Filippo Brunelleschi

Geboren 1377 zu Florenz Gestorben 1446 daselbst.

s gibt viele Leute, welchen die Natur eine kleine Gestalt und kleine Gesichtszüge, aber einen großen Geist verliehen hat, und ein so starkes Herz, daß wenn sie nicht schwierige,fast unmögliche Dinge beginnen, und zur Bewunderung anderer vollenden, ihre Seele keine Ruhe hat; ja vieles, was der Zufall in ihre Hände spielt, wie gering und unbedeutend es auch sein mag, wird durch sie groß und preisenswert. Deshalb sollte man nie ein schief Gesicht ziehen, wenn man jemandem begegnet, dessen Gesicht nicht mit jener Schönheit und Anmut geziert ist, welche die Natur denen bei der Geburt verliehen, welche irgend etwas Herrliches üben; denn es leidet keinen Zweifel, daß unter Erdschollen die Goldadern verborgen liegen. Oft besitzt, wer unansehnlich gestaltet ist, so viele Kühnheit und ein so offenes Gemüt, daß wenn edler Sinn sich hiermit verbindet, von solchen Menschen nur Wunderbares zu erwarten steht, indem sie sich anstrengen, den haßlichen Körper durch das Vermögen des Verstandes zu verschönen. Dies erkennt man sehr augenscheinlich bei Filippo di Ser Brunellesco, der ein nicht minder uns scheinbares Äußere hatte, wie Herr Forese da Rabatta und Giotto, dagegen aber solch einen hohen Geist besaß, daß man in Wahrheit sagen kann, er sei uns vom Himmel geschenkt worden, der Baukunst eine neue Form zu geben, die schon seit Jahrhunderten erloschen war. Denn zu jener Zeit wurden von den Menschen viele Reichtümer schlecht verwendet, und Bauten ohne Regel nach schlechter Manier und armseliger Zeichnung, mit seltsamen Erfindungen, mit gesuchter Zierlichkeit und noch schlechteren Verzierungen errichtet; da gefiel es Gott, daß, nachdem die Erde viele Jahre keinen herrlichen und göttlichen Geist besessen hatte, Filippo der Welt das großartigste und schönste von allen Gebäuden hinterließ, welche zur Zeit der Neuern und auch der Alten aufgeführt worden sind, und dadurch zeigte, wie Geschick und Einsicht bei den toskanischen Künstlern zwar eine Zeitlang verschwunden, aber nicht ausgestorben war. Ihn schmücken außer seinem Talent noch herrliche Tugenden, darunter vornehmlich die der Freundschaft, denn nie ist ein Mensch mehr als er gütig und liebevoll gewesen. In seinem Urteil war er frei von Leidenschaft, und wo er die Vorzüge anderer anerkannte, opferte er ihnen seinen Vorteil und den Gewinn seiner Freude auf. Er kannte sich selbst, lehrte vielen seine Weise in der Kunst, und stand in jeder Not seinem Nächsten bei, erklärte sich für einen Erzfeid der Laster, und für einen Freund derer, welche Tugend üben, ließ seine Zeit nie müßig verstreichen, sondern mühte sich immer, seine oder fremde Arbeiten zu fördern und den Bedürfnissen anderer abzuhelfen, suchte seine Freunde auf und war ihnen immerdar hilfreich.

Zu Florenz lebte, wie man erzählt, ein Mann von sehr gutem Rufe, rühmenswerten Sitten und tätig in seinen Geschäften, welcher Ser Brunellesco di Lippo Lapi hieß. Der Großvater dieses Mannes, Cambio genannt, war sehr gelehrt und der Sohn eines zu damaliger Zeit berühmten Arztes gewesen, der Maestro Ventura Bacherini genannt ward. Ser Brunellesco erwählte sich zur Frau ein Mädchen von sehr guten Sitten, die aus der edlen Familie der Spini stammte; er erhielt als Heiratsgut ein Haus, in welchem er und seine Kinder bis zu ihrem Tode wohnten, und dies Haus ist in einem Winkel gelegen, der Seitenwand von S. Michele Berteldi gegenüber, wenn man über den Platz der Agli weg ist. Während Brunellesco mit Fleiß seine Berufsgeschäfte übte und vergnügt lebte, ward im Jahre 1377 ihm ein Sohn geboren, dem er den Namen Filippo gab, zum Andenken an seinen Vater, der schon tot war, und er feierte diese Geburt so fröhlich er nur konnte. Als der Knabe heranwuchs, unterrichtete er ihn mit allem Fleiß in den ersten Anfängen der Wissenschaften, wobeiFilippo so viel Einsicht und seltenen Verstand kundgab, daß es oft in Verwunderung setzte, warum er nicht trachtete, darin ganz vollkommen zu werden, sondern vielmehr seine Gedanken auf Dinge von höherem Nutzen zu richten schien. Ser Brunellesco, welcher wünschte, er hätte gleich ihm den Beruf eines Notarius, oder den seines Ältervaters gewählt, war hierüber sehr mißvergnügt; weil er indessen sah, daß jener stets den sinnreichen Gegenständen der Kunst und Mechanik nachjagte, ließ er ihn rechnen und schreiben lernen, und übergab ihn sodann der Goldschmiedezunft, damit er von einem seiner Freunde im Zeichnen unterrichtet werde. Dies geschah zu großer Befriedigung Filippos, der wenig Jahre, nach dem er angefangen hatte, in jener Kunst zu arbeiten, schon besser wie viele alte Meister edle Steine zu fassen verstand. Er führte Niello- und Grosseriearbeiten aus, darunter zwei sehr schöne Propheten aus Silber in halber Figur für den Altar S.Jacopo zuPistoja im Auftrag der dortigen Kirchenvorsteher, auch einige halberhobene Arbeiten, bei denen erzeigte, wie er jene Kunst so wohl verstehe, daß sein Geist ihre Grenzen überschreiten müsse. Als er daher einige gelehrte Leute kennen gelernt hatte, beschäftigte sich seine Phantasie mit dem Maß der Zeit, und mit der Bewegung der Räder und Gewichte; er sann nach, wie man es zu machen habe, daß sie sich drehen, und verfertigte einige sehr gute und schöne Uhren. Doch auch dies stellte ihn nicht zufrieden, und es erwachte in seinem Sinn ein großes Verlangen nach der Bildhauerkunst, wodurch geschah, daß er mit Donatello in nahe Freundschaft trat, der jung noch, in dieser Kunst aber schon sehr vorzüglich war und zu vielen Erwartungen berechtigte. Beide Künstler faßten wegen der Vorzüge, die ein jeder besaß, solche große Liebe zueinander, daß es schien, als könne keiner ohne den andern leben. Filippo aber, der viele Dinge zu ergreifen vermochte, beschäftigte sich immer mit mehrerlei Gewerben, und es dauerte gar nicht lange, so galt er auch bei einsichtigen Menschen für einen guten Baus meister. Dies bewies er bei vielen Gelegenheiten, wo man Gebäude zu verschönern suchte; unter andern beim Hause von Apollonio Lapi, seinem Verwandten, auf der Seite der Ciai gegen den alten Markt zu, indem er sich sehr mühte, bei diesem Bau allerlei Hilfe zu leisten. Das selbe tat er bei dem Turme und Hause von Petraja a Castello außerhalb Florenz. Im Palast der Signoria ordnete und verteilte er alle Zimmer, wo die Beamten des Leihhauses ihre Dienste taten, und brachte dort Türen und Fenster nach antiker Art an, was damals nicht sehr gewöhnlich war, weil die Baukunst in Toskana noch roh ausgeübt wurde. Zu Florenz sollte nunmehr für die Mönche von Santo Spirito eine Statue der büßenden Maria Magdalena von Lindenholz gearbeitet werden, um sie nach einer der Klosterkapellen zu bringen, und Filippo, der viele kleine Bildhauerwerke verfertigt hatte, übernahm diesen Auftrag, voll Verlangen,[zu zeigen, daß er auch große Statuen wohl auszuführen vermöge. Dies Werk galt, vollendet und aufgestellt, für eine schöne Sache, wurde jedoch im Jahre 1471 beim Brand von Santo Spirito gleich andern bemerkenswerten Dingen vom Feuer verzehrt.

Filippo beschäftigte sich viel mit Perspektive, worin man damals gar keine Übung hatte, und eine Menge Dinge falsch ausführte. Auf dies Studium verwendete er einen großen Teil seiner Zeit, bis er eine vollkommen richtige Methode fand, nämlich die von Grundriß und Profil ausgeht und sich durchschneidender Linien bedient, eine fürwahr sinnreiche und der Zeichenkunst sehr nützliche Sache, an welcher Filippo ein solches Vergnügen fand, daß er den Platz von S. Giovanni mit allen den Abteilungen der schwarzen und weißen Marmorfelder an der Kirche in eine Zeichnung brachte, worin die entfernten Teile sich auf eine sehr zierliche Weise verkürzten. In der selben Weise stellte er das Gebäude der Misericordia samt den Buden der Hippem bäcker und dem Gewölbe der Pecori dar, und auf der anderen Seite die Säule des heiligen Zenobius; von Künstlern und von allen, welche in der Kunst ein Urteil hatten, sehr gelobt, gab diese Arbeit ihm Mut, bald nachher eine Ansicht vom Palast, dem Markt, der Loge der Signoren und dem Dach der Pisani, samt allem, was man dort umher gebaut sieht, aufzunehmen, und diese Zeichnungen erweckten den Geist anderer Künstler, welche sich sofort mit großem Studium hierauf wandten. Vornehmlich lehrte er diese Kunst dem Maler Masaccio, seinem Freunde, welcher damals noch sehr jung war und ihm viele Ehre machte durch das, was er darin leistete, wie die Gebäude in seinen Gemälden bezeugen. Ebenso ließ Filippo nicht nach, diejenigen besser zu unterrichten, welche sich mit eingelegten Arbeiten beschäftigten, d. h. der Kunst, buntes Holz zusammenzusetzen; er trieb sie dermaßen an, daß er eine gute Methode und viel Nützliches herbeiführte, wodurch in dieser Art von Arbeit damals sowohl als später eine Menge schöner Dinge ausgeführt worden sind, welche Florenz lange Jahre Ruhm und Vorteil gebracht haben. Nach jener Stadt kehrte damals Herr Paolo dal Pozzo Toscanelli zurück, und als dieser eines Abends mit mehreren Freunden in einem Garten saß, lud er auch Filippo zu sich ein, der ihn dort viel Mathematik reden hörte; beide wurden bald bekannt und vertraut, und Filippo ließ sich von Toscanelli in der Geometrie unterrichten, wobei er, obschon nicht in den Wissenschaften bewandert, doch durch Praxis und Erfahrung in allen Dingen so gute Beweise zu führen wußte, daß er jenen oft in Verwirrung brachte. So mühte sich auch Filippo, der nicht rasten konnte und immer weiter schritt, um Auslegung der heiligen Schrift, und ließ nicht ab, den Streitigkeiten und Predigten gelehrter Leute beizuwohnen. Flierbei hatte er durch sein vortreffliches Gedächtnis großen Gewinn, und der obengenannte Herr Paolo pflegte rühmend von ihm zu sagen, wenn er Filippo disputieren höre, scheine er ihm ein zweiter Paulus. Zu derselben Zeit wandte er auch viel Studium auf die Werke Dantes, die er in bezug auf die Schilderungen der Örtlichkeiten und ihrer Entfernungen sehr wohl verstand und oft im Gespräch anbrachte, indem er sich ihrer Gleichnisweise bediente.

