Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die Zeitgenossen und die Schüler von Rubens

Im Text gezeigte Abbildungen:
Die Kinder Karl I. von van Dyck
Genrebild von Teniers

Zweites Kapitel

Bevor wir auf die eigentlichen Schüler des Rubens kommen, müssen wir noch einige mit ihm ungefähr gleichzeitige Maler betrachten, welche mehr oder minder von ihm beeinflusst, zu der ganz freien und vollendeten Kunstform durchdrangen, indess doch eine von ihm unabhängige Stellung behauptet haben.

Martin Pepyn, geboren zu Antwerpen 157 5, gestorben 1646  oder 1647, wurde 1600 als Sohn eines Meisters in die Malergilde aufsrenommen. Sein Lehrer ist uieht bekannt; indess sieht man aus seinen, jetzt sehr seltnen, Gemälden, dass er in einigen Stöcken noch einen starken Einfluss der Sehule des Frans Floris erfahren hat. Die von ihm in dem Museum zu Antwerpen vorkandnen Bilder, Ko. 261, ein mit seinem Monogramm und 1626 bezeichneter Durchgang der Israeliten durch das rothe Meer, die Predigt des heiligen Lukas, Flügel eines Altars, Ko. 262, und die grau in grau gemalten Aussenseiten dieses und eines anderen Flügels, dessen innere Seite von Otto Vaenius herrührt, Ko. 263 und 264, verrathen in der ganzen Art zu eomponiren, wie in den Formen, namentlich einen Einfluss des Blocklandt. So ist auch die Färbung zwar kräftig, aber bunt, besonders das Fleisch bald stark braunroth, bald grünlich, die Landschaft spangrün, die Umrisse hart, der Vortrag sehr verschmolzen. Mehrere wahre und lebendige Köpfe, zum Tlieil von edlem Charakter, zeigen dagegen offenbar den günstigen Einfluss der von Rubens eingeführten, neuen Kunstweise. Noch ungleich mehr spricht sich dieser indess in allen Theilen in einem vortrefflichen Bildniss einer Dame in der Gallerie Aremberg in Brüssel, Ko. 90, aus, in welehem nur die etwas zu grünlichen Halbsehatten im Fleisch noch die ältere Schule wahrnehmen lassen.

Abraham Jansens, geboren zu Antwerpen 1567, gestorben 1631, oder 1632, 1 war ein Schüler des Jan Snellink und besuchte später Italien. Keue Untersuchungen haben urkundlich bewiesen, dass die von Houbraken gegebenen Nachrichten von seiner Feindschaft gegen Rubens und von dem Elend, worin er verfallen, aller Wahrheit entbehren. Er lebte vielmehr bis zu seinem Ende in sehr geachteten Verhältnissen. Sein Talent war in einigen Beziehungen dem des Rubens verwandt, so dass von minder Kundigen Bilder von ihm dem Rubens beigemessen werden. Namentlich gilt dieses von der Kühnheit der Motive, der Mächtigkeit und Fülle der Formen seiner nackten Figuren, und der kräftigen und wannen Färbung der Fleischtheile. Indess ist er doch von jenem wieder in sehr wesentlichen Teilen verschieden. Wenn er ihn öfter an Korrektheit der Zeichnung übertrifft, so sind doch seine Köpfe meist von sehr gewöhnlichen Formen, kalt und gleichgültig im Gefühl, seine Gewänder in den Lichtern hart und metallen, seine Färbung ungleich minder klar , vielmehr dicht im Lokalton, schwer in den Schatten, die Umrisse der Formen hart, die Gesammthaltung bunt, endlich der sorgfältig verschmolzene Vortrag ungleich weniger frei und geistreich, als bei jenem. Er besass eine besondere Stärke in der Beleuchtung durch Fackeln und andere künstliche Beleuchtungen. Ich begnüge mich von ihm aus dem Gebiet der biblischen Geschichte die Maria mit dem Kinde und dem kleinen Johannes Ko. 256, und die Anbetung der Könige, Ko. 258, iin Museum zu Antwerpen, aus dem Gebiet der Mythologie ebenda, Ko. 257, den Flussgott der Schelde und Venus und Adonis in der Gallerie zu Wien, aus dein Kreise der Allegorie die Bilder von Tag und Kacht, an derselben Stelle, anzuführen.

Nikolaus de Liemakere, genannt Roose, geboren zu Gent 1575, gestorben ebenda 1646, Schüler des Otto Vaenius, war ein in der Composition geschickter, in der Ausführung öfter fleissi-ger, in der Behandlung gewandter Meister. Indess sind seine Köpfe selten bedeutend und in den kirchlichen Bildern zu weltlich, der Lokalton seines Fleisehes von einem kalten Braunroth, die Sehatten grünlieh, der Gesammteindruck etwas schwer. Eins seiner Hauptbilder, Maria in der Herrlichkeit von Heiligen verehrt, befindet sieh auf dem Altar einer Kapelle der Kathedrale zu Gent.

Gerard Zegers, gewöhnlich, wiewohl irrig, Seghers genannt, geboren 1591 zu Antwerpen, gestorben ebenda 1651, soll die Werkstätte von Abraham Jansens und darauf die von Heinrik van Baien besueht haben. Er vollendete seine Studien in Italien, namentlich in Rom, und besuchte von dort aus auch Madrid, wo er mehrere Bilder für den König Philipp III. ausführte. Zegers ist ein Maler von bedeutendem Yerdicnst. Im Allgemeinen behauptet er, obgleich auch von dem Einfluss des gewaltigen Rubens nicht frei, ihm gegenüber ein Bestreben nach Idealität. Seine Com-positionen sind wohl abgewogen, seine Köpfe von edlen Formen, wiewohl selten bedeutend, die Formen der Glieder zierlieh, die Bewegungen anmuthig, die Färbung zwar nicht von der Gluth des Rubens, doch bisweilen sehr klar und warm, öfter gemässigt, immer harmonisch, der Vortrag breit. Sein Hauptwerk, die Vermählung der Maria mit Joseph, einst die Zierde des Hauptaltars der Barfisser Karmeliter zu Antwerp on, befindet sich jetzt in dem dortigen Museum, Ko. 323. In diesem sehön eomponirten Bilde von stattlicher Wirkung gewahrt man in einigen Köpfen, namentlich in dem der Maria, den Einfluss des Rubens. Unter den übrigen, in demselben Museum von ihm befindlichen, Bildern zeichnen sich demnächst der heilige Ludwig von Gonzaga, No. 322, und die Verzückung der heiligen Theresa, No. 324, ans. Das Streben nach dem Idealen ist besonders in einer Maria mit dem Rosenkranz, ebenda, No. 327, und in einer anderen mit dem Kinde, welchem der kleine Johannes einen Vogd reicht, in der Gallerie zu „Wien gelungen. In der Färbung gewahrt man, sowohl hier, als in einem Bilde von ähnliehem Gegenstände, worauf das Kind sehläft, einen glüeklichen Einfluss des Tizian. Dagegen verrathen zwei andere, ungleieh schwächere Bilder im Museum zu Antwerpen, Christus aus dem Limbus zurüekkehrend, No. 325, und die heilige Clara in Verehrung des Jesuskindes, No. 326, in den spitzigen Formen, den bunten und kalten Farben, den unglücklichen Einfluss des F. Baroccio. Von den Bildern aus dem gewöhnlichen Leben, welehe dieser Meister gelegentlieh auch gemalt hat, als Spieler, Musikanten, wüsste ich keins naehzuweisen.

Theodor Rombonts, geboren zu Antwerpen 1597, gestorben ebenda 1637 , soll die Malerei bei Abraham Jansens gelernt haben. Im Jahr 1617 ging er nach Rom, wo er, so wie in Florenz, mit Erfolg verschiedene historisehe Bilder malte. Da sich für die von Honbraken gegebene Naehricht seiner Feindschaft gegen Rubens keine sonstigen Beweise vorfinden, ist sie, bei der sonstigen Unzuverlässigkeit dieses Schriftstellers, sehr in Zweifel zu ziehen. Er hatte viel Talent für die Composition, auch Gefühl für Schönheit, wenngleich seine Köpfe nicht über die Grenze eines edlen Realismus hinausgehen. Dasselbe gilt auch von den Formen seiner Körper, welche sonst einen tüchtigen Zeichner verrathen. Die Ausführung des Einzelnen ist sehr sorgfältig, der Ton seines Fleisches bräunlich und schwer in der Art, wie bei Guercino in dessen dunkler Manier, zu dem er auch sonst, namentlich in der Zusammenstellung der Farben seiner Gewänder eine gewisse Verwandtschaft zeigt. Bilder von ihm kommen selten vor. Sein, mit Recht sehr geschätztes, Hauptwerk ist die Abnahme vom Kreuz in einer Kapelle der Kathedrale von Gent. Auch sein heiliger Augustinus, welcher Christus als Pilger bewirtliet, vom Jahr 1630 im Museum zu Antwerpen, No. 337, ist ein Kunstwerk von vielem Verdienst. Von‘ den Vorgängen aus dem gewöhnlichen Leben, welche er gelegentlich behandelt hat, Gasthäusern, Marktschreierbuden, ist mir nie etwas zu Gesicht gekommen.

