Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die Genremaler

Ich fasse zuerst die Gruppe ins Auge , welche vorzugsweise ihre Gegenstände aus dem Leben der höheren Klasse der Gesellschaft, gelegentlich auch aus dem Bürgerstande entlehnt, häufig indess auch das Portrait behandelt hat.

An der Spitze derselben steht Gerard Terburg, geboren zu Zwoll 1608, gestorben 1681. Er lernte die Malerei bei seinem Yater und besuchte noch jung Deutschland und Italien, wo er überall viele Portaite in kleinem Maasstabe ausführte. Während eines längeren Aufenthalts in Münster zur Zeit des Friedenscongresses malte er nicht allein die Bildnisse verschiedener der Gesandten, sondern auch die sämmtlichen Mitglieder des Congresses in sein-kleinem Maassstahe auf einem Bilde. Nachdem er in ähnlicher Weise noch am Hofe zu Madrid thätig gewesen, Hess er sich zu Deventer nieder, wo er nachmals die Stelle des Bürgermeisters bekleidete. Unter den Portraiten, welche er später malte, befanden sich auch zwei des Prinzen Wilhelm von Oranien, nachmaUgen Königs von England. Gelegentlich malte er auch wohl Bildnisse in Lebensgrösse, welche durch ihre Meisterschaft in Auffassung und Ausführung zeigen, dass er selbst solchen Aufgaben durchaus gewachsen war. Seine Berühmtheit in der Kunstgeschichte verdankt er aber vornehmlich einer Anzahl von Bildern, welche selten mehr als drei, häufig aber auch nur eine, Figur aus den wohlhabenden Ständen, in einer gewählten Eleganz des Anzugs und der ganzen äusseren Erscheinung, mit der feinsten Haltung und einer höchst delikaten, aber keineswegs geleckten Ausführung darstellen. Er ist als der Schöpfer dieser Gattung anzusehen, worin nach seinem Vorgänge sich noch mehrere andere holländische Künstler hervorthaten. Die Hauptlichtmasse bildet bei ihm meist das weissatlasne Kleid einer Dame, welches zugleich den Ton für die, vorwaltend der kühlen Tonleiter entnommenen Harmonie angiebt, selbst wenn die, immer höchst naturwahren, Gesichter wann colorirt sind. Mit dem feinsten malerischen Gefühl versteht er es aber ausserdem durch einige warme Farben die Eintönigkeit zu vermeiden. Von Portraiten von ihm, welche jetzt selten in Gallerien Vorkommen, führe ich nur sein eigenes in ganzer, stehender Figur im Museum im Haag, No. 170, an. Die in einem gemässigt bräunlichen, klaren Ton wiedergegebenen Züge des edlen Gesichts zeigen, dass er sich in schon höheren Jahren gemalt hat. Er trägt eine Alougenperücke. Das Hauptbild in diesem Fache, die Gesandten des Congresses zu Münster, befindet sich jetzt im Besitz des Grafen Demidoff in Russland. Unter seinen Genrebildern findet gelegentlich ein Zusammenhang statt, so dass mehrere, verschiedene Vorgänge einer Geschichte darstellen. So befinden sich in der Gallerie zu Dresden zwei recht gute Bilder von ihm, deren eins einen Offizier vorstellt, welcher einen Brief schreibt, und einen Trompeter, der darauf wartet, No. 1179, das andere, ein Mädchen in weissem Atlaskleide, welches sich die Hände in einem, ihr von einer Zofe vorgehaltenen, Becken wäscht, No. 1180. In München sieht man in der Gallerie ein sehr schönes Bild, No. 470 Cabinette, wo der Trompeter den Brief dem Mädchen anbietet, welches, wegen der Gegenwart der, den Vorgang mit grossem Unwillen ansehenden, Zofe, unschlüssig ist, ob sie den Brief annehmen soll. Im Museum zu Amsterdam sieht man endlich in dem, unter dem Namen der väterlichen Ermahnung berühmten Bilde, No. 808, die Schlussscene der kleinen Novelle. Die Zofe hat die Sache dem Vater verrathen, und er ertheilt der Tochter, in welcher der Künstler dadurch, dass er sie vom Rücken zeigt, sehr glücklich das Gefühl des sich Schämens ausgedrückt hat, einen Verweis. Leider hat dieses schöne Bild sehr gelitten, so dass die trefflich erhaltenen Originalwiederholungen in der Galleric zu Berlin, No. 791, und’in der Bridgewatergallerie in London jetzt unbedingt den Vorzug verdienen. Von den etwa 90 Genrebildern, welche Smith von Terburg beschreibt, kann ich nur noch einige der vorzüglichsten anführen. Ein Offizier im traulichen Verkehr mit einem Mädchen und ein Trompeter, welcher ihm einen Brief gebracht hat, im Museum im Haag No. 169. .Besonders für das Helldunkel und die feine Harmonie der gebrochenen Farben sehr ausgezeichnet. Im Louvre: Ein stattlicher Offizier, mit einem feingekleideten Mädchen, in einem Gemache sitzend, bietet ihr Geld an, No. 526. In der Lebendigkeit der Köpfe, der Zeichnung, dem fein abgewogenen Silberton, der ebenso fleissigen al3 freien Behandlung, ein Hauptwerk des Meisters. Vor einem Herrn, welcher sitzend die Laute spielt, steht ein Mädchen mit einem Notenbuch. Im Hintergründe eine sie beobachtende Frau. Vom Jahr 1660, No. 527. Durch die Feinheit, womit die Figuren auf einander bezogen sind, die tiefe, kühle Harmonie, von reizender Wirkung. Der Gipfelpunkt von Feinheit in der Klarheit und Harmonie des Silbertons ist indess ein junges Mädchen in weissem Atlas, welche, an einem Tische sitzend, auf der Laute spielt, in der Sammlung des Schlosses Wilhelmshöhe zu Kassel. Auch in dem Anziehenden des Gefühls, der Bequemlichkeit der Stellung, der Zartheit der Touche hat der Meister nur selten diese Höhe erreicht. Unter den sechs, von Terburg in der Eremitage zu St. Petersburg befindlichen, Bildern gehören ein Mädchen, welches einen Brief liest, und ein Mädchen, dem ein junger Herr Geld anbietet, ebenfalls zu seinen besten Arbeiten. Unter den 23 Bildern, von denen ich, als in Grossbritanien von ihm befindlich, in meinen Treasures Rechenschaft gebe, erwähne ich hier nur des Mädchens, welches ihrer Mutter einen Brief vorliest, mit einem Pagen, im Buckinghampalace, als eines, in jedem Betracht vorzüglichen, Hauptwerks des Meisters.

Von Gabriel Metsu, geboren 1615 in Leyden, noch am Leben 1667 , 2 ist zwar nicht bekannt, wer sein Lehrer gewesen ist, indess zeigen seine Gemälde, dass er sich vorzugsweise nach Terburg gebildet hat. Sonst weiss man vpn ihm nur, dass er mit dem Maler Jan Steen in einem freundschaftlichen Yerkehr gestanden, und sich später in Amsterdam niedergelassen hat. Wenn er schon häufig, sich seinem Yorbilde anschliessend, Yorgänge aus dem Leben der höheren Klassen darstellt, so gefällt er sich doch auch öfter etwas herabzusteigen und uns den Yerkehr der niederen Stände auf dem Markte, auch Jäger und Köchinnen‘ vorzuführen. Portraite malte er nur ausnahmsweise, in einigen Fällen selbst in Lebensgrösse. Mit Terburg ist er der einzige Kleinmaler, welcher sich solcher Aufgabe durchaus gewachsen zeigt. Im Gefühl unterscheidet er sich von diesem durch eine grössere Wärme. Seine Köpfe haben meist den Ausdruck des Gutartigen und Heiteren, ja zuweilen steigert sich dieser zum Gemüthlichen. Gelegentlich findet man auch bei ihm einen, dem Jan Steen verwandten, Humor. In der Feinheit der Zeichnung kommt ihm kein anderer der Klein-maler gleich, in der malerischen Anordnung thut es ihm keiner zuvor, und dasselbe gilt auch von der Haltung. In der Färbung waltet bei ihm in den Bildern seiner früheren und mittleren Zeit entschieden die warme Harmonie in grosser Kraft und Klarheit vor. In den späteren Bildern tritt dagegen eine kühlere, häufig fein abgewogene, gelegentlich aber etwas bunte, Färbung ein. In dem, ungeachtet aller Ausführung, freien und geistreichen Yortrag, ist nur Terburg mit ihm zu vergleichen. Hauptwerke aus der höheren Sphäre der Gesellschaft sind: in einem eleganten Zimmer empfängt eine Dame, welche ein Glas Wein hält, einen Offizier; neben ihr ein Page mit einem Präsentirteller und ein Wachtelhund. Im Louvre, Ko. 293. Der Gesammteindruck ist von grosser Eleganz, der tiefe Goldton von seltener Klarheit, der Vortrag ebenso geistreich, als zart. — Ein Mädchen, auf deren Stuhllehne sich ein Herr stützt, ist mit Schreiben beschäftigt, ein anderes, ihr gegenüber sitzendes, Mädchen spielt die Laute. Im Museum im Haag, No. 94. Glücklich componirt und in einem lichten Goldton mit grosser Zartheit vollendet. Nach zwei, mit 1662 bezeichneten, Bildern in der Gallerie zu Dresden, wahrscheinlich um diese Zeit gemalt. — Ein Jäger bringt einer reich gekleideten Dame ein Rebhuhn, in der Sammlung van der Hoop in Amsterdam. In Geschmack, Tiefe und Klarheit der warmen Harmonie, fleissigen Ausführung, ersten Ranges. Ein Hauptwerk aus derselben Zeit ist eine Dame mit ihrer Tochter und einem Herrn bei einem Mahl, in der Eremitage zu St. Petersburg. Schon mehr dem Bürgerstande gehört eine Frau von liebenswürdigem Ausdruck mit ihrem Manne an, welcher in fröhlicher Stimmung ein Champagnerglas erhebt, in der Gallerie zu Dresden, No. 1244. Dieses Bild zeichnet sich ausserdem durch die Bestimmtheit der Formen von trefflicher Zeichnung aus, es ist mit dem Jahr 1664 bezeichnet. Es ist von mässig warmem Ton, und die Ausführung in einem sehr soliden Impasto ungemein sorgfältig. Ungleich früher als dieses gemalt, aber aus derselben Schicht der Gesellschaft, ist, ebenda, No. 1242, ein am Kaminfeuer sitzender Mann, welcher im Begriff ist, sich mit einer glühenden Kohle seine Tonpfeife anzuzünden, und auf die Rede einer hinter ihm stehenden Frau horcht, welche einen Krug vod einem Tisch nimmt, worauf eine brennende Lampe. In diesem einzigen, mir von Metsu bekannten, Stück bei Nachtbeleucbtung, erkennt man den Einfluss des Gerard Dow, welchem er es in Gluth und Klarheit der Lichtwirkung, wie an Wahrheit in allen Theilen gleich thut. — Das Hauptbild aus dem Kreise der niederen Stände ist sein Amsterdamer .Gemüsemarkt, im Louvre, No. 292. Der Ausdruck der Figuren ist sehr lebendig, die Wirkung des Sonnenlichts trefflich wiedergegeben, die Ausführung sehr zart. Die Composition ist indess für den, für Metsu sehr ansehnlichen Umfang von 3 Fuss Höhe und 2 Fuss 7 Zoll Breite, etwas arm und sowohl der Gehalt, als die Wirkung keinesweges so befriedigend, als bei der Mehrzahl der obigen Bilder. Diesem nahe verwandt und wohl aus derselben Zeit sind zwei, mit 1662 bezeichnete Bilder der Gallerie zu Dresden, deren das eine, No. 1239, eine * Federviehhändlerin im Verkehr mit einer alten Frau, das andere, No. 1240, einen Geflügelhändler im Verkehr mit einer jungen Frau darstellt. Das bedeutendste, mir von Metsu bekannte, Bild, worin der Humor des Jan Steen anklingt, ist das Fest des Dohnenkönigs, in der Gallerie zu München, No. 529, Cabinette. Zugleich ist das Helldunkel hier von seltenster Klarheit, die Behandlung von besonderer Breite. Der warme Ton deutet auf die mittlere Zeit des Meisters. Es giebt dem Amsterdamer Markt an Grösse nichts nach. Ein Hauptbeispiel für Metsu als Portraitmaler und zugleich für_seine späte Kunstweise ist die Familie Gelfing, Vater, Mutter, vier Kinder und eine Magd in einem stattlichen Zimmer, im Museum zu Berlin, No. 792. Alle Köpfe sind sehr lebendig und fein, die Farbenstimmung, die Behandlung sehr delikat. An Interesse wird es noch von einem Bilde aus derselben Zeit in der Eremitage zu St. Petersburg übertroffen, welches den Besuch eines Arztes bei einer jungen Dame vorstellt. — Das schönste, mir bekannte Bild-niss von Metsu in Lebensgrösse befindet sich in der Sammlung des Herrn Barthold Suermondt in Aachen. Es soll die Mutter des Künstlers vorstellen und ist in j’edem Betracht, Auffassung, Form und Farbe, von einer Meisterschaft, als ob der Künstler sich immerwährend in solchen Verhältnissen bewegt hätte. In England habe ich 28 Bilder des Metsu gesehen und davon in meinen Treasures Rechenschaft gegeben. Da sie sich indess sämmtlich in Privatsammlungen befinden, erwähne ich hier nur einige der wichtigsten, welche leichter zugänglich sind. Von vier Bildern im Buckingham-palace zeichnen sich besonders ein Herr, welcher das Violoncel spielt, eine Dame, welche mit einem Notenbuch eine Treppe herunter kommt, und sein eigenes Bildniss, als höchst treffliche Werke aus der mittleren Zeit des Meisters aus. 1 Das unter dem Namen „der Eindringling*1 bekannte Bild, in der Sammlung von Thomas Baring, vereinigt mit den sonstigen Vorzügen des Meisters den einer belebteren Handlung, als meist. Dass Metsu weder Gegenstände der Historie, noch der Allegorie, zu behandeln berufen war, beweisen seine Ehebrecherin vor Christus, im Louvre, No. 291, und seine Darstellung der Justiz im Museum im Haag, No. 95.

Caspar Netscher, geboren in Heidelberg 1639, gestorben im Haag 1684, hat sich offenbar nach Terburg und Metsu gebildet. Wenn er dem ersten in Feinheit der Haltung und des Helldunkels, dem zweiten in Correctheit der Zeichnung und in dem geistreichen Vortrage, beiden im Gefühl für Harmonie der Farben und im Impasto, nachsteht, so thut er es doch beiden in der geschmackvollen Anordnung und der Eleganz seiner Figuren gleich, und ist ihnen an Schönheitssinn sogar überlegen. Besonders versteht er es, den Reiz hübscher Kinder in vollem Maasse wiederzugeben. Gleich dem Terburg war er besonders als Portraitmaler im Kleinen beliebt, und die Anzahl der von ihm in dieser Art gemalten Portraite ist sehr gross. In seinen Genrebildern behandelte er ganz ähnliche Vorgänge, wie seine Vorbilder. In Gegenständen aus der Geschichte und der Mythologie war er nicht glücklicher als Metsu. Die Bilder aus seiner früheren und mittleren Zeit sind in einem warmen, bald tieferen, bald helleren Ton gehalten. Seine grösste Höhe erreichte er von dem Jahr 1664 bis 1668, worin er in jenem Ton seine umfangreichsten und ansprechendsten Compositionen ausführte. Später wird seine Färbung kühler, und geht allmählig in einen feinen Silberton über. Seine spätesten Bilder zeigen eine entschiedene Abnahme des Gefühls für Harmonie, sie sind kalt und öfter rosig im Fleisch, und von bunter Gesammtwirkung. Keine Gallerie kann sich für Caspar Netscher mit der Dresdener messen, welche treffliche Bilder aus seinen verschiedensten Zeiten besitzt. Ein Bildniss, angeblich das des Künstlers, No. 1443, mit 1664 bezeichnet, hat etwas Gemüthliche8 in der Auffassung, und ist mit grosser Zartheit in einem hellen Goldton durchgeführt. — Ein Herr begleitet den Gesang einer Dame mit der Laute, No. 1446, bezeichnet 1665. Von grossem Reiz in der Composition, wie in der warmen und klaren Färbung und dem weichen Vortrag. — Eine Dame mit einem Wachtelhund, welcher die Zofe das Haar ordnet, No. 1447, ist etwa aus derselben Zeit — Eine hübsche Dame in weissem Atlas am Klavier, welche den Gesang eines Herrn begleitet, No. 1444, datirt 1668. Die geschmackvolle Composition, das feine Gefühl in den Köpfen, der satte Goldton, die gleichmässig fleissige Durchführung, der für ihn ungewöhnliche Umfang von 2 Fuss lVa Zoll Höhe, und 1 Fuss 7‘/2 Zoll Breite, machen dieses zum Hauptbilde des Meisters.,— Diesem steht in der Zeit eine Dame, welche sich das Haar ordnen lässt und ein kleines, die Zunge ausstreckendes Mädchen vor dem Spiegel, im Museum zu Amsterdam, No. 225? mit 1669. bezeichnet, in der Zeit nahe, aber im Kunstwerth obwohl schön, doch weit nach. Das frühste mir von ihm bekannte Bild im Silberton ist das höchst elegante Portrait der Frau von Montespan in Dresden, No. 1447, vom Jahr 1670. Das noch schönere Bild derselben mit ihrem Sohn, dem Herzog von Maine, als Kind, ebenda Ko. 1448, ist in einem etwas wärmeren Ton gehalten. Dasselbe gilt jn noch grösserem Maasse von seinem, 1672 bezeichneten Bildniss von Constantin Huygens, dem Yater, No. 224, des Museums zu Amsterdam. Keine Gallerie hat eine so reiche Folge von solchen eleganten Portraits von diesem Meister aufzuweisen, als die Eremitage zu St. Petersburg. Für seine späteste kalte und bunte £eit und zugleich für seine nüchterne und prosaische Auffassung mythologischer Gegenstände möge seine, in mehreren Exemplaren vorkommende, Vertumus und Pomona, im Museum zu Berlin, No. 850, vom Jahr 1681, als ein Beispiel genügen. Als ausgezeichnete Werke aus der besten Zeit führe ich noch an. Ein Bild im Museum im Haag, No. 111, vom Jahr 1665, welches ihn, den Gesang seiner Tochter auf der Laute begleitend, und seine Frau darstellt. Trefflich ist hier die Aengstlich-keit des jungen Mädchens ausgedrückt. — Eine junge Dame, welche auf der Bassgeige spielt, mit ihrem Lehrer und einem Knaben, im Louvre, No. 359. Die namhaftesten seiner, in England vorhandenen, Bilder befinden sich in schwer zugänglichen Privatsammlungen. Eine Ausnahme hiervon macht eine Mutter mit dem Kinde, ein artiges Bild aus der mittleren Zeit des Meisters, in der Sammlung von Thomas Baring. Ein kleines Kind in der Sammlung von Lord Ashburton-, führe ich als Beispiel an, mit welchem Reiz er solche Gegenstände behandelte.

Jacob Ochtervelt. Unter den Malern dieser Gattung von zweitem Rang nimmt dieser eine der ersten Stellen ein. Ueber seine Lebenszeit und seinen Meister ist nichts mit einiger Sicherheit bekannt. Aus seinen ziemlich seltnen Gemälden ersieht man indess, dass er sich vornehmlich nach Gabriel Metsu gebildet hat. Indess ist auch ein Einfluss des Pieter de Hoogh auf ihn unverkennbar. Das beste, mir von ihm bekannte, Bild befindet sich unter No. 160 im Museum des Haags. Es stellt eine Dame in einem Zimmer vor, welcher ein Mann Fische anbietet. Wenn dieses Bild in der Auffassung, und der Art der sehr fleissigen Ausführung dem Metsu nahe kommt, so erinnert es in der Zusammenstellung der Farben , wie in der Art der Beleuchtung entschieden an Pieter de Hoogh. Die Gesammtstimmung ist hier wärmer, als in seinen meisten Bildern, in denen ein kühler, im Fleisch röth-licher Ton vorherrscht. Auch eine Köchin, welche Fische zurichtet
und ein Knabe, No. 44, der Gallerie Aremberg, J. Ochtervelt bezeichnet, gehört zu seinen besten, in der Farbe kräftigen, Bildern. Unter vier Bildern, welche die Eremitage zu St. Petersburg von ihm besitzt, gilt dasselbe von zweien, einem Mädchen, welches einem Heren Wein credenzt und einem Besuch in einer Familie.

Michiel van Muscher, geboren 1645, zu Rotterdam, gestorben zu Amsterdam 1705. Aus einer eigenhändigen Notiz von ihm wissen wir, dass er seine Kunst wesentlich bei Abraham van den Tempel gelernt, später aber noch, indess für sehr kurze Zeit, den Unterricht des GL Metsu und A. van Ostade genossen hat. In seinen trefflichen Bildern, meist Bildnissen im Kleinen, kann man namentlich den Einfluss des ersten und des zweiten Meisters erkennen. So in einem männlichen, bezeichneten und 1678 datirten Bildniss, in der Sammlung van Six in Amsterdam, den des van den Tempel, in seinem, von 1681 datirten Familienbildniss, No. 101, des Museums im Haag, theils den desselben, theils des A. van Ostade, nur dass der zwar klare und warme Ton kühler, die Umrisse härter sind, als bei letzterem. Diesem ungleich näher steht indess das beste, mir von ihm bekannte Bild, der Maler Willem van der Yelde in seiner Werkstatt, welcher seine Palette bereitet, in der Sammlung von Thomas Baring in London. Schon die ruhige Stimmung ist hier sehr ansprechend. In der Klarheit des Helldunkels und der trefflichen Ausführung braucht es dem A. van Ostade aber nicht nachzustehen. Gelegentlich malte er auch Genrebilder. Der Art ist eine Mutter mit einem Säugling und einem grösseren Kinde, No. 41, der Gallerie Aremberg, mit dem Namen und 1683. Es hat etwas Gemüthliches im Gefühl, und ist in einer kühlen Harmonie mit grosser Zartheit durchgeführt.

Eine ganz eigenthümliche Stellung nimmt Jan Steen ein, doch dürfte er wohl am schicklichsten an dieser Stelle einzureihen sein, da er verschiedene Bilder gemalt hat, worin er sich den obigen Meistern, besonders seinem Freunde, Gabriel Metsu, sehr eng anscliliesst. Ungefähr um das Jahr 1626 zu Leyden geboren, genoss er den Unterricht des Nicolaus Knüpfer. Später soll er bei Jahn van Goyen gearbeitet haben, dessen Tochter er heirathete.

Ein ausserordentliches Genie für die Malerei war bei ihm mit einem unwiderstehlichen Hang zum Trunk und zum ausgelassenen Leben verbunden.1 Dadurch, dass seine Familie ihn in den Stand setzte Schankwirth zu werden, beförderte sie auf der einen Seite nur noch die Befriedigung dieser Leidenschaft. Er fand aber auch auf der andern als solcher die beste Gelegenheit die Gegenstände so vieler seiner Bilder, welche uns alle möglichen Aeusserungen einer durch die Freuden der Tafel, des Weins, des Gesangs, des Kartenspiels und der Liebe aufgeregten Gesellschaft darstellen, unmittelbar nach dem Leben zu malen. Er muss mit einer bewunderungswürdigen Leichtigkeit producirt haben, denn unerachtet jene Lebensweise ihm einen grossen Theil seiner Zeit kosten musste, und er auch in Folge derselben schon im Jahr 1679 starb, mithin kein sehr hohes Alter erreichte, .ist doch die Anzahl der von ihm ausgeführten Bilder, von denen Smith etwa 200 anführt, ausserordentlich gross. Ausser dein, soeben erwähnten, Lieblingsthema, welches er in den mannigfaltigsten Formen von zwei Personen, welche es sich wohl sein lassen, durch %Familienschmäuse, Feste des Bohnenkönigs, des Sprüchworts „So wie die Alten sungen, so pfeifen auch die Jungen“, Kirmessen und Hochzeiten durchgeführt, behandelt er noch viele andere Gegenstände. Besonders gern stellt er Besuche des Arztes bei jungen Mädchen, und Schulmeister mit einer meist sehr ausgelassenen Schuljugend dar, wie ihn denn überhaupt das Komische im Treiben der Kinder sehr anzieht. Bald werden nach einer alten Sitte in Holland am St. Nicolastage (der 3. Sept.) die artigen Kinder belohnt, die unartigen bestraft, bald spielen sie mit Katzen, bald entwenden sie ihren, in Folge der Trunkenheit schlafenden Eltern, Geld. Auch die Thorheit der Goldmaeherei stellt er öfter mit schrecklicher Wahrheit dar. Nur ausnahmsweise klingt bei ihm das Gemütkliche in der Weise des Maes, in einer Mutter welche ihrem Kinde zu essen giebt, oder in einer armen Familie, welehe ihr Tischgebet hält, an. Ebenso malt er auch, glücklicherweise nur selten, Bilder, welche das sittliche Gefühl verletzen. Minder erfreulich ist er in seinen Darstellungen von fetten und mageren Familien. Die Eigenschaften beider sind darin absichtlich zu sehr übertrieben. Am wenigsten glücklich aber erscheint er in seinen ziemlich häufigen Vorstellungen aus der heiligen, und aus der Profangeschichte, welche durchweg, da er sie immer in den Kreis seiner, dom gemeinen Leben entlehnter Anschauungen zieht, den Eindruck von Parodien machen.

Jan Steen ist unbedingt nächst Rembrandt der genialste Maler der ganzen holländischen Schule. In der Fülle seiner Erfindungen, worin er alle übrigen Genremaler der Schule weit übertrifft, spricht sich ein unerschöpflicher Humor von einer bodenlosen Ausgelassenheit und Schalkheit aus. Und in allen übrigen Stücken, (Komposition, Zeichnung, Haltung, Färbung, Impasto, geistreicherund doch dabei fleissiger, Ausführung steht er keinem nach, wenn er seine ganze Kraft zusammen nimmt. Leider ist dieses freilich häufig nicht der Fall, und dann sinkt er öfter sehr tief von dieser Höhe herab. Seine Köpfe werden widrige und gemeine Caricaturen, seine Motive übertrieben, die Behandlung flüchtig, die Färbung von einem schweren und einförmigen Braun. Wegen des, den Engländern so ungemein zusagenden, Humors ist dieser Meister dort so beliebt, dass sich wenigstens zwei Drittel aller seiner Bilder in England, indess sämmtlich in Privatsammlungen, befinden. Indem ich für die Würdigung einer grossen Anzahl auf meine Trea-sures verweise, kann ich daher davon hier nur einige Bilder in den am meisten zugänglichen Sammlungen anführen. In der Sammlung von Thomas Baring. Das höchst charakteristische Bildniss des Künstlers, wie er, behaglich auf einen Stuhl hingegossen, mit einer unvergleichlichen Miene der Sorglosigkeit, welche sich über die ganze Welt lustig macht, sich ein Lied znr Laute singt. Die Ausführung in einem harmonisch gebrochenen Ton, ist meisterlich.1 Eine ausgelassene Schuljugend benutzt den Schlaf des alten, wohlbeleibten Schulmeisters, um allerlei tolle Streiche auszuführen. So hat‘ sich einer seine Brille aufgesetzt.- Die treffliche Ausführung entspricht hier der ergötzlichen Erfindung. — In der Sammlung des Lord Ashburton. Eine lustige Gesellschaft in einer Schenke, darunter der Künstler. Das warme, durch die offene Thür einfallende, Sonnenlicht ist hier mit bewunderungswürdiger Wahrheit und Feinheit in dem ganzen Bilde durchgeführt. Wie trefflich er eine ähnliche Lichtwirkung auch im Freien darstellen konnte, beweisen ebenda seine, zugleich mit dem feinsten, malerischen Geschmack angeordneten, und, ebenso delikat als geistreich ausgeführten, Kegelspieler. Ich lasse hienach noch die wichtigsten Bilder in den öffentlichen Gallerten auf dem Continent, wo Jan Steen nur selten vorkommt, folgen. Im Museum im Haag, No. 156. Der Künstler führt mit seiner Familie das Sprüchwort: „So wie die Alten sungen, so pfeifen auch die Jungen“ auf. Höchst anziehend durch gemüthliche Fröhlichkeit, welche hier überall herrscht, und sehr fleissig in einem trefflichen Helldunkel ausgeführt. Ebenda No. 157. Eine Gesellschaft von 20 Personen thut sich an Austern gütlich. Durch den Humor in den Köpfen, die sehr kunstreiche Anordnung, die schlagenden Gegensätze der Beleuchtung, die hie und da dem Metsu nahe kommende Ausführung, ein Hauptbild unter der grossen Zahl dieser Gattung. Dass er in der Klarheit des hellen Sonnenlichts selbst dem Pieter de Hoogh nicht nachsteht, beweist seine Menagerie, ebenda No. 160. Der Baumstamm mit dem Pfau zeigt zugleich, mit welcher Wahrheit er auch solche Gegenstände wiederzugeben verstand. Unter den Krankenbesuchen ist das Bild, ebenda No. 161, eins der schönsten. Das Motiv des sich ümsehenden, kranken Mädchens, ist von seltner Wahrheit und Gefälligkeit, die Haltung in der kühlen Harmonie musterhaft, die Modellirung aller Theile trefflich. Im Museum zu Amsterdam. Eine junge Dame füttert einen Papagei, während einige junge Leute Trictrac spielen, No. 300. Von feinem Geschmack in der Anordnung, in Klarheit und Tiefe des warmen Tons dem Ostade nahe, und von gleicli-mässig gediegener Durchbildung. Minder klar und weniger solide impastirt, aber doch ein gutes Beispiel seiner Darstellungen des St. Nicolasabends ist das Bild, No. 302, ebenda. Freud und Leid der Kinder, die Theilnahme der Eltern, sind höchst lebendig ausgedrückt. Unter sieben trefflichen Bildern des J. Steen in der Eremitage zu St. Petersburg, eine Zahl, wie keine andere Gallerte aufweisen kann, kommt eine Gesellschaft mit einem Herrn und einer Dame im Gespräch, von einer meisterlichen, kühlen Haltung an Feinheit der Ausbildung dem Metsu nahe. In der Gallerte zu Wien zeichnet sich ein Bild vom Jahr 1663 aus, worin gekost, gelesen, geschlafen und vom Meister Steen selbst auf der Violine gespielt wird. Es ist voller Laune, von brillanter Beleuchtung, und sehr klarer Farbe. Zu seinen, durch Umfang, 4 Fuss 6 Zoll hoch, 6 Fuss breit, durch den feinen dramatischen Gehalt, wie durch die gleichmässig treffliche Ausführung bedeutendsten, Bildern gehört der Heirathscontrakt, in der Gallerie zu Braunschweig, No. 430. Unter seinen verschiedenen, das Bohnenfest darstellenden, Bildern möchte das in der Gallerie zu Cassel, mit dem Jahr 166.8 bezeichnete, No. 576, wohl die erste Stelle einnehmen. Es ist voll ergötzlicher Motive. So ist ein Knabe hier Bohnenkönig geworden. Auch die Ausführung ist fleissig und geistreich. Das Leben in einem Wirthshausgarten, No. 795 des Museums zu Berlin, zeichnet sich besonders durch die sonnige Lichtwirkung, die lebendigen Köpfe, die geistreiche Behandlung aus. Als Beispiele der historischen Bilder des Meisters führe ich nur die Hochzeit zu Kana, in der Sammlung des Herzogs von Aremberg zu Brüssel und Esther vor Ahasverus in der Eremitage zu St. Petersburg an. Ersteres ist nicht allein eins der besten, mir bekannten Bilder dieser Art, sondern gehört durch Umfang, Reichthum der eigenthümlichen Gruppen und feiner Durchbildung überhaupt zu den namhaftesten Arbeiten des Meisters. Das zweite, mit vieler Einsicht . componirte, und höchst gediegen ausgeführte, kommt an Kraft des goldigen Tons, an Tiefe des Helldunkels dem Rembrandt nahe.

Eine ganz eigenthümliche Gruppe der holländischen Schule bilden die Feinmaler, an deren Spitze Gerard Dow1 steht. Wie fleissig nämlich auch Maler, wie Terburg, Metsu und Netscher ihre Bilder ausgeführt haben, so benutzen Dow und seine Schüler und Nachfolger noch ungleich mehr als jene die zur höchsten Vollkommenheit ausgebildete Technik, um auch die kleinsten Einzelheiten mit bewunderungswürdiger Treue wiederzugeben. Der am 7. April 1613 zu Leyden geborene, und 1680 gestorbene, Gerard Dow gehört zu den Malern, deren grosses Talent sich schon sehr früh entwickelt hat, denn, bereits mit 15 Jahren ein Schüler des Rembrandt, reichte die kurze Zeit von drei Jahren hin, ihn zum selbständigen Künstler auszubilden. Er legte sich anfangs auf die Portraitmalerei, und hat gleich seinem Meister, besonders oft sein eignes Bildniss gemalt, behandelte aber später meist Vorgänge aus dem Leben der mittleren und unteren Stände. Nur ausnahmsweise ging er zu den höheren Ständen über. Ein besonderes. Gefallen fand er an der Darstellung von Einsiedlern. Auch Vorgänge aus der Bibel führte er bisweilen aus. In einzelnen Fällen malte er endlich auch Stillleben. Häufig wählte er eine Beleuchtung durch Laternen und Kerzenlicht. Weit die Mehrzahl seiner Bilder enthalten von einer, bis drei, Figuren und übersteigen nicht die Grösse von etwa 2 Euss Höhe und 1 Fuss 3 Zoll Breite, bleiben aber auch häufig noch weit darunter. Reichere Compositionen behandelte er nur ausnahmsweise. Gegenstände von bewegter Handlung lagen ausserhalb der Sphäre seines Talents, ja nur selten erregen seine Bilder überhaupt ein lebhafteres, geistiges Interesse, am meisten noch eine gewisse, gemüthliche Stimmung. Er bewegt sich in einem sehr kleinen Kreise von Physiognomien, was darin seinen Grund haben dürfte, dass nur wenige Personen die Geduld haben mochten, ihm zum Modell zu dienen. Dagegen hat er sich in vollem Maasse von seinem grossen Meister das Gefühl für das Malerische, für das Helldunkel in seinem feinsten Zauber, und in vielen Fällen auch für die Kraft und Klarheit der warmen Färbung angeeignet, und verbindet hiermit ein seltnes Gefühl für KaturWahrheit, eine wunderbare Schärfe des Auges und fast beispiellose Präcision der Hand. Ungeachtet der unsäglichsten Ausführung ist der Vortrag seines Pinsels frei und weich, das Impasto vortrefflich. Vermöge der Vereinigung dieser Eigenschaften erscheinen seine besten Bilder, wie die Natur selbst in der Camera obscura. Auch wurden seine Arbeiten schon zu seiner Zeit so hoch geschätzt, dass der Resident von Spiring im Haag ihm eine jährliche Pension von 1000 Gulden für das Vorkaufsrecht seiner Bilder anbot. Höchlich zu bewundern bleibt, bei der langen Zeit, welche er zur Vollendung eines Bildes brauchte, 1 und dem nicht hohen Alter von 67 Jahren, welches er erreichte, die grosse Zahl der von ihm vorhandenen Bilder, von denen Smith gegen 200 verzeichnet hat. Von öffentlichen Gallerien besitzen besonders schöne Werke von ihm die im Louvre, in Amsterdam, in München, Dresden und St. Petersburg.

In jedem Betracht, in der Auffassung, Tiefe des goldigen Tons, Breite des Vortrags, noch ganz in der Weise des Rembrandt, ist das mit seinem Monogramm bezeichnete Bildniss eines lesenden‘ Mannes im Profil mit einem Turban in der Eremitage zu St. Petersburg. Sehr merkwürdig ist zunächst in derselben Beziehung ein Bild, der blinde Tobias, welcher seinem Sohn entgegen geht, in Wardourcastle, dem Landsitz des Lord Arundel.1 Es ist für ihn ungewöhnlich gut gezeichnet, und in einem sehr harmonischen Ton fleissig, aber nicht so im Einzelnen, wie gewöhnlich, ausge-r führt, wie es auch der ungewöhnlichen Grösse von 3 Fuss 3 Zoll Höhe, 4 F. 4 Z. Breite, entspricht. Einen Uebergang zu seiner eignen Weise zeigt sein eignes, kleines Portrait in der Bridgewater-gallerie, welches ihn in einem Alter von etwa 22 Jahren, in einer, einen Schlagschatten über das Gesicht werfenden, Kappe, darstellt.2 Mit dem goldigen, wenn schon etwas helleren Ton des Meisters verbindet er schon die sehr* ins Einzelne gehende Ausführung.

Ich lasse jetzt noch eine massige,Anzahl besonders vorzüglicher Bilder folgen, welche die Aeusserungen seines Talents in verschiedener Weise zeigen. Im Louvre. Eine alte Frau liest, am Fenster sitzend, ihrem Manne, aus der Bibel vor, No. 129. Das Gefühl der stillen häuslichen Andacht, die schlagende Beleuchtung, sprechen für die frühere, noch dem Rembrandt verwandte Zeit des Meisters. Eine än einem Bogenfenster stehende Köchin, giesst Milch in eine Schaale, No. 125. Unter den vielen Vorstellungen G. Dows von ähnlicher Art, eine der vorzüglichsten. Von warmer, sonniger Wirkung und seltner Vollendung. Eine Würzkrämerin hinter dem Ladentisch, eine Alte, ein Mädchen und ein Bursche, bezeichnet 1647, No. 123. Von den verschiedenen Bildern dieser Art, eines Lieblingsgegenstandes des Meisters, durch Composition, Klarheit des hellen Sonnenlichts, eins der ausgezeichnetsten, in der Gesammthal-tung indess schon von dem kühleren Ton seiner späteren Bilder. Die Wassersüchtige, No. 121. Unbedingt das Hauptwerk des Meisters. Durch die Trauer der Tochter um die Kranke, welche den höheren Ständen angehört, sehr rührend, in der Composition glücklich, in der sonnigen Wirkung von seltner Klarheit, in der Vollendung, ungeachtet der für ihn ansehnlichen -Grösse von 2 Fuss 7 einhalb Zoll hoch, 2 F. 1 Z. breit, von einer seltnen Feinheit. In der Gallerie zu Wien (Fig. 55). Ein Arzt betrachtet aufmerksam ein Uringlas. Im Hintergründe eine weinende alte Frau. Dieses mit 1653 bezeichnete Bild ist dem vorigen sehr verwandt, und gehört in jedem Betracht, ganz besonders in der Tiefe des Helldunkels, zu den trefflichsten „Werken des Meisters. Im Museum zu Amsterdam. Die Abendschule, No. 67. Unter seinen Bildern mit Kerzenbeleuchtung, welche kein anderer Maler mit solcher Wahrheit und Feinheit wiedergegeben hat, als Dow, das bedeutendste.

Die Composition zeigt einen seltnen Sinn für das Malerische, der Eindruck eines Verweises, welchen ein Knabe vom Schulmeister erhält, auf diesen, der Ausdruck eines buchstabirenden Mädchens, sind von naiver Wahrheit. Die Wirkung der verschiedenen Lichter ist vortrefflich, wie sehr das Bild auch offenbar im Einzelnen nachgedunkelt hat. Das Hauptbild unter seinen Portraiten sind die des Pieter van der Werff, Bürgermeisters zu Leyden, und seiner Frau, ganze Figuren auf einem Bilde, No. 68. Es ist in der That schwer, ob man hier die so trefflich durchgeführte kühle und klare Ge-sammthaltung, oder die Zartheit der unsäglichen Ausführung des Einzelnen, ohne dabei in das Steife zu fallen, mehr bewundern soll. Die Gesammthaltung des Bildes leidet indess durch den dunklen und schweren Ton der von Berchem ausgefülirten Landschaft. Das Museum im Haag besitzt in einer Frau an einem offnen Fenster, neben welcher ein Kind in der Wiege, welches von einem jungen Mädchen betrachtet“ wird, vom Jahr 1658, No. 30, ebenfalls ein Werk ersten Rangs. Das Gefühl eines stillen häuslichen Glücks tritt uns hier mit der seltensten Meisterschaft der Beleuchtung, Wärme und Klarheit der Färbung, und zart empfundener Ausführung vor Augen. Yon den zwölf Bildern des G. Dow in der Eremitage zu St. Petersburg gehören einige ebenfalls zu seinen allerbesten Leistungen. Ein Bild desselben Gegenstandes wie das in Wien, ist jenem fast noch überlegen. Eine Heringsverkäuferin, vordem in Cassel‘, kommt an Wärme und Klarheit des Helldunkels dem Rembrandt nahe. Drei Bildchen, zwei Mädchen und ein Jüngling, im Begriff zu baden, sind die einzigen, mir bekannten Beispiele, dass G. Dow nackte Figuren gemalt hat. Sie zeigen ein sehr feines Naturgefühl und eine treffliche Modellirung in einem sehr hellen Ton. Unter den kleinen Bildern mit einer Figur führe ich schliesslich noch den jungen Mann mit der Violine, in der Bridgewatergällerie, für das Gefühl häuslichen Behagens, und seltenster Vollendung, an.