Im Jahre 1401 beschlossen Donato und Filippo auf ein paar Jahre nach Rom zu gehen; Filippo, um sich in der Baukunst, Donato, um sich in der Bildhauerkunst zu üben, was Filippo tat, damit er Lorenzo und Donato um so vielmehr übertreffe, als die Baukunst den Menschen mehr Nutzen bringt, wie die Bildhauerkunst und die Malerei.

Er verkaufte sein Gütchen in Settignano, welches ihm zugehörte, verließ zugleich mit Donato Florenz und begab sich nach Rom, woselbst er im Anschauen der mächtigen Gebäude und derVollkommenheit der Tempel oft also versunken war, daß er außer sich zu sein schien. Er ließ die Gesimse messen und nahm die Grundrisse der Gebäude auf, und er sowohl als Donato waren um ermüdlich und scheuten weder Zeit noch Kosten. Keinen Ort in Rom und außerhalb in der Campagna ließen sie unbesehen, nichts ungemessen, was gut war und wozu sie gelangen konnten, und Filippo, der keine häuslichen Sorgenhatte, ergab sich ganz dem Studium und kümmerte sich nicht um Essen und Schlafen, sondern richtete sein Augenmerk einzig auf die Baukunst, in welcher die gute alte Manier erloschen war, nicht aber die barbarische deutsche, welche zu seinerzeit sehr geübt wurde. Zwei große Gedanken waren es, die er verfolgte, der eine, die gute Baumethode wieder ans Licht zu bringen, indem er hoffte, wenn dies ihm gelinge, ein nicht minder rührm liches Gedächtnis von sich zu hinterlassen, wie Cimabue und Giotto, der zweite, ein Mittel zu finden, wie er die Kuppel von Santa Maria del Fiore wölben könne, wobei dieSchwierigkeiten so groß waren,daß nach demTode von Arnolfo Lapi kein Baumeister Mut genug besessen hatte, sie anders als mit einem großen Gerüste von Holzwerk aufbauen zu wollen. Diesen Gedanken teilte er weder Donato noch sonst einer Seele mit, ließ aber nicht nach, alle Schwierigkeiten zu erwägen, unter denen die Rotonda in Rom gewölbt worden war; er hatte alle Wölbungen des Altertums betrachtet und gezeichnet und wandte hierauf dauerndes Studium. Wenn daher die beiden Künstler zufällig in der Erde verschüttete Überreste von Kapitellen fanden, Säulen, Gesimse und Postamente von Gebäuden, so ließen sie nachgraben, um das Fundament zu finden, und gingen sie auf solchen Wanderungen nachlässig gekleidet, durch die Straßen Roms, so wurden sie die Schatzgräber genannt; die Leute glaubten, sie trieben die Punktierkunst und wollten verborgene Reichtümer suchen, woran vornehmlich schuld war, daß sie eines Tages einen antiken irdenen Krug mit Münzen gefunden hatten. Filippo mangelte das Geld, deswegen schaffte er sich Hilfe, indem er für Goldarbeiter, die seine Freunde waren, Edelsteine faßte, eine Sache, die im Preise stand; und als Donato nach Florenz zurückkehrte, blieb er allein in Rom, woselbst er mit noch größerem Studium als früher den Überresten der alten Bauten nachforschte und sich unausgesetzt übte; ja er hatte nicht Ruhe, bis er alle Arten von Gebäuden gezeichnet hatte, runde, viereckige, achteckige Tempel, Basiliken, Wasserleitungen, Bäder, Bogen, Kolosseen, Amphitheater und alle verschiedenen Tempel von Backsteinen, bei denen er herausbrachte, wie sie verbunden und verkettet, und zugleich, wie sie in den Wölbungen gelegt sind; er zeichnete alle Arten von Schnitten, Verkeilungen und Verzahnungen, und weil er bei allen runden Steinen auf der untern Seite ein Loch gewahrte, so fand er, daß dies zum Behufe des Eisens sei, womit die Steine aufgezogen werden, und welches wir die Steinzange nennen, erneute diese Erfindung und führte ihren Gebrauch wieder ein. Er war es, welcher dorische, korinthische und ionische Bauart sonderte, und dies Studium so eifrig trieb, daß sein Geist ihn fähig machte, Rom vor sich zu sehen, wie es vor seiner Zerstörung gestanden hatte. Im Jahr 1407 ward Filippo durch die Luft in dieser Stadt ein wenig unwohl, und als seine Freunde ihm rieten, den Ort zu verändern, begab er sich nach Florenz, woselbst in seiner Abwesenheit viele Bauwerke gelitten hatten, für die er bei seiner Zurückkunft eine Menge Zeichnungen machte und mancherlei Rat gab. In dem selbenjahr wurde zu Florenz eine große Menge Baumeister und Sachkundige von den Werkmeistern von Santa Maria del Fiore und der Zunft der Wollarbeiter einberufen, um zu überlegen, wie man die Kuppel der Kirche zu wölben habe. Unter diesen war Filippo, und er erteilte den Rat, man müsse den Bau über das Dach hinausführen, nicht nach der Zeichnung Amolfos gehen, sondern einen Fries von fünfzehn Ellen Höhe errichten und in der Mitte jeder Wand ein großes Fenster anbringen, weil dadurch nicht nur das Gewicht von den Pfeilern der Tribüne genommen werden würde, sondern auch die Kuppel sich leichter wölben müsse; er arbeitete hierzu Modelle, und schickte sich an, sie auszuführen.

Einige Monate nachher stand Filippo mit Donato und andern Künstlern auf dem Platze von Santa Maria del Fiore, und sie redeten von den Bildhauerwerken des Altertums; da erzählte Donato, bei seiner Rückkehr von Rom sei er über Orvieto gegangen, um daselbst die Marmorverzierung der berühmten Fassade des Domes zu sehen, welche von verschiedenen Meistern gearbeitet und für damalige Zeiten sehr merkwürdig sei; auf dem Wege durch Cortona habe er sodann in der Dechanei daselbst ein wunderschönes antikes Mamorbecken mit Bildwerken gefunden, eine damals seltene Sache, weil noch nicht jene große Menge von Dingen ausgegraben war, wie in unsern Tagen. Donato fuhr fort zu schildern, in welcher Weise der Künstler dies Werk vollführt habe, welche Feinheit, Vollkommenheit, und Meisterschaft man darin erkenne, und erweckte in Filippo ein so mächtiges Verlangen, es zu sehen, daß er, wie er war, im Mantel mit der Kapuze und den Holzschuhen von ihnen fort und zu Fuß nach Cortona ging, von mächtiger Liebe zur Kunst getrieben. Als er das Becken sah, und es ihm wohlgefiel, zeichnete er es mit der Feder nach, und ging damit nach Florenz zurück, ohne daß Donato oder sonst jemand gewahr worden wäre, daß er fortgewesen; sie glaubten, er zeichne etwas, oder sinne irgendeiner Sache nach.

In Florenz angelangt, wies er die Zeichnung des Beckens vor, die er mit Fleiß gefertigt hatte, und Donato verwunderte sich sehr über seine große Liebe zur Kunst. Filippo aber blieb viele Monate in Florenz und arbeitete insgeheim Modelle und Maschinen, alle für den Bau der Kuppel. Dabei trieb er mit den Künstlern Scherz, denn in jener Zeit war es, wo er den Spaß mit dem Dicken und Matteo ausgehen ließ.