Gaspard de Crayer, geboren zu Antwerpen im Jahr 1582, nimmt unter den Malern, welche gleichzeitig mit Rubens in den spanischen Niederlanden blühten, bei weitem die erste Stelle ein. Er erlernte die Malerei zu Brüssel bei Raphael von Coxcycir, einem Sohn jenes Michael von Coxcycn, den wir früher kennen gelernthaben. Schon bei den Statthaltern der Niederlande, Albrecht und Isabella, stand er in grossem Ansehen. Ihr Nachfolger, der Kardinal Infant Ferdinand, ernannte ihn zn seinem Hofmaler. Auch zu den beiden grössten, ihm gleichzeitigen Malern seines Vaterlandes, Rubens und van Dyck, stand er in sehr freundschaftlichen Beziehungen. Der erste malte sein, von Paul Pontius nnd anderen gestochenes, Bildniss, der zweite vermachte ihm, als ein Andenken, ein Gemälde, welches den heiligen Benedikt vorstcllt. 1 In seinen späteren Jahren übersiedelte er von Brüssel nach Gent, wo er unablässig arbeitend, bis zu seinem, im Jahr 1669, in dein hohen Alter von 87 Jahren, erfolgtem Tode, lebte. Obwohl ein Schüler jenes R. von Coxcycn, ist er doch in der ganzen Form seiner Kunst, wie in seiner Technik, wesentlich von Rubens bedingt worden. Durch eine in mancher Beziehung sehr grosse Verwandtschaft des künstlerischen Naturells musste er sich von diesem Genius mächtig angezogen fühlen. Allerdings hatte ihm die Natur in Betreff der Erfindung einen unendlich engeren Kreis angewiesen, als jenem, denn ausser dem Gebiete kirchlicher Gegenstände, auf dem er sich vornehmlich bewegt, baut er nur noch mit Erfolg gelegentlich das der Geschichte, und der Allegorie an. Namentlich fehlt es ihm an jener Grossartigkeit, jenem Feuer der Phantasie,, vermöge welcher Rubens uns das Furchtbarste in den kühnsten und augenblicklichsten Motiven hinzaubert, endlich muss er jenem auch in der leuchtenden Wärme der Färbung, und in Kraft der dadurch hervorgebrachten Wirkungen nachstchen. In ruhigeren Compositionen thut er cs dagegen ihm ziemlich gleich, im Gefühl ist ihm aber eine, jenem fremde, Milde und Liebenswürdigkeit eigen, auch zeigt er gelegentlich einen Schönheitssinn, welcher ihn mehr als Rubens der ideellen Sphäre der Kunst annähert. In seiner Färbung ist er dabei gemässigter und naturwahrer und öfter dem van Dyck sehr nahe verwandt. In der ausserordentlichen Freiheit und Meisterschaft der Pinsclführung endlich möchte er seinem Yorbilde kaum nachstehen. Im Besitz solcher Eigenschaften, wurde er nicht allein in seinem Vaterlande mit Aufträgen überhäuft, sein Ruf erstreckte sich weit über die Grenzen desselben, wie sich denn zum Beispiel von seiner Hand grosse und treffliche Altarbilder in der Kathedrale von Aix in der Provence, und von Amberg in der Oberpfalz vorfinden. Meines Erachtens nimmt dieser Künstler in der Werthsehätzung lange nicht den Rang ein, welcher ihm gebührt. Zum Theil hat er allerdings dieses durch eine grosse An- . zahl von, seiner späteren Zeit angehörigen, Bildern verursacht, welche durch Schwächlichkeit des Gefühls, Einförmigkeit der Köpfe und Formen, wie durch einen fahlen Ton und eine sehr flüchtige Behandlung abstossen. Dass er indess, wenn er wollte, auch noch bis zuletzt seine Kunst, mit Ausnahme des schwachen Tons, mit Erfolg ausübte, beweist sein, mit dem Namen und 1668 Aetatis, bezeiclmetes, letztes Bild, das Martyrium des heiligen Blasius in dem Museum zu Gent, No. 60, welches zugleich darthut, dass er gelegentlich, gleich Rubens, das Grässliche mit einer sehr widerstrebenden Naturwahrheit darstcllte. Unter seinen zahlreichen Bildern hebe ich eine mässige Zahl der vorzüglichsten, welche sich an leicht zugänglichen Orten befinden, hervor. Im Louvre, Maria mit dem Kinde von verschiedenen Heiligen verehrt, No. 101, ein in jedem Betracht höchst ausgezeichnetes Werk des Meisters. Im Museum zu Brüssel, der wunderbare Fischzug, No. 55, die Himmelfahrt der heiligen Katharine, No. 56, der Ritter Donglobert und seine Frau in Verehrung des todten Christus, No 60. Im Museum zu Gent, das Urtheil des Salomo, No. 8, ein Hauptwerk des Meisters, und die heilige Rosalie vom Christuskind gekrönt, No. 18. Was Crayer als Maler von rasch herzustellenden Docorationen vermochte, dafür legen seine, in demselben Museum aufbewahrten, Bilder, welche er zu einem Triumphbogen bei dem Einzug der Kardinal Infanten in Gent ausführte, ein. sehr rühmliches Zeugniss ab. Ein Hauptwerk von ihm befindet sich in der Pinakothek zu München. Es stellt Maria mit dem Kinde auf dem Thron, von verschiedenen Heiligen verehrt, unten die Bildnisse des Malers und seiner Familie vor und ist mit dem Jahr 1646 bezeichnet. Dieses sehr grosse, ganz wie Rubens in ähnlichen Bildern angeordnete, Werk beweist, mit weleher Meisterschaft de Crayer so grosse Massen beherrschte, und mit welehem Erfolg er aueli im Einzelnen zu indivi-flualisiren wusste. Nur die Köpfe der heil. Frauen sind zwar gefällig, aber etwas einförmig. Die Gruppe der Portraite ist von erstaunlicher Lebendigkeit. Auch die Gallerie in Wien besitzt einige seiner besten Werke. Die heilige Therese empfängt von der Jungfrau eine goldne Halskette. Hier ist der Kopf der Maria von besonders schöner Bildung. Der englische Gruss. Aueli hier findet sich selbst in den Gewändern ein Streben nach Styl und Idealität. Maria mit dem Kinde auf dem Thron von Heiligen verehrt. Vielleicht sein schönstes Bild. Wenigstens spricht sieh in keinem anderen, mir bekannten, seine liebenswürdige Eigenthümlichkeit in allen Theilen so vollständig aus, als in diesem.

Justus Sustcrmans, geboren zu Antwerpen 1597, lernte die Malerei bei dein sonst wenig bekannten Willem de Vos. Er ging noch in jungen Jahren nach Italien, wo er sich durch seine Bilder am Hofe Cosinus II., Grossherzogs von Toskana, so vielen Beifall erwarb, dass er sich dort ganz niederliess. Auch unter dessen Naehfolgern Ferdinand II. und Cosmus III. wusste er sich denselben zu erhalten, so dass er zu einer ehrenvollen Stellung gelangte und Florenz bis an seinen, erst im Jahr 1681 erfolgten, Tod nieht mehr verliess. Auch zu Rubens und van Dyck stand er in sehr freundlicher Beziehung. Er war ein entschiedener Realist, ein tüchtiger Zeichner, von kräftiger und klarer Färbung und einer ungemeinen Meisterschaft in der Behandlung. In seinen historischen Bildern erfuhr er indess einen sehr starken Einfluss, sowohl von der Schule der Carracci, als der des Michelangelo da Caravaggio. Von den ersteren suchte er sich die stylgemässere Composition und den Wurf der Gewänder, so wie die edleren Formen, von dem zweiten die grössere Wahrheit und die kräftigere Wirkung anzueignen. Zwei gelungene Bilder dieser eklektischen Art, den Tod des Sokrates und die Grablegung, besitzt das Museum zu Berlin, No. 449 und 457. In der Bildnissmalerei, worin bei weitem seine grösste Stärke bestand, blieb er dagegen seiner vaterländischen Schule getreu. Sie sind wahr und mit Geschmack aufgefasst und warm und klar kolorirt. Nur in seiner späteren Zeit wird der

Lokalton des Fleisches schwerer, die Schatten dunkler. Das umfassendste Werk dieser Art ist die Huldigung des Grossherzogs Ferdinand II. mit einer grossen Anzahl von Bildnissen, zu Florenz. Im Palast Pitti sind gute Portraite von ihm: das der Vittoria della Rovern, Gemahlin jenes Grossherzogs, als Yestalin Tueeia, das eines Kanonikus, ebenso lebendig aufgefasst, als klar in der Farbe und trefflieh in der Malerei, und das vom König Christian Y. von Dänemark als Kronprinz. Ilöehst widrig ist dagegen eine aus den Bildnissen der grossherzogliehen Familie zusammengesetzte heilige Familie. Die Wiener Gallerie besitzt das treffliehe Bildniss der Erzherzogin Claudia, Tochter Ferdinand 1., Grossherzog von Toskana.

Frans Snyders, geboren zu Antwerpen im Jahr 1579, gestorben ebenda 1657, war Anfangs Schüler des Höllenbreughel, später des Heinrik van Baien, bildete indess seine ganze Auffassung der Thier weit, sowie seine freie Kunstform, sein klares und öfter sehr glühendes Kolorit, seinen breiten, meisterlichen Vortrag, nach dem Vorbilde des Rubens aus, zu dem er indess nicht in dem Ver-hältniss eines Schülers, sondern eines unabhängigen und durchaus selbständigen Meisters stand, so dass jener ihm verschiedentlich in seinen Thierstücken die menschlichen Figuren, er aber sehr häufig in den Jagden des Rubens die Thiere, in anderen Bildern die Früchte, Blumen und Gemüse in einer Weise malte, dass die Einheit des Bildes durchaus nieht gestört wurde. Nächst Rubens ist er unbedingt der grösste Thiermaler seiner Zeit. Wie jener fasst er sie mit ungemeiner Lebendigkeit und Wahrheit in den augenblicklichsten und bewegtesten Momenten des Kampfes und der Jagd auf. Auf die sehr kunstgemässe Yertheiluug der einzelnen Thiere in dem Raum mag sein Besuch von Italien, wobei er sieh auch in Rom aufhielt, wohlthätig eingewirkt haben. Selbst in seinen grossen Küehenstüeken findet sieh, neben der erstaunlichen Meisterschaft in Darstellung des Einzelnen in Form und Farbe, ein ungemeines Geschick der Anordnung. Er war daher aueli mit den beiden besten Schülern von Rubens, van Dyck und Jordaens, nahe befreundet, und stand letzterem in derselben Weise in seinen Bildern bei, wie dem Rubens. Fürsten und grosse Herren wetteiferten ihn mit Aufträgen zu überhäufen. Besonders war er für den Köuig Philipp IV. von Spanien und den Erzherzog. Leopold Wilhelm thätig. Von der erstaunliehen Anzahl seiner Bilder kann ieh nur eine mässige Zahl besonders vorzüglicher in berühmten Gallerien namhaft machen. Im Louvre eine Hirschjagd, No. 491, und eine Eberjagd, No. 492, in Dresden ein Küehenstüek, worauf Koch und Köchin von Rubens, No. 849, in der Pinakothek zwei Löwinnen, welche einen Rehbock verfolgen, No. 297. Von erstaunlicher Lebendigkeit und trefflich componirt! In der Gallerie zu Wien ein Eber von einer Meute von neun Hunden bestürmt, im Museum zu Berlin ein wüthender Kampf zwischen Bären und Hunden, No. 974. Die Anzahl trefflicher Bilder von ihm in England, welche indess in Privatsaminlungen befindlich sind, ist sehr gross, lieber mehrere derselben habe ich in den Treasures Nachricht gegeben. An vortrefflichen Küelien-stücken von ihm ist die Gallerie der Eremitage zu St. Petersburg allen andern überlegen.

In einem ähnlichen Verhältniss wie Snyders in Betreff der Thiere, standen die Maler Jan Wildens und Lucas van Uden zu Rubens in Betreff der Landschaft.

