Eine Bantengjagd auf Java


Obwohl man in Java, hauptsächlich an der Gebirgsbahn entlang, die Wälder gerodet hat, um Platz für Kulturpflanzen zu schaffen, gibt es im Süden auf der Hochebene noch bedeutende Waldbestände. Die manchmal bis 2000 Meter über dem 800 Meter hohen Plateau sich erhebenden Berge sind häufig bis zum Gipfel mit Hochwald bedeckt, ln den meist sumpfigen, mit Bambus und Rotanglianen bewachsenen Tälern, sowie auf den mit Alang-Alang-Gras bedeckten, von klaren Gebirgsbächen durchströmten Gebirgswiesen kommt das edelste Wild Javas vor, der Banteng, wohl das schönste wilde Rind der Erde. Es gibt wohl kaum einen anziehenderen Anblick, als eine weidende Bantengherde, die meist aus einem Bullen und fünf bis acht Kühen und Kälbern besteht. Der Bulle überragt die Kühe an Grösse um ein bedeutendes, Ich habe Bullen von einem Meter 60 Zentimeter Höhe am Widerrist und über zwei Meter Körperlänge geschossen. Von dem glatt anliegenden glänzenden, braun-grau gefärbten Haarkleid stechen die bis zum Knie weissen Beine auffallend ab. Die sehr zierlich gebauten Kühe und Kälber sind meist rotbraun gefärbt.

Wir hatten am Fusse eines bewaldeten Berges, dicht am Waldessaum, auf einer sich zwischen den Bergen hinziehenden Alang-Alangwiesc übernachtet. Schon während des Marsches am vorhergehenden Tage waren uns eine Menge Fährten, die sich durch die bewaldeten Täler hinzogen, aufgefallcn. An dem frischen Mist war erkennbar, dass in der Nähe einige Bantengherden hausen mussten, doch bekamen wir keines dieser scheuen Tiere zu Gesicht. Am Abend und in der Nacht hörten wir ebenfalls, dass Bantengs in der Nähe waren. Am nächsten Morgen — ziemlich dichter Nebel bedeckte noch die Talwiesen — stieg ich, von zwei Eingeborenen begleitet, einen ausgetrockneten, von hohem Wald eingesäumten Wildbach empor. Wir erreichten nach einiger Zeit ein sumpfiges, mit Gebüsch bestandenes Tal, und da auch dort noch grauer Nebel dampfte, legten wir uns am Waldessaume nieder, um abzuwarten bis der Nebel sich verzogen haben würde. Endlich wurde die Luft klar, und nun sahen wir auf einer seitwärts liegenden kleinen Alang-Alang-Wiese eine Bantengherde, einen Bullen, vier Kühe und zwei Kälber, grasen. Wir lagen höchstens 300 Meter von den Tieren entfernt, die von uns keine Witterung hatten. Glücklicherweise zog sich ein Bambusdickicht seitwärts nach der Wiese, so dass wir uns bis auf 150 Meter gedeckt heranpirschen konnten. Der Bulle stand mir sehr günstig, und ich konnte einen guten Blattschuss anbringen. Als der Schuss krachte, flohen die Kühe und Kälber mit hochgehobenen Schwänzen, laut prustend dem Waldesdickicht zu, während der getroffene Bulle mit eingestemmten Vorderbeinen und blutunterlaufenen Au- en nach dem uns verbergenden Bambusdickicht Front machte. So schnell das Unterholz es erlaubte, stürmte ich auf das tödlich getroffene Tier zu, bis auf 50 Schritt, und brachte es mit einem zweiten Blattschuss zur Strecke Es war ein prächtiger Bulle, dessen eigenartig gebogene Hörner, der Biegung nach gemessen, über einen halben Meter lang waren Kopf und Haut wurden als Jagdtrophäen mitgenommen, das stark nach Moschus riechende Fleisch des ziemlich alten Bullen war für mich nicht geniessbar. Meine weniger verwöhnten Begleiter assen es, auf Kohlen gebraten, zum Reis. Jedoch merkte ich an dem krampfhaften Kauen und den verzweifelten Gesichtern, dass es selbst für diese Menschen kein Genuss war. Drei Tage später schoss ich eine junge Bantengkuh. Dieses Tier lieferte ein ganz vorzügliches Wildbret. Das Filet mit grünem Pfeffer und Salz geklopft, dann in Kokosnusöl gebraten, schmeckte ausgezeichnet. Die Bantengs sind im allgemeinen sehr scheue Tiere und werden infolgedessen auch nicht häufig geschossen. Aus der fliehenden Herde bringt man selten ein Tier zur Strecke, denn mit einem unglaublichen Ungestüm durchbrechen sie das Unterholz und sind bald in dem dichten Laub den Blicken des Jägers entschwunden. Eine Verfolgung durch die sumpfige Bambus- und Rotangwildnis ist kaum denkbar, denn abgesehen davon, dass man im Sumpfe stecken bleibt, wird man von den mit spitzen Stacheln bewehrten Rotanglianen gehindert und häufig nicht unerheblich verwundet. In Ost-Java habe ich häufig Bantengs in den Wäldern des erloschenen Vulkans Keloet angetroffen, an dessen Kratersee man in den frühen Morgenstunden nicht selten kleine Herden badend antrifft. Auch dort gelang es mir, einige Tiere zu schiessen. Zum Schluss will ich noch bemerken, dass jung cingefangenc Bantengkälber sehr zahm werden. Ich sah auf einigen Plantagen der Preanger Regentschaft Bantengs zwischen zahmen Rindern friedlich weiden.