Oftmals auch half er zu seinem Vergnügen Lorenzo Ghiberti beim Ausputzen der Bronzetüre und brachte so seine Zeit hin, als er eines Tages hörte, es sei die Rede davon, Kriegsbaumeister kommen zu lassen, welche die Kuppel ausführen sollten, und dies erweckte in ihm den Einfall, nach Rom zurückzugehen; er glaubte, man werde ihn mit besserer Meinung von anderem Ort berufen, als wenn er in Florenz bleibe. Während er demnach in Rom verweilte und jenes Werk in Überlegung kam, gedachte man seines durchdringenden Verstandes, der ihn bei den Beratungen eine Sicherheit und einen Mut zeigen ließ, wie in den andern Meistern nicht zu finden war; denn diese traten erschreckt mit den Maurern zusammen und hatten alle Kraft verloren, in der Überzeugung, sie würden kein Mittel finden, die Kuppel zu wölben, noch ein Holz zum Gerüste, welches stark genug wäre, das Sparrwerk und die Last eines so mächtigen Baues zu tragen. Um daher ein Ende der Sache zu sehen, beschloß man, daß nach Rom an Filippo geschrieben und er gebeten werden sollte, sich nach Florenz zu begeben. Filippo, der kein ander Verlangen trug, kam sehr freudig, und es versammelten sich bei seiner Ankunft sogleich die Werkmeister von Santa Maria del Fiore samt den Konsuln von der Zunft der Wollarbeiter, um alle Schwierigkeiten, von der größten bis zur geringsten, ihm mitzuteilen, welche die Meister, die in der Versammlung gegenwärtig waren, bei dieser Sache vorbrachten. Filippo erwiderte hierauf: „Meine Herren Werkmeister, es leidet keinen Zweifel, daß die Vollführung großer Unternehmungen immer Schwierigkeiten hat, und war dies jemals bei einer, so ist es, mehr vielleicht als ihr denkt, hier bei der euren der Fall; denn ich weiß nicht, daß selbst die Alten jemals ein so ungeheures Gewölbe aufgeführt‘ hätten, wie dieses hier werden wird; ich, der oft daran dachte, welche Gerüste man innen und außen anbringen könnte, und wie man es machen müsse, um sicher daran zu arbeiten, habe nie einen Entschluß fassen können, und es schreckt mich nicht minder die Breite als die Höhe des Gebäudes. Könnte die Kuppel rund gewölbt werden, so möchte man sie errichten, wie die Römer das Pantheon, die Rotonda zu Rom erbauten, doch hier muß man den acht Wänden folgen und Ketten und Verzahnungen von Steinen anbringen, was eine sehr schwierige Sache sein wird. Nur wenn ich daran denke, daß diese Kirche Gott und der Jungfrau geweiht ist, so vertraue ich, daß bei einem Werke zu ihrer Ehre, sie nicht unterlassen wird, das Wissen zu erweitern, wo es fehlt, und Geist, Kraft und Kenntnisse dessen zu stärken, welcher eine solche Sache unternimmt. Was jedoch kann ich euch hierbei helfen, da es nicht mein Werk ist? Käm’ es mir zu, so würde ich sicherlich Mut genug besitzen, um Mittel zu finden, daß man jene Kuppel ohne solche Schwierigkeiten wölben könnte. Noch habe ich mir nichts überlegt, und ihr wollt, ich soll sagen, wie man es machen müsse? —Wenn ihr, meine Herren, beschließt, daß dieser Bau vollführt werden soll, werdet ihr nicht nur genötigt sein, mich zu prüfen, der ich nicht glaube, bei solchem großen Werk genügend raten zu können, sondern auch Geld anwenden müssen, und bestimmen, daß in Jahresfrist an einem festgesetzten Tag außer den toskanischen und italienischen Baumeistern auch welche aus Deutschland, Frankreich und von anderen Nationen in Florenz Zusammenkommen; ihr werdet ihnen dieses Werk vorlegen müssen, damit nach Beratung und Beschluß so vieler Meister die Arbeit dem gegeben werde, welcher bei der Probe am richtigsten zu Werke gehen, oder die beste Beurteilung und Einsicht zeigen wird, solchen Bau zu errichten. Einen andern und bessern Rat weiß ich nicht zu geben.“

Dieser Vorschlag gefiel den Konsuln und Obermeistern, nur wäre ihnen lieb gewesen, Filippo hätte unterdes schon ein Modell gearbeitet und darüber nachgedacht. Er aber schien dies nicht zu achten, sondern beurlaubte sich, indem er sagte: man treibe ihn in Briefen sehr, nach Rom zu kommen. Die Konsuln, welche sahen, daß weder ihre noch der Werkmeister Bitten Filippo zu halten vermochten, ließen ihn durch viele seiner Freunde hierzu auffordern, und als auch diese ihn nicht bewegen konnten, ward ihm am Morgen des sechsundzwanzigsten Mai’s im Jahre 1417 von den Werkmeistern ein Geschenk gemacht, welches sich, als Filippo gezahlt, in den Büchern der Domverwaltung eingerechnet findet. Dies alles geschah, um ihn der Sache geneigt zu machen ; Filippo jedoch blieb bei seinem Vorsatz, verließ Florenz und kehrte nach Rom zurück, wo er ohne Unterlaß für dies Werk Studien machte, und sich vorbereitete, es zu vollenden, überzeugt, wie er es war, daß kein anderer als er es vermöchte. Den Rat, noch mehr Baumeister kommen zu lassen, hatte er nur gegeben, damit sie die Größe seines Geistes bewundern möchten, nicht aber, weil er glaubte, sie würden Auftrag erhalten, diese Kuppel zu wölben und ein Geschäft zu übernehmen, welches allzu schwierig war. Es verstrich viel Zeit, bevor aus verschiedenen Gegenden die Künstler kamen, die man von weither durch florentinische Kaufleute hatte be? rufen lassen, welche in Frankreich, Deutschland, England und Spanien wohnten und Anweisung hatten, kein Geld zu sparen, um von den Fürsten jener Länder die erfahrensten und besten Meister zu erhalten und diese zu schicken. Im Jahre 1420 endlich waren alle fremden und toskanischen Künstler und alle sinnreichen Meister der Zeichenkunst von Florenz in dieser Stadt versammelt, und auch Filippo kehrte von Rom dahin zurück. Im Flause der Domvorsteher kamen sie zusammen im Beisein der Konsuln, der Vorsteher und einer Auswahl der einsichtigsten Bürger, damit man die Meinung eines jeden vernehmen, und beschließen könne, wiejeneKuppel gewölbt werden solle.

Dort rief man einen nach dem andern vor und vernahm von einem jeden, was er über die Führung des Baues ersonnen hätte, wobei es eine vorzügliche Sache war, die seltsamen und verschiedenenAnsichten zu vernehmen, denn einer meinte, man müsse, um die Last zu stützen, Pfeiler vom Boden auf mauern, darauf die Bogen wölben und die Sturmdächer aufstellen. Andere sagten, es werde gut sein, mit Schwammstein zu bauen, um daß durch die Last zu vermindern; viele kamen überein, in der Mitte einen Pfeiler zu errichten und die Kuppel ähnlich der von S. Giovanni zu Florenz gleich einem Zeltdach zu bauen, und endlich fehlte es nicht an einem, welcher meinte, man solle sie mit Erde ausfüllen und Pfennige darunter mischen, wenn sie aber gewölbt sei, Erlaubnis geben, daß von dort Erdreich holen könne, wer nur wolle, wodurch in kurzem das Volk ohne Kosten jenen Schutt wegbringen werde. Filippo allein sagte, man könne sie ohne solch eine Menge Holzwerk, ohne Pfeiler und Erdreich, mit weit weniger Aufwand als Bogen fordern würden, und sehr leicht ohne Gerüste aufführen.

Die Konsuln, Werkmeister und Bürger, welche glaubten, sie würden einen schönen Plan vernehmen, hielten dafür, Filippo habe etwas Einfältiges gesagt, und machten sich darüber lustig, verspotteten ihn, wandten sich von ihm ab, und sagten, er solle von etwas andern reden, dies sei der Rat eines Toren, wie er selbst wäre. Beleidigt durch solches Benehmen, antwortete Filippo: „Meine Herren, überlegt, daß nicht möglich ist, sie in anderer als in dieser Weise zu wölben, und ob ihr mich auch verlacht, werdet ihr dennoch, wenn ihr nicht hartnäckig sein wollt, es anerkennen müssen, daß sie nur so und nicht anders ausgeführt werden darf und kann. Soll sie aufgeführt werden, wie ich es meine, so muß sie in weiten Spitzbogen laufen und muß doppelt werden, die eine Wölbung innen, die andere außen, so daß man zwischen beiden gehen kann. Auf den Ecken der acht Wände muß der Bau durch die Stärke der Steinverzahnungen verbunden werden, und ebenso muß an den Seiten eine Kette von Eichenholz hinlaufen. Noch ist nötig, an Lichter, an Treppen und an die Wasserleitung zu denken, durch welche der Regen abfließen kann, und keinem von euch ist eingefallen, acht zu haben, daß innen das Gerüst zur Mosaikarbeit angebracht werden muß, und daß noch sonst eine Menge schwieriger Dinge zu erwägen sind; ich aber, der ich sie gewölbt schaue, weiß, daß es kein anderes Mittel und keinen anderen Weg gibt, sie zu erbauen, als den, welchen ich gezeigt habe.“ Filippo, der sich im Reden erhitzte, und seine Gedanken klarzumachen suchte, damit man ihn verstehen möchte, brachte mehr und mehr Zweifel vor, so daß er immer weniger Glauben fand und für einen Toren und Schwätzer galt. Zu öftemmalen ward ihm gesagt, er möchte gehen; weil er es aber nicht tat, ließ man ihn endlich als verrückt von den Gerichtsdienem aus der Versammlung tragen, und diese Beschimpfung war schuld, daß er nachmals sagte, er wage nicht, sich in irgendeinem Teil der Stadt sehen zu lassen, aus Furcht, man möchte rufen: Seht den Narren 1 — Die Konsuln blieben in der Versammlung zurück, verwirrt durch die schwierigen Vorschläge, welche die andern Meister vorerst kundgegeben und durch den letzten RatFilippos, der ihnen albern vorkam, indem sie meinten, er mache dies Werk durch zwei Dinge unausführbar, erstlich, weil er es doppelt bauen wolle, wodurch es ein übermäßig großes Gewicht bekommen werde, und zweitens, weil er es ohne Gerüst aufzuführen gedenke. Filippo dagegen, der so viele Jahre Studien aufgewandt hatte, damit er diesen Bau vollführen könne, wußte nicht, was er tun solle und trug zu öfternmalen Vers langen, von Florenz fortzugehen; einzig der Wunsch, den Sieg davonzutragen, gab ihm Mut, sich mit Ges duld zu waffnen, und er hatte genug gesehen, um zu wissen, daß die Einwohner unserer Stadt nicht lange auf einem Dinge festbleiben. Ein kleines Modell würde er haben zeigen können, wollte es aber nicht, weil er die geringe Einsicht der Obermeister, den Neid der Künstler und den Wankelmut der Bürger kannte, von denen einer diesen, ein anderer jenen begünstigte, wie ihnen gefiel, worüber ich mich nicht wundere, da in Florenz ein jeder Profession daraus macht, in diesen DingenKenner zu sein, gleich geübten Meistern, obgleich nur wenige etwas davon verstehen, deren unbeschadet die^ gesagt sei. Was Filippo im Magistrat nicht vermocht hatte, suchte er im einzelnen zu betreiben, indem er bald mit einem der Konsuln oder Werkmeister, bald mit einzelnen Bürgern redete; einen Teil seiner Zeichnungen vorwies und sie endlich dahin brachte, daß sie beschlossen, dies Werk entweder ihm oder einem jener fremden Künstler zu übertragen.