Jan Wildens, 1584 in Antwerpen geboren, 1653 ebenda gestorben, war der Schüler des Pieter Verludst, bei dem er sich so früh ausbildete, dass er schon im Jahr 1604 als Meister in die dortige Malergilde aufgenommen wurde. Er zeigte eine grosse Vielseitigkeit in seiner Landschaft, so dass er sich trefflich eignete in den Bildern des Rubens, zu dem er in ein freundschaftliches Verhältniss trat, die dem Gegenstände derselben entsprechenden landschaftlichen Hintergründe zu malen. Dabei besass er eine ausserordentliche Raschheit in der Ausführung, eine ungemeine Freiheit in der Behandlung. Der Umstand, dass er nicht allein von Rubens für sehr viele Bilder, worin die Landschaft eine Rolle spielt, in Anspruch genommen wurde, sondern auch in derselben Weise häufig für Snyders, zuweilen auch für Diepenbeck und Laugjan, arbeitete, maeht es erklärlich, dass ganz allein von ihm ausgeführte Bilder sehr selten Vorkommen, wie ich denn in Gallerien nur drei Bilder von ihm kenne, nämlich eine Winterlandschaft mit einer Hasenjagd in der zu Dresden, N. 853, welche mit grosser Meisterschaft in einem etwas bräunlichen Ton gemalt ist, so wie eine Hirschjagd und eine Reiherbeize, in waldigter Gegend, No. 68 und 95, im Landauer Brüderhause zu Nürnberg. Diese beiden Bilder sind für die Stelle, welche der Meister in der Kunstgeschichte einnimmt, sehr bezeichnend. In den geistreichen Compositionen, der breiten, meisterlichen Behandlung erkennt man nämlich den Einfluss von Rubens, und doch auch wieder den Lehrer des J. van Artois.

Umfangreicher ist eine Landschaft von ihm in der Sammlung des Marquis von Bute in England, welche indess in Auffassung und Behandlung noch etwas an die alterthümlichere Weise des Jan Breughel und Roelant Savery erinnert.

Lucas van Uden, geboren 1595 zu Antwerpen, wo er im Jahr 1662 noch am Leben war, erhielt den Unterricht von seinem Vater, welcher denselben Taufnamen hatte, und trat in dem Zeitraum der Jahre 1626 bis 1627 als Meister in die Malergilde. Auch er malte häufig die landschaftlichen Hintergründe in den Bildern von Rubens, hat jedoch auch eine ansehnliche Zahl eigener Bilder ausgeführt, in denen Teniers bisweilen die Figuren malte. Diese stellen meist weite Aussichten dar, worin indess die Ebene durch Berge, Hügel und Bäume unterbrochen und durch Wasser belebt wird. Bisweilen begegnen wir aber auch Wasserfällen, selten mehr geschlossenen Landschaften. Es herrscht in diesen Bildern ein sehr tiefes und reines Maturgefühl. Dabei sind sie sehr gut gezeichnet, die einzelnen Gegenstände, Berge, Bäume etc., trefflich individua-lisirt, die Lichtführung sehr wohl verstanden, die Färbung kräftig und klar, nur bisweilen etwas zu einförmig grün, die Ausführung höchst sorgfältig. Er weiss grosse Flächen zu beherrschen, und auch kleine Bildchen miniaturartig zu vollenden. Nirgend kann man diesen Meister so vollständig kennen lernen, als in der Dresdener Gallerie. Von ‚den sieben dort vorhandenen Bildern kann ich indess nur einige näher betrachten, ln einer grossen Landschaft von einer wasserreichen Ebene zieht ein Brautpaar mit seinen Gästen nach einem auf einer Anhöhe liegenden Bauernhause, No. 920. In diesem trefflichen Werke kommt van Uden in der Wirkung ähnlichen Bildern des Rubens nahe. — Eine Landschaft mit einem Fluss und einem kleinen Wasserfall, No. 923. Von grossem Naturreiz und seltener Brillanz der Wirkung! — Eine Landschaft mit hohen Gebirgen, im Vorgrunde zwei Wasserfälle und weidendes Vieh, No. 925. Fein und lieblich! Eine Landschaft in der Gallerie zu München, No. 381, Cabinette, mit dem Namen des Künstlers, mit vielen, sich in einem Teich spiegelnden Bäumen, ist von grosser Kraft und erkennt man darin in der Art der Beleuchtung und der Staffage als Vorbild Rubens. Noch näher steht diesem indess eine grosse Landschaft mit weiter Aussicht, mit Figuren von Teniers, welche dem Rembrandt an Wärme nahe kommen, in der Sammlung des Marquis von Bute.1 Ausserdem aber hat dieser Künstler 62 Blätter, 2 und hievon 58 nach eigenen Erfindungen gestochen. Sie stimmeu in den Compositionen sehr mit seinen Bildern überein, doch erscheint er in den Erfindungen darin noch mannigfaltiger. Dabei ist die Behandlung höchst malerisch, geistreich, bestimmt und doch zugleich weich. Sie sind indess, wie schon Bartsch bemerkt, von sehr verschiedenem Werth. Einige, wie No. 36—41, sind offenbar Jugendversuche. Von besonderer Schönheit sind dagegen die Nrn. 3. 5. 9. 10. 11. 13. 21. 26. 32. 56. 57. und das nur im Brittischen Museum vorhandene Blatt.

Ich komme jetzt auf die eigentlichen Schüler des Rubens. Aus denselben ragt Anton van Dyck als bei weitem der bedeutendste hervor. Geboren zu Antwerpen den 22. März des Jahres 1599, genoss er schon mit zehn Jahren den Unterricht des Heinrich van Baien. Später aber trat er in.die Schule des Rubens. Sein grosses Talent entwickelte sich so rasch, dass er bereits am 11. Februar 1618, mithin als ein Jüngling von 19 Jahren, als Meister in der Malergilde von Antwerpen Aufnahme fand. 3 Im Jahr 1620 wurde dem Rubens gestattet sich seiner als Gehülfen zu bedienen,4 und im Jahr 1621 hatte sich sein Ruf schon so verbreitet, dass er in die Dienste des Königs Jakob I. von England getreten war.  Im Jahr 1623 reiste er nach Italien, wo er, allem Ansehen nach, zuerst nach Venedig ging, und daselbst mehrere Werke des Tizian copirte. Später hielt er sich einige Zeit in Rom, bei weitem am längsten aber‘ in Genua: auf. Obwohl er überall in diesen italienischen Städten Gemälde hinterliess, so ist daher die Zahl seiner Bilder in Genua auch am grössten. Gegen Ende des Jahrs 1626 scheint er nach Antwerpen zurückgekommen zu sein.. Die nächsten sechs Jahre, welche er in seinem Vaterlande blieb, sind nicht allein,für ihn als Historienmaler am bedeutendsten, auch eine Reihe seiner schönsten Portraite gehören dieser Epoche an. Im Frühjahr des Jahrs 1632 trat er, wohl sicher durch Vermittlung des berühmten Grafen Amndel 6 in die Dienste Königs Karl I. von England, welcher ihm durch die baldige Erhebung in den Ritterstand und die Gewährung eines Jahresgehalts von 200 Pfd. Strl. 1 als seines ersten Malers, die glänzendsten Beweise der Anerkennung seines künstlerischen Werthes gab. Wie von dem Könige, so wurde er auch von dem hohen und niederen Adel in England vorzugsweise als Portraihnaler in Anspruch genommen, so dass seine Thätigkcit als Historienmaler nur auf eine massige Anzahl von Staffeleibildern beschränkt wurde, welche über-dem öfter nichts anders wären, als, unter gewissen idealisehen Formen, z. B. Göttinnen, oder Nymphen, dargestellte Bildnisse. Auch die Bilder, welehe er während eines Besuehs von Belgien und Holland im Jahr 1634 ausgeführt hat, dürften sieh nur auf Portraite beschränkt haben. Van Dyek hatte indess das lebhafte Verlangen, sein Vermögen als Historienmaler in einem Werk von grösserem Umfang zu bewähren und bemühte sieh daher darum, die Wände in dem Festsaal des Palastes Whitehall, deren Deeke mit Bildern von Rubens prangte, mit Gemälden zu schmüekeu. Da dieses nicht gelang, reiste er mit seiner, in England genommenen Frau, aus der edlen schottischen Familie Ruthven, im Jahr 1640 nach Belgien. Hier vernahm er, dass Ludwig XIH. die grosse Gallerie des Louvre mit Malereien zieren lassen wollte, und eilte dahin, um sich darum zu bewarben. Da dieser Auftrag indess bereits dein, um dieselbe Zeit aus Rom angelangten, Nieolas Poussin zugetheilt worden war, ging er, ohne Zweifel sehr verstimmt, nach England zurück. Die schweren Schicksale, welche im nächsten Jahre über seinen Herrn und Wohlthäter, den König und dessen Familie hereinbrachen, mussten ihn geistig noch mehr niederdrücken, und den schlimmen Ausgang einer Krankheit befördern, welche ihn, am 9. Deeember desselben Jahrs 1641, in einem Alter von nur 42 Jahren hinraffte.

Für die Erfindung war dem van Dyck von der Natur ein ungleich beschränkterer Kreis angewiesen, als seinem grossen Meister. Namentlich fehlte es ihm an jenem Feuer zur Darstellung des Furchtbaren in augenblicklichster und lebhaftester Bewegung. Dagegen war er demselben in dem Ausdruck eines stillen Schmerzes an Adel und Innigkeit des Gefühls überlegen. Ebenso hatte er vor ihm ein feineres Naturgefühl und eine korrektere Zeichnung voraus, und wenn er in seiner Färbung jenem an Kraft und Brillanz nachstellen muss, so gewährt die grössere Wahrheit dafür einen vollen Ersatz.

In der Meisterschaft der Behandlung endlich steht er mit ihm auf ganz gleicher Höhe. Nach jener Eigentümlichkeit .seines Geistes behandelte er daher sehr häufig und mit dem besten Erfolge Gegenstände, wie die Kreuzigung, die Abnahme, die Beweinung des heiligen Leichnams. Als in derselben Richtung malte er nächstdem, und öfter sehr ergreifend, den heiligen Sebastian und die reuige Magdalena. Auch die Anbetung der Hirten und die heilige Familie gelingt ihm verschiedentlich sehr wohl. Vorgänge aus der Mythologie hat er nur selten, am liebsten und am glücklichsten aus dem Kreise der Liebes- und der Weingötter gemalt. Sein Talent zur Historienmalerei erscheint aber um so bedeutender, wenn man bedenkt, dass er die ziemlich grosse Anzahl, meist trefflicher, Bilder dieser Art sämmtlich bis zu seinem 32. Jahr ausgeführt hat, indem er, aus dem oben angegebenen Grunde, in den letzten neun Jahren seines Lebens nicht mehr zur Ausübung desselben kam.

Es leuchtet ein, dass jene, von van Dyck gerühmten, Eigenschaften ihn in hohem Grade zum Bildnissmaler geeignet machen mussten. In der That nimmt er auch in diesem Fache unter den Meistern der ganz ausgebildeten Kunstform mit Tizian undVelasquez die erste Stelle ein. Seine Portraite sind durch eine ebenso wahre als edle Auffassung, eine feine Zeichnung, treffliche Färbung und leichte und geistreiche Behandlung höchst ausgezeichnet. Unvergleichlich versteht er es sowohl in Stellung und Ausdruck das leichte und bequeme Dasein der vornehmeren Klassen, den Liebreiz schöner Frauen, als die so anziehende Bewusstlosigkeit blühender Kinder wiederzugeben. Unter seinen Bildern lässt sich indess nach den verschiedenen Epochen, welchen sie angehören, wieder eine grosse Verschiedenheit wahrnehmen.

