Die Wohnstätten der ostafrikanischen Eingeborenen : Die Temben


So verschieden die Volksstämme der Kolonie Ostafrika sind, welche fast doppelt so gross ist wie das Deutsche Reich, so verschieden sind auch die Wohnstätten der Eingeborenen. Eine merkwürdige Erscheinung bieten unter den verschiedenen Wohnstätten die Temben. Ihre Anlage ist wohl darauf zurückzuführen, dass in den früheren kriegerischen Zeiten eine Hütte mit Grasdach zu wenig Schutz bot und zu feuergefährlich war. Die Kriegkunst der Eingeborenen kannte schon vor der Besitzergreifung durch uns das in brandschiessen der Hütten mit Brandpfeilen. Die Tembe mit Erddach war also fester und sicherer. Vor dem Bau wird der Platz gewählt und sorgfältig von Gras und Sternen gereinigt.

Durch Pflöcke wird der Bau rechteckig und rechtwinklig genau abgesteckt und dann im grösseren oder geringeren Abstand eine Anzahl Löcher, meist mit dem Speer gegraben. Die Erde lockert der Speer, die Hand befördert die getrocknete Erde hinaus. In diese Löcher werden armstarke Gabelstämmc so eingegraben, dass sie gleich hoch über der Erde, etwa mannshoch, doch auch höher und auch niedriger, überstehen. Gemessen wird mit einem Schilfstengel, einer Rute oder auch einer Schnur, In die Gabeln werden Rund-oder Scheithölzer gelegt. Dies wäre das äussere Gerippe. Als Dachstütze werden in derselben Weise, je nach der Breite der Tembe noch 1—3 Reihen „gnov“ eingegraben und durch Rund- oder Scheithölzer verbunden. Die inneren Reihen sind etwas höher, um dem Dach für die Regenzeit etwas Fall zum Regenabfluss zu geben. Die Gnov-und Scheithölzer waren in Uhehe aus ausgesucht hartem Holz genommen und sorgfältig behauen. Die Gabe Stämme der äusseren Wände werden dann mittels Rinden-, Lianen- oder Zweigstricken und Stangen Schilf- oder Hirsestengeln in mehreren Reihen verbunden unter Freilassung der Oeffnungen für Türen. Gegen diese Querverbindung werden Stangen, Scheite, Schilf- oder Mtamastengel gestellt, eingegraben und durch entsprechende Querverbindungen mit der ersteren fest verbunden. Diese Fachwerkwände werden dann entweder nur innen oder auch aussen mit Lehm verschmiert, welcher an der glühenden Sonne schnell und steinhart trocknet. Die entstehenden starken Risse werden besonders in Uhehe so lange immer wieder verstrichen, bis auch kleine, unbedeutende Risse nicht mehr vorhanden sind. In Uhehe wird dann noch die Wand sorgfältig geglättet Bevorzugt wird der Lehm aus den Bauten der Termiten, welcher besonders gut kleben soll.

Sind die Wände trocken, so wird das Dach hergerichtet. Auf die Rund- oder Scheithölzer, welche die Gabelstämme tragen, werden Knüppel aufgelegt und zuweilen befestigt, wenn auch nur mittels Einkerbung. In Uhehe werden dann dicht, Stengel an Stengel, Schilf- oder Hirsestengel mittels Bast oder Rinde aufgeflochten. Auf diese leicht gewölbte Flechtdecke wird eine Grasschicht, darauf eine Mischung von Rinderdünger und Lehm, aulgelegt. Ist diese Mischung erhärtet, so wird weiter Lehm, etwa Handspanne stark, aulgelegt und geklopft. Das Dach steht über die Aussenwände etwas über. Schiess- und Gucklöcher werden in die Aussenwand in runder Form angebracht und mit Lehm ausgekleistert. Sehr sorgfältig war der Tembenbau in Uhehe. Ich sah dort Temben, welche durch zackige Führung der äusseren Wände eine vollkommene Flankierungsanlage hatten und die im Innern ausserordentlich sorgfältig geglättet waren. Besonders die Häuptlingstemben zeigten häufig sehr sorgfältig hergerichtete Trinkhallen mit niedrigen Lehmbänken an den Wänden. Zuweilen waren die Wände mit Malereien verziert aus dem Jagd oder Kriegsleben. Derartige Temben werden sowohl von einzelnen oder auch mehreren Familien bewohnt. Ich sah in Uhehe Temben, welche von vielen Familien bewohnt waren. Dann umschlossen sie in der Regel einen grossen Innenhof und bildeten Tembenringe.

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