Hierdurch mutig geworden, versammelten sich die Konsuln, Werkmeister und Bürger, und die Künstler stritten über diesen Gegenstand, wurden aber alle durch genügend Gründe von Filippo besiegt, wobei man sagte, daß der Streit mit dem Ei entstand, wie hier folgt: Jene Meister trugen Verlangen, Filippo möchte seine Meinung aufs genaueste sagen und sein Modell zeigen, wie sie mit dem ihren getan hatten; er aber wollte nicht, sondern schlug den fremden und einheimischen Künstlern vor, es solle die Kuppel bauen, wer auf eine Marmortafel ein Ei aufzustellen vermöge; hieran könnte man ihren Verstand wahrnehmen. Ein Ei ward geholt, und alle versuchten es aufrecht zu stellen, keiner aber erfand das Wie, und als daher Filippo gesagt ward, so möge er es tun, nahm er es zierlich in die Hand, gab auf der Marmortafel der Spitze einen Druck und stellte es aufrecht hin. Die Künstler, welche dies sahen, lärmten und riefen, so hätten sie es auch gekonnt; doch Filippo erwiderte lachend: ,,ihr würdet auch wissen, wie die Kuppel zu wölben sei, wenn ihr die Zeichnung oder das Modell gesehen hättet.“ — Demnach ward beschlossen, Filippo soll dies Werk zur Ausführung bringen; es wurde ihm aufgetragen, die Konsuln und Werkmeister genauer zu unterrichten, und er ging nach Hause und schrieb so offen, als er nur immer konnte, seine Meinung auf ein Blatt, um es dem Magistrat in folgender Form zu übergeben:

„Da ich, geehrte Herren Obermeister, die Schwierigkeit dieses Baues beachtet habe, finde ich, daß man die Kuppel nicht völlig rund wölben kann. Die obere Fläche, wo die Laterne ist, würde dadurch so groß werden, daß sie bald einstürzen müßte, wenn man eine Last darauf legen wollte, und es scheint mir, daß jene Meister, welche nicht an die ewige Dauer dieses Werkes denken, weder Liebe zum dauernden Gedächtnis zeigen, noch auch wissen, wozu sie es tun. Ich nun habe mich entschlossen, diese Wölbung innen in Zwickeln nach der Stellung der Wände zu bauen, und ihnen das Maß und den Schnitt des Spitzbogens zu geben, denn dieses ist ein Bogen, der immer nach oben treibt; setzt man nun hierauf die Last der Laterne, so wird eines dem andern Dauer verleihen. Die Dicke des Gewölbes muß unten, wo es anfängt, drei und dreiviertel Ellen betragen, dann muß es pyramidenartig emporsteigen, bis dahin, wo es sich schließt und wo die Laterne durchkommt, und hier muß die Dicke ein und einviertel Elle betragen. Von der äußeren Seite nunmehr wird noch ein anderes Gewölbe gebaut, das innere vor dem Regen zu schützen. Dies wird unten zwei und eine halbe Elle dick und muß wiederum pyramidenartig nach Verhältnis abnehmen, so daß es sich beim Anfang der Laterne schließt wie das andere und in der höchsten Höhe die Stärke von zwei Dritteln von seiner unteren Dicke hat. Auf jedem Winkel errichte man einen Strebepfeiler, was in allem acht macht, in der Mitte jeder Wand zwei, was sechszehn sind, und zwar müssen diese sechszehn Strebepfeiler auf der innem und äußern Seite der acht Wände jeder unten vier Ellen stark sein; die beiden Wölbungen lasse man pyramidenartig gemauert in gleichem Verhältnis längs einander hinlaufen, bis zur Höhe des runden Fensters, welches durch die Laterne geschlossen ist. Man führe die vierundzwanzig Strebepfeiler auf, baue umher die Wölbungen und sechs starke und lange Bogen von (Macigno) Sandsteinen, wohl mit verzinntem Eisenwerk befestigt, und bringe über jenen Sandsteinen eiserne Klammern an, welche die Gewölbe mit den Wandpfeilern verbinden. Vom Grund auf muß man, ohne einen Zwischenraum zu lassen, bis in die Höhe von fünf und einer viertel Elle mauern, dann die Strebepfeiler weiter führen und die Wölbung trennen; der erste und der zweite Kreis von unten auf müssen beide überall durch lange, der Quere nach gelegte Sandsteine Festigkeit bekommen, so daß beide Wölbungen der Kuppel auf den letzteren ruhen. Und in der Höhe von neun Ellen zu neun Ellen in der Wölbung bringe man zwischen jedem Pfeiler kleine Gewölbchen an, mit Verkettungen von starkem Eichenholz, welche die Strebepfeiler verbinden, die das innere Gewölbe tragen, und überdecke diese Eichenholzverkettungen mit Eisenplatten, was wegen der Treppen geschehen muß. Die Wändpfeiler baue man alle von Sandstein oder Mergelstein (Pietraforte) und ebenso von Mergelstein die Wände der Kuppel bis in die Höhe von vierundzwanzig Ellen, wo sie mit den Wandpfeilern verbunden bleiben; von da an aber muß mit Backsteinen oder Schwammsteinen (Spugna) gemauert werden, welche von beiden der Meister, welcher das Werk zu vollenden hat, am leichtesten erachtet. Außen umher über den Fenstern lasse man einen Gang laufen, welcher unten eine Galerie mit durchbrochener Brustwehr, zwei Ellen hoch nach Verhältnis von denen der untern Tribüne oder zwei Cänge bildet, einer über dem andern, über einem wohlverzierten Gesims, so daß der obere Gang unbedeckt bleibt. Das Regenwasser von der Kuppel aufzufangen, baue man eine Marmorrinne, die eindrittel Elle Breite hat und das Wasser auf einer Seite ausspeit, die unter der Rinne mit Mergelstein gemauert ist. Außen auf der Oberfläche der Kuppel bringe man an den Ecken acht Marmorrippen von gehöriger Dicke an, die eine Elle hoch über die Kuppel emporstehen, mit Dachgesimsen versehen und zwei Ellen breit sind, so daß von allen Seiten First und Dachrinne ist, und diese müssen von ihrer Verzahnung bis zum Ende pyramidenartig laufen. Die Kuppel baue man nach der Art, wie oben gesagt ist, und ohne Stützwerk dreißig Ellen hoch, von da an nach oben aber in der Weise, welche von den Meistern geraten werden wird, die sie aufbauen, weil Übung lehrt, was man zu tun habe.“

Als Filippo dies geschrieben, begab er sich des Morgens in den Magistrat und übergab sein Blatt den Vorstehem, welche das Ganze in Überlegung nahmen. Zwar vermochten sie nicht alles zu verstehen, weil sie aber den kühnen Mut Filippos erkannten und sahen, wie keiner der andern Meister auf festeren Füßen stand, er hingegen Sicherheit in seinen Reden zeigte und immer das selbe so wiederholte, daß es schien, als habe er sicherlich schon zehn Kuppeln gewölbt, traten sie zusammen und beschlossen, ihm das Werk zu übergeben, nur hätten sie zuvor gern eine geringe Probe wenigstens gesehen, wie er das Gewölbe ohne Stützwerk mauern wolle, alle anderen Dinge billigten sie.

Diesem Wunsch war das Glück günstig, denn da Bartolommeo Barbadori in Santa Felicitä eine Kapelle wollte bauen lassen und schon deshalb mit Filippo geredet hatte, legte dieser sogleich Hand ans Werk und ließ sie ohne alles Gerüste mauern. Jene Kapelle liegt rechter Hand, wenn man in die Kirche tritt, da, wo der zwischen jedem Pfeiler kleine Gewölbchen an, mit Verkettungen von starkem Eichenholz, welche die Strebepfeiler verbinden, die das innere Gewölbe tragen, und überdecke diese Eichenholzverkettungen mit Eisenplatten, was wegen der Treppen geschehen muß. Die Wändpfeiler baue man alle von Sandstein oder Mergelstein (Pietraforte) und ebenso von Mergelstein die Wände der Kuppel bis in die Höhe von vierundzwanzig Ellen, wo sie mit den Wandpfeilern verbunden bleiben; von da an aber muß mit Backsteinen oder Schwammsteinen (Spugna) gemauert werden, welche von beiden der Meister, welcher das Werk zu vollenden hat, am leichtesten erachtet. Außen umher über den Fenstern lasse man einen Gang laufen, welcher unten eine Galerie mit durchbrochener Brustwehr, zwei Ellen hoch nach Verhältnis von denen der untern Tribüne oder zwei Cänge bildet, einer über dem andern, über einem wohlverzierten Gesims, so daß der obere Gang unbedeckt bleibt. Das Regenwasser von der Kuppel aufzufangen, baue man eine Marmorrinne, die eindrittel Elle Breite hat und das Wasser auf einer Seite ausspeit, die unter der Rinne mit Mergelstein gemauert ist. Außen auf der Oberfläche der Kuppel bringe man an den Ecken acht Marmorrippen von gehöriger Dicke an, die eine Elle hoch über die Kuppel emporstehen, mit Dachgesimsen versehen und zwei Ellen breit sind, so daß von allen zwischen jedem Pfeiler kleine Gewölbchen an, mit Verkettungen von starkem Eichenholz, welche die Strebepfeiler verbinden, die das innere Gewölbe tragen, und überdecke diese Eichenholzverkettungen mit Eisenplatten, was wegen der Treppen geschehen muß. Die Wändpfeiler baue man alle von Sandstein oder Mergelstein (Pietraforte) und ebenso von Mergelstein die Wände der Kuppel bis in die Höhe von vierundzwanzig Ellen, wo sie mit den Wandpfeilern verbunden bleiben; von da an aber muß mit Backsteinen oder Schwammsteinen (Spugna) gemauert werden, welche von beiden der Meister, welcher das Werk zu vollenden hat, am leichtesten erachtet. Außen umher über den Fenstern lasse man einen Gang laufen, welcher unten eine Galerie mit durchbrochener Brustwehr, zwei Ellen hoch nach Verhältnis von denen der untern Tribüne oder zwei Cänge bildet, einer über dem andern, über einem wohlverzierten Gesims, so daß der obere Gang unbedeckt bleibt. Das Regenwasser von der Kuppel aufzufangen, baue man eine Marmorrinne, die eindrittel Elle Breite hat und das Wasser auf einer Seite ausspeit, die unter der Rinne mit Mergelstein gemauert ist. Außen auf der Oberfläche der Kuppel bringe man an den Ecken acht Marmorrippen von gehöriger Dicke an, die eine Elle hoch über die Kuppel emporstehen, mit Dachgesimsen versehen und zwei Ellen breit sind, so daß von allen

