Fürstentrotz und Glaubensstreit zerstören das Reich.

Staat und Kirche verfallen.
Das Reich verfällt.
Die kaiserlose Zeit.

1254. Als die Hohenstaufer dahingesunken waren, begann für Deutschland eine schreckliche Zeit. Niemand drängte sich, deutscher Kaiser zu werden. Fürsten und Ritter waren die Herren im Lande. Unter den letzten Staufern waren sie unabhängig geworden und hatten sich an ein eigensüchtiges Leben gewöhnt.

„Kleider aus und Kleider an,
Essen, Trinken, Schlafen gähn,
ist die Arbeit, so die Herren han!“

spottete der Volksmund. Ständig lagen sie miteinander in Fehde und brandschatzten dabei gegenseitig ihre Bauern. Besonders lockte sie der Reichtum der Städte. Sie wurden Wegelagerer, Raubritter. „Reiten und Rauben ist keine Schand“, das tun die Besten im Land!“ war ihre Entschuldigung, Die Fürsten gingen ähnlich vor, indem sie an den unzähligen Landesgrenzen hohe Zölle erpreßten. „Wann wird der Retter kommen diesem Lande!“ klagten Bürger und Bauern.

Rudolf I. begründet die Macht der Habsburger.

Wer sollte helfen ? Vielleicht Ottokar, der mächtige Herzog von Böhmen? Viel deutsches Blut war in seinen Adern, und die Deutschen Böhmens besaßen in ihm einen starken Freund. Auch die Lande der Babenberger waren in seine Hand gekommen. Aber Ottokar war dem Papst und den deutschen Fürsten zu mächtig. Darum wählten sie den kleinen, unbedeutenden Schweizer Grafen Rudolf von Habsburg und hofften, daß er sie wenig in ihrem Treiben stören würde. Doch sie hatten sich getäuscht. Mit großer Tatkraft ging Rudolf zuerst dem Raubritterunwesen zu Leibe. Er brach die Raubnester und hängte viele der „edlen Herren“ in Schwaben und Thüringen an Bäumen auf. So kehrten Ruhe und Ordnung allmählich wieder.

Ottokar jedoch hatte Rudolf nicht anerkannt. Er wurde geächtet und auf 1278 dem Marchfelde geschlagen. Im Kampfe verlor er sein Leben. Ottokars Sohn behielt nur Böhmen und Mähren; Österreich. Steiermark, Kärnten und Krain nahm Rudolf für sein Haus in Besitz. Damit legte er den Grund zu der habsburgischen Hausmacht, aus der später die Großmacht Österreich hervorging.

Fürstenmacht vor Kaisermacht.

Rudolf und seine Nachfolger waren Könige anderer Art als die großen Sachsen, Salier und Staufer. Sie waren völlig abhängig von den Wahlfürsten, und ein Haus löste in rascher Folge das andere auf dem Throne ab. Zum Kaiser wurde gewählt, wer den Fürsten am bequemsten war und ihnen die meisten Rechte zugestand. In denl Jahrhunderten nach Rudolf von Habsburg haben die Häuser Nassau, Habsburg, Lützelburg (Luxemburg) und Witteisbach in buntem Wechsel deutsche Kaiser gestellt; erst von 1438 ab blieb die Krone des deutschen Kaiserreiches bis zu seinem Ende in den Händen der Habsburger. Weil Königsrechte und Königsgut zum größten Teil längst den Fürsten gehörten, mußte jeder neugewählte Kaiser alles daransetzen, seine Hausmacht zu vergrößern. Dauernde Unruhe und unaufhörliche Kämpfe um den Besitz der deutschen Länder waren die Folge. Das Reich glich immer mehr einem bunten Flickenteppich. Unzählige Fürsten, Bischöfe, Grafen, Städte, Klöster und Ritter waren reichsunmittelbar und trieben Politik auf eigene Faust.

Das Reich unabhängig vom Papst.

Nur ein Lichtblick fiel in diese Zeit: Das Reich löste sich von dem politischen Einflüsse des Papstes. Jahrhunderte hatte der Kampf zwischen Kaiser und Papst gedauert, unendlich viel bestes germanisches Blut war geflossen von Chlodwig dem Franken bis zum letzten Staufer. Nun kamen unter dem 1338 Witteisbacher Kaiser Ludwig die deutschen Fürsten in Rense am Rhein zusammen und beschlossen, daß der von ihnen gewählte deutsche König gleichzeitig auch römischer Kaiser sei und der päpstlichen Zustimmung nicht 1356 bedürfe. Die „Goldene Bulle“, das Reichsgrundgesetz des tüchtigen Lützelburger Kaisers Karl IV., legte das neue Recht dauernd fest. Sie bestimmte auch die Fürsten, die den Kaiser zu „küren“ hatten: außer den drei Erzbischöfen von Mainz, Trier und Köln die Kurfürsten von der Pfalz, von Sachsen, Brandenburg und Böhmen.

Gefahren von außen.