Die Bilder, welche er vor seiner Reise nach Italien gemalt hat, zeigen, unerachtet einer schon grossen Meisterschaft, doch noch eine gewisse Abhängigkeit von Rubens. In seinen historischen Bildern aus dieser Zeit sind die Formen stark ausgeladen und machen öfter einen etwas plumpen Eindruck, die Köpfe von derb realistischem Charakter, die Fleischfarbe gelblich und Avarm in der Art des Rubens. Beispiele dieser Art sind seine Heilung des Lahmen in Windsoreastle und seine Verspottung Christi in dem Museum zu Berlin, No. 770. Auch seine Bildnisse, deren manche, undatirte, gewiss dieser Zeit angehören, haben neben einer sehr lebendigen, doch schlichten Auflassung, jenen gelblichen und durchsichtigen Localton des Fleisches. Beispiele dieser Art sind das im ersten Jahr seines Aufenthalts zu Rom gemalte Bildniss des Kardinals Benti-voglio im Palazzo Pitti zu Florenz und das 1624 bezeichnete, treffliche, irrig Wallenstein genannte, Bildniss in der Sammlung des Fürsten Lichtenstein zu Wien. Durch das Studium der grossen italienischen Maler gelangte er allmälig zu einer edleren und feineren Auffassung der Formen. In der grösseren Tiefe der Färbung, namentlich in dem bräunlicheren Fleischton, erkennt man den Einfluss des Giorgione und Tizian. Dieser Art ist die Verzückung des heil. Franciskus in der Gallerie zu Wien, und ein männliches Bildniss mit der Linken am Griffe des Degens im Louvre, No. 153.

Einen ganz eigenthümliclien Charakter verrathen seine, in Genua gemalten, Bilder. Die Formen der Köpfe haben durch eine gewisse Vereinfachung etwas ungemein Edles, der etwas gegen das Rütli-liche spielende Ton des Fleisches hat öfter etwas Dichteres und minder klares, als in anderen Bildern des Meisters. In den Anzügen walten Schwarz und ein tiefes Purpurroth vor, die Gesammt-wirkung endlich hat etwas sehr Gesättigtes und Feierliches. Die Hauptbeispiele dieser Art sind die Bildnisse der Familien Brignole und Durazzo in deren Palästen in Genua. Unter den in England befindlichen aus dieser Epoche nenne ich nur drei Kinder in dev Sammlung des Grafen de Grey inLondon, als besonders anziehend. Seine nach seiner im Jahr 1626 erfolgten Rückkehr nach Antwerpen gemalten, historischen Bilder haben in vollem Maasse jene oben gerühmten Eigenschaften, leiden aber häufig in den Sehatten an einem schwerbraunen Ton, eine Folge des Malens auf einem dunklen Grande von Bolus, welches er leider, nach der damals in Italien herrschenden Sitte, wenigstens hei grösseren Bildern, angenommen hatte. Die rothbraune Farbe des Bolus ist nämlich öfter durchgewachsen. Das durch künstlerischen Gehalt, wie durch Umfang bedeutendste Werk unter diesen ist die im Jahr 1627 ausgeführte Kreuzigung in der Kathedrale von Mecheln. Die ziemlich reiche Composition ist mit vielem Stylgefühl abgewogen, der Moment des Verscheidens und die dadurch hervorgebrachte Wirkung ist in ergreifender Weise vergegenwärtigt. Die Abstufung des Schmerzes, von dem tiefsten der Maria, bis zu dem leidenschaftlichsten der Magdalena, ist vortrefflich. Auch der Ausdruck in dem gläubigen Hauptmann zu Rosse ist wahr und sprechend. Die edlen Formen sind von sehr guter Zeichnung, die harmonisch-düstere Haltung des Ganzen, bei hereinbrechender Finsterniss, vortrefflich. In vielen Theilen ist hier leider der rothe Grund durchgewachsen. Wie in der Zeit, so auch in der Kunst, schliessen sich diesem nahe an, die kleine Beweinung Christi in der Pinakothek, No.213, in jedem Betracht ein wahres Juwel, Christus am Kreuz in der Gallerie zu Wien, ebenso edel im Ausdruck, wie leuchtend in der Farbe, das ziemlich kleine Bild der Grablegung im Museum zu Antwerpen, No. 346, welches offenbar ein Studium der Bilder des Paolo Veronese von der etwas dunkleren Art ver’räth, die grössere Beweinung Christi ebenda, No. 345. Die Formen sind hier besonders gross aufgefasst die Köpfe sehr edel, die Behandlung von meisterlicher Breite. .Die Kreuzigung vom Jahr 1629 ebenda, No. 343. Die Beweinung Christi im Museum zu Berlin, No. 778. Hier ist besonders in dem Kopf des Johannes und der Landschaft der Einfluss des Tizian erkennbar. Simson von Delila verrathen, in der Gallerie zu Wien. Auf dem Gebiete des Dramatischen halte ich dieses für sein bestes Bild. Obgleich er hier für die Composition das treffliche Gemälde von Rubens in der Pinakothek zu Münehern benutzt hat, ist dieses doch in einer sehr freien Weise geschehen, und dabei sind die Köpfe von ergreifendem Ausdruck, die Färbung‘ der Delila ebenso zart, wie die der Männer kräftig, die Wirkung des Ganzen ausserordentlich. Die mit dem Kinde thronende Maria, welches der heil. Rosalie einen Kranz überreicht, zu den Seiten Petrus und Paulus in der Gallerie zu Wien, ursprünglich im Jahr 1629 für eine geistliche Brüderschaft in Antwerpen gemalt. In Composition, Adel der Charaktere, tiefer, tizianischer Glut der Farbe, eines seiner schönsten Bilder. Von derselben Art ist Maria mit dem Kinde und dem kleinen Johannes in der Pinakothek, No. 178. Diesem schliesst sich würdig die Maria mit dem Kinde und dem heiligen Joseph in einer Landschaft an, welche dem Tanz von Engeln Zusehen, in der Ermitage zu St. Petersburg. Den Uebergang zu den, in derselben Weise gemalten Bildnissen, deren ich hier nur eine massige Zahl erwähnen kann, macht die von den Stiftern, Mann und Frau, verehrte Maria mit dem Kinde im Louvre, No. 137, ebenfalls zu seinen schönsten Bildern gehörig. An eigentlichen Portraiten nenne ich nur, als höchst vorzüglich, das des Herzogs Wolfgang von Neuburg, mit einem grossen Hunde vom Jahr 1629 in der Pinakothek, No. 345, das eines Feldherrn in voller Rüstung mit dem Kommando-stab, in der Gallerie zu Wien, das der Clara Eugenia Isabella, Statthalterin der Niederlande ebenda,1 die des Herrn Le Roy und seiner Gemahlin vom Jahr 1630 und 1631 in der Sammlung des Marquis von Hertfort, endlich das wohl im Jahr 1631 ausgeführte Bildniss des Franz von Moncada, Marquis von Aytona, Generalissimus der spanischen Truppen in den Niederlanden, im Louvre, No. 146. Auf einem muthigen Schimmel blickt er, in glänzender Rüstung, den Kommandostab in der Rechten, in stolzer Ruhe vor sich hin. In Auffassung, Zeichnung, Beleuchtung, Tiefe und Klarheit der wannen Färbung, geistreicher und fleissiger Behandlung, ist dieses das schönste Bildniss zu Pferde, welches van Dyck gemalt., ja wohl überhaupt das schönste Portraitbildniss dieser Art, was es giebt. Nicht minder vornehm in der Auffassung und dabei von wunderbarer Meisterschaft der Ausführung ist das Bildniss desselben Herrn in halber Figur in der Gallerie zu Wien. Eine kleinere Zahl von Bildnissen aus derselben Epoche zeigen den mächtigen Einfluss, welchen die Portraite des Rubens nach seiner Rückkunft aus Italien auf van Dyck ausgeübt haben. Der nun gereiftere Künstler wusste in diesen das Leuchtende der Färbung seines Lehrers mit der wahrsten und feinsten Beobachtung der Formen zu vereinigen. Ausserdem zeichnen sich diese Bilder durch das gediegendste Impasto und die freiste und geistreichste Art der Modellirung mit dem Borstpinsel aus. Das schönste unter diesen, und eins der schönsten Portraite, welche er überhaupt gemalt hat, ist das des van der Geest, eines grossen Kunstfreundes, in der Nationalgallerie unter dem irrigen Namen Gevartius bekannt, das des Malers Frans Snyders, in der Sammlung des Grafen Carlisle auf seinem Landsitze Castel-Howard, so wie das desselben mit seiner Frau und einem Kinde in der Eremitage zu St. Petersburg befindlich, ebenda das Bildniss von van der Wouwer, Chef der Finanzen in Belgien. In Wahrheit und Lebendigkeit, Klarheit des blonden Tons, Feinheit der Durchbildung eines seiner schönsten Werke.