Unter den Schülern der Gerard Dow gebührt dem, 1635 zu Leyden geborenen, 1681 gestorbenen Frans van Mieris, bei weitem die erste Stelle. Wie bei diesem entwickelte sich sein Talent sehr früh, so dass er von ihm den Beinamen des Fürsten der Schüler erhielt. Im Helldunkel, im Impasto, in der Feinheit der Ausführung steht er in der That in vielen seiner Bilder seinem Meister nicht nach. Auch behandelt er öfter ähnliche Gegenstände. In der Vorliebe für Vorgänge aus dem Kreise der höheren Stände gewahrt man indess einen Einfluss des Metsu, in einem gewissen Humor in anderen, den seines Freundes Jan Steen. Obgleich die Mehrzahl seiner Bilder sehr klein ist, so bleibt es doch bei ihrer ausserordentlichen Ausführung zu bewundern, dass er in der massigen Lebenszeit von 46 Jahren, deren so viele ausgeführt hat, da Smith etwa 140 anführt. Die reichste Gallerie an Meisterwerken von ihm ist bei weitem die zu München. Nach dieser kommen die zu Dresden, Wien, Florenz und Petersburg. Die Gallerie des Louvre, wie die englischen Sammlungen sind dagegen an bedeutenden Bildern dieses Meisters arm. Folgende Gemälde werden ausreichen, eine würdige und vollständige Vorstellung von ihm zu erhalten. Ich lasse dabei dieselben sich ungefähr in der Ordnung folgen, wie sie gemalt sein möchten. In der Gallerie zu Wien. Einer, an ihrem Bette sitzenden jungen, Kranken, mit der äufgeschlagenen Bibel auf dem Schoosse, wird vom Arzte der Puls gefühlt, datirt 1656. Von seltener Wärme des Gefühls in den Köpfen, schlagender Beleuchtung, einer feinen, für ihn kühlen Harmonie, und der zartesten Vollendung. Da der Meister damals erst 21 Jahre alt war, sieht man, dass er sich schon sehr früh auf der vollen Höhe seiner Kunst befand. Ein bereits von Sandrart rühmlich erwähnter, für den Erzherzog Leopold ausgeführter Kaufladen, 1660 datirt, in derselben Gallerie, ist unbedingt eines seiner grössten Meisterstücke. Eine junge Frau zeigt einem Herrn, welcher sie an das Kinn fasst, verschiedene Tücher und Zeuge. Die Composition ist ansprechend, der helle, aber warme, Ton sehr klar, die Behandlung, in einem trefflichen Impasto, von wunderbarer Delikatesse, die Grösse von 1 Fuss 9 Zoll Höhe und 1 Fuss 4 Zoll Breite, für ihn ungewöhnlich. Von ähnlicher Bedeutung für den Künstler durch Umfang, wie durch Vortrefflichkeit und in Ton und Behandlung diesem nahe verwandt sind zwei Bilder in der Eremitage zu St. Petersburg. Eine höchst elegant gekleidete Dame, welche einen Wachtelhund tanzen lässt, und eine junge Dame mit einem Weinglas, welcher ein Herr -Austern präsentirt. In der Gallerie zu München, Cab. Ko. 274. Ein Krieger, datirt 1662. Von seltenster Klarheit und Weiche. Ebenda, Cab. No. 287. Eine Dame in gelbem Atlaskleide fallt in Gegenwart des Arztes in Ohnmacht. 1 Im Museum im Haag, No. 92. Ein schöner Knabe, welcher Seifenblasen macht, datirt 1663. Reizend und von einer grossen Tiefe des bräunlichen Tons. 2 Ebenda, No. 90, der Künstler selbst mit seiner Frau, deren Bologneserhündchen er narrt. Sehr naiv und lebendig in den Köpfen und in einem gemässigten, aber klaren Ton mit seltner Zartheit durchgeführt. In der Gallerie zu Dresden, Mieris mit seiner .Frau vor ihrem angefangenen Bildnisse, No. 1401. In Composition, Helldunkel, Ton, geistreicher Behandlung, eines seiner schönsten Bilder. Fast ebenso schön ist das Gegenstück, No. 1402, die Werkstatt des Künstlers, in welcher sich ein Liebhaber ein angefangenes Bild ansielit, während er daneben steht, •doch ist es minder solide impastirt. Unter seinen Portraiten ist das zu Florenz in der Gallerie der Uffizii, welches ihn mit seiner ganzen Familie, in einem hellen, klaren Goldton darstellt, das grösste; doch sind einige Köpfe wenig ansprechend. In der Dresdener Gallerie, No. 1400, der berühmte Kesselflicker. In der Gewissenhaftigkeit, womit dieser den Kessel einer Frau untersucht, in der gespannten Erwartung derselben, liegt eine Art von Humor, welcher auf den Einfluss des Jan Steen deutet. Die Farbe ist zwar sehr harmonisch, doch weniger kräftig als sonst, die Ausführung etwas freier, bei geringerem Impasto. Sowohl durch Kunstwerth als Grösse, 1 F. 8 Z. hoch, 1 F. 11 Z. breit, ist dieses ein Hauptwerk des Meisters. Von ähnlicher Bedeutung und Sinnesweise kenne‘ ich nur noch den Charlatan, welcher einer aufmerksamen Zuhörerschaft seine Mittel anpreist, in der Gallerie degli Uffizii zu Florenz. Von seltenster Schönheit sind endlich noch einige kleine Bilder in der Gallcrie zu München. Sein eigenes Bild mit einem Wein-glasse, Cab. 465, bezeichnet F. van Mieris fet. Ao. 1668, 19. May. Seine Züge atkmen die grösste Fröhlichkeit, die Ausführung, im gediegensten Goldton, ist trefflich. Ein Knabe schlägt die Trommel, ein anderer bläst die Flöte, bezeichnet F. van Mieris 1670. 1 Das volle Licht, der helle Goldton, der feinste Schmelz, das gediegenste Impasto machen dieses nur 6 Zoll hohe und ö1/^ Zoll breite Bildchen zu einer kostbaren Kunstperle. Als treffliche Beispiele einzelner Damen im eleganten Anzuge gebe ich schliesslich eine, welche die Laute spielt, No. 415, und zwei Exemplare einer anderen, welche ihrem Papagei eine Mandel giebt, No. 188 und 417, als die wahren Originale so vieler für diesen Meister ausgegebenen Copien.

Pieter von Slingelandt, geboren zu Leyden 1640, gestorben 1691, erhob sich nicht über eine sklavische Nachahmung seines Meisters Gerard Dow. Wenn er diesem in jedem anderen Betracht nachsteht, so übertrifft er .ihn fast noch in der unendlich mühseligen Ausführung des Einzelnen. Das höchste Lob, so man ihm geben kann, ist, dass seine besten Bilder öfter für von der Hand seines Meisters gehalten werden. In seinen gewöhnlichen Bildern erkennt man nur einen unsäglichen, aber geistlosen Fleiss, vermöge dessen er so viel Zeit auf ein Bild wenden musste, dass Smith nur etwa 60 Bilder von ihm nachweisen kann. Das Hauptwerk von ihm ist das Bildniss des berühmten holländischen Gelehrten Meermann mit seiner Familie, im Louvre, No. 486. Die Anordnung ist bequem, die Köpfe sehr individuell, die Färbung klar und die Ausführung allerdings so gross, dass man begreift, wie er drei Jahre daran gearbeitet hat. — In einer Küche begleitet ein Violinspieler den Gesang eines Jungen, und eines anderen Mannes. Dabei eine Frau und ein anderer Knabe. Im Museum zu > Amsterdamr No. 291. Gut componirt, doch kalt und hart in der Farbe. — Eine Schneiderwerkstatt, in der Gallerie zu München, Cabinette, No. 269, kommt in Brillanz der Beleuchtung, imlmpasto und Fleiss dem Dow fast gleich, ist indess kälter und bunter in der Farbe,, schwächer in der Zeichnung. — In einer Stube sitzt eine mit Nähen beschäftigte Frau an einem Fenster. Aus der „Wiege neben ihr wird sie von dem erwachten Kinde angeblickt. Ebenda, No. 285. Sicher eins der besten Bilder des Meisters. Gemüthlich im Gefühl, schlagend in der Beleuchtung, klar im tiefen Helldunkel, warm in der Farbe, weich und zart verschmolzen im Vortrage. — Ein ganz ähnlicher Gegenstand‘ und ebenfalls trefflich, befindet sich im Buckingham Palace, mit einem seiner in jedem Betracht würdigen Pendant, worauf eine Mutter, welche ihr Kind säugt. Das non plus ultra von Ausführung ist aber eine Küche, worin ein Mann der Köchin Rebhühner anbietet, vom Jahr 1685 in der Bridgewater-gallerie. Doch sind hier die Köpfe geistlos, die Färbung schwer und kalt.

Godefried Schalken, geboren zu Dortrecht 1643, gestorben im Haag 1706, genoss zuerst den Unterricht des Samuel van Hochstraeten, nachmals aber den von Gerard Dow, bei dem er solche Fortschritte machte, dass er seine Werkstatt nfit dem Ruf eines seiner besten Schüler verlies. Er besuchte England und malte dort mit vielem Beifall Portraite -im Kleinen, namentlich das des Königs Wilhelm III. Am gewöhnlichsten aber behandelte er Vorgänge aus dem täglichen Leben und zwar meist bei Kerzenbeleuchtung, gelegentlich aber, indess mit wenig Erfolg, auch Gegenstände aus der heiligen Geschichte. Die Köpfe sind darin von sehr
nüchternem und unbedeutendem Charakter. In seinen Genrebildern kommt er in seiner früheren Zeit dem Gerard Dow sehr nahe, im Ganzen, namentlich in seiner späteren Zeit, steht er ihm indess in der ‚Wahrheit des Gefühls, in der Kraft der Farbe und besonders im Impasto weit nach. Namentlich erscheint jetzt die Mehrzahl seiner Bilder mit künstlichem Licht, dadurch, dass die Flamme zu weiss, der Schein aber ziegelroth geworden, als unwahr und grell. Er malte bisweilen auch Bilder in Lebensgrosse. Smith führt ungefähr 127 Bilder von ihm auf. Die besten, mir in den Museen des Con-tinents bekannten, Bilder von ihm sind in der Gallerie zu Wien. Ein Mädchen, welches ein Licht in eine Laterne steckt, im Hintergründe drei Männer beim Spiel. Wahr und liebenswürdig im Gefühl, klar und wahr in der Beleuchtung, sehr fleissig im trefflichen ‚ Impasto ausgeführt. — In der Gallerie zu Dresden, No. 1480. Ein Künstler beleuchtet die Büste einer Yenus. Sehr zart und reizend in der Beleuchtung. — In München, No. 296. Ein Jüngling sucht einem lachenden Mädchen die Kerze auszublasen. In grösserem Maassstabe als meist, ansprechend im Motiv und wahrer als gewöhnlich. — Im Louvre, No. 479. Ceres sucht mit der Fackel die Proserpina. Abgesehen, dass die Ceres hier ein gewöhnliches Mädchen von munterem Ansehen, ist die Beleuchtung hier wahr und fein. — Im Museum zu Amsterdam,^ zwei Bilder, ein Raucher, No.’283, und ein Mädchen, welches ein Licht in eine Laterne setzt, No. 284. In diesen Bildern von grosser Feinheit stört nur die zu weisse Flamme. Yon Gemälden des Schalken bei Tagesbeleuchtung hebe ich nur im Museum zu Amsterdam, No. 286, ein Bild, worauf eip Knabe ein Ei i.sst, wegen der grossen Delikatesse der Behandlung, und im Museum zu Berlin, No. 837, einen angelnden Knaben, wegen der Naivität des Gefühls, hervor. Unter seinen Portraiten beweist das von König Wilhelm III. bei Kerzenlicht, im Museum zu Amsterdam, No. 282, dass er auch lebensgrossen Verhältnissen gewachsen war. Yon seinen Bildern biblischen Inhalts möge es genügen, nur sein berühmtestes, die fünf klugen und die fünf thörichten Jungfrauen, in‘ der Gallerie zu München, vom Jahr 1700 anzuführen. Die Charaktere sind hier fade, die Beleuchtung durch den schweren, zieglichten Ton unwahr. In England befinden sich die drei schönsten, mir dort von Schalken bekannten Bilder, ein hübsches Mädchen mit einer Kerze, der Künstler, welcher mit seiner Familie ein Conzert macht und „Le Roi detrousse“ im Buckingham Palace.

Dominicus van Toi. Dieser Meister hat sein Vorbild nicht allein in der Art der Gegenstände, der Färbung und Technik, sondern auch der. Charaktere der Köpfe so getreu nachgeahmt, dass seine Bilder häufig dem G. Dow beigemessen werden. Er ist in-dess leerer in den Formen, geistloser im Ausdruck, und häufigkälter in der Farbe. Eines seiner besten Bilder, drei Kinder, welche sich mit einer Katze und einer Mausefalle unterhalten, befindet sich, No. 311, im Museum zu Amsterdam. Von zwei anderen, einem alten Mann, No. 1324, und einer alten Frau, No. 1325, in der Dresdener Gallerie, zeichnet sieh das erstere, durch die grosse Ausführung, aueh durch die kräftige und warme Färbung aus. Alle drei Bilder sind bezeichnet.

Johan Adriaen van Staveren. Er malte in der „Weise des G. Dow vorzugsweise einzelne, alte Männer, besonders Einsiedler, und alte Frauen. Er ist zwar ebenfalls sehr fleissig, doch in seinen Figuren steifer, im Vortrag geistloser, als van Toi. Ein solcher bezeichneter Einsiedler befindet sich unter No. 294, im Museum zu Amsterdam.

Eglon van der Neer, geboi*en 1643, gestorben 1703, genoss den Unterricht seines Vaters, des berühmten Artus van der Neer, bildete sich indess besonders nach Netscher und Frans van Mieris, und behandelte vorzugsweise und mit dem meisten Erfolg elegant gekleidete Damen in irgend einer häuslichen Beschäftigung. Minder glücklich war er in Gegenständen aus der Geschichte. Er malte häufig mit vielem Geschiek die Figuren in den Bildern anderer Maler und versuchte sich aueh ipit gutem Erfolg im Portrait. In der späteren Zeit malte er viele Landschaften von einer sehr sauberen aber kleinlichen Behandlung. Die Genrebilder von ihm sind so selten, dass Smith nicht mehr als 43 hat aufzeichnen können. Durch einen feinen Geschmaek, in der Composition, wie in allen Einzelheiten, durch viel Gefühl für Harmonie, durch den Schmelz und die grosse Delicatesse seiner Ausführung sehliesst er sieh seinen Vorbildern würdig an. In der Färbung des Fleisches hat er einen zart bräunlichen Ton, welcher indess etwas zu einförmig wiederkehrt, und in dem, wie überhaupt, weniger Lasurfarben gebraucht sind, als bei seinen Mustern. Die besten Bilder, welche ich von ihm in den Gallerien des Coritinents kenne, sind: Eine Dame in weissem Atlas? welche ihre Laute stimmt, in der Gallerie zu Mönchen, Cab. ~No. 364. Sie ist für ihn von ungewöhnlicher Grösse und in vollem Licht genommen, von ebenso warmer, als klarer, Harmonie. — Ein ganz ähnlicher Gegenstand und eine Dame, welche die Laute spielt, in der Gallerie zu Dresden, No. 1483 und 1404. Letzteres, von besonderer Schönheit, wird dort irrig dem älteren Frans van Mieris beigemessen. Ein wenig ansprechendes Beispiel seiner Behandlung biblischer Gegenstände gewährt seine Esther vor Ahasverus in der Gallerie der Uffizii zu Florenz, woselbst sich auch zwei seiner Landschaften befinden. Die beiden bedeutendsten, mir überhaupt von ihm bekannten Bilder sind indess ein Herr und eine Dame bei „der Mahlzeit mit einem aufwartenden Pagen, und mehr zurück ein anderes Paar, Arm in Arm, in der Sammlung von H. T. Hope, und eine junge, sich die Hände waschende Dame, während ein Mädchen einen eindringenden Herrn abzuhalten sucht, bezeichnet und datirt 1675, in der Sammlung des Herrn F. Heusch, beide in London.

Ary de Yois, geboren 1641, gestorben 1698, ein Schüler des Nicolaus Knüpfer und Abraham van den Tempel, schloss sich eng den Feinmalern an, und zeichnete sich durch eine lebendige Auffassung, eine sehr warme und klare Färbung, und eine bisweilen dem Frans v. Mieris nahe kommende Ausführung, aus. Er behandelte meist halbe Figuren, entweder in einer bestimmten Handlung, wie sein alter fröhlicher Fischer mit dem Glase Bier, No. 348, im Museum zu Amsterdam, sein Mann mit Weinglas und Yio-line ebenda No. 349 , sein Berauschter, in der Dresdener Gallerie, No. 1463, oder als Portraite, wie das eines Malers, und eines Kaufmanns im Louvre, No. 252 und 251. Gelegentlich aber malte er auch Landschaften mit nackten Figuren im Geschmack des Poelenburg, wie in der Gallerie zu Dresden vom Jahr 1666, No. 1462, oder in der Gallerie zu Berlin vom Jahr 1678, No. 498.

Jan Verkolie, geboren 1650, gestorben 1693. Obwohl ein Schüler des Jan Livens, schloss er sich doch ganz den Feinmalern an, und führte in dieser Weise sowohl Portraite als Genrebilder aus. Er componirte mit einigem Geschick, zeichnete ziemlich gut, und hatte eine warme und klare Färbung. Auch sein Yortrag ist von grosser Zartheit und Weiche. In seinen Köpfen ist er indess meist ziemlich lahm und unbedeutend. In den grösseren Gallerien kenne, ich von ihm nur ein Bild im Louvre, Ko. 547, eine Mutter mit einem Wickelkinde, welcher eine Magd eine Tasse bringt. Man erkennt darin die Nachahmung des Slingelandt. Es ist von 1675 datirt. Er hat sowohl nach seinen eignen, als nach fremden, Erfindungen eine Reihe von Blättern in schwarzer Kunst ausgeführt.

Ich betrachte zunächst eine kleine Gruppe von Malern, welche vorzugsweise Vorgänge aus dem Soldatenleben, Wachtstuben, Gefechte, besonders Treffen zwischen FussYolk und Reiterei, deren Pferde aber einförmig und plump sind, behandelt haben. Sie geben uns im Kostüm, wie in anderer Beziehung, wohl das treuste Bild der Vorgänge aus dem dreissigjährigen Kriege. Gelegentlich haben sie aber auch Gesellschaften, bald im Freien, bald im Zimmer, dargestellt. Sie sind von vieler Lebendigkeit in der Auffassung, auch gute Zeichner und sehr fleissig in der -Ausführung. In der Färbung haben sie indess oft etwas Schweres, in den Umrissen etwas Hartes, in der Pinselführung etwas Trocknes.

Anton G. Stevens genannt Palamedess, geboren 1604, gestorben 1680, höchst wahrscheinlich der Schüler seines Vaters, kommt in den Gallerien selten vor. Im Museum von Berlin befinden sich von ihm, No. 817, Soldaten in einem Bauernhause, welchen Landleute ein Gesuch vortragen, mit A. G. Palamedess bezeichnet, und No. 982, Reiterei, deren Angriff auf Fussvolk abgeschlagen wird, bloss mit „Palamedes“ und 1680 bezeichnet. In der Gallerie zu Frankfurt befindet sich unter No. 225, eine lustige Gesellschaft. Dieser Meister malte auch gelegentlich recht lebendige und gut colorirte Portraite in Naturgrösse. So das Brustbild eines .jungen Mädchens im Museum zu Berlin, No. 741, und das eines Mannes vom Jahr 1650, imMuseum zuBrüssel, No. 151.

Palamedes Stevens, genanntPalamadess, geboren 1607 (?) gestorben 1638 (?), ein Bruder des Vorigen, und gleichfalls der Schüler seines Vaters, malte vorzugsweise, ganz in derselben Weise, Treffen. Nach einem P. Palamedes A. 1638 bezeichneten Bilde in der Gallerie zu Wien, steht er indess dem Bruder nach.

A. Duc, ist die Aufschrift eines Bildes in der Gallerie zu Wien, welches eine Dame und einen Herrn vorstellt, die fussfällig Offiziere anflehen, und worin sich dieser sonst unbekannte Meister als einen treuem und in der Auffassung sehr energischen und lebendigen Nachfolger der Weise der Palamedes darstellt. Yon ähnlichem Verdienst ist ein knieend einen Soldaten um sein Leben flehender Bauer in der Dresdener Gallerie, No. 1411.

Durchaus verschieden von diesem Maler und ungleich bekannter ist der 1638 im Haag geborene, 1695 gestorbene Jan le Ducq. Yrenn er auch der gewöhnlichen Annahme zufolge ein Schüler des Paul Potter gewesen sein’mag, folgte er doch in seinen Gemälden durchaus der Weise der Palamedes, welche er indess in Harmonie der meist kühlen Haltung, an Wahrheit der Köpfe, an Feinheit der Touche weit übertraf. Zwei sehr gute Bilder, eine Wachtstube und Soldaten beim Kartenspiel besitzt die Münchner Gallerie, No. 339, und 349, Cabinette, ein in Umfang und Kunst noch bedeutenderes Bild, Ljhwedische Offiziere in einem Bauernhause, die Gallerie zu Berlin, No. «64. Sein durch Grösse, Haltung und Meisterschaft der Ausführung alle sonstigen übertreffendes Bild ist indess ein Stall mit Soldatenpfqrden u. s. w., in der Eremitage zu St. Petersburg, welche auch an anderen Bildern von ihm reich ist. Dass er gelegentlich auch mit vieler Feinheit Portraite im Kleinen malte, beweisen zwei Bildnisse derselben Person in der Gallerie zu Dresden, No. 1409 und 1410. In zehn mit vielem Geschick radirten Blättern 1 erscheint dieser Künstler von einer ganz anderen Seite. Acht im Jahr 1661 ausgeführte, stellen eine Folge von Hunden dar, und auch ein neuntes enthält zwei Hunde. Das grösste, No. 9, zeigt endlich einen Hirten, welcher einen Wolf verfolgt, der ihm ein Schaf geraubt hat.

Gross ist die Anzahl geistloser und roher Bilder, welche den beiden Palamedes und dem Jan le Ducq beigemessen werden.

Ich komme jetzt zu der Betrachtung von einer anderen Gruppe von Genremalern, welche sich fast ausschliesslich mit der Darstellung des Lebens der unteren Stände, namentlich der Handwerker und Bauern abgaben, und sie zwar meist in ihren Belustigungen bei Speise, Trank, Spiel und Tanz, gelegentlich aber auch im Hader, sowohl in“, als ausser ihren Behausungen, darstellten. Nur gelegentlich führen sie uns auch Advokaten mit einem Clienten, und Alchymisten, oder einen Schulmeister mit seiner Jugend vor. Wenn sie den Malern der Conversationsstücke an Feinheit der Ausführung der Einzelheiten nachstehen, so entschädigen sie dafür reichlich durch einen mehr freien und sehr geistreichen Yortrag, und eine ausserordentliche Ausbildung des Helldunkels und zwar meist in der wärmen Harmonie.

Adriaen Brouwer, geboren zu Haarlem 1608, gestorben zu Antwerpen 1641, war der Schüler des Frans Hals, und eignete sich von diesem die geistreiche und freie Technik, aber auch die liederliche Lebensweise an, in Folge deren er so jung starb. Freilich fühlt man auch seinen Bildern, deren Mehrzahl gemeine Leute-beim Trunk und Spiel und sehr häufig in wüthender Schlägerei darstellen, durch ihre erstaunliche Wahrheit und Lebendigkeit an, dass sie von dem Künstler selbst erlebt worden sind. Ha nun hierzu ein seltenes Talent für Haltung und eine ebenso feine, als harmonische, öfter gegen das Kühle gehende Färbung, eine treffliche Individualisirung,- und ein Sfumato in der Touche kam, worin er ganz allein dasteht, so begreift mau die Hochachtung, welche Rubens dem Genie dieses Künstlers zollte. Bei seiner Lebensweise und seiner kurzen Lebensdauer ist die Zahl der von ihm ausgeführten Bilder massig, und sie kommen jetzt nur selten vor. Keine Gallerie kann sich für ihn mit der von München vergleichen, welche neun Bilder und darunter sechs seiner Meisterstücke besitzt. Eine Gesellschaft mit Bauern beim Kartenspiel, No. 199, Cabinette, zeigt ihn in der seltensten Helle und Klarheit des kühlen Tons, worin er offenbarem Vorbild des Teniers geworden ist. — Spanische Soldaten beim Würfelspiele, No. 207, Cab., ist ebenso harmonisch im gemässigt bräunlichen Ton. — Ein Wundarzt, welcher das Pflaster vom Arm eines Bauern nimmt, No. 262, Cab., ist nicht allein in Ausdruck beider höchst meisterhaft und lebendig, sondern auch ein Muster des hellen klaren Goldtons, und von seltenster Freiheit und Leichtigkeit der Touche. Kartenspieler in wüthender Schlägerei, No. 273, Cabinette, ist in jedem Betracht eins der feinsten, von ihm vorhandenen Bilder. Das Augenblickliche in jeder, bis zur Art der Fleischfarbe mit seltner Wahrheit individualisirten, Figur ist unvergleichlich, die Zartheit der Harmonie wunderbar, die Ausführung von ausserordentlicher Delicatesse. — Ein Dorfbarbier, welcher die Fusswunde eines Bauern behandelt, No. 527, ist endlich noch ein treffliches Beispiel der röthlichen Harmonie, und des grössten Schmelzes der Touche. — Die Galleric zu Dresden besitzt in einer Schlägerei, No. 1147, ein kleines, aber treffliches Bildchen von ihm. Auch die Eremitage zu St. Petersburg hat einige treffliche Bilder von ihm aufzuweisen. In einer ungewöhnlichen Form erscheint er in einem Schweinehirten in warmer Abendlandschaft, in der Sammlung des Herrn Munro in London. — Ein Bild schönster Art, ein schlafender Bauer, befindet sich endlich in der Sammlung des Marquis von Hertford. Dieses Bild hat er auch sehr geistreich mit einer kräftigen Nadel radirt. Dasselbe gilt auch von einigen anderen Blättern, halbe Figuren, von einer erstaunlichen Gemeinheit.

Der berühmteste Künstler dieser Gruppe ist indess der 1610 zu Lübeck geborene, 1685 in Amsterdam gestorbene Adriaen van Ostade. Auch er war ein Schüler des Frans Hals, offenbar aber haben nachmals auch die Bilder des Rembrandt auf. ihn einen grossen Eindruck gemacht, und hat er namentlich nach diesen die warme und klare Färbung und das Helldunkel ‚zu einer Vollkommenheit ausgebildet, dass man ihn füglich den Rembrandt unter den Genremalern nennen könnte. Wie diesem, so ging auch ihm der Sinn für Schönheit der Form, für Anmuth der Bewegung gänzlich ab. Seine Figuren, selbst die Kinder, sind sehr hässlich von Zügen und von kurzen Proportionen. Da nun auch das geistige Interesse, welches seine Bilder cinflössen, meist gering ist, indem sie uns gewöhnlich ein sehr äusserliches Wohlbehagen, selten eine gemüthlichc Stimmung vorführen, so liefert er uns in besonders schlagender Weise den Beweis, dass ein Kunstwerk, trotz grosser Mängel, in einem hohen Grade anziehend sein kann, wenn es nur nach einer Richtung, wie hier in der Wahrheit des Naturgefühls, in der malerischen Zusammenstellung, in der Harmonie der Färbung, im Helldunkel und in der Technik das Ausserordentlichste leistet. Unser Meister ist nun aber in der Färbung seiner Bilder, namentlich seines Fleisches, wieder sehr verschieden. Bald, und vorzugsweise in seiner früheren Zeit, finden wir einen lichten Goldton von seltenster Klarheit, bald, am gewöhnlichsten aber in seiner mittleren und späteren Zeit, wird dieser Goldton bei derselben Klarheit etwas röthlicher, und steht hiermit auch die häufige Farbe der Kleider von einem warmen, tiefen Violett in Uebereinstimmung. In der spätesten Zeit wird endlich der röthliche Ton kälter und die Schatten weniger klar. Yon der grossen Zahl seiner Bilder, deren Smith etwa 385 beschreibt, von denen sich sehr viele der trefflichsten in England befinden, auf dem Continent aber besonders die Gallerie des Louvre, die zu München, Dresden, St. Petersburg und im Haag ausgezeichnete besitzen, führe ich nur einige wenige an. Da er die gute Sitte gehabt, die meisten seiner Bilder zu datiren, sehe ich mich im Stande hier die chronologische Ordnung zu wählen. — Ein vor einem Bauernhause aufspielender Leiermann bringt unter einer Gesellschaft von Landleuten eine heitere Stimmung hervor. Dieses, mit dem Namen bezeichnete, Bild, No. 855, im Museum zu Berlin,- trägt die Jahrszahl 1640, das frühste Dat., welches mir auf einem Bilde von diesem Meister vorgekommen ist. Der klare, goldige, in den Köpfen sehr mannigfaltige, Ton, die breite, weiche, hie und da fast skizzenhafte, Behandlung beweist, dass der Künstler in seinem 23ten Jahr in diesen Stücken schon völlig ausgebildet w-ar. Nur die Kleinheit der Figuren im Yerhältniss zu dem Hause zeigt von einer gewissen Unreife. — In einer Dorfschenke belustigen sich Einige mit Tanzen, während Viele über einen Hund lachen, welcher eine Pfanne ausleckt, datirt 1647. In der Münchner Gallerie, No. 286, Cabinette. Die Tiefe und Klarheit des röthlichen Goldtons, der Reichthum und die vielen Einzelnheiten der sehr lebendigen Composition machen dieses Bild höchst anziehend. — Vier Personen beim Kartenspiel, noch andere im Hintergründe, datirt 1648, in der Sammlung von Thomas Baring. Hier ist der Ton mehr rembrandtisch — goldig, Helldunkel, Impasto, Ausführung trefflich. — Eine Gesellschaft wird durch Geigenspiel und Gesang unterhalten, datirt 1656. Im Buckingham Palace. Der sehr lebhafte röthlich-goldige Ton durch das Einfallen der Abendsonne, bildet hier einen reizenden Gegensatz mit dem tiefen und klaren Helldunkel des Raums. — Auf einem ländlichen Fest wird gekocht, getanzt, gekost u. s. w. Datirt 1650. In der Sammlung des Herrn F. Heusch in Lond on. Für Reichthum der Composition, glückliche Anordnung der Gruppen, Abwechselung der Massen von Licht und Schatten, Kraft und Klarheit des röthlich-goldnen Fleischtons, wie im Umfang, eins der Hauptwerke des Meisters.1 — Sehr nahe steht diesem eine grosse Versammlung vor einem Bauernhause in der Eremitage zu St. Petersburg. — Fünf Bauern am Kamin, fünf andere im Hintergründe, datirt 1661. — In der Sammlung van der Hoop in Amsterdam. Etwas kühler in der Gesammtstimmung, doch von grosser Klarheit des Helldunkels und sehr fleissiger Durchführung. — Ein Schulmeister droht einem der Schüler mit der Ruthe, datirt 1662. Im Louvre. Durch den dramatischen Gehalt, und durch Vereinigung des glühendsten und klarsten Goldtons, mit dem solidestenImpasto, dem tiefsten Helldunkel, auf der vollen Kunsthöhe des Meisters. —‘ Eine Gesellschaft lässt es sich bei Tabak, Getränk und Musik wohl sein, datirt 1662. Im Museum im Haag. Glücklich com-ponirt und von einem eigenthümlichen Zauber des gemässigten Helldunkels. — Diesem schliesst sich eng in Art und Kunst eine Gesellschaft mit derselben Jahrszahl, in der Dresdener Gallerie, Ko. 1219, an. — Eins seiner grössten Meisterstücke für die Beleuchtung, für die Wärme, Tiefe und Klarheit des Tons ist der Künstler an der Staffelei, von 1665 datirt, in derselben Gallerie No. 1218. — Ein Landmann sieht mit Freude sein Kind an, welches auf dem Schoosse der Mutter mit einer Puppe spielt, datirt 1668, im Buckinghampalace. Das Herzige des Gegenstandes, das warme, durch ein grosses Fenster entfallende Licht, machen dieses zu einem der anziehendsten Bilder des Meisters. — Ein Rechtsanwalt liest ein Dokument. Neben ihm, voll Erwartung, der Betreffende mit einem Geschenk von Wildprett, datirt 1671. In der Bridgewater-gallerie. Unter den Bildern dieses Gegenstandes, welchen er öfter behandelt hat, ist dieses eins der vorzüglichsten. Ausser dem Interesse des Vorganges, macht sich dasselbe durch die ausserordentliche Lebendigkeit des Kopfs des Advokaten, die seltne Wahrheit des klaren und warmen Fleischtons geltend. — Einige Landleute hören vor dem Hause einem Fiedler zu. Datirt 1670. Im Museum im Haag. Sehr glücklich componirt und in der Abwechselung der klaren, kühlen Töne, des hellen Sonnenlichts, mit seinen warmen Tönen, reizend. — Die Ansicht eines, durch dreizehn kleine Figuren belebten, Dorfs, datirt 1676. In der Sammlung des Lord Ashburtön. Dieses, nur 9 Zoll hohe, 1 Fuss breite, Bildchen beweist durch die Tiefe des kühlen Helldunkels, die Leichtigkeit und Zartheit der Touche, dass der damals 66jährige Meister sich noch im vollen Besitze seiner Kunst befand. Wenn man die grosse Zahl der von A. van Ostade vorhandenen Zeichnungen, von denen viele aquarellirt, und seine Radirungen in Betracht zieht, deren Bartsch beschreibt, 1 muss man seinen Fleiss bewundern. Seine grösste Stärke als Radirer, worin er ebenfalls sein Talent für das Malerische und die Beleuchtung trefflich bewährte, möchte er in den Jahren 1647 und 1648 gehabt haben. Wenigstens sind seine schönsten Blätter mit diesen Jahren bezeichnet.

Isaac van Ostade, geboren 1617 (?), gestorben 1654 (?), war der Bruder und Schüler des Adriaen van Ostade. „ In der früheren Zeit behandelte er, nach dem Vorgänge seines Bruders‘, die verschiedenen Zustände des Lebens der Landleute im Inneren der Häuser, welche aber wenig geschätzt werden. In seiner eigen-thümlichen Weise erscheint er erst in den, von Menschen und Thieren belebten, Dorfansichten. Diese zeigen in der Composition einen feinen, malerischen Geschmack, in den Einzelheiten eine gute Zeichnung und grosse Naturwahrheit, eine ungemeine Kraft, Wärme und Sättigung der Farbe, endlich ein tyeffliches Impasto. Der Lokalton seines Fleisches zieht in der Regel, bei gleicher Klarheit, mehr gegen das Gelbliche, die Schatten gegen- das Dunkelbraune, als bei seinem Bruder, so sind auch die Formen meist schärfer angegeben und minder verschmolzen, als bei jenem. Die Anzahl der Bilder, welche er in seiner kurzen Lebenszeit ausführte, ist ungleich geringer, wie denn Smith nur etwa 112 aufgefunden hat. Wie die Engländer zuerst den grossen Kunstvrerth dieses Meisters anerkannt und durch hohe, für seine Bjlder gegebene Preise diese Werthschätzung bethätigt haben, so befinden sich auch seine meisten und, mit wenigen Ausnahmen, auch seine vorzüglichsten Bilder in England. In den Museen des Continents kommen sie dagegen nur selten vor. 2 Bei einer gewissen Einförmigkeit dieses Meisters werden einige Beispiele genügen, ihn kennen zu lernen. Im Louvre. Ein Kärrner erfrischt sich und seinen Schimmel vor einer Dorfschenke, No. 377. Von ungemeiner Kraft der Farbe. Die noch an Härte grenzende Bestimmtheit der Formen spricht für die frühere Zeit. — Ein Schenkwirth bedient, mit Wagen und Pferden anhaltende, Reisende, mit Getränk, No. 376. Ein reiches Bild, in Ton und Machwerk von sehr grosser Energie. — Auf einem gefrorenen Kanal belustigen sich verschiedene Personen mit Schlittschuhlaufen und Schlittenfahren. Mit dem Namen des Meisters bezeichnet, No. 378. Dieses ist ein Hauptbild aus seiner besten Zeit. Die Composition ist sehr glücklich, die Beleuchtung von seltner Klarheit, die Haltung vortrefflich, der Fleischton warm und leuchtend, die Behandlung breit und weich. In jedem Betracht auf gleicher Höhe steht ein Bild eines ähnlichen Gegenstandes in 4er Eremitage zu St. Petersburg, und ein kleineres von derselben Art ebenda steht beiden nicht viel nach. — „Würdig schliesst sich diesem das, freilich noch viel kleinere, Bild im Museum zu Amsterdam, No. 229 r an, wo vor einer Bauernschenke verschiedene Reisende mit einem Schimmel anhalten.

Ton. den in Privatsammlungen befindlichen Bildern führe ich nur irvvei an., Reisende und Dorfbewohner vor einer Dorfschenke von der glühenden Abendsonne beschienen. In der Sammlung des Lord Ashburton. In Reichthum, Wirkung, Impasto und Umfang eins der Hauptwerke des Meisters. — Eine grosse Winterlandschaft mit einem ‘gefrorenen, von Menschen ijnd Schlitten belebten Kanal in der Sammlung von Thomas Baring. Aus der besten Zeit des Künstlern. Yon grosser Klarheit und Kraft der Farbe, feiner Luftperspektive und meisterlich breiter Behandlung.

Ausser dem Isaac van Ostade sind nur noch zwei Maler als •eigentliche Schüler des Adriaen van Ostade zu nennen, welche aber eine viel untergeordnetere Stellung einnehmen.

Cornelis Dusart, der nach Aufschriften auf seinen Bildern schon um 16 50 ein ausgebildeter Künstler gewesen sein muss, war •ein treuer Nachahmer seines Meisters und kommt ihm in der Kraft und Wärme der Farbe, wie in der Klarheit des Helldunkels öfter nahe. Er liebt vorzugsweise Darstellungen der ausgelassensten und gemeinsten Freude. In seinen Figuren artet er aber häufig, in den Köpfen in Karrikaturen, in den Stellungen in Gewaltsamkeit aus. Eins seiner besten Bilder ist ein von 1653 datirter Fischmarkt, im Museum zu Amsterdam, No. 75. — Auch die Eremitage zu St. Petersburg bewahrt einige seiner besten Arbeiten. In England nenne ich wegen der Güte und Zugänglichkeit eine um den Heerd versammelte Familie in der Sammlung von Thomas Baring. Dusart hat auch in der Weise seines Meisters mit einer sehr geistreichen Nadel 16 Blätter radirt, deren eins, mit dem Jahr 1695 bezeichnet, beweist, dass er damals noch in voller Kunstthätigkeit gewesen. Ausserdem hat er noch 35 Blätter in schwarzer Kunst ausgeführt.

Cornelis Bega, geboren zu Haarlem 1G20, gestorben 1664r • behandelte zwar ebenfalls ähnliche Gegenstände, wie sein Meister, ist aber in der Auffassungsweise, wie in anderen Stücken von ihm verschieden. Er war ein besserer Zeichner und hatte auch mehr Schönheitssinn, dagegen stand er ihm im Sinn für Farbe und Helldunkel weit nach. Sein Fleisch hat meist einen kühlröthlichen, die übrigen Farben einen schweren Ton. Er gebraucht nur wenig Lasuren und sein Vortrag ist glatter. Eins seiner besten Bilder, ein Fest von Landleuten, wo musizirt, gesungen und getrunken wird, befindet sich im Museum zu Amsterdam, Nb. 17. Es ist für ihn besonders warm kolorirt. Ein Bild von ähnlicher Güte besitzt die Eremitage zu St. Petersburg. Von -seinem gewöhnlichen, kühleren Ton giebt ein recht fleissiges und ansprechendes Bild im Louvre, No. 13, ein Bauer mit seiner Freu an einem Tische, eine gute Vorstellung. Auch die Gallerien von Dresden, München und Berlin haben, wenn schon minder erhebliche, Bilder in der letzten Art von ihm aufzuweisen. Auch Bega hat 37 Blätter mit einer meist groben, aber sicheren Nadel radirt.

Andreas Both, geboren 1609, gestorben 1650, schliesst sich den beiden letzten Künstlern nahe an, behandelt indess auch öfter Gegenstände im Geschmack des Isaac van Ostade. In der Regel finden sich freilich seine Figuren und Thiere in den Landschaften seines Bruders, Jan Both, vor, doch hat er auch gelegentlich eigene Bilder gemalt. Sie zeigen Geschick in der Erfindung, eine warme und klare Farbe und- eine freie Behandlung. Ein gutes Bild von ihm, ein Kärrner, welcher an einer Schenke yorüberfährt, befindet sich’unter No. 1214, in der Dresdener Gallerie. Zehn vom ihm radirte Blätter, Einsiedler, Pilger, schwelgende Bauern, sind von derb realistischer Erfindung, und leicht mit einer groben Nadel hingeworfen.

