Geschichte der deutschen Mystik im Mittelalter – Der Prediger der St. Georger Handschrift.

Eine Predigtsammlung aus der ersten Zeit des 14. Jahrhunderts, aus welcher Handschriften von St. Georgen im Schwarzwald, von Adelhausen bei Freiburg und von Sygäwis bei Feldkirch sowie andere in Wien, Kloster Neuburg und eine aus einem Kloster bei Mastricht (jetzt in Haag) geschöpft haben, enthielt, wie Sprache und Inhalt der daraus mitgetheilten Predigten1 beweisen, wohl meist Predigten eines und desselben Mannes, und war, wie sich aus der Zahl und den Stammorten der Handschriften ersehen Hisst, ein weitverbreitetes, hochgeschätztes Erbauungsbuch, ähnlich wie später das Susobuch oder der Tauler. Der Prediger hat, wie Rieger mit ziemlicher Sicherheit nachgewiesen hat, am Oberrhein gewirkt. Dass er eine Anzahl seiner Predigten in Frauenklöstern gehalteu und einem der Bettelordeu angehört habe, ist den Predigten selbst zu entnehmen. Da er vor Schwestern predigt, die eine Priorin haben, so ist er wohl kein Franziskaner gewesen. Einen Dominikaner als Verfasser anzunehmen liegt nahe bei der Verbreitung dieses Ordens am Oberrhein und bei der Pflege, welche die deutsche Predigt gerade in diesem Orden vor andern fand. Dazu kommt, dass die Sprache Suso’s und Tauler’s Spuren seines Einflusses zu tragen scheint. Auch sein Name ist uns nicht genannt. Von den Predigten seines Zeitgenossen Nikolaus von Strassburg, die gleichfalls zum Theil in Frauenklösteru am Oberrhein gehalten sind, sind die seinigen charakteristisch verschieden.

Unser Prediger zeigt Schule und seine Predigten sind bis in’s Einzelne disponirt. Doch ist er ohne Pedanterie. Das was ihm gerade wichtig scheint, wird häufig auf Kosten der andern Theile ausgeführt. Er ist vor allem bemüht, den Ernst der Heiligung zu erwecken und zu stärken; die Fragen der Erkenntniss treten zurück. Auch ist bei ihm der Fortschritt der Gedanken meist nicht durch das logische Denken, sondern durch die Phantasie vermittelt: das Bild, das Gleichniss führt ihn weiter. Und er ist da oft sehr glücklich in der Verwenwendung. An das Schriftwort:

„Time deinen Mund weit auf, lass mich ihn füllen“

anknüpfend, sagt er:

„Das spricht er nicht von dem Munde, mit dem ich rede; er spricht es von der Seele Munde. In Treuen, er dünket unserem Herrn zu enge, und ist er doch von Natur also weit, dass er wohl Himmelreich und Erdreich nud Höllenreich und Teufel und Engel imd alles das je ward und wören gar tausendfünfzig Welten — das verschlänge alles dieser Mund, das ist der Seele Gierde. Wie sollen wir diesen Mund weitern? In Treuen, das sollen wir mit reiner Gierde, dass wir alle vergängliche Dinge fahren lassen und nichts gehren als Gottes und seiner Gnade“.

Geht unser Prediger auch hie und da etwas in die Breite, so fesselt er doch durch Herzlichkeit und durch die grosse Lebendigkeit, mit der er selbst eintritt oder Personen und Sachen uns unmittelbar nahe führt.

„Ich bin ein Ährenleser“, so lässt er den Herrn sprechen, „wie ihr wohl sehet, wenn die reichen Leute schneiden, da gehen die armen Leute nach und lesen Aehren. Zugleicher Weise thut unser Herr. Der Teufel ist der reiche Mann, der schneidet über alle die Welt, manche edle Seele leider, die Gott kaufte mit seinem Blute. So ist unser Herr der arme Mann und geht immer hinten nach und liest Aehren, und wo ihm je eine Seele mag werden, die zücket er an sich und des mahnet er den Menschen. 0 weh, spricht er, gedenke dass ich ein Aehrenleser bin worden um deines Heils willen. Er spricht auch, lieber Mensch, gedenke wie ich dich gesucht habe. Ich liess Himmelreich, mein rechtes Erbe, spricht er, und fuhr auf Erdreich und ward Mensch, und gab mein Herz von meinem Leibe und meine Seele gab ich von mir zum Scheiden, darum dass ich dein Herz suchte und deine Seele. Lieber Mensch, daran gedenke und erbarme dich über mich Armen. Denn ich hab um deiner Liebe willen mich verelendet (bin ein armer Fremdling geworden), nun gib mir dein Herz, das ich auf Erdreich gesucht habe!“