Seiten First und Dachrinne ist, und diese müssen von ihrer Verzahnung bis zum Ende pyramidenartig laufen. Die Kuppel baue man nach der Art, wie oben gesagt ist, und ohne Stützwerk dreißig Ellen hoch, von da an nach oben aber in der Weise, welche von den Meistern geraten werden wird, die sie aufbauen, weil Übung lehrt, was man zu tun habe.“

Als Filippo dies geschrieben, begab er sich des Morgens in den Magistrat und übergab sein Blatt den Vors Stehern, welche das Ganze in Überlegung nahmen. Zwar vermochten sie nicht alles zu verstehen, weil sie aber den kühnen Mut Filippos erkannten und sahen, wie keiner der andern Meister auf festeren Füßen stand, er hingegen Sicherheit in seinen Reden zeigte und immer dass selbe so wiederholte, daß es schien, als habe er sichers lieh schon zehn Kuppeln gewölbt, traten sie zusammen und beschlossen, ihm das Werk zu übergeben, nur hätten sie zuvor gern eine geringe Probe wenigstens gesehen, wie er das Gewölbe ohne Stützwerk mauern wolle, alle anderen Dinge billigten sie.

Diesem Wunsch war das Glück günstig, denn da Bartolommeo Barbadori in Santa Felicitä eine Kapelle wollte bauen lassen und schon deshalb mit Filippo geredet hatte, legte dieser sogleich Fland ans Werk und ließ sie ohne alles Gerüste mauern. Jene Kapelle liegt rechter Hand, wenn man in die Kirche tritt, da, wo der als sie sahen, wie der Ruf Filippos wachse, brachten sie es unter dem Schein, als hätten sie große Liebe und Teilnahme für jenen Bau, bei den Konsuln und Werlo meistern dahin, daß Lorenzo ihm bei seinem Unternehmen an die Seite gegeben wurde. Welchen Verdruß Filippo empfand, und wie er in Verzweiflung geriet, als erhörte, was die Werkmeister getan hatten, geht daraus hervor, daß er nahe daran war, aus Florenz zu entfliehen, und wäre nicht Donato gewesen und Luca della Robbia, die ihm Trost zusprachen, so würde er außer sich geraten sein. Eine fürwahr unbarmherzige und grausame Wut ist in denen, welche vom Neide blind gemacht, im Wettkampf des Ehrgeizes Ruhm und herrliche Werke in Gefahr bringen, und sicherlich waren nicht sie es, welche verhinderten, daß Filippo nicht seine Modelle zerschlug, seine Zeichnungen verbrannte und in weniger als einer halben Stunde alles verdarb, was er in einer Reihe von Jahren mit Fleiß ausgeführt hatte. Die Werkmeister entschuldigten sich bei Filippo, und ermutigten ihn, vorwärtszuschreiten, indem sie sagten, er und kein anderer sei der Erfinder und Urheber dieses Baues, zahlten jedoch bei alledem Lorenzo den selben Gehalt wie Filippo. Dieser setzte das Werk mit weniger Lust fort; denn er wußte, daß er sich aller damit verbundenen Mühe unterziehen müsse, Ehre und Ruhm aber mit Lorenzo zu teilen habe. Einzig die Überzeugung machte ihm Mut, daß er Mittel finden werde, dies Verhältnis nicht allzulange dauern zu lassen, und daher betrieb er mit Lorenzo zusammen fortwährend alles in der Weise, wie auf dem Blatte verzeichnet stand, welches er den Vorstehern gegeben hatte. Unterdes erwachte in Filippo der Gedanke, ein Modell auszuführen, was bis dahin noch nicht geschehen war; er legte Hand daran und ließ es von einem Tischler arbeiten, der Bartolommeo hieß und seiner Werkstätte gegenüber wohnte. In diesem Modell, das nach Verhältnis seiner Größe genau nach dem Gebäude selbst gemessen war, brachte er alle schwierigen Dinge an als: erleuchtete und dunkle Treppen, alle Öffnungen, wo Licht einfällt, Türen, Wandpfeiler und Ketten und auch ein Stück der Galerie.

Lorenzo, der solches hörte, verlangte es zu sehen, und als Filippo es ihm verweigerte, ward er zornig und machte Anstalt,auch einModell auszuführen, damitnicht scheinen möchte, als werde ihm sein Gehalt umsonst bezahlt, sondern vielmehr, als sei auch er zu etwas nütze. Für das Modell des Filippo wurden 50 Lire und 15 Soldi bezahlt, wie sich in einer Verordnung im Buche des Migliore di Tommaso, vom dritten Oktober des Jahres 1419 findet; Lorenzo Ghiberti dagegen gab man 300 Lire für Mühen und Kosten, die er bei seinem Modell aufgewandt habe; und dies geschah mehr durch die Freundschaft und Gunst, deren er genoß, als daß es für jenen Bau nützlich und nötig gewesen wäre.

Diese Quälerei mußte Filippo ausstehen bis zum Jahr 1426, indem Lorenzo sowohl wie er als Erfinder genannt wurde. Der Verdruß war in Filippo so mächtig, daß er sehr in Kummer lebte, und da er verschiedene neue Gedanken gehabt hatte, beschloß er, sich jenen ganz vom Halse zu schaffen, wohl wissend, wie wenig er zu diesem Werke tauge.

