Drahtlose Telegraphie für unsre Kolonien

Von Hauptmann M. Bayer.


Je weiter in den grossen Kolonialgebieten die Stationsbesatzungen auseinanderliegen, und je schwächer sie sind, um so wichtiger ist ihre gute Verbindung untereinander und mit der Küste. Der Durchführung einer ausreichenden telegraphischen Verbindung stellen sich jedoch in der Praxis viele Schwierigkeiten entgegen. Die Leitungen der Telegraphen sind ausserordentlich empfindlich und leicht zu unterbrechen. In Kriegszeiten, während, der Aufstände, versagen also meist die Telegraphenverbindungen, wenn man sie am allernötigsten braucht, weil die Eingeborenen sehr wohl wissen, wozu uns die langen Drähte dienen. Wirbelstürme, tropische Gewitterregen, stürzende Felsen, umgebrochene Bäume, reissende Gewässer werden die Drähte immer wieder und mitunter auf lange Zeit unbrauchbar machen. Auch das Getier des Urwaldes und der Steppe pflegt geradezu mit Vorliebe diesem „Gebild von Menschenhand“ allerhand Schabernack anzutun. Besonders unsere vierhändigen, behaarten und geschwänzten Vettern wissen nichts Vergnüglicheres zu erfinden, als die Telegraphenstangen zu erklettern, um die glänzenden weissen Glocken zu zerschlagen oder um auf den gespannten Drähten herumzuturnen, und die Giraffen scheinen eigens ihr Haupt so hoch zu tragen, damit sie imstande sind, die Telegraphenleitungen durchzureissen. Auch Elefanten, Raubvögel, Termiten, Schlangen, Holzwürmer und andres Urwaldvolk tun je nach Talent und Feuer ihr möglichstes, um einen „normalen Betrieb“ der grossen afrikanischen Telegraphenstrecken zu hindern. Dazu kommen dann noch die elektrischen Störungen der in den Tropen so häufigen Gewitter. Aus allen diesen Gründen ist die mit Drahtleitungen arbeitende Telegraphie in Afrika höchst unsicher. Nach dem heutigen Stande der Technik scheint nun erwiesen, dass die drahtlose Telegraphie dafür Ersatz bieten kann. Zunächst bedarf die drahtlose Telegraphie, das besagt schon der Name, keiner verbindenden Leitung von Station zu Station, wodurch allen zwei-, vier- und sechsbeinigen Störenfrieden das Handwerk gelegt ist. Die Einrichtung drahtloser Stationen ist höchst einfach: Ein empfangender und ein gebender Apparat werden in verhältnismässig weiter Entfernung von einander aufgestellt — das ist alles. Also kein langwieriger Bau von Leitungen. Die Funkenstation selber ist leicht zu sichern, abzubrechen und zu verlegen.

Wie arbeitet nun der Apparat einer Funkenstation? Ein Motor — z. B eine kleine Dynamomaschine — entwickelt Elektrizität, die als Funken auf einen Draht überspringt, so etwa, wie wir es in der Physikstunde bei der Leidener Flasche gesehen haben. Die Elektrizität bleibt nun aber nicht in dem Draht, sondern sie strahlt in Wellen, die für unser Auge nicht, sichtbar sind, nach allen Seiten gleichmässig aus. Treffen diese Wellen an der Empfangsstation auf einen ebensolchen Draht, so teilen sie diesem etwas von ihrer Elektrizität mit, die man nun am unteren Ende des hochgezogenen Drahtes mit dem Apparat ablesen oder „abhören“ kann. Dies ist in groben Zügen der Vorgang. Auf Einzelheiten einzugehen, würde zu weit führen; es ist z. B. für unsre Kolonien belanglos, dass es noch nicht gelungen ist, die Wellen so zu lenken und abzustimmen, dass nur die eine Station, für die der Funkspruch bestimmt ist, ihn empfängt, denn die Eingeborenen haben ja keine Empfangsapparate, mit denen sie die Meldungen auffangen können. Wichtig ist aber noch, zu wissen, dass die Verständigung durch länger oder kürzer dauernde Ausstrahlungen in Form von Strichen und Punkten nach dem Morsesystem erfolgt.

Die elektrischen Wellen der Funkenstation haben das Bestreben, sich im Raume geradeaus fortzupflanzen und sich nur wenig ablenken zu lassen. Sie schmiegen sich daher auch der Erdkrümmung nur wenig an. Will man auf grössere Entfernung arbeiten, so muss man also Geber- und Empfangsdraht höher in die Luft emporführen, was durch kleine Fesselballons oder durch Drachen, am besten und einfachsten aber durch einen hohen Mast erfolgen kann.

Bei Beurteilung der Funkentelegraphie für ihre Verwendung in den Kolonien darf man nicht übersehen, dass sie in Südwestafrika während des letzten Krieges ihre Feuerprobe schon bestanden hat. Dort wurde mit sechs Funkenwagen gearbeitet, die bei 200 Meter hohem Draht (meist am Ballon) bis auf 300 Kilometer Entfernung gut sprachen! Mitunter hat sogar eine Abteilung, die rings von feindlichen Schützen umgeben war, über die Köpfe der Wilden hinweg Funksprüche entsendet.

Der Plan lag also nahe, die deutsche Zentralstation für Funkentelegraphie in Nauen mit den Kolonien unmittelbar zu verbinden. Wie neuerdings bekannt geworden ist, haben die Versuche mit der drahtlosen Telegraphie, die zwischen Deutschland und den Kolonien einerseits und zwischen den Kolonien untereinander andererseits vorgenommen wurden, ein günstiges Ergebnis gehabt. Infolgedessen sollen jetzt drahtlose Stationen errichtet werden jn der Südsee, in Deutsch-Ostafrika, in Deutsch-Südwestafrika und in Kamerun, so dass sämtliche Kolonien auf drahtlosem Wege mit dem Mutterlande verkehren können. Dies ist ein Erfolg von grösster Tragweite, besonders im Kriegsfall, denn wir können mit ziemlicher Sicherheit darauf rechnen, dass unsere europäischen Gegner — einerlei wer sie sein mögen — versuchen werden, unsere wenigen im Ozean liegenden Kabel zu zerstören, der drahtlosen Verbindung können sie jedoch kaum etwas anhaben. Doch, davon ganz abgesehen, wäre ein System von Funkenstationen zur Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung in den Kolonien selber sehr angebracht. Solche Gesichtspunkte sind es wohl auch gewesen, die das Gouvernement von Kamerun veranlasst haben, eine Verbindung der Innenstationen mit der Küste durch drahtlose Telegraphie zu beantragen. Haben schon unsre schwachen Funkenwagen in Südwest so gute Dienste geleistet, so werden erst recht feste Stationen ihren Zweck erfüllen. —

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