Hendrik Martenz Rokes, genannt Zorg, oder wohl richtiger, Sorgh, geboren zu Rotterdam 1621, gestorben 1682, ist zwar angeblich ein Schüler des Teniers, schliesst sich aber, wie schon Smith richtig bemerkt, in manchen Bildern ungleich mehr dem A. van Ostade an. In anderen ist dagegen der Einfluss des A. Brouwer unverkennbar. Seine Bilder behandeln ähnliche Gegenstände, wie die jener Meister, und sind von sehr reinem Naturgefühl, mit Geschmack cpmponirt, gut gezeichnet und sehr sorgfältig ausgeführt. Die Färbung ist indess, obwohl warm und harmonisch, doch schwerer und trüber, der Yortrag trockner und mehr verschmolzen. Eins seiner besten Bilder, auch für die Färbung, ist ein Fischmarkt in der Sammlung van der Hoop in Amsterdam, aber auch eine Küche im Louvre, Ko. 421, und Fischerleute und eine Köchin in der Dresdener Gallerie, Ko. 1327, gehören zu seinen guten Arbeiten. Treffliche, in der Harmonie dem Brouwer verwandte Bilder von, ihm sind,“ eine Bauernfamilie, Ko. 456, und eine Wirthsstube, Ko. 457, in der Gallerie zu München./Das beste, mir in England von ihm bekannte, Bild, ein Älehymist, vom Jahr 1643, befindet sich in der Sammlung des Herrn Henderson zu London.

Cornelis Sachtleven, geboren zu Rotterdam 1612, noch am Leben 1682, behandelte meist ähnliche Gegenstände, wie die beiden Ostades und hat auch in der Wahrheit der Auffassung, in dem Fleiss der Ausführung viel Verdienst. Er ist indess schwer, trüb und meist kalt in der Färbung und mager und trocken im Vortrage. Erbringt gern Federvieh an, welches* er mit ausserordentlicher Katurtreue darstellt. In anderen Thieren, welche bisweilen den Hauptgegenstand seiner Bilder ausmachen, ist er dagegen meist schwach. Zwei Bilder, das Innere, ein drittes das Aeussere eines Bauernhauses darstellend, besitzt die Gallerie zu Dresden, Ko. 1131—33. Er malte gelegentlich auch Stillleben. Einige Beispiele hiefür befinden sich in derselben Gallerie, Ko. 1134 u. 1135 und ein besonders gutes, als Adriaen van Ostade, Ko. 1220. — Ein treffliches Bild, ein Katzenconzert, wobei die Eule den Kapellmeister macht, vom Jahr 1682, ist im Museum zu Köln. Beispiele seiner Behandlung von vierfüssigen Thieren gewähren Adam, welcher die Thiere benennt, Ko. 878 A., des Museums zu Berlin und ein Yiehstück in der Eremitage zu St. Petersburg. Er hat auch eine Reihe von Blättern mit vielem Geschick radirt. In manchen, z. B. einer Folge der fünf Sinne, spricht sich ein derber, dem Callot verwandter Humor aus. Unter einer Reihe von Thieren sind auch hier die Hühner und, nächstdem, ein grosser Affe am besten gerathen.

Egbert van der Poel, geboren zu Rotterdam, blühte um 1650. Obgleich dieser Maler vorzugsweise Feuersbrünste malte, so behandelte er doch auch häufig Gegenstände wie Adriaen van Ostade. Er ist höchst ungleich in seinen Bildern. In den besten hat er etwas Gemüthliches in der Auffassung, Klarheit und Wahrheit in der meist warmen Färbung, und einen geistreich tokkiren-den Vortrag. Ein Bild dieser Art, Landleute vor der Hausthür, befindet sich im Louvre, Ko. 381. Auch das Innere eines Hauses mit einer Frau, welche einen Fisch zubereitet, und einem kleinen Mädchen, vom Jahr 1646, im Museum zu Amsterdam, Ko. 236, gehört zu seinen besseren Arbeiten. Unter seinen Feuereffekten sind die beiden besten, vom Jahr 1654 datirten, das Springen des Pulverthurms zu Delft, ebenda Ko. 237, und die Ansicht der Stadt Breda nach dem Feuer, in der Sammlung des Herrn Henderson zu London. Die Mehrzahl seiner Feuersbrünste sind leider rohe Fabrikarbeiten von grellem und unwahrem Effekt.

Jan.Miense Molenaer, welcher etwa von 1625—1660 blühte, nimmt eine ziemlich unabhängige Stellung ein. In seinen Bildern, welche uns das Leben der Landleute bald in, bald ausser dem Hause, vorführen, herrscht viel Leben und öfter ein glücklicher Humor. Dabei ist seine Farbe warm und klar, sein Vortrag von vieler Leichtigkeit. ‚Ein Bänkelsänger, welcher verschiedene Leute im Freien durch das Absingen eines Liedes belustigt, im Museum zu Berlin, Ko. 946, giebt ein besonders gutes Beispiel von ihm. Gelegentlich malte er auch Winterlandschaften von seltner Kraft, Wahrheit und Klarheit. Eine sehr vorzügliche der,Art befindet sich in der Sammlung des Herrn G. Field in London. 1 Bartsch 2 führt ein sehr seltnes Blatt von ihm an, welches, obwohl mit einer zarten Kadel ausgeführt, von massigem Kunstwerth ist. In der Kupferstichsammlung des brittischen Museums befindet sich von ihm eine Bauerrtgesellschaft im Freien, im Geschmack des Isaac van Ostade, von ungleich geschickterer und sehr kräftiger Behandlung.

Regnier Brakenburgh, geboren 1650, gestorben 1702, war ein Schüler des Heinrich Mommers, legte sich aber ebenfalls darauf, Vorgänge aus dem Leben der niedersten Stände, und zwar meist im Freien, darzustellen. Ein starker Einfluss des Adriaen van Ostade auf ihn ist unverkennbar. In seinen besten Bildern kommt er ihm in der Kraft der Farbe nahe, doch steht er ihm an Klarheit stets nach. Besonders aber ist er breiter und unbestimmter in den Formen, schwächer in der Modellirung und mehr verschmolzen im Vortrage. In den Gallerien des Continents kenne ich nur in denen von Wien, eine lustige Bauerngescllschaft und ein Bohnenfest von 1690 datirt, sehr gute Bilder, und in Berlin eiu Bild mit mehreren Leuten in einem Dorfe, welche sich von einem Bänkelsänger unterhalten lassen, No. 942. In England befinden sich zwei treffliche Bilder, Werkstätten von Künstlern, in Windsorcastle.

Eine ganz vereinzelte Stellung in der holländischen Schule nimmt in dieser Epoche der berühmte, 1659 geborene, 1722 gestorbene Maler Adriaen van der Wer ff eiu. Während alle andern sich in der Mehrzahl ihrer Bilder einem gesunden und natur-t wüchsigen Realismus ergeben und diesen nach verschiedenen Richtungen zu einer höchst erfreulichen und eigenthümlichen Kunst ausgebildet hatten, bestrebte er sich, eine idealistische Richtung zu verfolgen. Er führt uns daher Gegenstände aus der Bibel, aus der Mythologie, in möglichst schönen und eleganten Formen und mit einer bewunderungswürdigen Vollendung des verschmolzenen Vortrags vor, den er sich von seinem Meister Eglon van der Neer angeeignet hatte. Von ihm- hatte er auch die, jenem eigen realistische, Auffassung überkommen, und verschiedene, in derselben ausgeführte Bilder sprechen durch glückliche Erfindung, wie durch Lebendigkeit und Wahrheit so sehr au, dass sie beweisen, wie sein Talent auch ihn eigentlich für diese Richtung bestimmt hatte. Zu jener idealistischen, ihm innerlich fremden, ist er offenbar durch die Bilder und die Schriften des Gerard Lairesse hingeleitet worden. Wenn er sich hierin dann durch das häufige Zeichnen nach Gypsabgüssen antiker Sculpturen ausgebildet hat, so ist er, ohne in das tiefere Verständniss der Formen einzudringen, oder sich die Grazie der Bewegung anzueignen, in seinen Bildern dieser idealistischen Richtung darüber in das Frostige im Gefühl, und häufig auch in das Kalte und Schwere der Färbung verfallen, wie denn namentlich sein Fleisch sich in der Farbe, wie in der Glätte, häufig dem Elfenbein nähert. Dabei sind diö Stellungen oft geschmacklos und gesucht, die Köpfe einförmig und leer. Seine Figuren sind gewöhnlich von kleinem Maassstabe. Da nun stets viele Menschen in einem Kunstwerk weniger von dem ihm innewohnenden Leben, als von der eleganten und künstlichen Weise, worin es ausgeführt ist, angezogen werden, so fanden diese Bilder des van der Werff bei Fürsten und Herren einen so grossen Beifall, dass er nicht im Stande war, allen Anforderungen zu genügen. Sein grösster Beschützer aber war der Kurfürst Johann Wilhelm von der Pfalz. Da die zahlreichen, für diesen gemalten, Bilder mit der Düsseldorfer Gallerie in die von München gekommen sind, kann man ihn nirgend vollständiger kennen lernen als dort. Ein Muster von Vereinigung frostiger Geschmacklosigkeit und seltener Meisterschaft des Machwerks ist das Bild, No. 476, welches die, von allegorischen Figuren der Kunst umgebenen, Bildnisse des Kurfürsten und seiner Gemahlin darstellt. Ausserdem nenne ich nur folgende: Der Ecce homo vom Jahr 1698, No. 481, als seine grösste Composition. Hier tritt jener elfenbeinerne Ton des Fleisches besonders ein, und sind die Schatten und der Grund ungemein trübe. — Die berühmte Folge von sechzehn, vom Jahr 1706—1714 ausgelührten, Bildern aus dem Leben Christi, No. 480—499. Diese sind in dem geistigen Gehalt höchst lahm, und die Mehrzahl dabei von dunkler Totalwirkung. Nur in der Anbetung der Hirten sieht man, dass er auch im Stande war, ein warmes und klares Helldunkel hervorzubringen. — Als eins der gelungensten Bilder aus dem Kreise der Mythologie, erwähne ich die Entdeckung des Vergehens der Calisto, No. 513. — Ausser München besitzen die Gallerien zu Dresden, die des Louvre, zu Petersburg, zu Berlin und zu Amsterdam namhafte Bilder von ihm. Die Gallerie zu Kassel hat zehn Bilder mit lebensgrossen Figuren, meist grau in grau, von ihm aufzuweisen, worin er aber keineswegs zu seinem Vortheil erscheint. Als ein Beispiel seiner Bilder in der realistischen Richtung, erwähne ich des nächtlichen Conzerts, welches die Enkel der Grossmama bringen, in der Gallerie zu München, No. 383, Cabinette. Die Freude der Alten, die Lust der Kinder ist darin sehr lebendig ausgedrückt, die Lichtwirkung sehr wahr, die Ausführung in einem soliden Impasto, meisterlich. Dem gesunden Natursinn der Engländer in der Kunst sagt dieser Meister wenig zu, so dass die Zahl seiner Bilder in England nicht gross ist. Ich begnüge mich zwei Bilder im Buckinghampalace anzuführen. Das eine ist Loth mit seinen Töchtern, eine öfter vorkommende Composition, von ungewöhnlicher Wärme der Farbe, das andere, ein Knabe mit einem Spanferkel und ein Mädchen mit einem Kätzchen, ist ein besonders liebenswürdiges Bild seiner realistischen Richtung. Bei der ungemein delikaten Vollendung seiner Gemälde ist die, sich auf etwa 150 belaufende, Zahl derselben, welche Smith anführt, sehr beträchtlich zu nennen.

Ich gehe jetzt zu den Malern über, welche ein besonderes Gefallen daran fanden, die verschiedenen Verhältnisse, worin sich der Mensch zu dem schönsten Thiere, dem Pferde, setzt, künstlerisch darzustellen. Sei es nun , dass sie uns die Pflege und die Abrichtung derselben im Stall, auf der Waide und in der Reitschule, oder ihren verschiedenartigen Gebrauch beim Ziehen, oder Reiten, namentlich auf der Jagd, oder im Kriege, vorführen. Gelegentlich zogen sie auch andere Haus- und wilde Thiere in den Kreis ihrer Darstellungen.

Dirk Stoop, geboren 1610, gestorben 1686 (?), hielt sich längere Zeit in Lissabon und in England auf. Er malte besonders Schlachten und Jagden, welche von viel Erfindungsgabe zeugen und gut gezeichnet sind, denen es indess an feinerer Haltung fehlt und welche auch in der Behandlung etwas hart und trocken sind. Im Museum zu Berlin befindet sich von ihm ein Gefecht von Reiterei, No. 876, vom Jahr 1651, und ein Türke mit einem Schimmel, No. 986. Er hat eine Reihe von zwölf Blättern, deren Hauptgegenstände Pferde, mit einer kräftigen Nadel radirt, ausserdem aber die Reise der Infantin Catharina von Portugal nach England zur Vermählung mit Karl II., das Bildniss dieser Königin, sieben Ansichten von Lissabon, und Cromwel als Seiltänzer.

Jan Cornelis(?) Yerbeck, in einer patrizischen Familie um 1600 geboren, bildete sich zu einem sehr geschickten Landschafts- und Thiermaler aus, welcher vorzugsweise Reitergefechte mit grosser Lebendigkeit darstellte. Er war ein guter Zeichner. Seine Färbung ist kräftig, doch etwas schwer, die Ausführung sehr fleissig, doch noch etwas hart in den Formen, der Vortrag etwas trocken. Seine Bilder kommen in Gallerien äusserst selten vor. Mir ist nur ein mit P. C. Yerbeck bezeichnetes Bild in der Gallerie zu Berlin, No. 987, bekannt, welches in der Nähe einer Festung ein Scharmützel zwischen orientalischer Reiterei darstellt. Er hat mit einer feinen Nadel eine kleine Anzahl von Blättern, einzelne Figuren und Brustbilder, deren mehrere mit 1639 bezeichnet sind, in der Art des Rembrandt radirt, von denen Bartsch im zweiten Bande seines Werks über die Radirungen von Rembrandt Rechenschaft giebt.

Pieter van Laer, geboren zu Laaren 1613, gestorben zu Haarlem 1674 oder 1675, ging schon sehr früh nach Rom, wo er wegen seiner wunderlichen Gestalt den Beinamen Bamboccio erhielt, und kehrte nach einem Aufenthalt von 16 Jahren im Jahr 1639 nach Holland zurück, wo er sich in Haarlem niederliess. Er malte allerlei Vorgänge der Landleute im Freien, Märkte, Feste, Räuberscenen, besonders aber die Menschen in Beschäftigung mit ihrem Vieh. Er verband ein ungemeines Talent für Composition mit vielem Sinn für das Charakteristische in Bewegung und Ausdruck, und dabei war er ein tüchtiger Zeichner. Seine Färbung ist meist bräunlich warm, zuweilen auch sehr klar, öfter aber etwas schwer, sein Vortrag ist breit und geistreich. Seine Landschaften geben gelegentlich Zeugniss, dass er mit Claude und den Poussins in freundschaftlichem Verkehr gestanden. Seine Bilder haben sich jetzt ziemlich selten gemacht. Das ausgezeichnetste, mir bekannte, welches alle jene gerühmten guten Eigenschaften in hohem Grade besitzt, ist ein Marktschreier, der der Menge seine Erlaubniss sein Gewerbe zu betreiben zeigt, No. 426, in der Gallerie zu Cassel. Zwei andere Bilder ebenda, italienische Bauern im Hader, und sich mit Tanz und Wein vergnügend, No. 427 u. 428, sind ebenfalls geistreich, aber zu dunkel in den Schatten. Auch der Louvre besitzt in Reisenden vor einöm Wirthshause und einer Hirtenfamilie, No. 261 u. 262, zwei Bilder von ähnlichem Verdienst. Unter den Bildern des P. de Laer in der Dresdener Gallerie zeichnen sich besonders Landleute beim Kugelspiel, No. 1234, und ein Bauer mit seinem Schimmel beschäftigt, No. 1236, durch die klare Farbe und fleissige Ausführung aus. Ein Hauptbild, durch die geistreiche und reiche Erfindung, die klare, wenn gleich kühle, Haltung, befindet sich endlich in der Gallerie zu Wien. P. de Laer hat auch 20 Blätter, meist Thiere, mit einer leichten und geistreichen Nadel radirt. Seine Pferde sind indess nicht allein durchweg von sehr plumper Bildung, sondern haben selbst für solche, wie schon Bartsch bemerkt,1 zu dicke Füsse.

Philip Wouverman, geboren zu Haarlem 1620, gestorben 1668, war der Schüler des Jan Wynauts, von welchem er sich besonders eine treffliche Behandlung des landschaftlichen Theils seiner Bilder aneignete. Für die Menschen, namentlich aber für die Thiere, war offenbar Pieter van Laer sein Vorbild, den er indess bald übertraf uud sich eine eigne Kunstweise ausbiluete, durch welche eir als der grösste Meister in seinem Fache dasteht. Obgleich er, ähinliche Gegenstände, wie P. van Laer, behandelte, so sind seine Bilder doch von viel grösserer Mannigfaltigkeit, und spielen darin di

Joan van Iluchtenburgh, geboren zu Haarlem 1646, gestorben 1733, lernte zuerst die Malerei von Jan AVyck, setzte seine Studien bei seinem Bruder Jacob, einem Landschaftsmaler, der ihn um das Jahr 1667 veranlasste nach Rom zu kommen, fort, und genoss endlich noch in Paris den Unterricht des van der Meulen. Nach seiner Rückkehr in Holland im Jahr 1670 gelangte er durch eine grosse Zahl von Bildern, welche Vorgänge aus dem Kriegsleben, besonders Gefechte von Beiterei, gelegentlich aber auch Jagden, oder durch viele Figuren belebte Ansichten von Rom, darstellen, zu solchem Ruf, dass er im Jahr 1708 oder 1709 viele Aufträge für deu Prinzen Eugen, nach den ihm überschickten Plänen von Schlachten und Belagerungen, ausführte. Die Bilder dieses Meisters zeigen eine sehr mannigfaltige und meist glückliche Erfindungsgabe, eine ziemlich gute Zeichnung und eine grosse Gewandtheit in der Führung des Pinsels. Die schwächere Seite derselben liegt in der Färbung, denn, wenn schon manche darin klar und von harmonischer Wirkung sind, ist doch bei weitem die Mehrzahl schwer und bunt. Zwei vorzügliche Bilder von ihm, ein Scharmützel, No. 65, und der Prinz Eugen zu Pferde von anderen Kriegern umgeben, No. 66, befinden sich im Museum des Haags, ein drittes, ebenfalls ein Scharmützel, No. 64 ebenda, leidet schon stellenweise an Dunkelheit. Noch mehr ist dieses der Fall bei einem Bilde im Louvre, No. 225, ein Scharmützel. Ungewöhnlich klar, warm und fleissig ist dagegen ein Bild desselben Gegenstandes, No. 152, des Museums za. Amsterdam. Besonders zu seinem Yortheil erscheint er endlich in zwei Bildern der Gallerie zu Wien. Ein Scharmützel ist von ergreifenden Motiven, brillanter Beleuchtung und sehr fleissiger Ausführung. Die Belagerung von Namur im Jahr 1695, mit dem Könige Wilhelm III. und dem Kurfürsten Maximilian Emanuel von Baiern im Yorgrunde, ist aber durch Grösse, 6 F. 1 Z. Höhe, 7 F. 10 Z. Breite, Haltung, Wärme der Farbe und Fleiss der Ausführung, eins seiner Hauptwerke.

Ich komme jetzt auf die Maler, welche Hausthiere, Rindvieh, Schafe, Ziegen, Hunde und die Menschen im Verkehr mit denselben, in ihren verschiedensten Zuständen auf der Weide, wde im Stalle, zum Gegenstand ihrer Kunst gemacht haben. Auch hier begegnet man indess öfter dem Pferde, wiewohl meist im Naturzustände.

An der Spitze derselben steht Paul Potter, geboren zu Enckhuysen 1625, gestorben in Amsterdam, 1654. Obwohl der Schüler seines Vaters Pieter Potter, eines zwar recht tüchtigen, aber doch untergeordneten Malere, maehte er doeh, vermöge seines wunderbaren Genies, solche Fortsehritte, dass man ihn bereits mit 15 Jahren als einen vollendeten Künstler ansehen konnte. Schon früh zog er naeh dem Haag, wo sein Talent von allen Seiten, z. B. von dem Prinzen Moritz von Oranien, volle Anerkennung fand und wo er sich auch verheirathete. Im Jahr 1652 aber übersiedelte er, auf Veranlassung eines seiner Hauptbesehützer, des Bürgermeisters Tulp, naeh Amsterdam. Von allen Malern, deren Bestreben vorzugsweise auf „Wahrheit ausgegangen, ist er unbedingt einer der grössten, welche je gelebt haben. Um hierzu zu gelangen eignete er sieh eine gute Zeichnung, eine Art der Modellirung, welche seinen Thieren ein plastisches Ansehen giebt, eine ausserordentliehe Ausführung des Einzelnen in einem höchst gediegenen Impasto, und eine sehr wahre, der gewählten Tageszeit wunderbar entsprechende, Färbung an. Auch in seinen, meist landschaftlichen, Umgebungen, welehe in der Regel in einigen Weiden im Vorgrunde, und in einer weiten Aussicht über WieSen bestehen, herrseht eine höchst feine Abtönung in der Luftperspective. Obwohl die Hausthiere das Hauptelement seiner Kunst waren, so gelangen ihm aueh wilde Thiere bisweilen sehr gut, doeh ist er darin sehr ungleich. Mit einigen, wenigen Ausnahmen sind seine Thiere klein, und aueh die Bilder, dem gemäss, von sehr mässigem Umfang. Er muss äusserst fleissig gewesen sein, denn die Zahl von 103 Bildern, wozu noch mehrere Zeichnungen, viele Studien und 18 Radirungen kommen, ist für ein Leben von 29 Jahren sehr ansehnlich. Immer aber ist diese Zahl so massig, dass der hohe Preis, worin sie stehen, bei deren Vortrefflichkeit sehr begreiflich ist. Da er seine Bilder meist mit der Jahrszahl bezeichnet hat, werde ich solche, welehe mir für den Entwicklungsgang seiner Kunst besonders eharakteristiseh erscheinen, kürzlich der Zeitfolge nach, betrachten. In der Sammlung im Sehloss Wilhchushöhe bei Kassel. Vier Kühe neben einem dürren Baum in einer Landschaft, datirt 1644. Dieses, im 19. Jahre gemalte, Bild ist im Einzelnen zwar höchst ausgeführt, der Vortrag aber noch troeken. — Im Besitz des Herzogs von Sommerset. Fünf Kühe und anderes Vieh vor einer Meierei. Datirt 1646. Aueh in dieser reichen Composition haben die Formen in dem Bestreben nach Wahrheit noch eine gewisse Härte, die zwar trefflich impastirte Behandlung noch einige Trockenheit, und ist der Gesammtton kalt. Schon im folgenden Jahr 1647, gelangt er aber auf seine volle Kunsthöhe. Yon den verschiedenen, mit diesem Jahr bezeichneten Meisterwerken, kann ich hier nur drei anführen. Der berühmte junge Stier im Museum des Haags enthält ausserdem noch eine liegende Kuh, ein Schaf und einen Hirten in einer Landschaft. Sämmtliche Gegenstände sind in Lebensgrösse und das Vieh von einer so erstaunlichen Wahrheit, dass es nicht allein in einer gewissen Entfernung den Eindruck der Natur macht, sondern die Illusion auch noch ganz in der Nähe so gross ist, dass, z. B. an der Kuh, die einzelnen Stirnhaare als wirklich vorhanden erscheinen Das plastische Element, die Energie des Machwerks treten in diesem grossen Maassstabe besonders überraschend hervor. Nur die Beine des Stiers und das gekrümmte Vorderbein der Kuh haben etwas Steifes. Aber auch ganz abgesehen hiervon, beweist dieses Bild, trotz der ausserordentlichen Kunsthöhe, worauf es im Ganzen steht, gerade, ein wie richtiges Gefühl die holländischen Maler geführt hat, wenn sie in der Regel die Gegenstände ihrer Bilder in einem kleinen Maassstabe gehalten haben. Abgesehen vom Portrait, bei welchem es vor Allem auf die treue Wiedergabe der Natur ankommt, verträgt ein Gegenstand nur die Behandlung in Lebensgrösse, wenn er ein bedeutendes geistiges Interesse gewährt. Schon die ansprechendsten Gegenstände eines Terburg, Metsu, Jan Steen, G. Dow, würden uns unbefriedigt lassen, wenn sie in Lebensgrösse dargestellt wären, und bei ihnen handelt es sich doch immer noch um Menschen und menschliche Beziehungen. Hier aber, wo uns als Hauptsache das Yieh, und nur in seinem blossen Dasein, vorgeführt wird, steht das geistige Interesse noch ungleich weniger in Yerhältniss zu dem Raum, welchen es, in Lebensgrösse dargestellt, einnimmt. Es macht sich zu breit, es erscheint ungeschlacht. Ich gestehe daher, dass ich das kleine Bild (1 F. H5/s Z. hoch, 1 F. 78/4 Z. breit) aus demselben Jahr in der Grovenor Gallerie in London,2 welches fünf Kühe, einen Stier und anderes Yieh, von einer warmen Abendsonne beschienen, vorstcllt, jenem Bilde im Haag weit vorziehe. In diesem kleinen Raum haben wir eine ungleich reichere und ansprechendere, und doch so wahre Anschauung, als ob wir diese Gegenstände durch ein Verkleinerungsglas in der Natur sähen. Zugleich ist die warme und klare Beleuchtung von grossem Reiz, und findet sich hier zum erstenmal die volle Vereinigung von Bestimmtheit der Formen mit „Weiche des Vortrags. Zwischen diesen beiden Bildern steht das treffliche Bild des Herrn Walter zu Bearwood von demselben Jahr.1 Wir sehen hier zwei Kühe und einen Stier, so dass diese Composition vor dem Bilde im Haag nichts voraus hat. Dennoch macht es bei gleicher Vollendung einen ungleich wohlthätigeren Eindruck, weil hier die Thiere, bei 1 F. ü’/a Z. Höhe, 1 F. 3 Z. Breite des Bildes, obwohl grösser, als auf dem Bilde in der Grovenorgallerie doch immer weit unter Lebensgrösse sind. — Ein würdiges Gegenstück zu dem Bilde jener Gallerie bildet eine reiche Composition im Museum des Haags, vom Jahr 1648, wo sich eine Kuh in einem hellen und stillen Wasser spiegelt. Es giebt überhaupt nur wenige Bilder, worin die Frisehe und die Klarheit eines Sommermorgens mit so bewunderungswürdiger Meisterschaft wiedergegeben sind. Dabei ist die Composition sehr malerisch, die einzelnen Motive sehr ansprechend, der Vortrag von wunderbarer Präcision. Das Jahr 1649 ist wieder eins der bedeutendsten in der kurzen Laufbahn dieses Künstlers. Zwei Kühe und ein junger Stier auf der Weide aus demselben im Buckhinghampalace vereinigen, mit der gewohnten Naturwahrheit, eine ausserordentlich kräftige Wirkung und die seltenste Breite und Freiheit der Behandlung im solidesten Impasto. Aus diesem Jahr ist auch der berühmte Meierhof, früher in der Gallerie zu Kassel, jetzt in der Gallerie zu St. Petersburg.2 Nachdem das als das Meisterwerk von Potter anerkannte Bild, „le grand troüpeau de boeufs“ genannt, welches die Kaiserin Katharina II. von der berühmten Bramcamp’schen Sammlung in Holland erworben hatte, durch Schiffbruch verloren gegangen ist, gebührt ohne Zweifel diesem Bilde die erste Stelle unter seinen Werken. In dem verhältnissmässig nicht grossen Raum von 2 F. 8‘/2 Z. Höhe und 3 F. 672 Z. Breite übertrifft es alle übrigen Bilder des Meisters an’Reichthum und Geschmack der, durch viele einzelne Motive anziehenden, Composition, und in der Haltung, der Lichtwirkung eines sommerlichen Nachmittags, der Naturwahrheit ‚in allen Einzelheiten, dem höchst fleissigen, aber zugleich markigen Vortrage, steht es auf gleicher Höhe mit seinen besten Bildern. In dem, auf der linken des Bildes gelegenen, Hause sieht man durch die offene Thür eine mit Nähen beschäftigte Frau, welche ganz den Eindruck eines Bildes von Pieter de Hoogh im Kleinen macht. Vor dem Hause schlägt ein Mann mit seinem Hut nach einem Hunde, welcher einem schreienden Kinde sein Essen wegzunehmen droht. Der ganze übrige Vorgrund wird von Kühen, Schafen, Ziegen und Pferden in den mannigfaltigsten Stellungen, mit dem feinsten malerischen Gefühl abgewogen, eingenommen. Pur eine liegende Kuh hat er dasselbe Studium benutzt, wie auf der des Bildes „der junge Stier“ genannt, im Haag. Ein Reihe von Bäumen umschliesst den Meierhof im Mittelgründe. Rechts sieht man eine grosse Wiese mit vielem grasenden Vieh. Der Reiz dieses Meisterwerks wird noch durch manche Einzelheiten erhöht. So sitzt in der Hausthür sehr behaglich eine kleine Katze und spaziert im Vorgrunde mit stolzem Schritt ein Hahn u. s. w. Sehr bedeutend für das Jahr 1650 ist Orpheus, welcher durch sein Spiel die Thiere bezaubert, im Museum zu Amsterdam, No. 245. Man sieht hier, dass Potter auch wilde Thiere studiert hat. Am besten ist ihm von diesen der Bär gelungen. Für die Kraft und Sattigkeit des warmen Tons ist dieses eins seiner schönsten Bilder. In dieses Jahr fällt nach der Bezeichnung auch die einzige grössere Landschaft, welche ich von Potter kenne. Im Vorgrunde dieses, in der Eremitage zu St. Petersburg befindlichen, Bildes zieht sich ein stilles Wasser hin, worin sich die folgenden, dahinter stehenden Gegenstände matt spiegeln. Auf der rechten Seite sind einige Fischer mit einem Netz, in der Mitte einige Kähne. Sie heben sich von einem trefflich gemachten Gehölz ab. – Auf der Linken ein Reiter auf einem Schimmel, ein Jäger mit einem Hasen, ein Jüngling mit zwei Hunden am Boden und noch ein Mahn. Das Ganze athmet das Gefühl der Morgenfrische, die Behandlung ist höchst breit und meisterlich. Im Museum zu Amsterdam befindet sich, No. 246, das Hauptbild vom Jahr 1651, eine hügelichte Landschaft mit einer, ihr Kind .säugenden, Hirtin, einem Hirten, welcher auf dem Dudelsack spielt, und verschiedene Ochsen, Schafe und Ziegen. Ausser den gewöhnlichen, trefflichen Eigenschaften zeichnet sich dieses Bild durch die besondere Klarheit des lichten Goldtons, zumal in der Luft, aus. In der Behandlung ist es etwas breiter, als die bisher erwähnten Bilder. Noch klarer und sonniger, besonders in den Schatten, und noch breiter und leichter in der Touche ist ein in der Composition schwächeres Bild vom Jahr 1652 im Haager Museum, No. 125, mit Rindvieh und einer Schweinefamilie. Bedeutender durch den Umfang, schön in der Composition (drei Ochsen und drei Schafe) ist ein Bild aus demselben Jahr im Louvre, No. 400. In der Feinheit der Färbung,, der Klarheit der sonnigen Beleuchtung, der Vereinigung von Bestimmtheit und Weiche des Vortrags, ist dieses eins der Hauptbilder des Meisters. — Obwohl klein, sehliesst sich diesem, in denselben Eigenschaften würdig ein Bild in der Sammlung des Lord Ashburton, mit zwei, sich zum Spass stossenden, Ochsen vom Jahr 1653 an. Wohl ohne Zweifel rührt aus dieser letzten und reifsten Zeit des Künstlers ein Bild her, worin wir ihn von ganz neuen Seiten, nämlich als Darsteller bewegtesten Thierlebens, und als höchst geistreichen Humoristen kennen lernen. Es ist dieses das berühmte, vormals in Kassel, jetzt in der Eremitage zu St. Petersburg vorhandene, Bild des Gerichts der Thiere über den Jäger. Dieses geht auf zwei übereinander in der Mitte einer, 2 F. 9 Z. hohen, 3 F. 10 Z. breiten, Tafel, befindlichen, grösseren Abtheilungen vor sich, während von zwölf, dieselben umgebenden, kleineren Abtheilungen, zehn verschiedene Arten von Jagden, zwei, in den oberen Ecken, aber die Verwandlung des Menschen in einen Hirsch und den Menschen, wie er den Hirch göttlich verehrt, darstellen. Letzteres hat er in der bekannten Legende vom heiligen Hubertus dargestellt, ersteres aber durch die Mythe von Diana und Actaeon von seinem Zeitgenossen Poelenburg darstellen lassen, da das Malen von nackten Göttinnen und Nymphen ausser dem Bereich seiner Kunst lag. Jene Jagden, welche dem wilden Schwein, dem Löwen, dem wilden Stier, den Affen, dem Bären, dem Steinbock, dem Wolf, dem Leopard, den Kaninchen, dem Hasen gelten, sind höchst geistreich und eigenthümlich. Nur bei der Wolfsjagd hat er die Hauptmotive nach dem berühmten Bilde von Rubens genommen, welches, früher im Besitz des Grafen Altamira in Spanien, jetzt in der Sammlung des Lord Ashburton in London befindlich ist. Durch diese ausführliche Darstellung der grausamen Verfolgung der armen Thiere durch den Jäger, hat der Maler vortrefflich das furchtbare Gericht gerechtfertigt, welches die Thiere über diesen, ihren gefangenen Erbfeind, ergehen lassen. In dem oberen jener beiden mittleren Bilder wird der Jäger, die Hände auf den Rücken gebunden, das Haupt gebückt, von zwei Wölfen und einem Bären bewacht, vor Gericht geführt. Der Löwe mit einem Scepter, erwartet ihn in stolzer Haltung. Neben ihm die Löwin. Zu den Seiten der Elephant, als Beirath und der Fuchs als Protokollführer. Hinter dem Jäger werden ebenso vier Hunde, von sehr gedrückter Stimmung, paarweise gefesselt, von einem Bären und einem Wolf herbeigeführt. Verschiedene andere Thiere sind noch als Zeugen zugegen. Das untere Bild stellt die Vollstreckung des Urtheils dar. Der, als Braten am Spiess steckende, Jäger wird von einem wilden Schwein und einem Steinbock begossen, während zwei Bären den Spiess drehen und ein Elephant und ein Affe Holz herbeitragen. Daneben erleiden auch die Hunde ihre Strafe. Einer hängt bereits an einem dürren Baumzweig, ein anderer ist so eben von einem Wolf und einem Fuchs emporgezogen, und in der Todesangst geht es ihm nicht besser wie Rembrandts Ganymed. Ein Affe, welcher die beiden anderen Hunde gefesselt hält, deutet ihnen ihr Schicksal emporweisend an. Während der Löwe in stolzer Ruhe diesem Schauspiel zusieht, lassen andere Thiere, namentlich der Stier, der Bär, der Eber und der‘ Steinbock ihre Freude über die Strafe des Jägers in einem wilden Tanz aus. Der köstliche Humor in diesen tanzenden Thieren erreicht seinen höchsten Grad in dem Steinbock. Der Wolf allein drückt seine Freude in ungeschlachter Weise dadurch aus, dass er sich auf der Erde herumwälzt. Alle diese Bilder sind von einer sehr kräftigen, die meisten zugleich von einer ungemein warmen Färbung, die höchst geistreiche Behandlung ist etwas breiter, als gewöhnlich.

Die Bilder des Potter in den Gallerien zu München und Dresden sind zwar echt, aber nicht geeignet von der Grösse des Meisters eine Vorstellung zu geben. Wohl aber ist dieses der Fall mit dem Bilde in der Sammlung des Grafen Czernin in Wien, vom Jahr 1647, welches das Austreiben des Viehs, wovon zwei Kühe sich stossen, in klarer Morgenbeleuchtung vorstellt.

Die Bewunderung dieses Meisters wird noch ungemein gesteigert durch, in vier Bänden auf dem Kupferstichkabinet zu Berlin, enthaltene Studien desselben. Da sie das einzige, mir bekannte Beispiel sind, dass sich solche von einem Meister ersten Ranges der holländischen Schule dieser Epoche noch in ihrem ursprünglichen Zustande (hier in Einbänden von Schweinsleder) erhalten haben, so halte ich es für angemessen eine etwas nähere Auskunft davon zu geben. Ein Band in kleinem und schmalem Folio (8 Z. hoch, 2j/2 Z. breit) enthält eine grosse Zahl von Landschaften, welche in Touche mit der Feder und dem Pinsel leicht und flüchtig in einer Weise, welche sehr an die Zeichnungen des Jan van Goyen erinnert, gemacht sind. Ausserdem aber findet sich darin eine Anzahl von mit demselben Material meisterlich gezeichneter Köpfe von Ochsen, Schafen und Pferden. Ein zweiter Folioband (1 F. h., 4 Z. br.) zeigt zwar ebenfalls noch einige Landschaften, vorzüglich aber doch Studien von Bäumen, und namentlich von Baumstämmen, welche ebensowohl durch das feine Yerständniss, als die Sicherheit und Energie des Machwerks in Erstaunen setzen. Einige sind dadurch, dass der Grund daneben getuscht und die Lichter in Weiss aufgehöht sind, in eine malerische Wirkung gesetzt. In einem Quartbande (9 Z. h., 7 Z. br.) befinden sich zwar wieder einige, hier mit Kreide gezeichnete, und in einigen Theilen aquarellirte Landschaften, ganz besonders aber Thierstudien. Eine Reihe von Schaffüssen auf braunem Grunde ist bis auf die einzelnen Haare in Deckfarben auf das Feinste, ganz wie Bilder, vollendet. Aelm-lich sind auch einige Köpfe von Schafen behandelt. Yiele andere derselben Thiere, sowie Köpfe von Kühen und Kälbern sind in den mannigfaltigsten Lagen und schwierigsten Verkürzungen in den verschiedensten Weisen mit Kreide, mit Touche, mit der Feder, aber immer mit gleicher Meisterschaft, gezeichnet. Nicht minder lebendig ist der Kopf eines Hundes und eines Hasen. Dann folgen Kalbsfüsse, der Körper eines Kalbes ohne Kopf und Füsse, und eine liegende, trefflich verkürzte Kuh. Dieser schliessen sich Karren, Pflüge und alles mögliche ländliche Gerath an, mit seltenster Prä-cision mit der Feder gezeichnet und angetuscht. — Ein schlafendes Pferd vor einem Karren, und ein auf der Deichsel sitzender Bauernbursche, sind nicht allein höchst lebendig, sie haben etwas Humoristisches. Zunächst sehen wir zwei Kähne, eine Windmühle und die Studien von Pferden, Hahnenköpfen und Ziegen. Unter anderem Gerath zeichnet sich ein mit seltenster Vollendung in Deckfarben ausgeführtes, kupfernes Milchgefäss aus. Dann folgen Studien von Menschen, eine Bauerfrau und ein Knabe in Kreide, Bauern, ganze Figuren und Köpfe, Hände, sehr vorzüglich und theilweise sehr fleissig. Ein grosser, sitzender Bauer im Profil ist von einer Lebendigkeit wie Jan Steen. Endlich einige, bis zu den kleinsten Details studierte Gewänder. Der vierte Folioband, von ansehnlicher Grösse enthält endlich meist Studien von Blumen und Pflanzen, fast durchweg in Naturgrösse, höchst meisterlich in Touche mit der Feder aufgezeichnet und ziemlich flüchtig in Aquarellfarben colorirt. Ausser vielen anderen, minder bekannten Blumen, sieht man hier Winden, Astern, Mohn, Hyacinthen, Krokus, Maiblumen, Königskerzen, Tulpen, Iris, Kornblumen und, von Früchten, Erdbeeren. Wenn man diese Studien allein hätte, würde man den Urheber für einen Blumenmaler halten. Zu dem Vorzüglichsten gehören aber zwei Seiten mit theils in Deck-, theils in Aquarellfarben ausgeführten Vögeln, davon einige, z. B. der Hänfling, in Naturgrösse, andere, wie ein Rebhuhn, ein Wiedehopf in verkleinertem Maassstabe gehalten sind. Die grosse Wahrheit, die ebenso fleissige, als breite Behandlung sind wahrhaft überraschend. Darauf treten auf der einen Seite immer Pflanzen, auf der anderen, zum Theil colorirt, Bauernhütten ein, aber auch eine Wassermühle, und ein hölzerner Steeg. Zum Schluss sind endlich verschiedene Dorfkirchen zusammengestellt. Wir sehen hieraus, in welchem grossen Umfang dieser Künstler seine Studien machte, und in welcher reichen Fülle sie ihm bei der Ausführung seiner Bilder zu Gebot standen. — Im Verhältniss noch mehr auf der vollen Kunsthöhe, als seine frühsten Bilder, befinden sich einige der frühsten seiner 18 Radirungen,1 welches um so mehr überrascht, als die, eine „Le Vacher“, No. 14, sogar mit 1643 bezeichnet, also die Arbeit eines achtzehnjährigen Jünglings ist. Die andere „Le Berger“, No. 15, mit 1644 bezeichnete, zeigt aber eine Feinheit in der Beobachtung des Helldunkels, welche dem oben angeführten Bilde von 1646 noch nicht eigen ist. In seinen Radirungen sieht man indess noch fast mehr als in seinen Bildern, dass er in den Pferden minder glücklich ist, als in Rindvieh und in Schafen.

