Ein lehrreicher Beitrag zur Eingeborenenfrage

ist in den „Windhuker Nachrichten“ veröffentlicht. Es ist dies ein Brief eines Farmers, der zwar in seinen Schlussfolgerungen etwas übers Ziel hinausschiesst, aber immerhin zeigt, dass unsre Landsleute sich noch mit Recht über ungelöste Fragen der Eingeborenenpolitik beklagen. Der betreffende Farmer schreibt:

„Als ich vor einigen Tagen zu einer Wasserstelle meiner Farm kam, traf ich dort sechs Hereroweiber, und mehrere Kinder beim Wasserschöpfen an. Ich fragte die Weiber, wo ihre Männer wären, erhielt aber nur die Antwort, die Männer seien „keia“. Damit liess ich mich nun nicht abfertigen, sondern sagte den Weibern, sie sollten nur mit mir kommen; eins sandte ich fort mit der Weisung, sie solle die Männer holen. Die anderen Frauenzimmer gingen auch wirklich mit, machten aber unterwegs so viel Schwierigkeiten, dass ich nicht recht von der Stelle kam. Schneller als ich erwartet hatte, war das andere Weib dann wieder zurück und mit ihm vier lange Hererolümmel; alle trugen sie einen grossen Kirri (Keule) und ihrer zwei hatten zum Ueberfluss auch noch Handbeile mit. Nun suchte ich die Männer zum Mitgehen zu bestimmen: Ich habe Arbeit für sie und Kost. Darauf aber erwiderte mir einer, der ein wenig Deutsch konnte: „Mister, gib unsere Weiber zurück!

Arbeiten keine nodach (haben wir nicht nötig), arbeiten nur, wenn Hunger haben, jetzt Kost stief (viel), Fleisch stief!“ Ich entgegnete: „Wenn ihr nicht arbeiten wollt, dann verlasst sofort meinen Platz!“, erhielt aber nur die Antwort:

„Kak, Mister! Die Gras is für deine Osse (Ochsen) mar (aber) die Ontjes, die Oijigimbere (die sogenannten Rosintjes) und die Hunnes is huka Hererokost.“ Ich wollte sehen, wie weit die Frechheit der Kerle ging, und hielt ihnen nun vor: „Ihr fangt ja auch Böcke (Antilopen), ich habe gesehen, dass ihr Schlingen stellt“, und in drohendem Tone fügte ich hinzu: „Wenn ihr jetzt nicht mitkommt, so müsst ihr sofort den Platz verlassen, sonst schiesse ich!“ Doch kalt lächelnd antwortet mir der Kerl: „Mister, wenn du Mense skietst, dann kommst du in die Trunk (Gefängnis).“ Eine solch unverschämte Antwort hatte ich nun doch nicht erwartet, aber was sollte ich tun? Der Kerl hatte ja recht, ich war ihnen gegenüber machtlos, konnte sie nicht zum Mitkommen und nicht zum Verlassen meiner Farm zwingen. So machte ich gute Miene zum bösen Spiele und liess die Bande laufen, obwohl ich sie zur Arbeit bitter nötig gehabt hätte und obwohl ich sicher sein kann, dass sie mir in ihren Schlingen den letzten Bock abfangen und das letzte Perlhuhn.

Ich wohne jetzt vier Monate auf der Farm, und in dieser Zeit ist die Polizei zwar zweimal bei mir gewesen, aber nicht etwa, um nach dem Rechten zu sehen, nein, das erstemal, um mir eine gerichtliche Vorladung wegen Waffenvergehens zu bringen, und später einmal mit einem Steuerzettel.“

Soweit der Farmer, der nicht unrecht hat, wenn er der Ansicht ist, dass den Ansiedlern ein gewisses Mass von Polizeigewalt zugestanden werden muss, wenn die Regierung — verständlicherweise — noch nicht in der Lage ist, die Polizei in vollem Umfange auszuüben. Die immer noch herumstreifenden Hererobanden bilden zweifellos eine Gefahr für die Ansiedler. Man sollte den Brunnen zudecken, ehe das Kind hineingefallen ist!

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