Es ist nicht die hinreissende Beredsamkeit eines Berthold, es ist mehr die milde Weise David’s, die hier zu uns spricht; sie gleicht dem sanften eindringenden Regen, der das Land befruchtet.

Seine Anschauungen bewegen sich auf dem Gebiete der Mystik Augustin’s, Bemhard’8, Hugo’s. Die Reinigung, die Heiligung ist es, die uns Gott näher und näher bringt. Durch das Denken an Gott (cogitatio), durch die fleissige Betrachtung (meditatio, consideratiö) geht es zur Beschauung des göttlichen Spiegels (contemplalio). Es ist der von jenen Vorgängern betretene Weg; aber wir sehen an der Art der Ausführung, wie selbständig er darauf weiter geht und wie besonnen er dabei zu führen weiss.

Die Aufgabe für das neue Leben, so lehrt er mit jenen, ist eine doppelte, einerseits sollen wir auf dem Wege der Reinigung das Sündige entfernen, anderseits positiv das Heilige uns aneignen; letzteres geschieht eben auf dem Wege des Denkens, der Betrachtung, der freien Durchsicht (Hugo I, 231) und der Beschauung. Er spricht zuerst von dem Denken. Ein Lehrer spricht: Ein jeglicher Gedanke von Gott machet die Seele heilig. In Treuen so ist es, fährt er fort, aber leider ist nun das Herz so wild und der Gedanke so weitschweifend, dass unser Herz selten mit Gott ist, und so der Mensch jetzt wähnet, dass er sein Herz bei ihm habe, so hat es die Welt umfangen, nun hin über’s Meer und her wieder, und ist so wilde, dass es nimmer kann ruhen. Und so der Mensch an sein Gebet kommt und er sein Herz an Gott setzt, ehe denn er je spreche Pater noster, das eine Wort, so ist das Herz wieder entronnen in die Weite. In Treuen, das Gebet machet nicht die Seele selig, hebt er hervor, denn so viel als der Gedanke an Gott ist. Die Leute, die mit ihrem Herzen Gott also unheimlich sind, die mögen des wohl fürchten, dass sie der himmlischen Heimlichkeit (vertrauten Gemeinschaft) mit Gott verlustig gehen. Und soll doch, so fügt er hinzu, darum niemand verzagen.

Wenn er sagt, die Untugend solle man überwinden mit Tugenden und dann in Gott ruhen, so bekennt er natürlich dabei, dass wir nimmer heilig mögen werden ohne seine Gnade; aber er fordert auch, dass wir unser Herz allezeit zu der Gnade schicken. Die Gnade beginnt mit der Vergebung der Sünde; dieser folgt die Erleuchtung durch die Lehre, die den Glauben erleuchtet; Gnade macht hiebei vorsichtig, dass man nicht meine, die streng äusserliche Arbeit in der Heiligung sei die Hauptsache, womit so mancher schon vom Teufel betrogen worden ist. Die Gnade lehrt ferner Gottes Verhältniss zu den Creaturen recht betrachten. Einseitig nur bedenken, dass Gott der Allmächtige, über die Welt Erhabene ist, führt dahin, die Erniedrigung Gottes in der Menschwerdung Christi zu läugnen; man muss zugleich in Betracht ziehen, dass er auch die Weisheit und die Güte ist, die ihn des bezwang, dass er menschliche Natur an sich nahm um unserer Erlösung willen. Die Gnade lehrt ferner der Welt entfliehen. Ihr wisset wohl, so man einen Baum will fällen, so schreien die Leute: Fliehet, fliehet, dass euch der Fall nicht begreife. Zu gleicher Weise ist die Welt ein Fall und Gott und die Schrift schreien euch zu: Fliehet, fliehet alle bald von der Welt, sie erschlägt euch zu dem ewigen Tode, alle die in diesem Falle verenden.“

