Die typischen Formen romanischer Turmhelme


Zurückgreifend auf die erwähnten Türme in Oldenburg, Buxtehude und Neubrandenburg soll darauf hingewiesen werden, daß auch unsere romanischen Stadtkirchen gemauerte achteckige Türme tragen, die schweren Vierungstürme (76). Sic lassen bei flüchtigem Blick leicht eine konstruktive Übereinstimmung mit jenen vermuten. Ihre Pyramidenkanten führen jedoch nicht nach den Fußpunkten der Giebeldrcieckc, sondern nach ihren Spitzen. Das ist typisch für die Turmbedachung romanischer Kirchen. Auch für die romanischen Vierkanttürmc trifft dies zu. Ihre ursprüngliche Bedachung war zweifellos auch das Zeltdach, das wir noch häufig antreffen, z. B. auf dem Dom in Münster (VI). Denkt man sich auf den Turm ein großes Zeltdach so gestellt, daß die Mitten der Grundlinien auf den Turmecken ruhen (77), so erhält man durch senkrechte Schnitte, ähnlich wie in Abb. 37, einen Viergiebelturm mit der stumpfen romanischen Haube. Sie ist von geradezu kubischer Wirkung und zeigt die Härte und Kantigkeit eines Kristalls. Wäre die Spitze der Giebeldreiecke stumpfwinklig (1091/.,0), so würde der Kopf eines solchen Turmes tatsächlich die Hälfte eines Rhombendodekaeders, z. B. des Granatkristalls, darstellen. Für die Konstruktion des Achtgiebelturmes verwende man entsprechend ein achtseitiges Zeltdach (76). Die Klosterkirche in Corvey hat eine gewaltige Westfassade, das sogenannte Westwerk, als dessen Flügel die Türme erscheinen. Solche Westwerke wurden durch die derzeit im Innern verlangte Empore bedingt. — Die gotische Viergicbelform (Marienkirche Lübeck) hat sich zweifellos aus der romanischen entwickelt. Das Streben nach höheren Pyramiden ergab das von selbst. Der Querschnitt der Rhombenhaube in der Höhe der Giebelspitzen ist ein Quadrat (81). Wird die Pyramide um ein Geringes höher, so wird es zum Achteck (80). Mit weiterer Höhenzunahme wird dieses regelmäßig (79). Bei sehr hohen Hel-men, z. B. bei denen der Marienkirche in Lübeck, verändert sich der Querschnitt in der Art, daß seine Winkel über den Turmecken noch kleiner werden (78). Wenn diese dagegen größer als 180° werden, der Querschnitt also sternförmig wird, kommt die Spitze niedriger zu liegen als bei der Rhombenhaube (82). Dann entsteht die Form eines Faltdaches (84), die auf romanischen Kirchtürmen häufig vorkommt. Je tiefer sich die Falten in den Helm legen, desto tiefer verlagert sich seine Spitze. Wenn diese bis zur Höhe der Giebelspitzen herabsinkt, erhalten wir das kreuzförmige Satteldach, das im folgenden Kapitel behandelt wird. In diesem Fall wird aus dem sternförmigen Querschnitt ein Geradenkreuz.

Auch die Pyramide des achtseitigen romanischen Vierungsturmes kann durch tiefere Verlagerung der Spitze zum Faltdach werden (83 und 85). Der auf St. Aposteln in Köln (86) trägt ohne Giebel eine einfache achtseitige Pyramide, die in einen Tambur mit acht rundbögigen Scitenwänden endet.

Sein Dach ist eine solche mit acht gebogenen Flächen. Auf den vierseitigen Osttürmen der romanischen St. Gereonskirche in Köln (87) finden wir Faltdächer über acht niedrigen Giebeldreiecken. Auf der gotischen Kirche in Selm-Westfalen (88) hat der Helm des noch aus romanischer Zeit stammenden Turmes später eine Veränderung erfahren, die ihn geradezu überschlank erscheinen läßt. Die Helmflächen wurden, wie schon bei der Petrikirche in Hamburg gezeigt wurde, nach einer Brechung in Höhe der Giebelspitzen steil hinaufgeführt.

Ein schönes Beispiel für schlanke romanische Hauben haben wir in den Türmen der Liebfrauenkirche in Halberstadt (XXI).

Text aus dem Buch: Türme und Tore von Flandern bis zum Baltikum, Verfasser: Lohf, Paul.

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