Eine Reise durch die deutschen Kolonien

Dank der zweifellosen Erfolge, die unsere Kolonialwirlschaft seit einigen Jahren aufzuweisen hat, dringt der koloniale Gedanke immer mehr in weitere Kreise des Volkes. Man beginnt einzusehen, dass unsere Kolonien doch einen recht wichtigen Besitz für uns darstellcn, nicht Sandwüsten sind oder Gebiete, deren Klima kein Mensch aushalten kann. Trotz alledem sind aber die wirklichen Kenntnisse über unsern Kolonialbesitz, selbst in den gebildeten Kreisen, vielfach sehr gering. Bei den meisten Leuten beschränkte sich bisher das geographische Wissen auf das, was sie in der Schule gelernt hatten. Dort hatte aber bis vor wenigen Jahren die Landeskunde unserer Kolonien noch nicht auf dem Lehrplan gestanden. Um so mehr macht sich in neuerer Zeit das

Bedürfnis nach volkstümlichen Anschauungs-und Belehrungsmittel

über die Kolonien geltend.

Wer heute regelmässig seine Zeitung liest, der stösst Tag für Tag auf längere oder kürzere Mitteilungen kolonialen Inhalts, die für den Nichteingeweihten mehr oder minder unverständlich bleiben, weil ihm das grundlegende Wissen fehlt. Nicht minder wird im Schulunterricht der Mangel eines kurzgefassten, aber umfassenden Anschauungsmittels empfunden,das dem Lehrer ebenso wie dem heranwachsenden Schüler die Möglichkeit gibt, sich über die Kolonien einen allgemeinen Ueberblick zu verschaffen.

Zwar haben uns die letzten Jahre eine Fülle von kolonialen Büchern gebracht. Aber entweder sind es grosse teure Werke, die sich nur wenige kaufen können, oder kleinere Schriften, denen wieder der für die Belehrung so notwendige reichliche Bilderschmuck fehlt und von denen manche überdies mit einem Mangel an Sachkenntnis verfasst sind, der seinesgleichen sucht.

Nun glauben wir zwar von unserer Zeitschrift „Kolonie und Heimat“ sagen zu können, dass sie trotz ihres erst zweijährigen Bestehens vermöge eines weit über hunderttausend Abonnenten umfassenden Leserkreises schon eine Fülle von Belehrung ins Volk getragen hat.

Unsere der Gründung von „Kolonie und Heimat“ zugrunde gelegte Annahme, dass in weiten Kreisen des Volkes der Wunsch, sich über unsere Kolonien zu unterrichten, rege sei, hat der ausserordentliche Anklang bestätigt, den die Zeitschrift schon in der allerersten Zeit ihres Erscheinens gefunden hat. Anderseits aber lässt sich nicht verkennen, dass auch eine noch so gut und reichlich illustrierte und noch so planniässig arbeitende Zeitschrift kein in sich abgeschlossenes Bild der einzelnen  Kolonie zu geben vermag, wie cs namentlich die Schule braucht. Darum haben wir uns entschlossen, gestützt auf das ansehnliche Material, das uns zur Verfügung steht, diesem Bedürfnis durch

Herausgabe von billigen Bildersammlungen

abzuhelfen, denen die Idee einer Reise nach unsern Kolonien zugrunde gelegt ist. Sie werden unter dem Gesamttitel: Eine Reise durch die deutschen Kolonien, in zwangloser Reihenfolge erscheinen. Jede Sammlung wird ein in sich abgeschlossenes Bild der betreffenden Kolonie bieten. Landschaft, Tier- und Pflanzenleben, Bevölkerung, Handel und Wandel, insbesondere unsere Kolonialarbeit werden im Bilde vorgeführt. Jedes einzelne Blatt soll typisch sein für das Gebiet, um das es sich handelt. In kurzen in sich abgeschlossenen Aufsätzen wird neben dem Bilde in unterhaltender Form das Mass an Erläuterungen gegeben, welches für die Allgemeinheit wissenswert ist. Insbesondere ist schon in dem vorliegenden ersten Band darauf Wert gelegt, dass die Richtlinien der wirtschaftlichen Zukunft der Kolonien, soweit sie sich bis jetzt übersehen lassen, deutlich zutage treten. Um den Darstellungen bis zu einem gewissen Grade die Eigenschaft als Leitfaden der Kolonial künde zu geben, sind zwischen den einzelnen Aufsätzen durch zahlreiche Verweisungen die erforderlichen Beziehungen hergestellt.

