Entdeckungen und Erfindungen : Renaissance und Reformation

Die großen Entdeckungen, die an der Schwelle der Neuzeit gemacht wurden, sind nichts weniger als Zufall. Heinrich der Seefahrer arbeitete ganz planmäßig. Die Steigerung des mathematischen Wissens erzeugte in Toricelli den Gedanken einer Erdumsegelung, einen Gedanken, den er an Kolumbus weiter gab. Die Geister waren reif geworden. Sie dürsteten nach neuen Taten, nach neuen Eroberungen. Auf fünf Gebieten ging dieser Entdeckergeist erfolgreich vor. ln der Welt der Technik fand er das Pulver, den Buchdruck und das Fernrohr; jenseits der Meere fand er unbekannte Erdteile — im Luftraum neue Sterne; in der Welt der Kunst und Wissenschaft kehrte er zur Antike zurück und erzeugte im Verein mit ihr neue Farben und neue Formen; auf dem Gebiete des Glaubens erstand die Lehre der Sikh, die Reformationen Luthers, Calvins undKnox und in Tibet der Lamaismus. Die ganze Weltanschauung aber wurde durch Kopernikus umgedreht, der — gleichfalls hierin zur Antike, zu Hipparch zurückkehrend — statt der Erde die Sonne in den Mittelpunkt des Planetensystems stellte.

Daß der Drang zu Entdeckungen in der Luft lag, geht auch daraus hervor, daß zu gleicher Zeit nach drei Seiten hin die Erdkunde beträchtlich ausgedehnt wurde. Um 1480 ging Covilhab nach Abessinien und Indien, 1492 entdeckte Kolumbus, auf normännischen Berichten fußend, Amerika. Endlich, 1498 umsegelte Vasco da Gama das Kap der Guten Hoffnung und gelangte über die ostafrikanischen Plätze nach dem indischen Kalikutt. Kolumbus machte im ganzen vier Fahrten. Er ist auf den Antillen und an der Küste des südamerikanischen Kontinentes gelandet. Sehr bald bemächtigten sich die Spanier Kubas und Mexikos. Dem großen Forscher selbst aber, dem Kolumbus haben sie mit Undank gelohnt.

Im Jahre 1500 entdeckte der Portugiese Cabral Brasilien. An dessen Erschließung beteiligten sich in der Folge die Fugger und Welser von Augsburg. In den nächsten Jahren setzten sich die Portugiesen, namentlich unter der Führung des genialen Admirals Albuquerque an allen wichtigen Punkten des indischen Ozeans, von Mozambique bis Aden, und von Ormudzd am Eingänge des Persischen Golfs bis nach Singapur fest und errichteten so ein zusammenhängendes Netz starker Flottenstützpunkte.

Um die Wende des Jahrhunderts wurde durch Franzosen in englischem Dienste, die Cabots, Nordamerika angefahren, doch führte dies einstweilen zu nichts.

In den Jahren 1519—1521 vollführte Magelhaens die erste Weltumsegelung, bei der er selbst den Tod fand. Kurz darauf wird Ostasien von der Seeseite her bekannt. Einstweilen wurden jedoch nur vereinzelte Faktoreien in China angelegt.

Die Haupttätigkeit der Konquistadoren beschränkte sich fast ein Jahrhundert lang lediglich auf die Tropen. Erst von den 1570er Jahren an, als neben Spaniern und Portugiesen auch andere Nationen tatkräftig zu überseeischer Kolonisation schritten, werden auch Gebiete der gemäßigten Zone, zunächst vor allem Sibirien und Nordamerika, danach Chile und Argentinien in die Besiedlung einbezogen.

Der Gesichtskreis der Menschheit war verdoppelt.

Das wichtigste Element der neuen Zeit ist aber vorläufig der Nationalismus. Er durchbrach den Universalismus des Mittelalters, und er hemmte den aufsteigenden Absolutismus der Fürsten. Freilich hat er sich auch wieder mit dem Absolutismus verbündet, nämlich gegen die Allgewalt und die universalen Absichten der Kirche.

Der hochstrebende und hochbegabte Maximilian, den man den letzten Ritter nannte, wollte noch selbst Papst werden. Ebenso wollten Karl der Fünfte und sein Sohn Philipp der Zweite das Papsttum meistern. Im Jahre 1527 hat Karl der Fünfte Rom und den Papst in den Staub getreten. Es war eine späte Rache für Kanossa. Der Staat riß also die Gewalt der Kirche an sich. Nun aber erhielt der Staat eine nationale Färbung. Die Folge davon war, daß auch eine nationale Kirche als wünschenswert angesehen wurde. Der gescheiterte Versuch einer Ekklesia Gallicana war der erste Schritt in dieser Richtung. Jetzt wollte Heinrich der Achte die Hoheitsrechte des Papstes für England übernehmen, ohne an dem Dogma oder dem Ritus etwas Sonderliches zu ändern. Ebenso gründeten die Wasa eine skandinavische Nationalkirche. Und die mitteleuropäischen Fürsten verfochten den Satz: Cujus regio, ejus Religio, der Herr über ein Land ist auch Herr über dessen Glauben.