Von Malern, welche die Kunstform des Potter nachgeahmt haben, sind nur zwei bekannt, Raphael Champhuysen und Albert Klomp. Die Bilder beider .werden öfter für Werke des Potter gehalten. Von dem ersten soll nach Smiths Urtheil ein Bild mit Vieh in Naturgrösse mit 1648 bezeichnet, unter No. 527, in der Gallerte zu Kassel sein. Es steht dem Potter allerdings an Kraft des Tons und Energie des Machwerks nach, kommt ihm aber sonst sehr nahe. Von A. Klomp besitzt die Gallerte zu Brüssel ein Bild mit Vieh vor einem Meierhofe, No. 122, dessen Formen ungemein mit denen des Potter übereinstimmen und was auch mit viel Geschick gemalt ist. Der Ton ist indess schwerer, das Impasto geringer, als bei ihm.

Adriaen van de Velde, geboren 1639 zu Amsterdam, gestorben ebenda 1672, ein Schüler des Jan Wynants, stellt mit dem Potter fast auf gleicher Höhe, denn, wenn er ihm schon in der Energie der Auffassung des Vieh’s, in der plastischen Modellirung, endlich in der Breite des pastosen Vortrags um Vieles nachsteht, so ist er ihm doch an Vielseitigkeit der Gegenstände, an Geschmack der Composition, an Feinheit der Zeichnung, wie endlich an einer gewissen Wärme und Gemüthlichkeit des Gefühls, wieder überlegen. In einer Beziehung hat er indess eine grosse Aehnlichkeit mit Potter, dass er nämlich, wie jener, schon mit 14 Jahren ein sehr ausgezeichneter Künstler war, und dass er, ebenfalls sehr jung,, nämlich mit 32 Jahren, starb. Am gewöhnlichsten stellt er Vieh im Bruchland dar, wo Bäume die weitere Aussicht beschränken, zu ihren Füssen sich kleine Flächen von stillem Wasser befinden, und in der Regel Hirt und Hirtin nicht fehlen. Gelegentlich malt er aber auch in freierer Aussicht eine Jagdgesellschaft, bisweilen von einem Schlosse aufbrechend, oder dahin zurückkehrend. Selten, aber mit der grössten Meisterschaft, stellt er uns blosse Landschaften, mit besonderer Vorliebe die Küste von Scheveningen, in der Regel von mehreren, höchst malerisch angeordneten und trefflich gezeichneten, Figuren, Menschen, Pferden und Hunden belebt, dar. Einigemal malt er, und mit nicht geringerem Erfolg, Winter-landschaftcn. Für Gegenstände aus dem Kreise der Historienmalerei und der Mythologie hatte ihm indess, wie einige Beispiele lehren, die Natur das Talent versagt. Sein feines ‘Gefühl hat ihn stets davor bewahrt, sich in lebensgrossem Massstabe zu versuchen. Wenn wir die höchst delikate Ausführung seiner Bilder und den Umstand, erwägen, dass er sehr häufig die Bilder anderer Maler, namentlich des van der Heyden, dosHobbema, des J. Ruysdael, des Wynants, des Jan Hackaert, des Moucheron und des Verboom mit Figuren schmückte, so zeugt die Zahl der sich bei Smith auf 187 belaufenden Bilder von ihm, bei einer so kurzen Lebensdauer, nicht allein von einem ausserordentlichen Fleiss, sondern auch von einer erstaunlichen Leichtigkeit des Hervorbringens. Da auch er seine Bilder meist mit der Jahrszahl bezeichnet hat, lässt sich danach am sichersten sein Entwicklungsgang verfolgen.

Das frühste, mir^ von ihm bekannte Bildchen, eine weidende, braune und eine ruhende, graue Kuh in offner Gegend, mit dem Jahr 1655, befindet sich, No. 903 a, im Museum zu Berlin. In diesem, also mit 16 Jahren ausgeführten, Bilde erkennt man in der Zeichnung und Haltung schon das feinste Naturstudium, und eine sehr zarte Ausführung. — Yon seltner Helligkeit des Tons und reizender Naturfrische ist zunächst das vor einer Bauerhütte weidende Yieh, in der Gallerie zu Dresden, No. 1438, mit dem Jahr 1659. — Drei Kühe, ein Schaf und zwei Lämmer mit dem Jahr 1661, im Louvre, No. 538, ist von ausserordentlicher Wahrheit, und, obwohl sehr fleissig, doch frei behandelt. — „Le Rendezvous de Chasse.“ In diesem reichen Bild mit dem Jahr 1662 , sieht man, wie trefflich er auch Pferde und Hunde zu zeichnen verstand. Ueberdem zeigt dieses, in der Sammlung von Herrn Thomas Baring befindliche, Bild durch die treffliche Haltung in einem warmen und klaren Ton, durch die ebenso präcise, als weiche Behandlung, dass sich damals der Meister schon auf der vollen Höhe seiner Kunst befand. — Im nächsten Jahr, 1663, malte er aber auch das durch Reiohthum der Motive, Meisterschaft der Haltung und, bei dem grossen Umfang (4 F. Z. h., 5 F. 7Ya Z. br.), bewunderungswürdigen Ausführung der Einzelnheiten unter dem Namen „La Fuite de Jacob“ berühmte Bild in der Sammlung des Marquis von Hertford. — Im folgenden Jahr ist er besonders thätig gewesen. Ich darf mir leider nur gestatten, zwei der mir ans demselben bekannten Kunstperlen anzüführen. Im Louvre, No. 539. Unter einem Weideubaum zwei Pferde, eine Kuh, eine Ziege und drei Schafe, im Yorgrunde noch “eine Kuh und eine Ziege. Alles, die malerische Composition, der Gegensatz der abendlichen Beleuchtung mit dem zarten Silberton des Wassers und der Ferne, die liebevolle Ausführung, vereinigt sich, um dieses zu einem der schönsten Bilder des Meisters zu machen. ¦— Im Museum im Haag, No. 162. Ein sehr ähnlicher Gegenstand und nicht minder reizend. Nur dass hier ein kühler Ton der Tagessonne und ein feines Helldunkel vorherrschen. Dabei ist die miniaturartige Ausführung dieses kleinen Bildes doch frei und geistreich. — Würdig schlicsst sich diesem ein Bild von 1666 im Museum zu Amsterdam, No. 335, mit ruhendem und grasendem Yieh an. Bewunderungswürdig ist hier die allgemeine Tagesklarheit, das frische Grün der Bäume, der sanftbräunliche, harmonische Ton in den Thiercn. Unter zwei Bildern dieses Jahrs im Buckinghampalast, welcher nicht minder als sieben „Werke unseres Meisters besitzt, muss ich mich begnügen, nur das eine, wo eine Jagdgesellschaft am hellen, frischen Morgen über eine Wiese zieht, zu erwähnen.1 — Noch schöner ist aber ebenda eine starkbewaldete Landschaft, worin eine Hirtin, an eine Kuh gelehnt, mit einem Hirten spricht.2 Nur selten hat van de Yelde diese Tiefe und Wärme der Harmonie erreicht. — Eine grosse Landschaft, in abendlicher Beleuchtung, mit verschiedenen Bäumen und einem Fluss, welche durch den Künstler und seine Familie, einem Fuhrmann mit einem von zwei Schimmeln gezogenen Karren und einem Hirten mit einer kleinen Heerde von Schafen und Ziegen belebt wird. Dieses in der Sammlung van der Hoop befindliche, mit dem Namen und 1667 bezeichnete, Bild von der ansehnlichen Grösse von 4 F. 8 72 Z. hoch, 5 F. 7 Z. breit, ist ohne Zweifel das schönste Werk des Meisters. Die Composition des Ganzen ist im seltensten Grade malerisch, die Vereinigung der zart abgewogenen Haltung, mit der feinsten Durchführung aller Einzelheiten, gewährt einen der Hauptbeweise, auf welcher Höhe diese Schule um diese Zeit stand. — Fast am Ende seiner Laufbahn ist der Künstler in einem 1671 bezeichneten Bilde des Museums von Amsterdam, No. 336, worauf eine Hirtin, vor der Thür ihrer Hütte sich mit einem Hirten zu Pferde unterhält und im Yorgrunde verschiedenes Yieh weidet. Obwohl durch Grösse und Reichthum ein sehr bedeutendes Bild, artet doch hier die Delikatesse des Vortrags in das Geleckte aus, und ist der Hintergrund zu sehr verschwimmend und von schwerem Ton. In einigen seiner spätesten Bilder treten diese Eigenschaften indess ungleich stärker ein. Besonders wo er auf dunklen Grund gemalt hat ist der allgemeine Ton minder klar, und die Wirkung zudem auch öfter bunter, z. B. in der Gallerie zu München, No. 460, Cabi-nette, dessen ungleich harmonischeres Gegenstück, No. 472, mit 1671 bezeichnet ist. Ich lasse jetzt einige Beispiele von seinen Landschaften, und zwar zuerst von denen, welche den Strand von Scheveningen darstellen, folgen. Schon mit 19 Jahren war er auch in diesem Fach einer der grössten Maler, welche je gelebt haben denn sein mit 1658 bezeichnetes Bild der Art in der Gallerie zu Cassel, No. 593, ist von einer Zartheit des Naturgefühls, einer Meisterschaft der Zeichnung, einer Feinheit der Haltung und Harmonie, welche wahrhaft in Erstaunen setzen. — Ihm sehr nahe, und wahrscheinlich nicht lange darauf gemalt, ist eine ähnliche Ansicht im Haager Museum, No. 163, nur ist hier die Luft mehr sonnig, und das Impasto, bei der miniaturartigen Ausführung, be-wunderungswerth. — Bei ähnlicher Güte unterscheidet sich eine dritte, 1660 bezeichnete Ansicht im Louvre, No. 536, durch die wärmere Wirkung der Nachmittagssonne. Und auf gleicher Höhe steht eine vierte Ansicht von demselben Jahr im Buckinghampalast. Yon Wiuterlandschaften sind endlich zwei kleine im Louvre, No. 541, vom Jahr 1668, und in Dresden, No. 1439, vom Jahr 1669, für Klarheit und Feinheit des Tons, für Wahrheit und Lebendigkeit der Figuren, für Weiche der Touche, wahre Meisterstücke. Da die ganze Eigentümlichkeit des Adriaen van de Yelde dem Kunstnaturell der Engländer in besonderem Grade zusagt, ist die Anzahl trefflicher Bilder von ihm in England sehr beträchtlich.

Fast noch erstaunungswürdiger wie als Maler, steht dieser Künstler als Radirer da, denn, wie die Bezeichnung mit dem Jahr 1653 auf fünf der 21 von ihm radirten Blätter1 beweist, war er bereits mit 14 Jahren sehr geschickt in dieser Kunst, seine späteren Blätter aber, namentlich die im Jahr 1670 ausgeführten, No. 11 —16, gehören in jedem Betracht zu dem Besten, was überhaupt in dieser Art gemacht worden ist.

Yon eigentlichen Schülern des Adriaen van de Yelde ist nur Dirk van Bergen bekannt, der 1645 zu Haarlem geboren, 1689 starb. Er befliss sich mit sehr gutem Erfolg der Nachahmung seines Meisters, und ohne ihn je an Geschmack, an Feinheit der Zeichnung zu erreichen, kam er doch in den Arbeiten seiner mittleren .Zeit den späteren Bildern seines Meisters bisweilen sehr nahe. In seiner letzten Zeit aber wurde er bunt in seinen Kühen, schwer in der Farbe und hart im Yortrag. Er arbeitete gegen das Jahr 1675 in London. Im Louvre befinden sich, No. 15 und 16, zwei gute Bilder aus seiner besten Zeit, und zwei nicht minder gute im Museum zu Amsterdam, No. 28 und 29. Vier Bilder in der Gallerie zu Dresden, No. 1485—1488 gehören zu seinen späteren Arbeiten.

Peter van der Leeuw, gestorben 1704, war nur ein eifriger Nachfolger des Adriaen van de Yelde, dem er in seinen besten Bildern wirklich sehr nahe kam. Der Art ist ein Bild in der Gallerie zu München, No. 382, Cabinette, bezeichnet P. van Leeuw 1671, worauf eine trinkende, graue Kuh im Wasser. Meist aber ist er schwerer im Ton, schwächer in der Zeichnung, härter in den Umrissen, derber im Vortrag, wie in dem Gegenstück des vorigen, ebenda No. 37G.

Verschiedene Maler, welche durch den Besuch von Italien eine Besondere Vorliebe für’die dortige Natur gewonnen hatten, fanden Arorzugsweise Gefallen, Vieh und Hirten, wie sie in jenem Lande Vorkommen, mit den Formen der dortigen Natur und der Baulichkeiten, besonders der Ruinen, in Verbindung zu bringen. Bei ihnen spielt indess das Landschaftliche eine überwiegende Rolle. Obgleich im‘ vollen Besitz der darstellenden Mittel der vaterländischen Schule, gelang es ihnen doch nicht, jene, ihnen fremde Natur in ihren Bildern mit der Treue wiederzugeben, wie dem Potter und van de Velde. Ihre Bilder entbehren daher jener Wärme des Gefühls, jener tiefen Wahrheit, und wirken daher nie so mächtig auf den Beschauur ein.

Der älteste dieser Maler ist Jan Asselyn, geboren zu Diepen, in der Nähe von Amsterdam, 1610, gestorben -1660. Er war der Schüler des Esaias van de Velde und des Jan Miel, und lebte von 1630 bis 1645 in Italien. Seine Bilder haben meist in der Auffassung etwas Poetisches, und machen sich auch durch eine gute .Zeichnung, ein feines Gefühl für Haltung und Helldunkel, wobei meist eine kühle Stimmung vorwaltet, sehr vortheilhaft geltend. In vier Bildern, welche der Louvre von ihm besitzt, kann man ihn sehr wohl kennen lernen. Besonders zeichnet sich eine Ansicht der Tiber mit einer, eine Furth passirenden, Heerde, No. 3, und eine bergigte Landschaft, wo Reisende auf eine Fähre warten, No. 2, aus. Ein anderes, treffliches Bild, mit grossen Ruinen im Vordrunde, vor welche Landleute mit Eseln und Maulthieren, im Mittelgrund eine Brücke, hinten zartblaue Berge, besitzt die Sammlung van der Hoop in Amsterdam. Ebenso schön, und von seltner Kraft und Harmonie des kühlen Helldunkels, ist ein Bild, worauf ein verfallenes Schloss auf einem Felsen, in der Gallerie zu München, No. 445, Cabinette. ln England befindet sich eines •seiner besten Werke, Vieh und eine Frau, welche sich im Wasser ¦spiegeln, vor einer Höhle, in der Sammlung von Thomas Baring.

Jacob van der Does, geboren 1023 zu Amsterdam, gestorben in Haag 1673, ein Schüler des Nicolaus Moyaert, erfuhr in Rom einen starken Einfluss von Pieter van Laer. Er componirte mit Geschmack meist italienische Landschaften, welche er am häufigsten und glücklichsten durch Schafe und Ziegen belebte, und in ¦einem tiefen, warmen Ton, mit trefflichem Impasto, fleissig ausführte. Von seinen, in den Gallerien leider sehr seltnen, Bildern befindet «ich das bedeutendste mir bekannte, mit dem Namen und 1672 bezeichnte, in der Gallerie zu Wien. In der Nähe eines von zwei Bäumen beschatteten, antiken Brunnens ruht eine Schafheerde und ein bepackter Maulesel. Dabei eine Hirtin mit zwei Kindern. Wie dieses Bild von einer fast Rembrandtschen Klarheit und Kraft der Farbe, sich auch sonst auf der vollen Höhe der Schule befindet, so zeigt er sich auch in dem einzigen, 1650 von ihm radirten Blatt, welches 5 Schafe vorstellt.

Nicolas Berchem, gehören zu Haarlem 1624, gestorben in Amsterdam 1683, ist von dieser ganzen Gruppe der berühmteste. Von den Malern, welche als seine Lehrer aufgeführt werden, nenne ich nur den Jan Baptist Weenix. Auch er gehört zu den Künstlern, welche schon früh zu einer grossen Ausbildung gelangten. Obwohl man über seinen Aufenthalt in Italien keine bestimmte Nachricht hat, so lässt sich derselbe doch aus seinen Bildern mit Sicherheit voraussetzen. Er stellt nämlich, sowohl in seinen Landschaften, als in seinen Tliieren und Menschen, vorzugsweise die italienische Natur dar. In seinen Compositionen herrscht eine grosse Mannigfaltigkeit, bisweilen selbst ein poetisches Gefühl, dabei ist er ein tüchtiger Zeichner, er versteht sich sehr wohl auf die Luftperspective, und hat eine sehr freie, spielende und geistreiche Pinselführung. In der Färbung ist er sehr ungleich, häufig warm, klar und harmonisch, oft aber auch kalt, schwer und bunt. In -seinen Hirten und Hirtinnen herrscht eine grosse Einförmigkeit, seine Tiere entbehren schon in seiner mittleren Zeit der Naturstudien. Sie sind von da ab aber vollends von conventioneller und sehr einförmiger Bildung. Leider hat er sich bisweilen darauf eingelassen, Vorgänge aus der Bibel und Profangeschichte und der Mythologie zu behandeln. Ebensowenig, wie diese, sind ihm die Bilder in Lebensgrösse, unter denen auch Portraite, gelungen. Schon von selbst zum Fleiss geneigt und überdem noch von einer geizigen Frau angetrieben, ist die Zahl seiner Gemälde sehr gross, wie denn Smith deren nicht weniger als 417 anführt. Besonders reich an Bildern von ihm sind die Sammlungen imLouvre, in Petersburg, in München, in Dresden, in Wien und in Berlin. Berchem hat auch öfter die Landschaften anderer Maler, als des Ruysdael, des Hobbema, des Jan Wils, des Abraham Verboom und des Isaac Moucherou mit Figuren und Thieren geschmückt.

Wie früh er die Manier des J. B. Weenix ablegte, zeigt eine 1644 bezeichnete, also in seinem 20. Jahr gemalte, Landschaft in der Gallerie zu Wien, in deren Yorgmnde ein Hirt und eine Hirtin neben einer Hütte sitzen, und zwei Kühe und anderes Vieh weiden, im Hintergründe sich aber ein See befindet. Hier herrscht noch ein rein holländisches Naturgefühl, und erinnert die warmsonnige Beleuchtung an A. Cuyp. Dabei ist die Composition sehr glücklich, im Einzelnen ein fleissiges Naturstudium sichtbar und der Vortrag schon von grosser Eleganz. Aus derselben, frühen Zeit dürfte auch das Bild, No. 890, im B erlin e r Museum sein, worauf ein Fuhrmann mit seinem Karren vor einem Wirthshause hält. Von ungemeiner Wahrheit ist eine, von Menschen und Thieren belebte, mit 1647 bezeichnete Winterlandschaft im Museum zu Amsterdam, No. 20. Nur drei Jahre später verfiel er schon auf den unglücklichen Gedanken, die 1648 bezeichnete, italienische Landschaft im Museum des Haags mit lebensgrossen Figuren zu malen, welche, wiewohl man ihr eine grosse Meisterschaft und viel Klarheit der Farbe zugestehen muss, doch einen sehr unbefriedigenden und kalten Eindruck macht. — Desto mehr zu seinem Vortheil erscheint der Künstler dafür in einer kahlen, felsigten Landschaft, in welcher Hirten ihr Vieh durch eine Furth treiben, vom Jahr 1650, No. 19, im Louvre. In dieser Art von Compositionen ist Berchem am eigenthümlichsten und anziehendsten. Sie erwecken häufig, in poetischer Weise, das Gefühl der Ferne. In diesem Bilde macht besonders der kühle Ton der Landschaft mit dem goldigen, des hier noch naturwahren, Viehs einen sehr glücklichen Gegensatz, und dabei ist das Impasto trefflich. „Würdig schliesst sich dieser, ebenda No. 18, eine Landschaft von ähnlichem Charakter, vom Jahr 1653, an, welche unter den grösseren Bildern des Meisters in jedem Betracht, namentlich in der Klarheit der Beleuchtung und der Tüchtigkeit der naturwahren Durchführung, eine der besten ist. Dass er auch noch 1656 sich jene Naturwahrheit bewahrt hatte, beweist ein Bild von ähnlicher Composition von diesem Jahr im Museum zu Amsterdam, No. 23, welches sich auch noch durch die trefflich durchgeführte, kühle Stimmung aus-zeiehnet. — Eine Wildeschweinsjagd vom Jahr 1659, im Museum des Haags, No. 11, beweist zwrar, dass er auch solche, sehr bewegte Vorgänge mit Erfolg behandelte, und ist ein Muster von Präcision und Eleganz des Machwerks, es findet sich hier aber schon theilweise der blaue, dunkle Ton ein, welcher den Werth seiner späteren Bilder für ein feineres Auge so sehr beeinträchtigt. — Dieses ist gleich bei einer Landschaft von 1661, ebenda No. 10, der Fall, welche sonst zu der, oben als für ihn so günstig bezeich-neten, Gattung gehört. Hier aber findet sich auch schon die etwas einförmige und conventioneile Form des Viehes vor. — Eine nochmalige glückliche Rückkehr zu seiner warmen und klaren Färbung zeigt eine Landschaft von ähnlicher Composition vom Jahr 1664, im Louvre, No. 24, in deren Vorgrunde ein Türke sich mit einer Frau unterhält. Er hat hier ungewöhnlich viel Lasurfarben gebraucht und die übrigens meisterliche Behandlung ist lockerer als sonst. Dass er übrigens sich noch bis zu seiner spätesten Zeit die Präcision und Eleganz seines Vortrags ungeschwächt erhalten hat, beweist eine in der Composition sehr ansprechende Landschaft der mehrerwähnten Art vom Jahr 1680, in der Gallerie zu Wien, wo eine Hirtin mit einer anderen, auf einem Esel reitenden, sich unterhält. Uebrigens herrscht darin der schwere und dunkle Ton. Das schlagendste Beispiel der Verirrung dieses Meisters gewährt indess das, nothwendig seiner sehr späten Zeit angehörige, Reitertreffen im Haager Museum, No. 12, ein wahres Muster von bunter und greller Wirkung, und von Härte im Einzelnen. Keine andere Gal. lerie besitzt eine so grosse Zahl von Bildern des Berchem als die Eremitage zu St. Petersburg. Einige derselben gehören auch zu seinen anziehendensten Werken. So eine Landschaft mit einer steinernen Brücke, durch welche ein Wasserfall stürzt, mit einer reichen Gruppe von Yieh. Sowohl durch die geschmackvolle Com-position, als durch die warme Abendbeleuchtung ist dieses Bild sehr ansprechend. Aehnliche Vorzüge hat eine bergigte Landschaft mit einer Schafheerde und einem auf der Flöte blasenden Hirten. Die Mehrzahl gehört indess seiner späteren, in den Formen der Thiers conventionellcn, in der Farbe dunklen Zeit an. Zwei sehr grosse Bilder, das goldne Zeitalter und die Entführung der Europa, sind endlich Beispiele der unglücklichsten Verirrungen des Meisters. Unter den vielen und schönen Bildern, welche England von Berchem aufzuweisen hat, muss ich mich begnügen, hier das unter dem Kamen „Le Fagot“ berühmte Bild in der Sammlung des Lord Ashburton anzuführen.1 Von den Compositionen, worin er so glücklich, ist dieses eins der vorzüglichsten. Es hat seinen Kamen von einem Bündel Holz, welches ein Mann im Vorgrunde trägt, zu dessen Seite eine Hirtin zu Pferde einige Kühe treibt. Zu dem poetischen Gefühl kommt hier noch eine grosse Kraft der Färbung, und die schärfste und geistreichste Touche.

Dieser fleissige Künstler hat auch 58 Blätter mit sehr leichter und geistreicher Nadel geätzt.2 In einigen derselben, namentlich in No. 3, 4 und 6 bei Bartsch, scheint sich mir ein reineres Naturgefühl auszusprechen, als ich es irgendwo in seinen Bildern gefunden habe.

Unter seinen Nachahmern zeichnen sich besonders Abraham Begyn und J. F. Soolmaker aus, doch bleiben beide immer weit unter ihm, zumal hat der letzte stets einen sehr schweren und kalten Ton. Von erstercin findet sich eine Maria vom Jahr 1659 im Museum zu Brüssel, und ein Viehstück im Museum zu Berlin, vom’ zweiten eine Landschaft mit einem Springbrunnen im Museum zu Brüssel und eine andere mit Vieh, welches eine Furth passirt, im Museum zu Rotterdam.

Karel du Jardfn, geboren etwa 1625, gestorben zu Venedig 1678, soll zwar die Malerei Von Berchem gelernt haben, hat sich aber, wie schon Smith sehr richtig bemerkt,5 offenbar ungleich mehr nach Potter gebildet. Dennoch malte er, da er schon früh nach Rom ging, gleich dem Berchem, vorzugsweise Vorgänge aus der italienischen Natur, Avelche ihn auch so anzog, dass er, nachdem er wieder etwa acht Jahre in Holland zugebracht, für immer dorthin zurückkehrte. In seinen Thieren herrscht mehr Naturwahrheit, in seinen menschlichen Figur&n mehr Gefühl, in beiden mehr Mannigfaltigkeit, als bei Berchem, dabei steht er ihm weder in der Correctheit der Zeichnung, noch in dem Sinn für Haltung, oder der Trefflichkeit der Ausführung des Einzelnen, nach. Gelegentlich findet sich sogar bei ihm eine sehr ergötzliche humoristische Ader vor. In biblischen, oder mythologischen Gegenständen ist er aber ebenfalls wenig glücklich. Dagegen malte er mit ungleich besserem Erfolg, als Berchem, gelegentlich Portraite in Lebensgrösse, so wie auch in kleinerem Maassstabe. Smith führt etwa 145 Bilder von ihm an, was bei einer Lebensdauer von sicher mehr als 50 Jahren, als gering erscheinen würde, wenn man nicht wüsste, dass er übermässig dem Vergnügen ergeben gewesen, und damit einen grossen Theil seiner Zeit verloren hätte. Keine Sammlung hat einen so grossen Reichthum trefflicher Bilder von ihm, als die des Louvre, und mit Hinzunahme der Bilder in den Museen von Amsterdam und vom Haag kann man diesen Meister dort vollständig kennen lernen. In seinen Bildern bis zum Jahr 1660 herrscht in der Regel eine warme Stimmung vor, deren kräftiger und klarer Goldton indess allmählich lichter wird. Besonders ausgezeichnete Bilder von ihm aus dieser Zeit sind: No. 246. Auf einer von Felsen umgebenen, von einem Wasserfall bewässerten, Wiese befindet sich allerlei Vieh, datirt 1646. Sowohl durch die klare und harmonische Beleuchtung, als durch das Naturgefühl, worin man in den Thieren deutlich den Einfluss des Potter erkennt, die meisterliche Ausführung, beweist dieses anziehende Bild, dass du Jardin damals schon auf der vollen Höhe der Ausbildung seiner Kunst stand. — Etwa aus derselben Zeit, wenn nicht noch früher, rührt No. ‚247 her, wo ein Reiter einem Bauerjungen ein Almosen giebt. Es ist ein schönes Idyll und die Beleuchtung noch wärmer. Dass er selbst in seinen Bildnissen in dieser Zeit den warmen Ton festhielt, beweist No. 250, ein kleines männliches Portrait von eleganter Auffassung, datirt 1657. — Nicht minder warm ist sein berühmter Ckarlatan, No. 243, von demselben Jahr, kolorirt, worin er als ein Genremaler von feiner Beobachtung und sehr glücklichem Humor erscheint. — Ausnahmsweise hat er den Silberton schon in einer Landschaft, worin ein Bauer in seinem Hause Getreide schwingt, vom Jahr 1655, im Museum zu Amsterdam, No. 163, in Anwendung gebracht. — In einer Landschaft, im Louvre, No. 249, vom Jahr 1660, herrscht vollends ein fahler Ton vor und haben nur noch die Figuren, eine Frau mit einem Kinde auf einem einspännigen Karren, und andere Personen, welche ein Wasser pas-siren, noch einen wannen, aber sehr hellen Ton. — In seiner Kreuzigung, No. 242, vom Jahr 1661, „waltet schon der kühle Ton vor. In der Haltung, dein Helldunkel, der-Delikatesse der Ausführung, erscheint hier der Künstler von seiner vortheilhaftesten Seite, so wenig das Bild auch in seinem geistigen Gehalt befriedigt. — Fein in der Zeichnung, aber von entschieden kühlem Ton ist er in seinem 1662 gemalten, eignen Portrait, No. 158, im Museum zu Amsterdam, noch kälter aber in einem Regentenstück, ebenda No. 160, vom Jahr 1669, welches fünf Personen in Lebensgrösse und in ganzer Figur darstellt. Es ist mit Geschmack angeordnet, gut gezeichnet und sehr fleissig ausgeführt. Die weissen Marmorskulpturen des Hintergrundes zeigen den nicht glücklichen Einfluss des G. Lairesse. — Von einer wahrhaft abschreckenden Kälte, und daher wahrscheinlich noch später gemalt, ist endlich das Portrait von G. Reynst, des Hauptbeschützers des Künstlers, ebenda No. 159, und hiermit stimmt auch die elegante Auffassung sehr wohl überein. Dass er indess auch in seiner späteren Zeit gelegentlich zu einem etwas wärmeren Ton zurückkehrte, beweist seine sehr reiche und fleissige italienische Landschaft, No. 69, im Haager Museum, vom Jahr 1673.— Ein Hauptbild endlich, worin er den silbernen Ton zu besonderer Feinheit ausgebildet hat, ist eine Landschaft im Louvre, No. 245, worauf ein Hirtenknabe unter grossen Bäumen mit seinem Hunde spielt, -während zwei Pferde, eine Kuh, ein Kalb und Schafe in sehr malerischer Weise auf der Wiese vertheilt sind. Nächst der Gallerie des Louvre ist keine an Gemälden dieses seltnen Meisters so reich, als die Eremitage zu St. Petersburg. Verschiedene derselben gehören zu seinen gewähltesten Arbeiten. So einige Kühe auf der Weide, von denen die eine von einer Frau gemolken wird, mit einer hüg-liebten Ferne. — Zwei Kühe, eine Ziege, zwei Schafe, ein Esel und ein Hund gehen unter dem Schinne eines Hirten durch eine Furtli. — Drei Ochsen, drei Schafe und ein Lamm auf der Weide. Die Gallerien zu München, Dresden und Cassel besitzen ebenfalls einige gute Bilder des du Jardin. So die erste eine kranke Ziege mit zwei Mädchen im zarten Goldton, No. 242, und eine Ziege, welche gemolken wird, in feinem und klarem Silberton, No 505, Cabinette, die zu Dresden denselben Gegenstand, No. 1386, und einen Ochsen und Ziegen, No. 1387, von glücklicher Cqmposition und einem warmen unk klaren Gesammtton. Auch England ist reich an Bildern desselben. Ein reeht gutes, Bauern und Vieh, welche eine Furth passiven, ansehnlich und in sehr feinem Silberton, befindet sich in der Bridgewatergallerie.

Karel du Jardin hat auch 52 Blätter, thcils Thiere, tlieils Landschaften, endlich auch ein Portrait in den Jahren von 1652 bis 1660 radirt, welelie sämmtlich eine gleich ausgebildete Meisterschaft zeigen.1 Durch Composition und Wirkung sind aber noch ausserdem von besonderer Schönheit die Landschaften No. 9, 19, 20, 32 und 50, von Thieren No. 14, 15, 23, 25, 26, 29, 30. Aueli das den holländischen Dichter Vos vorstehende Portrait ist ebenso lebendig aufgefasst, als meisterlich behandelt.

Unter den Nachfolgern des du Jardin sind die beiden folgendeil die vorzüglichsten.

Willem Romeyn, dessen Blüthe etwa zwischen 1660 und 1680 fallen möchte. Er besass ein reines Naturgefühl, viel Sinn für malerische Anordnung und allgemeine Haltung, und war ein guter Zeichner. Auch schliesst er sich in einem freien und weichen Vortrag würdig dem du Jardin an. Er malte indess fast nur Landschaften mit verschiedenem Vieh, meist Rindvieh und ihren Hirten. Den du Jardin als Vorbild erkennt man besonders deutlich in dem schönen Bilde in der Münehner Gallerie, No. 434, Cabinette, wo ein Hirt mit seiner Heerde am Wege gelagert ist. Zwei sehr gute Bilder von ihm besitzt das Museum zu Amsterdam, No. 261 und 262, ein anderes, von mildwarmer Abendbeleuchtung das. Museum zu Berlin, No. 888 b. Bisweilen verfällt er in einen kalten grauen Ton, wie in einem, übrigens sehr guten, Bilde in der Dresdener Gallerie, No. 1348.

Henrich Mommers, geboren 1623′, gestorben 1697. Bilder von ihm kommen jetzt selten vor. In Gallerien ist mir nur eins im Museum zu Berlin, No. 845, bekannt. Es stellt in einer kahlen hüglichten Landschaft auf einer Anhöhe eiue Hirtin, mit einem Milcheimer, zwei Hirtenknaben, eine Kuh und fünf Schafe vor. Es hat in der Compositiou etwas sehr Ungeschicktes, und ist auch in der Zeichnung nicht fest, aber in einem tüchtigen Impasto und sehr kräftiger Farbe mit einer an Flüchtigkeit grenzenden Freiheit behandelt.

In den beiden folgenden Meistern lässt sich besonders in dem schweren und kühlen Ton auch in dieser Gattung ein Sinken der Schule wahrnehmen.

Jan van der Meer de jonge, blühte etwa von 1675—1688. Er hatte ein sehr reines Naturgefühl, und vorzugsweise ein gründliches Studium der Schafe gemacht, welche daher den Hauptgegenstand in seinen Landschaften bilden. Dabei ist sein Vortrag frei, seine Ausführung fleissig. Er kommt in den Gallerien selten vor. In drei Bildern im Museum zu Berlin kann man ihn indess vollständig kennen lernen. In dem einen, No. 931, von 1679 datirt, treibt ein Hirtenknabe seine Heerde einher, auf dem zweiten, No. 930, von 1680 datirt, ist ein solcher mit seiner Heerde ruhend dargestellt, das dritte, No. 927 , sehr kleine, eine gebirgigte Landschaft, zeigt einen sehr zarten, miniaturartigen Vortrag. Allen aber ist ein kühler und schwerer Gesammtton gemeinsam. Eine andere Landschaft mit Vieh, mit 1688 bezeichnet, besitzt das Museum zu Rotterdam. Er hat mit grosser Meisterschaft zwei Blatt, deren jedes ein Schaf vorstellt, und zwei kleine Landschaften, radirt.

Simon van der Does, geboren 1653, gestorben 1717, gehört entschieden zu den Nachahmern der italienischen Natur, und spielen bei ihm auch die Menschen eine bedeutendere Rolle, als bei dem vorigen Künstler, dem er indess im Naturgefühl und in der Gründlichkeit der Durchführung nachsteht. Auch er kommt selten in den Gallerien vor, doch lernt man ihn aus drei Bildern im Museum zu Amsterdam vollständig kennen. Das eine,No. 62, von 1706, enthält ausser einigem Vieh ein Hirtenmädchen, welches mit einem jungen Hirten zu singen scheint. Es ist von sehr guter Haltung, doch der Vortrag geleckt. Das zweite, No. 63, vom Jahr 1708 , worauf eine Frau mit einem Kinde an der Brust, ist schon minder fleissig. Das dritte, No. 67, vom Jahr 1714, worauf sich eine Frau mit dem Kinde an der Brust nach einem Knaben umsieht, hat in dem Vieh wenig Naturwahrheit, ist schwach im Colorit und leer in der Behandlung.

Folgende drei Künstler sind zwar nur Talente zweiten Rangs, sie zeichnen sich indess durch eine grosse Vielseitigkeit aus. Sie malen Genrebilder, Thierstücke, Landschaften, und alle drei gefallen sich besonders darin, italienische Seeküsten darzustellen.

Jan Baptist Weenix, geboren 1623, gestorben 1660, ist das grösste Talent unter ihnen und kommt in seinen besten Bildern, deren die Gallerie zu München einige besitzt, den Meistern ersten Ranges am nächsten. Ein bei einem alten Gebäude eingeschlafenes Mädchen, neben ihr ein Hund, No. 379, Cabinette, ist sehr brillant beleuchtet und von einer so gediegenen Ausführung, dass das Mädchen dem Frans Mieris nahe kommt. — Ein Jäger mit einem todten Hasen und Vögeln, dabei sein Hund, No. 385, Cab., Gegenstück des Vorigen. In der Klarheit der sonnigen Ausführung, dem Pieter de Hoogli gleich, und in der Behandlung fleissiger. ¦— Zwischen ‘zwei Säulen von „Verde antico“ liegt ein schlafendes Mädchen, ausserdem ein Jüngling und ein Hühnerhund, No. 468, Cab., ebenfalls in Lichtwirkung dem P. de Hoogh sehr nahe und die Behandlung sehr geistreich. — Ein alter Sckeerenschleifer in der Nähe eines Prachtbaues, No. 528, Cab. Von seltner Klarheit des tiefen Helldunkels, und gediegener Durchführung. —r Das beste, mir von ihm bekannte, Viehstück, Schafe und Ziegen in der Nähe von Ruinen, befindet sich in der Eremitage zu St. Petersburg. Es vereinigt eine sehr grosse Wahrheit der einzelnen Thiere mit einer kühlen, fein abgewogenen Haltung. Ein recht stattliches Beispiel seiner Seeküsten befindet sich unter No. 553, im Louvre. Es stellt die Abwehr türkischer Seeräuber dar. Es ist schlagend beleuchtet, indess etwas bunt.

Thomas Wyck, geboren 1616, gestorben 1686. Aus den Bildern dieses Künstlers geht hervor, dass er Italien besucht haben muss. Obwohl recht glücklich in seinen Compositionen, ein tüchtiger Zeichner und fleissig in^der Ausführung, selbst gut in der Haltung, machen die Bilder des Thomas Wyck durch eine in der Regel kalte und schwere Färbung, worin besonders ein hartes Rothbraun vorwaltet, doch eine nur theilweise befriedigende Wirkung. Eines seiner besten Bilder, Ruinen am Meeresufer, im Vorgrundc ein antiker Brunnen, an dem Frauen waschen und der zeichnende Künstler, befindet sich in der Gallerie zu Wien. Eine kühle Harmonie ist darin meisterlich durchgeführt. — Ein stattlicher Seehafen mit verschiedenen Gebäuden, der Statue des Bacchus, und einem Springbrunnen, um welchen unter anderen Leuten auch Türken versammelt sind, ist im Museum zu Berlin, No. 877. — Als ein gutes Beispiel seiner so häufig gemalten Alchymisten in ihrem Laboratorium, welches sich besonders durch das Helldunkel auszeichnet, führe ich, No. 1137, in der Dresdener Gallerie an. T. Wyck hat auch 21 Blätter radirt,1 worin er ungleich mehr zu seinem Yortheil erscheint, als in seinen Bildern. Die Nadel ist darin leicht und geistreich geführt, und das darin ohne Anwendung des Grabstichels und der kalten Nadel, erreichte Helldunkel so gut, dass sich die besten, z. B. die No. 2, 7, 13, 14, 15, 19, 20 den schönsten Radirungen des Adriaen van Ostade würdig anschliessen.

