Eingeborenebilder aus Ostafrika: Die Wagogo


Schroffe Berge, schroffe Felsen, dichter, dorniger, knorriger Urbusch, brausender Wind, roter Staub, wenig Wasser, das sind die Kennzeichen der Landschaft Ugogo, welche nur dann lieblich zu nennen ist, wenn die Regenzeit mit ihren schweren Gewittern und ihrer Wasserfülle die verdorrte Vegetation in frisches Grün, in duftende Blüten verwandelt. Ein kräftiger Volksstamm bewohnt diesesLand,schroff und rauh wie das Land selbst, grob-knochig und hart. Bald nach meiner Ankunft hatte ich eine längere Expedition zu unternehmen und bei Wagogomänner. dieser Gelegenheit lernte ich Land und Leute gleich gründlich kennen. Die Wasserarmut während der Trockenzeit war stellenweise so gross, dass Vieh nur jeden zweiten Tag getränkt werden konnte; nicht selten war das Wasser natronhaltig und wirkte unbeabsichtigt beschleunigend auf die Verdauung. Oft waren die Brunnen, in den Lehm gegraben, 10 Meter und mehr tief. Stets war das Wasser durch Dornen gegen das Vieh geschützt. In trockenen Jahren wurde Wasser nur gegen Entgelt ab egeben, zuweilen mit der Waffe gegen den minder glücklichen Nachbar verteidigt. Klar war dies Brunnenwasser fast nie. Es enthielt meist eine Beimengung aller möglicher Stofle, welche ihm ein milchiges Aussehen gaben. Setzte man dann zum Klären etwas Alaun zu, so klärte sich wohl etwa 1/3, 2/3  blieb ein wenig vertrauenerweckendes Gemisch. Dazu kam viel Schmutz und wenig Schalten, so dass Reisen in Ugogo nicht gerade besonders angenehm waren. Stets mussten genügend Reserveträger mitgeführt werden, denn — so lautete die Mär — die Waogo selbst tragen nichts. Diese kräftigen, muskulösen Gestalten, mit ihren geflochtenen Zöpfen, das Haar mit Fett und rotem Lehm beschmiert, in dürftiger Kleidung aus Baumwollstoff oder Fell, mit dem ovalen Sitzleder hinten, Eisen- oder Messingschmuck in Ohr, um Hals, Hüfte, an Arm oder Bein, die Schnupftabaksbüchse aus Ebenholz an einer Schnur um den Hals gehängt, diese kräftig duftenden Zeitgenossen, welche dem Urin Seifenwirkung zuschreiben, sie rauchten, schnupften, tranken, spielten und tanzten und überliessen gern die Herdenaufsicht dem jungen Nachwuchs und die Sorge für Kind, Feld und das erdgedeckte Haus den Weibern und arbeiteten selbst nur, wenn die Not oder die Felderbestellzeit sie zwang. Aber schliesslich gaben sie auch dem Drang der Zeit, dem sanften Druck nach, und arbeiteten selbst für den Europäer, trugen sogar seine Lasten, was ihnen früher ihr Stolz und ihr Dünkel verbot. Leicht war es nicht, diese etwas harten Köpfe umzugewöhnen. Aber es ging allmählich und schliesslich ging es so gut, dass Tausende selbst zur Küste zogen, um von dort Lasten zum Telegraphenbau zu holen. Auch die Einführung der Kopfsteuer machte in Ugogo keine grossen Schwierigkeiten. Zur Belohnung gab es allerdings bleu rmarken aus Messing, welche dem Schmuckbedürfnis des Negers Rechnung tragen und mit Stolz und gehobenem Selbstgefühl getragen wurden. Man sah den selbstbewussten Mienen des dergestalt „Dekorierten“ unschwer das gehobene Gefühl an: „civis germanus sum.“ Besonders viel Geschmack hat der Mgogo an kleinen Händeln vor dem Kadi. So kam es, dass täglich, sogar Sonntags, stundenlange Verhandlungen im Schauri stattfinden mussten. Streitigkeiten noch aus der Vorväter Zeit wurden vorgebracht.



Nicht eben selten war die Antwort auf die Frage, wann die Tat geschehen sei: „Mein Vater war noch nicht geboren.“ Mit Genauigkeit undWahrheit nehmen die Parteien es nicht allzu genau. Unter solchen Umständen ist natürlich „Rechtsprechen“ ungeheuer schwer. Der Vergleichsweg ist daher jedem „Spruch“ unbedingt vorzuziehen. Bei der Hartnäckigkeit beider Parteien ist aber auch der Vergleichsweg keineswegs ein dornenloser Pfad. Sehr erquickend ist bei alledem das beruhigende Bewusstsein, dass beim nächsten Wechsel des Stationschefs mit tödlicher Sicherheit sich die unterlegenen Parteien wieder in der Schaurihalle einfinden, um „ihre Sache“ aufs neue und als „noch nie verhandelt“ wieder vorzubringen. Aber auch dagegen gab es schliesslich eine Rettung. Jedes Schauri wird im Schauribuch notiert. Die obsiegende Partei erhielt einen Zettel mit Nummcr und Jahr des Schauris. Dieser Zettel wurde stels wie ein Talisman aufgehoben, und wenn die unterlegene Partei aut der Bildfläche erschien und ihr natürlich noch „niemals verhandelte Sache“ siegessicher, unter Vorführung einer stattlichen Zeugenreihe vorbrachte, im Triumph der kleinen, um den Hals getragenen Lederdokumententasche entnommen und mit der richtigen Miene eines ausnahmsweise reinen Gewissens vorgelegt. Der Neger denkt eben „Wahrhaftigkeit ist zwar eineTugend, wie der Europäer sagt, aber doch meist Dummheit, und Lüge eine von der Natur verliehene Schutzvorrichtung“. Er denkt sich nichts dabei. Der schwarze Zeitgenosse ist eben in ethischer Hinsicht Jahrtausende zurück und unter diesem Gesichtspunkt muss er beurteilt werden.

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