In das Erwachen des Volks- und Staatsgefühles spielten im Unterbewußtsein die Rassengegensätze hinein. Der germanische Norden wurde protestantisch; der kelto-romanische Süden mit Einschluß Polens blieb katholisch.

Seit 1519 war der Habsburger Karl der Fünfte der Herr der Welt. Als Enkel des „letzten Ritters“ trug auch er sich stets mit phantastischen hohen Plänen. Seinem griesgrämigen harten Gesichte, das aus den Bildern Tizians und Cranachs gut bekannt ist, hätte man dergleichen kaum zugetraut; die Nase ist nicht so kühn entwickelt, wie bei Maximilian, aber das andere Erbteil der Habsburger, die breit vorgeschobene Unterlippe war dafür besonders stark ausgeprägt. Beide Eigentümlichkeiten, die Lippe und die überhängende Nase, die bis zum heutigen Tage im Geschlecht der Habsburger andauern, gehen auf eine ganz bestimmte Ahnfrau zurück, Cimburga, die Tochter des heidnischen Herzogs von Masovien (im Littauischen Gebiete), die an den Vater Maximilians, Friedrich den Dritten „des heiligen römischen Reiches Schlafmütze“, verheiratet war.

Die Habsburger hatten sich schon damals zu einer internationalen Dynastie entwickelt. Nicht nur masovisches Blut floß in ihren Adern, sondern auch oberitalienisches (durch die Este, die freilich im Grunde welfischen Ursprungs waren) und romanisches durch Maria von Burgund, die Tochter Karls des Kühnen, die Maximilian freite, und die spanische Mutter Karls des Fünften. Gleichermaßen hatte der habsburger Staat jetzt schon eine bunte, vielvolkliche Färbung angenommen. Seitdem Rudolf von Habsburg den Tschechen Ottokar, der von der Ostsee bis an die Grenzen von Serbien und Friaul herrschte, auf dem Lechfeld geschlagen hatte (1281), waren Ungarn und Kroaten, Tschechen und Polen in den Staatsverband gekommen. Es ist heute Mode geworden, die undeutsche Gesinnung der Habsburger zu bemängeln. Man könnte aber auch den Spieß umkehren und sagen, es ist ein Wunder, daß innerhalb eines solchen Völkergemisches die Habsburger noch so deutsch geblieben sind. Jedenfalls wurde die Südostmark des Reiches von Deutschen, und zwar von dem Bayernstamme, mit Einsprengung fränkischer und einiger schwäbischer Kolonisten besiedelt und beherrscht. Die Deutschen blieben bis zu dem Ausgleich von 1867 in Österreich das ausschlaggebende Volk.

Ein deutsches Bewußtsein war allerdings in Karl dem Fünften mit nichten entwickelt. Er fühlte sich in erster Linie als König von Spanien. Er pflegte zu sagen: Spanisch rede ich mit meinen Rittern, Französisch mit den Dienern und Deutsch mit den Pferden. Trotzdem hat er einen beträchtlichen Teil seines Lebens in deutschen Landen zugebracht. In seiner Staatskunst nahm Deutschland ungefähr den gleichen Anteil wie die Südeuropäischen Besitzungen in Anspruch. Karl der Fünfte wollte das Universalreich restlos verwirklichen. Dem stellten sich zwei Hauptfeinde entgegen, die Türken und die Franzosen. Ganz naturgemäß schlossen sich denn auch diese beiden zu einem Bündnis zusammen. Die Kluft der Religion war kein Hindernis. Franz der Erste, tatendurstig, unermüdlich auf dem Schlachtfelde und im Ratssaal, eine ritterliche, feurige Erscheinung, Freund der Abenteuer und der Frauen, sah mit Verdruß und Sorge, wie Frankreich von vier Himmelsrichtungen zugleich eingekreist und umklammert wurde, von Spanien, Oberitalien, Deutschland und den Niederlanden her, auf den Befehl Karls des Fünften, der überall in jenen Gebieten herrschte, von Nordwesten her durch den englischen Heinrich den Achten, der des Kaisers Bundesgenosse war. Da meinte der bedrängte Franz: helfe was helfen kann! und näherte sich dem Großtürken, Suleiman dem Prächtigen, der denn auch zweimal, 1529 und 1532 mit seinen reisigen Scharen vor Wien zog. Seltsam ist die Verknüpfung der Dinge. Der Anprall der Feinde der Christenheit, der Türken rettete die, so das wahre Christentum aus dem Schlamm und Wüste der Zeiten wieder rein und verklärt herauszuholen trachteten, rettete die Reformation.