Johann Lingelbach, geboren 1625 in Frankfurt am Main, gestorben 1687 in Amsterdam, besuchte für längere Zeit Italien und machte dort sehr fleissige Studien. Nach seiner Rückkehr liess er sich in Amsterdam nieder. Dort übten die Bilder des Wynants, welche er öfter mit Figuren und Thiereu schmüekte, und des Wouverman, den er bisweilen mit sehr vielem Glück nachahmte, einen sehr grossen Einfluss auf ihn aus. Wie bei dem ersten dieser Meister fast immer, bei dem zweiten wenigstens in der letzten Zeit, herrscht bei ihm ein kühler, oft fein silberner Ton vor; nur verfällt er manchmal in das Kalte und Bunte. Besonders ist öfter ein kaltes Roth im Fleisch störend. Dabei kommt er jenen weder in der Klarheit, noch im Impasto gleich. Uebrigens macht er sich immer durch viel Geschick in der Compqgition, durch eine gute Zeiehnung, und eine sehr fleissige Ausführung geltend. Hierzu kommt bisweilen noch eine glückliche Laune. In Amsterdam, im Haag und im Louvre kann man ihn naeh allen seinen verschiedenen Richtungen kennen lernen. Eins seiner Hauptbilder, das im Bau begriffene Rathhaus von Amsterdam, 1656 datirt, befindet sieh unter No. 20, auf dem neuen Rathhause daselbst. Besonders ist die Charakteristik .der sehr zahlreichen Figuren mit der trefflichon Haltung in einem frischen Morgenlicht, anzuerkennen. Ini dortigen Museum führe ich, No. 186, einen sehr reichen, italieili§Gllgn Seo-liafen, vom Jahr 1664, einen kleineren, No. 183, von besonderer Klarheit, und eine Reitschule, Ko. 185, an, worin er in der That dem Wouvcrman sehr nahe kommt. Unter vier Bildern in der Gallerie im Haag zeichnet sich besonders der italienische Seehafen vom Jahr 1670 durch eine für Lingelbach ungewöhnliche Kraft und Wärme aus. Ebenso vortrefflich ist ein Gemüsemarkt im Louvre, Ko. 270, von demselben Jahr, sowie ein Seehafen, Ko. 271.

Ich gehe jetzt zu den Malern über, welche fast ausschliesslich wilde Tliiere und Hunde, tlieils im Kampf, tlieils in Ruhe, theils lebend, theils todt, gemalt haben.

Abraham Hondius, geboren zu Rotterdam 1638, arbeitete längere Zeit in England und starb zu London 1695. Yon seinen, von den englischen Schriftstellern Yertue und Walpole gerühmten Bildern, einem Hundemarkt, worauf sich dreissig verschiedene Arten von Hunden befanden, einem Stiergefecht u. s. w., habe ich in England nichts zu sehen bekommen, auch ist mir mit Ausnahme der Gallerie der Eremitage zu St. Petersburg, welche von ihm vier grosse Gemälde, zwrei Kirschjagden, eine Sau- und eine Bärenjagd, besitzt, kein Bild von ihm, in den Gallerien Europa’s, welche ich gesehen, bekannt. Eine grosse Jagd, worauf eine Bache mit ihren Ferkeln, welche sie gegen Hunde vertheidigt, befindet sich im Museum zu Rotterdam.1 Kach obigen Bildern muss ich indess dem Urtlieil von Pilkington beipflichten, dass sie zwar mit vielem Feuer erfunden, aber wenig correct in der Zeichnung, unwahr und bunt in der Färbung, hart und dekorativ in der Behandlung sind. Ungleich mehr zu seinem Yortheil erscheint er in seinen, sehr seltnen Radirungen, deren Bartsch2 neun beschreibt, ln diesen, welche Thiere in Ruhe, Kämpfe derselben unter einander, z. B. zwischen einem Auerochsen und einem Leopard, einem Löwen und einer Schlange, oder Jagden darstellen, zeigt er eine geistreiche, wenngleich flüchtige Kadel. Am meisten zeichnet sich durch Grösse und durch Feuer der Erfindung, Ko. 9 aus, eine Bache, welche sich und ihre Ferkel gegen eine Meute von Hunden vertheidigt, vielleicht die Composition des obigen Bildes. Auch ein zehntes, Bartsch nicht bekanntes, Blatt, ein Wolf, welcher sich gegen zwei Hunde wehrt, verdient eine rühmliche Erwähnung.

Jan Weenix, geboren zu Amsterdam, 1644, gestorben ebenda 1719, der Schüler seines Yaters, Jan Baptist Weenix, malte nur ausnahmsweise, gleich jenem, Häfen, wovon ein Beispiel im Louvre, No. 556. Er legte sich vorzugsweise darauf, in Lebensgrösse todte Thiere zu malen. Am berühmtesten ist er durch seine Hasen geworden, welche er in Form und Farbe mit Wiedergabe der einzelnen Haare des Felles in grösster Meisterschaft ausführte; doch gesellte er auch häufig allerlei todtes Geflügel, am liebsten Pfauen, Schwäne, Fasanen, Rebhühner und Gänse, auch gelegentlich einen, mit seltner Wahrheit gemalten, lebenden Hund hinzu. Dabei ist meist eine grosse Prachturne angebracht und wird der Hintergrund von einer, öfter im Ton etwas sclrweren und fahlen, Landschaft gebildet. Malereien dieser Art von sehr gi-ossem Maassstabe führte er als Docoration der zwei Gallerien des Schlosses Bendsberg am Rhein, im Auftrag des Kurfürsten Johann Wilhelm von der Pfalz, mit einer ausserordentlichen Meisterschaft aus. Eine Auswahl hiervon befindet sich in der Gallerie zu München. Das Hauptbild von diesen, No. 340, von 10 Fuss 7 Zoll Höhe, 17 Fuss 8 Zoll Breite, enthält im Yorgrunde einen Edelhirsch, zwei Hasen, einen Wolf, und ein Wildschwein, sämmtlich todt, in der Ferne eine Schweinsjagd, und ist, sowohl wegen der vortrefflichen Haltung in einer kühlen Harmonie, als der ungemeinen Wahrheit des Einzelnen, der grössten Ausführung in einem breiten Vortrage, höchst beachtens-werth. Ebenda aber ist auch, unter No. 227, einer seiner trefflichsten todten Hasen vom Jahr 1703, und ein todter Pfau und anderes Geflügel, No. 332, welches in Anordnung, Kraft, Harmonie, Klarheit und Wahrheit, den Meister auf seiner grössten Höhe zeigt. Auch im Louvre sind, ein Hase, No. 554, vom Jahr 1671, und ein Hund, welcher todtes Wildpret bewacht, No. 555, vom Jahr 1696, besonders gewählte Bilder des Meisters. Höchst vorzüglich ist zunächst ein Bild im Museum im Haag, No. 169, worauf seltnerweise, lebend, ein Reh und ein Schwan. Endlich gehören ebenfalls zwei Bilder mit todtcmWild, im Museum zu Amsterdam, No. 353 und 354, auf derem letzten auch ein lebender Hund und ein Affe, zu seinen besten Arbeiten. Nur sehr ausnahmsweise hat er auch Blumeustücke gemalt, welche sich durch die treffliche Zeichnung und grosse Wahrheit der einzelnen Blumen zwar auszeichnen, im Ganzen aber etwas Schweres im Farbenton haben. Ein Bild der Art befindet sich im Museum zu Berlin, No. 1001.

Theodor Valkenburg, geboren zu Amsterdam 1675, gestorben 1721, arbeitete unter Jan Weenix und eignete sich dessen ganze Kunstweise mit so ungemeinem Erfolg an, dass seine Bilder, namentlich seine todten Hasen, häufig für die Arbeit desselben ausgegeben werden. Er war ausserdem ein guter Portraitmaler.

Er hielt sich längere Zeit in Deutschland auf und arbeitete für verschiedene Fürsten. Yon Bildern in Gallerien kenne ich nur einen Hasen mit einigem Geflügel, Ko. 264, im Städel’schen Institut zu Frankfurt.

Melchior Hondekoeter, geboren zu Utrecht 1636, gestorben ebenda 1695, Schüler seines Yaters Gisbert Hondekoeter, wählte sich für seine Kunst vorzugsweise das Geflügel, vor allem Hühner, indische Hähne, Pfauen und Tauben aus, und stellte dieselben gewöhnlich lebend und in landschaftlicher Umgebung, in den verschiedensten Zuständen von Frieden und Krieg mit einer ausserordentlichen Meisterschaft dar. Seine Thiere sind meist mit vielem malerischen Gefühl angeordnet, sehr wahr und lebendig aufgefasst, trefflich gezeichnet, und sehr fleissig, aber mit seltner Freiheit, in Lebensgrösse gemalt, öfter auch von ungemeiner Kraft und Wärme der Färbung, gelegentlich aber auch, besonders in den Schatten, schwer und dunkel. Nirgend kann man diesen Meister so vollständig kennen lernen, al;s im Museum zu Amsterdam. Unter den neun, dort von ihm vorhandenen, Bildern zeichnen sich besonders die folgenden aus: „Die schwimmende Feder“, Ko. 143, so genannt wegen einer mit ungemoiner Wahrheit und Leichtigkeit gemachten Feder, welche auf einem Wasser treibt, worin, und an dessen Ufer, sich verschiedene Yögel befinden, unter denen ein Pelikan sich am meisten hervorhebt. — Eine Henne, welche ilme Küchlein gegen den Angriff einer Pfauhenne vertheiöigt, Ko. 143, dabei der Pfau, eine Taube, ein Kasuar und ein Kranich. — Verschiedene Arten von Papageien, andere fremde Vögel und Affen, Ko. 142. Von ungewöhnlich fleissiger Ausführung des Details für ihn. — Zwei Bilder im Geschmack des Jan Weenix, Ko. 138 und 139, auf dem ersten todtes Geflügel, namentlich ein Reiher und Jagdgeräth, auf dem zweiten ausserdem ein Hase. Mit Geschmack angeordnet, und in einer, jenen Meister noch übertreffenden, Breite und Freiheit behandelt. Unter vier Bildern im Museum des Haags gehören der, seiner fremden Federn beraubte, Rabe, Ko. 61, und die Menagerie von Geflügel des Königs Wilhelm III. im Loo, einem Landsitz in der Nähe des Haags, Ko. 62, ebenfalls zu seinen ungewöhnlichsten und vorzüglichsten Arbeiten. Auch im Louvre befindet sich indess ein Bild, No. 214, mit zwei Pfauen, zwei Fasanen, einem Papagei und einem Affen, worin man für die ungemeine Wahrheit, die Kraft und Gluth der Farben, und das treffliche Impasto diesen Meister vollständig kennen lernen kann, wenn es gleich zu seinen, in den Schatten etwas dunklen Bildern gehört. Auch die Gallerien zu Dresden, Kassel, Wien und Braunschweig haben vortreffliche Bilder dieses Meisters aufzuweisen.

Ich komme jetzt auf die Landschaftsmaler dieser Epoche. Auch diese zerfallen, wie die Thiermaler, in die zwei Hauptgruppen, solcher, welche die Natur ihres Vaterlandes, oder wenigstens nordischer Gegenden, und solcher, welche vorzugsweise die italienische Natur zum Gegenstand ihrer Bilder gemacht haben. Und auch hier tritt derselbe Fall ein, dass die ersteren durch die Wahrheit und Tiefe des Naturgefühls, ungeachtet der so viel grösseren Einfachheit der dargestellten Gegenstände, für den wahren Kunstfreund eine ungleich grössere Anziehungskraft haben, als die letzteren.

Ich eröffne die Reihe der ersteren mit einem Künstler, welcher wieder eine ganz eigenthümliche Stellung einnimmt, und in jeder Beziehung recht eigentlich einen Uebergang von den Thier- zu den Landschaftsmalern bildet. Dieser Künstler ist Albert Cuyp, geboren zu Dortrecht 1606, gestorben ebenda nach dem Jahr 1672. .Man weiss von dem Leben dieses grossen Malers mit Sicherheit nicht viel mehr, als dass er der Schüler seines Vaters, des Jacob Gerritsz Cuyp, gewesen ist. Eine wie bedeutende Rolle auch das Vieh auf vielen seiner Gemälde spielt, so ist es doch nie so im Einzelnen ausgebildet, wie z. B. bei Potter, oder Adriaen van der Velde, ja in manchen Bildern nimmt es nur eine sehr untergeordnete Stelle ein, in anderen aber fehlt es ganz, denn ausser seinem Lieblingsgegenstande, durch einen Fluss belebte Landschaften, an dessen Ufer meist Rindvieh liegt, oder steht, und wozu ihm die Gegend von Dortrecht mit der Maas in der Regel die Motive gab, und Landschaften, in deren Vorgründen man Männer zu Pferde sieht, malte er auch Winterlandschaften und eigentliche Flussansichten, wo die Wasserfläche durch Schiffe belebt wird. Gelegentlich aber hat er selbst, und zwar mit ungemeinem Erfolg, Federvieh in Lebensgrösse, besonders Hühner und Enten, und Stillleben, so wie, jedoch meist mit weniger Glück, Portraite in Lebensgrösse gemalt. Mit wie grossem Geschick auch viele dieser Bilder componirt sind, so liegt doch der Hauptzauber derselben in der ausserordentlichen Wahrheit und Schönheit der jedesmaligen Lichtwirkung. Kein anderer Maler, mit Ausnahme von Claude, hat es so verstanden, die kühle Frische des Morgens, das helle, aber dunstige Licht eines heissen Mittags, die warme Beleuchtung eines klaren Sonnenuntergangs, in allen Abstufungen, von der grössten Kraft des Yorgrundes, bis zum zartesten Ton der Ferne, wiederzugeben, als Cuyp. Die Wirkung seiner Bilder aber wird noch ungemein durch die Kunst erhöht, womit er sich der Kontraste zu bedienen weiss, wie z. B. die dunklen Farben ruhender Kühe sich gegen den hellen Himmel absetzen. Die Stimmungen, welche er durch solche Eigenschaften in dem Beschauer hervorbringt, sind oft von höchst poetischer Art. Sowohl hierin, als in dem breiten, sicheren Vorträge, dem vortrefflichen Impasto, hat er eine grosse Verwandtschaft zu Kembrandt. Dagegen herrscht in seinen Thieren,. vorzüglich in dem Rindvieh, eine gewisse Einförmigkeit und sind deren Köpfe meist etwas schmal, auch geht seine Ausführung derselben, wie überhaupt, in der Regel nicht sehr in das Einzelne. Nur hieraus lässt sich erklären, warum seine Bilder, deren Smith 335 verzeichnet hat, in seinem Vaterlande so lange Zeit nicht die verdiente Anerkennung gefunden haben, so dass, wie aus den Auctionscatalogen hervorgeht, bis zum Jahr 1750 kein Bild von ihm höher, als mit 30 Gulden bezahlt worden und dass, wie mir ein holländischer Kunstfreund mitgetheilt, wenn sich für ein Bild in einer Versteigerung kein Biether finden wollte, der Auctionator durch die Aeusserung, dass er noch ein „Cuypchen“ hinzuthun wolle, ein Gebot zu veranlassen suchte. Das Verdienst, die hohe Stelle, welche Cuyp in der Kunst gebührt, zuerst gewürdigt zu haben, gebührt den Engländern, welche schon im Jahr 1785 in der Versteigerung der trefflichen Sammlung von van der Linden van Slingelandt zu Dortrecht höhere Preise bezahlten, die indess bis jetzt wohl noch um das Vierfache gestiegen sind. Daher kommt es denn auch, dass etwa Neunzehntel seiner Bilder sich in England befinden, und er, mit Ausnahme des Louvre und der Eremitage zn St. Petersburg, welche je sechs Bilder von ihm besitzen, in den Museen des Continents ganz fehlt, oder mindestens sehr schwach besetzt ist. Glücklicherweise sind einige seiner schönsten Werke in England in öffentlichen Gallerien, und in solchen Privatsammlungen, welche zu den zugänglichen gehören. Cuyp ist indess nach den verschiedenen Zeiten seiner Entwickelung sehr verschieden. Die Bilder aus seiner früheren Zeit sind von einer gewissen Schwere des Tons, die Fleischfarbe von einem harten Roth, die Kcuntniss der Luftperspektive noch mangelhaft, die Ausführung sehr fleissig und verschmolzen, aber in den Umrissen hart. Ein sehr gutes Beispiel aus dieser Zeit ist ein Bild mit einer Dame und einem Herrn zu Pferde, welche auf dem Wege sich mit einigen Landleuten unterhalten, Ho. 189 in der Bridgewatergallerie.1 Ein nicht minder ausgezeichnetes, ein Knabe, welcher drei Pferde hält, befindet sich in der Eremitage zu St. Petersburg. Wie Smith bemerkt, sind die Bilder aus dieser Epoche in der Regel mit A. C. bezeichnet. Später wird die Abtönung wahrer, die Färbung klarer, besonders in dem, dabei immer sehr warmen, Fleischton, die Behandlung, in einem sehr kräftigen Impasto, freier und breiter. Von dieser Zeit an bezeichnet er die Bilder mit C. Cuyp. Ein schönes Beispiel dieser Art, ein Viehstück, No. 200, in der Bridgewatergallerie, wo eine Frau eine Kuh melkt, in einer hellen Nachmittags-beleuchtung. — Für jenen Gegensatz der dunkelfarbigen Kühe, und des hellen Wassers in warmer Beleuchtung ist ein Bild in der unweit London befindlichen Dulwichgallerie, No. 239, von besonderer Schönheit. — Das Gefühl eines warmen, stillen Sommerabends giebt mit wunderbarer Energie und Klarheit ein anderes, grösseres Bild mit einer Yiehheerdc und ihrem Hirten, No. 169, in derselben Gallerie wieder. — Eine Landschaft im hellen, warmen Morgenlicht, in deren Yorgrunde zwei ruhende Kühe und eine Schäferin, welche sich mit einem Reiter unterhält. In der Nationalgallerie, No. 53. Das Ganze athmet Heiterkeit und ländliche Ruhe. — Eine grosse Ebne, in deren Vorgrunde zwei Kühe, von denen die eine gemolken wird. In der Eremitage zn St. Petersburg. In der Zeit seiner vollen Reife verbindet er mit jenen trefflichen Eigenschaften einen noch feineren Geschmack. Aus dieser Epoche stammen die folgenden Bilder. Im Yorgrunde sechs Kühe, ein Hirt, welcher die Schalmei bläst und zwei zuhörende Kinder. Jenseits eines Kanals ein Kirchthurm, im Louvre, No. 104. Vortrefflich angeordnet, von grösserer Wahrheit des Viehs in Form und Farbe, als meist, in dem Ton der warmen Beleuchtung von seltner Klarheit der Luft, in der sehr gleichmässig fleissigen Ausführung bestimmt und doch weich. Auch durch die ansehnliche Grosse von etwa 4 F. Höhe, 6 F. Breite ein Hauptwerk des Meisters. — Drei Reiter und ein Diener mit Rebhühnern, im Mittelgründe eine Wiese mit Yieh, ebenda No. 106. Minder anziehend im Gegenstand, doch von gleicher Höhe in der Kunst. — Zehn Kühe mit dem Hirtenknaben am Ufer der Maass, worauf mehrere Schiffe. Die ausserordentliche Harmonie der kräftigen und warmen Abendbeleuchtung wird hier durch die wannen Töne, welche der Künstler den Kühen bis auf einer gegeben, zu einer seltnen Höhe gesteigert. In der Eremitage zu St. Petersburg.— Eine ähnliche Composition mit sechs Kühen ebenda steht fast auf derselben Höhe der Kunst. — In der Nähe eines klaren Wassers drei liegende und eine stehende Kuh, daneben der Hirt und seine Frau. Andere Kühe im Wasser in der Nähe der Ruinen eines Schlosses. Im Buckingham Palace. Dieses, 3 F. 1 Z. hohe, 4 F. 4l/2 Z. breite, Bild zeigt den Meister in jedem Betracht auf seiner vollen Höhe. — Nicht minder schön und von erstaunlicher Kraft der Färbung ist ebenda eine Landschaft voh einem breiten Fluss durchströmt, wo ein Reiter unter einem Baum mit einem Schäfer im Gespräch ist.1 Von Winterlandschaften ist das mir bekannte Hauptbild in der Sammlung des Herzogs von Bedford in London. 2 Auf der gefrorenen Maass sind mehrere Fischer auf dem Eise beschäftigt. Die Wirkung eines warmen Sonnenlichts auf dem Eise und auf die Fischer ist unvergleichlich. Auch die Klarheit und der markige Vortrag sind von erstem Rang. Unter den Bildern Cuyps, welche die, mehr oder minder von Schiffen belebte, Maass darstellen, ist unbedingt wohl das bedeutendste, das 3 F. 10 Z. hohe, 5 F. 61/2 Z. breite Bild in der Sammlung des Lord Brownlow, mit einer Ansicht der Stadt Dortrecht. Von der allgemeinen Klarheit der morgenlichen Sonnenbeleuchtung, von der Feinheit der Luftperspektive in der Abtönung einer Reihe hintereinander liegender Schiffe kann man sich keine Vorstellung machen. Nicht minder Bewunderung verdient indess die Freiheit und Sicherheit der markigen Behandlung. 3 Wiewohl dieses Meisterwerk jetzt schwer zugänglich ist, habe ich es doch nicht mit Stillschweigen übergehen können. Der vorige Besitzer, Sir Abraham Hume, hat 3000 Pfund Sterling dafür ausgeschlagen.

Ihm sehr nahe kommt ein in Gegenstand und Grösse ähnliches Bild in der Bridgewatergallerie.1 Obwohl nicht so gross, so steht doch eine Ansicht von Dortrecht in der Sammlung des Herrn Holford in London auf gleicher Höhe.2 Die allgemeine Helligkeit ist hier so gross, dass man sagen kann, es ist Licht in Licht gemalt. — Als viertes schliesst sich diesen würdig ein Bild ähnlichen Gegenstandes in der Sammlung von Thomas Baring an. Das beste, mir von A. Cuyp bekannte, Bildniss in Lebensgrösse ist das eines Mannes in einem Sammetrock mit weissem Kragen in der Sammlung des Lord Ashburton. Die Auffassung ist sehr lebendig, die Färbung zwar minder klar, aber ebenso warm und kräftig, wie bei Kembrandt. Als Maler von Federvieh erscheint er sehr zu seinem Yortheil in einem Hahn und einer Henne in der Münchner Gallerie, No. 443, Cabinette. Mit der Wahrheit des Hondekoeter ist hier eine ungleich klarere und leuchtendere Färbung verbunden. Yon seinen Stillleben ist das schönste mir bekannte Bild eine Art Frühstück in der Sammlung Suermondt in Aachen, dessen Glanzpunkt ein Taschenkrebs bildet.

Pieter Molyn, geboren um 1600, gehörte zu den frühsten Landschaftmalern, welche dieses Fach in der ganz freien und ausgebildeten Kunstform anbauten. In seinen Bildern spielen zugleich Menschen und Thiere eine namhafte Holle. Er war ein guter Zeichner und stellte hügelichte, oder flache Gegenden mit grosser Wahrheit dar. Seine Färbung ist sehr warm und kräftig, seine Lüfte von grosser Klarheit, sein Yortrag so breit und leicht, dass er öfter in das zu Unbestimmte und Skizzenhafte ausartet. Bilder von ihm kommen in den Gallerien sehr selten vor.‘ Das Museum zu Berlin besitzt von ihm eine reich bewachsene Anhöhe mit zwei Bauernhäusern und einem Geländer, an derem Fusse sich auf einem Wege Reisende zu Fuss und zu Pferde befinden, mit der Bezeichnung P. MOL. Es ist von sehr kräftiger Wirkung. Die Pferde sind in der Art, wie bei Pieter van Laer, von gemeiner und schwerfälliger Race und noch dazu schwach gezeichnet. Pieter Molyn hat vier, von Figuren belebte, Landschaften, deren eine 1626 bezeichnet ist, mit einem reinen Naturgefühl und mit künstlerischer Einsicht in einer einfachen, etwas derben, Weise radirt.

Jan Wynants, geboren zu Haarlem 1600 und 1679 noch am Leben, ist der erste Meister, welcher die eigentliche Landschaft in Holland zur Ausbildung in der ganz freien und vollendeten Kunstform gebracht hat. Weder von seinem Lehrer, noch von seinen Lebensumständen ist etwas Näheres bekannt. Obgleich meist mit Geschmack componirt, haben seine Bilder doch etwas Prosaisches und eine gewisse Einförmigkeit. Wahrheit war sein Hauptbestreben, und da er dieses in allen Theilen, sowohl in der Zeichnung, als in der Feinheit der Luftperspektive, und in den Einzelheiten, welche in den Yorgründen durch mancherlei Pflanzen und Angabe der kleinsten Bewegungen des Erdreichs reicher sind, als bei allen anderen Landschaftsmalern, in hohem Maasse erreichte, sprechen seine meisten Bilder immer ungemein an. Im Allgemeinen herrscht bei ihm eine kühle und helle Stimmung vor, die besonders in dem Grün seiner Bäume und Kräuter, welches noch dazu in manchen Fällen blau geworden ist, hervortritt. In der Zeichnung von Menscheu und Thieren war er sehr schwach, doch fand er verschiedene, treffliche Künstler, welche seine Bilder mit dergleichen ausstatteten. Am häufigsten geschah dieses durch Adriaen van de Yelde und J. Lingelbach. Nächstdem durch Philipp Wou-verinan, Barendt Gael, Schellincks und Held Stockade. Die fleis-sige Ausführung seiner Bilder macht die verhältnissmässig für ein so langes Leben nicht grosse Zahl von 214, welche Smith verzeichnet hat, erklärlich. Die Bilder aus seinen verschiedenen Epochen sind indess sehr verschieden. Leider hat er nur selten, und, wio es scheint, in seiner früheren Zeit nie, seinem Namen auf seinen Bildern die Jahreszahl hinzugefügt. In jener Zeit spielen Bauernhäuser, oder Ruinen, eine Hauptrolle, und ist die Aussicht durch Bäume mehr oder minder beschränkt. Die Bäume sind von einem schweren und dunklen Grün, die Ausführung, in einem starken Impasto, sehr fleissig. Ein Beispiel dieser Art befindet sich unter No. 377 , im Museum zu Amsterdam. In der Thür des Bauernhauses liegt ein Bursche. Auf einem Wege geht eine Frau mit ihrem Kinde. Ein Bild derselben Art und von sehr grossem Umfang, welches von Wyntrack sehr glücklich mit Geflügel staffirt ist, befindet sich in der Eremitage zu St. Petersburg. In seiner mittleren Epoche malt er meist freie Aussichten von massig bewegtem Erdreich, welches von Wasser und Wäldern unterbrochen wird. Im Yorgrunde sieht man nur zu häufig einen sandigen Hügel, einige abgestorbene Bäume, grossblättrige Pflanzen und einen sich windenden Fahrweg. Das Grün bekommt jetzt jene helle und kühle Färbung. Aus dieser Zeit sind folgende Bilder. Eine ungewöhnlich waldige Landschaft mit 1659 bezeichnet im Museum des Haags. Die Bäume sind hier im Einzelnen mit grosser Wahrheit ausgebildet, die einfallenden Lichter von glücklicher Wirkung, die Feme von feinem Ton, die Behandlung der Baumstämme und geblauten Blätter im Yorgrunde etwas zu breit. — Kur um wenig später dürfte eine Landschaft von sehr ansprechender Composition mit Anhöhen und Bäumen in der Feme, von A. van de Yelde mit Jägern und Yieli ausgestattet, Ko. 375, im Museum von Amsterdam sein. — Diesem Bilde nahe verwandt und nicht minder trefflich, auch ebenfalls auf das Glücklichste von A. van de Yelde staffirt, ist eine Landschaft in der Eremitage zu St. Petersburg. — Eine Landschaft, in deren Mitte altes Gemäuer mit einem grossen Thor, durch welches, von A. v. de Yelde gemaltes, Vieh getrieben wird, datirt 1665. In der Dresdener Gallerie, Ko. 1111. Durch Umfang, durch die malerische Composition, die warme , und saftige Farbe ein Hauptwerk des Meisters. — Kach Gefühl und Behandlung dürfte derselben Zeit eine Landschaft mit weiter Ferne, Ko. 580, im Louvre angehören, w;orin, bei eintretender Dämmerung, das, ebenfalls von A. v. de Yelde gemalte, Vieh zu einem Bauernhause zurückkehrt. Dieses Bild ist von seltner Feinheit der Abtönung. — Eine grosse Landschaft mit vielen Bäumen und weiter Aussicht, durch Jäger und Hirten von A. v. de Yelde belebt, datirt von 1668, ebenda Ko. 579. Ein Hauptwerk des Meisters von mildwarmer Beleuchtung, herrlicher Harmonie, und in der Ausführung eben so fein, als trefflich impastirt. Dass Wynants noch im hohen Alter im vollen Besitz seiner Kunst war, beweist ein, mit 1672 be-zeichnetes Bild, Ko. 526, in der Gallerie zu München, worin sich ein Weg an einem verzäunten Walde hinzieht, und nahe an einem Sandhügel vier, von Lingelbach gemalte, Kühe einher getrieben werden. Es ist von seltner Kraft und Tiefe in der kühlen Harmonie, und die Bäume näheren sich in der Saftigkeit dem Ruysdael. — In seiner spätesten Zeit tritt öfter ein schwerer, einförmig brauner Ton ein. Ein Beispiel hiefür gewährt eine, übrigens in der Composition ansprechende, in der Ausführung fleissige, Landschaft vom Jahr 1675, im Museum des Haag, No. 183. Gelegentlich ist in seinen spätesten Bildern aber auch die Wirkung bunt, die Ausführung dekorativ. Die reine Naturwahrheit macht die Bilder des Wynants den Engländern sehr angenehm, und die Zahl der von ihm in England befindlichen, meist trefflichen, Bilder ist ansehnlich. Ich begnüge mich, hiervon eine kleine Landschaft mit einer Falkenjagd von Wouverman im Buckingham Palace, als eine feine Kunstperle, eine andere von seltner Kraft und Yollendung und mit reicher Staffage von A. v. de Velde in der Sammlung des Lord Ashburton, und eine nicht minder schöne mit zwei Pferden im Vorgrunde, bei Herrn Bredel anzuführen.

Aart, oder Artus van der Neer, geboren zu Amsterdam 1619, gestorben ebenda 1683, bildet einen entschiedenen Gegensatz mit Wyiiants, und nimmt eine ebenso selbständige Stellung ein. Wenn jener uns meist seine Landschaften in dem hellen und frischen Tageslicht zeigt und daher gewöhnlich eine kühle Ge-sammtstimmung hat, so sehen wir die des van der Neer, gewöhnlich Kanäle, an welchen sich Ortschaften hinziehen, meist in der nächtlichen Beleuchtung des Mondes, und von vorwaltend warmer Stimmung. Kein anderer Maler hat die tiefen und breiten Schattenmassen, so wie die Lichtwirkung des Mondes mit solcher Klarheit und Wahrheit gemalt, und die ruhige und wohlthuende Stimmung einer mondhellen Nacht so gut hervorzubringen gewusst, als er. Mit derselben Wahrheit hat er auch bisweilen Feuersbrünste gemalt. Oefter stellt er aber ähnliche Gegenden von der Abendsonne beschienen, mit einer Glutli und Wärme dar, welche dem A. Cuyp, mit dem er auch gemeinsam gearbeitet hat, gleich kommt. Selbst seine Winterstücke haben meist eine warme Beleuchtung. Aeusserst selten, aber dann mit derselben Klarheit, wählt er die volle, kühle Tagesbeleuchtung, wie in einem trefflichen Bilde der Gallerie zu München, No. 244. In seiner früheren Zeit ist er noch in den Einzelheiten hart, im Vortrag trocken. Yon dieser Art ist ein gefrorener Kanal in der Sammlung des Lord Overstone in London. Dass er aber schon zeitig eine völlige Freiheit und Breite des Vortrags, und hiermit zugleich eine feinere Kenntniss der Luftperspektive erreichte, beweist ein, vom Jahr 1643 datirtes, Bild desselben Gegenstandes, 3 in derselben Sammlung, welche vier Bilder des Meisters besitzt. Das schönste, mir von ihm bekannte, Bild, eine warme Abendbeleuchtung, mit von A. Cuyp sehr glücklich gemalten Figuren und Thieren, befindet sich indess, No. 152, in der Nationalgallerie. Die Wirkung dieses grossen Bildes, 3 F. 11 Z. hoch, 6 F. 3V-2 Z. breit, ist ausserordentlich, die Behandlung in einem trefflichen Impasto, meisterlich.1 — Ein kleines Mondscheinstück, ebenda No. 239 ist ebenfalls durch das poetische Gefühl, die Klarheit des Tons und die höchst zarte Yollendung ausgezeichnet. — Trefflich ist zunächst ein Bild, No. 354, im Louvre, auf welchem sich, bei warmer, aber zarter Abendbeleuchtung, alle Gegenstände in einem Kanal, an welchem drei ruhende Kühe, spiegeln. Wir finden hier eine nahe Yerwandtschaft zu Cuyp. — In der Auffassung, wie in der Kraft der Wirkung an Rembrandt erinnernd, und eines seiner grössten Meisterstücke ist ein grösseres Bild, auf welchem der Mond hinter einer Windmühle steht, in der Eremitage zu St. Petersburg, welche an Zahl der meist sehr guten Bilder dieses Meisters allen andern Gallcrien weit überlegen ist. Eins seiner in der Wirkung feinsten, im Einzelnen durchge-führtesten Mondscheinbilder befindet sich, No. 842, im Museum zu Berlin. — Ebenda ist auch unter, No. 840, die namhafteste, mir von ihm bekannte, Feuersbfunst. Mit Feinheit hat er hier, im Gegensatz zu diesem, mit grosser Wahrheit dargestellten, Gegenstände menschlicher Noth, auf der andern Seite des Bildes den friedlich aufgehenden Mond gemalt. — Als Beispiel eines Winterstücks in einer öffentlichen Gallerie, führe ich noch, No. 222, im Museum zu Amsterdam an. Auf einem gefrorenen Kanal unterhalten sich viele Menschen mit Schlittschuhlaufen und Ballspiel. Der Himmel ist mit dunklen Schneewolken bedeckt. Die Wirkung wird hier etwas durch den zu braunen Ton des Erdreichs und der Gebäude beeinträchtigt. Yon den vielen schönen, sonst noch in England befindlichen Bildern dieses Meisters, gedenke ich nur noch des mir, im Umfang grössten, bekannten Bildes aus seiner späteren Zeit, eines bewunderungswürdigen Mondscheins im Besitz des Lords Shaftesbury in London,\2 und eines Winterstücks von seltner Klarheit und Feinheit in der Sammlung des Herrn Munro.

Jan van Goyen, geboren 1596 zu Leyden, gestorben 1666 im Haag, machte, nachdem er die Malerei bei verschiedenen, wenig bekannten Künstlern erlernt, in jungen Jahren eine Reise durch Frankreich, erhielt darauf noch den Unterricht von Esajas van de Velde und Hess sich in Leyden nieder. Er fasste die Natur seines Vaterlandes mit einer ausserordentlichen Treue auf und war ein trefflicher Zeichner, indess ein schwacher Colorist, so dass die Mehrzahl seiner Bilder durch den allgemeinen Ton eines blassen und fahlen Grüns wenig ansprechen. Die ausserordentliche Leichtigkeit seines geistreichen Vortrags verführte ihn überdem häufig zu einer flüchtigen und skizzenhaften Behandlung. Das in Holland so allgemein verbreitete Element des Wassers spielt häufig in seinen Bildern eine wichtige Rolle. Seine besten Bilder zeichnen sich indess durch eine entschiedene Beleuchtung und eine lebhaftere Eärbung aus. Von dieser Art ist ein Bild von ihm im Louvre, No. 181, vom Jahr 1653, ein Dorf an einem, durch ein Segelboot und eine Fähre mit Menschen und Vieh belebten, Kanal. Auch eine Ansicht des, jetzt abgebrochenen, römischen Kastells, der Valkenhof, mit einem Theil der Stadt Nymwegen, im Museum zu Amsterdam, No. 97, gehört zu seinen ausgezeichneten Arbeiten, und ebenda, No. 96, ein holländischer Kanal mit Schiffen, an welchem Häuser liegen, vom Jahr 1645, nur dass das Wasser von schwerbraunem Ton ist. Durch den sehr ansehnlichen Umfang, wie durch die Schönheit, zeichnet sich die Ansicht eines Kanals, an dessen Ufer ein mächtiger Thurm Hegt, in der Eremitage zu St. Petersburg aus. In der Gallerie zu Dresden hat man Gelegenheit diesen Meister, welcher dadurch, dass er zuerst eine Art der Auffassung der holländischen Natur aufgebracht, worin nach ihm die grössten Landschaftsmaler der Schule, ein Jacob Ruysdael, ein Hobbema, gearbeitet haben, in der Kunstgeschichte von grosser Bedeutung ist,1 No. 1070—1073, nicht allein in seiner gewöhnlichen Form, sondern auch als Maler von Winterlandschaften, und See-stücken kennen zu lernen.

Salomon Ruysdael, geboren 1610 zu Haarlem, gestorben 1670, war ein Schüler des Jan van Goyen, und diesem in seinen guten und schlechten Eigenschaften sehr verwandt. Indess ist er in seinen Compositionen, welche meist Ansichten von holländischen Kanälen, woran sich Häuser und Bäume, vorzüglich Weiden, hinziehen, einförmiger, in der Blätterung seiner Bäume unbestimmter und wolliger. Nur ausnahmsweise kommt er in der Kraft der Farbe seinem berühmten Bruder, Jacob RuysdaeL, nahe. So in einem trefflichen Bilde in der Gallerie zu München, No. 469, Cabinette. — Zwei sehr ansehnliche Bilder, No. 914 und 957, deren das letzte mit Namen und dem Jahr 1642 bezeichnet ist, befinden sich im Museum zu Berlin. — Drei, No. 1226, 1226 a, 1226 b, von sehr ansprechenden Compositionen, deren das erste 1655 datirt ist, in der Dresdener Gallerie.

Aldert, oder richtiger Allart, van Everdingen, geboren zu Alkmaar 1621, gestorben ebenda 1675, war der Schüler des Roelandt Savery und Peter Molyn, schliesst sich indess in den Bildern, welche eine holländische Natur darstellen, der Auffassungsweise des J. van Goyen an, welchem er jedoch in der Kraft des Tons, in der Energie des Machwerks, weit überlegen ist. Auf einer Seereise nach Norwegen verschlagen, machte er dort eine grosse Zahl von Studien nach der Natur, welche er später in Bildern, die meist mächtige Felsgebirge mit hohen Tannen im Vorgrunde und bald dunkle Wasserflächen, bald gewaltige Wasserfälle darstellen, verwerthete. Seine stets sehr wahren Gemälde haben häufig etwas sehr Poetisches, die Lüfte sind von ungemeiner Klarheit, die sonstige Färbung sehr kräftig, öfter zugleich warm, bisweilen aber auch von einem einförmigen und schweren Braun. In der Behandlung hat er eine ungemeine Leichtigkeit. Seine Bilder sind indess von sehr ungleichem Werth. Ein Waldgebirge mit Häusern und einem Wasser, in der Sammlung van der Hoop in Amsterdam, gehört durch die poetische Auffassung, Wärme und Kraft des Tons, Breite der fleissigen Ausführung zu seinen schönsten Bildern. — Eine‘ Gegend mit hohen Felsen, von einem Wasser durchströmt, welches eine Mühle treibt, No. 161, im Louvre, hat etwas sehr Grossartiges, und ist von ungemeiner Kraft und Tiefe des Grüns, sehr warmer Beleuchtung und gediegenem Machwerk. Nur die Wolken haben in der Form etwas Unwahres. — In abendlicher Beleuchtung stürzt in einem engen, mit Fichten bewachsenen Felsenthal ein Wasserfall in den Abgrund. Mit dem Namen und 1656 bezeichnet, No. 225, in der Gallerie zu München. Trefflich componirt und von breiter, meisterlicher Behandlung. — Ein Bild von ähnlichem Gegenstände, nur durch die Grösse, 5 F. 5 Z. hoch, 4 F. 9 Z. breit, noch imponirender, befindet sich, No. 852, im Museum zu Berlin. Zwei Landschaften mit wilden Felsen in der Gallerie zu Dresden, No. 1332 und 1333, sind besonders poetisch, indess zu einförmig braun im Ton. In England ist das bedeutendste Bild, ebenfalls eine norwegische Landschaft, in der Sammlung des Lord Listowel. Es ist im Entwurf, Umfang, Wahrheit, Kraft und Frische des Tons eins seiner Hauptwerke. Ungleich vielseitiger als in seinen Bildern erscheint indess dieser. Meister in seinen zahlreichen Radirungen.1 Schon die 106 Blätter, 2 welche Landschaften und Marinen darstellen, zeigen eine ungleich grössere Mannigfaltigkeit der Erfindung. Mit einer derben, aber sehr geistreich und sicher geführten Nadel weiss er diesen Blättern dieselbe Naturwahrheit, dieselbe Frische, dieselbe kräftige und warme Wirkung zu verleihen, welche in seinen besten Bildern so sehr anzieht. Nur bei Wasserfällen hat das Wasser ein etwas wolliges Ansehen. . Besonders ausgezeichnet sind unter seinen Blättern dieNrn.: 11, 41, 42, 50,56, 57, 60, 66—72, 75, 80, 88, 89, 99, 100, 101—103. In der Regel ist die Ausführung nicht gross. Dass er es aber sehr wohl vermochte auch die Wiedergabe von Einzelheiten mit der Gesammt-haltung zu verbinden, zeigen dieNrn.: 33, 34, 40, 45, 56. Ausserdem aber beweist er in 57 Blättern, welche das Gedicht des Reineke Fuchs behandeln, noch auf diesem ganz anderen Gebiete viel Erfindungsgabe und einen glücklichen Humor. Nur wo die menschliche Figur vorkommt zeigt er eine grosse Schwäche in der Zeichnung, welche indess besonders stark in zwei Blättern in schwarzer Kunst hervortritt. Zumal ist das eine, Yenus und Amor, in hohem Grade unbefriedigend. Sehr interessant ist der Vergleich jener Radirungen aus dem Reineke Fuchs mit den, auf einem bräunlichgelben Papier, in breiter und sicherer Weise gemachten, Originalzeichnungen von warmer, kräftiger Wirkung in der Kupferstichsammlung des britischen Museums. Da sich daselbst ausserdem noch eine reiche Folge von Landschaften, so wie ein Seestück, bald flüchtig, bald fleissig in Sepia, Bister und Touche von Everdingen befindet, so kann man dort eine so vollständige Kenntniss dieses Künstlers gewinnen, wie sonst nirgend.

