Franz Metzner-Steinmetz und Bildhauer

»Wer uns umwirft, der ist stark; wer uns erhebt, der ist göttlich; wer uns ahnen macht, der ist tief.«

Wenn ein ernsthafter Mensch sieh entschließt über einen einzelnen Künstler nachzudenken, so kann dies nur geschehen, weil der ernsthafte Mensch von dem Künstler ergriffen und erregt wurde.

Ein die Alltäglichkeit durchbrechendes und aus dem gewohnten Niveau aufragendes Erlebnis lockt den Theoretiker auf die Spuren des Einzelnen. Damit ist von vornherein festgestellt, daß dieser Künstler ein Außergewöhnlicher ist, eine Persönlichkeit, die sich gegenüber den Problemen der Allgemeinheit und deren Entwicklung zu behaupten weiß. Das bedeutet viel, denn eine in ihren fundamentalsten Empfindungen soziologisch gerichtete Zeit erforscht und pflegt des Einzelnen nur dann, wenn sie von ihm und seiner Art einen Strom der Fruchtbarkeit für sich und ihre Genossen erwartet. Somit ist der Künstler, der Mittelpunkt einer Abhandlung wird, ein Kronenträger. Er ist und bleibt ein Kronenträger aus eigenem Recht und durch Erkürung der Kundigen — wie die Diskussion sich auch immer gestalte. —

Die Absicht einer solchen geistigen Aussprache kann aber nur dahin gehen, den erlesenen Künstler und sein Werk nach Herkunft und Ziel zu analysieren, das Geheimnis der besonderen Wirkungsart nach Möglichkeit zu lösen, und schließlich dahin: Grenzen abzustecken. Diese letzte Verrichtung wird zuweilen an den Stolz des Künstlers rühren; er sollte dann nie vergessen, daß solche Grenzregulierung, schon darum eine Ehrung ist, weil es sich verlohnt, sie vorzunehmen.

Mannigfach ist die Art, wie Kunstwerke betrachtet sein wollen. Und da hier alles auf Wechselbeziehung zwischen dem Be schauer und dem zur Schau stehenden Objekt beruht, so and der Annäherung dieser beiden prinzipiell feindlichen Pole Hemmungen gesetzt. Es gibt für jeden Menschen bestimmte Kunstwerke, zu denen er kein Verhältnis und finden kann; es gibt Kunstwerke, die nur von bestimmten Menschen betrachtet sein können. Es läge nahe, zu sagen: das Maß der Schwierigkeit, ein Kunstwerk anschauend zu erfassen, wäre ein Gradmesser für die Größe dieses Werkes.

Diese Meinung kann aber ebenso richtig wie falsch sein. Artistenkunst, geschmacklich überfeinerte Dekadenz wird von der Volksmenge abgelehnt, glatt übersehen; diese Mißachtung ist gewiß kein Wahrzeichen für die Größe solcher Fingerspitzentänze. Süßer und melancholischer Kitsch wird von der Masse begehrt; niemand wird darum von Kunst reden. Das Nachlaufen oder die Verstocktheit des großen Haufens ist darum noch kein Beweis für den Wert oder Unwert eines Kunstwerkes. Man kann nun wohl behaupten, daß das Urteil an Sicherheit zunimmt nach dem Maße der Bildung des Richters. Aber auch der Spruch des Sachkenners, des historisch und ästhetisch geschulten Fachmannes, dessen, der vieles gesehen und mehr im Innersten erlebt hat, kann keine absolute Gültigkeit für sich beanspruchen. Alles Kunsturteil ist im höchsten Grade subjektiv und im letzten Sinne nichts als die auf eine Formel gebrachte Aussage von Erregungen der Sinne und der Seele eines bestimmten Menschen durch ein bestimmtes Kunstwerk. Somit kommt es schließlich darauf an. daß der Künstler Menschen findet, die ihm optisch und geistisch verwandt sind, die darum allein die Fähigkeit haben, überhaupt zu erfassen, worauf es in diesem oder jenem Werke ankam: das Künstlerische, das Problem.

