Express-Fahrradwerke A.G.Neumarkt in der Oberpfalz

Eines der am weitesten verbreiteten, nützlichsten und beliebtesten Verkehrsmittel ist seit einem Menschenalter bis zum heutigen Tage das Fahrrad, trotz Automobil und Flugzeug. Eine mit ihren Nebenzweigen imposante Industrie ist erstanden, um den Bedarf aller fünf Erdteile zu decken. Der beträchtliche Anteil Deutschlands an der Weltproduktion von Fahrrädern dürfte jährlich ¾ Millionen Stück betragen, annähernd ⅓ davon werden von der bayerischen Industrie hergestellt.

Es wird im allgemeinen zu wenig gewürdigt, daß gerade in Bayern einige intelligente, mit mechanischen Kenntnissen ausgerüstete Männer die große Bedeutung des Fahrrades vorzuahnen schienen und sich schon vom Jahre 1881 an mit der Herstellung einzelner, tatsächlich brauchbarer und leistungsfähiger Hochräder befaßten. — Dies geschah in München, doch handelte es sich lediglich um vereinzelte handwerksmäßige Ausführungen.

Den Ruhm, die Stätte des ersten fabrikmäßigen Betriebes zur alleinigen Herstellung von Fahrrädern zu sein, nicht nur in Deutschland, sondern auf dem gesamten europäischen Kontinent, darf die oberpfälzische Stadt Neumarkt in Anspruch nehmen. Aus den Werkstätten, welche der Fabrikant Joseph Goldschmidt zu Neumarkt in der Oberpfalz zutn Zweck der Fahrrad-Fabrikation einrichtete, sind eine Reihe sehr tüchtiger Fachleute hervorgegangen, welche zum Teil heute noch in der Fahrrad-Industrie tätig sind, teils als Direktoren, teils als Betriebsleiter und Meister bestehender namhafter Fahrradwerke.

Dieser älteste Betrieb Deutschlands zur Erzeugung von Fahrrädern wurde in dem Anwesen Marktstraße 11 zu Neumarkt i. O. geschaffen und erstreckte sich durch drei Stockwerke. Er enthielt eine Dampfmaschine, die nötigen Dreh-, Fräs- und Bohrmaschinen, sowie Poliererei und Vernickelungs-Einrichtung. Die Vorarbeiten begannen im Jahre 1881 und im darauffolgenden Jahre 1882 war der regelmäßige Betrieb im Gange. Die damals hergestellten Hochräder erfreuten sich einer großen Beliebtheit. Es kam oft vor, daß Käufer von weither, aus entfernten deutschen Gauen in Neumarkt eintrafen und dort die Fertigstellung der bestellten und in Arbeit befindlichen Maschinen abwarteten, um sie persönlich in Empfang zu nehmen.

Der gute Erfolg des Unternehmens hatte zur Folge, daß im Jahre 1884 außerhalb der Stadt in der Nähe des Bahnhofes eine zu diesem Zweck neu aufgebaute größere und den gestiegenen Anforderungen besser entsprechende Fabrik bezogen wurde. Die Fabrik firmierte im Anfang „Goldschmidt und Pirzer. Velociped-Fabrik“, da der Mechaniker Eduard Pirzer aus Ansbach als Leiter des technischen Betriebes eingetreten war. 1885 trennte er sich von seinem Teilhaber Goldschmidt und die Firma lautete hierauf „Gebr. Goldschmidt“. Auf der ersten Fahrradausstellung 1888 in Leipzig war die Firma Gebr. Goldschmidt bereits mit Niederrädern und Dreirädern vertreten.

Ende des Jahres 1896 wurde das Unternehmen in die gegenwärtige Aktiengesellschaft umgewandelt. Um der erhöhten Nachfrage zu genügen und den Betrieb den modernen Anforderungen anzupassen, wmrde sofort die Errichtung umfangreicher Neubauten in Angriff genommen, durch welche sich gegenwärtig das Unternehmen recht ansehnlich repräsentiert. Für die Stadt Neumarkt i. O. ist es ein Faktor von nicht zu unterschätzender wirtschaftlicher Bedeutung geworden.

Der Gründer der Fabrik, Herr Joseph Goldschmidt ist am 22. November 1896 verstorben. Den gegenwärtigen Vorstand der Aktiengesellschaft bilden die Herren Hans Schmidt und August Schröder, von denen ersterer seit Oktober 1899, letzterer seit Mai 1905 tätig ist. Die Betriebsleitung, verbunden mit Prokura, führt Herr Jakob König seit Dezember 1897; seine Tätigkeit in der Fabrik datiert seit deren Gründung, erstreckt sich also nunmehr über 32 Jahre. Die Leitung des kaufmännischen Bureaus befindet sich in den Händen des Prokuristen Herrn Max Krüninger, welcher seit 1898 sich im Dienst der Gesellschaft befindet.

