Ein neues Deutschland ersteht.

Um die Führung Deutschlands.

Volk und Reich unter den Habsburgern.
Die Habsburger im Südosten.

Die herrlichen Länder am Mittellauf der Donau, am Oberlauf der Elbe, der Sau und Drau sind seit alters deutsches Land. Schon Marbod hielt in Böhmen vor fast zwei Jahrtausenden die Wacht gegen Rom. Später wurde das Deutschtum in Böhmen vor allem von Kaiser Karl IV. aus dem Hause 1348 Luxemburg in Schutz genommen. 1348 gründete er in Prag die älteste deutsche Universität.

Seit Rudolf von Habsburg bildeten die österreichischen Länder, zu denen später Böhmen und Mähren hinzukamen, den Kern der habsburgisehen Hausmacht. Aus der Reihe der Habsburger ragt Kaiser Maximilian hervor. Er stärkte die deutsche Kultur im Südosten und erhob die Wiener Universität zur bedeutendsten des Reiches. Ihm verdanken wir die Erhaltung des herrlichen Gudrunliedes. Maximilian wollte auch das Reich und das Kaisertum erneuern, aber er scheiterte an der Eifersucht und der Kirchturmspolitik der Kurfürsten.

Auf der Wacht gegen die Türken.
Wien wird gerettet.

Zur Zeit Karls V. drohte von Asien her eine große Gefahr. Diesmal waren es die Türken, die vor Wien rückten, dort aber blutig abgewiesen wurden. Doch blieben Ungarn und Siebenbürgen in ihrer Gewalt. Von hier aus unternahmen sie ihren zweiten, gefährlicheren Vorstoß.

Vom Stephansdom in Wien weht die deutsche Fahne. Graf Rüdiger 1683 von Starhemberg hat sie mit dem Schwur aufgepflanzt, mit ihr zu siegen oder zu fallen. Aber so weit sein Blick über die Felder um Wien schweift, überall Zelte mit dem Halbmond. Ludwig XIV. von Frankreich hat die Türken herbeigerufen, tun! das Reich in die Zange zu nehmen und ganz in seine Gewalt zu bringen. Schon fiel der westliche Eckpfeiler, Straßburg, in seine Hände, nun sollte der Östliche folgen, Wien! Allein mit der Bürgerschaft und einer Besatzung von 12000 Mann steht Graf Rüdiger. Was ist das gegen 200000 Türken, Tataren und andere wilde Völkerschaften Asiens! 60 Tage schon dauert die Belagerung. In höchster Not schickt Graf Rüdiger ein ganzes Bündel Raketen als Hilfeschrei in die Luft. Und über dem Kahlenberge steigt die Antwort auf. Die Befreier sind da! Ein Heer aus allen Teilen Deutschlands, von Elbe. Main und Rhein rückt an. Herzog Karl von Lothringen führt es. Auch andere Völker kämpfen mit. Die Schlacht tobt, das Besatzungsheer bricht aus den Toren. Sieg!

Sieg! gellen die deutschen Hörner. Zerschlagen ist das Türkenheer, wild flutet es zurück. Riesige Beute ward den Siegern. Im Zelte des türkischen Feldherrn findet man die Briefe Ludwigs! Dank dir. wiedergewonnene Ostmark, du hast damals Deutschland gerettet!

Der große Reichsfeldherr Prinz Eugen von Savoyen.

Im Heere des Siegers steht ein junger, 20 jähriger Offizier, Prinz Eugen von Savoyen. Er sollte später den Sieg vollenden. Klein und unscheinbar ist er, aber er will trotzdem Soldat werden. König LudwigXIV. von Frankreich weist den lombardischen Prinzenhöhnisch ab und schafft sich dadurch seinen gefährlichsten Gegner. Die kaiserliche Armee nimmt ihn auf. Er erringt Erfolg auf Erfolg, wird Hauptmann, Oberst, und mit 30 Jahren ist er bereits Reichsfeldherr. Im Feldlager ist sein Platz.

1697. Zunächst gilt es, die Türken zurückzuwerfen. Bei Zenta werden sie entscheidend geschlagen. Ungarn, Kroatien und Slawonien müssen sie Österreich überlassen. Dann ist die Westgrenze gegen Frankreich zu schützen. Wo Prinz Eugen auch kämpft, der Sieg ist bei ihm. Frankreich muß weiteren Eroberungszügen über den Rhein entsagen. Nun geht es wieder gegen die Türken, um ihnen die Lust zum Wiederkommen für immer zu verderben.

1718. Bei Belgrad werden sie geschlagen. „Er ließ schlagen einen Brucken, daß man kunnt hinüberrucken, mit der Armee wohl vor die Stadt“, sangen seine Soldaten. Wohin der Feldherr seine siegreichen Heere führte, dorthin zog er deutsche Menschen als Siedler nach. Aber der Kaiser war nur mit halbem Herzen dabei; darum konnte die Sicherung des gewonnenen Bodens nicht voll gelingen.

Prinz Eugen hat Deutschland gegen den vereinten Angriff der Franzosen und Türken siegreich verteidigt. Mit Recht wird er als der größte Feldherr seines Jahrhunderts gefeiert. Adolf Hitler nannte eins der besten Kriegsschiffe der neuen Flotte „Prinz Eugen“.

Österreichs große Herrscher fördern das Deutschtum.
Maria Theresia, eine vorbildliche deutsche Fürstin und Frau.

