Erste Ausstellung der „Künstler-Vereinigung Dresden“

Aus dem Zusammenschluß kleinerer Gruppen von Künstlern hervorgegangen, trat anfangs September die „Künstlervereinigung Dresden“ mit einer ersten Ausstellung in die Öffentlichkeit. Es ist zu begrüßen, daß nun die längst ersehnte Konzentration des bisher arg zersplitterten Kunstlebens von Dresden erreicht scheint. Man findet Talente dort von gesunder Struktur, modernen Zielen, ehrlicher Bemühung, und sie haben jetzt endlich den Schutz einer großen Gemeinschaft gefunden, der ihre Entwickelung beschleunigen kann. Daß die Vereinigung zustande kam, ist wohl besonders der Energie des Bildhauers Georg Wrba zu danken. Und diese erste Ausstellung im Gebäude der Kgl. Kunstakademie auf der Brühlschen Terrasse hat, wenn sie auch keine Überraschungen bereitet, doch dank solider Leistungen der Mitglieder und gestützt von vortrefflichen Gästen aus allen Teilen des Reichs, ein durchaus anständiges und erfreuliches Aussehen. — Den ältesten und bekanntesten der Dresdener Maler,

Gotthard Kuehl, ehrte man durch eine kleine Kollektion im besonderen Raum. Es sind durchweg sichere Arbeiten, von denen ich den „Abbruch der Interimsbrücke“ wegen seiner vorzüglichen farbigen Wirkung hervorhebe. Von Sterl sah man in den letzten Jahren nicht sonderlich glückliche Kompositionen: seine Konzertbilder (Ernst von Schuch und Nikisch) büßen einen Teil der Wirkung ein durch wenig überzeugende Darstellung des Orchesters. Das Problem ist natürlich außerordentlich schwierig und bis jetzt von dem Künstler noch nicht befriedigend gelöst. Am besten wirkt von den ausgestellten Arbeiten der bekannte „Steinbruch“. Eugen Kampf ist mit einer Anzahl von Landschaften gut charakterisiert. Zwintscher sandte neben einem Porträt des Dresdner Oberbürgermeisters Beutler einige seiner viel geschätzten, dekorativen Bilder.  Es interessieren neben diesen Älteren vor allem der Dresdner Nachwuchs und einige Maler mittleren Alters, deren Schaffen bisher kaum in weitere Kreise drang.

Otto Gußmann überrascht durch ein paar gut gemalte, in der Farbenwahl vielleicht noch etwas zu dekorative Aktstudien. Seine besondere Leistung aber ist das „Porträt des Bildhauers Wrba“, groß gesehen und von sicherer, künstlerischer Arbeit. Hegenbarth ist durch einige seiner sympathischen Landschaften mit Tierstaffage gut vertreten. Artur Bendrat und Fritz Beckert laufen Gefahr, zu kolorieren, anstatt zu malen und bei der Vedoute zu enden. Auch in Otto Altenkirchs Landschaften dürfte man etwas mehr von individuellem Leben spüren. Fr vertreibt die „Natur“ aus seinen Bildern, und macht aus den schönsten Bäumen nicht mehr als eine hübsche farbige Komposition. Aus einer Anzahl guter und hoffnungsvoller, technisch und seelisch aber noch nicht ganz freier Begabungen treten hervor: Ferd. Dorsch, Walter Zeising, Siegfried Berndt, Willi. Claus, Paul Wilhelm, E. R. Dietze, Anton Pepino.

Als Radierer erscheinen Otto Fischer und Hans Nadler bedeutender und reifer denn als Maler. Überhaupt machen die Säle der graphischen Arbeiten einen guten Eindruck. Unter den dekorativen Kompositionen fällt die „Studie zu einem Fresko“ von Paul Rößler auf, doch stört der Kontrast von studierter Naturform und Stilisierung, den der Künstler in der Folge wohl noch überbrücken wird. Vorzügliche plastische Arbeiten von Peter Pöppelmann und Georg Wrba sind zu verzeichnen, doch gewinnt man den Eindruck, daß Wrbas Stärke ihren reinsten Ausdruck nicht in seinen Porträts findet. Karl Groß, den man als trefflichen Kunstgewerbler kennt, erfreut durch ein außerordentlich gelungenes Bronzerelief. Erwähnt seien noch gute Leistungen von Artur Lange, Walter Sintenis, Felix Pfeifer und Otto Pilz, bei dem man jedoch einen allzu engen Anschluß an Gauls Arbeiten konstatieren muß.

