Die Werke von Steinfels


Der Aktiengesellschaft Steinfels gehört ein Flächenraum von rund 1200 Tagwerk, zum größten Teil aus Waldungen, Wiesen, Weideplätzen und Äckern bestehend, mit mineralischen Bodenschätzen ausgestattet und mit Fabrikanlagen ausgerüstet, die das natürliche Sand- und Mineralvorkommen von Steinfels nutzbringend verwerten. Inmitten des Besitzes ragt das alte, im 12. Jahrhundert erbaute Schloß mit seinen massigen Mauern und seinem hohen frühgotischen Giebel trotzig empor. Am Schloß ist eine charaktervolle Kapelle angebaut und um das Schloß herum gruppieren sich Wohnhäuser, Fabrikanlagen. Ställe, Remisen und andere Baulichkeiten.

Steinfels ist umgeben von großen Waldflächen und liegt an der Heidenaab. Von der nördlichen bis zur südlichen Seite des Besitzes zieht sich eine mit Wald bewachsene Anhöhe, die aus Kies und reinem scharfkantigen Sand besteht. Der westliche Höhenzug, an dessen Fuß sich die Äcker befinden, enthält mächtige Lager eines weißen Gesteins, des Steinfelser Pegmatits, das nach Urteil verschiedener Porzellantechniker ein gutes Material zur Herstellung von Porzellan und anderem mehr darstellt.

Neben einer umfangreichen Forstwirtschaft wird in Steinfels besonders eine zielbewußte Landwirtschaft betrieben. Letzere erstreckt sich sowohl auf die Aufzucht eines widerstandsfähigen, kräftigen Rinderschlages als auch auf sachgemäße Äcker- und Wiesenwirtschaft. Umfangreiche Meliorationsarbeiten haben seit Jahren eine steigende Verbesserung der Wiesenflächen gewinnen lassen.

Die industriellen Betriebe bestehen neben einem Sägewerk, das Bauhölzer, Bohlen, Bretter, Latten usw. für bauliche Zwecke liefert, aus drei verschiedenen Anlagen:

1. Pegmatitwerk,
2. Lithinwerk,
3. Kunststeinwerk.

Das Pegmatitwerk dient dazu, das im Berg-b a u gewonnene Pegmatitmaterial zu reinigen und zu versenden. Das Pegmatit wird in dem westlichen, mehrere Kilometer langen Bergrücken gewonnen und ist ein dem Granit verwandtes Gestein, das in der Hauptsache aus Quarz, Feldspat, Kaolin, Glimmer und einigen anderen Mineralien besteht. Der Quarz entspricht der chemischen Formel Si O2 und besteht aus hexagonal-tetratoedrischen Kleinkristallen, die zum Teil glasig-durchsichtig, zum Teil schwach grau gefärbt sind. Der Feldspat (Si O3 O9 AI2 H4), sowie die aus ihm abgeschiedenen Glimmer und Kaolin (Sb 0„ AL. H,) sind ebenso wie der Quarz durch ihren hohen Gehalt an Silicium von Natur mit allen denjenigen Eigenschaften ausgestattet, die erforderlich sind, bei dem nach wissenschaftlicher Grundlage zusammengesetzten Lithin (siehe unter „Lithinwerk“) eine möglichst vollkommene Versteinerung auf chemischen Wege zu erreichen.

Eingehende Bohrversuche haben ergeben, daß das Material unendlich tief ansteht, also bis in die ewige Teufe reicht und mit zunehmender Tiefe lockerer wird; dies deutet darauf, daß das Steinfelser Pegmatitvorkommen Urgestein ist. das wahrscheinlich von den Eruptionen, die in der Umgebung von Steinfels die Basaltkegel („Parkstein“ und „Rauher Kulm“) hervorbrachten, durchdrungen und erschüttert wurde. Das Gestein steht felsenartig an und muß mit Sprengkörpern gebrochen werden, zerfällt aber beim Schuß zu losem Sand.

Der sehr reine Quarz und das gesunde Feldspatkorn, die dieses Urvorkommen enthält, sind hervorragende geeignete Rohmaterialien für die Porzellanfabrikation und geben einen blühend weißen Porzellanscherben.