Auf solchem Wege der Reinigung und der Heiligung durch die Beschauung Gottes gibt sich dann die göttliche Süssigkeit in überreicher Weise zu erfahren. Er vergleicht mit den Meistern Gott mit einem Quell, der aus dem Felsen springt und sich nicht enthalten mag, sondern überall überströrat und sich doch nicht erschöpft. Daun heisse es mit Jesajas: sie sehen ihn und minnen ihn und zerfliessen von Süssigkeit und werden sich dann wundernd und breitet sich aus ihr Herz (Jes. 60). Denn anders können sie nicht: so sie an Gott so viel Süssigkeit und Schönheit sehen, sie müssen ihn minnen, und darnach zerfliessen sie von der überflüssigen Güte, und von der Güte wird ausgebreitet ihr Herz, dass sie alle Creaturen minnen in Gott und Gott in allen Creaturen, und wird die Seele also gebreitet, dass sie minnet alle Ding in allen Dingen, und unser Herr zerfliesset all um sie her, dass sie recht mit Gott allumfangen ist.

Wenn er nun den Zustand der Seele auf dieser höchsten Stufe beschreibt, so fehlt es ihm nicht an Anschauungen hierfür aus dem wirklichen Leben. Er predigt in Klöstern, wo, wie wir aus den Lebensbeschreibungen der Schwestern in den oberdeutschen Frauenklöstern ersehen, Zustände der Verzückung überaus häutig sind. Da hat die Seele vergessen alle Dinge bis auf ihn. Doch mag der Schlaf nicht lange sein; aber dieweil es ist, so muss sie schweigen, alles, das Sterbens (sterblich) an der Menschheit ist; der Mund der redet nicht noch die tödtliche Zunge, sondern in dieser Stunde harren alle Kräfte des äussern Menschen ohne Schmerz und ohne Geschrei; und du sollst nicht wähnen, dass du dich derweilen säumest mit dem Schweigen an dem Gebete: für dich betet die weise Verständigkeit (der wise wistuom), dein lieber Bruder Jesus Christus.

So sehr auch die Zeit mit ihren gesetzlichen Anschauungen von Verdienst, Lohn und Vertretung durch die Kirche und die Heiligen in seine Mystik hereinspielt, diese ist doch im Grunde ein Leben, das von Anfang bis zu Ende auf die Gnade sich gründet und auf unmittelbare eigene Erfahrung des Göttlichen sich stützen will. Da heisst es wohl, unserer Frauen Gebet kühlet des Herrn Zorn wider den Sünder, aber anderwärts sieht er in Jesu selbst die Fleisch gewordene Liebe, das für uns bittende Erbarmen. Wenn sich ihm ferner das ganze neue Leben aus dem Glauben entfaltet, und zwar aus einem Glauben, der eine feste Zuversicht, ein gewisses Vertrauen auf das Unsichtbare ist, und er dann doch diesen Glauben so bestimmt, dass der Mensch glaubet, dass ihm gelohnet werde nach seinen Werken, so ist er doch auch wieder weit entfernt, dem Werk als Werk, als äusserlichem Thun einen Werth beizulegen. Das Gebet, so hörten wir ihn sagen, macht nicht die Seele selig, denn so viel als der Gedanke an Gott ist. Er spricht von einer falschen Güte, die der Satan dem Menschen einbilde, welche in dem Vertrauen auf die zahlreichen Werke des Fastens, Wachens, Betens bestehe. Dabei sieht er in allem Sonderlichen, Auffallenden, Uebertriebenen einen hochmüthigen Eigenwillen, einen Sinn der nur sich selber folgen will. Sehr schön schliesst er an das Wort des Jesajas: „Ihr sollt ausfahren mit Freuden“ eine Betrachtung über den Segen an, den das Fahren in der Sammlung, in der Gemeinschaft mit andern bringe. Der einzeln Fahrende wird leicht überwunden. Das selbstwHlige Wesen, das sich in der Absonderung und in der Begierde andere zu überbieten kundgibt, straft sich damit, dass der Mensch über dieser Askese so erschöpft, so taub wird, dass er unversehens füllt wo er zu fliegen wähnet. Dem stellt er dann den Segen der wahren Gemeinschaft gegenüber, deren Wesen in der sich selbst vergessenden Liebe besteht, an dem Antheil, den jegliches an dem andern nimmt. Denn sie sind da alle so minniglich zusammengefügt und in einen Willen also lauterlich vereinbart, dass sich eine jegliche Seele an der anderen Freude und Würdigkeit freuet recht als an ihrer eigenen Freude.