Filippo hatte schon die Kuppel in beiden Wölbungen zwölf Ellen hoch mauern lassen; dort mußten nun die Ketten von Holz und Steinen gelegt werden, worüber er, als über eine schwierige Sache, mit Lorenzo reden wollte, um zu prüfen, ob er an diese Schwierigkeit gedacht habe; Lorenzo war aber so wenig in die Sache eingedrungen, daß er sagte, er überlasse dies ihm als dem Erfinder. Eine solche Antwort war Filippo sehr willkommen, weil ihm schien, dies sei der Weg, Lorenzo von der Arbeit zu entfernen und offenbar zu machen, daß er nicht jene Einsicht besitze, welche ihm durch seine Freunde und durch die Gunst beigemessen ward, welche ihm zu dieser Stelle verholfen hatten. Alle Maurer waren zu der Arbeit bestellt und warteten auf Anweisung, wie sie den Bau oberhalb der zwölf Ellen fortsetzen und die Wölbung befestigen sollten; die Kuppel fing schon an, nach oben zusammenzudrängen, und es mußten die Gerüste erbaut werden, auf welchen Maurer und Handwerker ohne Gefahr würden arbeiten können, da die mächtige Höhe beim bloßen Herunterschauen jeden sichern Geist erschrecken und schwindeln machte. Wie diese Gerüste aufgeführt und die Ketten gelegt werden sollten, erwarteten die Maurer Filippo und den andern Meister zu vernehmen; weil aber weder vonLorenzo noch von Filippo etwas beschlossen ward, entstand ein Murren unter den Handwerkern, daß die Sache nicht beschleunigt werde wie vordem, und da es arme Leute waren, welche von ihrer Hände Werk lebten und glaubten, es habe weder der eine noch der andere Mut genug, dies Werk höherzuführen, so schien ihnen das beste, wenn sie sich beim Baue weiter zu tun machten und alles, was bis jetzt gearbeitet war, noch einmal überputzten. Eines Morgens aber kam Filippo nicht zur Arbeit, steckte sich bis an den Kopf ins Bett, schrie beständig und ließ sich in aller Eile Teller und Tücher wärmen, indem er sich stellte, als habe er Seitenstechen. Die Meister, welche dies hörten und in Erwartung standen, neue Aufträge zu erhalten, fragten Lorenzo, was sie tun sollten, doch dieser antwortete: Filippo sei es, der anzuordnen habe, und man müsse auf ihn warten. „Wie,“ sprach einer, „weißt du seine Meinung nicht?“ „Ja,“ sagte er, „aber ich werde nichts ohne ihn tun.“ Dies redete er zu seiner Entschuldigung, weil er nie das Modell Filippos gesehen, und nie gefragt hatte, welche Anordnung jener treffen wolle, damit er nicht als unwissend erscheine. Wenn er daher von dieser Sache redete, war er auf sich allein gestellt, und brachte lauter unsichere Worte vor, um so mehr, als er wußte, daß er wider den Willen Filippos an der Arbeit Teil hatte. Das Übelsein des letzteren dauerte nun schon über zwei Tage, und der Proveditore des Baues und eine Menge von Maurermeistern, welche ihn besuchten, fragten ihn ohne Unterlaß, was sie zu tun hätten? Er aber sprach: „Ihr habt Lorenzo, mag er einmal etwas schaffen.“ Anderes konnten sie nicht von ihm herausbringen. Als dies bekannt wurde, entstanden viele nachteilige Reden und Urteile über diesen Bau. Einige meinten, Filippo habe sich ins Bett gelegt aus Kummer, daß er nicht Mut genug besitze, die Kuppel zu wölben und es ihn gereue, sich diesem Geschäft unterzogen zu haben; seine Freunde dagegen verteidigten ihn und sagten, sein Verdruß komme von der Beschimpfung, daß Lorenzo ihm zum .Gehilfen gegeben wäre, sein Seitenstechen aber von der großen Anstrengung bei der Arbeit. Während so hin und her geredet wurde, stockte das Werk, und fast alle Arbeiten der Maurerund Steinmetzen blieben liegen; diesemurrten nun über Lorenzo und sagten: den Lohn zu nehmen ist er gut, den Bau zu ordnen aber nicht; wäre nicht Filippo, oder läge er lange krank, was würde er anfangen? Was kann jener dafür, daß er sich so schlecht fühlt? — Die Werkmeister, welche sahen, wie ihnen dieser Handel Schande brachte, beschlossen zu Filippo zu gehen, trösteten ihn erst wegen seines Krankseins und sagten dann, in welch einer Verwirrung der Bau sei, und in welche Not seine Krankheit sie gebracht habe. Da rief Filippo voll Leidenschaft, sowohl weil er krank zu sein heuchelte, als aus Liebe zu seinem Werk: „Was ist nicht Lorenzo daß warum tut er nichts fürwahr ich muß mich über euch verwundern.“ — „Er will,“ antworteten die Werkmeister, „ohne dich nichts unternehmen.“ — „Ich aber wohl ohne ihn!“ sprach Filippo mit Heftigkeit. Diese scharfe und doppelte Antwort genügte ihnen; sie erkannten, daß er krank war, weil er allein arbeiten wollte, schickten seine Freunde, ihn aus dem Bett zu holen und gedachten Lorenzo nicht länger bei dem Unternehmen zu lassen, Filippo, der wieder auf den Bauplatz kam, sah wie Lorenzo durch Begünstigung große Macht hatte und den Lohn ernten würde, ohne irgend Mühe aufzuwenden; deshalb dachte er auf ein anderes Mittel ihn zu beschämen und ihn durchaus als wenig einsichtig in dieser Kunst hinzustellen. In dieser Absicht sagte er in Gegenwart Lorenzos zu den Vorstehern: „Meine Herren, wenn die Zeit, die wir zu leben haben, so sicher wäre, als schnell kommen kann, daß wir sterben müssen, würden wir sicherlich viele Dinge zum Schlüsse geführt sehen, die begonnen sind und jetzt unbeendet liegen bleiben. Das Übel, von welchem ich befallen war, hätte mir können das Leben rauben und dies Werk auf halten; damit nun, wenn ich jemals wieder krank werde, oderLorenzo, was Gottverhüte, der eine oder der andere von uns im Stande sei, das Werk fortzusetzen, was ihm zukommt, habe ich gedacht, es möchte, wie ihr, meine Herren, den Gehalt in uns geteilt habt, auch die Arbeit geteilt werden, so daß jeder von uns sich angetrieben fühle, zu zeigen, was er weiß, und nach Kräften unserer Republik Ehre und Nutzen zu schaffen. Zwei schwierige Dinge sind nun mehr ins Werk zu setzen: das eine, die Gerüste für die Mauer zu errichten, welche innen und außen beim Baue nötig sind, und auf welchen nicht nur die Menschen, sondern auch Steine und Kalk, die Winden um Lasten heraufzuziehen, und andere ähnliche Werkzeuge Raum finden müssen; das zweite die Kette zu legen, welche nun kommt, nachdem zwölf Ellen in die Höhe gebaut sind, denn diese muß die acht Wände der Kuppel umschließen und den Bau so Zusammenhalten, daß alle Last, welche darauf gestützt wird, gegeneinander drängt, und nicht das ganze Gebäude von dem Gewicht Schaden leiden oder auseinander treiben kann, sondern vielmehr gleichmäßig auf sich selbst ruht. Lorenzo mag von diesen beiden Dingen wählen, was er glaubt am leichtesten ausführen zu können, ich werde das andere nehmen und will es ohne Schwierigkeiten zu Ende bringen, damit keine Zeit mehr verloren gehe.“ Lorenzo, der dies mit angehört hatte, konnte seiner Ehre wegen nicht ablehnen eine der beiden Arbeiten zu übernehmen, und obwohl er es ungern tat, entschloß er sich doch die Kette zu legen; es schien ihm das leichtere, weil er sich dabei auf die Ratschläge der Maurer verließ und sich erinnerte, die Wölbung von S. Giovanni zu Florenz sei von einer Steinkette umschlossen, nach der er sich zum Teil, wenn auch nicht ganz, richten könne. Demzufolge begann der eine, die Gerüste zu bauen, der andere die Kette zu legen, und beides wurde beendet. Die Gerüste Filippos waren mit so viel Sinn und Einsicht angeordnet, daß man in Wahrheit dadurch das Gegenteil von dem erreicht sah, was viele sich vorher eingebildet hatten, denn die Flandwerker arbeiteten darauf völlig sicher, zogen Lasten auf und standen so fest, als ob sie auf ebener Erde wären; die Modelle dazu blieben in dem Vorstehergebäude. Lorenzo dagegen führte auf einer der acht Wänden die Kette mit großer Schwierigkeit aus, und als sie fertig war, ließen die Vorsteher sie Filippo sehen, welcher ihnen nichts sagte, mit einigen seiner Freunde aber davon redete, und zu ihnen sprach: es täte ein anderes Band not, als dieses und es müßte in anderer Weise gelegt werden, als geschehen wäre, dies genüge nicht für die Last, welche darauf komme, weil es nicht hinreichend Zusammenhalte; der Gehalt, der Lorenzo gezahlt werde, sei mit samt der Kette, die er gebaut habe, weggeworfenes Geld.

Die Rede Filippos wurde bekannt und es ward ihm nun aufgetragen zu zeigen, wie man es anfangen müsse, um eine solche Kette anzubringen. Da er nun Zeichnungen und Modelle schon fertig hatte, so wies er sie sogleich vor. Hieraus erkannten die Vorsteher und andere Meister, in welchen Irrtum sie durch die Begünstigung Lorenzos verfallen waren, und bestimmten, damit ihr Fehler gut gemacht werde und man sehe, daß sie wüßten, was vorzüglich sei, Filippo solle lebenslänglich Aufseher und Haupt des Baues sein, und nichts dabei geschehen, außer nach seinem Willen. Und als Zeichen ihrer An»erkennung gaben sie ihm hundert Gulden, was am dreizehnten August des Jahres 1423, nach Bestimmung der Konsuln und Vorsteher, von Lorenzo Paoli, dem Notarius des Domvorstandes, als Ausgabe auf Gherardo di M. Filippo Corsini eingezeichnet ward, und bestimmten ihm überdies einen lebenslänglichen Gehalt von hundert Gulden. Nachdem er nunmehr Anordnung getroffen hatte, den Bau wieder in Gang zu bringen führte er ihn mit solcher Genauigkeit und Pünktlichkeit fort, daß kein Stein gemauert ward, den er nicht angesehen hätte; Lorenzo aber, der sich besiegt und fast beschimpft sah, ward von seinen Freunden so begünstigt und beschützt, daß er unter dem Vorwand, man könne ihn nicht fortschicken, drei Jahre noch den Gehalt bezog. Filippo machte ohne Unterlaß Zeichnungen und Modelle zu den kleinsten Dingen für die Vorschläge zum Mauern und für das Stützwerk, um Lasten aufzuziehen,- dennoch wurde von einigen boshaften Menschen, welche Freunde Lorenzos waren, nicht nachgelassen, ihn zur Verzweiflung zu bringen: sie arbeiteten um die Wette mit ihm Modelle, sogar Meister Antonio da Verzeih und andere Künstler taten dies; ihre Zeichnungen wurden bald von diesem, bald von jenem Bürger begünstigt und gepriesen, welche ihre Wandelbarkeit, ihr weniges Wissen und noch ihre geringere Einsicht kund gaben, indem sie die vollkommenen Sachen vor Augen hatten und die schlechten und unnützen zu befördern suchten.

Die Ketten waren schon ringsumher an den acht Seiten vollendet und die Maurerleute, welche angefeuert waren, arbeiteten rüstig darauf los. Weil Filippo sie indes mehr als gewöhnlich trieb, und sie einige Verweise beim Mauern bekommen hatten wegen Dingen, die jeden Tag vorfielen, ward ihnen die Sache zum Überdruß, und deshalb sowohl als aus Neid traten die Häupter unter ihnen zusammen, machten Partei und sagten, dies sei eine mühselige und gefährliche Sache, und sie würden die Kuppel nur für großen Lohn wölben, obgleich ihnen ohnehin mehr als gewöhnlich bezahlt ward. Auf solchem Wege gedachten sie an Filippo Rache zu nehmen, und sich selbst Nutzen zu schaffen. Diese Begebenheit mißfiel den Vorstehern und auch Filippo gar sehr, der darüber nachsann und einen Sonnabend Abend den Entschluß faßte, sie alle zu entlassen. Die Handwerker, welche sich vom Bauplatz verwiesen sahen und nicht wußten, welch ein Ende dies nehmen würde, waren verdrießlich; Filippo aber stellte am folgenden Montag zehn Lombarden an die Arbeit, und indem er überall gegenwärtig war und ihnen sagte: tue dies und tue jenes, lehrte er ihnen an einem Tage so viel, daß sie mehrere Wochen den Bau fortsetzten. Die Maurer dagegen, welche entfernt worden waren, und sich beschämt sahen, schickten, da sie nichts zu tun hatten, was gleichen Gewinn brachte, Boten an Filippo und ließen ihm sagen, sie würden gerne zurückkehren und suchten sich ihm so viel als nur möglich zu empfehlen. Filippo hielt sie mehrere Tage in Zweifel, als ob er nicht nachzugeben gedenke, endlich stellte er sie an, aber mit geringerem Lohn, als ihnen zuvor gezahlt worden war. So verloren sie, wo sie zu gewinnen geglaubt hatten, und taten sich selbst Schimpf und Schaden, während sie an Filippo Rache nehmen wollten.