„Vernunft wird Unsinn, Wohltat Plage, weh dir, daß du ein Enkel bist!“

Alles Menschliche wird im Laufe der Jahre getrübt von Fremdstoff überwuchert, ja, nicht selten geradezu in sein Gegenteil verkehrt. Das zeigen, wie Recht und Staat und Kunst, so auch die Kirchen der Welt. Buddha hat alle Götter beseitigen wollen, und jetzt strotzt der buddhistische Himmel von Gottheiten aller Art. Christus predigte Armut und Abkehr vom Luxus, und die römische wie die griechische Kirche verkam in Üppigkeit und leitete die größten Geldgeschäfte der Welt. In Avignon, wo von 1309—1391 die Päpste hausten, und im Rom des Spaniers aus dem Hause Borgia, Alexanders des Sechsten, war eine bunte Weib erwirtschaft an der Tagesordnung. Julius der Zweite (1503—1513), der auf Alexander folgte, war ein streitbarerKriegs-mann, der sich in schimmernden Harnisch hüllte und bei Schlachten und Belagerungen selbst mitwirkte. Leo der Zehnte (1513—1523) ging völlig in der Kunst und in heiterem Lebensgenüsse auf. Raffael, Bramante, Michelangelo und der kleinere Benvenuto Cellini erfuhren von den Päpsten die höchste Förderung; allein rein geistlich betrachtet waren gerade jene Päpste nicht sehr geeignet, für das Christentum Propaganda zu machen. Sie waren im Grunde in den Geschmack und die Sitte der Antike, wenn man will, in das Heidentum zurückgefallen. Der Kunst gereichte das wildbewegte Leben, die Leidenschaft des Hasses und der tolle Sinnengenuß damaliger Päpste zum größten Vorteil. Leonardo da Vinci, das Genie der Genies, war der Artilleriekommandant des Cesare Borgia, eines natürlichen Sohnes Alexanders des Sechsten. Die Frömmigkeit des Nordens empörte sich jedoch gegen solche Lebenskunst, wie Rom sie pflegte. Schon seit über einem Jahrhundert waren Bestrebungen im Gange, um die Kirche „an Haupt und Gliedern“ zu reformieren. Kaiser und Könige liehen dem Reformierungswerke bereitwillig die Hand. Große Konzilien wurden berufen, um die schwebenden Fragen zu ordnen. Ein Konzil, das zu Konstanz, saß nicht weniger als vier Jahre (1414—1418). Schon vorher hatte Wycliffe in England eine Abkehr von den Mißbräuchen der Kirche gepredigt. Durch Schüler Wycliffes angeregt, lehnte sich der Tscheche Hus gegen die herrschende Kirche auf. Er wurde vor das Konstanzer Konzil gezogen und obwohl ihm ein deutscher Kaiser, der unruhige igismund, freies Geleit zugesichert hatte, öffentlich verbrannt.

Die Flammen des Scheiterhaufens zündeten aber ein noch größeres Feuer an, nämlich die Hussitenkriege, durch die halb Osteuropa und ein ziemlicher Teil Deutschlands verwüstet wurden. Die alte Avarenwut brach bei den Tschechen wieder hervor. Ihr hervorragendster Führer Ziszka hatte eine Trommel, deren Fell aus einer Menschenhaut bestand. Die Heere des Kaisers und die Lokalmiliz konnten gegen die Hussiten nicht bestehen. Zuletzt erlangten diese so ziemlich, was sie gefordert.