1740. Im gleichen Jahre wie Friedrich der Große in Preußen kam in Österreich eine Frau zur Macht. Andere Fürsten glaubten, einer „schwachen Frau“ gegenüber mit ihren Ansprüchen hervortreten zu können. Der Kurfürst von Bayern, ein naher Verwandter der Habsburger, machte sein Erbrecht geltend und. wollte ihr Land und Krone streitig machen. Aber er fand eine Frau mit einem männlich starken Herzen. „Jetzt gilt es, Mut zu haben, das Vaterland und Eure Königin zu retten. Mein Entschluß ist gefaßt, es heißt alles aufs Spiel setzen“, schrieb sie an einen General. Unverzagt griff sie an, und ihre Truppen befreiten Österreich und besetzten Bayern.

Auch Friedrich der Große machte seine Ansprüche an Schlesien geltend, und seiner Feldherrnkunst war Maria Theresia nicht gewachsen. Doch wieviel Jahre hat sie standgehalten, wieviel Ungemach und schweres Schicksal hat sie mutig ertragen. Wir verehren den großen Friedrich, aber die gleiche Ehre gebührt auch seiner großen Gegnerin Maria Theresia.

Ihr Land hatte aus den drei Schlesischen Kriegen schwere Wunden davongetragen. Nun ging sie mit Tatkraft an die Heilung der Schäden. Maria Theresia holte vor allem deutsche Bauern als Siedler nach Südungani, nach Galizien und ins Burgenland. Wieder begann die große Bauern Wanderung nach Osten und Südosten. Um die leergewordenen Staatskassen zu füllen, hob sie jede Steuerfreiheit des Adels und der Geistlichkeit auf. wenn sie dabei auch viele Feinde, namentlich in der Kirche, bekam. Deutsche Sprache, deutsche Kultur, deutsche Volksschulen blühten auf. Das Deutschtum wurde unter ihrer Herrschaft zur alles beherrschenden Macht in Österreich. Trotz der ungeheuren Fülle ihrer Regierungssorgen und -aufgaben führte sie ein vorbildliches Familienleben. Ihrem Gatten Franz von Lothringen war sie eine gute Frau und ihren 16 Kindern eine zärtliche Mutter. Als sie starb, schrieb Friedrich der Große bewundernd:

„Sie hat dem Thron Ehre gemacht und ihrem Geschlecht.“

Josef II., der Deutsche.

Der Sohn Maria Theresias, Josef II., ging in ihren Wegen weiter. Zu den 1780 deutschen Bauern holte er noch deutsche Handwerker und Bergleute ins Neuland. Immer mehr Deutschtumsinseln entstanden in Ungarn, im Banat, in der Bukowina. Ihm war es auch gleichgültig, ob die Zuwanderer evangelisch oder katholisch waren. Er wollte die schweren Fehler früherer Zeiten, da wertvolle Menschen ihres Glaubens wegen aus dem Lande vertrieben wurden, nicht wiederholen, er wollte ein glückliches Volk sehen. Damm hob er als erster aller Fürsten die Leibeigenschaft der Bauern auf, und niemand durfte seines Glaubens wegen zurückgesetzt werden. Als er zahlreiche Klöster schloß und aus ihnen Waisen-, Armen- und Krankenhäuser machte, geriet er in heftigen Streit mit dem Papste. So hatte dieser edle Menschenfreund bald Feinde ringsum: dem Papste war er nicht gehorsam genug, den Ungarn und Slawen seines Reiches w ar er zu deutsch, dem Adel war er nicht stolz genug. Das verbitterte sein Leben.

Schon nach zehnjähriger Regierung starb er, nachdem er manche seiner Reformen hatte scheitern sehen. Aber die Befreiung der Bauern, die Aufhebung der Klöster und die Religionsfreiheit blieben erhalten.

Preußen auf dem Vormarsch.
Brandenburg, eine Schöpfung der Ostsiedlung.

Nach dem Dreißigjährigen Kriege bestand das Deutsche Reich nur noch dem Namen nach. Es war ein loses Gewirr von mehreren hundert selbständigen Kleinstaaten geworden. Sie führten Kriege, schlossen Bündnisse und fragten nicht nach Kaiser und Reich.

Doch drängte aus der Reihe der Staaten bald der eine, bald der andere hervor, um die deutsche Führungsaufgabe zu übernehmen. Der stärkste Nebenbuhler Österreichs in diesem Wettstreit war Brandenburg-Preußen. Ebenso wie Österreich war auch die Mark Brandenburg aus der deutschen Ostsiedlung hervorgegangen. Der Luxemburger Kaiser Sigismund übergab die Mark seinem getreuen Nürnberger Burggrafen Friedrich von Hohenzollern (1415). Seine Nachfolger wußten ihren Besitz zu mehren. Der Ordensstaat Ostpreußen kam hinzu. Aus einer Erbschaft im Westen erwarben sie Cleve, Mark und Ravensberg. Auf Pommern und Schlesien besaßen sie Ansprüche aus Erbverträgen. Aber ihre Länder lagen zersplittert quer durch ganz Deutschland und waren schwer zu schützen. Das Herzogtum Preußen stand zudem unter polnischer Lehnshoheit.

An der Spitze Brandenburgs stand gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges Kurfürst Friedrich Wilhelm.

Der Große Kurfürst beginnt den Aufstieg.
Der Kurfürst schafft ein Heer.

Im Schlosse zu Berlin arbeitet der junge Kurfürst an seiner Aufgabe.