Die Gerüchte, welche von diesem Künstler im Umlauf gewesen waren, hatten sich verloren; man sah, wie leicht der Bau sich wölbte, und sein Genie wurde anerkannt, so daß, wer nicht in Leidenschaft war, dafür hielt, er habe einen Mut bewiesen, wie vielleicht kein Baumeister vor ihm in alten und neuen Zeiten; dies geschah, weil er sein Modell zum Vorschein brachte, woran ein jeder sehen konnte, welche große Einsicht und Erfindung er bei den Treppen gezeigt habe und bei den Fenstern innen und außen, damit man nicht im Dunklen Schaden leide; welche verschiedenen Eisenstangen er an steilen Stellen zum Aufsteigen angebracht, und wie er sogar an die Eisen gedacht hatte, die Gerüste im Innern zu befestigen, wenn jemals Mosaik oder Malereien daselbst ausgeführt werden sollten. Bei den mindestgefährlichen Stellen hatte er bezeichnet, wie die Wasserrinnen verteilt werden, wo sie bedeckt und wo unbedeckt laufen sollten, hatte bestimmt, wo manLuftlöcher undÖffnungen anbringen müsse, damit die Luft durchstreichen und weder Dünste noch Erdbeben dem Werke Schaden bringen könnten; kurz es zeigte in allen diesen Dingen, wie sehr seine Studien in Rom ihm von Nutzen gewesen waren. Wenn man zudem überlegte, was er beim Schneiden, Fugen, Binden und Befestigen der Steine getan hatte, so sah man fast mit Beben, wie ein einziger Geist so viel vermöge, als hier der des Filippo umfaßt hatte. Seine Fähigkeit wuchs immer mehr, und es gab keinen Gegenstand, wenn er auch noch so schlimm und schwierig war, den er nicht gewußt hätte leicht und einfach zu machen; unter anderm zeigte er dies beim Aufziehen der Lasten, die er durch Gegengewichte und Räder emporwinden ließ,welche ein einzigerOchse zog,während sonst kaum sechs Paar dazu genügt haben würden. Der Bau war nunmehr schon so emporgewachsen, daß es große Unbequemlichkeit machte, wieder herunter zu kommen, wenn man einmal hinaufgestiegen war, und die Meister und Bauleute verloren nicht nur viel Zeit, wenn sie zum Essen und Trinken gingen, sondern litten auch sehr von der Hitze des Tages. Deshalb traf Filippo Anordnung, daß in der Kuppel Weinschenken und Küchen eingerichtet wurden, und keiner früher, als am Abend nach Hause zu gehen brauchte, was für jene große Bequemlichkeit hatte und für die Arbeit von vielem Vorteil war. Filippo, der das Werk schnell wachsen und wohlgelingen sah, wurde immer eifriger und war in rastloser Tätigkeit, ging selbst nach der Brennerei, wo die Backsteine gestrichen wurden, wollte die Erden sehen, wie sie gemischt und gebrannt wurden, und suchte sie mit allem Fleiße selbst aus. Bei den Steinen, die zugehauen wurden, sah er selbst nach, ob sie ohne Risse und hart wären, und gab den Steinmetzen Modelle von Holz oder Wachs, oder nur in der Schnelligkeit aus Rüben geschnitten, die Durchschnitte und Fugen darnach zu arbeiten. Das selbe tat er bei dem Eisenwerk, er erfand die Haspen und Widerhaken und die Türangeln und schaffte der Baukunst großen Vorteil, indem er sie zu einer Vollkommenheit brachte, die vielleicht bei den Toskanem noch nicht erreicht worden war.

Man sah nunmehr schon die beiden Wölbungen gegen das runde Fenster zu, wo die Laterne anfangen sollte, sich schließen, und Filippo, der in Rom und Florenz viele Modelle von Erde und Holz zu dem einen, wie dem anderen gearbeitet hatte, ohne sie jemand zu zeigen, mußte sich endlich entscheiden, welches er zur Ausführung bringen wolle; deshalb beschloß er die Galerie zu beenden und entwarf dazu verschiedene Zeichnungen, welche nach seinem Tode den Vorstehern blieben, durch die Nachlässigkeit jener Verwalter aber jetzt nicht mehr vorhanden sind. In unseren Tagen erst wurde, um das Werk vollständig zu machen, auf einer der acht Wände ein Stück der Galerie erbaut, blieb aber, weil es nicht mit jener Anordnung übereinstimmte, auf den Rat von MichelagnoloBounarroti wieder liegen. Filippo arbeitete außerdem mit eigener Hand ein Modell zur Laterne von acht Seiten und ganz im Verhältnis zur Kuppel, welches fürwahr in Erfindung, Mannigfaltigkeit und Ausschmückung sehr wohl gelang. Darin brachte er die Treppe an, welche nach der Kugel hinaufführt, eine höchst bewundernswerte Sache; weil er aber mit ein wenig Holz unten die Stelle verstopft hatte, wo man hineinging, kannte diese Treppe niemand als er selbst. Aber obgleich er sehr gerühmt wurde und den Neid und Dünkel vieler niedergeschlagen hatte, vermochte er, als sein Modell gesehen worden war, dennoch nicht zu verhindern, daß alle Meister in Florenz nach verschieb dener Weise auch welche ausführten, ja sogar eine Dame aus dem Hause Gaddi wagte es mit Filippo in Wettkampf zu treten. Dieser lachte des Eigendünkels der anderen, und als viele seiner Freunde ihm den Rat gaben, keinem Künstler sein Modell zu zeigen, damit sie nicht daran lernen möchten, antwortete er: „Eines nur ist das richtige Modell, die anderen sind zu nichts nützeja als er sah, daß einige Meister bei ihren Modellen seines zum Teil nachgeahmt hatten, sagte er: „Das veränderte Modell, was dieser auszuführen verspricht, wird mein eigenes sein.“

Filippo wurde sehr gepriesen; nur weil man die Treppe nicht sah, um nach der Kugel hinaufzusteigen, gab man ihm schuld, sein Plan sei fehlerhaft und die Vorsteher beschlossen zwar, ihm die Arbeit zu übertragen, unter der Bedingung jedoch, daß er ihnen die Treppe zeige. Da nahm Filippo bei seinem Modell das Stückchen Holz weg, welches er unten vorgemacht hatte, und zeigte seine Treppe in einem der Pfeiler, welcher das Ansehen eines leeren Blaserohres, auf der einen Seite aber der Länge nach eine Vertiefung hat, in welcher Bronzestäbe sind, auf denen man von einem zum anderen allmählich nach oben steigt. Filippo, der zu alt war, als daß er während seines Lebens noch die Laterne hätte können zum Schluß geführt sehen; verlangte im Testament, sie solle nach seinem Modell und dem, was er schriftlich hinterlassen habe, gemauert werden, sonst müsse, versicherte er, der Bau Zusammenstürzen, denn da er im Spitzbogen gewölbt sei, tue not, daß er durch die Last gedrückt und stärker gemacht werde.

Vollendet demnach sah er vor seinem Tode dies Werk nicht, doch aber führte er die Laterne mehrere Ellen in die Höhe, und ließ fast alle Marmore, welche dazu gehörten, schön arbeiten und hinbringen; die Leute sahen jene mächtigen Blöcke anlangen, sie erstaunten, wie es möglich sei, daß er dem Gewölbe solch eine Last auflegen wolle, und viele verständige Menschen meinten, es könne sie nicht tragen; es schien ihnen ein großes Glück, daß er den Bau bis dahin geführt habe, ihn aber mit solchem Gewicht beschweren, meinten sie, hieße Gott versuchen. Filippo lachte hierüber, setzte alle Maschinen und Werkzeuge in Bereitschaft, welche dienen sollten, sie zu mauern und ließ nicht ab, alle Kleinigkeiten vorher zu bedenken und Vorkehrungen dazu zu treffen; ja, er sorgte sogar dafür, daß die ausgehauenen Marmore beim Aufziehen nicht abgestoßen werden möchten, so daß alle Bogen der Tabernakel in hölzernen Verschlagen aufgemauert wurden; für alles übrige fanden sich, wie ich schon sagte, schriftliche Anordnungen und Modelle vor.

Wie schön dies Gebäude sei, davon gibt es selbst ein gültiges Zeugnis; seine Höhe aber ist vom Erdboden bis zum Anfang der Laterne 154 Ellen, die ganze Laterne mißt sechs bis dreißig Ellen, die kupferne Kugel vier, das Kreuz acht, was in allem zweihundert und zwei Ellen sind, und man kann zuversichtlich sagen, daß die Alten niemals ihre Bauten so hoch geführt, noch sich der Gefahr ausgesetzt haben, mit dem Himmel wetteifern zu wollen, wie dies Gebäude in Wahrheit zu tun scheint. Es ragt so weit empor, daß man wähnt, es sei den Bergen um Florenz gleich, und fast ist es, als ob der Himmel deshalb eifersüchtig wäre, denn seine Blitze fallen tagtäglich auf dasselbe nieder.

Während Santa Maria del Fiore errichtet wurde, führte Filippo noch viele andere Bauten aus, von denen ich nun hier der Reihe nach erzählen werde. — Vorerst arbeitete er mit eigner Hand in Auftrag der Famili Pazzi das Modell zum Kapitel Santa Croce zu Florenz, eine mannigfaltige und sehr schöne Sache; dann das Modell zum Hause der Busini, eine Wohnung für zwei Familien, und das Modell zum Hause und der Loggia der Innocenti, deren Wölbung ohne Gerüste gebaut wurde, ein Verfahren, welches heutigen Tages von jedermann beobachtet wird. Man sagt, Filippo sei nach Mailand berufen worden, für den Herzog Filippo Maria das Modell zu einer Festung auszuführen und habe deshalb seinem sehr nahen Freunde Francesco della Luna die Sorge für den Bau der Innocenti in Florenz übertragen. Jener Francesco brachte als Einfassung einen Architrav an, der sich von oben nach unten verstärkt, was nach der Regel der Baukunst falsch ist, und als daher Filippo bei seiner Rückkehr ihn schalt, daß er dies getan habe, sagte er: ,,Ich habe es vom Tempel S. Giovanni entnommen, der antik ist.“ — „Ein einziger Fehler, rief Filippo, ist an jenem Gebäude, und du hast ihn nachgeahmt.“