Steinfelser Pegmatit ist der beste Ersatz für den reinen Quarz und den teueren schwedischen Feldspat. Er setzt sich zusammen aus ungefähr 90 Proz. Kieselsäure, 5 Proz. Aluminium-Oxyd und 5 Proz. Alkalien. Das Steinfelser Pegmatit-Vorkommen faßt viele Millionen cbm und könnte die deutsche Porzellanfabrikation auf Jahrhunderte mit Rohmaterial versehen. Seit dem bisherigen Bestehen der Bergwerksanlage wurden Stollen von mehreren Kilometer Länge, 4 m breit und 4 m hoch, im Spitzbogen getrieben und bisher ein in allen Teilen gleichartiges Vorkommen festgestellt. Das Pegmatit im Bergwerk ist so rein und gleichmäßig, daß es von vielen Fabriken unmittelbar aus dem Stollen heraus, also ungewaschen, verwendet wird.

Das Lithinwerk wurde im Jahre 1900 gegründet und hat sich zu einem der leistungsfähigsten Werke in der Edelputzbranche entwickelt. Lithin ist heute in ganz Deutschland und im Auslande ein sehr beliebtes Material für Fassadenputz, das sich bei Millionen von Quadratmetern bewährt hat. Seine große Härte und Wetterbeständigkeit, die auf die Verwendung des granitartigen Urgesteins zurückzuführen sind, seine gut entwickelte Körnung und seine warmen, geschmackvollen Farbtöne verleihen dem Putz eine vornehme, ruhige, unaufdringliche Wirkung. Lithin ist nicht wie andere Nachahmungen ein gewöhnlicher Kalk- oder Zementmörtel, sondern ein unter der Kontrolle der Wissenschaft und Technik der natürlichen Gesteinsbildung nachgebildetes Produkt. Alle Farben des Lithin, bis auf wenige besonders intensiv leuchtende blaue und grüne, sind mineralischen Ursprungs. Intensiv blaue und grüne Farben lassen sich bekanntlich nur chemisch hersteilen.

Die Fabrik ist vom Bergwerk bis zur Verladehalle zusammenhängend angelegt. Die großen Mahl-, Misch- und Autbereitungsmaschinen werden Tag und Nacht durch starke Wasserkräfte, sowie durch große Dampf- und Elektrizitäts-Kraftanlagen betrieben. Es wird wohl kein Werk ähnlicher Branche existieren, das auf so rationeller Basis aufgebaut ist. Das Werk kann zurzeit jährlich etwa 1000 Waggons Lithin zu 10 000 kg liefern.

Im Lithinwerk werden folgende Spezialmaterialien fabriziert:

1. Fassaden-Lithin, ein in Hunderten von Farben und mehreren Normal-Körnungen hergestellter Edelputz, zur Verkleidung vornehmer, moderner Fassaden. Dieses Lithin wird normal in solchen Mischungen geliefert, daß mit ihm ein poröser, sehr fester und wetterbeständiger Schutz für Gebäude hergestellt werden kann. Auf Wunsch kann jedoch auch ein wasserabweisendes Lithin geliefert werden, das jedoch die gleichen Nachteile in sich birgt wie die Konkurrenzfabrikate mit ähnlichen Eigenschaften, nämlich daß der schließlich erreichte Härtegrad des fertig abgebundenen Putzes geringer ist als beim normalen Lithinmaterial.

2. Kunststein-Lithin für Stampf- und Gußarbeiten. Je nach Körnung und Farbe lassen sich mit Kunststein-Lithin Baustücke in allen Formen, Reliefs usw. hersteilen, die das Aussehen der Natursteine haben und einen außergewöhnlich hohen Härtegrad erreichen.

3. Steinputz-Lithin. Es dient hauptsächlich zum Verkleiden von Eisenbeton und Betonarbeiten und in bausteinarmen Gegenden als Ersatz der teueren Natursteine. Es können mit diesem Steinputz fast alle Natursteine nachgebildet, wie Sandstein, Tuffstein, Muschelkalk und Porphyr etc., aber auch Phantasiesteinarten dargestellt werden.

4. Pyro-Lithin, ein sehr fester Mörtel für Feuerungsanlagen, seit vielen Jahren in der Praxis vorzüglich bewährt.

5. Estrich-Lithin, ein Material, das als Unterlage für Linoleum oder auch, mit geglätteter Oberfläche, ohne Linoleumauflage für Fußbodenbeläge bestimmt ist.