Die in den früheren Jahren seines Aufenthalts in England vom Jahr 1632 ab ausgeführten Bilder verrathen eine glückliche Durchdringung jener italienischen Studien, und dieser neuen Eindrücke der „Werke seines Meisters. Besonders charakteristische und schöne Beispiele dieser Art gewähren folgende Bilder. Das Bildniss von Yenetia, Gemahlin des Sir Kenelm Digby, in Windsorcastle. Das Bildniss König Karl I. auf der Jagd im Louvre, Ko. 142. Er ist von seinem Pferde abgestiegen, welches von seinem Stallmeister, dem Marquis von Hamilton, gehalten wird. Unter den Bildnissen dieses Königs in ganzer Figur von van Dyck halte ich dieses für das schönste. In der Art der Auffassung erinnert es an Yelasquez, und cs möchte wohl ein Bildniss dieses Meisters einigen Einfluss darauf ausgeübt haben. Dabei ist es von feiner Naturwahrheit, liebevoller Ausführung, lichtem Gold ton des Fleisches und im Ganzen sehr harmonischen Wirkung der warmen Tonleiter. 1 Unter den zahlreichen Bildnissen desselben Fürsten von van Dyck in halber Figur ist eines der schönsten das in der Gallerie zu Wien. Mit dem warmen und klaren Ton und der sorgfältigsten Durchführung vereinigt es im seltensten Maasse den Geschmack, die Eleganz das echt vornehme Wesen, worin er unter allen Portraitmalern einzig dasteht. Verschiedene seiner schönsten Bilder gehören dem Jahr 1634 an. Dieses Datum trägt das Bildniss des Herzogs Johann von Nassau und seiner Familie in der Sammlung des Lord Cowper in Pansanger, unter den Familienportraiten durch die seltne Vereinigung der bei dem vorigen“ Bilde gerühmten Eigenschaften wohl das schönste.2 Wie dieses, so mag er auch dass Bildniss der Maria Luisa de Tassis, einer Antwerperin, in der Gallerie des Fürsten Liechtenstein zu Wien, bei seinem Besuch des Continents in diesem Jahr gemalt haben. Da hier zu allen obigen Eigenschaften Züge von seltnem Liebreiz kommen, möchte diesem unter den weiblichen Bildnissen van Dycks wohl die Krone gebühren. Demselben Jahr dürfte auch das imposante Bildniss Karl I. zu Pferde mit dem Oberstallmeister, Herrn von St. Antoine, in Windsorcastle an-gchören, sowie das ebenfalls zu Pferde dargestellte Bildniss des Prinzen Thomas von Carignan in der königlichen Gallerie zu Turin. Mit dem Jahr 1634 ist auch das treffliche Bildniss desselben Fürsten im Harnisch als Kniestück im Museum zu Berlin, No. 782, bezeichnet. Dass ihm auch noch im folgenden Jahre dieser warme Ton und diese sorgfältige Ausführung eigen gewesen, beweist das mit demselben bezeiclmete Bildniss von Georg und Francis ViIlers, Söhne des Herzogs von Buckingham, in Windsorcastle. Obwohl er in seinen späteren Jahren- allmälig den warmen Ton mit einem kunleren, mehr silbernen vertauschte, und in seiner Ausführung ungleich flüchtiger wurde, malte er gelegentlich, wenn schon im abnehmenden Grade, noch in jenem warmen Ton und auch mit vieler Sorgfalt, wie seine, mit dem Jahr 1638 bezeichneten Bildnisse der Kinder Karl I. (Fig. 50 nach dem Exemplar in der Dresdner Gallerie), Prinz Karl, Prinzessin Marie und der Herzog von York, und der Dichter Thomas Killigrcw und Thomas Carcw, beide in Windsorcastle, beweisen. Sowohl von Bildnissen des van Dyck aus der früheren, als aus der späteren Zeit seines Aufenthalts in England, befinden sich, ausser in den Sammlungen der Königin, in den Privatsammlungen daselbst eine sehr grosse Anzahl und darunter höchst vorzügliche. Ich muss mich indess begnügen, hier die namhaftesten Sammlungen anzugeben, wo dieselben vorhanden sind, wobei ich es mir, da ich, mit wenigen Ausnahmen, sämmtliche Bilder aus eigner Anschauung kenne, und auch weit die Mehrzahl mehr oder minder ausführlich in meinen Treasures besprochen habe, zur Aufgabe gemacht, sie ungefähr nach der Reihenfolge ihrer Wichtigkeit anzuführen. Colonel Windham, Herzog von Marlborough, Herzog von Bedford, Graf Clarendon, Herzog von Devonshire, Graf Pembroke, Graf Fizwilliam, Graf Warwick, Herzog von Buccleugh, Graf de Grey, Graf Spencer, Lord Douglas (Bothwell-Castle), Herzog von Hamilton, Lord Ashburton, Lord Brownlow, Lord Methuen, Herzog von Grafton, Graf Denbigh, Yiscount Galway, Herzog Richmond, Graf Ellcsmere, Graf Radnor, Graf Hardwicke, Graf Darnley, Lord Yerulam, Smith Barry (Marbury Hall).

Schliesslich bemerke ich, dass van Dyck auch eine massige Anzahl von Blättern, mit wenigen Ausnahmen Bildnisse, geätzt hat, welche sich, wie Carpenter richtig bemerkt, durch dieselben Eigenschaften wie seine Bilder, eine richtige Zeichnung von feinem Naturgefühl, eine vortreffliche Auffassung der Individualität, und wahre und graziöse Motive auszeichnen. Diese sind wohl zu unterscheiden von einer grossen Zahl in derselben Grösse nach, braun in braun, gemalten Bildchen des van Dyck, auf seine Kosten von den besten niederländischen Stechern, Lucas Yorstermann u. a., gearbeiteten, aber mit den obigen von ihm herausgegebenen Bildnissen. Jene Bildchen sind jetzt theils in der Pinakothek zu München, theils in der Sammlung des Herzogs von Buccleugh zu London vorhanden.

Unter den Schülern und Nachahmern des van Dyck befindet sich kein Einziger, der ihm in Höhe der Kunst irgend zu vergleichen wäre. Verschiedene haben sich besonders darauf gelegt, seine Bilder, namentlich seine Bildnisse, nach welchen, als häufig von‘ ausgezeichneten Persönlichkeiten, natürlich ein lebhaftes Begehren stattfaud, zu kopiren, und zwar mit solchem Erfolg, dass die Mehrzahl jetzt unter dem Namen des Meisters geht, woraus sich denn das öftere Vorkommen so mancher Bildnisse unter seinem Namen erklärt, Solche sind: Jan -van Reyn, geboren zu Dünkirchen 1610, gestorben ebenda 1678. Er begleitete van Dyck nach England und blieb dort bis zu dessen Tode. Adriaan Hanneman, geboren im Haag 1611, gestorben in Holland. Schon in der früheren Zeit der Regierung Karl I. nach England gekommen, eignete er sich, wie sein Bildniss dieses Königs in der Gallerie zu Wien beweist, mit vielem Erfolg die Kunstweise des van Dyck an. David Beek, geboren zu Arnheim 1621, gestorben im Haag 1656, arbeitete als Gehülfe des van Dyck bis zu dessen Tode. Er hat sicher an vielen Bildern des van Dyck eiuen wesentlichen Autheil, und ohne Zweifel manche von deneu, welche jetzt den Namen des Meisters tragen, unter dessen Aufsicht allein ausgeführt. Ebenso gelang es dem holländischen Maler Weesop, welcher nicht lange vor van Dycks Ende nach England kam, und es 1649 wieder verliess, in der Weise des van Dyck zu arbeiten, und dessen Bilder rnit grosser Genauigkeit zu kopiren.

Eine ungleich bedeutendere Rolle, als allerdiese aber spielte der, im Jahr 1618 zu Soest in Westphalen geborene, 1680 in London gestorbene Peter-, van der Fa es, in England allgemein unter dem Namen Sir Peter Lely bekannt. Obgleich ursprünglich ein Schüler des Peter de Grebber von Haarlem, eignete er sich doch, als er im Jahr 1641 nach dem Tode van Dycks nach England ging, die ganze Kunstweise desselben in dem Maasse an, dass die Bilder aus seiner früheren Zeit, ihm oft sehr nahe kommen. Einen Beweis hiervon liefert das 1643 von ihm ausgeführte Bildniss König Karl I. mit dessen Sohn, dem Herzoge von York, in Sion-house, einem Landsitze des Herzogs von Northumberland, in der Nähe von London, welches in Auffassung, wie in Ausführung so sehr dem van Dyck gleicht, dass ich dasselbe irrig für eine Kopie des Sir Peter nach van Dyck genommen habe. Den eigentlichen Wirkungskreis für seine Kunst fand er indess erst als Hofmaler Karls II. Obgleich er auch in dieser Stellung noch manche sehr gute Bilder ausführte, von denen ich hier nur das Bildniss des Prinzen Rupert in Windsorcastle, Lord und Lady Conibury in der Sammlung des Herzogs von Portland, und fünf weibliche Bildnisse aus dem hohen Adel im Besitz des Grafen von Stamford und Warringtou anführen will, so artete er doch allmälig in der Kunst aus. Seine Auffassung wurde gesucht und bei Fraue fröhnte er in vollem Maasse der in jener Zeit eingerissenen Ueppig-keit, seine Färbung wurde kalt und schwer, seine Ausführung oberflächlich. Yon der erstaunlichen Zahl der in ganz England zerstreuten Bilder dieser Art genügt es, auf die bekannten, sogenannten Schönheiten in Hamptonco urt, welche eine Reihe von Damen aus der Gesellschaft des Hofes von Karl II. vorstellen, zu verweisen.

Während alle diese Maler mehr oder minder in England gearbeitet, haben die folgenden dieses Land nicht besucht, sondern sich in Belgien nach der Kunstweise des van Dyck ausgebildet. Thomas Willeborts, genannt Boschaerts, geboren zu Bergen op Zoom 1613,. gestorben zu Antwerpen 1656. Obgleich ein Schüler des Gerard Zegers, folgte er doch später entschieden und mit gutem Erfolg dem van Dyck. Er steht indess in den lahmeren Compositio-nen, den minder lebendigen Köpfen., und der stumpferen, kälteren Farbe jenem immer beträchtlich hach. Ein gutes Bild von ihm, die Vermählung der heiligen Katharina, befindet sich im Museum zu Berlin, No. 1002.

Theodor Boeyermans, geboren zu Antwerpen 1620, gestorben ebenda 1677 oder 1678. Dieser Künstler ist sowohl in der Composition historischer Bilder, als in der Wahrheit der Portraite von namhaftem Verdienst. Er nähert’sich in seinem, stets warmen und harmonischen, Ton an .Klarheit bisweilen dem van Dyck, wie in seinem Bilde im Museum zu Antwerpen, „L’Ambassadeur“ genannt, No. 403. Was er in der Composition vermocht, zeigt sein Teich von Bethesba, ebenda No. 404. — Peter Thys (gewöhnlich, wiewohl irrig, Tyssens genannt) geboren zu Antwerpen 1616, gestorben ebenda vor dem Juni 1683 bildete sich vorzugsweise in seinen Bildnissen mit sehr gutem Erfolg nach van Dyck aus. Zeugnisse hiervon geben sein, ebenso wrahr aufgefasstes, als wTarm gefärbtes Bildniss des Heinrich von Haimate im Museum von Antwerpen, No. 394, und seine Verehrung der Hostie in der Vermählungskapelle der Kirche St. Jacques ebenda. In seinen historischen Bildern macht sich neben dem Einflüsse des van Dyck.auch der des Caspar de Craeyer bemerkbar. Hierfür sprechen seine Bilder in demselben Museum, der heilige Wilhelm von Aquitanien, welchem Maria erscheint, No. 398, und der heilige Franciscus, welcher von Christus und Maria die Indolgenz der Portiuncula erhält, No. 397.

— ein schwächeres Werk. — Manche seiner Bilder machen durch das Nachwachsen des rothbraunen Grundes im Fleische eine harte und grelle Wirkung.

Ich bemerke hier schliesslich, dass sich auch verschiedene grossbritanische Künstler mit gutem Erfolg der Kunstweise des van Dyck anschlossen. Ich muss mich hier, da das Nähere über sie der Geschichte der Malerei in England angehört, begnügen, ihre Namen zu nennen. Es sind: William Dobson, Henry Stone, gewöhnlich „old Stone“ genannt, James Gandy, der besonders in Irland thätig war, und der Schotte George Jamesone.