Vor ihm steht der Feldobrist Derfflinger, ehemals in schwedischen Diensten, jetzt Gutsbesitzer in Brandenburg. „Mein Land ist ein Spielball für fremde Kriegsvölker“, klagt der Fürst. „Ihr sollt mir helfen, ein tüchtiges Heer zu gründen, und wenn es für den Anfang nur 300 Mann sind. Wollt Ihr meine Reiterei fuhren?“ Freudig schlägt Derfflingcr in die dargebotene Hand ein. Nun gchfs ans Werk. Während noch die Feinde im Lande stehen, werden Söldner geworben, wird eingeteilt und exerziert.

Als die Gesandten in Osnabrück und Münster um den Frieden handeln, kann der Brandenburger seine Forderungen auf ein kleines, aber schlagkräftiges Heer stützen. Darum gewinnt er Hinterpommem, Magdeburg, Halberstadt und Minden.

Der Kurfürst sichert Freiheit und Größe des Landes.

„Auch Vorpommern mit Stettin muß mein werden! Fort auch mit der polnischen Lehnshoheit über das deutsche Ostpreußen! Ich will zum Meere und hinaus in die Welt!“ Das ist Friedrich Wilhelms Wille. Im Bunde mit Schweden besiegt er den Polenkönig in der dreitägigen Schlacht bei Warschau. Im Friedensschluß muß der Unterlegene den Sieger vom Lehnseide entbinden, Ostpreußen ist frei!

Mit dem kaiserlichen Heere zieht Friedrich Wilhelm an den Rhein, um das Reich und die eigenen Länder im Westen gegen die Raubgier des „Sonnenkönigs“ Ludwig XIV. zu schützen. Da hetzen ihm die Franzosen die Schweden ins Land. Furchtbar hat die Mark zu leiden. Die Bauern schließen sich zum Selbstschutz zusammen, nehmen Spieß, Sense und Dreschflegel und rücken gegen die Eindringlinge vor. Auf ihren Fahnen steht der Schwur: „Wir sind Bauern von geringem Gut und dienen unserm Kurfürsten mit Leib und Blut.“

In Eilmärschen führt Friedrich Wilhelm seine Truppen vom Rhein zum Rhin. Schon stehen bei Fehrbellin 6000 Brandenburger gegen 12000  Schweden. Der Kurfürst selbst eilt an die Spitze der Schwadronen. In gestrecktem Galopp geht es in den Feind hinein. Die Schweden werden überritten. Sic fliehen entsetzt und werden über Fehrbellin hinaus nach Schwedisch-Pommem zurückgeworfen. Später vertreibt sie der Kurfürst auch noch aus Ostpreußen. Der Name des Siegers dringt durch ganz Europa. Seit dem Tag von Fehrbellin wird Friedrich Wilhelm bei den Deutschen als Volksheld, als der Große Kurfürst bewundert und geliebt. Aber sein großes Ziel hat er nicht erreicht. Dem Habsburger wird er zu mächtig, dem Franzosen gefährlich. „Man muß dem brandenburgischen Aar die Flügel beschneiden“, denken beide. Im Frieden muß er Vorpommern wieder an die Schweden herausgeben. Ingrimmig prägt er auf seine Münzen: „Aus meinen Gebeinen werden dereinst meine Rächer erstehen.“

Noch weiter fliegt der Adler bis an die Küste Afrikas. Dort wird eine brandenburgische Kolonie gegründet. „Groß-Friedrichsburg“ heißt die Festung, die sie schützt. Wieder ist ein Anfang deutscher Kolonialpolitik gemacht.

Der Kurfürst fördert das Wohl des Volkes.

„Wo finde ich Menschen für meine entvölkerten Länder?“ Das war Friedrich Wilhelms stete Sorge. Er zog Tausende von germanischen Menschen bester Art ins Land. Flamen, Holländer und Friesen, auch Hugenotten aus Frankreich, dort um ihres evangelischen Glaubens willen vertrieben, wurden geholt. Bald entstanden überall in dem wüsten Lande neue Dörfer und Musterwirtschaften. Vieh und Ackergerät gab der Kurfürst. Auch der Anbau der Kartoffel, die aus Südamerika gekommen war, begann. Obstgärten und Gemüsebeete beim Bauernhause brachten bescheidenen Wohlstand. Kein Bauernsohn durfte heiraten, ehe er nicht sechs Obstbäume gepflanzt hatte. Handel und Gewerbe blühten auf, in Weberei und Kunsthandwerk waren die Niederländer Meister. Straßen zogen sich durchs Land, Kanäle verbanden Oder und Elbe, eine regelmäßige Post fuhr von Königsberg bis Cleve.

Achtundvierzig Jahre hindurch rang der Große Kurfürst um den Aufstieg seines Landes, jahrzehntelang mit todkrankem Körper. Seinen Söhnen gab er die Mahnung mit: „Ihr sollt das Regiment so führen, als wenn es nicht eure Sache wäre, sondern die Sache des Volkes!“ Er fühlte sich aber nicht nur als Brandenburger, sondern als Deutscher. „Gedenke, daß du ein Deutscher bist!“ rief er seinen Zeitgenossen zu.

Der „Soldatenkönig“ macht Preußen stark.

Preußen wird Königreich.

Sein Sohn und Nachfolger Friedrich I. errang die Königskrone. Am 18. Januar 1701 krönte er sich in Königsberg zum „König in Preußen“.

Die Farben Schwarz-Weiß und der Preußische Adler galten von nun an als Hoheitszeichen für alle Landesteile, und der Name „Preußen“ trat an die Stelle Brandenburgs. Der neue König war ein prachtliebender Herrscher. Er ließ große Feste und Jagden abhalten, prächtige Bauten und Denkmäler wurden errichtet. Seme prunkvolle Hofhaltung kostete viel Geld, und der Staat geriet in Schulden.