Aber selbst angenommen, der Künstler fände nicht einen einzigen Kongenialen, nicht einen einzigen schüchternen Freund, so wäre damit noch nicht das Geringste über den Ewigkeitswert seines Schaffens gesagt. Allerdings, ebensowenig darf aus der allgemeinen Ablehnung nun ohne weiteres auf wahrhaftige und sich einst mit Sicherheit entfaltende (iröße geschlossen werden. So ist also die Kunstkritik etwas wie ein Ringelreihspiel, wie ein Haschen von Seifenblasen. Diese Gedanken stellen sich ein. reihen sich wie eine Mauer und eine abweisende Warnung, wenn etwas über Franz Metzner gesagt sein soll. In wilden Sprüngen schwankt das Urteil auf und nieder. Die Menge mag ihn nicht; desto besser. Das heißt: es will immerhin beachtet sein, und es gilt zu erfahren: warum sie ihn nicht mag.

In der Ablehnung des Volkes offenbart sich häufig die Gesundheit des völkischen Instinktes; die himmelstürmende Kunst des gotischen Domes wurde von der Leidenschaft der Volksgemeinde getragen. Es wird also richtig sein, zu sagen: daraus, daß die Menge das Werk Metzners abwehrt, ist nichts über dessen künstlerischen Wert gesagt; aber es ist damit festgestellt, daß Metzner nicht aus dem Urgründe der Volksseele herauftaucht. Diese Erkenntnis hat für ein der Wahrheit möglichst nahe kommendes Werturteil nur dann Bedeutung, wenn der Betroffene glaubt, oder die Absicht hat, ein Prophet, eine Stimme der tiefsten Regungen der Volksseele zu sein.

Dies gilt für Metzner; und darum ergibt sich hier eine Dissonanz. Und sie muß sich ergeben, denn noch ist das deutsche Volk künstlerisch zu ungebildet. um nach einer Ausdrucksform für die höchsten Lebenskräfte auszuschauen, um überhaupt darauf gefaßt zu sein, in Kunstformen die Erfüllung sehnsüchtigen Erwartens zu empfangen. Andererseits ist aber auch das Innenleben des Volkes noch nicht so abgeklärt, daß ihm überhaupt eine künstlerische Form gefunden werden könnte. Die Zeit der neuen Religion ist noch nicht gekommen: die Stunde, wo Kunst wieder zu Religion wird, ist noch fern. Darum, sage ich, liegt hier eine Dissonanz: denn Metzner will Kunst zur Religion erheben, er kämpft um eine Religion der Form.

Er erkennt damit die stärkste Triebkraft der künstlerischen Entwicklung, er folgt ihr als ein Held. Er bestimmt sich damit sein Schicksal; denn niemals wird er das Ziel erreichen. Das Schicksal des Johannes ist sein; er ist dazu verurteilt, ein Vorläufer zu bleiben. Einer, der einen Größeren anzeigt, der nach ihm kommen wird, der das erfüllen wird, wonach er ringt, wonach er schreit mit dem Hunger und der Angst eines, der zum Gipfel will. Ein Gipfelstürmer ist er, eine Feuerseele, ein Eiferer, einer, der das Fetzte schaffen will, der das Unerhörte will, und der solches Wollen sich selbst zum Herrn macht. Aber den Gipfel, da Kunst und Religion eines sind, da die Schönheit zur Gottheit wird, den erreicht nur der, den die Sonne am Morgen wach küßt. daß er heiter erwacht und sich des Glanzes und des jungen Morgens freut, der dann aussieht, im kühlen Quell die Glieder badet, der sorglos wie die Blumen und frohenSanges wie die Vögel ist, der weder des Pathos, noch des Heroischen braucht, um sich zu gürten, sich schon mit einem Stecken begnügt, den er von den Weiden schneidet, und dann rüstig vorwärts schreitet, so wie der Wind ihn treibt, und das Glück ihn führt.

Der erreicht den Gipfel, der ihn erreichen muß, ob er es selbst kaum ahnt. Nicht, daß solch sieghaftes Steigen ohne Mühe und ohne Schmerzen vor sich ginge; aber, was auch immer geschehe, es ist ein natürliches Ereignis, das sich entfaltet, weil solches seine Bestimmung ist vom Beginn der Welt. Nur der Naive, nur der Mann, der da ein Kind bleibt und der Natur verbrüdert, kommt an das Ziel. Das Naive aber muß geboren und kann nie gewollt sein. Und wenn ein Künstler alles vermöchte; wenn seine Bestimmung es ihm nicht setzt, eines gelänge ihm nie: naiv zu sein. Die Vorläufer sind nie naiv, nur die Vollender sind es. Goethe war es; Jesus war nah. Die Johannesnaturen aber sind voll Wollens und voll titanischer Hast; sie sind darum immer von jener Tragik, die nur um Haaresbreite von der Komik getrennt ist.