Es liegt in der Natur der Mystik, wie schon öfter hervorgehoben ist, dass sie auf unmittelbare selbständige Erfahrung des Göttlichen dringt und dadurch dem Christenleben den Charakter grösserer Unabhängigkeit und Freiheit verleiht. Auch nach dieser Seite hin ist unser Prediger ein Beispiel. „Willst du immer auslaufen um Brod zu bitten, nicht backen selber dein Brod? — Lehre dich selber, wie du Tugend übest und gute Werke, stärke dich selber mit Gottes Worte — und hilf dir selber die Arbeit tragen mit Gottes Wort. Du sollst dich selber lehren und predigen Tugend und gut Leben. Der Prediger wäre dir oft zu ferne, Trost an ihm zu suchen, des du bedarfst für Leib und Seele. Er (Christus) ist voll süsses Trostes, vollkommenes Rathes, voll Müdigkeit, Barmherzigkeit und aller Tugend hunderttausendfältig; da such alles das du willst, er gibt dir süssiglichen Trost. Nun spricht das ist rechter und fester Glaube. Demi von dieser Wurzel wachset Furcht der Hölle und Zuversicht der ewigen Freude und Frucht aller guten Werke“.

St. Paulus: Gottes Wort soll wohnen in eurem Herzen, das ist das lebende Wort, Christus unser Herre.“

Aber doch bringt es diese ältere Mystik nirgends zu jenem Grade innerer Unabhängkeit von menschlicher Bevormundung wie Eckhart und seine Schule. Wohl sagt unser Prediger: „Merket, dass unser Herr die selige Seele befreit von aller Meisterschaft, von allen Banden, dass du je mehr freien Mutlies, freien Willens alles das du willst und alles das dich lüstet mit Freiheit tliun sollst ohne alle Furcht“. Aber diese Freiheit ist ihm mehr nur das ersehnte Ideal des zukünftigen Lebens, wie und gleich der folgende Satz belehrt.

Fragen, die in das Gebiet der speculativen Mystik gehören, berührt unser Prediger nur hie und da. An ein Wort Bernhard’s anknüpfend „die Hände, die Himmelreich und Erdreich schufen, die wurden durchschlagen mit scharfen Nägeln“ sagt er:

„Nun möchtet ihr sprechen: wie mochte das sein? Gott war da ja noch nicht Mensch geworden, da er Himmelreich und Erdreich schuf? Des will ich euch bescheiden. Unser Herr Gott, der ewig Vater hatte seinen Sohn Jesum Christum gebildet in ihm selber vor Anfang der Welt. Des will ich euch Urkunde (Zeugniss, Beweis) geben. Da unser Herr die Engel schuf, da schuf er auch Lucifer, und gab dem mehr Schönheit und Würdigkeit, denn keinem andern Engel. — Da sass er auch Gott näher und sah ihn lauterlicher denn die andern Engel. Da sah er ein menschlich Bild in dem göttlichen Spiegel, das war die Menschheit unseres Herrn Jesu Christi. Da gedachte Lucifer: dies Bilde bin ich, weil niemand so schön und auch so würdig ist als ich, davon hat er mich in ihm selber gebildet. Nun will ich meinen Stuhl neben ihn setzen, so bin ich ihm gleich. Und da er das gedachte, da fiel er. Das ist ein Urkund, dass die Menschheit gebildet war von Anfang in der Gottheit (s. u. über den Tractat von der Menschwerdung-Christi).