Preußen wird ein Staat der Ordnung.

Unwillig sah Kronprinz Friedrich Wilhelm dieser Mißwirtschaft zu. Als König machte er jeder Verschwendung sofort ein Ende. Luxuspferde, Prachtwagen, Schmuck und andere Kronschätze ließ er verkaufen. Friedrich Wilhelm I. regierte sein Land ganz nach seinem Willen. Wer widersprach, der bekam zu hören: „Räsonier Er nicht!“ „Alles lenkt der König allein“, schrieb der kaiserliche Gesandte nach Wien. „Er arbeitet mit solchem Emst, daß auch kem Taler ausgegeben wird, der nicht durch seine Unterschrift genehmigt ist.“ Wie er sich selbst kaum eine ruhige Minute gönnte, so verlangte er auch von allen seinen Untertanen strengste Pünktlichkeit und Pflichterfüllung.

Wehe den Beamten, die er bei einer Besichtigungsreise müßig antraf! Sie konnten den Krückstock des Königs zu fühlen bekommen. Vor allem brachte er den Haushalt des Landes in Ordnung. Eine Salzsteuer wurde eingeführt, und auch der Adel wurde zur Steuer herangezogen. So konnte der König seinem Nachfolger einen Staatsschatz von etwa 30 Millionen Mark hinterlassen.

Die Bauern auf den königlichen Gütern erhielten die Freiheit, und das Prügeln der Fronarbeiter wurde bei strenger Strafe verboten. Den vertriebenen evangelischen Salzburgern gab er eine Heimstätte in seinem Land. 20000 wurden in Ostpreußen angesiedelt, das unter der Pest ein Drittel seiner Bewohner verloren hatte.

Das neue preußische Heer.

Für sein Heer hatte der König alles übrig. Er vermehrte es allmählich auf 83 000 Mann. Die Soldaten wurden in allen Ländern geworben und mußten ihr Leben lang im Heere dienen. Sie waren aufs beste bewaffnet und neuartig ausgebildet. Im strammen Gleichschritt, unter dem Klang von Riesentrommeln, rücken sie auf dem Exerzierplatz ein. Blitzblank sind die Gewehre, die hohen Blechmützen, die Uniform. Ein Kommando des Königs! In schnurgerader Richtung rücken sie vor, eine tausendbeinige Maschine.

Ein neues Kommando: „Laden!“ Die erste Reihe kniet mit schrägem Bajonett zum Fang, die hintere Reihe steht und zielt. „Feuer!“ Mit einem einzigen Schlag sind sämtliche Gewehre abgefeuert. Und ehe sich der Pulverdampf verzogen hat, marschieren sie wieder so sicher und in so gerader Richtung, als ob nur ein Mann, ein Wille sie bewege. Der König lacht zufrieden und spart nicht mit Lob und Auszeichnung.

Mit unerbittlicher Strenge ging der König jedoch gegen jeden Taugenichts im Heere vor. Wer ungehorsam war, mußte Spießruten laufen. Nach und nach berief Friedrich Wilhelm immer mehr Landeskinder zur Fahne ein. So war das Heer fest in der Hand des „Soldatenkönigs“ und wurde neben dem Beamtentum zum sicheren Grundpfeiler des preußischen Staates. Trotzdem war Friedrich Wilhelm I. ein friedliebender Herrscher, der den Krieg scheute. Nur dem Zwang folgend, beteiligte er sich am Nordischen Kriege gegen Karl XII. von Schweden. Auf sein gefürchtetes Heer gestützt, konnte er Vorpommern mit Stettin erwerben und damit eine Sehnsucht seines Großvaters, des Großen Kurfürsten, erfüllen. Die afrikanische Kolonie aber gab er auf, weil sie zu schwer zu verteidigen war.

Friedrich der Große erhebt Preußen zur Großmacht.
Ein König wächst heran.

Große Freude herrscht im königlichen Schloß in Berlin. Am 24.Januar 1712 ist dem Kronprinzen Friedrich Wilhelm ein Sohn geboren. Fast erdrückt der Vater den Kiemen. Er überläßt die Erziehung zunächst der Mutter und freut sich, wenn Fritz eifrig trommelt und marschiert. Demi Soldat soll der Junge werden, soll reiten und schießen lernen, soll Schildwache stehen und exerzieren. Aber Friedrich ist anders als der Vater. Seine Mutter versteht ihn. Zu ihr flüchtet Fritz, wenn es der Vater gar zu schlimm gemacht hat. Da fliegt die verhaßte Uniform in die Ecke, liebkosend streicht ihm die Mutter über den Kopf. Französische Bücher, französische Unterhaltung, die geliebte Flöte findet er hier. Aber schon steht der Gefürchtete im Zimmer: „Herunter mit dem Plunder!“ Da fliegt der seidene Rock in den Kamin, die zerbrochene Flöte hinterher. „Fritz ist ein Querpfeifer und Poet, er macht sich nichts aus den Soldaten und wird mir meine ganze Arbeit verderben!“ Und wie tobt der sparsame König, als er gar merkt, Fritz hat Schulden gemacht! Besonders schlimm wird es auf einer Reise nach Sachsen. Vor den Augen der Offiziere und Bedienten bekommt der Prinz den Stock zu fühlen. Da steht dessen Entschluß fest: „Ich entfliehe dieser Hölle!“ Sein Freund Katte wird in den Plan eingeweiht. Aber sie werden ergriffen. Furchtbar ist die Wut des Königs: „Feiger Deserteur!“ Er zieht den Degen und will den Sohn durchbohren, doch ein General wirft sich dazwischen. Die Haftzelle in Küstrin schließt sich, hinter dem Gefangenen. Im Hofe ertönt dumpfer Trommelwirbel. Katte wird zum Tode geführt. Verzweiflung tritt in die Augen des unglücklichen Kronprinzen. Noch einmal winkt ihm Katte zu. Da bricht Friedrich ohnmächtig zusammen. Er sieht nicht mehr, wie Kattes Kopf in den Sand rollt.

