Fünfundzwanzig Jahre Deutsch-Ostafrika

Zum Jahrestag der Flaggenhissung im November 1884.

Fünfundzwanzig Jahre sind in diesen Tagen verflossen, seit Karl Peters mit seinen Freunden durch Hissung der deutschen Flagge in der Landschaft Usagara den ersten Schritt getan hat zur Gründung unserer Kolonie Deutsch-Ostafrika. Diese Flaggenhissung zusammen mit den Verträgen, die er in den folgenden Tagen und Wochen im Namen der »Gesellschaft für deutsche Kolonisation“ mit verschiedenen eingeborenen Häuptlingen abschloss, sollten die formelle Grundlage bieten für die Erwerbung eines grösseren Kolonialgebiets in Ostafrika durch das Deutsche Reich. Diese kühne Tat ist um so höher zu bewerten, als die Schwierigkeiten, die Peters sogar von der heimischen Regierung in den Weg gelegt wurden, jeden andern von dem Versuch zur Ausführung eines solch gefährlichen Vorhabens abgeschreckt hätten. Wurde ihm doch bei seinem Eintreffen in Zanzibar im Auftrag des Auswärtigen Amts in Berlin von dem deutschen Konsul eröffnet, dass die deutsche Regierung jede Stützung des Petersschen Unternehmens ablehne. Es sei — hiess es in jenem Schreiben des Auswärtigen Amts — der Regierung zu Ohren gekommen, dass ein gewisser Dr. Peters sich nach Zanzibar begeben habe, um im Gebiet Sr Hoheit des Sultans von Zanzibar eine deutsche Kolonie zu gründen. Falls der „pp. Peters“ wirklich in Zanzibar eintreffen sollte, so wolle der deutsche Konsul ihm eröffnen, dass er dort Anspruch weder auf Reichsschutz für eine Kolonie, noch auch Garantie für sein eigenes Leben habe. Gehe er dennoch mit seinem Plan vor, so geschehe dies lediglich auf seine eigene Gefahr und Verantwortung.

Wir führen diese nicht gerade erhebende Erinnerung nur zu dem Zwecke an, um wieder einmal darzutun, dass wir einzig und allein der Energie von Karl Peters und seiner Freunde unsre schöne Kolonie zu verdanken haben.

Hätte sich Peters abschrecken lassen, hätte er nicht diese Abschüttelung durch das Mutterland missachtet, so würden zweifellos die Engländer, deren Aufmerksamkeit geweckt war, uns das Land vor der Nase weggeschnappt haben. Diese rücksichtslose Energie ist sicherlich nicht ohne Eindruck auf Bismarck geblieben. Er begann die Peters’schen Ideen mit andern Augen zu betrachten, und als Peters im Februar 1885 wieder in Berlin eintraf, war sein Spiel schon halb gewonnen. Nach wenigen Tagen schon stand Bismarck auf seiner Seite und Ende Februar hatte er bei Kaiser Wilhelm einen Schutzbrief für die Erwerbungen der Gesellschaft für deutsche Kolonisation erwirkt. Wie die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft gegründet wurde und die Verwaltung des jungen Kolonialgebiets übernahm, wie Hermann v. Wissmann und seine Kameraden und Nachfolger uns unter schweren Kämpfen die Kolonie erhielten und erweiterten, wie diese sich allmählich entwickelte und das wurde, was sie heute ist, das alles soll am Jahrestag der Erteilung des kaiserlichen Schutzbriefes, den 27. Februar, erzählt und geschildert werden.

Wenn die Erwerbungen von Karl Peters später durch den Zanzibarvertrag unseligen Angedenkens 1890 zum Teil wieder verloren gingen, so war dies nicht die Schuld unsrer Kolonialheroen. Aber jene Erfahrungen sollten heute noch eine Mahnung sein. Gerade wird wieder um die Grenzen in den verlorenen Gebieten jenseits des Victoriasees gestritten und England ist im Begriff, mit rücksichtsloser Energie dort seinen Besitz zu erweitern gegenüber den Ansprüchen der Belgier. Auch uns wollen die Belgier unter allerlei Winkelzügen die schönsten Teile unsres dortigen Besitzes, der herrlichen Landschaft Ruanda, streitig machen. Möge die Erinnerung an die heroischen Taten bei der Gründung unsrer Kolonie etwas von Peterschem Geist bei der Wahrung unsrer Rechte im fernen Ruanda Wiederaufleben lassen!

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