sie an dem Baummarder, der ihre Eier und Jungen raubt, dem Stockwanderfalke und Wanderfalken; vor der Gabelweihe scheinen sie sich nicht zu fürchten, da einer der Herausgeber der deutschen Ornithologie ein Taubennest mit Jungen nicht weit von dem Horste einer Gabelweihe fand. Außer den obigen Feinden leiden auch noch Junge und Alte von Taubenläusen. In ihren Gedärmen fanden wir ein Knaul Bandwürmer aus der Gattung Trichocephalus, von welchen einer 8 3/4 Zoll lang war. Goeze erwähnt dieses Wurms bei der Ringeltaube nicht.

JAGD UND FANG. Es ist äußerst schwer ihnen mit der Flinte beizukommen. Man hat dabei alle Behutsamkeit nöthig und wird doch oft getäuscht. Am leichtesten erlegt man sie, wenn man im Frühjahr ihren Ruf nachahmt, oder auf Schießhütten, welche wohl mit grünen Zweigen bedekt sind.

VERSCHIEDENHEIT.

1. Columba palumbus candidus.

ANMERKUNGEN. Hr. G. Becker stieß im Dec. 1799 bei Frostwetter auf 7.Ringeltauben im Walde, die leicht an sich kommen ließen. Hr. Bechstein glaubt, daß es wahrscheinlich eine zurükgebliebene Familie vom zweiten Gehecke, oder eine vewirrte, wie bei mehreren Vögeln, die durch den Wind vom rechten Wege abgekomnmen , gewesen sei: Ornith. Taschenb. a. a. O.

Wir trafen den 8. Febr. 18o4. bei 5. Grad Kälte und Westwind mehrere Ringeltauben im Walde an: aber wir glauben wieder, daß sie zurükgeblieben sind , noch sich verirrt haben; sondern daß die schöne gelinde Witterung, welche wir fast den ganzen Januar hindurch gehabt haben, sie früher als gewöhnlich zu uns lokte.

Am 25.Dcc. 1801 sahen wir in einem Garten ein Weibchen des Hausrothschwänzchens ( S. Tytbis. Lath. ) Mehrere Wochen vorher lag Schnee; dann folgte regnerisches, windiges Wetter, daun Thauwetter; der Schnee ging weg, es war sehr leidlich und das Rothschwänzchen flog munter umher. Diese Beispiele beweisen, daß die Grenzlinien zwischen Stand – Strich – und Zugvögeln in der Natur eben nicht mit so genauer Gewißbeit gezogen sind, als manche Naturforscher in ihrer Stube und in ihren Schriften wähnen.

Der Kropf der Ringeltaube ist groß, und wenn er aufgeblasen ist, herzförmig, die Spitze nach oben gerichtet. In einem derselben fanden wir 1.Loth Samen von Hirsen, Waizen, an welchem schon Würzelchen waren, und Buchwaizen untereinander; bei drei andern Exemplaren außer den Sämereien auch große Quarzkörner und Wasserschneckengehäuse, welche beide wahrscheinlich zur Beförderung der Verdauung dienen. Würmer mögen sie also wohl nie fressen, wie manche Schriftsteller vermuthen.

Siehe auch:
Der Uhu
Der Dorndreher
Die Elster
Der Kernbeisser
Der Gimpel
Die Kohlmeise
Der Turmfalke
Der Grünspecht
Die Dohle
Der Stockfalke
Der Pirol
Das Rotschwänzchen
Die weisse Bachstelze
Die Lachtaube
Der Staar
Der Grünling
Die Mauerschwalbe
Der Kukuck
Die Bisamente
Der Hänfling
Das Rotkehlchen