Der Text ist von dem Schriftleiter der Zeitschrift „Kolonie und Heimat“, Rudolf Wagner, ausgearbeitet, unter Mitwirkung und Beratung von Professor Dr. C. Uhlig.

Als erste Darstellung übergeben wir hiermit den Band über Ostafrika der Oeffentlichkeit. Er enthält 2 Karten und 169 Bilder, darunter 23 ganzseitige. Angesichts dieser Reichhaltigkeit ist der Preis von 5 Mk. als sehr niedrig zu bezeichnen. Den Einband ziert die oben verkleinert wiedergegebene mehrfarbige Zeichnung. Unsre beiden andern Bilder vermögen allerdings auch nur einen schwachen Begriff von den auf Kunstdruckpapier gedruckten 169 Abbildungen zu geben.

Wir hoffen, dass das Buch in Schule und Haus zahlreiche Freunde finden und namentlich auch dem Lehrer ein willkommenes Hilfsmittel sein wird zur Einführung der Jugend in der Kenntnis der kolonialen Verhältnisse.

Insbesondere haben wir auch an die alten Afrikaner und unsre Landsleute in den Kolonien gedacht, die gewiss das Werk als willkommenes Andenken an die Zeit ihrer kolonialen Tätigkeit begrüssen werden, oder als Anschauungsmittel über die Kolonien, die sie selbst nicht kennen.

Weiteres aus der Reihe „Kolonie und Heimat“
Eine Straussenfarm in Deutschland
Wie der Neger in Togo wohnt
Deutsche Diamanten
Zur Frauenfrage in den deutschen Kolonien und andere Bekanntmachungen
Die Landesvermessung in Südwestafrika
Bilder aus dem Norden von Deutsch-Südwest: Namutoni
Koloniale Neuigkeiten
Deutschland, England und Belgien in Zentralafrika
Das Deutsche Institut für ärztlich Missionen in Tübingen
Bilder von der afrikanischen Schutztruppe
Die Kolonien in der Kunst
Der Handelsagent in Deutsch-Afrika
Bierbrauerei der Eingeborenen in Afrika
Samoanische Dorfjungfrau
Losso-Krieger aus dem Norden von Togo
Allerlei aus dem Leben des Togonegers
Ostafrikanisches Obst
Ostafrikanische Küstenbilder
Tabakbau und Tabakverarbeitung in Havanna
Die französische Fremdenlegion
Kamerun : Totentanz der Küstenneger
Ein Rasseproblem
Blick in eine Wanjamwesi-Siedlung bei Daressalam
Der Botanische Garten zu Berlin als Zentralstelle für koloniale Landwirtschaft
Die Kirchen in Daressalam
Das Meer und seine Bewohner : Seevögel
Sie riss das Gewehr an die Backe, zielte einen Augenblick und schoss . . .
Wie man in Afrika in der Regenzeit reist
Auf den Diamantenfeldern von Lüderitzbucht
Die Diamanten-Regie des südwestafrikanischen Schutzgebiets in Berlin
Bilder aus der ostafrikanischen Vogelwelt
Vom Deutschtum im Ausland (Chile)
Medizintanz der Baias in Kamerun
Hamburg als Hafenstadt
An der Trasse der Bagdadbahn
Die Baumwollfrage
Die Mischehen unter fremden Rassen
Das Haar
Deutsches Leben in Deutsch-Südwest Afrika
Unteroffiziere der Schutztruppe in Südwest-Afrika feiern Weihnachten
Wenn der Buschneger den ersten Weissen sieht …
Berittene Spielleute des Sultans Sanda von Dikoa
Ein Morgenpirschgang in Ostafrika
Die Kilimandjaro-Bahn
Die Aufgaben der deutschen Frau in Deutsch-Südwestafrika
Kolonie und Heimat : Rückblick und Ausblick
Prosit Neujahr!
Wie die Ponapeleute entwaffnet wurden
Goldgewinnung an der Goldküste
Eingeborenen-Bilder aus Kamerun : Die Wute
Wie schafft man sich gesundes Blut?
Bilder aus der Tierwelt Südafrikas
Totengebräuche auf den Salomons-Inseln
Fünfundzwanzig Jahre Deutsch-Ostafrika

4 Comments

  1. […] Südafrikas Totengebräuche auf den Salomons-Inseln Fünfundzwanzig Jahre Deutsch-Ostafrika Eine Reise durch die deutschen Kolonien Neues aus dem Innern von Neu-Guinea Der Nord-Ostsee-Kanal Bilder aus der Kameruner Vogelwelt Die […]

    3. Oktober 2016

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