Das ist die Wende. Unter der Wucht dieses Geschehens ist aus dem Jüngling ein Mann geboren. Tiefe Reue erfaßt ihn, ein neuer Mensch beginnt zu werden. Da mildert der Vater die Haft. Die Erziehung zur Königsaufgabe beginnt. „Der Fritz soll sich alles französische Wesen aus dem Kopf schlagen, nichts als preußisch sein und ein deutsches Herz haben!“ Der Kronprinz arbeitet in der Domänenkammer. Bald erkennt er die gewaltige Tätigkeit des Vaters, die ständige Sorge für das Volk. Stille Hochachtung kommt in sein Herz. Nun versteht er auch, warum ihn sein Vater so hart anfaßte. Er lernt: „Nur eine Fürstenweisheit gibt’s, um den Namen des Herrschers auf Felsengrund zu bauen, sein Bestes tun und im. Staate möglichst der Vollkommenste sein.“ Der König gibt ihm ein Regiment und schenkt ihm Schloß Rheinsberg. Einige glückliche Jahre beginnen.

Straffe Arbeit macht das Regiment bald zum besten des Heeres. Der König ist glücklich, Als der Tod ihm sein schweres Amt aus der Hand nimmt, sagt 1740 er zu den Generälen am Bett: „Tut mir Gott nicht viel Gnade, daß ich einen so würdigen Sohn und Nachfolger hinterlasse? Ich sterbe zufrieden.“ Fritz aber, nun König Friedrich, schreibt an seine Schwester: „Wir können nichts anderes tun als weinen. Ich hätte nicht geglaubt, daß ich ihn so lieb gehabt habe!“ Und nun beginnt der preußische Adler seinen Flug.

Preußen wird Großmacht.
Die beiden ersten Schlesiscben Kriege.

„Der Kaiser ist gestorben!“ Mitten in die ersten Regierungstaten des 1740 jungen Königs kommt diese Kunde. „Jetzt oder nie!“ denkt er, jetzt soll es sich entscheiden, ob Preußen immer hinter Österreich zurückstehen muß oder nicht. Schlesien muß mein werden! Nun hat Maria Theresia mich nötig, denn nur mit meiner Hilfe kann sie sich gegen ihre übrigen Gegner durchsetzen!“ Ein eilender Bote geht nach Wien ab. „Gib mir Schlesien, und ich helfe Dir gegen Bayern, Sachsen und Franzosen, die Dir Deinen Thron streitig machen!“ Vorsorglich und kühn rückt Friedrich in Schlesien ein.

Aber Maria Theresia weist seine Forderung ab.

Sie wagt auch mit Friedrich den Waffengang. Bei Mollwitz scheint Österreich der Sieg zu winken, aber die preußische Infanterie mit ihrer eisernen Zucht, ihrem eisernen Ladestock und ihrem Schnellfeuer wirft schließlich doch das österreichische Heer und dessen berühmte Reiterei nieder. Nun ist Schlesien preußisch. Im zweiten Schlesischen Krieg versucht Maria Theresia noch einmal ihr Glück. Alle andern Gegner hat die heldenmütige Kaiserin besiegt, aber die neue preußische Reiterei zersprengt bei Hohenfriedberg 1745 ihre Truppen. Staunend sieht die Welt auf Preußen und seinen König, und sie ahnt etwas von kommenden großen Dingen.

Die Einkreisung Preußens.

Aber Maria Theresia läßt sich nicht entmutigen, sie hat „das Herz eines Königs“ Ihr kluger Minister findet genug Bundesgenossen gegen die aufstrebende deutsche Großmacht Preußen. Frankreich, Rußland, Schweden, sie alle möchten Deutschland nicht unter Friedrichs Führung kommen lassen, das „Reich“ selbst wendet sich gegen ihn. Eine riesige Übermacht zieht sich um Preußen wie eine dunkle Gewitterwolke zusammen. Nur England verspricht ihm einige Hilfe und Geld. Es will mit Preußens Gewehren Frankreich die Kolonien abnehmen. „Wem gelten die Rüstungen?“ fragt Friedrich in Wien an. Die Kaiserin antwortet ausweichend. Nun weiß er genug. Er will die Gegner einzeln schlagen, ehe sie sich vereinigen können. „Wie groß auch unsere Friedensliebe ist, so kann und darf man doch nicht seine Ehre und Sicherheit derselben opfern.“ Seine Generale erhalten den Befehl, in Böhmen einzumarschieren. Damit beginnt ein gewaltiges Ringen, die Feuerprobe für den jungen deutschen Großstaat.

Der Siebenjährige Krieg.

1756 bis 1763

Friedrich überdenkt sein Schicksal: „Geschähe es, daß ich getötet würde, so müssen die Dinge in ihrem Zuge bleiben. Wenn ich das Verhängnis hätte, vom Feinde gefangengenommen zu werden, verbiete ich, daß man die geringste Rücksicht auf meine Person nimmt.“ Im Nu ist Sachsen besetzt. In Dresden findet er die Beweise für die Verschwörung gegen ihn. Jetzt muß Österreich überrannt werden. Aber vor Prag kommt er zum Stehen, und bei Kolin wird er geschlagen. Nun finden die Feinde Zeit zum Gegenschlag.