Jacob Ruysdael, geboren 1625 (?)8 zu Haarlem, gestorben ebenda 1681. Obgleich sein Meister nicht bekannt, ist es doch höchst wahrscheinlich, dass er die Kunst bei seinem älteren Bruder Salomon gelernt hat. Er ist unbedingt von allen holländischen, ja meines Erachtens von allen Landschaftsmalern überhaupt, der grösste. Bei keinem andern Meister findet sich in dem Maasse das Gefühl für die Poesie der nordischen Natur, mit der Wahrheit und der Yollkommenheit der Darstellung vereinigt. Mit einer trefflichen Zeichnung verbindet er die Kenntniss des Helldunkels in seinen mannigfaltigsten Erscheinungen, eine kräftige und warme Färbung und eine wunderbare Meisterschaft des Pinsels, von der zartesten, miniaturartigen, aber nie geleckten, bis zur freiesten, breitesten, markigen Ausführung. Der vorwaltende Gesammtton in seinen Bildern, deren Smith über 400 verzeichnet hat, ist ein sattes und entschiedenes Grün. Leider haben indess ziemlich viele derselben später einen schweren, braunen Ton angenommen, und dadurch den grössten Theil ihres Reizes verloren. Manchen ist indess schon ursprünglich ein graulicher, aber freilich klarer Ton eigen. Häufig zeigt er uns die einfache und schlichte Natur seines Vaterlandes im Zustand der Ruhe, doch giebt der meist stark bewölkte Himmel, welcher die Spuren des Regens hinterlassen hat, oder mit Regen •droht, auch wohl eine dunkle, von Bäumen beschattete, Wasserfläche, ihnen einen melancholischen Anstrich. Eine besondere Freude hat er an der Darstellung einer weiten Fläche von Land oder Wasser. Von dem ersteren führt er uns in dieser Weise häufig die, von irgend einem höheren Standpunkt genommene, Gegend seiner Vaterstadt Haarlem vor, welche darin mit ihrer stattlichen Kirche die horizontale Linie unterbricht. In Bildern solcher Art ist auch auf Ruysdael der Einfluss des Hauptmeisters der ganzen Schule, Rembrandts, unverkennbar. Einen Uebergang zu seinen eigentlichen Seestücken bilden einige Ansichten der Küste von Scheveningen, in denen man die Bewegung des Wassers vornehmlich an der Brandung sieht, oder der mit dunklen Wolken bedeckte Himmel ein nahendes Unwetter verkündigt. Die kleine Zahl eigentlicher Seestücke zeigt das Element nie in völliger Ruhe und bei heiterem Himmel, wie so viele Bilder des Willem van de Velde, sondern, bei immer bewölktem Himmel, entweder in lebhafter Bewegung, oder gar bei einem wüthenden Sturm. In allen diesen Zuständen ist das Nasse und die Bewegung des Wassers mit seltenster Wahrheit wiedergegeben. Sämmtliche, so weite Flächen
darstellende, Bilder erregen aber durch die Zartheit der Abtönung in der Luftperspektive in hohem Grade das sehnsüchtige Gefühl der Ferne, und ziehen ebenso durch die feine malerische Empfindung -an, womit nah und fern, durch einfallende Sonnenblicke und Wolkenschatten, Abwechslung in die Fläche gebracht worden ist. Oft aber findet er auch daran Gefallen, uns ein bewegtes Erdreich, selbst gebirgigte Gegenden mit schäumenden Wasserfällen, worin er mit seine grössten Triumphe feiert, darzustellen, selten ein kahles Felsengebirge, an dessen Fuss ein dunkler See, welche Bilder das Gefühl einer erhabenen Einsamkeit athmen. In der Zeichnung von Menschen und Thieren war er schwach, so dass ihm gelegentlich andere Meister, besonders A. v. de Yelde und Bercliem aushalfen. Da Ruysdael nur in sehr wenigen Fällen seine Bilder mit der Jahrszahl bezeichnet hat, und er schon früh zu seiner vollen Ausbildung gelangt ist, kann man die Zeitfolge, worin sie gemalt worden, in den meisten Fällen nicht bestimmen. Verschiedene seiner Bilder beweisen indess durch die ausserordentliche Genauigkeit, womit alle Gegenstände, Bäume, Kräuter, das ganze Erdreich, im Einzelnen ausgeführt sind, durch eine grosse, an Härte grenzende Bestimmtheit der Formen, durch eine mindere Freiheit in der Pinselführung, und durch weniger Feinheit in der Luftperspektive, dass sie seiner frühen Zeit angehören. Beispiele dieser Art in öffentlichen Gallerien sind: ein hie und da mit Bäumen bewachsener Hügel, an welchem zwei Bauernhäuser liegen und sich ein stilles Wasser hinzieht, im Museum zu Berlin, Ko. 885. — Eine gebirgigte Landschaft mit den Ruinen eines Klosters, Ko. 1375, in der Dresdener Gallerie. — Sehr nahe schliesst sich diesen ein Gehölz an, welches von einem Sonnenstrahl erhellt wird und eine Landstrasse, worauf ein Wanderer mit 3 Hunden, Ko. 471, im Louvre. Von der grossen Zahl der trefflichen Bilder aus seiner vollendeten Zeit kann ich für jede der verschiedenen Gattungen nur einige Hauptwerke anführen. Von jenen Weitsichten besitzt das Afuseum im Haag, Ko. 132, eine Uebersicht der Gegend von Haarlem, welches klein am Horizont erscheint, von der Seite von Overveen gesehen. Im Vorgrunde eine Bleiche. Einige Häuser erinnern in der Art, wie sie angebracht sind, an Hobbema. Der Hauptton ist kühl, die Luft von seltner Schönheit, die Ausführung wunderbar fein. — Eine flache Gegend, worin ein Weg zu einem Dorfe führt, an demselben Felder mit Garben, Ko. 1376, der Dresdener Gallerie. Gemässigt in der Farbe, schön beleuchtet und leicht und geistreich behandelt. — Diesen schliesst sich würdig-eine weite Aussicht in einer hügelichten, aber kahlen, von einem Flusse durchströmten Gegend im Louvre, No. 473, an. Ein Reiter mit einem Bettler auf einer Brücke ist von Wouverman. Der grossartig poetischen Auffassung entspricht die Harmonie der Haltungin einem graugrünlichen Ton. — Eine mit Eichen bewachsene Anhöhe, worauf ein Bauer bei aufsteigenden Regenwolken einer Hütte zueilt, in der Gallerie zu München, No. 458, Cabinettc, gehört durch die selten goldige Wärme der Bäume und des Erdreichs, den Gegensatz eines tiefen, klaren Helldunkels und der weichen Regenwolken, mit einem hellen Sonnenblick, zu den schönsten Bildern des Meisters. Obgleich in Privatsammlungen, kann ich doch nicht unterlassen, als das Hauptwerk der Gattung der Fernsichten, durch Grösse, Reichthum und Trefflichkeit der Ausführung, das Bild im Besitz des Herrn Sandcrson in London,1 — als eins der, im Gefühl besonders poetischen, in der Beleuchtung brillantesten, und der Ausführung feinsten, ein kleines Bild in der Sammlung des Herrn Holford,2 endlich das viel grössere in der Sammlung des Herrn Barthold Suermondt in Aachen anzuführen, welches, durchaus im Gegensatz mit dem vorigen, ganz in einem Helldunkel von der feinsten Abstufung gehalten ist. Yon den Küsten von Scheveningen nenne ich zuerst, weil das Bild in der öffentlichen Gallerie, eins im Haag, No. 131, von sehr kräftiger Wirkung. Am meisten verdient die, bei aufsteigendem, schwerem Gewölk, verschleierte und gebrochene Beleuchtung auf dem Wasser und auf den Schiffen Bewunderung. — Das schönste, mir bekannte Bild dieses Gegenstandes befindet sich indess in der Sammlung des Lord Carlisle in London. Es ist klarer und wahrer in allen Theilen als das vorige und von jener Breite und Weiche der Touche, welche nur den schönsten Bildern des Meisters eigen ist. Den Reiz, welchen in Holland Hochwald in Verbindung mit stillem Wasser gewährt, sehen wir im vollsten Maasse in folgenden Bildern: Die Jagd, No. 1365 , der Dresdener Gallerie. Ein Buchenwald, durch dessen Stämme man eine flache waldigte Ferne sieht. In dem stillen Wasser des Vorgrundes, durch welches eine, von Adriaen van de Velde gemalte, Hirschjagd geht, spiegeln sich die warm von der Morgensonne beschienenen Wolken. In diesem, schon durch die Grösse, 3 F. 10V2 Z. hoch, 5 F. 2 Z. breit, bedeutendem Meisterwerke, ist das Gefühl des frischen Morgens nicht ohne den Anklang einer leisen Melancholie, in schönster Weise ausgesprochen. Namentlich ist die gebrochene Spiegelung im Wasser unvergleichlich, der Gesammtton für Ruysdael ungewöhnlich warm, die Behandlung bpeit und geistreich. — Ein herrlicher Wald von Eichen, Buchen und Ulmen, ungefähr von der Grösse des Vorigen, No. 470, im Louvre. Auf einer, von Wasser überflutheten, Strasse Hirten mit Vieh von Berchem. In der Mitte eine Durchsicht auf ferne Anhöhen. Ein in Kraft, Wärme und Behandlung dem vorigen nahe verwandtes Meisterwerk, indess in einigen Theilen minder klar und auch in der Haltung durch den zu glühenden Ton der Staffage etwas gestört. — Eine gewaltige Eiche und andere Bäume spiegeln sich unbestimmt in einem dunkeln, mit Wasserpflanzen bedeckten, Wasser im Vorgrunde. Ein Sonnenstrahl’bescheint ein Kornfeld und eine Wolke , während andere mit Regen drohen. Im Besitz von Worcester-College in Oxford. Dieses noch etwas grössere Bild, als die vorigen, ist vom tiefsten Naturgefühl und steht auch in der Meisterschaft denselben nicht nach. — Als viertes gesellt sich diesen würdig ein Bild in der Sammlung van der Hoop in Amsterdam, welches ebenfalls ein Gehölz darstellt und durch einen kleinen, mit erstaunlicher Meisterschaft gemalten Wasserfall im Vorgrunde, zugleich den Uebergang zu dieser Klasse von Bildern macht. Der Himmel ist hier mehr blau, als gewöhnlich, die Wirkung des Lichts im Walde herrlich, die Behandlung an Breite und Freiheit jene fast noch übertreffend. Unter den in öffentlichen Gallerien befindlichen Wasserfällen zeichnen sich besonders aus: Ein Bild im Haager Museum, No. 130, besonders schlagend in der warmen Beleuchtung, und von sehr fleissiger Ausführung. — Ein Bild, in dessen Feme das, öfter von Ruysdael gemalte, Schloss Bentheim, No. 269, im Museum von Amsterdam. Wunderbar harmonisch in der kühlen Lichtwirkung. — Ebenda, No. 270, eine Landschaft mit Felsen und Wald und einem mächtigen Wasserfall. Von grossartig poetischer Stimmung, welche, wie die breite Behandlung im trefflichen Impasto, einen offenbaren Einfluss des Everdingen verräth. — Dasselbe gilt auch von dem Wasserfall No. 328? der Münchner Gallerie. Die dunkle Regenluft erhöht hier noch das Schaurige des Eindrucks des schäumend über Felsrasen horabstürzenden Wassers. — Würdig schliesst sich diesem Bilde der sogenannte Judenkirchhof, No. 136R, der Dresdener Gallerie an. Durch die vom einem Sonnenblick erhellten Gräber, zwischen denen der Wasserfall herabrauscht, wird hier das Gefühl tiefer Melancholie noch erhöhet. Zwei Wasserfälle der Gallerie zu Braunschweig gehören ebenfalls zu den schönsten Bildern Ruysdaels von diesem Gegenstände, und dasselbe gilt von einem grossen Bilde von ungewöhnlich warmer Luft in der Eremitage zu St. P etersburg. Eine seltne Form dieses Meisters unter den zahlreichen, ebenda von ihm vorhandenen, Bildern, ist eine grosse Landschaft mit hohem Felsgebirg, zwischen dessen Gipfeln sich eine Wolke, an dessen Fuss sich ein stilles Wasser hinzieht. Er athmet das Gefühl einer tiefen Einsamkeit, einer erhabenen Melancholie. Ich komme jetzt auf die so seltnen, eigentlichen Seestücke des Künstlers. — Auf eine leiclitbewegte, von grösseren und kleineren Schiffen belebte See werfen dunkle Regenwolken ihre Schatten, während ein durchbrechender Sonnenstrahl einzelne Theile beleuchtet. Im Hintergründe eine Stadt, No. 884, im Museum zu Berlin. Die düstere Stimmung ist hier vortrefflich, der Himmel, durch die Wahrheit, Weiche und Nässe der Wolken, einer der schönsten des Künstlers, die Behandlung von grösster Meisterschaft. — Ein Sturm im Louvre, No. 471. Ein durch die grauen und schweren Wolken brechender Sonnenstrahl fällt auf die wüthende Brandung der Wellen gegen die Pfähle, welche eine Fischerhütte schützen, und erhellt auch andere Stellen des empörten Elements im Mittel- und Hintergründe. Das schaurig Poetische eines solchen Vorganges ist hier mit der schlagendsten Wirkung und der seltensten Breite und Weiche des Vortrags verbunden. — An Grossartig-1 keit der Auffassung wird dieses Bild aber noch übertroffen von dem, in jedem andern Betracht auf gleicher Höhe stehenden, Sturm in der Sammlung des Marquis von Lansdowne auf seinem Landsitze Bowood.1 Wenn Ruysdael in seinen Seestücken alle eigentlichen Seemaler übertrifft, so hat er es in dem einzigen, von ihm vorhandenen Architekturstück, der Ansicht des Innern der neuen Kirche von Amsterdam, in der Sammlung des Marquis von Bute, in London, den besten Architekturmalern gleich gethan. Luft-und Linienperspektive sind darin trefflich beobachtet, und die kühle klare Haltung unvergleichlich. Die Figuren rühren von Wouverman her. Es bedarf kaum der Bemerkung, dass die Vereinigung von Eigenschaften, welche dem Kunstgeschmack der Engländer so sehr Zusagen, eine grosse Zahl von Werken des Ruysdael dort vereinigt hat. Ich habe in meinen Treasures von etwa 130 Rechenschaft gegeben, und kann hier bei dieser Fülle nur bemerken, dass sich Bilder von besonderer Schönheit, von allen den oben angegebenen Gattungen in folgenden Sammlungen befinden: Sir Robert Peel,. Bridgewatergallerie, Lord Ashburton, Thomas Baring, Herr Wynn Ellis, Herr Fountaine (Vorford), Marquis von Bute, Herr Field,. Lord Overstone, Herr E. Foster, Lord Burlington, SirH. H. Campbell.

Ruysdael hat auch sieben Blätter in einer sehr geistreichem und originellen Weise mit einer leicht spielenden Nadel radirt.

Meindert Hobbema war ein Zeitgenosse des J. Ruysdael und sicher im Jahr 1669 noch am Leben. Dieses ist alles, was man mit Sicherheit von diesem, mit vollem Recht so berühmten, Landschaftsmaler weiss. Indess ist es nicht unwahrscheinlich, dass er die Kunst bei Salomon Ruysdael gelernt hat, und beweisen seine Bilder, dass Jacob Ruysdael auf ihn einen grossen Einfluss ausgeübt hat. Obwohl aus dem Umstande, dass, da er selbst in der Zeichnung von Menschen und Tkieren schwach war, so ausgezeichnete Maler, wie Adriaen van de Velde, Philipp Wouverman,. Berchem und Lingelbach seine Bilder staffirt haben, hervorgeht,, dass er von den gleichzeitigen Künstlern sehr geschätzt gewesen sein muss, ist er doch offenbar für lange Zeit bei dem kunstliebenden. Publikum nicht zu der ihm gebührenden Geltung gelangt, denn sein. Name findet sich über ein Jahrhundert nach seinem Tode nirgend, selbst nicht in den ausführlichsten Künstlerlexicons, erwähnt, und während in den Katalogen über die namhaftesten Versteigerungen, von Bildern in Holland vor dem Jahr 1739 sein Name gar nicht vorkommt, wurde in diesem Jahre ein, obgleich als sehr vorzüglich gepriesenes, Bild mit nur 71 Gulden bezahlt, und holte selbst noch im Jahr 1768 ein Hauptbild von ihm nur 300 Gulden. Die Engländer haben zuerst den hohen Werth des Künstlers anerkannt, wie ich denn verschiedene Bilder von ihm in England kenne, welche sich dort schon seit mehreren Generationen befinden. Dadurch, dass er in den letzten dreissig Jahren der fashionabelste Maler in.

England geworden ist, sind nicht allein etwa 9/io seiner Bilder jetzt in England befindlich, sondern die Preise dafür bis zu der übertriebenen Höhe von 4000 Pfund Sterling gesteigert worden.

Die Eigenthümlichkeit dieses Malers, welcher, nächst Ruysdael, unbedingt der grösste Landschaftsmaler der holländischen Schule ist, lässt sich am besten durch einen Vergleich mit diesem, seinem Nebenbuhler, darstellen. In zwei der wichtigsten Eigenschaften, dem Reichthum der Erfindungskraft, und dem poetischen Gefühl, .steht er jenem weit nach. Seine Bilder bewegen sich in einem ungleich engeren Kreise. Der gewöhnlichste Gegenstand derselben ist ein Dorf, dessen Häuser von Bäumen umgeben sind, wie sie besonders häufig in einigen Gegenden von Gelderland Vorkommen, mit sich windenden Wegen, welche diese einzelnen Häuser verbinden. Gelegentlich spielt in solchen Bildern eine Wassermühle eine Hauptrolle. Oefter stellt er auch eine Gegend von leicht bewegtem Erdreich dar, worin Gruppen, oder Reihen von Bäumen mit Getreidefeldern, Wiesen und kleinen Teichen wechseln. Seltner sieht man von ihm die Ansicht eines Theils einer Stadt, von den Thoren, Kanälen mit Sehleussen und den Grachten mit ihren Häusern, noch seltner die Ruinen eines alten Schlosses, die weite Aussicht über ein flaches Land, oder einen stattlichen Herrnsitz. In der Composition aller dieser Bilder herrscht aber nicht der edle Geschmack, das poetische Gefühl des Ruysdael, sondern sie haben ein durchaus portraitartiges, öfter keineswegs schönes, ja bisweilen sogar sehr prosaisches, jederzeit aber überraschend wahres Ansehen. Ebenso sind seine Lichter und Schatten nicht in so grossen Massen zusammengehalten, wie bei Ruysdael, die mehr vereinzelten Lichter dafür aber desto schlagender in der Wirkung. In der Klarheit der Luftperspektive, der Wolken, welche seine Himmel viel spärlicher anfüllen, als bei Ruysdael, und sehr häufig von der Sonne beglänzt, einen Silberton haben, ist er jenem dagegen weit überlegen. Bei der Mehrzahl seiner Bilder waltet, im Gegensatz von Ruysdael, ein warmer, goldiger ‚Ton vor, wo denn sein Grün in den Lichtem einen gelblichen, in den Schatten einen bräunlichen Ton, beide von ungemeiner Klarheit, hat. In Bildern dieser Art ist der Einfluss des Rembrandt unverkennbar und sie sind von einer so leuchtenden Kraft und Tiefe des Tons, dass sie jenem nichts nachgeben und an Brillanz der Wirkung alle Bilder des Ruysdael übertreffen. Stellen nun solche Bilder uns meist die herbstliche Jahreszeit und eine abendliche Beleuchtung vor Augen, so giebt er doch auch in anderen eine kühle, silberne Morgenbeleuchtung und das helle Grün des Frühlings mit einer ebenfalls dem Ruysdael überlegenen Klarheit wieder, so sind auch seine Wälder durch die oft einfallenden Lichter durchsichtiger. In der geistreichen Pinselführung stehen beide Künstler auf derselben Höhe, im Impasto verdient dagegen Hob-bema den Vorzug. Vergleichen wir die Bäume beider, so finden sich in den Bildern von Hobbema nie welche von so hohem uud edlen Wuchs, wie auf manchen Bildern des Ruysdael, dagegen sind bei ihm die einzelnen Baumarten in Form und Farbe noch bestimmter unterschieden, z. B. haben die Weiden durchaus ihren fahlen Ton. Dadurch ist seinen Bildern eine grössere Mannigfaltigkeit des Tons eigen, wie denen des Ruysdael. Endlich sind die einzelnen Bäume im Gezweig und in der Blätterung noch mehr individualisirt. Auch unter den Bildern des Hobbema finden sich indess manche, welche durch Nachdunkeln einen schwerbraunen Ton erhalten, und dadurch den ursprünglichen Reiz eingebüsst haben. Da die Bildung fast aller Gallerien auf dem Continent in eine Zeit fällt, zu welcher die Bilder des Hobbema-noch so wenig geachtet waren, besitzen sie entweder gar keine, oder doch so untergeordnete Bilder dieses Meisters, dass man §ich daraus durchaus keine ausreichende Vorstellung desselben machen kann. Das am meisten charakteristische für ihn unter diesen ist noch ein Eichenwald mit mehreren einfällenden Lichtern, im Vorgrunde ein stilles Wasser, in der Ferne ein sonnenbeschienenes Dorf, No. 886, im Museum zu Berlin. Glücklicherweise befinden sich einige seiner schönsten Werke in England in den Händen von Kunstfreunden, welche sich durch Humanität auszeichnen. Dieser Art sind: eine Landschaft im Besitz des Lord Hatherton in London, welches zwar nur einige Gruppen von Bäumen, eine Meierei, ein stilles Wasser und einige Hecken und Wiesen im Glanze der Nachmittagssonne vorstellt, aber, sowohl durch den Umfang, als durch das Vorhandensein aller der gepriesensteil Eigenschaften des Meisters im höchsten Grade, eins seiner schönsten Werke ist. Es ist mit dem Namen des Künstlers und 1663 bezeichnet. — Nicht minder schön ist das, sich durch dieselbe Grösse, dieselbe Bezeichnung einen ähnlichen Gegenstand und Behandlung, als das-Gegenstück ausweisende, Bild in der Sammlung des Herrn Holford, wofür derselbe die Summe von 3000 Pfund Sterling bezahlt hat.1 — Ein gutes Beispiel jener warm beschienenen Bauernhäuser und Bäume ist in der Sammlung von Thomas Baring.2 — Ein noch schöneres, mit dem Namen und 1667 bezeichnet, in der Sammlung des Herrn Pield. 3 — Eine Wassermühle von seltner Klarheit, und eine Landschaft durch das leuchtende Helldunkel ausgezeichnet, befinden sich in der Sammlung des Herrn Wynn Ellis.4 Das berühmteste, eine Mühle darstellende Bild, vordem in der Sammlung von Sasseghem in Gent, nachmals in der Versteigerung der Sammlung Patureau von Herrn Banquier Gustav Schulz in Berlin für 100,000 Francs gekauft, ist im Jahr 1860 für 105,000 Francs in den Besitz des Grafen Morny in Paris übergegangen. Es verdient allerdings für die energische Wirkung im klarsten, goldigsten Ton, für die Wahrheit in der Spiegelung der Mühle im Wasser, für die meisterliche Ausführung im gediegensten Impasto, die grösste Bewunderung. — Ein anderes Bild desselben Gegenstandes, worauf indess die Mühle nicht so die Hauptsache bildet, sondern die Aufmerksamkeit mit Häusern und Bäumen und ein Feld mit Garben von Korn und einem Dorf in der Ferne theilt, in der Sammlung des Lord Overstone in London, gehört ebenfalls zu den schönsten Werken des Meisters. Besonders reizend ist der Gegensatz des dunklen Vorgrundes, und der sonnenbeleuchteten Ferne.

Ich handle zunächst noch von einigen untergeordneteren Malern, welche, theils als Schüler, theils als Nachahmer, sich meist dem Ruysdael, aber auch in manchen Stücken dem Hobbema augeschlossen haben.

A. V. Rontbouts, hat etwa um 1660 besonders viel in Friesland, bald mehr im Geschmack des Ruysdael, bald mehr in dem des Hobbema, mit so grossem Erfolg gemalt, dass, mit Auskratzung seines Namens, seine Bilder bald dem einen bald dem anderen dieser beiden Künstler beigemessen werden. Er hat indess in seinen Compositionen weniger Geschmack, als der erste, weniger Wärme und Kraft der Färbung, als der letzte, und ist weniger geistreich in der Touche als beide. Eine waldigte Landschaft, in derem Korund 3Iittelgrunde sich besonders einige mächtige Eichen durch ihre grosse Naturwahrheit auszeichneu, mit dem Namen des Künstlers befindet sich, No. 888 a, im Museum zu Berlin.

Coenraet Dekker, welcher in der 1. Hälfte, des 17. Jahrhunderts blühte, malte meist zwischen Bäumen liegende Bauernhäuser, häufig mit einem Wasser in der Nähe, mit einer grossen Geschicklichkeit und einer sehr in das Einzelne gehenden Ausführung. Er war so geachtet, .dass seine Bilder zuweilen von A. van de Velde und Adriaen van Ostade staffirt worden sind. Er kommt zuweilen, bis auf die geringere Luftperspektive und den schweren Ton, dem J. Rnysdael sehr nahe, so in zwei Bildern im Louvre, No. 113.und 114. Ein Bild in München, No. 339, Cabinette, mit Figuren von A. v.,Ostade, zeichnet sich ausserdem durch die warme und klare Färbung aus.

Jan Reinier van Vries, blühte nach der Mitte des 17. Jahrhunderts und malte ebenfalls Landschaften, in denen meist Gebäude eine grosse Bolle spielen. Obwohl er sich öfter dem Ruysdael sehr annähert, ist er doch minder kräftig in der Färbung und kleinlich im Vortrag. Eine mit seinem . Namen bezeichnete, baumreiche Landschaft mit einer Meierei befindet sich unter No. 350, im Museum 7,u Antwerpen, die Ansicht ^eines Kanals in dem zu Rotterdam.

Abraham V.erboom, ein Zeitgenosse der beiden vorigen Maler, folgte zwar ebenfalls dem Ruysdael, erfuhr aber auch einen Einflus.s von Waterloo. Er malte vorzugsweise Wälder und zeigt in den Bäumen viel Verständniss, eine gute Beobachtung der Luftperspektive und ein geschicktes, in seinen oft sehr grossen Bildern freilich in das Dekorative übergehendes, Machwerk. In der Färbung hat er indess etwas Schweres, in der Wirkung ist er ungleich weniger harmonisch als Ruysdael. Ein sehr stattliches Bild, einen Wald mit einem kleinen Fluss darstellend, befindet sich von ihm unter No. 359, im Museum zu Amsterdam. Es ist bezeichnet A. H. V. Boom. A. 1653. Zwei kleinere Bilder, ebenfalls von vielem Verdienst, ein von Bäumen umgebenes Dorf, bezeichnet A. v. Boom, und einen Eichenwald besitzt unter No. 1377 und 1378, die Gallerie zu- Dresden.

Jan van Kessel. Dieser Meister gehört ebenfalls zu den sehr geschickten Nachahmern des Ruysdael. In dem Gefühl und der Klarheit der Farbe steht er ihm näher als die meisten anderen dieser Klasse. In öffentlichen Sammlungen wüsste ich von ihm nur in dem Museum von Rotterdam zwei Bilder, die Ansicht einer Schleusse in Amsterdam und das Innere eines Waldes, nachzuweisen.1 Wohl aber befindet sich von ihm in der .Sammlung von Thomas Baring in London eine treffliche Landschaft mit einem dunklen Wasser im Yor- und einer sonnigen Beleuchtung im Mittelgründe.

Jan Looten, wahrscheinlich in Amsterdam geboren, lebte lange Zeit in England, wo er auch i. J. 1681 gestorben ist. Er malte vorzugsweise felsigte Gegenden, gelegentlich aber auch Wälder und englische Parks. Er zeigt in den Compositidncn ein nicht gewöhnliches Geschick und seine gut gezeichneten Bäume haben viel Wahrheit, auch ist seine Ausführung in einem gewandten Yortrage sehr fleissig. Durch eine einförmig schwärzliche und schwere Färbung thut er indess der Wirkung seiner Bilder einen grossen Abbruch. Die einzige Gallerie, in welcher ich ein Bild von ihm kenne, ist die zu Berlin, Ko. 941. In dieser gebirgigten Landschaft von ansehnlicher Grösse sieht man zwischen, mit starken Eichen bewachsenen Hügeln, eine Hirschjagd. Es ist: Jan Looten 1659 bezeichnet.

Cornelis Dubois, welcher um 1622 in Antwerpen geboren, 1699 in England gestorben ist, verräth in seinen, den Einfluss des Ruysdael und Everdingen athmenden Bildern ein sehr reines Naturgefühl und eine klare Farbe. Im Museum von Berlin findet sich von ihm eine, C. D. Bois bezeichnete, bergigte Landschaft mit einem Strom, von grossem Verdienst.

Jan van der Hagen, geboren im Haag 1635 (?) ist ein Maler, welcher selbständiger, als die vorigen erscheint, indess doch ebenfalls einen starken Einfluss von Ruysdael verräth. Er malte vorzugsweise, meist von einem ziemlich hohen Augenpunkt, Ansichten von Gegenden, welche ein Fluss durchströmt, an dessen Ufern sich Häuser und Bäume befinden, und welche von Menschen und Thieren belebt werden, gelegentlich aber auch bergigte, oder hügeligte, reich mit Bäumen bewachsene Landschaften. Seine Bilder haben das Yerdienst einer grossen Wahrheit in allen Einzelheiten, leiden aber meist an einer dunklen und schweren Färbung. Die sehr fleissige Ausführung führt öfter gewisse Härten herbei und artet bisweilen in das Kleinliche aus. Das beste, mir von diesem Maler bekannte Bild befindet sich unter No. 39, im neuen Rathhause zu Amsterdam. Diese bergigte, von Menschen und Thieren belebte Landschaft, in deren Yorgrunde ein abgehauener Baumstamm liegt, ist ansprechend in der Composition, von guter Haltung klar und warm in der Färbung, und von einer gewissen Breite der Behandlung. Diesem am nächsten an Kunstwerth kommt eine Landschaft im Museum zu Amsterdam, No. 104, eine Ansicht mit Kanälen in der oben abgedeuteten Weise. Auch zwei, derselben Gattung angehörige, Bilder im Louvre, No. 188 und 189, gehören zu seinen besseren Arbeiten. Zwei andere, von denen eins sehr gross, bewahrt das Museum von Rotterdam.

Eine ganz vereinzelte Stellung nimmt der Maler Her man Saftleven, geboren 1609 zu Rotterdam, gestorben 1685 zu Utrecht, ein. Obwohl ein Schüler des Jan van Goyen, verfolgte er doch eine durchaus von diesem verschiedene Richtung. Er legte sich nämlich vorzugsweise darauf, gewöhnlich in kleinem Maassstabe, durch Schiffe und Figuren reich belebte Ansichten des Rheins, gelegentlich auch der Mosel, zu malen. Diese Bilder, von oft glücklicher Wahl des Standpunktes, guter Zeichnung, und sehr sorgfältiger Ausführung, sind von grossem Reiz. In Betracht der Lebenszeit des Künstlers haben sie indess durch eine gewisse Härte in. den Gegenständen des Yorgrundes, und ein zu starkes Blau der Fernen, etwas Alterthümliches. Bei einer grossen, ihm eignen, Einförmigkeit wird es genügen nur einige Beispiele anzuführen. Eine durch das reine Naturgefühl, das Duftige in der Ferne, die zarte Ausführung, sehr ausgezeichnete Rheinansicht befindet sich unter No. 583 im Louvre. Drei Bilder von ähnlichem Charakter, deren eins, No. 279, von 1678 datirt ist, befindet sich im Museum zu Amsterdam. Nirgend kann man ihn so vollständig kennen lernen, als in der Gallerie zu Dresden, welche, unter No. 1183 bis 1198, sechszehn Bilder von ihm besitzt, unter denen einige zu seinen besten Arbeiten gehören. Die grössten, mir bekannten Bilder dieser Art des Meisters sind indess in der Gallerie des Grafen Schönborn zu Pommersfelden in der Nähe von Bamberg. Er erscheint aber darin nicht zu seinem Yortheil. Durchaus auf der Höhe der ersten Künstler seiner Zeit zeigt sich Saftleven in seinen, von 1640—1669 ausgeführteu, Radirungen, deren Bartsch 30 beschreibt. 1 Seine radirten Landschaften sind nicht allein mannigfaltiger in der Erfindung, als seine gemalten, sondern von einer höchst bewunderungswürdigen Feinheit der Abtönung und von einer Zartheit der Behandlung, worin er ganz allein dasteht. Yon besonderer Schönheit sind No. 1*2, ein Fluss mit felsigten Ufern von Schiffen’belebt, No. 18, eine Fernsicht, wunderbar reich und zart! No. 22, der Frühling. Yon seltner Frische! Die Nrn. 27, 28, 30, aber gehören zu den schönsten Radirungen der ganzen holländischen Schule. Sie erinnern in Auffassung und Behandlung an Jan Both. Dagegen ist No. 29, die Ansicht eines Tliores von Utrecht, in der Energie und in der sonnigen Wirkung dem A. Cuyp verwandt. Auch eine grosse Ansicht der Stadt Utrecht in drei Blättern, No. 35, ist eine treffliche Arbeit. In einer Reihe von zehn Blättern, welche allerdings nach der derben Behandlung seiner früheren Zeit angehören möchten, und einzelne Figuren darstellen, herrscht ein gesunder, wenngleich etwas gemeiner, Humor. Ein Blatt, No.’1, welches sein eignes Bildniss enthält, zeigt ihn auch im Fache des Pörtraits als einen tüchtigen, im Gefühl dem van der Heist verwandten, Meister. Endlich hat er auch Tliiere mit grosser Meisterschaft dargestellt, wie ein Blatt, No. 33, mit zwei Elephanten, beweist.

Jan Griff!er, geboren 1656, und 1720 noch amLeben, war zwar angeblich ein Schüler des Roelant Rogman und des Philipp Wouverman, folgte aber in seinen Landschaften durchaus der Weisev4j£s Herman Saftleven, von dem er sich besonders durch ^.’eMMEfinder ki’äftigen Ton, und ein weniger gediegenes Machwerk untV^Hyet. Immer aber sind seine besseren Bilder durch die malerischen Gegenstände, durch die zarte Ausführung der zahlreichen Einzelheiten, sehr anziehend. Ein artiges Bild von ihm hat unter No. 98, das Museum zu Amsterdam. Unter den zwölf Bildern von ihm in der Dresdener Gallerie zeichnen sich besonders 15*29—1531 aus. Auch zwei Bilder im Berliner Museum, No. 1013 und 1014, gehören zu seinen besten Arbeiten.

Jan Hackaert, geboren 1636 (?) macht den Uebergang von den Landschaftsmalern nordischer, zu denen südlicher Natur. Sein Lehrer ist nicht bekannt, auch von seinem Leben weiss man nur, dass er noch jung eine Studienreise nach Deutschland und der Schweiz gemacht hat. Ein Theil seiner Landschaften, häufig mit hohen Gebirgen, sind die Früchte dieser Studien. Andere stellen die vaterländische Natur dar. Besonders fühlte er sich von. der malerischen Wirkung des hochstämmigen Waldes in der Nähe des Haags, bei eintretenden Sonnenlichtern, angezogen. Wenn schon die Bilder der ersten Klasse durch eine gute Zeichnung, eine grosse Klarheit der meist warmen Färbung und eine sehr fleissige Durchführung, sehr ansprechen, so kommt bei denen der zweiten noch das poetische Gefühl eines luftigen Waldes und die überraschendste Wahrheit hinzu. Seiner Schwäche im Zeichnen von Menschen und Thieren wurde bald von A. van de Yelde, bald‘von-J. Lingelbach abgeholfen. Dass seine Bilder so selten sind, ist nach Smith zum Theil dem Umstande zuzuschreiben, dass er viele grosse Malereien in dekorativer Weise zum Schmuck der Zimmer ausgeführt hat. Yon der ersten Art seiner Bilder befindet sich ein gutes Beispiel unter No. 392, im Museum zu Berlin. In einem klaren Wasser spiegeln sich bei einer warmen abendlichen Beleuchtung alle Gegenstände. Im Hintergründe ein Gebirge. Verschiedene Menschen und Thiere rühren von A. van de Yelde her. Treffliche Bilder der zweiten Art sind: eine Reihe von hochstämmigen Eschen, welche sich längs des Ufers eines klaren Wassers hinziehen, mit einer reichen Staffage von A. van de Yelde, No. 103, des Museums zu Amsterdam. — Bei einer Gruppe hoher Bäume zieht sich eine durch Figuren von Lingelbach belebte Landstrasse hin, No. 1388, der Dresdener Gallerie. — Das Holz bei dem Haag, worin Jäger auf den Statthalter von Holland warten, welcher in einem sechsspännigen Wagen anlangt.‘ No. 386, Cabinette, der Gallerie zu München. Endlich an Grösse alle diese übertreffend, dasselbe Gehölz bei warmer Abendbeleuchtung, mit einer Hirschjagd von J. Lingelbach, in der Eremitage zu St. Petersburg. Yon den, mir von J. Hackaer’t in England bekannten Bildern befindet sich eine gebirgigte Landschaft der ersten Klasse in der Sammlung des Marquis von Bute. Ein herrliches Werk der zweiten Art, jenes Holz bei dem Haag mit einer Jagd von Nicolaus de Held, Stockade in Staffordkouse.

Dieser Meister hat auch sechs Blätter im Geschmack des AVuterloo radirt, 1 ist indess weit hinter jenem zurückgeblieben. Er ist unbestimmt in den Formen, wollig in der Behandlung, fleckig in den Schatten. Am meisten sind noch die Nrn. 5 und 6 gelungen.

Bartholomaeus Breenbergh, geboren gegen 1620, gestorben nach 1663. (?) Obwohl sein Meister nicht bekannt ist, erhellt doch aus verschiedenen^seiner Bilder deutlich, dass er sich zuerst den Poelenburg zum Muster genommen. Später, bei einem längeren Aufenthalt in Italien, haben auch dortige Künstler auf ihn eingewirkt. Wenn er auch nicht ohne Erfolg historische Bilder malte, wovon das Bild, Joseph, welcher während der Hungersnoth in Aegypten Brod verkaufen lässt, in der Gallerie zu Dresden, No. 1326, eins der besten Beispiele ist,1 so ist er doch vornehmlich durch seine kleinen Landschaften bekannt, welche zum Theil Ansichten von römischen Ruinen sind, oder worin solche Ruinert wenigstens eine bedeutende Rolle spielen. Als Historienmaler war er im Stande, diese Landschaften mit vielem Geschick durch Figuren zu beleben. Er wählte hierzu öfter Vorgänge aus der heiligen Geschichte, aber auch aus der Mythologie uud den Novellen des Boccaz. Breenbergh ist in seinen Landschaften ein feiner Zeichner, verstaud sich sehr gut auf die Luftperspektive, und führte seine Bilder iu einem guten Impasto mit grosser Zartheit aus. Sie machen aber öfter durch einen kalten und schweren Ton keine günstige Wirkung. Ein durch Klarheit und eine gute Haltung ansprechendes Bild mit der Findung des Moses befindet sich, No. 208, in der Nationalgallerie zu London. In sechs im Louvre von ihm befindlichen Bildchen, No. 50—55, kann man ihn vollständig in seinen Vorzügen und Mängeln kennen lernen. Aber auch ein in einer Grotte betendef Mönch, No. 508, Cabinette, in der Gallerie zu München, zeichnet sich durch die treffliche Modellirung, die klare kräftige Färbung in der kühlen Harmonie aus, und eine Landschaft mit Ruinen in der Wiener Gallerie ist von seltner Feinheit. Dieser Meister gehört jedoch zu denen, welche ungleich mehr zu ihrem Vortheil in ihren Radirungen, als in ihren Bildern erscheinen. Es sind deren jetzt 31 bekannt, 2 deren Mehrzahl, wie seine meisten Bilder, Landschaften mit römischen Ruinen darstellen. Die sehr feine und mit grosser Einsicht ^geführte Nadel, die zarte Haltung sind ihre hervorstechenden Eigenschaften. Die Compositionen sind indess meist etwas arm. Eine sehr glückliche Ausnahme hiervon macht das Blatt, No. 15, welches sich auch zugleich durch die Ausführung besonders auszeichnet. In einem, sein eignes Bild— niss darstellendes Blatt, No. 31,, hat er offenbar die Weise des Rembrandt nachzuahmen gesucht, doch nicht mit besonderem Erfolg,, die Zeichnung ist im Munde schwach, die Arbeit hart.