Die Erfüller aber sind heiter und glücklich, und selbst ihr Tod ist wie ein Lachen. Niemand aber darf es den Johannesnaturen vorwerfen , daß sie nicht tanzen, daß sie ihr Leben nicht führen wie ein Spiel, daß ihre Kunst nicht Anschauung, sondern Gewalt ist. Metzner ist ein Johannes, er kann nichts anderes sein als ein Vorläufer. Torheit wäre es, ihm darum den Ruhm zu schmälern; er ist verwachsen mit einer Zeit, die immer noch durch krampfhaftes Aufbäumen zeigen muß, daß sie aus dem Schlaf der Vergangenheit erwachte; er gehört einem Geschlecht, von dem noch immer das gilt, was Nietzsche über Wagner sagte: »Wer uns umwirft, der ist stark; wer uns erhebt, der ist göttlich; wer uns ahnen macht, der ist tief.« Es ist das Schicksal der Vorläufer, gigantisch zu sein; die Vollender bringen die Schönheit. Das Werk Metzners ist mehr gigantisch als schön: sein Schicksal ist darum, von der Menge erst verlacht um später nach Gewöhnung begeistert gepriesen zu werden.

Metzner wird sich durchsetzen, er muß sich durchsetzen, weil noch immer der die Massen tortriß, der mit rauschendem Flügelschlag und extatischer Gebärde aus dem Diesseits ein Jenseits, aus dem Irdischen das Überirdische, aus dem Heute das Morgen schaffen wollte. Die Stunde ist vielleicht nicht fern, wo die Menge zu Metzner pilgern und ihn verehren wird. Metzner ist ein Revolutionär, einer, der die Konvention zersprengt, ein Agitator, der die Menschen aufrüttelt, der die Kunst zu einem alles überwältigenden Wunder steigern will. Er eifert aus innerer Unruhe; er bläst Fanfaren weil er den Sieg zu greifen glaubt. Er steht weit abseits vom großen Haufen, eine Welt und ein Leben liegt zwischen ihm und den Vielzuvielen; und doch sind es die Scharen, die Zahllosen der unklaren Instinkte, die er in Bewegung setzt.

Er ist der Prediger an der Wüste, zu dem das Volk herauseilt, daß es ein Wunder erlebe, das Gigantische, das Unerhörte, das, worüber man staunen und lachen zu gleicher Zeit kann, das, vor dem man anbetet, ohne heilig zu werden. – Die Stillen im Lande aber bleiben abseits und warten des Größeren. Das ist das Zweite, worüber wir hier noch reden wollen: Warum können die Liebhaber des Phidias und des Praxiteles, des Monet und des Liebermann, Metzner nicht die klassische Klarheit eines in seiner Art Vollendeten zu sprechen, ob sie ihn gleich für einen Außergewöhnlichen halten, für einen, dem sie gerne eine Hekatombe von Naturalisten, Stilisten und Symbolisten aller Gattungen opfern würden.

Wenn Goethe eine Blume ansieht, sich anschauend in ihre Morphologie und die Gesetze ihrer Entwicklung versenkt, so ist dies eine höhere Art der Religiosität als die Wagners im Parsival. Die Naivität macht das Auge sehend, daß es im Ergründen der Natur auf den Spuren der Gottheit wandelt. Der Gefühlsrausch macht, um zur Wahrheit zu gelangen, einen Umweg durch irgend einen Kultus; der Kultus ist aber nur eine Vorstufe zur Religion. Die Religion ist Anschauen; der Kultus ist Verzücktsein. Der Religiöse wandelt unter Lilien und spielt mit Kindern, beobachtet die Vögel und kennt nichts Höheres als des Menschen Sohn. Der Prophet der kultischen Extase projiziert die maßlosen Gebilde seiner Phantasie in die Wolken hinauf; er mißachtet die natürlichen Grenzen und findet kein Genüge an dem Blühen der Erde. Ich sage wieder: Parsival, Metzner steht näher zu Wagner als zu Goethe. —