Der Franzose ist ins Land eingebrochen, die buntscheckige „Reichsarmee“ 1757 steht ihm zur Seite. Aber schon ist Friedrich bei Roßbach in Thüringen zur Stelle. Ein grauer Novembertag bricht an. Im preußischen Lager stehen die Zelte, ausgerichtet wie im Manöver. Die Soldaten haben abgekocht. „Sie sollen sich in ihrem Appetit durch die Herren Franzosen nicht stören lassen“, sagt Friedrich. Der französische General hohnlacht über die „Potsdamer Wachtparade“. Er steigt von den sicheren Höhen herunter und umzingelt die Preußen. „Keine Maus soll noch ein Loch zum Entschlüpfen finden“, denkt er. Friedrich sieht die Vorbereitungen, aber er tut, als ginge ihn das gar nichts an; die Feuer brennen, die Kochgeschirre klappern weiter bei seinen Truppen. Aber, halt, sind es nicht weniger geworden? Wo ist denn der Seydlitz mit seinen Kürassieren geblieben? Leise davon ist er, verschwunden aus dem Lager. Wo sind denn die Bataillone des Prinzen Heinrich? Der Franzose merkt nichts, er höhnt und umzingelt weiter. Da, plötzlich Trommelwirbel, Trompetengeschmetter! Mit einem Schlage sind die Zelte verschwunden, die Feuer gelöscht. Das preußische Heer steht in Schlachtordnung. Von links braust Seydlitz mit seinen Reitern in die Reihen der überraschten Franzosen, von der andern Seite stürmt Prinz Heinrich, von den Höhen ringsum donnern die preußischen Kanonen, und von vom reitet König Friedrich an. Schon nach zehn Minuten ist das Schicksal des Tages entschieden, noch anderthalb Stunden wogt der Kampf hin und her, dann ist von der französischen Pracht und Herrlichkeit nichts mehr vorhanden. Das deutsche Volk aber hat seinen Helden gefunden und jubelt ihm zu, Friedrich dem Großen. „Reißausarmee“ nennt es die bunte Reichsarmee. Die Jungen singen: „Und wenn der Große Friedrich kommt und klopft nur auf die Hosen, dann läuft die ganze Reichsarmee, Panduren und Franzosen!“

Aber für den Sieger gibt es keine Ruhe. Die Österreicher stehen in Schlesien. In Eilmärschen geht’s von Roßbach nach Leuthen. Das wird ein anderes Kämpfen werden als gegen die windigen Franzosen! Der König versammelt am Abend seine Generale mid spricht zu ihnen: „Ich werde gegen alle Regeln der Kirnst einen beinahe zweimal stärkeren Feind angreifen. Ich muß es tun, oder es ist alles verloren. Wir müssen den Feind schlagen oder uns vor seinen Batterien begraben lassen. So denke ich; so werde ich handeln.“

1751. Am Morgen des 5.Dezember setzt sich Friedrich an die Spitze seiner Armee. Er ruft einen Offizier mit fünfzig Husaren zu sich und befiehlt diesem: „Ich werde mich heute bei der Schlacht mehr aussetzen müssen als seither. — Bleib ich, so bedeckt Er den Körper gleich mit seinem Mantel. Er läßt einen Wagen holen und sagt keinem ein Wort. Die Schlacht geht weiter, und der Feind — der wird geschlagen!“

Von einer Höhe aus erblickt Friedrich die ganze feindliche Schlachtaufstellung, Sofort ist sein Plan gefaßt. — Um Mittag ist die preußische Armee dem Feinde in die Flanke gekommen. Ein hartnäckiger Kampf entspinnt sich um das Dorf Leuthen. Das Dorf wird von den Preußen genommen. Die Österreicher wehren sich erbittert und suchen sich auf den Höhen hinter dem Dorf festzusetzen. Als ihre Kavallerie zum Angriff übergeht, stürzt sich die bereitgestellte preußische Reiterei ihnen in die Flanke und in den Rücken. In wilder Unordnung eilt die Österreichische Armee über die Wasser der Schweidnitz zurück, zahlreiche Gefangene zurücklassend. Der Kampf ist entschieden.

Aber bald stand der Ausgang des Krieges wieder auf des Messers Schneide.

Im Unglücksjahr 1759 sah sich Friedrich bei Kunersdorf den vereinigten Österreichern und Russen gegenüber. Er kämpfte selbst in der vordersten 1759 Linie und warf die Russen aus ihren Stellungen. Aber in der Nacht mußte er verzweifelt schreiben: „Ich habe diesen Morgen den Feind um elf Uhr angegriffen. Alle meine Truppen haben Wunder der Tapferkeit getan. Unsere Leute gerieten in Verwirrung, ich habe sie dreimal wieder gesammelt, schließlich war ich selbst nahe daran, gefangengenommen zu werden. Ich war gezwungen, das Schlachtfeld zu räumen. Mein Rock ist von Schüssen durchlöchert, zwei Pferde wurden mir getötet; mein Unglück ist, daß ich noch lebe… In dem Augenblick, da ich dies schreibe, flieht alles, und ich bin nicht mehr Herr meiner Leute. Ich habe keine Hilfsmittel mehr, und, um nicht zu lügen, ich glaube alles verloren. Ich werde den Untergang meines Vaterlandes nicht überleben. Adieu für immer!“ Aber aus der Nacht der Verzweiflung, die ihn sogar an Selbstmord denken ließ, riß der König sich wieder hoch. Ein Brief an den Bruder Heinrich hat einen anderen Ton: „Rechnen Sie darauf, daß ich, solange ich die Augen offen habe, den Staat aufrechterhalten werde, wie es meine Pflicht ist….”