Klinger sandte außer einem schönen weiblichen Bildnis seine neuesten Radierungen. Von Münchnern sind neben Habermann, Samberger, Georgi u. a., besonders der Landschafter Oßwald, Walter Klemm („Regen“), Adolf Thomann („Dämmerung“) und der Bildhauer Schwegerle (mit einer Anzahl von Plaketten) zu erwähnen. Karlsruhe ist durch Trübner, Dill, Hellwag; Stuttgart durch Pleuer, Pankok, Landenberger („Mädchen am Fenster“) repräsentiert. Von älteren Berlinern wie Liebermann, Slevogt, Corinth, Rhein, Ulrich Hübner, von Brockhusen, Orlik, Käthe Kollwitz sieht man bekannte Stücke.



Die starken Begabungen des Nachwuchses haben ihre jüngsten Arbeiten gesandt: Max Beckmann außer einigen in der Farbe nicht ganz überzeugenden Bildern eine geniale Komposition „die Gefangenen“, Waldemar Rösler u. a. ein ausgezeichnetes „Selbstbildnis“. Von Hans Meid hebe ich den „Abbruch“ hervor. Adolf Sch innerer, der bekannte Radierer, scheint als Maler mit weiten Schritten aufwärts zu schreiten. Sein „Rebgarten am Meer“ zeigt ihn bereits auf bedeutender Höhe der technischen Leistung. — Über die Arbeiten auf dem Gebiet der Architektur und des Kunstgewerbes wird später noch berichtet.

E. Bendek.

Die Schwierigkeit der Kunsterziehung besteht darin, die Empfindungen wachzurufen und zu stärken. Es gilt dabei, die sich darbietenden Ersatzmittel wie Gift zu meiden, denn sie sind es, die die heutige Kunstwirrnis geschaffen’haben.

Hermann Muthesius.

Bildverzeichnis:
Georg Wrba-Brunnen-Figur-Bronze
Oskar Zwintscher-Im Sommergarten
Paul Rössler-Plakat der Ausstellung
Paul Rössler-Studie zu einem Fresko
Robert Sterl-Arbeiter im Steinbruch

Siehe auch:
Die Lebensfrage der Kunst
Die Landschaft ist ein Seelenzustand
Vom Wert der Anschauung
Ein Kriegerdenkmal
Fritz Boehle
Ratschläge vorm Verkauf von Kunstbesitz
Die Kunst nach dem Kriege
Ein Deutsches Ledermuseum
Heldenhaine und Ehrenhaine
Kriegs-Gedächtnis-Male
Krieger-Denkmäler
Constantin Meunier-Denkmal der Arbeit
Die Anfänge einer neuen Architektur-Plastik
Neue Brunnen und Denkmäler von Franz Metzner
Monumentale Kunst
Franz Metzner-Steinmetz und Bildhauer
Bildhauer Georg Kolbe
Zum Denkmals-Problem
Sascha Schneider-Bildhauer und Maler
Die Wiener Plastik und Malerei
Vom Vorstellen und Gestalten des Kunstwerks
Anton Hanak-Bildhauer
Hermann Geibel-Bildhauer
Ausstellung Richard Teschner-Wien 1920
Gaston Béguin
Max Klinger-Dem Grossen Toten
Etwas über Kunstbesitz
Das Kunsthaus in Zürich
Eindrücke von der Brüsseler Welt-Ausstellung
Bernhard Hoetger-Bildhauer
Georg Kolbe-Bildhauer
Eine Deutsche Welt-Ausstellung?