Nächst van Dyck gebührt unter den Schülern von Rubens unbedingt dem Jakob Jordaens die erste Stelle. Zu Antwerpen 1593 geboren, genoss er, gleich Rubens, den Unterricht des Adam van Noort und eignete sich jene kräftige, leuchtende, goldige Färbung, jenes meisterliche Helldunkel an, durch welche sich seine Bilder vor Allem geltend machen. Schon im Jahr 1615 wurde er als Maler in Wasserfarben in die Malergilde aufgenommen, und das Jahr darauf heirathete er die Tochter des A. v. Noort. Diese frühe Heirath und das enge Verhältniss, in welches, er bald als Freund und Gehülfe zu Rubens trat, haben ihn verhindert, gleich so vielen belgischen Malern, Italien zu besuchen. Er gelangte in-: dess als Künstler in Antwerpen zu einer sehr geachteten Stellung und führte bis zu seinem, erst 1678 erfolgten, Tode eine ausserordentlich grosse Anzahl von Bildern aus. Obwohl nun in diesen ein starker Einfluss des Rubens unverkennbar ist, so macht sich doch auch sein eignes künstlerisches Naturell in sehr entschiedener Weise geltend. Dieses bestand aber in einem Realismus von ungleich derberer Art, welcher sogar bisweilen in das Rohe und Gemeine ausartet. In seinem um Vieles engeren Kreise der Erfindungen waltete ein Hang zum Komischen und Humoristischen vor. Auch in dem Sinn für Schönheit und Bestimmtheit der Formen steht er jenem weit nach. Dagegen kommt er ihm an Kraft und Klarheit der Färbung, an Meisterschaft in Beobachtung der allgemeinen Haltung gleich, ja in einer gewissen goldigen Glut und der grossen Tiefe des Helldunkels thut er es ihm sogar zuvor. Auch in der Meisterschaft der Behandlung braucht er ihm nicht nachznstehen, desto mehr aber in der Gleichmässigkeit des Impastos. Durch den zu reichlichen Gebrauch der Lasur, ohne die gehörige Unterlage von Deckfarben, haben daher viele Bilder von ihm ein zu unkörperliches , gläsernes Ansehen, und einen einförmigen, honigartigen Ton. Seine Werke sind mithin, sowohl nachdem die Gegenstände seinem Naturell Zusagen, als nach dem Grade ihrer Durchführung, von sehr ungleichem Werthe. Seine Darstellungen aus dem Kreise der heiligen Geschichte befriedigen selten. Zu den besten Bildern dieser Art von ihm gehören, die Anbetung der Hirten im Museum zuAntwerpen No. 335, worin er in dem Kopf der Maria sich zu ungewöhnlichem Adel erhoben hat, und die vier Evangelisten im Louvre, No. 252, tüchtige Charakterköpfe. Auch die Gegenstände aus der Mythologie sagen seinem Talent wenig zu. Das beste, mir dieser Art bekannte Bild von ihm ist Jupiter und Mcrcur bei Philemon und Baucis in der Gallerie zn Wien. Wie Bedeutendes er dagegen auf dem Gebiete der Geschichte und der Allegorie geleistet, beweisen seine Bilder in einem Saal des Schlosses im Busch, in der Nähe vom Haag, welche der Verherrlichung des Prinzen Friedrich Heinrich von Oranien gewidmet sind. Namentlich ist das, diesen Fürsten auf dem, von vier Schimmeln gezogenen, Triumphwagen vorstehende, Hauptbild, von einer imposanten Wirkung nnd einer ausserordentlichen Meisterschaft. Unter seinen so zahlreichen und so beliebten Darstellungen des Bohnenfestes gebe ich dem grossen Bilde in der Gallerie zu Wien den Preis. Es zeichnet sich gleich sehr durch den Keichthum an Zügen einer derben und gemeinen Laune, durch die erstaunliche Kraft und Klarheit, durch die fleissige Durchführung i aus. Von der fast ebenso häufigen Darstellung des Sprichworts „Wie die Alten sungen, so pfeifen die Jungen“ befindet sich ein besonders ausgezeichnetes Exemplar im Museum zu Berlin, No. 879. Als Bildnissmaler zeigt er sich von Seiten der Lebendigkeit und der Farbenglut in dem Bildniss des Admirals Rnyter im Louvre, No. 257, und in einem Mädchen mit einem Papagey in der Sammlung des Grafen Darnley zu Cobham Hall sehr zu seinem Vortheil.

Von den eigentlichen Schülern von Rubens nehmen die folgenden in der Kunstgeschichte eine indessen minder bedeutende, zwar immer ehrenvolle Stelle ein.

Theodor van Tulden, im Jahr 1607 (?) zu Hcrzogenbusch geboren, liess sich in Antwerpen nieder, kehrte aber, nachdem er vor dem Jahr 1635 längere Zeit in Paris beschäftigt gewesen, in seinen späten Jahren nach seiner Vaterstadt zurück, wo er 1676 (?) starb. Sein Talent ist sehr vielseitig, denn er führte, mit vielem Geschick in der Composition, sowohl Vorgänge aus der heiligen

Geschichte, als weitläufigte Werke allegorischen und historischen Inhalts von dekorativem Charakter aus, wie er denn dem Rubens besonders bei den Triumphbögen des Einzugs des Infanten Ferdinand in Antwerpen behülflich war. Ebenso malte er mit Erfolg Vorgänge aus dem gewöhnlichen Leben, als Rimesse , und auch Bildnisse. In den Werken ans seiner früheren Zeit steht er seinem Meister, sowohl in der breiten Formengebung, als in der Kraft und Klarheit der Farbe noch ziemlich nahe. Von dieser Art ist seine im Jahr 1648 ausgeführtc Schmiede des Vulkan in dem Saale des Schlosses im Busch, wo Jordaens gemalt hat, ein Werk in Form und Farbe, von einer grossen Energie. In seiner mittleren Zeit werden die Formen etwas feiner, die, obwohl noch sehr klare, Färbung, etwas kühler. Beispiele hiefür gewähren, sein Christus, welcher nach der Auferstehung der Maria erscheint, im Louvre, Ko. 530, und zwei Bilder allegorischen Inhalts von den Jahren 1654 und 1655 in der Gallerie zu Wien. In den Bildern aus Seiner spätesten Zeit gewahrt mau in den feineren Formen, den graziösen, bisweilen freilich etwas gesuchten, Motiven offenbar den Einfluss der französischen Schule. Gleichzeitig wird die Farbe noch kälter und minder klar. Ein Beispiel dieser Art gewährt der Triumph der Galatea im Museum zu Berlin, No. 955. Besonders vortheil-haft erscheint er in zwei Skizzen zu jenen oben erwähnten Triumphbögen im Museum zu Antwerpen, No. 367 und 368. Ausserdem aber hat dieser Meister eine grosse Anzahl von Blättern mit vielem Geschick radirt. Hauptwerke dieser Art sind seine Blätter nach dem berühmten Bilde seines Meisters, die Amazonenschlacht, jene Triumphbögen, das Leben des Heiligen, Johann ven Matha, nach seinen in Paris ausgeführteu Bildern, und Vorgänge aus der Odyssee nach den jetzt zerstörten Bildern des Niccolo del Abate im Schlosse zn Fontainebleau Abraham van Diepenbecck, geboren zu Herzogenbusch im Jahr 1607, gestorben 1675, schloss sich in der ganzen Form des Realismus, wie in der Färbung dem Rubens besonders eng an, nur hat er weniger Liuiengefühl und weniger Geschmack als jener, und öfter im Fleische in den Lichtem mehr röthliche, in den Halbschatten und den Schatten mehr graue, Töne. Er brachte längere Zeit in Italien zu und soll auch England besucht haben. Von seinen‘ zahlreichen Bildern nenne ich hier nur, aus dem kirchlichen Kreise, seine Verzückung des heiligen Bonaventura im Museum zu Antwerpen, No. 370, aus dem allegorischen, seine besonders üeissig ausgeführte Darstellung der Nichtigkeit alles Irdischen in 4er Gallcrie zu Wien, aus dem historischen endlich seine Cloelia, welche dem Porsenna entflieht, mit lebensgrossen Figuren hn Museum zu Berlin, No. 118. Er war auch eingeschickter Glasmaler. Verschiedene seiner, theilweise schon früher erwähnten, Bilder in diesem Fache zeigen indess, dass er die Technik dieser Kunst nicht mehr inne hatte.  Dass es ihm nicht an einer reichen Erfindungsgabe fehlte beweisen viele, für Kupferstecher ausgeführte, Compositionen, von ¦denen ich hier nur seinen, von Cornelius Bloemart gestochenen, Tempel der Musen nennen will. Endlich führt Mariette auch von ihm ein radirtes Blatt, einen Bauer, welcher einen Esel am Halfter hält an.

Erasmus Quellinus, geboren 1607 zu Antwerpen, gestorben ebenda 1678, war ein Freund des bekannten Gelehrten Caspar -Gevartius, nnd malte nach dessen Angaben und mit,dessen erklärenden Inschriften dekorative Malereien zur Verherrlichung des Friedens zwischen Spanien und England im Jahr 1660, nnd des Einzugs des Statthalters der spanischen Niederlande, Franz de Moura, Marquis vom Castel Rodrigo, in Antwerpen im Jahr 1665. Obgleich er Italien nicht besuchte, gewahrt man in seinen Bildern, sowohl in den Köpfen, als in den Körpern, doch ein Streben nach zierlicheren Formen, als bei seinem Meister Rubens. In ersteren stellt siqh damit öfter eine gewisse Sentimentalität ein. In der Färbung ist er zwar noch meist recht kräftig und öfteu recht glücklich im Helldunkel, doch verlieren seine Farben die alte Klarheit der Schule. Es tritt besonders in den Fleischtheilen ein schwerbräunlicher Ton ein, der bisweilen in Härte ausartet. Seine Compositionen sind von sehr ungleichem Werth. So ist z. B. die Heilung des heiligen Rochus von der Pest in der Kirche des heiligen Jakob zu Antwerpen ebenso gelungen, wie das des Schutzengels, ebenda in der Kirche des heiligen Andreas, verfehlt. Sonst führe ich noch als besonders gute Werke von ihm die beiden Wunder des heiligen Hugo, Bischofs von Lincoln, im Mnseum zu Antwerpen, No. 362 und 363, an.

Jan van den Hoecke, geboren zu Antwerpen 1598, gestorben ebenda 1651, besuchte Italien, arbeitete darauf viel für den Hof in Wien, und kehrte als Maler des Hofes vom Erzherzog Leopold Wilhelm, Statthalter der spanischen Niederlande, in sein Vaterland zurück. 1 Obgleich weniger bekannt, als die vorigen Maler, gehört er doch, sowohl in der Geschichts- als Bildnissmalerei, zu den besten Schülern von Rubens. Er kommt jenem in der Lebendigkeit der Köpfe, wie in der Klarheit und Kraft der Färbung in der Tliat sehr nahe. Für die Geschichtsnialerei beweist dieses sein heiliger Franciscus in der Verehrung des ihm von der Maria dargereichten Kindes im Museum zu Antwerpen, No. 342, für die, mit der Allegorie verbundene, Bildnissmalerei, das stattliche Reiterbildniss des Erzherzogs Leopold Wilhelm mit der Fama und einem Genius, welche indess ungleich schwächer sind als das-Bildniss, und derselbe Fürst in Verehrung der Maria, in der Gal-lerie zu Wien.