Nach vier Kriegsjahren waren Freund und Feind erschöpft. England schloß mit Frankreich Frieden und schickte kein Geld mehr; es hatte Frankreich den größten Teil seiner Kolonien entrissen und war so durch Friedrichs des Großen Heldentum der größte Kolonialstaat geworden. Friedrich konnte zwar noch zwei Schlachten gegen Österreich gewinnen, aber dann waren seine Kräfte erschöpft. Er behauptete noch die Festungen und befestigten Lager. Das Land war völlig verarmt, Handel und Wandel lagen darnieder.

Die königliche Münze kam in die Hände des Juden Ephraim, der immer schlechteres Geld prägte, das zuletzt niemand mehr nehmen wollte. Der Jude aber wurde reich dabei. „Von außen schon, von innen schlimm, von außen Friedrich, von innen Ephraim“, spottete das Volk. Das Heer konnte keinen Ersatz mehr aus der Heimat bekommen, 16jährige Kadetten wurden Offiziere. Die Pferde fehlten, man mußte schon Kühe vor die Kanonen spannen. Die Minister rieten zum Nachgeben. „Nein! Niemals werde ich einen Frieden in Unehren schließen!“ erklärte Friedrich. Das Schicksal brachte endlich die Rettung. Friedrichs uversöhnliche Feindin, die russische Zarin, starb plötzlich, und Rußland zog sich vom Kampfe zurück.

Nun konnte Friedrich den Krieg ehrenvoll beenden. Im Frieden zu 1763 Hubertusburg mußte Österreich endgültig auf Schlesien verzichten, aber seine übrigen Erblande und das Kaisertum hatte es gerettet.

Was der große König in den endlosen Jahren des Krieges geleistet hatte an Mut, Unbeugsamkeit, Seelenstärke und an hervorragender Menschen- und Kriegführung, steht in der Geschichte der Völker einzig da. Die endgültige Entscheidung zwischen Österreich und Preußen im Kampf um die Vormachtstellung in Deutschland war nicht gefallen, aber Preußen hatte die Anerkennung als europäische Großmacht erreicht. Durch den Heldenkampf Friedrichs des Großen war im deutschen Volke das Nationalbewußtsein wieder erstarkt. Das deutsche Volk hatte wieder eine Hoffnung. Viele sahen von jetzt ab in Preußen das neue, kommende Deutschland.

Der erste Diener des Staates.

Als der Kampf um Preußens Größe begann, war Friedrich ein tatkräftiger Mann, sprühend von Geist und Leben. Die Mühseligkeiten des langen Krieges hatten aus ihm einen gebückten, kranken und müden Greis gemacht Und nun begann erst die schwere Arbeit, die Nöte des Landes zu bessern Unermüdlich war er tätig. Heldenhaft zwang er seine körperlichen Leiden nieder. Im Schlachtendonner des Krieges wie in den Werken des Friedens war er „der Große“. Er öffnete die Magazine des Heeres und verteilte für die erste Not Brot, Mehl und Pferde. „Halte Er keine langen Reden über die Not Seines Kreises, die kenne ich“, sagte er einem Beamten, „nehme Er einen Bleistift und schreibe Er auf, was nötig ist.“

Große Sorgfalt wandte er der Gewinnimg von neuem Acker- und Siedlungsland zu. Als junger Kronprinz sah er von den Festungswällen Küstrins in der weiten, sumpfigen Odemiederung nichts als Wasser und Schilf. „Das muß einmal anders werden. Hier sollen Häuser stehen und Bauern arbeiten!“ Nun, nachdem Kriege, war es so weit. Er ließ Gräben ziehen und die Sumpfgebiete an Oder, Warthe und Netze, in Pommern und in der Altmark entwässern. Die Auswanderer aus andern Ländern Deutschlands zogen nicht mehr nach Amerika, sondern nach Preußen. Hunderte von neuen Dörfern entstanden. Wege, Straßen und Kanäle durchzogen das Land. „Hier habe ich mitten im Frieden eine neue Provinz erobert!“ rief er glücklich aus. Auch den Städten mit ihrem Handel und Gewerbefleiß galt seine Fürsorge. Die Juden glaubten, unter dem Schutze des Münzjuden Ephraim in Preußen eindringen zu können. Aber der König kannte sie: „Wir befehlen, daß die Juden in den kleinen Städten weggeschafft werden. Was wiegen ihres Handels ist, behalten sie. Aber daß sie ganze Völkerschaften von Juden zu Breslau anbringen und ein ganzes Jerusalem draus machen, das kann nicht sein.“ Der König lebte und arbeitete nur noch für sein Land. Selbst im Lustschloß Sanssouci, das er erbaute, begann sein Arbeitstag um vier Uhr morgens, nur gegen Abend suchte der König Erholung in einem Konzert, bei dem er selbst die Flöte spielte. Die bedeutendsten Männer aller Länder, Gelehrte und Künstler, waren bei ihm zu Gast.

Wiederaufnahme deutscher Ostpolitik.

Die Polen erwiesen sich immer mehr als unfähig, ein großes Reich zu bilden. Alles ging dort drunter und drüber.