Den Parthenongiebel umleuchtet strahlende Schönheit; der Altar von Pergamon ist wie ein aus der Erde hervorquellender Strom überschüssiger Kraft. Es ist leichter, gigantisch zu sein als schön. Metzner steht dem Altar von Pergamon naher als dem Parthenongiebel. – Monet weiß aus dem engen Winkel eines Gartens, aus einer Brücke, aus einem Turm in unerschöpflicher Fülle Schönheit um Schönheit zu schöpfen. Er dringt immer tiefer in die Melodie der Natur; Metzner gibt mehr Unendlichkeit als Melodie. — Liebermann unterwirft sich dem Objekt, er kennt die Grenzen seines Könnens und weiß, daß die restlos erfüllbare Forderung der Zeit nicht mehr gestattet als eine bürgerliche unpathetische Kunst im Sinne der alten Holländer. Metzner durchbricht die Grenzen der Zeit, er tut dies auf eigene Gefahr. Er will darum gelobt sein, wir jeder Pionier zu loben ist. Liebermanns Kunst ist ein Heimtragen reifer Ernten; die Kunst Metzners ist ein Vorstoß in unbekanntes Land. Da sind Katastrophen nicht zu meiden. Aber noch niemals gab es eine Entwicklung ohne Schmerzen; für den Künstler gibt es keinen größeren Schmerz als: mehr zu wollen, denn die Zeit zu leisten gestattet.

Ein Vergleich bleibt noch zu tun. Metzner und Michelangelo.

Nach dem Bisherigen ist es nicht notwendig, zu sagen, daß er vorsichtig und bedingt geschieht. Dies gut beachtet, sage ich: hier gibt es eine Verwandtschaft. Wir wollen von Michelangelo reden und dabei an Metzner denken, mit jener Mäßigung, die unser tastendes Jahrhundert von der Selbstherrlichkeit des Cinquecento scheidet. Michelangelo ist mit jeder Faser seines Wesens ein Ausgestalter und Wollender jenes Willens zur erhabenen Repräsentation und zur pathetischen Größe, jenes Strebens, aus Einzelformen die Gesamtform zu destillieren, jener Regiekunst, die alle italienische Kunst danach ringen ließ, den Rhythmus, die Komposition und das künstlerische Problem über die Darstellung der Natur zu erhaben. Aber, was alle seine Vorgänger mit mehr oder weniger Kraft versuchten, was einem Mategna gelang, und was ein Lionardo zur Reife brachte, das hob Michelangelo über den Grad des jemals für möglich Gehaltenen hinaus. Er vertrieb dadurch jegliches Leben aus den zur Darstellung erkorenen Objekten, und er hätte sie getötet, und hätte Leichen aufgestapelt, wenn er nicht seinen Dämon in diese seine eigensten Geschöpfe hinein gesenkt hätte. Alles, was er gibt, ist über die Natur heraus gehoben und wäre wesenlos, wenn nicht der Gigant dahinter stände, er, der aus dem Chaos, in das er die Welt zerstampft, einen Olymp schafft.

Schon die erstem Arbeiten zeigten aufs deutlichste dies mit Elementarkraft sich auswirkende Streben nach Umdeutung und Konzentration der Naturformen zur reinen, einheitlichen, abstrakten, aber dennoch mit gespannter Expansionskraft geladenen Kunstform. Von Anfang an sind für Michelangelo die Menschen nur Objekte, mit denen er schaltet und regiert nach den formalen Erfordernissen seines kompositionellen Gesichtes. Dem Werke und seiner Einheit werden alle naturalistischen Forderungen untergeordnet. Gewiß, die Anatomie, die Muskeln und die Gelenke beherrscht Michelangelo besser und hellseherischer als jeder andere, aber eben darum kann er sich auch restlos seinen Absichten untertan machen. Und so zwängt er die Körper zueinander und ineinander und schweißt mit dem gewaltigen Hammer seines Geistes die Gruppe zum Block.  Michelangelo macht aus dem Menschen ein Architekturglied, ein plastisches Material; er denkt in Menschenleibern eine eigene Welt.