So sah es im Innern Deutschlands aus. Aber auch von außen drohten Gefahren. In den Randgebieten Europas entstanden gerade in dieser Zeit geschlossene, starke Mächte: Spanien, Portugal, Frankreich und England im Westen, Dänemark und Schweden im Norden und Polen im Osten. Deutschlands Schwäche erlaubte es den Nachbarn, räuberische Hände nach den Randgebieten des Reiches auszustrecken oder sic doch vom Reiche zu lockern. Karl VII. von Frankreich forderte zum ersten Male den Rhein als Grenze. Er belagerte Metz und fiel in das Elsaß ein. Im Norden griffen vor allem die Dänen nach deutschem Land. Es gelang ihnen schließlich, in Schleswig und Holstein die Herzogswürde zu erhalten und auch die freien Dithmarscher Bauern zu unterwerfen. Vom Reich allein gelassen, verlor der Deutsche Orden Westpreußen und das Ermland an Polen.

Die schwerste Gefahr aber erhob sich im Süden. 1453 wurde Konstantinopel eine Beute der Türken. Bald hatten sie auch den Balkan in der Hand und bedrohten Ungarn und Wien.

Verfall der Kirche.

Seit den Kreuzzügen war das Ansehen des Papstes sehr gesunken. Man wagte wieder, in Glaubensdingen eine eigene Meinung zu haben und die päpstliche Vormundschaft abzulehnen. Kirche und Priester selbst boten zu Angriffen reichlich Gelegenheit. „Die Wahrheit ist an den päpstlichen Höfen zum Wahnsinn geworden. Enthaltsamkeit gilt da für Bauemrüpelei, die Schamhaftigkeit für Schande, je befleckter und ruchloser jemand ist, desto größeren Ruhmes erfreut er sich!“ so klagte man im Lande. Wenn der Geldhunger der Päpste besonders groß war, schrieben sie ein „Jubeljahr“ aus Dann pilgerten die Gläubigen aus allen Ländern nach Rom und ließen ihr Geld dort. Oder es wurde ein Ablaß ausgeschrieben; dabei konnte man für Geld seine Kirchenstrafen erlassen bekommen. Viel trug zur Abkehr von der Kirche die Schule der Humanisten bei. Zum Staunen der Mitwelt deckte sie in den Schriften und Kunstwerken der Römer und Griechen hohe Kulturen auf, die älter waren als das Christentum. Wohl bedrohte die Kirche alle „Ketzer“ mit schwersten Strafen und verhängte blutige Verfolgungen, denen auch Tausende aufrechter Deutscher zum Opfer fielen. Aber der einmal erwachte Wille zu geistiger Befreiung konnte nicht wieder getötet werden.

Neben den Ketzergerichten begann der Hexenwahn um sich zu greifen. Wenn das Geschäft schlecht ging, wenn die Kuh krank wurde, dann war sicher eine Hexe daran schuld. Wer irgendeinen Menschen haßte, der zeigte seinen Feind als Hexe oder Hexenmeister an. Dann wurden die Angeschuldigten in den Turm geworfen und entsetzlich gefoltert, so daß man es gar nicht erzählen kann, bis sic vor Qual und Schmerz mit zerbrochenen Gliedern alles Zugaben, was man wollte. Dann wurden sie lebendig auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Es gibt wohl keinen Ort in Deutschland, in dem nicht die Scheiterhaufen geloht hätten. Viele Hunderttausende deutscher Mütter sind auf diese Weise im Zeichen des Christentums scheußlich zu Tode gemartert worden.

Siehe auch:
Deutsche Geschichte-Zeittafel
Germanen kämpfen um Europa
Die Wikinger, eine neue germanische Welle.
Das Reich der Deutschen beginnt
Großtaten des deutschen Volkes-Das Rittertum und seine Aufgaben
Großtaten des deutschen Volkes-Deutsche gewinnen Raum im Osten
Deutsche Bauern und Bürger sichern das Neuland.
Deutsche Städte — deutsche Kunst.
Großtaten des deutschen Volkes-Die deutsche Hanse.
Der deutsche Bauer und sein Schicksal
Eine neue Welt tut sich auf— Große Erfindungen

4 Comments

  1. […] Hanse. Der deutsche Bauer und sein Schicksal Eine neue Welt tut sich auf— Große Erfindungen Fürstentrotz und Glaubensstreit zerstören das Reich. Die Not ruft den Erneuerungs willen des Volkes […]

    21. Juni 2017
  2. […] Siehe auch: Deutsche Geschichte-Zeittafel Germanen kämpfen um Europa Die Wikinger, eine neue germanische Welle. Das Reich der Deutschen beginnt Großtaten des deutschen Volkes-Das Rittertum und seine Aufgaben Großtaten des deutschen Volkes-Deutsche gewinnen Raum im Osten Deutsche Bauern und Bürger sichern das Neuland. Deutsche Städte — deutsche Kunst. Großtaten des deutschen Volkes-Die deutsche Hanse. Der deutsche Bauer und sein Schicksal Eine neue Welt tut sich auf— Große Erfindungen Fürstentrotz und Glaubensstreit zerstören das Reich. […]

    21. Juni 2017
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    21. Juni 2017

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