Die weisse Bachstelze


KENNZEICHEN DER ART. Rücken aschgrau; Stirn, Wangen, Seiten des Halses und Bauch weiß ; Kinn, Kehle und Vorderbrust schwarz ; die beiden äußsern Federn weiß, am Grunde und am Rande der breiten Fahne schwarzbraun.

BESCHREIBUNG. Schnabel sehwarz, Nasenlöcher länglich und offen; am Grunde des Oberkiefers schwarze Borsten; Augenstern dunkelbraun; Scheitel schwarz; Stirn, Wangen, Schläfe, Ohren und Seiten des Halses rein weiß; Nacken, Rücken, kleine Dekfedern der Flügel und Brustseiten bläulich aschgrau; Ruderfedern dunkelbraun, die hintern stark weiß gerandet, eben so die größern Dekfedern; Sehwanz schwarz; die zwei äußern Federn weiß, am Grunde mit einem keilförmigen schwarzbraunen Flek; die beiden mittlern etwas länger und spitziger als die andern; Kinn , Kehle und der Vordertheil der Brust schwarz; der übrige Unterleib weiß; Füße schwarz ins Röthliche spielend. Die Flügel erreichen ein Drittheil des Schwanzes. Länge 7. Zoll; Breite 11. Zoll. Das Weibchen ist nur wenig vom Männchen verschieden. Die Farbe an Stirn und Wangenist nicht reinweiß, auch ist die sehwarze Kopfplatte kleiner.

AUFENTHALT. Die Bachstelze bewohnt Afrika, Asien und Europa, und ist überall bekannt; am häufigsten in gemäßigten Erdstrichen, an Quellen, Bächen, Flüssen und Teichen, auf Wiesen und Viehtriften, in Städten und Dörfern. Man rechnet sie gewöhnlich zu den deutschen Zugvögeln, die uns zu Ende des Septembers oder zu Anfang des Oktobers in Schaaren bei mondhellen Nächten verlassen und schon in den lezten Tagen des Februars oder zu Anfang des März bei einigen auf einander folgenden warmen Frühlingstagen weder zurückehren: allein man hat auch Beispiele, daß sie in manchen Gegenden von Deutschland überwintern. Wir bemerkten selbst vor einigen Jahren im strengsten Winter mehrere derselben in der Luft und erkannten sie theils an ihrem Fluge, theils an ihrem Geschrei.

EIGENSCHAFTEN. Sie ist ein sehr munterer, lebhafter und unruhiger Vogel. Seinen Schwanz bewegt er beständig auf und nieder. Sein Lauf ist stelzenartig und äußerst schnell, besonders, wenn er nach einem Insekt haschet. Der Flug geschieht rukweise und geschwind, wobei er beständig: qui, qui, quiriri rufet. Außerdem schreit er auch noch guit, zibit. Leise und geschwind, doch nicht unangenehm ist sein Gesang, den er das ganze Jahr hindurch hören läßt. Auch necket er gern größere und kleinere Vögel, verfolgt die Falken mit großem Geschrei; und verursacht durch dasselbe bei den benachbarten Vögeln einen gewaltigen Lärm und Aufstand.

NAHRUNG. Diese besteht in Insekten, ihren Larven und Puppen, als Fliegen , Mücken, Schmetterlingen, Heuschrecken, Ohrwürmern und dergleichen. Sie

PFLANZEN sich des Jahrs zwei bis dreimal fort, und fangen schon im April an, ihre fünf bis sechs blaulichweißen und schwarz gesprenkelten Eier zu legen, welche beide Geschlechter wechselsweise in 14 Tagen ausbrüten. Das Nest machen sie in Ritzen und Hölen der Ufer und Steinbrüche, unter Dächer, Holzhaufen, und hole Weidenbäume. Es besteht aus Grashalmen, Moos, Schweinsborsten Wolle und Küh- und Hasenhaaren. Das Männchen ist gegen das Weibchen sehr zärtlich und wiederholt das Begattungsgeschäft zwölf bis sechzehnmal hinter einander. Die Jungen weichen im ersten Herbst sehr von den Alten ab und haben folgende Zeichnung :

Kopf, Oberhals und Rücken aschgrau, an den Seiten desKopfes und des Unterhalses roströthlich; von der Unterkinnlade laufen zwei dunkel graue Streifen herab, welche sich auf der Brust vereinigen; der übrige Theil der Brust und der Bauch schmutzig weiß ; die zweite und dritte Ordnung der obern Flügeldekfedern und die Ruderfedem mit breiten weilsen Rändern.

NUTZEN stiften sie durch ihre Nahrung, und ihr Fleisch gibt eine angenehme Speise. SCHAEDLICH , sind sie, so viel man weiß, gar nicht FEINDE haben sie an dem Marder, Iltis, Fuchs und der Katze. Wiesel und Ratten gehen der Brut nach.

JAGD UND FANG. Sie werden, da sie nicht scheu sind, leicht geschossen, und mit Leimruthen, und auf besondcrn Herden mit dem Garn in großer Menge gefangen.

VERSCHIEDENHEITEN.

1) Motacilla alba candida.
2) Motacilla alba leucocephala.
3) Molacilla alba varia.

ANMERKUNG.

Motacilla cinerea , Motacilla albida , Motacilla alba alarum fascia obliqua alba, sind keine besondere Abarten, sondern bloße Alterverschiedenheiten.

Siehe auch:
Der Uhu
Der Dorndreher
Die Elster
Der Kernbeisser
Der Gimpel
Die Kohlmeise
Der Turmfalke
Der Grünspecht
Die Dohle
Der Stockfalke
Der Pirol
Das Rotschwänzchen

2 Comments

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    29. März 2017

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