Haartrachten der Eingeborenen in Afrika


Man soll nicht glauben, dass die Naturvölker keinen Wert auf die Pflege und Ausschmückung ihres äusseren Menschen legen, sie verwenden im Gegenteil in der Regel viel mehr Zeit darauf als bei uns der Durchschnittsmensch. Freilich ist ihr Streben dabei in der Regel nicht so sehr auf Reinlichkeit gerichtet — darauf legen sie meist gar keinen Wert —, als auf einen möglichst abenteuerlichen Aufputz. Und zwar tut sich nicht nur das schwache Geschlecht in dieser Hinsicht hervor, sondern vielfach im Gegenteil der Mann. Dies gilt namentlich auch für die Haartrachten. Freilich tragen viele Negerstämme lediglich ihren natürlichen wollhaarigen Krauskopf zur Schau und verzichten auf jede weitere Frisur, es gibt aber anderseits ebensoviele Stämme, denen der Aufputz ihres Kopfes sehr wichtig ist.



In Ostafrika sind es die Küstennegerinnen, die Frauen der Suaheli, die ausserordentlich viel Zeit auf ihre aus mehreren Reihen kleiner Zöpfchen bestehenden Frisur verwenden. Und die Frauen der umwohnenden Stämme sind eilrig bestrebt, es ihnen gleichzutun. Sonst hat man in Ostafrika verhältnismässig wenig für kunstvolle Frisuren übrig. Vielfach tragen die Frauen ihre Köpfe sogar glatt rasiert, namentlich bei denjenigen Stämmen, die von den hamitischen Masai beeinflusst sind. Bei diesen Stämmen sind es dafür die Herren der Schöpfung, die auf ihre Frisur Wert legen. Die Masaimänner flechten ihr Haar in kleine Zöpfchen, die mit Pflanzenfaser verlängert und verstärkt werden, und tragen im Kriegsschmuck ausserdem allerlei phantastischen Kopfputz aus Federn usw.

In Südwestafrika sind es eigentlich nur die Frauen der Ovambo, die sich mit ihrer Frisur besondere Umstände machen. Am verbreitetsten ist die neulich in Nr. 30 abgebildete Haartracht, bei der die einzelnen Haarsträhnen durch Fasern verstärkt und verlängert werden, so dass sie wie ein Mantel über den Rücken hängen. Eine noch kunstvollere Ovambofrisur zeigt unser obiges Bild. Sie entsteht natürlich ebenfalls mit Hilfe von Pflanzenfasern, Harz und Fett, denn der Haarwuchs ist beim Neger, auch bei der Negerin, so gering, dass sich mit dem Haar allein nicht viel anfangen lässt.

In Kamerun scheint das Aufbauschen der Haare besonders Anklang gefunden zu haben. Vielleicht ist dies auf den Einfluss der Fulbe zurückzuführen,  deren Frauen sich in ganz besonders aufälligen Haartrachten gefallen. Die Fulbe bildeten und bilden teilweise noch in grossen Teilen Nord-Kameruns die herrschende Klasse, und bei ihnen wissen die Frauen allerlei geradezu kunstvolle Frisuren herzustellen. Besonders verbreitet ist in Kamerun eine hahnenkammartige Frisur. Sie ist mit einigen kleineren Unterschieden ebenso bei den Jaunde in Südkamerun, wie bei den Haussa und anderen Sudannegerstämmen in Nordkamerun zu finden. Die Baiafrauen in Südkamerun tragen eine Art Turbanfrisur, die Wutefrauen, von denen einige in Nr. 25 abgebildet sind, verraten wieder stark den Einfluss der Fulbe, ebenso die Mbumfrauen mit ihrer aus drei starken Haarwülsten bestehenden Frisur, wie sie oben abgebildet ist.

In Togo finden wir im Norden ähnliche Erscheinungen, häufig ist dort namentlich die Hahnenkammfrisur der Haussafrauen. Im Süden von Togo treffen wir häufig Haartrachten, die unsern heimischen ähneln, so tragen viele Frauen das Haar einfach zurückgestrichen und zu einem Knoten am Hinterkopf vereinigt, manchmal auch in der Mitte gescheitelt. Daneben kommen aber auch allerlei abenteuerlichere Frisuren vor, wie sie unser Bild in der Mitte sehen lässt, auf dem mehrere Frauen ihre Haare zu Zöpfchen zusammengedreht haben.

Im grossen und ganzen läult die Frisierkunst der Negerfrauen auf Spielerei hinaus, die dazu dienen soll, die Zeit totschlagen zu helfen. Manchmal aber haben auch die Frisuren ihren bestimmten Grund, wenn zum Beispiel das Mädchen von der verheirateten Frau unterschieden werden soll oder wenn die Witwe ihrer Trauer um den verstorbenen Gatten Ausdruck geben will. Bei den Fulbe des Sudans zum Beispiel und ähnlich auch bei den Howa auf Madagaskar lässt die Witwe ihr Haar lang wachsen und frisiert sich einige Zeit nicht.

Da und dort hat sich auch schon ein richtiges Friseurgewerbe herausgebildet, das namentlich von Frauen ausgeübt wird. Die kunstvollen Frisuren der Fulbefrauen, die teuer bezahlt werden, aber auch wochenlang halten, sind anders nicht denkbar.

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    7. Oktober 2016

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