Die Sehnsucht nach einer Kirchenreform wurde weiterhin durch den Humanismus und die Renaissance verstärkt. Das war eine Bewegung, die an die geistigen und künstlerischen Errungenschaften der Antike wieder anknüpfte. Die Herrlichkeit des klassischen Altertums kam den Menschen wieder zum Bewußtsein. Das Schrifttum der Griechen und Römer wurde von Gelehrten, wie Erasmus von Rotterdam, Reuchlin, Hutten, Macchiavelli, Melanchthon wieder erweckt. Die K nstler, wie Giotto, Brunellesschi, Donatello, Sansovino, Lionardo, Michel Angelo Buonarrotti, Raffael Sanzio aus Perugia, Dürer, knüpften vorzüglich an die Baukunst, Malerei und an die Bildhauerei der Alten an. In der Folge wurden Wissenschaft und Kunst selbständig fortgebildet. Unter den Malern wurden am berühmtesten Tizian, dessen Farben kein Meister je wieder erreicht hat, ferner Correggio, Paolo Veronese und Andrea del Sarto; bei uns Holbein. Ich habe nie verstanden, warum der eckige, ungefällige Lucas Cranach bei uns so viel Beifall erringen konnte. Dagegen wird jedermann dem Lobe unserer Bildhauer, des Peter Vischer und des Adam Kraft, und unserer Schnitzer, des Veit Stoß und des Tilmann Riemenschneider (der wahrscheinlich zu den Ahnherren Bismarcks gehörte) freudig zustimmen.

Die Musik wurde durch Palestrina wiedergeboren, sowie durch Orlando di Lasso, einen Niederländer aus Mons, der in Bayern Kapellmeister wurde. Nicht minder wurde das Epos eines Ariost und Tasso durch die Antike angeregt. Den höchsten Triumph aber feierte das Drama; es hatte drei Hauptträger zu gleicher Zeit, die großen spanischen Dichter Lope de Vega und Calderon, vor allem aber Shakespeare. Deren Zeitgenosse war Cervantes, mit dessen Don Quixote der moderne Roman beginnt.

Ein tüchtiger Trunk macht froh, kann aber auch streitbar oder gar wehmütig machen.

So hatte die Renaissance gleichfalls die verschiedensten, ja entgegengesetzte Wirkungen. Die neuerwachte Liebe zum Altertum entzündete eine große Begeisterung. „Es ist eine Lust zu leben“ rief Hutten. Man fühlte sich doppelt Mensch, seitdem man die reichen Schätze der Antike entdeckt. Es war, als wenn man früher immer nur mühsam hart an der Küste entlang gesteuert hätte und jetzt erst mit geschwellten Segeln sich mutig hinauswagte in die offene See! Allein die Erweiterung unserer Kenntnis brachte auch einen Rückschlag. Er erzeugte einen Mißmut, eine heftige Unzufriedenheit über die Zustände um 1500. Dem höheren Menschen, dem die Antike die Augen geöffnet, mußten diese Zustände ein Greuel sein. Sie entsprachen so gar nicht dem Bilde, das er sich von den Schönheiten der Kunst, den Tatsachen der Wissenschaft und den Möglichkeiten staatlichen Lebens gemacht. Sie entsprachen auch nicht im mindesten der Überlieferung von dem Urchristentum, das man jetzt erst, nachdem durch den Humanismus die Kenntnis des Griechischen und Hebräischen wieder verbreitet worden, in seiner wahren Gestalt hatte erfassen lernen.

So wurde auf der einen Seite durch das Studium der Antike das Heidentum befördert, dem ein Poggio und der Hesse Mutianus Rufus offen und so manche Literaten und Künstler insgeheim huldigten. Auf der anderen Seite aber wurden die verschütteten Quellen des Christenstums wieder aufgedeckt. Renaissance und Reformation haben sich gegenseitig bedingt, aber auch ihrem innersten Wesen nach sich gegenseitig bekämpft.

Martin Luther war der Sohn eines Bergmanns aus Nordthüringen. Möglich, daß er einen Guß slavischen Blutes in seinen Adern hatte. Er begann seine Laufbahn als Magister, aber warf alle Ehren und Aussichten hin, um als Bettelmönch bei den Augustinern einzutreten. Er quälte sich darüber ab, wie der Mensch selig werden könnte, und rieb sich auf mit asketischen Übungen. Nach drei Jahren ward er jedoch Professor der Philosophie in Wittenberg (1508). Wiederum drei Jahre später reiste er in Ordensangelegenheiten nach Rom. Dort konnte er beobachten, wie stark die damalige Kirche von den Forderungen des Urchristentums abgewichen war. Einstweilen aber wirkten diese Beobachtungen im Stillen, ohne ihn zu Taten fortzureißen. Ähnlich wie manchmal Dichter erst viele Jahre später ein persönliches Erlebnis in ihrer Kunst verwerten.