Cornelius Schut, geboren zu Antwerpen 1597, gestorben 1655, war ein sehr rüstiger Maler, sowohl auf dem Gebiete der damals so beliebten dekorativen Malerei allegorischen Inhalts, deren er vier für die Triumphbögen des Kardinal Infanten in Gent ausführte, als für kirchliche Gegenstände. Er malte besonders häufig die Figuren in der Mitte der Blumengehängc des berühmten Pater Seghers, oder richtiger Zegers. Obgleich man in seinen Bildern häufig die Motive seines Meisters wieder erkennt, so ist er doch, oft nicht glücklich in seinen Linien, und.herrscht vielfach in seinen Formell und Köpfen ein keineswegs erfolgreiches Streben nach Idealität. Hiezu kommt, dass er im Gefühl als schwächlich erscheint, dass die Lichter öfter kalt, die Schatten dunkel, die Umrisse hart sind. Als Beispiele seiner Malerei werden die Einsetzung des Festes der Portiuncula, No. 339, die Enthauptung des heiligen Georg, No. 340, im Museum zu Antwerpen, so wie die Maria mit dem Kinde in einem Bilde des vorhin erwähnten Daniel Zegers, und Hero, welche den Leander beweint, in der Gallerie zu Wien genügen. Schut hat sich auch als Kupferstecher in einem Werk über jenen Einzug des Kardinal Infanten, wozu er sämmtliche 41 Zeichnungen gemacht, hervorgethan.

Die folgenden Schüler des Rubens nehmen eine untergeordnete Stellung ein, verdienen indess immer eine Erwähnung.

Deodat van der Mont, gewöhnlich Delmont genannt, geboren 1581, gestorben 1644, war wohl ohne Zweifel der älteste Schüler des Rubens, indem er sich schon als solcher bei ihm während seines Aufenthalts in Italien, 1600 —1608, befand. Seine Bilder sind jetzt sehr selten geworden. Das einzige mir bekannte, eine Verklärung Christi im Museum zu Antwerpen, No. 300, beweist indess, dass er nicht zu den ausgezeichneten Schülern des grossen Meisters gehört.

Frans Wouters, geboren 1614, gestorben 1659. Er folgte entschieden der realistischen Richtung seines Meisters, verräth aber in seinem, übrigens warmen und klaren, Ton eine grössere Verwandtschaft zu van Dyck. Er fand besonderes. Gefallen daran,, waldigte Landschaften zu malen , welche er, ganz im Geschmack seines Meisters, mit Vorgängen aus der antiken Mythologie, als mit Diana und ihren Nymphen, Pan und Syrings, Venus und Adonis staffirte. Dass er aber auch heilige Gegenstände mit Erfolg behandelte, beweisen seine beiden Heiligen, Joachim und Joseph, in der Gallerie zu Wien.

Justus van Egmond, geboren 1602, gest. 1674, widmete seine Thätigkeit, so lange der Meister lebte, fast durchaus der Hülfsleistung in dessen Werken und hat besonders einen grossen Antheil an der Ausführung der langen Folge von Bildern aus dem Leben der Maria von Medici. Dass er jedoch, wenigstens im Fach der Bildnissmalerei, auch selbstständig ein sehr achtbarer Künstler war, beweisen zwei Portraite des Königs Philipp IV. von Spanien in der Gallerie zu Wien, deren das eine ihn in jüngeren, das andere, grössere, in späteren Jahren vorstellt. Beide sind recht lebendig und von sehr klarer, das zweite auch von sehr warmer Farbe. Der sorgfältige Vortrag ist indess etwas glatt.

Gerard van Herp, geboren zu Antwerpen 1604, hat vornehmlich , unter den vielen Seiten seines Meisters Rubens, die der Genremalerei aufgefasst und, als guter Zeichner und im Besitz des Kolorits und der trefflichen Technik der Schule, iu Bildern von massigem Umfang, meist.das Innere von Häusern mit Landleuten, ausnahmsweise aber, in demselben Maassstabe, auch Gegenstände aus der heiligen Geschichte gemalt. Die Gallerie in Berlin besitzt von ihm, No. 927, den Bauer und den Satyr, wo er eine Composition des Jordaeus benutzt hat, die Gallerie Aremberg in Brüssel unter No. 83, eine Bauemfamilie. Seine Farbe hat indess nie die Kraft und Tiefe des Meisters.

Pieter van Mol, geboren 1599 , gestorben 1650 zu Paris, war in allen Theilen ein getreuer, aber im Gefühl geistloser, in der Färbung schwerer und wenig harmonischer, in den Umrissen harter Nachahmer des Rubens. Beispiele hierfür gewähren seine Anbetung der Könige im Museum zu Antwerpen, No. 350, und seine Kreuzabnahme im Louvre, No. 338.

Jan Thomas, geboren zu Vpern 1610, gestorben 1673, setzte sich nach seiner Rückkunft aus Italien in Wien, wo er Hofmaler des Kaisers Leopold wurde. Ein Bild von reicher Composition, der Triumph des Bacchus, in der Gallerie zu Wien vom Jahr 1656, lässt zwar seine Schule noch erkennen, zeigt indess in dein Streben nach zierlicheren Formen den Einfluss der italienischen. Kunst anf ihn. Zugleich hat er aber die Klarheit seiner, übrigens immer noch warmen, Färbung eingebüsst. Eine kleine Zahl von radirten Blättern beweisen sein ungewöhnliches Geschick im Componiren.

Victor Wolfvoet ist ein Schüler von Rubens aus Antwerpen, von dem indess nur ein beglaubigtes Bild von guter Färbung in der Kirche St. Jacques zu Antwerpen bekannt ist, welches die Heimsuchung Mariä vorstellt.

Nicolas van der Horst, geboren 1598 zu Antwerpen, gestorben 1646 zu Brüssel, wo er sich nach seiner Rückkehr aus Italien niedergelassen hatte, soll nur einen massigen Grad in der Kunst erreicht haben. Ich habe nie ein Bild von ihm zu Gesicht bekommen. Dasselbe gilt auch von dem, den Kunstfreunden durch seine geistreichen Radirungen bekannten, Willem Pannels, und dem berühmten Kupferstecher nach Rubens, Peter Soutraan, geboren 1590, gestorben 1653, welcher vornehmlich Bildnisse gemalt hat. Endlich ist auch noch ein Ausländer als Schüler von Rubens zu erwähnen. Samuel IIoffmann, zu Zürich im Jahr 1592 geboren, setzte sich später in Frankfurt, wo er 1648 starb. Er war Historien- und Portraitmaler. Ich habe indess von ihm nur ein weibliches Bildniss im Städel’sehen Institut in Frankfurt, No. 273, zu Gesicht bekommen. Hiernach aber ist er sehr tief unter seinem Meister geblieben. Die Auffassung ist mässig, die Färbung trüb, die Lichter von einem unangenehmen Metallglanz.

Wenn schon in der ersten Generation nach Rubens in Belgien eine entschiedene Abnahme in der Historienmalerei zu gewahren ist, so trat diese vollends sehr entschieden bei den Malern ein, welche in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts blühten. In Antwerpen war der namhafteste Maler dieser Zeit Jan Erasmus Quellinus, ein Sohn des früher erwähnten Erasmus, welcher 1634 geboren, 1715 (?) starb, und durch einen Besuch von Italien, namentlich durch das Studium des Paolo Yeronese, mit vielem Geschick weitläuftige Compositionen von grossem Umfang behandelte. Doch ist er wenig ansprechend im Gefühl und seine Färbung, obwohl sehr kräftig, zeigt durch den kalten, schwerbraunen Ton, dass die Schule einen ihrer Hauptvorzüge, die warme, klare Farbe, eingebüsst hat. Zwei Hauptbilder von ihm sind, die Krönung Karl Y. zum römischen Kaiser durch den Papst Clemens YH. in der Gallerie zu Wien, worin man besonders deutlich jenen Einfluss der venezianischen Schule wahrnimmt, und die sehr reiche Composition des Teiches Bethesda im Museum zu Antwerpen, Ko. 419. Der Kunstwerth dieser letzteren ist indess ungleich geringer.

In Brügge war die Schule noch ziemlich spät nicht unwürdig durch Jacob van Oost den älteren, geboren 1600, gestorben 1674, vertreten. Obwohl er während seines Aufenthalts in Italien einen entschiedenen Einfluss des Annibale Carracci erfahren hatte, gewahrt man doch, sowohl in der realistischen Auffassung, als namentlich in der warmen, klaren und kräftigen Färbung, welche bald an C. de Crayer, bald an van Dyck erinnert, dass er im Wesentlichen der vaterländischen Schule treu geblieben ist. Unter den verschiedenen Bildern von ihm, welche sich in den Kirchen zu Brügge befinden, zeichnen sich besonders die 1648 ausgeführte Darstellung der Maria im Tempel auf einem Altar in der Kirche St. Jacques, und die halben Figuren von Petrus und Paulus in einer Familienkapelle der Kirche St. Sauveur aus. Er malte auch gelegentlich vortreffliche Portraite.

Zu derselben Zeit brachte Brüssel in dem, im Jahr 1602 geborenen, Philipp de Champaigne einen ungleich berühmteren Künstler hervor. Obwohl er schon mit neunzehn Jahren nach Paris ging, dort einen starken Einfluss der französischen Schule empfing und vor seinem, im Jahr 1674 erfolgten, Tode nur noch einmal, nämlich im Jahr 1627, auf einige Zeit nach Brüssel zurückkehrte, scheint es doch unbillig ihn der niederländischen Schule zu entziehen. Einmal war sein Hauptmeister der Landschaftsmaler Jan Waagen, Handb. d. Malerei. II.

Fouquier, ein Niederländer, und dann athmen seine meisten Portraite in dem feinen und wahren Naturgefühl, in der bald kräftigen und warmen, bald zarten und mehr silbernen Färbung durchaus den Charakter dieser Schule. In seiner früheren Zeit malte er auch Landschaften von poetischer Erfindung und auf eine bedeutende Weise durch Figuren belebt Der Art sind zwei Bilder mit Vorgängen aus dem Leben der Einsiedlerin Maria im Louvre, No. 84 und 85, von warmer Färbung, welche jedoch in einigen Theilen nachgedunkelt haben. Das Werk, worin sich indess sein reines Gefühl für Frömmigkeit und für Naturwahrheit auf das Glücklichste vereinigen, ist die, im Jahr 1662 gemalte, Darstellung seiner schwer kranken Tochter, welche als Nonne in das Kloster zu Port-Royal getreten war, und der für sie betenden Mutter Katharina Agnes Arnauld, in Folge dessen sie genass, ebenda No. 83. Die Motive sind ergreifend, der Ausdruck der Köpfe ebenso lebendig, als rührend, die Haltung in einem sehr feinen, klaren Ton trefflich, die Ausführung ungemein fleissig. Was Champaigne aber im eigentlichen Portrait leisten konnte, beweisen folgende Bilder. Sein 1650 gemaltes Bildniss des Robert Arnaud d’Andilly, berühmten Schriftstellers vom Port-Röyal, No. 88.1 Zu einer ebenso edlen als wahren Auffassung kommt der hier im vollen Licht durchgeführte Goldton. Von seltner Schönheit ist besonders die eine Hand. Sein eignes, im Jahr 1668 gemaltes, Bildniss, ebenda No. 89. Der gutmüthige und sinnige Charakter ist darin trefflich wiedergegeben, die Malerei in einem ebenfalls warmen, aber etwas minder klaren Ton, breit und meisterlich. In anderen Bildern, wie dem Abendmahl, No. 77, und den Vorgängen aus den Legenden der Heiligen Gervasius und Protasius, No. 80’ und 81, ist er dagegen ganz von der theatralischen Richtung der französischen Schule befangen und verfällt zugleich auch in der Färbung in das Bunte.