1772. Friedrich der Große erkannte rechtzeitig, daß die „polnische Wirtschaft“ ihrem Ende entgegenging. Im Einverständnis mit Rußland besetzte er das Herzogtum Westpreußen und das Netzegebiet. Sofort begann er mit der Verstärkung des im Lande noch vorhandenen Deutschtums. Zuerst glaubte der König, einige deutsche Siedler in jedem Dorf würden genügen, um die ins Land eingewanderten Polen durch ihr Beispiel zu Fleiß, Sauberkeit und Ordnung anzuspornen. Aber er sah sich getäuscht, die Polen blieben Polen. Jetzt wurden rein deutsche Dörfer angelegt und weite Strecken aus Sumpf und Moor in fruchtbares Land verwandelt. Westpreußen blühte sichtbar auf. Unter Friedrichs Nachfolger zerfiel Polen völlig in seine Bestandteile. Österreich, Rußland und Preußen gliederten sich die benachbarten Teilgebiete an. Preußen konnte seine Grenzen in das alte germanische Siedlungsland bis östlich Warschau vorrücken.

Der alte König.

In seinem hohen Alter wurde der König durch eine schmerzvolle Krankheit geplagt. Trotzdem erledigte er die Regierungsgeschäfte. Die Kabinettsräte ließ er in aller Frühe an sein Krankenlager kommen: „Mein Zustand nötigt mich, Ihnen diese Mühe zu machen, die für Sie nicht lange dauern wird. Mein Leben ist auf der Neige. Die Zeit, die ich noch habe, muß ich benutzen; die gehört nicht mir, sondern dem Staate.“ Dann arbeitet er volle zwei Stunden mit seinen Helfern. Aber die Schmerzen sind unerträglich.

Als er wieder allein ist, läßt er sich ächzend in seinen Lehnstuhl zurückfallen. Aber gleich reißt er sich wieder hoch.. Seine Augen fallen auf die letzten Worte seines Testamentes, das vor ihm auf dem Tisch liegt. „Meine letzten Wünsche in dem Augenblick, wo ich den letzten Hauch von mir gebe, werden dem Glücke meines Landes gelten. O, möge es in höchster Blüte bis an das Ende der Zeiten fortdauem!“ Im Morgengrauen eines Augusttages 1786 starb der König. 46 Jahre hatte er mit unermüdlicher Aufopferung 1786 als „erster Diener des Staates“ regiert. In der Gamisonkirche zu Potsdam schläft er neben seinem Vater den ewigen Schlaf.

Friedrich der Große starb ohne Nachkommen. Sein Neffe und Nachfolger Friedrich Wilhelm II. war nicht in der Lage, die deutsche Aufgabe Preußens weiterzutreiben. Aber der Geist des großen Preußenkönigs lebte im Volke weiter. Bahnbrecher deutscher Einheit aus allen deutschen Stämmen scharten sich von nun an um den Staat Friedrichs des Großen. Preußen, dessen Gebiete über ganz Deutschland zerstreut waren, behielt seine Aufgabe, Vorhut eines neuen Deutschlands zu sein, auch über die Zeit des Niederganges hinaus.

Siehe auch:
Deutsche Geschichte-Zeittafel
Germanen kämpfen um Europa
Die Wikinger, eine neue germanische Welle.
Das Reich der Deutschen beginnt
Großtaten des deutschen Volkes-Das Rittertum und seine Aufgaben
Großtaten des deutschen Volkes-Deutsche gewinnen Raum im Osten
Deutsche Bauern und Bürger sichern das Neuland.
Deutsche Städte — deutsche Kunst.
Großtaten des deutschen Volkes-Die deutsche Hanse.
Der deutsche Bauer und sein Schicksal
Eine neue Welt tut sich auf— Große Erfindungen
Fürstentrotz und Glaubensstreit zerstören das Reich.
Die Not ruft den Erneuerungs willen des Volkes wach.
Martin Luther, der Reformator.
Volkskämpfe im Schatten der Reformation.
Der Kampf deutscher Fürsten gegen Kaiser und Papst.
Glaubenskämpfe in anderen Ländern Europas.
Am Glaubensstreit geht das Reich zugrunde.
Der Dreißigjährige Krieg (1618—1648).
Randstaaten werden Weltmächte.

4 Comments

  1. […] Siehe auch: Deutsche Geschichte-Zeittafel Germanen kämpfen um Europa Die Wikinger, eine neue germanische Welle. Das Reich der Deutschen beginnt Großtaten des deutschen Volkes-Das Rittertum und seine Aufgaben Großtaten des deutschen Volkes-Deutsche gewinnen Raum im Osten Deutsche Bauern und Bürger sichern das Neuland. Deutsche Städte — deutsche Kunst. Großtaten des deutschen Volkes-Die deutsche Hanse. Der deutsche Bauer und sein Schicksal Eine neue Welt tut sich auf— Große Erfindungen Fürstentrotz und Glaubensstreit zerstören das Reich. Die Not ruft den Erneuerungs willen des Volkes wach. Martin Luther, der Reformator. Volkskämpfe im Schatten der Reformation. Der Kampf deutscher Fürsten gegen Kaiser und Papst. Glaubenskämpfe in anderen Ländern Europas. Am Glaubensstreit geht das Reich zugrunde. Der Dreißigjährige Krieg (1618—1648). Randstaaten werden Weltmächte. Ein neues Deutschland ersteht. […]

    24. Juni 2017
  2. […] geht das Reich zugrunde. Der Dreißigjährige Krieg (1618—1648). Randstaaten werden Weltmächte. Ein neues Deutschland ersteht. Um die Herrschaft über Europa und die Welt. Wiedergeburt und Befreiung des deutschen […]

    25. Juni 2017

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