Geschichte der deutschen Mystik im Mittelalter – Albrecht der Lesemeister.

4. Albrecht der Lesemeister.

In der oben besprochenen Münchner Handschrift (Cgm. 100), welche die deutsche Schrift des Mönchs von Heilsbronn vom Fronleichnam enthält, findet sich nach einem dem Bruder Berthold dem Minnerbruder (fratri minori) zugeschriebenen Stücke eine Predigt über die Speisung der Fünftausend, für die als Verfasser Albrecht der Lesemeister genannt ist. Wir treffen einen „Bruder Albrecht von Driforte, Lesemeister“ unter den Schülern Eckhart’s und zwei Predigten von ihm mit Predigten Eckhart’s und seiner Schule in einer noch zu besprechenden Oxforder Handschrift. Allein ich halte den Albrecht der Münchner Handschrift für einen andern. Jener erinnert an Eckhart’s Schule, dieser nicht, wiewohl er mit seiner Predigt der Mystik angehört. An Albertus Magnus ist ebenfalls nicht zu denken: unser Albrecht redet nicht die theologische Sprache jenes Gelehrten, sondern die des practisch gerichteten volksthümlichen Predigers. Auch wäre die Aufschrift „Bruder Albrecht der Lesemeister“ für Albertus Magnus ungewöhnlich. Die Predigt ist an Klosterleute gehalten. Denn die dem Herrn nachfolgten in die Wüste und sassen auf dem Heu, das sind die, welche ihm „nachfolgten in das geistliche Leben und den Leib besessen haben, dass er unter ihnen sein muss“. Die Brode sind von Gerste, rauh im Munde und mühelich zu essen; aber unser Herr thut dazu zwei Fische und mildert es damit, und thut seinen Segen darüber und bricht es selber, dass es ihnen gar süsse und gut zu essen wäre. Nachdem sich so der Prediger die Grundlage für seine Predigt willkürlich genug zubereitet hat, führt er, was er seinen Zuhörern sagen möchte, mit Verständniss und grossem Geschick aus. Er zeigt gesundes sittliches Urtheil und einen praktischen Blick. Die fünf Brode sind der Gehorsam, das Gebet, die Betrachtung des Wortes Gottes, die Anschauung der Wahrheit, die Seligkeit. Man kann gehorsam sein und dabei Ehre suchen, man kann gehorsam sein in Dingen die Schmach bringen und nicht willig dabei sein. „Es ist ebenso möglich Gift zu empfangen an der der älteren kirchlichen Mystik. So könnte es wohl sein, dass die beiden berühmten Männer eine bedeutende Anregung unserem Prediger zu danken hätten.

In der oben besprochenen Münchner Handschrift (Cgm. 100), welche die deutsche Schrift des Mönchs von Heilsbronn vom Fronleichnam enthält, findet sich nach einem dem Bruder Berthold dem Minnerbruder (fratri minori) zugeschriebenen Stücke eine Predigt über die Speisung der Fünftausend, für die als Verfasser Albrecht der Lesemeister genannt ist. Wir treffen einen „Bruder Albrecht von Driforte, Lesemeister“ unter den Schülern Eckhart’s und zwei Predigten von ihm mit Predigten Eckhart’s und seiner Schule in einer noch zu besprechenden Oxforder Handschrift. Allein ich halte den Albrecht der Münchner Handschrift für einen andern. Jener erinnert an Eckhart’s Schule, dieser nicht, wiewohl er mit seiner Predigt der Mystik angehört. An Albertus Magnus ist ebenfalls nicht zu denken: unser Albrecht redet nicht die theologische Sprache jenes Gelehrten, sondern die des practisch gerichteten volksthümlichen Predigers. Auch wäre die Aufschrift „Bruder Albrecht der Lesemeister“ für Albertus Magnus ungewöhnlich. Die Predigt ist an Klosterleute gehalten. Denn die dem Herrn nachfolgten in die Wüste und sassen auf dem Heu, das sind die, welche ihm

„nachfolgten in das geistliche Leben und den Leib besessen haben, dass er unter ihnen sein muss“.

Die Brode sind von Gerste, rauh im Munde und mühelich zu essen; aber unser Herr thut dazu zwei Fische und mildert es damit, und thut seinen Segen darüber und bricht es selber, dass es ihnen gar süsse und gut zu essen wäre. Nachdem sich so der Prediger die Grundlage für seine Predigt willkürlich genug zubereitet hat, führt er, was er seinen Zuhörern sagen möchte, mit Verständniss und grossem Geschick aus. Er zeigt gesundes sittliches Urtheil und einen praktischen Blick. Die fünf Brode sind der Gehorsam, das Gebet, die Betrachtung des Wortes Gottes, die Anschauung der Wahrheit, die Seligkeit. Man kann gehorsam sein und dabei Ehre suchen, man kann gehorsam sein in Dingen die Schmach bringen und nicht willig dabei sein.

„Es ist ebenso möglich Gift zu empfangen an dem Gehorsam, als Judas den Feind empfing an unseres Kenn Leichnam.“

Und sehr schön fügt er nun bei, wie der Herr uns dies Brod geniessbar gemacht habe: er hat es gesegnet und gebrochen und auch vorgegessen damit, dass er selbst gehorsam war seinem Vater; und er hat es uns zerbrochen mit der Minne; denn die Minne machet dem Menschen dies Brot also klein, dass er alle Arbeit für klein hält und für ein nichts was er timt. Geschickt trifft er dabei naheliegende Verirrungen. Beim Gebete, dem zweiten Brode, bemerkt er: Mancher spricht „unser Herr weiss wol was ich bedarf“.

Nein! wir sollen bedenken selber, welcher Tugend uns gebreche, der sollen wir begehren und darnach arbeiten. Beim dritten Br. de, der Betrachtung des göttlichen Wortes, tadelt er die, welche das Wort statt auf sich auf andere beziehen und sprechen:

„Ha wie recht dem das kommt“.

Er erinnert wieder, dass es gleiche Sünde sei des Herrn Leichnam unwürdig gemessen und das Wort mit „Unzüchten“ hören. Die Predigt kennzeichnet sich als der mystischen Richtung angehörig durch das, was er zum vierten und fünften Brode bemerkt. Sich müssigen von irdischen Dingen, um die Wahrheit des Herrn zu schauen und so in Gottes Heimlichkeit geführt zu werden wie Paulus, das ist das Ziel, mit dem die Predigt schliesst. Aber auch hier zeigt sich sein gesunder und praktischer Sinn. Der Mensch soll sich, wenn er zum Anschauen der Wahrheit kommt, wundern und, so fügt er hinzu, sich bessern darnach. Und anknüpfend an den Satz, dass Paulus für das in der Verzückung Gesehene keine Worte hatte, sagt er: das sei uns eine Lehre, dass man solcher Dinge nicht viel künden soll.

Text aus dem Buch: Geschichte der deutschen Mystik im Mittelalter (1881), Author: Johann Wilhelm Preger.

Geschichte der deutschen Mystik im Mittelalter – Unterschiede der älteren und neueren Mystik
Geschichte der deutschen Mystik im Mittelalter – Der Prediger der St. Georger Handschrift.

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  1. […] Geschichte der deutschen Mystik im Mittelalter – Der Prediger der St. Georger Handschrift. Geschichte der deutschen Mystik im Mittelalter – Albrecht der Lesemeister. Geschichte der deutschen Mystik im Mittelalter – Der Mönch von Heilsbronn. Geschichte der […]

    1. Oktober 2015

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