Am 14. Mai 1906 wurde der Fabrik der ehrende Besuch Seiner Königlichen Hoheit des Prinzen Ludwig von Bayern, jetzigen König Ludwig III. von Bayern.zu teil, wobei fast sämtliche Fabrikationsräume besichtigt und verschiedene Fabrikate mit Interesse in Augenschein genommen wurden. Die Arbeiterschaft ließ es sich nicht nehmen, Seiner Königlichen Hoheit ihre Verehrung durch eine spontane und begeisterte Huldigung zum Ausdruck zu bringen.

Es kann an dieser Stelle nicht übergangen werden, daß die Expreß-Fahrradwerke A.-G. über einen Arbeiterstamm von so langjähriger und bewährter Erfahrung verfügen, daß es in dieser verhältnismäßig jungen Industrie wohl beispiellos dastehen dürfte. Wiederholt sind in den letzten Jahren Angestellte des Betriebes für treue 25- bis 30 jährige Arbeitszeit im Dienste der Gesellschaft durch silberne Medaillen und Diplome des K. Bayer. Staats-Ministeriums ausgezeichnet worden.

Die Erzeugnisse der Expreß-Fahrradwerke A.G. erfreuen sich im In- und Auslande eines guten Rufes. Die Gesellschaft stellt nicht eine billige Massenware her, ihr Fabrikat ist vielmehr eine wohlbekannte „Marke“ und wird dementsprechend bewertet. Die Expreß-Fahrräder haben von jeher den Ruf eines besonders leichten Laufes gehabt. Obwohl die äußere Form des Fahrrades heute feststeht, zeigen die Expreß-Fahrräder einzelne bewährte Eigenheiten der Ausführung und haben in mancher Beziehung auf dem deutschen Markt tonangebend und vorbildlich gewirkt.

Siehe auch:
Aktien-Papierfabrik Regensburg
Express-Fahrradwerke A.G.Neumarkt in der Oberpfalz
Jesuitenbrauerei Regensburg in Regensburg
Schlüssel-Bleistift-Fabrik J. J. Rehbach in Regensburg
Das Elektrizitätswerk der Stadt Regensburg
Deutsch-Amerikanische Petroleum-Gesellschaft Hamburg. Benzinfabrik Regensburg.
Dampfsägewerk Arnschwang
Johann Müller, Perlmutterknopf-Fabrik
Eisengießerei Carolinenhütte
Dampfsäge, Hobel- und Spaltwerk, Kistenfabrik
Staatliche Eisenindustrie in der Oberpfalz Amberg-Weiherhammer-Bodenwöhr
Prinz Rupprecht-Quelle vormals Silvana-Sprudel in Groschlattengrün
Bayerische Granitaktiengesellschaft in Regensburg
Tonwerk Prüfening und Braunkohlengrube Friedrichzeche
Städtisches Lagerhaus Regensburg am Luitpoldhafen
Die Kalkindustrie der Walhallastraße
Kalblederfabrik Furth i. Wald
Bayerische Braunkohle-Industrie
Die Malteserbrauerei in Amberg
Terranova-Industrie C. A. Kapferer & Co. in Freihung.
Königlich Bayerische Hofglasmalerei Georg Schneider in Regensburg
Das neue Gaswerk der Stadt Regensburg
Die Stadt Weiden
Naabwerke für Licht- und Kraftversorgung
Kalksandsteinfabrik Roding G.m.b.H.
Königl. Schwellenwerk in Schwandorf
Bayerische Maschinenfabrik Regensburg
Metallhammerwerk u. Bronzefarbenfabrik in Rothenbruck Opf. Aluminiumbronzefabrik in Rauhenstein Opf.
Die Entwicklung des Fahrrades
Tonwerk Blomenhof, G.m.b.H., Neumarkt i. Opf.
Die Flügel- und Piano-Fabrik von Georg Weidig in Regensburg
Eisen- und Metallgießerei, Maschinenfabrik und Kesselschmiede
Dresdener Maschinenfabrik und Schiffswerft Übigau A.G. Werft in Regensburg
Die Anlagen der Benzinwerke Regensburg
Portland – Cementwerk Burglengenfeld
Bürgerbräu Weiden
Aktiengesellschaft Porzellanfabrik Weiden
Holzhandlung, Werke für Holzimprägnierung und Kyanisierung
Porzellanfabrik Tirschenreuth