-Michelangelo aber war ein Vollender, er stand auf der Höhe einer Entwicklung von zwei Jahrhunderten. Metzner ist ein Anfang; das mindert nicht seine Stoßkraft für die weitere Entwicklung unserer Kunst, aber cs bestimmt den Grad der Reife, die ihm das Schicksal gewährt. Metzner will das Gewaltige, aber nur selten tritt er in das Reich der Schönheit. Michelangelo hat ein neues Geschlecht unvergänglicher Schönheit aus seiner Schöpferhand entlassen. Ein Beispiel genüge: die Libika. Sie ist von heroischer Erregung durchflutet. Sie gehört dem Geschlecht der Riesen und ist schöner als dir Menschenkinder. Hals, Schultern, Rücken und Arme sind ein hohes Lied des Fleisches; aber nicht eines Fleisches, wie es Rubens malt, vielmehr von der Art der Knidierin des Praxiteles. Männlich, ernst und strahlend, fern von aller Vergänglichkeit und königlich wie die aufgehende Sonne ist diese Nacktheit.  Wie ein Konzert im höheren Chor jubiliert der Körper der Libika, doppelt wirksam durch das jauchzende Gelb der Gewandung, die von den Schulterblättern abwärts den Körper umweht, aufrauscht und ein blaßviolettes Unterkleid enthüllt, unter dem die nackten, mit federnden Zehen aufstehenden Füße wie zwei Lichtblitze hervorbrechen. Doppelt lebendig durch die Heftigkeit und den ausladenden Rhythmus, durch die leidenschaftliche Energie, mit der die Sibylle sich auf ihrem Sitz herumwirft. Sie hat soeben Worte der Weissagung verlesen und legt nun, ohne sich zu erheben, den mächtigen, aufgeschlagenen Folianten mit athletischem Griff über sich hinweg auf das hinter ihr stehende Pult.

Eine komplizierte, alle Achsen des Körpers verrenkende Aktion, die aber hier mit göttlicher Selbstverständlichkeit und in unzerstörbarer Schönheit geleistet wird; die um so müheloser wirkt, als noch während der Wendung das Wetterleuchten hervorbricht, die prophetische Begeisterung, mit der die Sibylle im nächsten Augenblick das Schriftwort auslegen und gleich Posaunenschall über die Erde senden wird. — ln dem Werke Metzners finden sich wohl hier und da schöne Einzelheiten, gibt es gewiß zarte Innigkeit und keusche Andacht; aber die Gesamtphysiognomie ist doch mehr Sturm und Aufrauschen von ungebändigten Wellen. Nun war Michelangelos Wille zur Vollendung wie eine Naturkraft, die unabänderlich und ohne Anhalt sich auswirken mußte, sein Odem brachte Leben und Vernichtung zur gleichen Zeit. Metzner hingegen ist ein Vorläufer, ein Pionier, und darum, so gewagt es auch sein mag, und ganz relativ gesagt: er kann Saat streuen! — Aber eins bleibt selbst für diesen günstigsten Fall als letzte Wahrheit bestehen: Stellen wir nun einmal Metzner neben Michelangelo und zitieren wir dann Phidias und Praxiteles. Die beiden Hellenen würden gewiß ihre Handwerksgenossen bewundern. Wie aber würden sie über die philosophischen Künstler, über die schwerblütigen Propheten lachen. Wie eben nur Jünger der Venus und Brüder in Apoll zu lachen vermögen. »Und verloren sei uns der Tag, wo nicht Ein Mal getanzt wurde! Und falsch heiße uns jede Wahrheit, bei der es nicht ein Gelächter gab!

Also sprach Zarathustra.

BERLIN-WILMERSDORF.

ROBERT BREUER.

Verzecihnis der Abbildungen:
Franz Metzner-Familiengrab
Franz Metzner-Familiengrab-Detail
Franz Metzner-Familiengrab-II
Franz Metzner-Familiengrab-Mittelpartie
Franz Metzner-Fragment
Franz Metzner-Grab-Monument
Franz Metzner-Kaiser Franz-Josef-Denkmal
Franz Metzner-Sterbender Krieger-Fragment
Franz Metzner-Torso
Franz Metzner-Torso-Krieger

Siehe auch:
Münchener Kunstausstellung-Glaspalast 1927
Die Kunst und die Gegenwart
Die Lebensfrage der Kunst
Die Landschaft ist ein Seelenzustand
Vom Wert der Anschauung
Modernes Sammlertum
Zur Neuaufstellung des Völkerkunde-Museums in München
Friedrich Stahl
Holzschnitte von Josef Weiss
Ein Kriegerdenkmal
Was ist Expressionismus?
Linie und Form in der Plastik
Der Tastsinn in der Kunst
Fritz Boehle
Ratschläge vorm Verkauf von Kunstbesitz
Waldemar Rösler
Franz Hoch
Silhouetten
Die Kunst nach dem Kriege
Ein Deutsches Ledermuseum
Heldenhaine und Ehrenhaine
Kriegs-Gedächtnis-Male
Kunstverständnis-Möglichkeiten Einst und Jetzt
Lebenswerte der Kunst
Constantin Meunier-Denkmal der Arbeit
Die Anfänge einer neuen Architektur-Plastik
III. Deutsche Kunstgewerbe-Ausstellung
Neue Brunnen und Denkmäler von Franz Metzner
Monumentale Kunst