6. Thermophil. ein Isoliermaterial für heiße oder kalte Rohrleitungen. Kesselisolation u. ä., das wegen seiner außerordentlich einfachen Verarbeitung allgemein beliebt ist.

Das Kunststeinwerk besteht seitdem Jahre 1895 und fabriziert aus dem ungewöhnlich guten Steinfelser Sand als Spezialitäten: Quarzit-Trottoirsteine, die sich hei Hunderttausenden von Quadratmetern als Bodenbeläge von Bürgersteigen, Bahnsteigen. Laderampen, Werkstätten, Wartehallen, Vorplätzen, Korridoren. Höfen, Durchgängen, Hallenbauten, Lagerräumen. Garagen, Kirchen. Veranden, Hausfluren, Waschhäusern, Molkereien usw. bewährt haben. Ferner Fußboden-Fliesen mit farbiger marmorähnlicher Auftragsmasse, Rohre, Bausteine, Fassaden stücke und andere Kunststeine, sowie ganz besonders Dachsteine, letztere in drei verschiedenen Sorten.

Sämtliche Erzeugnisse des Kunststeinwerks zeichnen sich durch eine reine, saubere Korn- und Farbenwirkung aus und erreichen eine fast unbegrenzte Dauerhaftigkeit; sie erfreuen sich bei der Kundschaft des besten Rufes.

Die Werke von Steinfels wurden nach dem Jahre 1884 von dem verstorbenen Kommerzienrat Heinrich Knab angelegt und haben sich unter seiner Leitung rasch entwickelt. Nach seinem Tode wurde das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft verwandelt, die in zielbewußter Weise und durch stete Verbesserungen sämtlicher Anlagen und Betriebe im ständigen Aufschwung begriffen ist. Im Werk sind etwa 130 Personen beschäftigt.