Jan Both, geboren 1610(?) zu Utrecht, gestorben 1650 (?), lernte die Malerei bei Abraham Bloemart, reiste indess schon früh mit seinem Bruder Andreas nach Italien, wo er einen grossen Einfluss des Claude erfuhr und sich fast ausschliesslich der Darstellung italienischer Natur hingab. Yon allen holländischen Malern dieser Richtung ist er bei weitem der ausgezeichnetste. Er fasste diese herrliche Natur mit vielem Gefühl für ihre malerischen Reize auf und machte auch fleissig Studien nach derselben. Dabei ist er ein tüchtiger Zeichner, und versteht die Wirkungen der italienischen Abendsonne, welche alle Gegenstände in ihr goldiges Licht taucht, in dem zartesten Duft der Fernen meisterlich wiederzugeben. Eine geistreiche und freie Pinselführung in einem guten Impasto vollenden endlich den Reiz seiner Bilder, welche meist von seinem Bruder Andreas in sehr glücklicher Weise durch Menschen und Thiere belebt werden. Gelegentlich tritt indess auch Poelenburg für ihn ein. Dabei beherrscht er mit gleicher Meisterschaft Bilder von sehr grossem, wie von sehr kleinem Maassstabc. Dessungeachtet lässt sich nicht leugnen, dass seine Bilder durch eine gewisse Einförmigkeit der Cömposition etwas Ermüdendes haben. In der Regel wird diese durch einige hohe Bäume im Yorgrunde, eine Reihe von hohen Felsgebirgen, welche staffelförmig, einer vor dem anderen vortretend, sich bis in eine weite Feme ziehen, und eine grosse, sich zu deren Füssen ausbreitende, Ebene, gebildet. Gelegentlich gesellt sich hierzu ein Wasserfall, oder ein stilles Wasser. Nur ausnahmsweise malte er Ansichten bestimmter italienischer Gegenden, z. B. eine Ansicht des See’s von Bolsena, oder von Ponte Molle. In manchen Bildern artet auch der warme Ton in ein unangenehmes und sehr einförmiges fuchsiges Roth aus. Bisweilen hat endlich der Vortrag etwas Kleinliches, besonders bei leichten Bäumen, welche dadurch ein silhouettenartiges Ansehen bekommen. Bei seinem massigen Lebensalter, bei der sorgfältigen Ausführung seiner Bilder, von denen ziemlich viele von ansehnlichem Umfang, ist es nicht zu verwundern, dass die Zahl der von Sraitli von ihm aufgefiihrtcn Bilder sieh auf nicht mehr, als etwa 150 beläuft.

Yon allen, mir bekannten Bildern, des J. Botli nimmt sowohl durch den Umfang, *6 F. 1 Z. hoch, 7 F. 10 Z. breit, als durch die Schönheit der Composition, die grosso Mannigfaltigkeit der Gegenstände, die ausserordentliche Klarheit der morgenlichcn Beleuchtung, die ebenso fieissigo, als geistreiche und freie Behandlung, die Landschaft in der Sammlung van der Hoop in Amsterdam, die erste Stelle ein. Auch eine Landschaft in der Nationalgallerie zu London, No. 71, gehört zu den sehr guten Arbeiten des Meisters, worin seltncrweise eine frische Morgenbeleuchtung herrscht. — Unter den Bildern mit abendlioher Sonne ist das eine im Louvre, No. 43, durch das Ansprechende der Composition, durch die treffliche Haltung, wie durch den ansehnlichen Umfang, eins der ausgezeichnetsten. — Es wird indess – noch übertroffen durch eine andere, No. 38, im Museum von Amsterdam, in welcher, zu der glühende« und klaren Beleuchtung, eine, von den gewöhnlichen abweichende, und mehr naturwahre Composition kommt, worin ein grosser Fluss mit> fclsigten Ufern strömt, auf dem eine Fähre mit Hirten und Vieh. Dass der Künstler selbst auf diese Composition einen besonderen „Werth gelegt, geht daraus hervor, dass er sie auch radirt hat. — Fast noch schöner aber ist eine grosse Landschaft dieser Art in der Gallerie im Haag, No. 17. Die italienische Natur hat hier etwas Einfacheres und Naturgemässeres, als meist bei ihm, die sonnige,Gluth ist von seltenster Kraft und Klarheit, besonders im Helldunkel des Vorgrundes, die Touche von‘ der grössten Breite und Leichtigkeit. Wie dieser Künstler auch im kleinen Maassstabc Alles in einem trefflichen Impasto im Einzelnen ausgeführt hat, beweisen zwei andere reizende Bilder, No. 37, des Museums von Amsterdam, und No. 18, des Museums im Haag, welche sich auch beide durch die Art der Composition auszeichnen. Unter den Bildern des J. Botli in der Dresdener Gallerie zeichnen sich die beiden vorzüglichsten, das, wo zwei Männer zu Pferde im Vorgrunde (No. 1209), und das, wo Männer auf einem Stück Mauer Karten spielen, (No. 1212), durch den mild warmen Ton aus. Letzterem verwandt, und nicht minder schön, sind die Kartenspieler auf den Ruinen dos Tempels der Concordia in Rom, No. 247, Cabinette, in der Pinakothek. Am bedeutendsten aber ist dort von ihm eine reiche Composition italienischer Natur in glühender Abeudbelcuch-tung, No. 189. Yon den zahlreichen, und thoilweiso sehr schönen Bildern des J. Both in englischen Privatsammlungen nenne ich nur das im Buckinghampalaco mit der Taufe des Kämmerers dos Mohrenkönigs, als eins seiner vorzüglichsten.1 Die zehn Landschaften,2 welche er radirt hat, stimmen in jedem Betracht mit seinen Bildern auf das Genaueste überein. Wir finden hier nicht bloss ganz ähnliche Compositionen, es ist ihm wunderbar gelungen, darin auch jene warme, sonnige Wirkung hervorzubringen, ja selbst die Angabe der Blätterung mit der trefflich geführten Nadel ist der auf den Bildern sehr ähnlich. Am meisten zeichnen sich die Nrn. 1, 2,5, 7 und 10 aus. Merkwürdigerweise hat er ausserdem noch nach Zeichnungen seines Bruders Andreas die fünf Sinne, Compo-sitionon von derber Laune, mit vielem Geschick gestochen.

Willem de Heusch, geboren zu Utrecht, gestorben 1712 (?), war ein Schüler und in allen Stücken getreuer und glücklicher Nachahmer des Jan Both. In seinen Compositionen, wie in seinen warmen Beleuchtungen, ist er diesem so ähnlich, dass ihre Bilder zu verwechseln sein würden, wenn er nicht im Ton der Färbung* minder klar und in der Behandlung minder frei und geistreich wäre. Die gewöhnlich sehr kleinen Figuren in seinen Bildern rühren meist von Pbelenburg, Schcllinks, oder Held Stokade her. Werke von ihm sind selten in den Gallerien. Eine sonnenbeleuchtete von Vieh und Hirten belebte Landschaft findet sich unter No. 201, im Louvre. Ruinen an den gebirgigten Ufern eines See’s, mit einigen Maultiertreibern im Vorgrunde, ebenfalls bei Sonnenuntergang, in der Gallerie zu Wien, ist durch Grösse, Klarheit und Weiche dos Vortrags jenem noch vorzuziehen. Ein -drittes, eine gebirgigte Landschaft mit einer Brücke, welche über einen Abgrund führt, befindet sich, No. 585 , in der Gallerie zu Kassel. Alle drei sind mit seinem Namen bezeichnet, doch ist hier sein Vorname anstatt W., G. angegeben. Dieses soll ohne Zweifel Guillelmo lieissen, wie er, während eines längeren Aufenthalts in Italien, genannt worden sein mochte. Wie in seinen Bildern, so hat er auch in seinen Radirungen, deren dreizehn bekannt sind, den Jan Both in jedem Betracht getreulich nachgeahmt, ist indess, meines Erachtens , darin noch mehr hinter ihm zurück geblichen, als in jenen. Die Luftperspektive ist bei ihm minder fein beobachtet und die Führung der Nadel stumpfer und wolliger. Für sein bestes Blatt halte ich mit Bartsch, No. 3, den grossen Eichbaum.

Jacob de Heusch, geboren 1657 zu Utrecht, gestorben 1701, war ein Neffe und Schüler des vorigen und ahmte ihn, wiewohl mit minderem Erfolg, nach. Von, durch Aufschrift beglaubigten Bildern, ist mir nur eins, datirt von 1699, in der Gallerie zu Wien bekannt. Es stellt einen Landungsplatz an einem See, mit vielen Schiffen und Figuren und in der Ferne hohe Gebirge in warmer, sehr harmonischer Abendbeleuchtung, vor, und beweist in der ganzen Art der Auffassung, dass auch Herman Saftlcven auf ihn Einfluss gehabt hat.

Adam Pynacker, geboren 1621, gestorben 1673, ging, ohne dass man seinen Meister wüsste, jung nach Italien und soll drei Jahr in Rom zugebracht haben. Wenn er dem Jan Both in der Grossartigkeit und dem Geschmack der Auffassung italienischer Natur nachstehen muss, so übertrifft er ihn dafür in der Mannigfaltigkeit. Ausser gebilligten Gegenden mit Wasserfällen und kühnen Brücken, sehen wir von ihm Meeresküsten, an welchem sich hohe Gebirge hinziehen, italienische Seehäfen, aber auch-einfache, geschlossene Landschaften, mehr in der Art seiner vaterländischen Natur, eine Gruppe schöner Bäume, ein Buschwerk, einen Bach mit binsigem Ufer. Fast alle seine Bilder sind mit Menschen und Thieren belebt, welche er sehr gut zeichnete und malte. Wenn bei J. Both die warme Beleuchtung vorherrscht, so liebt er im Ganzen mehr die kühle, so dass auch seine Bäume meist von einem bläulichen Grün sind. Es gelingen ihm daher besonders frische, kühle Morgenlandschaftcn. In Rücksicht der Klarheit steht er dem Both meist nach, ja manche seiner Bilder haben ein schweres und dunkles Ansehen, oft ist selbst seine grüne Farbe in das Blau umgeschlagen. In der Pinselführung ist er höchst präcis und vortrefflich und geht seine Ausführung bisweilen sehr in das Einzelne. Nur gelegentlich wird dieselbe etwas dekorativ, was ohne Zweifel seine Ursache darin hat, dass er vielfach die Wände der Zimmer in Holland mit dekorativen Malereien bedecken musste. Dieser Umstand erklärt es auch, dass die Zahl der von ihm vorkommenden Bilder verhältnissmässig .gering ist, wie denn Smith nur 69 von ihm aufführt. Sie sind, nach der obigen Erörterung, natürlich von sehr verschiedenem ‚Werth. Aus seiner etwas früheren Zeit, es ist 1654 datirt, rührt eine grosse Landschaft, No. 897, im Museum zu Berlin her, in derem Yorgrunde von einem hohen Felsen Wasser herabstürzt, und ein Hirt, von einer kleinen Heerde umgeben, in sein Horn stössfc Die warme Abendbeleuchtung des Himmels ist nicht gehörig in allen Gegenständen durchgeführt. — Letzteres gilt auch von einer sonst meisterlich beleuchteten und sehr fleissig ausgeführten Seeküste mit einem Thurm und einigen Schiffen, No. 402, im Louvre. — Ebenda, No. 401, befindet sich auch ein treffliches Beispiel jener einfacheren Gegenstände in einer Landschaft, worin eine fressende Ziege und ein Maulthiertreiber vor einer Schenke. Dieses, seltnerweise im Goldton durchgeführte, Bild gehört durch die sonnige Klarheit, die geistreiche Tokkirung, zu den besten Bildern des Meisters. Würdig schliessen sich indess diesem eine Landschaft im mildwarmen Abendschimmer mit einer weissen Kuh, welche durch einen Bach geht, No. 3G2, Cabinette, in der Gallerie zu München, und eine ebenfalls mit Kühen, wo eine junge Hirtin aus einem Brunnen trinkt, in der Gallerie zu Kassel, No. 509, an. Eine Seeküste, von seltenster Klarheit, mit einem Boot im Yorgrunde, befindet sich in der Eremitage zu St. Petersburg, welche auch eine grosse, sehr schöne Landschaft im Geschmack des Jan Both (für welchen sie dort gilt) von ihm besitzt. Beispiele von seinem kaltbläulichen Ton, bei übrigens sehr delikater Ausführung, gewähren: eine Landschaft mit Hirten und Yieh im Yorgrunde, No. 403, im Louvre, und eine bergigte Landschaft mit einem Fluss und hohen Bäumen, ähnlich staffirt, No. 248, im Museum zu Amsterdam. Yon den 25 Bildern — eine grosse Zahl für diesen seltnen Meister, — welche ich in Privatsammlungen in England kenne, führe ich wegen seiner Güte und seiner Zugänglichkeit eine Landschaft mit einer hohen Bogenbrücke an, durch welche die Sonne scheint und im Yorgrunde im Halbschatten eine Yiehheerde getrieben wird, in der Sammlung von Thomas Baring in London.

Her man van Swanevelt, geboren zu Woerden in Holland um 1620, gestorben 1656.1 Wer ihn in der Malerkunst unterwiesen, ist unbekannt, sicher aber, dass er früh nach Rom gegangen und ein Schnief des Claude Lorrain geworden ist. Sein sehr emsiges und einsames Studiren nach der Natur erwarb ihm dort den Namen der Einsiedler. Von seinem grossen Meister eignete er sich den Geschmack in der Composition, öfter auch den zarten Duft der Fernen an, dazu ist er ein trefflicher Zeichner. In seinen Mittel- und Vordergründen waltet indess meist ein kaltgrüner Ton vor, und letztere sind öfter zu trübe, schwer und dunkel, seine abendlichen Himmel zu kaltroth. Endlieh ist sein Vortrag zwar sehr fleissig, artet aber öfter in das Geleckte und Nebnlistische aus. Diese (Jebelstände mögen vornehmlich Ursache sein, dass seine Bilder in den Gallerien selten Vorkommen. Drei Landschaften von ihm in der Gallcrie des Sehlosses von Hamptoncourt gehören zu seinen, durch Composition, wie durch Haltung gefälligeren Bildern Durch eine seltne Wärme und Kraft, eine feine Harmonie, und sehr fleissige Behandlung zeichnet sich eine kleine Landschaft, No. 442, im Museum zu Berlin aus. — Eine waldigte Landschaft mit einem Fluss und weiter Ferne, No. 507, im Louvre, ist zwar von schöner Composition und die Ferne sehr zart, dureh den kaltgrünen Hauptton wird aber die Harmonie gestört. — Bei einem Sonnenuntergang ebenda, No. 508, kommt hierzu noch das Geleckte in der Ausführung. Noch weniger spricht eine gi’osse Landschaft im Museum des Haags an, No.‘ 151.’Durch das kalte Roth des Himmels, den schweren Ton des Vorgrundes, ist die Wirkung sehr widerstrebend. Der letztere Umstand beeinträchtigt auch den Werth der sehr schön, und ganz in der Art des Claude, erfundenen, und im Hinter- und Mittelgründe sehr duftig abgetönten Landschaft, No. 179, der Gallerie zu München. Kein anderer holländischer Maler erscheint dagegen in seinen Radirungen, mit seinen -Bildern verglichen, so sehr zu seinem Vortheil, als Swanevelt… Hier stellt er sich durchaus als einen würdigen Schüler des Claude dar, und in glücklichster Weise hat er dessen ideelle und poetische Auffassung in der Ausbildung des Helldunkels und der naturwahreren Charakteristik des Einzelnen mit seinem vaterländischen, auf das Realistische gerichteten Naturell verbunden. Aber nicht blos dureh die hohe VortrefFlichkeit, sondern auch durch die beträchtliche Anzahl,— Bartsch1 hat deren 116 beschrieben, — seiner Radirungen, nimmt er unter den holländischen Malern, welche dergleichen gemacht haben, eine der ersten Stellen ein. Um die malerische Wirkung, welche seine Blätter hervorbringen, zu erreichen, hat er sich der trocknen Nadel und des Grabstichels in der Weise bedient, dass er damit mehr Punkte, als Striche machte. Vou den Landschaften, welche weit die Mehrzahl dieser Raöirungen vorstellen, sind viole bestimmte Ansichten aus der Gegend von Rom. Alle diese sind durch Figuren belebt, welche bisweilen der heiligen Geschichte und der Mythologie entnommen, und immer an die rechte Stelle gesetzt sind. Solche idealische Figuren aber sind, zumal wenn sie etwas grösser, schwach ausgefallen. Die Anzahl der vortrefflichen Blätter ist hier so gross, dass es einem schwer fällt, eine mässige Zahl, als besonders schön hervorzuheben. Zu diesen gehören indess jedenfalls die Nrn. 52, 70, 77, 78, 79, 80 — 84, 90, 91, 93, 94, 95, 97, 98, 100, 101,. 104, 106, 107, 108, 112, 115. Auf sieben Blättern aber hat er Thiere, Kameele, Ochseu, Esel, Widder, Ziegen und Schweine dargestellt, welche sich ebenfalls durch eine wahre Auffassung, gute Zeichnung und treffliche Ausführung auszeichnen.

Jan Glauber, geboren von deutschen Eltern 1646 zu Utrecht, gestorben 1726 zu Amsterdam, lernte zwar die Malerei bei N. Berchem, wendete sich aber, als er selbständig wnrdc, ebenso entschieden der Nachahmung des Gaspar Poussin, wie Swanevelt der des Claude, zu. Um sich in dieser Richtung auszubilden, lebte er mehrere Jahre in Italien. Nach seiner Rückkehr hielt er .sich längere Zeit in Hamburg auf. Vom Jahr 1684 an aber liess er sich in Amsterdam nieder und trat in ein näheres Verhältniss zu Gcrard Lairesse, welcher ihm häufig die Figuren in seinen Landschaften malte. Wegen des idyllischen Charakters derselben erhielt er in dem Verein der holländischen und deutschen Maler (Schildev-bent) den Beinamen Polydor. Er ist in seinen besten Gemälden seinem Vorbilde ungleich näher gekommen, als Swanevelt dem Claude. Zwar thut er es demselben an Grossartigkeit der Erfindung^ nicht gleich, indess vereinigen seine Bilder immer eine edle und poetische Composition mit einer trefflichen Zeichnung, und in der warmen und saftigen Färbung, der grösseren Individualisiruug der Einzelheiten, übertrifft er jenen sogar öfter. Seine Bilder kommen in den Gallerien selten vor. Eins der durch Umfang, 5 F. lY^Z.hoch, 6 F. 2 Z. breit, wie durch Schönheit der Composition bedeutendsten, befindet sich, No. 430, im Museum zu Berlin. Besonders ist der von einem Gebäude, in einfachen, edlen Formen, gekrönte Fels, welcher den Mittelgrund bildet, des Poussins würdig. — In Umfang und Werth diesem am nächsten steht seine, mit dem Namen und 1086 bezeichnte, Landschaft, No. 180, im Louvre. In dem Thale eines schönen Waldgebirges weiden Heerden. Im Mittelgründe wird dem Gotte Pan ein Opfer gebracht. Die Figuren sind von G. Lairesse. Die Beleuchtung ist warm. — Zwei etwas kleinere Landschaften in den Gallerien zu München, No. 334, und zu Dresden, No. 1505, beide von Lairesse staffirt, haben, ausser der schönen Composition, noch das Verdienst eines besonders lebhaften und saftigen Grüns. In seinen Radirungen, deren er 19 nach seinen eignen Zeichnungen gemacht,1 erscheint er dagegen im Vergleich zu Swanevelt ziemlich unbedeutend. Seine Nadel ist mit mehr Verständniss, als Geist geführt, und die leichte Behandlung auf wenig Wirkung berechnet. Am gelungensten sind noch die Nrn. 1, 7, 9, 11, 13, 15, 16, 18 und 19.

Von‘ dem jüngeren Bruder dieses Künstlers, Jan Gottlieb Glaub er, geboren 1667, gestorben zu Breslau, wo er sich niedergelassen, 1703, welcher seinen Bruder nach Italien begleitete und. ganz derselben Richtung folgte, wesshalb er in Rom in jenem Malerverein den Beinamen Myrtil erhielt, weiss ich kein beglaubigtes Bild nachzuweisen. Aus einem, nach seiner eignen Erfindung radirten, Blatt geht indess hervor, dass auch er in jener Pous-sinischen Weise mit Erfolg erfunden und mit vielem Geschick radirt hat.

Albert Meyering, geboren 1645 zu Amsterdam, gestorben ebenda 1714, lernte die Malerei bei seinem Vater Friedrich Meyering, ging jung nach Frankreich und nach Italien in Gesellschaft des Jan Glauber und gab sich ganz derselben Richtung hin. Wenn dieses auch lange nicht mit demselben Erfolg geschah, und seine, übrigens sehr fleissig ausgeführten, Bilder, besonders denen des Glauber in einer schweren und kühlen Färbung, und im Naturgefühl nachstehen, so haben sie doch immer viel Verdienst. Sie kommen indess in Gallerien sehr selten vor. Zwei mit seinem Namen bezeichnete Landschaften in jenem idealischen Geschmack mit badenden Nymphen und, die Bildsäule der Flora umtanzenden, Kindern befinden sich unter No.439 und 440 im Museum zu Berlin.

In 28 von Meyering bekannten Radirungen 1 zeigt sich ganz derselbe Kunstgesclimack. Nur haben diese durch die gar zu vorherrschenden antiken Gebäude und Ruinen aller Art, Tempel, Grabmäler, Brunnen u. d. m., etwas sehr Absichtliches und Con-ventionclles und lassen daher meist kalt. Die spärlich vorkommenden Bäume sind dabei von manicrirter Form. In der „Weise, wie die Yor-, Mittel- und Hintergründe abgestuft sind, in der richtigen Zeichnung, in der guten Wirkung, welche er, ohne Anwendung der trocknen Nadel, oder des Grabstichels, mit einer breit und leicht geführten Nadel hervorzubriugen weiss, erkennt man indess immer den sehr geschickten Künstler. Sein bestes Blatt ist No. 15, ein Sturm im Geschmack des G. Poussin, nächstdem zeichnen sich die Nrn. 16, 21, 23 noch am meisten aus.

Frederik Moucheron, geboren 1633 zu Emden, gestorben 1686 zu Amsterdam, war ein Schüler des Jan Asselyn. Nachdem er (einige Jahre mit Beifall in Paris gemalt hatte, Hess er sich in Amsterdam nieder. Er malte theils Landschaften im italienischen Geschmack, welchen man es indess ansieht, dass er das Land selbst nie gesehen hat, theils die Natur seines Vaterlandes, besonders häufig bestimmte Ansichten, welche jedoch im Einzelnen in der Naturwahrheit viel zu wünschen übrig lassen und im Ganzen in der Regel einen fahlen, kalten und schweren Ton haben. Seine Laud-schaften sind früher von Helmbrecker, später von A. van de Velde und Lingelbach, öfter mit Figuren und Thieren geziert worden. Die schönsten, mir von ihm bekannten, Bilder finden sich in der Eremitage zu St. Petersburg. Besonders zeichnen sich drei, ge-birgigte Gegenden darstellende, mit sehr geistreicher Staffage des Adriaen van de Velde, aus. In der Ansicht eines Parks, worin eine Gesellschaft zur Jagd aufbricht, No. 344, im Louvre, wird jener fahle Ton in etwas durch die warme Beleuchtung belebt. Bei weitem das Beste darauf sind indess die Figuren des A. van de Velde. — Ganz dasselbe ist auch der Fall mit einem ähnlichen Gegenstände, No. 213, des Museums in Amsterdam, nur dass hier der kalte Ton in der Landschaft vorherrscht. Auch die Pinakothek besitzt ein sehr fleissiges, aber buntes und kaltes Bild von ihm, No. 373, Cabinette, in welchem die Staffage von Berchem herrührt. Diese mit zweien, nicht minder kalten Landschaften im Museum des Haags, No. 99, werden genügen, diesen Meister hinlänglich kennen zu lernen.

Den Landschaftmalern schliessen sich zunächst die Seemaler an, da sie, wenn sie, wie so oft, Küsten malen, sogar in das Gebiet derselben hinübergreifen.

Einer der ältesten in dieser Epoche ist Simon de VHeger, welcher etwa von 1635— 1650 blühte. Sein Lehrer ist nicht bekannt, doch bin ich nach verschiedenen seiner Bilder überzeugt, dass er seine Kunst bei Jan van Goyen gelernt hat. Er malte auch Landschaften im Geschmack desselben, legte sich aber doch vorzüglich auf die Malerei von Seestücken, bei deren Mehrzahl man indess eine Küste angegeben findet. Er hatte ein sehr reines Naturgefühl, er ist zugleich der erste, welcher das Meer in seinen verschiedenen Zuständen mit grosser Wahrheit wiederzugeben wusste, und nicht minder duftig und wahr sind seine Lüfte. Dabei sind seine Bilder in der Haltung und in der Luftperspektive vortrefflich, sein Vorträg von grosser Freiheit und Weiche. Nur in der Färbung waltet zu häufig ein schmutzig grauer Ton in den Schatten, ein zu weisser in den Lichtern vor. Eine ruhige See mit einigen Schiffen im Vorgrunde, im Hintergründe eine Festung, No. 549, im Louvre, mit dem Namen des Künstlers, erinnert in Auffassung und Farbenton auffallend an J. van Goyen und möchte seiner früheren Zeit angehören. — Ungleich meisterhafter, und von trefflichem Impasto ist die 1656 datirte^ Ansicht eines Flusses, bei völliger Windstille, No. 346, im Museum zu Amsterdam, worauf von der Jacht des Admirals ein Salutschuss abgefeuert wird. — Die bisher lange nicht genug erkannte Vortreffliclikeit des de Vlie-ger sieht man aber erst in dem Seesturm, No. 390, Cabinette, der Gallerie zu München. Die Composition ist höchst malerisch, die Beleuchtung schlagend, die Luft, wie die ganze Haltung, in einem kühlen, graulichen Ton, des Ruysdaels würdig. — Auch zwei kleinere Bilder, ein Seesturm, und ein gefrorenes Wasser mit Schlittschuhläufern und Schlitten, No. 1460 und 1461, der Gallerie‘ zu Dresden, in einem klai’en Silberton, gehören zu seinen besten Bildern. Von den in England mir von ihm bekannten Gemälden nenne ich nur die Ansicht der Küste von Scheveningen in der Bridgewatergallerie, welche alle guten Eigenschaften von ihm, Wahrheit, Klarheit und sorgfältige Ausführung vereinigt. Fast noch Vortheilhafter, jedenfalls vielseitiger, erscheint S. de Vlieger in seinen Radirungen, deren Bartsch 20 aufzählt.1 Die Hälfte ..derselben stellen Landschaften im Geschmack des van Goyen und Waterloo dar, von denen nur eine, Ro. 10, eine Seeküste, sich in der Composition seinen Bildern nähert. Die Art, wie die Radel geführt ist, erinnert am meisten an Waterloo. Wenn er darin meist weniger frei und geübt erscheint, als jener, so ist sie dafür in seinen beiden schönsten Blättern, Ro. 6 und 7, weicher und malerischer und deutet auf einen Einfluss des Rembrandt, Die andere Hälfte hat vierfüssige Thiere und Vögel zum Gegenstand, von denen die letzteren, Gänse und calcutische Hühner, Ro. 17 und 18, in Wahrheit und Behandlung trefflich, und ungleich besser als die Vierfüssler gerathen sind.

Remigius Rooms, genannt Zeeman, angeblich 1612 oder 1616 in Amsterdam geboren, war ein Zeitgenosse des Simon de Vlieger, wie aus den auf Radirungen von ihm vorkommenden jahrszahlen 1650 und 1656 erhellt. Sonst ist weder von seinem Meister noch von seinem Leben etwas bekannt. Rur wieder aus seinen Radirungen kann man schliessen, dass er Frankreich und England besucht hat. So soll er sich auch längere Zeit in Berlin aufgehalten, und den Beinamen Zeeman davon erhalten haben, dass er fast nur Marinen gemalt hat. Es kommen iudess auch architektonische Ansichten von ihm vor. Als Maler steht er indess nicht auf der Höhe der Schule. Seine Bilder sind zwar mit vielem Geschmack angeordnet und in allen Theilen, namentlich in den Schiffen, von denen er eine sehr genaue Kenntniss hatte, vortrefflich gezeichnet, aber weder in der Luftperspektive, noch in der Klarheit der Färbung den besten Seemalern der Schule gleich. Auch hat die breite Behandlung öfter etwas Dekoratives. Dieses mag auch der Grund sein, wesshalb man Bildern von ihm in den Gallerien so selten begegnet, wie ich denn nur drei von ansehnlichem Umfange, welche jene Vorzüge und Mängel haben, in den Gallerien zu Amsterdam, Wien, Cassel, und eine Ansicht des alten Louvre, in der Gallcric des Louvre, Ro 586, kenne. 2 Das in der .ersteren, Ro. 226, stellt die Seeschlacht zwischen der englischen und holländischen Flotte bei Livorno im Jahr 1653 dar, das in der zweiten, im Vorgrunde viele Schiffe, im Hintergründe einen Hafen, das in der dritten. Ko. 1191, zwei Kriegsschiffe und einige Figuren auf der Küste im Vorgrunde, in der Ferne andere Schiffe, dar. Desto vorteilhafter erscheint Zeeman, sowohl der Qualität, als der Quantität nach, in seinen Radirungen, deren jetzt 175 bekannt sind,1 Für’s erste ist er ungleich vielseitiger als in seinen Bildern, denn ausser den verschiedensten Ansichten von durch Schiffe belebten Küsten, von einzelnen Schiffen und Seeschlachten, hat er hier auch die mannigfaltigsten architektonischen Ansichten, den Brand des Rathhauses von Amsterdam, so wie eigentliche Landschaften, mit so viel malerischem Gefühl, mit so trefflicher Beobachtung des Helldunkels, mit solcher Meisterschaft in der Handhabung der Kadel behandelt, dass er sich würdig so grossen Meistern in diesem Fache, wie Everdingen und Waterloo, anseliliesst. Kur seine Wolken und sein Pulverdampf sind von zu einförmig kugelichter Form, auch häufig mit magerer Kadel zu scharf Umrissen, und haben dadurch etwas Hartes. Daher befriedigen auch seine Seeschlachten, wo beide eine grosse Rolle spielen, am wenigsten. Ich zeichne einige der vorzüglichsten Blätter aus. Ko. 3. Die zwei Blockhäuser in der Kühe von Amsterdam. Auf dem Flusse sind verschiedene Schiffe. Dieses Blatt erinnert in der Composition und in der Wirkung sehr an die trefflichen Marinen von A. Cuyp. Ko. 4. Eine Landschaft mit einem Kanal, auf welchem eine bemannte Barke. An dessen Ufer weidende Kühe. In der Ferne, von Bäumen umgeben, das Pesthaus von Amsterdam. Vom reinsten Katurgefühl und schöner, sonniger Wirkung. Die Bäume und Gebäude sind besonders von grosser Wahrheit und sehr malerisch behandelt. Die Krn. 32, 38, 55, 58, von sehr kräftigem Helldunkel. Ko. 59, sehr sonnig. Ko. 60 und 61 von ausserordentlicher Wahrheit! Ko. 62. Das Thor St. Bernhard in Paris. Sehr malerisch! Ko. 67. „De Harinck Packers Tooren.“ Treffliche Veranschaulichung der holländischen Heringsflottc. Krn. 84, 91. Eine sehr gute Mondbeleuchtung. Krn. 110, 111, 116, 117, 118, 120, 122 —126. Die letzten sechs Radirungen stellen Thore von Amsterdam vor. Die meist in Touche, gelegentlich aber auch in Sepia ausgeführten, Zeichnungen dieses Meisters haben ähnliche Verdienste, wie seine Radirungen. Unter verschiedenen, auf dem Kupfei’stichkabiuet des britischen Museums vorhandenen, zeichnen sich vor allen einige, welche die ganz stille, oder lcichtbewcgte See darstellcn, durch die höchst malerische Auffassung aus.

Willem van de Velde der jüngere, geboren 1633 zu Amsterdam, gestorben 1707 zu Greenwich, empfing den ersten Unterricht bei seinem Vater, ‘Willem van de Velde dem älteren, sein Hauptmeister aber war Simon de Vlieger. Er lebte in seiner früheren Zeit in Holland und malte ausser vielen Bildern, welche die See in ihren verschiedensten Zuständen darstellen, einige der berühmten Seeschlachten, worin die Holländer über die Engländer den Sieg davon trugen. Später folgte er seinem Vater nach England und erwarb sich in hohem Maasse den Beifall der Könige Karl II. und Jacob II., für welche er wieder die Seesiege der Engländer über die Holländer ausführte. Auch von anderen Kunstfreunden aus dem hohen und niederen englischen Adel ward er vielfach beschäftigt. Er ist unbedingt der grösste Seemaler der ganzen holländischen Schule. In Folge eines unermüdlichen Katur-studiums, von dem seine sehr zahlreichen, in Sepia ausgeführten, Zeichnungen das beste Zeugniss geben, und im vollen Besitz der Luft-und .Linienperspektive, wie der unvergleichlichen Technik seiner Schule, gelangte er dahin, das Meer in den verschiedensten Bewegungen, vom wüthendsten Sturm, bis zur leichtesten Kräuselung, so wie in gänzlicher Ruhe in Form und Farbe mit wunderbarer Wahrheit wiederzugeben. Und nicht minder Bewunderung als hier der Eindruck der Kasse, verdient in seinen Lüften die Klarheit des Himmels, das Leichte, Duftige der Wolken. Dabei verstand er es, die Fläche, mit ungemeinem malerischen Sinn, nah und fern, durch die verschiedenartigsten Schiffe, welche er mit der grössten Kenntniss, bis zu jedem einzelnen Tau, zeichnete, zu unterbrechen, und durch die mannigfaltigsten Beleuchtungen ein reizendes Spiel von Licht und Schatten hervorzubringen. Während sein Vortrag auch in den kleinsten Bildern immer frei und geistreich bleibt, wird er gelegentlich in seinen öfter sehr grossen Seeschlachten etwas dekorativ. Da nun vor allen die seefahrenden Kationen die Vereinigung aller dieser Eigenschaften zu schätzen wissen, ist er begreiflicherweise so sehr der Liebling der Holländer und Engländer, dass von den 329 Bildern, welche Smith von van de Velde beschreibt, sich manche bei den ersteren, bei weitem die Mehrzahl aber bei den zweiten befindet, während man bei den anderen Völkern Gemälden von ihm nur selten begegnet. In öffentlichen Gallerien kann man diesen Meister in seiner ganzen Grösse nur in Holland kennen lernen. Im Museum zu Amsterdam zeichnen sich besonders folgende Bilder von ihm ans. No. 332. Der Augenblick, in welchem das englische Admiralschiff ,,The Prince Royal“, in der Schlacht von 1666 mit der holländischen Flotte, die Segel streicht, und No. 333, das Gegenstück, das Aufbringen von vier anderen englischen Kriegsschiffen in derselben Schlacht. In einem kleinen Boot hat der Künstler sich selbst vorgestellt und es ist auch historisch bekannt, wie er in einem solchen Zeuge der Schlacht war. Daher tritt uns Alles in diesen, nur etwa 2 F. hohen, 2 F. 8 Z. breiten, Bildern, mit einer so ausserordentlichen Wahrheit entgegen, welche überdem durch die treffliche Haltung in einem feinen, graulichen Ton, wie durch die Meisterschaft der Ausführung des Einzelnen zu seinen besten Bildern gehören. — No. 331. Eine stark bewegte, von verschiedenen segelnden Schiffen belebte See. Ebenfalls von massiger Grösse. Die Bewegung der Wellen ist hier von seltner Wahrheit, die warme Beleuchtung trefflich, die Behandlung von ungemeiner Freiheit und Weiche. — Von zwei kleinen Bildern, welche die See in völliger Ruhe zeigen, eine Art der Darstellung, worin der Künstler sich besonders gefällt, und mit seine grössten Triumphe feiert, hebe ich, besonders wegen der Zartheit der kühlen Haltung, No. 329, mit zwei Schiffen im Vorgrunde hervor. — Endlich gewährt, No. 334, eine Ansicht der Stadt Amsterdam vom Y aus gesehen, mit einer grossen Anzahl von Schiffen ein besonders gutes Beispiel seiner sehr grossen Bilder. Es ist etwa 5 F. hoch, 10 F. breit. Die Schiffe sind mit viel malerischem Geschmack angeordnet, die Ausführung im Einzelnen trefflich. Nur Wasser und Luft haben etwas Schweres im Ton. Es ist bezeichnet und von 1686 datirt. Was dieser Meister in der Darstellung der See bei völliger Ruhe vermocht, sieht man aber erst in den folgenden Bildern. In der Gällerie des Haags, No. 164 nnd 165. Beide, von massiger Grösse, 2 F. 2 Z. hoch, 2 F. 6 Z. breit, sind von Schiffen der verschiedensten Art und Grösse belebt. Das eine kommt an Kraft und Klarheit der sonnigen Lichtwirkung dem Cuyp nahe, und verbindet damit eine höchst delikate Ausführung, das andere steht ihm sehr nahe, macht indess durch die grössere Schwärze des Wassers im Vorgrunde einen minder harmonischen Eindruck. In der Gallerie zu München, No. 461, Cabinette. Im Mittelgründe dieses nur 1 F. 7x/2 Z. hohen, 1 F. 10 Z. breiten, Bildes liegt eine Fregatte, im Yorgrunde mehrere kleinere Schiffe. Der feine Silberton, worin das Ganze gehalten ist, findet in den gelblich beschienenen, leichten Wolken, in den bräunlichen Segeln und Schiffen sein Gegengewicht. Zauberhaft ist die zaTte Spiegelung aller Gegenstände in dem klaren Wasser! Fast von ähnlicher Schönheit ist ein, ungefähr eben so grosses, Bildchen mit vier Schiffen, No. 390, der Gallerie zu Cassel, welches ausser dem Namen die Jahrszahl 1653 trägt. Einen entschiedenen Gegensatz mit diesen Bildern macht ein aufsteigender Gewittersturm, in der Münchner Gallerie, No. 451, Cabinette. Es ist von brillanter Beleuchtung und grosser Feinheit des Tons in der Ferne. Der Yorgrund hat indess etwas nachgedunkelt. Yon der Fülle schöner Bilder des W. van de Yelde in England befinden sich glücklicherweise mehrere der vorzüglichsten in den, Liebhabern zugänglichen Sammlungen. Unter vier Bildern von ihm im Buckinghampalace zeichnet sich vor allen eine 1669 bezeichnete Seeküste bei stillem Wetter aus, in dem Yorgrunde zwei, mit ihren Booten beschäftigte, Fischer.1 Von den sieben Bildern in der Bridgewatergalleriei 2 hebe ich besonders hervor. Eine Ansicht der Einfahrt zum Tcxel bei stürmischem und regnerischem Wetter. Dieses ist unter den grossen Bildern, 4 F. 4 Z. hoch, 6 F. 3 Z. breit, des Meisters unbedingt eins der schönsten. Ausser der grössten Wahrheit und der seltensten Meisterschaft hat es noch einen poetischen Reiz. Die Mündung des Brilflusses, No. 262, bei leicht bewegter See. Ein Wunder in der Feinheit der Abtönung von dem breit behandelten Yorgrund bis zu der weichen und zarten Ferne! Zwei Bilder, welche, wie das Bild in Amsterdam, das Streichen des Prince Royal darstellen. No. 134 und 175. — In der Sammlung des Lord Ashburton, das unter dem Namen „La petite flotte“ berühmte Bild. Unter den Windstillen durch die Schönheit der malerischen Gegenstätze, die zarte Abtönung, eins der schönsten.3 — In der Sammlung des Herrn Munro. Ein Sturm. Die Wahrheit, Nässe und Durchsichtigkeit der Wellen ist bewunderungswürdig. — In der Sammlung von Thomas Baring. Zwei stille Seen, von denen die eine, mit einem Bollwerk und Schiffen im Vorgrunde, in der Com-position und dem stärkeren Impasto, an Cuyp, die andere, worauf ein Kanonenschuss abgefeuert wird, in dem fein grauen Ton von zartester Abstufung, an Ruysdael erinnert.