Wiederum wirkte eine seltsame Verwicklung der Dinge. Leo der Zehnte wollte, von den glänzendsten Künstlern der Renaissance beraten, St. Peter und den Vatikan erbauen — das erhabenste Werk der Christenheit. An seinem Ausbau und seiner Ausschmückung arbeiteten Bramante, Michel Angelo, Perugino; ferner der Liebling der Grazien, Raffael, und später der Begründer des Barock, Bernini Um die Kosten zu der Kirche und dem daran anstoßenden Vatikan, dem ungeheuren Baue, der nicht weniger als elfhundert Zimmer faßt, zu erhalten, schickte der Papst einen Ablaß in die Welt und veranlaßte, daß von den Erzbischöfen und Bischöfen der Ablaß tüchtig vertrieben, das heißt einem gläubigen Publikum zum Kauf angeboten wurde. Zu den Verschleißern, die mit Ablässen hausieren gingen, gehörte Tetzel, der 1517 nach Wittenberg kam. Tetzel war nicht besser und nicht schlechter als viele seiner Genossen. Nun aber geriet er Luthern ins Gehege. Der streitbare Augustinermönch empörte sich darüber, daß der Kommissar des Papstes

„mehr auf Geld, denn auf Beicht’, Reu’ und Leid gesehen“.

Er schlug 95 Thesen an der Schloßkirche zu Wittenberg an, in denen er sich gegen das Ablaßwesen wandte. Auch bot er dem Tetzel eine Disputation an. Dieser, der übrigens schon einmal in Innsbruck zum Tode verurteilt worden war, und zwar wegen Ehebruchs, klagte Luther der Ketzerei an. Nun war das Rad im Rollen. Luther nahm den Kampf gegen den Papst auf. Der Bann wurde ihm in einer päpstlichen Bulle angedroht. Luther verbrannte die Bulle am 10. Dezember 1520 unter großem Zulauf von Studenten und Bürgern vor dem Elstertore von Wittenberg. Das Jahr darauf verteidigte der Reformator seine Anschauungen vor dem Reichstag zu Worms. Danach übersetzte er die Bibel auf der Wartburg, wo er „incognito“ als Ritter Jörg hauste.

Ganz wie ein Ritter benahm sich der Schweizer Reformator, Zwingli, derauch inseiner Lehre weltlicher, nüchternerwar als sein großer Zeitgenosse. Er gürtete sich ein Schwert um und ging, um für seine neue Lehre zu fechten. Zwingli fiel 1532 in der Schlacht bei Kappel.

Auf allen Gebieten brachte die Zeit Neues: Erfindungen, Entdeckungen, Renaissance und Reformation, soziale und staatliche Umwälzungen. Auf politischem Gebiete brachte sie den Europäern überseeische Kolonien und einen Staat, den Karls V., in dem die Sonne nicht unterging. Der Gegenwurf gegen den neuen Imperialismus war die Erhebung der Massen. Durch Vorläufer in Frankreich 1358 und England 1381 vorbereitet, trat seit 1491 auch in deutschen Landen eine Gärung der Bauern hervor. Es kam zum Krieg. Die Bauern verlangten freie Wahl der Pfarrer durch die Gemeinde, Abschaffung der Leibeigenschaft, Holz-, Jagd- und Fischereirecht, Minderung von allerlei Abgaben, endlich die Einführung von Reichs steuern. Luther erklärte sich gegen die „räuberischen und mörderischen Bauern“. Nicht ohne Mühe siegten 1525 die Fürsten und Städte bei Frankenhofen in Thüringen und Königshofen an der Tauber.

Im gleichen Jahre wurde die große Schlacht von Pavia geschlagen. In ihr entschied sich die Niederlage Frankreichs. Franz I. wurde besiegt und gefangengenommen. Nun aber nahmen die Türkenkriege die Aufmerksamkeit in Anspruch.

Text aus dem Buch: Männer, Völker und Zeiten, eine Weltgeschichte in einem Bande, Verfasser: Wirth, Albrecht.

Siehe auch:
Männer, Völker und Zeiten – Anfänge
Der alte Orient und Griechenland
Arier und Chinesen
Juden und Phönizier
Feudalherrschaften in China, Indien, Vorderasien und Hellas
Homer
Assyrer und Perser
Religionsstifter und Philosophen
Perserkriege
Peloponnesischer Krieg
Anfänge Roms
Politischer Niedergang Athens
Alexander der Große
China und Rom
Punische Kriege
Der Staatsbegriff im Altertum
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Römische Spätzeit – Anfänge Japans
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Der Islam
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Anfänge der modernen Völker
Papsttum und Kaisertum – Aufstieg des Papstes
Die Kreuzzüge
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Der Kampf der Weltreligionen
Der Staatsbegriff im Mittelalter
Mongolensturm
Aufschwung der Seestädte
Die Geburt heutiger Volkstümer und Sprachen
Die Zünfte
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    14. Juli 2016
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