Die Einzelnen Buchabschnitte aus: Die Industrie der Oberpfalz in Wort und Bild:
Aktien-Papierfabrik Regensburg
Express-Fahrradwerke A.G.Neumarkt in der Oberpfalz
Jesuitenbrauerei Regensburg in Regensburg
Schlüssel-Bleistift-Fabrik J. J. Rehbach in Regensburg
Das Elektrizitätswerk der Stadt Regensburg
Deutsch-Amerikanische Petroleum-Gesellschaft Hamburg. Benzinfabrik Regensburg.
Dampfsägewerk Arnschwang
Johann Müller, Perlmutterknopf-Fabrik
Eisengießerei Carolinenhütte
Dampfsäge, Hobel- und Spaltwerk, Kistenfabrik
Staatliche Eisenindustrie in der Oberpfalz Amberg-Weiherhammer-Bodenwöhr
Prinz Rupprecht-Quelle vormals Silvana-Sprudel in Groschlattengrün
Bayerische Granitaktiengesellschaft in Regensburg
Tonwerk Prüfening und Braunkohlengrube Friedrichzeche
Städtisches Lagerhaus Regensburg am Luitpoldhafen
Die Kalkindustrie der Walhallastraße
Kalblederfabrik Furth i. Wald
Bayerische Braunkohle-Industrie
Die Malteserbrauerei in Amberg
Terranova-Industrie C. A. Kapferer & Co. in Freihung.
Königlich Bayerische Hofglasmalerei Georg Schneider in Regensburg
Das neue Gaswerk der Stadt Regensburg
Die Stadt Weiden
Naabwerke für Licht- und Kraftversorgung
Kalksandsteinfabrik Roding G.m.b.H.
Königl. Schwellenwerk in Schwandorf
Bayerische Maschinenfabrik Regensburg
Metallhammerwerk u. Bronzefarbenfabrik in Rothenbruck Opf. Aluminiumbronzefabrik in Rauhenstein Opf.
Die Entwicklung des Fahrrades
Tonwerk Blomenhof, G.m.b.H., Neumarkt i. Opf.
Die Flügel- und Piano-Fabrik von Georg Weidig in Regensburg
Eisen- und Metallgießerei, Maschinenfabrik und Kesselschmiede
Dresdener Maschinenfabrik und Schiffswerft Übigau A.G. Werft in Regensburg
Die Anlagen der Benzinwerke Regensburg
Portland – Cementwerk Burglengenfeld
Bürgerbräu Weiden
Aktiengesellschaft Porzellanfabrik Weiden
Holzhandlung, Werke für Holzimprägnierung und Kyanisierung
Porzellanfabrik Tirschenreuth
Stanz- und Emaillierwerke in Amberg
Bayerische Schlauchfabrik, mechanische Hanf- und Drahtseilerei
Die Wasserversorgung der Stadt Regensburg
Vereinigte Bayerische Spiegel- und Tafelglaswerke
Cahücitwerke Nürnberg. Fabrik in Neumarkt Oberpfalz.
Bayerische Überlandcentrale A.G. Haidhof
Portland-Cementwerk Berching A.G. in Berching
Die Spulen-Fabrik Max Borger in Cham
Teerprodukten-, Dachpappen- und Isoliermaterialienfabrik
Eisenwerkgesellschaft Maximilianshütte in Rosenberg (Oberpfalz)
Die industriellen Betriebe in Friedenfels
Dampfsäge- und Hobelwerke, Kistenfabrik (Bayer. Wald)
Möbelfabrik von A. Schoyerer in Cham – K. Bayer. Hoflieferant.
Hartpapierwarenfabrik in Dietfurt
Eichhofen, industrielle und landwirtschaftliche Besitzung des Herrn Wilh. Neuffer
Weck & Sohn : Bau- und Möbelschreineret Dampfsägewerk, Holzhandlung und Kistenfabrik
Porzellanfabrik und Malerei
Dampfsäge- und Hobelwerk, Holzwollefabrik
Krystallglasfabrik F. X. Nachtmann in Neustadt Waldnaab
Die Fabrikbetriebe der Firma Carl Zinn in Neumarkt i. Oberpfalz
Bayerischer Lloyd
Erste kaiserlich königlich privilegierte Donau-Dampfschiffahrts-Gesellschaft (Agentie Regensburg)
Mineralölwerke Bayern G.m.b.H in Regensburg
Christof Ruthof, Schiffswerft Regensburg
Königlich Ungarische Fluß- u. Seeschiffahrts Aktien – Gesellschaft
Ölwerke J. Leis & J. Ruckdeschel G.m.b.H., Regensburg
Die Werke von Steinfels
Porzellanfabrik Johann Seitmann in Vohenstrauß
Weßely & Spaett Tuchfabrik, Waldmünchen
Gareis, Kühnl & Co., Waldsassen – Porzellanfabrik, Porzellanmalerei
Glasfabrik Waldsassen G.m.b.H. in Waldsassen
Porzellanfabrik Waldsassen Bareuther & Co. A.G. in Waldsassen
Holzhandlung, Frankfurt a. Main Dampfsäge- und Hobelwerk Waldthurn – Bretterlager Waldkirchen bei Passau
Tonwarenfabrik Schwandorf Aktiengesellschaft in Schwandorf
Dampfbrennerei, Spiritus- und Likör-Fabrik
Firma Heinrich Lanz in Regensburg
Friedrich Pustet in Regensburg Verlagsbuchhandlung, Buchdruckerei, Buchbinderei
Regensburger Brauhaus
Regensburger Turmuhren-Fabrik
Fabrik künstlicher Blumen und Blätter
Der Luitpoldhafen in Regensburg
Verlagsbuchhandlung mit Buchdruckerei und Buchbinderei, Zeitungs- und Kalenderverlag mit Buchdruckerei
Chamotte- u. Klinkerfabrik Waldsassen A.G., Waldsassen
Ton-Ofen-Fabrik „ALMA“ in Tirschenreuth
Staatsbahnwerkstätten in Regensburg
Metallwarenfabrik Oberer Wöhrd : Spezialität: Kunstgewerbliche und kirchliche Arbeiten.
Die Firma Granitwerke Karl Schwinger Roßbach – Regensburg
Porzellanfabrik, Weiden
J. B. Prinstner, Beilngries
Bayerische Zuckerfabrik G.m.b.H. Regensburg
Tuchfabrik Tirschenreuth
Königl. Hauptwerkstätte in Weiden
Schnupftabakfabriken Regensburg und Sinzing
Dr. Adolf Pfannenstiel in Regenstauf
Tonwarenfabrik in Sallern
Süddeutsche Donaudampfschiffahrt – Gesellschaft

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    28. August 2016
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    28. August 2016

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