In derselben Zeit war zu Florenz die Kirche S. Lorenzo angefangen worden, welche die Einwohner bauen ließen, die bei diesem Werk den Prior zum Obermeister ernannten, weil er Profession daraus machte, sachverständig zu sein und sich zum Zeitvertreib mit der Baukunst beschäftigte. Schon hatte man begonnen, einige Pfeiler von Backsteinen aufzuführen, als Giovanni di Bicci, aus dem Hause der Medici, der den Einwohnern und dem Prior versprochen hatte, auf seine Kosten die Sakristei und eine Kapelle zu erbauen, Filippo eines Tages zum Essen bei sich sah, und ihn nach mancherlei Gesprächen fragte: was er vom Baue der Kirche S. Lorenzo meine. Filippo, durch die Bitten S. Giovannis gezwungen, seine Gedanken kund zu geben, mußte, um der Wahrheit getreu zu sein, dies Werk in vielen Stücken tadeln, als von jemand angeordnet, der in derlei Dingen vielleicht mehr Gelehrsamkeit, als Erfahrung besitze. Giovanni fragte Filippo, ob man etwas besseres und schöneres ausführen könne, worauf jener erwiderte: „Sicherlich kann man dieses, und ich verwundere mich daß Ihr, die Ihr das Haupt dieses Unternehmens seid, nicht einige tausend Scudi aufwendet und ein Kirchenschiff errichten laßt, des Ortes und der vielen ehrenvollen Grabmäler würdig, die hier sind. Bedenket, daß wenn Ihr in dieser Weise anfangt, die anderen bei ihren Kapellen Euch nach besten Kräften werden nachzukommen suchen, und vornehmlich, daß kein Gedächtnis von uns bleibt, als die Mauern, welche nach Jahrhunderten und Jahrtausenden noch von’dem, der ihr Urheber war, Zeugnis geben.“ Durch die Worte Filippos angefeuert, beschloß Giovanni die Sakristei, die Hauptkapelle und das ganze Schiff der Kirche aufzubauen, wenngleich nur sieben Familien dem beitraten, da die anderen nicht die Mittel dazu hatten. Jene sieben Familien waren die Rondinelli, Ginori, della Stufo, Neronx, Ciai, Marignolli, Martelli und Marco di Luca, deren Kapellen alle im Kreuz der Kirche angebracht werden sollten. Die Sakristei war das erste, was im Bau vorwärts ging, hierauf auch alb mählich die Kirche, und weil sie sehr lang war, wurden nach und nach auch anderen einheimischen Bürgern Kapellen zugestanden. Noch war die Sakristei nicht ganz bedeckt, als Giovanni von Medici in ein anderes Leben überging; sein Sohn Cosimo jedoch, welchen er hinterließ, besaß noch höheren Eifer, als der Vater, und fand Vergnügen an Denkmälern, deshalb wurde jenes Werk von ihm fortgesetzt, das erste, was er baute, und dies brachte ihm soviel Ereude, daß er fortan bis zu seinem Tode immer wieder mauern und bauen ließ. Cosimo betrieb die Sache mit mehr Nachdruck, ließ Neues beginnen, während man das Alte beendigte, und war, weil er Lust an der Sache fand, fast immer selbst dabei. Durch seinen Eifer angeregt, besorgte Filippo den Ausbau der Sakristei, und Donato die Stukkaturverzierungen, die Steinzieraten der kleinen Türen und die Bronzetüren. Inmitten der Sakristei, in welcher die Geistlichen ihre Priestergewänder anlegen, ließ er das Grabmal von Giovanni seinem Vater unter einer Marmortafel errichten, welche vier kleine Pfeiler tragen, und an dem selben Ort ließ er sein Familienbegräbnis bauen, das der Frauen von dem der Männer gesondert. In einem der kleinen Stübchen, welche in der Sakristei zu beiden Seiten des Altars liegen, brachte er in einer Ecke einen Brunnen und ein Becken zum Handwaschen an, kurz alles ist bei diesem Werke mit aller Einsicht geordnet. Giovanni und die Meister des Baues hatten bestimmt, der Chor solle in der Mitte unter die Kuppel kommen, Cosimo aber ließ dieses verändern und mit Zustimmung Filippos die Hauptkapelle, welche erst eine kleine Nische werden sollte, größer ausführen, damit der Chor gebaut werden könne, wie man ihn nunmehr sieht. Als dies beendet war, blieb noch die mittlere Kuppel und das übrige der Kirche zu beenden, beides jedoch ward erst nach dem Tode Filippos gewölbt.

Während jener Bau ausgeführt wurde, wollte Cosimo von Medici einen Palast für sich errichten lassen; er teilte Filippo seine Absicht mit, und dieser setzte alles andere hintan und arbeitete ein wunderbar schönes und großes Modell, nach welchem jener Palast ringsum freistehend auf dem Platze gegenüber S. Lorenzo erbaut werden sollte. Seine Geschicklichkeit tat sich so herrlich hierbei kund, daß es Cosimo ein zu prächtiges und großes Gebäude schien, und er es nicht ausführen ließ, mehr um nicht Neid zu erwecken, als daß er die Kosten gescheut hätte. Während Filippo sein Modell arbeitete, pflegte er zu sagen: er wisse dem Schicksal für diese Gelegenheit Dank, denn er solle nun ein Haus bauen, wie er viele Jahre schon gern getan hätte und habe jemand gefunden, der es ausführen lassen wolle und könne. Als er indes vernahm, daß es nicht geschehen werde, zerriß er voll Zorn seine Zeichnung in tausend Stücke, und Cosimo bereute, als er seinen Palast nach anderem Plan erbaut hatte, nicht lieber der Angabe Filippos gefolgt zu sein, von dem er oft zu sagen pflegte, er habe nie mit einem Manne von größerer Einsicht und mehr Mut geredet.

Nach Anordnung Filippos wurde der reiche und herrliche Palast von Herrn Luca Pitti, außerhalb des Tores S. Nicolo von Florenz an einem Orte erbaut, der Rucciano heißt; noch viel schöner jedoch ist ein anderer, welchen er innerhalb der Stadt für denselben Herrn anfing und in solcher Größe und Pracht bis zum zweiten Stockwerk führte, daß man in toskanischer Bauart nichts gesehen hat, was herrlicher und reicher wäre. Die Türen dieses Palastes sind doppelt, im Lichten sechzehn Ellen hoch und acht Ellen breit und die ersten und zweiten Fenster den Türen gleich. Die Wölbungen sind doppelt und das ganze Werk höchst kunstreich, kurz man kann sich kein schöneres und prachtvolleres Gebäude denken. Dieser Palast wurde in der genannten Weise von Luca Fancelli, einem florentinischen Baumeister, aufgeführt, welcher viel Gebäude für Filippo errichtete und für Leon Batista Alberti die Hauptkapelle derNunziata zu Florenzvollendete, die im Auftrag vonLodovico Gonzaga gebaut wurde; Gonzaga nahm Luca mit sich nach Mantua, woselbst er viele Arbeiten vollführte, sich verheiratete, lebte, starb und Erben hinterließ, welche sich noch jetzt nach ihm Luchi nennen.

Filippo war kurzweilig in der Unterhaltung, und gab sehr treffende Antworten, besonders, wenn ihm die Lust ankam, Lorenzo Ghiberti zu necken. Dieser besaß ein Gut zu Monte Morello, welches Lepriano hieß und ihm zweimal mehr kostete, als es eintrug, sodaß er dessen überdrüssig ward und es verkaufte; als man daher einst Filippo fragte, was Lorenzo am besten gemacht habe, in der Meinung vielleicht, er werde ihn feindselig beurteilen, antwortete er: „Lepriano zu verkaufen.“ Endlich nachdem Filippo neunundsechzig Jahre alt geworden war, ging im Jahre 1446 den 16ten April sein Geist zu einem besseren Leben über, nachdem er sich gemüht hatte, die Arbeiten zu vollbringen, welche ihm auf Erden Ruhm erwarben und den Frieden des Himmels verdienten. Sein Tod geschah seinem Vaterlande sehr weh, welches ihn nach seinem Sterben weit mehr ehrte, als es während seines Lebens getan hatte; und er wurde mit feierlichem und ehrenvollem Leichengepränge inSanta Maria del Fiore beigesetzt, wenngleich seine Familiengruft in S. Marco unter der Kanzel gegen die Tür gelegen war, wo man ein Wappen mit zwei Feigenblättern und einigen grünen Wellen auf goldenem Grunde sieht. Seine Angehörigen, sagt man, stammten aus dem Ferraresischen, aus Ficaruolo, einem Schlosse am Po; die Blätter bezeichnen demnach den Ort, und die Wellen den Fluß.

Filippo wurde von einer großen Anzahl von Künstlern beweint, die seine Freunde waren, vornehmlich von den ärmsten, denen er immerdar gutes erwies, und indem er so ein christliches Leben führte, blieb der Welt das Gedächtnis seiner Güte und seiner seltenen Fähigkeiten. Mir scheint, daß man sagen könne, es habe seit den Tagen der alten Griechen und Römer keinen seltneren und herrlicheren Geist gegeben, als ihn, und er verdient um so größeres Lob, als während erlebte in ganz Toskana die deutsche Manier allgemein verehrt und von allen Künstlern geübt wurde, wie noch jetzt von unzähligen Gebäuden zu sehen ist; er aber fand die antiken Gesimse und führte die toskanische, korinthische, dorische und jonische Säulenordnung zu ihrer ursprünglichen Form zurück.

Aus dem Buch: Lebensbeschreibungen der ausgezeichnetsten Maler, Bildhauer und Architekten der Renaissance (1910), Author:Jaffé, Ernst.

Siehe auch:
Giovanni Cimabue
Niccolo und Giovanni aus Pisa
Giotto
Buonamico Buffalmacco
Jacopo della Quercia
Luca della Robbia
Lorenzo Ghiberti
Masaccio

2 Comments

  1. Donatello said:

    […] und als er es beendet hatte und ihm schien, er habe etwas Seltenes vollführt, zeigte er es dem Filippo Brunelleschi, seinem vertrauten Freund, um dessen Meinung zu hören. Filippo, der nach den Reden Donatos etwas […]

    3. Juni 2015
  2. […] Pisa Giotto Buonamico Buffalmacco Jacopo della Quercia Luca della Robbia Lorenzo Ghiberti Masaccio Filippo Brunelleschi Donatello Frate Giovanni da Fiesoie (Fra Angelico) Antonello da Messina Fra Filippo Lippi Jacopo, […]

    3. Juni 2015

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