Jan Dubbels. Obwohl von diesem trefflichen Meister so gar nichts bekannt ist, dass er bald für den Lehrer, bald für den Schüler des später folgenden L. Backhuysen ausgegeben wird, sind doch die wenigen Bilder, welche mir von ihm vorgekommen sind, der Art, dass von beiden nur das erstere möglich sein kann. Er malte meist Seeküsten, welche, sowohl in der grossen Wahrheit, als in der Meisterschaft der Haltung und Luftperspektive, der Schönheit der Beleuchtung, der Breite und Weiche des Vortrags auf gleicher Höhe mit Ruysdael und Willem van de Velde stehen. Seine eigentlichen Seestücke und namentlich seine Stürme sollen nach der Versicherung von Smith häufig dem Backhuysen zugeschrieben werden, was die ausserordentliche Seltenheit seiner Bilder einigermassen erklärt. Das mir von ihm bekannte, und mit seinem Kamen bezeichnete Hauptbild von ansehnlicher Grösse, ist eine Küste, an welcher die starkbewegte See heftig brandet, in der Sammlung van der Hoop zu Amsterdam. Es ist eins der schönsten, mir aus der ganzen holländischen Schule bekannten Seestücke. Die Wahrheit, die Kasse, die Weiche der brandenden Wellen, hätKiemand besser gemacht. Würdig schliesst sich diesem ein Bild von ganz ähnlichem Gegenstand und ebenfalls mit dem Kamen des Künstlers im Palast Pitti (Stanza de’ Putti) an. Das Gefühl der Oede des Strandes wird durch einen einzigen Mann, welcher sich aus der Brandung rettet, noch erhöht. Das feinste Silbergrau, worin das Ganze gehalten ist, ist nur durch die Sonnenblicke unterbrochen, welche auf die Wellen, die Dünen und den Horizont fallen. Das einzige Bild, welches mir in England von ihm vorgekommen, befindet sich in der Sammlung des Herzogs von Bedford in London. Es ist von ausserordentlicher Wahrheit, Kraft und Klarheit.

Jan van de Cappelle. Auch von diesem trefflichen Meister weiss man nur, dass er aus Amsterdam gebürtig war, und im Jahr 1653 dort das Bürgerrecht erhielt. Hieraus, wie aus seinen Bildern, erhellt, dass er der schönsten Zeit seiner Schule angehört. Sein Lieblingsgcgenstand ist die Darstellung der ruhigen See, bei meist heiterem Wetter und warmer Beleuchtung, so dass sich alle Gegenstände sehr deutlich in dem klaren Wasser spiegeln. Solche Bilder haben öfter eine grosse Verwandtschaft zu A. Cuyp. Seltner sind seine Bilder dieser Art, worin ein Silberton vorwaltet, welche mehr an W. van de Velde erinnern. Er erscheint indess als ein durchaus selbständiger Meister, sowohl in der Composition, als in der grossen Klarheit, und der Art der Behandlung mit einem trefflichen Impasto. Kur ausnahmsweise waltet bei ihm in Wasser und Himmel ein schwerer, röthlicher Ton vor. Vau de Cappelle gehört zu den Meistern, deren Bedeutung man nur in England kennen lernen kann. Das einzige, ausgezeichnete, mir in den Gallerien des Con-tinents von ihm bekannte, Bild befindet sich in der Gallerie Aremberg zu Brüssel, unter Ko. 10. Es stellt eine von vielen Schiffen belebte Ansicht der Mündung der Schelde bei stillem Wetter vor, und trägt die Bezeichnung J. V, Cappelle. Es gehört zu jenen Bildern von ihm, in welchen Luft und Wasser in einem kühlen, grauen Ton gehalten sind. Die Abtönung ist von grosser Feinheit. Ich bemerke hier nur, dass sich in England treffliche Gemälde von ihm in den zugänglichen Sammlungen Munro, Thomas Baring, (nämlich das Bild, worauf die Kanone abgefeuert wird) Herzog von Bcdford, Lord Overstone und Wynn Ellis befinden.

Julius Parcellis, geboren 1628 zu Leyderdorf, war der Schüler seines Vaters Jan Parcellis, eines mittelmässigen Seemalers. Er erreichte eine so hohe Stufe in derselben Gattung, dass seine besten Bilder an Klarheit, Feinheit der Luftperspektive, und Freiheit der Behandlung dem W. van de Velde nahe kommen, wie denn Smith erzählt, dass ein Bild von ihm für 300 Pfund Sterling, als ein Werk des letzteren Meisters in London verkauft worden ist. Seine beglaubigten Bilder kommen selten vor, wie mir denn in Gallerien nur ein kleines, aber sehr feines, mit J. P. bezeichntes, Ko. 832,. in der zu Berlin bekannt ist.

Ludolf Backhuysen, geboren zu Embden 1631, gestorben zu Amsterdam 1709, widmete sich bis zum 18ten Jahr dem Handel, von dieser Zeit an aber erst der Malerei, wobei er den Unterricht des A. van Everdingen genoss. Er legte sich mit dem grössten Eifer auf die Seemalerei, und machte nicht allein von diesem Element in den verschiedensten Zuständen, sowie von den Lüften und Küsten, sondern auch von den Schiffen jeglicher Art die gründlichsten Studien. Da er nun ein trefflicher Zeichner war, schon früher als ausserordentlicher Kalligraph seine Hand zu einer ungemeinen Geschicklichkeit ausgebildet hatte, und sich das Technische der Malerei in seltnem Maasse aneignete, so hat er eine grosse Zahl von Bildern gemalt, welche in allen Stücken befriedigen. Bei alledem lässt sich indess nicht leugnen, dass er, sowohl in Reinheit des Naturgefühls, als in dem Sinn für Harmonie der Färbung und der Klarheit derselben, dem W. van de Yelde nachstellt. Manche seiner Bilder, zumal aus seiner späteren Zeit, machen durch den Gegensatz eines kalten Roths mit dem grauen Ton der Wolken, einen etwas bunten Eindruck, und öfter ist auch der Ton seiner Karbe undurchsichtig und schwer. Wenn dagegen viele seiner Bilder, namentlich Ansichten bestimmter Küsten, vorzüglich durch die grosse Wahrheit ansprechen, so haben andere, namentlich Stürme, sowohl in den wüthenden Wellen, als in den, von dem Winde zerrissenen, Wolken der Lüfte, auch einengrossen, poetischen Reiz. Seine Bilder waren nicht blos in seinem Yaterlandc sehr beliebt, er erhielt auch von fremden Fürsten, dem König von Preussen, dem Kurfürsten von Sachsen und dem Grossherzog von Toscana, zahlreiche Aufträge. Er war aber auch ein sehr fleissiger Künstler, so dass Smith von ihm 184 Bilder aufzählt, unter denen sich viele von ansehnlicher Grösse befinden. Unter den Gemälden aus seiner früheren Zeit nimmt eine leichtbewegte See, welche von zwei Kriegsschiffen und mehreren kleineren Fahrzeugen belebt wird, im Museum zu Berlin, No. 895, eine ausgezeichnete Stelle ein. Dieses, mit 1664 bezeichnete, Bild ist ebenso zart und duftig im kühlen Gesammtton, als fein in Durchbildung aller Einzelheiten, weich und meisterlich in der Touche. Eins der schönsten, mir von •diesem Meister bekannten Bilder befindet sich jedoch in der Sammlung van der Hoop zu Amsterdam. In dieser Küstenansicht mit leichtbewegtem Wasser ist sowohl dieses von seltner Wahrheit und Nässe, als die Luft und die warme Beleuchtung von grosser Schönheit. Bäume und Kräuter an der Küste sind von lebhafterem Lokalton, als diess gewöhnlich bei ihm der Fall ist. — Auch die Ansicht des Y’s von dem Landungsplatz, der „Moselsteiger“, in Amsterdam, No. 5, im Museum zu Amsterdam vom Jahr 1673, mit massig-bewegtem Wasser von grosser Helle und Klarheit, ist ein sehr gutes Bild der Art von ihm. ,— Ein treffliches Beispiel in welchem Grade er es verstand, das Wasser, vom Sturm empört, zu malen,
gewährt No. 6, ebenda von 1692 datirt. Die Beleuchtung ist hier warm, die Färbung klar, die Behandlung fleissig, ohne, wie bisweilen, in das Geleckte auszuarten. — Für eine nur stark bewegte See führe ich eine Ansicht der Mündung der Maass, in welche ein Fischerboot einzulaufen versucht, No. 7, im Louvre, wegen des zartwarmen Tons und der delikaten Behandlung an. Ebenda zeigt, No. 5, eine Ansicht der Mündung des Texel mit zehn, bei einem frischen Winde segelnden, Kriegsschiffen vom Jahr 1675, mit welcher Feinheit er auch in Bildern von grossem Umfang die Luftperspektive zu beobachten verstand. Nur der röthliche Ton der Wolken, der schwere Ton der Schatten der Wellen, sind hier etwas störend. Bunt und kalt ist aber vollends iu der Wirkung die Einschiffung des Rathspensionärs, Joan de Witt, im Jahr 1665, No. 4, im Amsterdamer Museum’vom Jahr 1690, wie sehr auch hier die meisterliche Behandlung des Zurückweichens der verschiedenen Pläne zu bewundern ist. —¦ Eine starkbewegte See, No. 6, des Museums im Haag, zeichnet sich besonders durch die glückliche Vertheilung von Wolkenschatten und Sonnenblicke auf dem Wasser, und durch die breite und doch feine Behandlung aus. Dagegen ist eine Ansicht des Werfts der vormaligen ostindischen Compagnie ebenda, No. 7, hart und schwer. Von den Bildern Backhuysens in den sonstigen Gallerien des Continents führe ich nur noch, wegen der ungewöhnlichen Gattung, eine weite Landschaft mit einem Flusse, worauf einige Barken und in der Ferne Gebirge, in der zu Wien au. Die Farbenstimmung ist sehr harmonisch, wiewohl von etwas schwerem Ton, die Behandlung besonders weich und delikat. Von den zahlreichen und schönen Bildern des Back-huysen in England kann ich nur einige hervorheben. In der Bridge-watergallerie eine Ansicht des Texel, No. 122, bei hochgehender See, welche von sieben Schiffen belebt wird, datirt 1670. Von ausserordentlicher Eleganz des Machwerks. — In der Sammlung des Lord Ashburton. Eine See bei frischem Fahrwinde von verschiedenen Schiffen belebt. Im Vorgrunde fünf Personen. Reich und geschmackvoll in der Composition, klar und harmonisch im Ton und höchst zart behandelt. Ebenda ist eine leicht bewegte See vom feinsten Silberton und der weichsten Touche. Ein Kabinet-bild ersten Rangs! — In der Sammlung von Thomas Baring. Verschiedene, mit frischem Winde segelnden, Schiffe. Im Vorgrunde ein Boot, dessen Segel von der Senne beleuchtet wird. Aus der
besten Zeit des Meisters. Trefflich in der Wirkung und in einem kühlen, klaren Ton meisterlich ausgeführt. — In der Sammlung des Herrn Holford. Eine leicht bewegte See mit Booten im Vorgrunde, datirt 1663. Die sonnige Beleuchtung des Wassers ist von wunderbarem Reiz! Auch seine zahlreichen Handzeichnungen in Touche und Bister, meist Studien nach der Natur, sind meisterlich gemacht und werden hoch geschätzt. In einem Alter von 71 Jahren entschloss sich Backhuysen noch eine Reihe von 13 Blättern zu radiren. 1 In diesen ist es ihm durch die Anwendung einer, bald feinen, bald kräftigen, Nadel gelungen, eine sehr schöne Wirkung von Helldunkel hervorzubringen. Eilf dieser Blätter stellen Marinen, eins eine Landschaft, eins endlich sein eignes Bildniss dar.

Ich komme jetzt zu der kürzlichen Betrachtung von verschiedenen Seemalern, welche, mehr oder minder, von den vorstehenden abhängig, einen untergeordneten Rang einnehmen.

Lieve Verschuur soll ein Schüler des Simon de Ylieger gewesen und 1691 gestorben sein. Er war ein guter Zeichner und auch in der Ausführung des Einzelnen sehr fleissig. Es fehlt ihm indess der Sinn für Harmonie. Das Museum von Amsterdam besitzt zwei stattliche und bezeichnete Bilder von ihm, deren das eine, No. 340, die Ankunft von Prinz Karl Stuart, nachmals König Karl II., in Rotterdam, das andere, No. 341, das Kielholen eines Chirurgus, der den Admiral van Nes hatte vergiften wollen, darstellt. Beide sind in der Wirkung etwas bunt.

Abraham Stork, geboren zu Amsterdam 1650, gestorben 1700, legte sich besonders auf die Nachahmung des Backhuysen. Obwohl ein geschickter Zeichner und von flehsiger Ausführung, steht er seinem Vorbilde doch an Geschmack dir Composition, in der Wahrheit des AVassers, in der Klarheit der Färbung, in der Eleganz des Vortrags weit nach. Eins seiner besten Bilder ist eine von 1689 datirte Ansicht des Hafens von Amsterdam, No. 1516, der Dresdener Gallerie. Man sieht hier sehr deutlich das Studium des Backhuysen. — Eine bezeichnete Seeschlacht im Museum zu Berlin, mit zwei brennenden Schiffen, No. 1036, stellt diesen Vorgang mit grosser Lebendigkeit dar. Es leidet indess an einerschweren und dunklen Färbung. Ein ziemlich gutes Beispiel, wie er die stille See darstellte, befindet sich, No. 150, im Haag. Es kommen auch von ihm zuweilen Architekturstücke vor. Er hat mit einer geistreichen, aber flüchtigen Nadel eine kleine Zahl von Blättern radirt, deren Bartsch1 sechs beschreibt, von denen mehrere Häfen im Geschmack des Lingelbach und Thomas Wyck darstellen, und einen offenbaren Einfluss dieser Meister auf ihn verrathen.

Mijchiel Maddersteg, geboren 1659, gestorben 1709, war ein Schüler des Backhuysen. Er wurde längere Zeit am Hofe Friedrich I., Königs von Preussen, in Berlin beschäftigt, und kam sowohl in der Behandlung des Wassers, als der Schiffe öfter seinem Meister sehr nahe. In den Lüften steht er ihm dagegen weit nach. Namentlich haben seine Wolken oft eine zu klumpige Form. Ebenso erreichte er ihn nicht in der Feinheit der Luftperspektive und der Touche. In Gallerien kenne ich von ihm nur in der zu Berlin, No. 1031, eine Ansicht der Spree mit den kleinen Kriegsfahrzeugen, welehe jener König von Preussen sich angeschafft hatte, und im Hintergründe das Schloss und die Stadt Koepenick. Die Spiegelung aller Gegenstände in dem stillen, sonnenbeschienenen Wasser ist vortrefflich wiedergegeben.

Jan Claasze Rietschoof, geboren zu Hoorn 1652, gestorben 1719, war ebenfalls ein Schüler des Backhuysen und ahmte seine ganze Kunstweise nicht ohne viel Geschick nach, blieb aber doch iu allen wesentlichen Stücken weit hinter ihm zurück. Zwei Bilder, eine fast ruhige und eine stürmische See, beide von Schiffen belebt und mit seinem Monogramm bezeichnet, befinden sich, No. 256 und 257 im Museum zu Amsterdam.

Peter Coopse. Dieser, sonst ganz unbekannte Künstler gehört zu den geschicktesten Nachahmern des Backhuysen. In Gallerien ist mir nur ein ziemlich grosses Bild, eine Ansicht eines Hafens in der Gallerie zu München, No. 230, bekannt, welches dort für Backhuysen gilt, aber zuerst von Smith als Coopse bestimmt worden ist, mit dessen Namen es auch bezeichnet sein soll.

In dieser reichen Schule bilden auch die Künstler, welche vornehmlich Gebäude zum Gegenstand ihrer Darstellungen gemacht haben, eine eigene Gruppe. Ja, diese spaltet sich wieder in zwei Zweige, nämlich solche, welche das Aeussere, und solche, welche das Innere der Gebäude gemalt haben. Ich betrachte zuvörderst die ersteren.

Der älteste von diesen ist Emanuel Mur and, welcher 1622′ in Amsterdam geboren, im Jahr 1700 in Leeuwarden, wo er sich niedergelassen hatte, gestorben ist. Er war ein Schüler des Philipp Wouverman, legte sich aber vornehmlich darauf, Ansichten von holländischen Bauerhäusern zu malen. Besonders fühlte er sich von dem malerischen Reiz angezogen, den solche Häuser in baufälligem Zustande haben. Er pflegte seine Bilder häufig mit vielem Geschick mit der angemessenen Staffage von Landleuten und verschiedenartigem Yieh zu beleben. Die Ausführung seiner Bilder in einem trefflichen Impasto ist so sorgfältig, dass sich jeder Stein angegeben findet. Dabei ist seine Färbung meist warm und kräftig. „Werke von ihm sind überhaupt selten, kommen aber in Gallerien so wenig vor, dass mir nur eins im Museum zu Amsterdam, No. 214, bekannt ist. ES stellt eine baufällige Meierei vor, deren Einzelheiten mit grosser Treue wiedergegeben sind. Ein Mann füttert Hühner. In der Nähe einer Frau, am Spinnrade, befinden sich einige Schweine.

Jan van der Heyden, geboren zu Gorinchem 1637 , gestorben zu Amsterdam 1712, könnte füglich der Gerard Dow der Architekturmaler genannt werden. Wie dieser verstand er es nämlich, ungeachtet einer unsäglichen, bis in die kleinsten Einzelheiten gehenden, Ausführung, die Haltung des Ganzen in einer Weise zu beobachten, dass man in seinen besten Bildern meint, die Natur durch ein Verkleinerungsglas zu sehen. Diese Bilder bestehen in meist mit feinem, malerischem Geschmack gewählten Ansichten von berühmten Gebäuden, Palästen, Kirchen u. s. w., in Holland und Belgien, oder auch in Kanälen in holländischen Städten mit den daran liegenden Gebäuden. In der Regel herrscht in diesen ein kräftiger, ebenso warmer, als klarer Ton, eine genaue Beobachtung der Gesetze der Litjien- und Luftperspektive und eine Pinselführung, welche, trotz der Feinheit, nicht mager ist. Nur seinen Bäumen fehlt bisweilen das Verständniss und sic sind gelegentlich etwas silhouettenartig und -kleinlich in der Blätterung. Ausnahmsweise kommen indess auch Bilder von ihm vor, welche überdem kalt im Gesammtton, bunt in der Wirkung und etwas hart in den Umrissen sind. Einen ganz besonderen Reiz erhalten seine meisten Bilder durch die geistreichen Figuren des Adriaen van de Velde, welche so an den rechten Stellen stehen, und auch im Tone so völlig mit der Arbeit des van der Heyden übereinstimmen, dass sie die Einheit der Bilder niemals stören. Hichtt in demselben Grade ist dieses mit den, übrigens sehr geschickten, Figuren des Eglon van der Heer und Lingelbach der Fall, welche mach dem Tode des A. van de Yelde an seine Stelle traten. Obwohl die Zahl der, allerdings meist sehr kleinen, Bilder des van der Heyden in Betracht ihrer grossen Ausführung allerdings ziemlich ansehnlich ist, Smith führt deren 158 an, so würde sie doch, bei dem Alter von 74 Jahren, welches er erreichte, ohne Zweifel noch grösser sein, wenn er nicht, vermöge eines ausserordentlichen Talents für die Mechanik, eine sehr wichtige Verbesserung im der Construction der Feuerspritzen erfunden hätte, welche den Magistrat von Amsterdam ver-anlasste, ihn an die Spitze der Löschanstalten zu stellen, wodurch seine Zeit so in Anspruch genommen wurde, dass er nur noch wenig zum Malen kam. Weit die Mehrzahl seiner Bilder befinden sich in England, nächstdem aber in Holland. Aber auch in den meisten anderen Gallerien ist er vertreten. Ich führe hier eine kleine Zahl besonders charakteristischer Bilder von ihm an. Im Museum zu Amsterdam. Zwei Gegenstücke, Ho. 122 und 123, welche sogenannte „Grachten“, d. h. Strassen, in deren Mitte ein Kanal, an dessen Ufern hohe Bäume stehen, vorstellen. Die Ansichten sind sehr malerisch, der Gesammtton von besonderer Wärme und Kraft, die Behandlung weich und frei. Beide sind, und das zweite besonders reich, mit Figuren des A. v. d. Yelde geschmückt. Ein drittes, Ho. 124, welches einen ähnlichen Gegenstand behandelt,, ist zwar durch die sonnige Beleuchtung von brillanter Wirkung, indess weniger harmonisch in der Farbe, weniger weich im Vortrage. — Ein besonders ’schönes Bild ist die Ansicht eines Theiles einer Stadt, Ho. 53, im Museum des Haags, welches — eine seltne Sache — ausser den Hamen auch die Jahrzahl Ki66 oder 1667 trägt. Bewunderungswürdig ist das warme, klare Helldunkel, worin der ganze Vorgrund gehalten ist, und reizend der im Mittelgründe einfallende Sonnenstrahl. Auch hier fehlen die Figuren des A. van de Velde nicht. — Im Louvre, Ho. 202. Eine Ansicht des Rathhauses von Amsterdam. Bezeichnet und datirt 1668. Sowohl durch die für ihn ungewöhnliche Grösse von 2 F. 2 Z. Höhe, 2 F. 7 Z. Breite, als durch die foino Haltung im kühlen, morgenlichen Ton, die Zartheit der etwas breiteren Touche ein Hauptwerk des Künstlers, und unter Ludwig XVI. von einem der Hachkommen desselben für 6000 Gulden gekauft. Die Staffage des A. van de Velde ist hier besonders reich und schön. — No. 203. Die Ansicht des Marktplatzes und der Kirche einer holländischen Stadt, yon demselben Meister staffirt, ist, bis zu den grössten Einzelheiten, von seltner Natur Wahrheit. — No. 204. Die Ansicht eines holländischen, an einem Flusse gelegenen Dorfes. Hier sind die Schiffe auf dem Flusse von „Willem, die Figuren von A. van de Yelde. Ungeachtet aber diese drei Meister an diesem Bildchen gearbeitet haben, ist es von einer ausserordentlichen Einheit des Gusses, bewunderungswürdig in der Perspektive, von ungemeiner Tiefe und Sattigkeit des Tons, und, in der etwas breiten Behandlung, sehr geistreich. Yon den in den Gallerien zu Dresden, München, Kassel und Wien von J. van der Heyden befindlichen Bildern zeichnen sich die beiden in Cassel, die Ansicht eines Palastes in Brüssel, mit einer Aussicht auf die Kathedrale, No. 582, und die Ansicht einer mit Mauern umgebenen Stadt, No. 583 a, sowohl durch die Grösse, als durch die Vortrefüichkeit, besonders aus. Keine Gallerie kann sich indess in der Zahl und der Vortrefflichkeit von Bildern dieses Meisters mit der Eremitage zu St. Petersburg messen. Vor allen sind zwei Bilder hervorzuheben. Die Ansicht einer Gracht von •seltenster Kraft, Wärme und Klarheit des Helldunkels, und höchst reicher und anziehender Staffage des A. van de Velde, und eine bergigte Landschaft mit einer Stadt, aus deren Thor ein, mit wunderbarer Meisterschaft von A. van de Yelde gemalter Zug von Reitern herauskommt. Sonst nenne ich nur noch, weil es den Meister von einer neuen Seite zeigt, das Bild in Wien, welches eiu altes, festes, von Wasser umgebenes Schloss darstellt. Es ist ebenso klar und warm im Ton, als delikat in der Behandlung, und wird durch Figuren des A. van de Yelde verherrlicht. Yon den zahlreichen, in Privatsammlungen, in England von ihm vorhandenen Bildern führe ich nur einige der allervorzüglichsten an. Im Bucking-hampalace. Die Ansicht eines holländischen Hauses an einem Kanal. Unter den Figuren von A. van de Yelde zeichnen sich besonders zwei Männer in einem Boote aus. — In der Bridgewatergallerie, No. 135, ein etwas grösseres Bild von einem ähnlichen Gegenstände. Eine merkwürdige Vereinigung von Kraft, Klarheit und Wärme des Gesammttons, mit der unsäglichsten Ausführung. — In der Sammlung des Lord Ashburton. Die Ansicht des Marktplatzes einer holländischen Stadt mit einer Kirche, in der Beleuchtung einer warmen Nachmittagssonne, mit mehr als zwanzig geistreichen Figuren des A. van de Yelde. Ein wahres Wunder von Klarheit, Haltung und miniaturartiger Ausführung! In jedem Betracht ein Hauptwerk des Meisters.

Gerit Berckheyden, geboren zu Haarlem 1645, gestorben ebenda 1698, malte zwar in der Regel dasAeussere vaterländischer, ausnahmsweise aber auch das italienische, Gebäude, gelegentlich endlich das Innere von Kirchen. Er war dabei im Zeichnen von Menschen und Thieren recht geschickt, so dass er seine Bilder mit beiden erfolgreich belebte. Obwohl dieselben eine tüchtige Kennt-niss von Linien- und Luftperspektive, auch Gefühl für eine harmonische Wirkung und eine fleissige Ausführung zeigen, ist er doch in Kraft, Wärme und Klarheit des Tons, welcher bei ihm im Gegentheil meist kühl ist, dem van der Heyden nicht zu vergleichen, und geht auch seine Ausführung lange* nicht so sehr in das Einzelne. Man begegnet Bildern von ihm in den Gallerien nur selten. Eine Ansicht des Doms mit dem alten Rathhaus und der neuen Kirche in Amsterdam, No. 26, des dortigen Museums, gehört zu seinen feineren Bildern. Dasselbe gilt von einer Ansicht des neuen Ilathhauses von Amsterdam, No. 1470, der Gallerie zu Dresden. Ein Beispiel seiner Behandlungsweise italienischer Gebäude gewährt eine Ansicht der Trajanssäule, No. 28, im Louvre. Es ist in einem kräftigen, aber etwas grauen Ton ausgeführt, und die Figuren sind etwas bunt. Das beste, mir in England von ihm bekannte, Bild, die Ansicht einer holländischen Stadt mit vielen Figuren, von sonniger Wirkung und sehr fleissiger Ausführung, befindet sich in der Sammlung von Thomas Baring. An vielen seiner Bilder hat ein älterer, ihm an Talent überlegener Bruder, Job Berckheyden, geboren 1628, gestorben 1698, Antheil. Bilder von ihm allein, welche indess in der ganzen Kunstweise denen seines Bruders sehr ähnlich sind, nur dass sie einen mehr landschaftlichen und genreartigen Charakter haben, kommen seltner vor. Die innere Ansicht der alten Börse von Amsterdam in der Gallerie Aremberg zu Brüssel ist ein treffliches Bild von ihm. Eine recht hübsche, mit seinem Namen bezeichnete, Winterlandschaft befindet sich, No. 845a, ira Museum zu Berlin. Ausnahmsweise hat er auch mit sehr gutem Erfolg Conversationsstücke im Geschmack des Metsu und Jan Steen ausgeführt, deren eins im Museum von Rotterdam vorhanden ist.1 Er hat auch öfter Portraite gemalt.

Jacob van der Ulft, geboren 1627 zu Gorcum, war 1688 noch am Leben. ‚Wer sein Lehrer gewesen, ist nicht bekannt. Er gefiel sich vorzugsweise Plätze, einzelne Gebäude und Denkmäler aus Rom darzustellen. Da er selbst nie dort gewesen, konnte dieses nur nach Kupferstichen geschehen. Oefter . aber behandelte er auch mit sehr gutem Erfolg Ansichten von Gebäuden seines Vaterlandes. Als . ein geschickter Zeichner von Menschen und Thieren stattete er alle jene Bilder, mit vielem malerischen Geschmack, reichlich mit dergleichen aus. Durch die gelegentliche Malerei von Landschaften und Seeküsten zeigt er sich als einen vielseitig gebildeten Künstler. Van der Ulft verband in seinen Gebäuden eine sehr gute Zeichnung mit einer kräftigen, meist warmen, öfter* aber etwas schweren Färbung. Seine Ausführung, in einem durchweg soliden Impasto, ist, ungeachtet grossen Fleisses, frei und geistreich. Seine Bilder kommen selten vor. Das durch Umfang wie durch treffliche Haltung, Wärme und Klarheit des Tons, Reichthum der Staffage mir von ihm bekannte Hauptwerk ist eine Ansicht des neuen, 1667 vollendeten Rathhauses, jetzigen Palastes des Königs in Amsterdam, No. 22, in dem jetzigen, neuen. Rathhause. Das dortige Museum besitzt unter No. 313 und 314 zwei recht artige, aus allerlei antiken Gebäuden und Monumenten zusammengesetzte, Kabinetbildcken von ihm. — Ungleich bedeutender in Grösse und Kunstwerth ist ein Bild, No. 161, im Museum des Haags, welches ebenfalls eine Ansicht antiker Gebäude enthält, und durch Trappen auf dem Marsche belebt wird. Es ist von sehr warmem Ton, und die Behandlung besonders weich, und breit. Dagegen ist ein Bild im Louvre, No. 534, welches einen, von antiken Gebäuden umgebenen, Platz, worauf ein Triumph stattfindet, darstellt, zwar mit grosser Piräcision ausgeführt, doch etwas schwer im Ton. Ein ungleich reiineres Naturgefühl athmet ebenda, No. 533, die Ansicht einer, am einem Flusse gelegenen, befestigten, Stadt. Der harmonische kühle Ton, die Beleuchtung erinnert an Asselyn. Die Behandlung ist sehr delikat. — Das Berliner Museum endlich besitzt, No. 908,, von ihm eine mit seinem Namen bezeichnete Ansicht des Strandes von Scheveningen, wo eine Heersch.aui gehalten wird, und die Dünen mit Zuschauern bedeckt sind. Es zeichnet sich durch den grossen Reichthum und die Kraft der Fäirbung aus. Das namhafteste, mir ^ in England von ihm bekannte, Bild, römische Ruinen, von grosser Klarheit und Wärme, befindet sich in der Sammlung des Herrn H. T. Hope.

Ich komme jetzt auf die Maler, welche sich vornehmlieh das Innere von Gebäuden, vorzugsweise Kirchen, zum Gegenstände ihrer Kunst gem;aclit haben.

An der Spitzle von diesen steht Pieter Saenredam, geboren zu Assendelft ,1 597, gestorben zu Haarlem 1666. Er war der Schüler von Frauis Pietersz de Grebber. Er macht den Uebergang, der früheren Arehitekturmaler, z. B. des Pieter Neefs, zu denen auf der vollen Höhe der holländischen Schule. Eine gewisse Bestimmtheit in den Formen erinnert noch an den ersten, doch ist hier das Prinzip der Schule des 17. Jahrhunderts, das Malerische, schon zur vollen Ausbildung gelangt. Von diesem, mit Recht in Holland berühmten, Meister findet sich, mit Ausnahme einer Ansicht des Inneren einer protestantischen Kirche, No. 317, der Sammlung in Turin, in Gallerien kein Bild vor. Das mir „von ihm bekannte Hauptbild ist eine Ansicht des alten, im Jahr 1651 abgebrannten Rathhauses von Amsterdam, No. 21, im neuen Rathhause, welches mit seinem Namen und 1641 bezeichnet ist. Dieses treffliche Bild ist gleichsam Licht in Licht gemalt, denn selbst die Schatten sind noch von der grössten Klarheit, die Behandlung breit und leicht. Aüch eine Ansicht des Chors der grossen, gothischen Kirche von Haarlem, No. 276, und das Innere der ganzen Kirche, No. 277, letztere bezeichnet: P. Saenredam 1636, im Museum zu Amsterdam, sind Bilder von der seltensten Reinheit des hellen, klaren Tons.

Dirk van Deelen, geboren zu Heusden 1607, 1669 zu Ar-nemniden als Bürgermeister noch am Leben, war ein Schüler des Frans Hals und blühte von 1640—1670. Er gefiel sich besonders darin, bald das Innere, bald das Aeussere von Gebäuden im Geschmack der Renaissance darzustellen. Er besass eine feine Kennt-niss der Linien-, wie der Luft-Perspektive, und eine ungemeine Klarheit des meiist sehr hellen und silbernen Tons. Auch führte er den Pinsel mit grossem Geschick. In der Angabe der einzelnen Formen erinnert iindess bisweilen eine zu grosse Bestimmtheit noch an die frühere Zieit. Er kommt in den Gallerien selten vor. Die beiden besten, mür von ihm bekannten, Bilder befinden sich in der Gallerie zu Wien. Das eine, ein prächtiges Säulengebäude in einem Garten, trägt die Insehrift: „Dirk van Deelen fecit Anno Do. 1640.“ Es wird von vielen Figuren belebt, und ist sowohl durch die Grösse von 5 F. 172 Z. Höhe, 9 F. Breite, als dureh die Feinheit der Luftperspektive, die .ebenso fleissige, als freie Ausführung, ein Hauptwerk des Meisters. Das andere, ein weitläufiger Säulenbau, ebenfalls mit dem Namen bezeichnet, und gleichfalls von ansehnlicher Grösse, ist auch von ungemeiner Feinheit und Klarheit des Lufttons, und npeh weicher im Vortrag. Eine Ansicht des Saals des „Binnenhofs“ im Haag, No. 28, des dortigen Museums , während der letzten grossen Versammlung der Generalstaaten im Jahr 1651, ist ein Bild von ungemeinem Verdienst, dessen Wirkung aber durch die vielen, bunten Fahnen sehr gestört wird. Ein kleineres Bild, die Ansicht von Prachtgebäuden im antiken Gcschmaek vom Jahr 1647, im Museum zu Berlin, No. 756, zeichnet sich dureh die grosse Helligkeit und Zartheit des Tons aus. Eins der besten Bilder, welche ich in England von ihm kenne, ist das Innere einer Kirche in der Sammlung von H. T. Hope. Es ist besonders kräftig im Ton für ihn.

Emanuel de Witte, geboren zu Alkmaar 1607, gestorben zu Amsterdam 1692, war ein Schüler des Evert van Aelst, der bekanntlieh todte Vögel und Stillleben malte, legte sich aber aus-sehliesslich auf die Darstellung des Inneren von Gebäuden und zwar meist von Kirehen in dem späteren, italienischen Baugeschmack. Er ist als derjenige Meister zu betraehten, in welchem dieses Faeh auf dieselbe Höhe der Ausbildung in allen Stücken gebracht wurde, wie etwa durch J. Ruysdael die Landschafft, oder durch W. van de Velde die Seemalerei. Zu der vollständigsten Kenntniss der Linien- und Luftperspektive kam bei ihm eine meisterliche Beherrschung des Helldunkels, und ein ebenso breiteer, als weieher Vortrag in einem trefflichen Impasto. Lichter und Schatten sind bei ihm -in grossen Massen gehalten, Säulen und sonstige einzelne Gegenstände trefflieh modellirt. Dabei sind die wohlgezeichneten Figuren, welche seine Bilder beleben, mit einem sehr feinen, malerischen Gefühl angebracht. Seine Bilder kommen in den Gallerien selten vor. Eine kleine, aber durch CÜG hläff?, sonnige Beleuchtung sehr anziehende, innere Ausicht einer Kirehe, mit dem Namen des Künstlers, befindet sich unter No. 3(52, im Museum zu Amsterdam. Ein Bild ähnlichen Gegenstandes, höchst vorzüglich in einem kühlen Ton durchgefdhrt, ist in der Sammlung van der Hoop ebenda. Ein Hauptwerk endlich ist in der Sacristei der alten Kirche zu Amsterdam.1 Zwei Werke durch Umfange wie durch Schönheit, sehr bedeutend, besitzt das Museum zu Berlin. Das eine, Ko. 898, das Innere einer Kirche von reicher, spät italienischer Architektur, mit Bildern, Statuen und Grabdenkmälern, 4 F. 3 Z. hoch, 3 F. 5 Z. breit, ist mit dem Kamen des Meisters und 1667 bezeichnet. Das tiefe, aber klare Helldunkel, welches im Ganzen vorherrscht, wird nur im Yor- und im Hintergründe durch das einfallcnde Sonnenlicht unterbrochen. Im Vor-* wie im Mittelgründe befinden sich verschiedene Figuren. Das andere, nur um Weniges kleiner, Ko. 904 a, welches das Innere der Synagoge zu Amsterdam während einer religiösen Feierlichkeit vorstellt, ist ebenfalls mit dem Kamen und 1680 bezeichnet. Die Wirkung des, durch die Fenster einfallenden, Sonnenlichts auf die, die Decke tragenden, Säulen ist vortrefflich. Yerschiedene, im Yorgrunde befindliche, Zuschauer der Handlung sind sehr malerisch in Anordnung und Yertheilung der Farben. Eine wahre Kunstperle1 für die Feinheit des Helldunkels in sehr lichtem Ton ist endlich das Innere einer von vielen Figuren belebten Kirche in der Gallerie des Schlosses Wilhelmshöhe zu Kassel.

Zwei Künstler, welche einen entschiedenen Einfluss von Erna-nuel de Witte erfahren und ihn in ihren besten Bildern fast erreicht haben, sind folgende:

Hendrik van der Vliet, geboren 1608, noch am Leben 1666,2 Schüler seines Yaters, Willem van Yliet. Von Bildern dieses Meisters in Gallerien kenne ich nur folgende. Im Museum zu Amsterdam, Ko. 347, das Innere eines Theilcs der alten Kirche von Delft, bezeichnet H. van Yliet 1654. In allen Stücken kommt er hier dem de Witte sehr nahe, namentlich in der Art, wie die Wirkung des Sonnenlichtes wiedergegeben ist. — Im Museum des Haags, Ko. 167, eine Ansicht aus derselben Kirche. Yon besonderer Wärme und Brillanz der Wirkung und sehr feiner Beobachtung der Reflexe. — In der Gallerie zu München, Ko. 367, Cab,, eine kleinere, sonst ähnliche Ansicht, von grosser Klarheit. Gelegentlich malto er auch mit gutem Erfolg Genrebilder bei Lampenlicht in der Weise des G. Schalken. Ein Beispiel dieser Art, eine Frau, welche bei solchem Licht nähet, befindet sich, No. 851, im Museum zu Berlin. Es ist bezeichnet Hendrik van der Vliet 165?.

C. Hockgecst. Dieser fast unbekannte Künstler ist ein neues Beispiel für den erstaunlichen Beichthum vortrefflicher Maler in Holland um die Mitte des 17. Jahrhunderts. Zwei Ansichten aus dem Inneren der neuen Kirche von Delft im Museum des Haags stehen auf der vollen Kunsthöhe der Schule. Es dürfte schwer sein, die Helle und Klarheit eines allgemeinen Sonnenlichts besser wiederzugeben, als in No. 57, worauf sich die Grabmäler der Prinzen aus dem Hause Oranien finden. Aber auch das andere, ‚ mit dem Monogramm des Meisters und 1631 bezeichnete, Bild ist in jedem Betracht, namentlich in der weichen und fetten Behandlung, höchst meisterlich.

In die Fusstapfen dieser Maler trat, wenn schon mit etwas minderem Erfolg, der ebenfalls nur aus den Aufschriften seiner Bilder bekannte Isaac van Nickele, welcher gegen Ende des 17ten Jahrhunderts blühte. Seine Ansichten des Inneren von Kirchen sind meist äusserst hell gehalten und von grosser Klarheit,, doch in den einzelnen Theilen weniger sorgfältig modellirt. * Ein Bild dieses Gegenstandes von ihm, bezeichnet: Isaac van Nickele 169?, befindet sich, No. 926 a, im Museum zu Berlin. Das schönste, mir von ihm bekannte, Werk, eine Ansicht des Innern der grossen Kirche zu Haarlem, ist in der Sammlung Six zu Amsterdam.

Text aus dem Buch: Handbuch der deutschen und niederländsichen Malerschulen (1862), Author: G.F. Waagen.

Siehe auch:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Vorrede
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Erstes Kapitel von 800-1150
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Zweites Kapitel von 1150-1250
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Der Germanische Stil
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Ausbildung der eigentlichen selbständigen Malerei
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – vollständige Ausbildung des germanischen Kunstnaturells im Geiste des Mittelalters
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die Schule der Brüder van Eyck his gegen Ende des 15. Jahrhunderts
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die Schule der van Eyck bis zu ihrem Ausgange
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die deutschen Schulen in ihrem Übergange von der Kunstweise der vorigen Epoche zum Realismus bis zum Jahr 1460
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die deutschen Schulen in der realistischen Richtung der van Eyck’schen Schule von 1460-1500
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die Schule von Köln und dem Niederrhein
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die deutschen Schulen in der vollständigen Entwicklung ihrer Eigenthümlichkeit Von 1500-1550
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die fränkischen Malerschulen
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Sächsische Maler
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die schwäbische Schule
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die Malerei am Niederrhein und in Westphalen
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Verzerrung des germanischen Kunstnaturells in der Historienmalerei durch Nachahmung der Italiener
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die Malerei in Deutschland
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Zweite Blüte des germanischen Kunstnaturells in der Form der modernen Geistesart
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die Schule von Belgien
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die Zeitgenossen und die Schüler von Rubens
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die holländische Schule
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Rembrandt van Ryn
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Schüler und Nachfolger von Rembrandt

Weiterführendes zu Rembrandt:
Rembrandt 1606-1669
Rembrandt als Naturbeobachter
Rembrandt im Kunstmuseum Hamburg
Rembrandt und seine Zeitgenossen
Rembrandts Darstellungen der Tobiasheilung
Rembrandts Handzeichnungen
Rembrandts Radierungen
Rembrandts Verworfene Blätter
Rembrandts wiedergefundene Gemälde
Rembrandts Zweifelhafte Blätter