Zur Zeit, als unser Prediger in Oberdeutschland wirkte, begann die Mystik nicht nur in der deutschen Predigt und Abhandlung, in den deutschen Schriften, wrelche von Visionen und Offenbarungen berichten, sondern auch in der dichterischen Rede einen grösseren Raum zu gewinnen. Unser Prediger zeigt, dass er solche Dichtungen kennt. Manches bei ihm trägt die Farbe der Tochter von Sion oder verwandter weiter unten zu besprechender Gedichte; zuweilen flicht sich auch der Reim in die eigene Rede oder diese steigert sich bis zum Anklingen des Lieds, wenn er z. B. die Seele sprechen lässt:

Mir ist das Herze mein versehrt,

Dass es nimmer wird gesund,

Nach Jesu, meinem Lieben,

Der machet meine Seele wund.

Beachtenswerther noch ist es, dass diese Predigten anf Suso’s und Tauler’s Sprache von Einfluss gewesen zu sein scheinen. Denn wenn er klagt: „0 weh, Seele, dass du je etwas dachtest, denn an die ganze Seligkeit, dass du je etwas minnetest, als das oberste Gut, dass du je etwas sprachest, als sein Lob, dass du je ein Werk thatest, als in seiner Minne! Möchte dir das leid sein, wäre es (Text wohl unrichtig: es wäre) dir eine Bitterkeit, dass du all deine Gierde, all deine Freude, all deine Süssigkeit an dem nicht suchtest, und dass du ihn nicht minnetest von all deiner Kraft, der dir nun so gar lustlich und süssiglicli ist!“ oder wenn er ausruft:

„0 weh, süsse Seele, wie recht minniglich diese Ruhe ist, da Gott ruhet in diesem Paradiese, das ist dein blühendes Herze in allen Tugenden und deine Seele ruhet unter seinem göttlichen Schatten! Gesegne Gott die Seele, die mit rechter Gierde ruhet unter dem Schatten des heiligen Geistes! Diese Seele mag wohl genesen von aller Vreise (Gefährdung)“,

und wenn er dann wieder mahnt:

„Nun sollt ihr lieben Jungfrauen, die Gottes Bräute wollen sein, die sollen sich wohl bewahren und behüten, dass der Reif und der Mehlthau in das blühende Paradies eueres Herzens nicht komme, denn das machet dürre und taub der Rosen Wachsthum, unter denen Gott mit der Seele ruhen will“ —

so meinen wir in solchen Stellen schon die bewegte, innige Sprache Suso’s und ihren Rythmus zu hören. Auch manche für Tauler charakteristische Formen finden sich bereits bei unserem Prediger. So das „beide inwendig und auswendig“ und ähnliches: „An seinem Herzen, das ist aufgethan, darum dass du wohl sehest, dass seine Minne ganz wäre, beide inwendig und auswendig“. Oder: „So sollen wir unsern Glauben erleuchten, und sollen denen mehr glauben, denen wir glauben sollen und die weiser und witziger sind beide von Natur und von Kunst“. Oder:

„Dass er wähnet, dass er Gottes Engel sei, und diese Erscheinung geschiehet beide auswendig und inwendig“.

Die Zeit, in der unser Prediger wirkte und sein Einfluss sich verbreitete, war die Jugendzeit der beiden genannten Männer, und ihre Heimath lag in dem Bereich seiner Wirksamkeit. Der Orden, dessen Mitglieder sie waren, ist derselbe, dem wahrscheinlich auch er angehört hat, und der Boden, auf dem Tauler wie Suso anfangs stehen, ganz der der älteren kirchlichen Mystik. So könnte es wohl sein, dass die beiden berühmten Männer eine bedeutende Anregung unserem Prediger zu danken hätten.

Text aus dem Buch: Geschichte der deutschen Mystik im Mittelalter (1881), Author: Johann Wilhelm Preger.

Geschichte der deutschen Mystik im Mittelalter – Unterschiede der älteren und neueren Mystik

2 Comments

Comments are closed.