Auch Lüttich, die Hauptstadt des wallonischen Belgiens, brachte um diese Zeit zwei achtbare Maler hervor, welche sich indess beide, wie schon früher Lambert Lombard, im Gegensatz des sonst in Belgien so allgemein verbreiteten Realismus, einer mehr ideellen Richtung zuwendeten. Der 1594 geborene, 1660 gestorbene, Ge-rard Douffet (auch Duffeit geschrieben), besuchte zwar zwei Jahr die Schule von Rubens, gab sich jedoch während seines Aufenthalts in Italien so gänzlich der Nachahmung der Italiener hin, dass man den Einfluss der ersteren nur noch in dem warmen Fleischton seiner lebendig aufgefassten und gut gezeichneten Bildnisse, deren die Pinakothek zwei männliche besitzt, No. 183 u. 226, erkennt. In seinen historischen Bildern zeigt er dagegen zwar ein ungemeines Geschick in der Anordnung, eine tüchtige Zeichnung, in den Köpfen öfter edle Formen, und einen wahren Ausdruck, doch verrathen die Formen der Körper zu sehr das akademische Studium, sind die Gewänder sehr mittelmässig, die Färbung unwahr, bunt, ja bisweilen kreidig. Eins seiner Hauptwerke ist das grosse Bild des Besuchs des Grabes des heiligen Franciskus von Pabst Nikolaus V. in Schleisheira. Ein anderes grosses Bild ebenda, „die Erhebung des Kreuzes durch die heilige Helena, ist ungleich schwächer.

Ein Schüler von diesem war der ebenfalls in Lüttich, im Jahr 1614 geborene und 1675 gestorbene, Bertholet Flemael, welcher ebenfalls Italien besuchte und auch in der Karmeliter- und Augustinerkirche in Paris mit sehr grossem Beifall arbeitete. Nach seiner Rückkehr in Lüttich malte er für verschiedene Kirchen. Seine historischen Bilder zeigen den starken Einfluss der französischen Schule, namentlich des Nicolas Poussin. Es fehlt ihm nicht an Talent für die Composition, doch sind seine Formen akademisch, sein Gefühl kalt, seine Färbung schwach. Die Gallerie zu Dresden besitzt von ihm Pelopidas, welcher sich gegen die Lacedämonier rüstet, No. 955. Yon seinen Portraiten, welche zu seiner Zeit beliebt waren, habe ich keins zu sehen bekommen.

Ungleich berühmter als diese beiden, ist der etwas spätere Gerard de Lairesse, geboren 1640, gestorben 1711. Er war zwar ein Schüler seines Vaters, Regnier de Lairesse, bildete sich aber vornehmlich nach Bertholet Flemael. Vor allen übte indess Nicolas Poussin auf ihn einen entscheidenden Einfluss aus. Da er, obwohl er früh nach Holland übers’iedelte und auch dort gestorben ist, sieh durch die daselbst herrschende, realistische Richtung in seiner, bereits völlig ausgobildeten, idealistischen, im Ganzen nicht irre machen Hess, gehört er ungleich mehr dieser Schule von Lüttich an. Im Besitz einer ungewöhnlichen wissenschaftlichen Bildung, behandelte er mit besonderer Vorliebe Gegenstände aus der Mythologie, der alten Geschichte und der Allegorie, wobei er eine genaue Kenntniss des Kostüms und der von ihm fleissig stu-dirten Architektur zu Tage legte. Am wenigsten gelangen ihm Gegenstände aus dem biblischen Bilderkreise. Seine Köpfe werden in dem zu sichtlichen Bestreben der Nachahmung des antiken Schönheitsprofils, einförmig, und sind überdem meist kalt im Gefühl. Sein Bestreben nach Grazie der Bewegung führte ihn öfter zum Gesuchten. In den Proportionen seiner Figuren ist er meist zu kurz, in den Falten seiner Gewänder herrscht dagegen meist ein gewählter Geschmack, und in der Haltung öfter eine feine Luftperspektive. In der Färbung ist er häufig kalt, und wenn warm, doch meist etwas schwer. .In der sehr verschmolzenen Ausführung endlich ist er fleissig und von grosser Meisterschaft. Weit auf der Mehrzahl seiner Bilder sind die Figuren nur klein. Seine ganze Kunstweise bat er auch in verschiedenen Schriften gelehrt, welche lange Zeit in den Kunstakademien als Lehrbücher benutzt worden sind.Im Louvre sind einige Bilder von ihm, welche ihn in seinen verschiedenen Richtungen zeigen. Am günstigsten erscheint er in dem Rundtanz eines Bacchanten mit sechs Kindern, No. 265. In den Gestalten herrscht eine fröhliche Lebenslust, die Beleuchtung ist warm, die Vollendung sehr delikat. In der entschieden genreartigen Auffassung der lebendigen Köpfe, dem klaren und warmen Ton eines Herkules am Scheidewege, No. 266, erkennt man einen vorübergehenden Einfluss der holländischen Schule. Ein Abendmahl, No. 263, ist dagegen im Gefühl sehr frostig, in der Farbe schwer. Besonders charakteristische Bilder in seinem Silberton sind die Ernennung des Kaisers Alexander Severus als Knaben zum Caesar, No. 480, und Achill von Thetis in Styxwasser getaucht, No. 481, im Museum zu Berlin. Das beste, mir bekannte Bild des Meisters in derselben Richtung ist jedoch der Tod des Germanicus, No. 603, in der Gallerie zu Cassel. Dass er auch gelegentlich ein sehr gutes Portrait in Lebensgrösse gemalt, zeigt das Kniestück eines Mannes, ebenda No. 604. Es ist edel aufgefasst und warm kolorirt. Er hat auch eine grosse Zahl von Blättern mit einer leichten Nadel radirt, deren viele zu Illustrationen seiner Lehrbücher dienen.

Unter den Künstlern, welche in dieser Epoche in Belgien die Genremalerei in der ganz vollendeten Kunstform anbauten, zeichneten sich besonders die Folgenden aus.

David Teniers der Vater, geboren 1582 zu Antwerpen, gestorben 1649, bildete sich während eines längeren Aufenthaltes in Rom vorzugsweise nach Elzheimer aus. Er malte zwar hauptsächlich Vorgänge aus dem Leben der Landleute, doch gelegentlich auch aus der heiligen Geschichte und der Mythologie. In vielen seiner Bilder ist die Landschaft vorwaltend. Er macht den Übergang der Genremaler aus der vorigen Epoche zu dieser. Seine früheren Bilder erinnern in der Schwere des Tons, der Buntheit der Färbung, der Härte der Umrisse noch an die Bilder der Franks. Dieser Art sind besonders die sechs Bilder, welche die Gallerie zu Wien von ihm besitzt. In seinen späteren näherte er sich in der Freiheit der Behandlung, wie in der Gesammthaltung etwas mehr der Weise seines Sohns. Von dieser Art sind eine Dorfkirmes, No. 860, und eine Landschaft mit Hirten, No. 859, in der Gallerie zu Dresden. Sehr häufig werden indess frühere, oder auch schwächere Bilder seines berühmten Sohnes ihm beigemessen.

Unter den Genremalern, welche Belgien hervorgebracht hat, nimmt dieser, David Teniers der jüngere, bei weitem die erste Stelle ein. Im Jahr 1610 geboren, lernte er die Malerei bei seinem Vater. Ohne im eigentlichen Sinne des Worts sein Schüler zu sein, erfuhr er indess offenbar auch einen starken Einfluss von Rubens. Schon von dem Jahr 1632 zu 1633 wurde er zur Meisterschaft , als Sohn eines Meisters in der Malergilde zugelassen, 2 und schon 1637 heirathete er eine Tochter des Jan Breughel, wobei Rubens einer der Zeugen war, und nach deren Tode im Jahr 1656 zum zweiten Mal Isabelle de Fren, Tochter des Sekretairs des Raths von Brabant. Vermöge seines Talents und seiner ansprechenden Persönlichkeit gelangte er auch sonst zu einer so angesehenen, gesellschaftlichen Stellung, wie kein anderer Genremaler der niederländischen Schule, denn der Erzherzog Leopold Wilhelm, Statthalter der spanischen Niederlande, machte ihn zu seinem Hofmaler, und zum Aufseher seiner Gemächer (aiuda de camera), wie seiner Bildergallerie, und auch dessen Nachfolger, Don Juan von Oesterreich, der natürliche Sohn Philipp IV. von Spanien, bestätigte ihn in den beiden ersten Aemtern. Dabei genoss er als Maler eines europäischen Rufs, so dass, ausser vielen anderen grossen Herrn, jener König von Spanien, die Königin Christine von Schweden, der Kurfürst von der Pfalz, ihn mit Bestellungen überhäuften, wodurch er ein ansehnliches Vermögen erwarb, und zu Perke, einem Landgut zwischen Mecheln und Vilvorde, ein angenehmes Haus machte. Er starb, bis zuletzt thätig, im Jahr 1694, in dem hohen Alter von 84 Jahren.

Wie einer der ersten, so war Teniers auch einer der ausgezeichnetsten, welcher die, alle Mittel der Darstellung, sowohl eine allgemeine Haltung, als eine leichte und freie Behandlung, mit Sicherheit beherrschende, Malerei in seinem Vaterlande auf Gegenstände aus dem gewöhnlichen Leben, oder mindestens, wenn darüber hinausgehend, doch in der Sphäre der Auffassung derselben, in Anwendung brachte. Wenn schon, sein Lieblingsgebiet die höchst lebenvolle Darstellung der Bauernwelt in ihren verschiedensten Zuständen war, von dem Einzelnen, welcher in seinem kleinen Stübchen seine Pfeife schmaucht, bis zu den Kirmessen und Jahrmärkten, wo sich eine Unzahl von Figuren zusammenfinden, so behandelte er doch auch, in Nachfolge so mancher Bilder seines Oheims, des Höllenbreughel, und seines Schwiegervaters des Sammtbreughcl, mit einem sehr ergötzlichen Humor, Vorgänge aus dem phantastischen Gebiete, Scenen von Hexen und Zauberern, so wie ganz besonders die Versuchung des heiligen Antonius. Die in seiner Zeif* so verbreitete Sucht Gold zu machen, gab ihm Veranlassung, auch mit vielem Erfolg Alchymisten bei dieser Arbeit darzustellen. Ein anderer Lieblingsgegenstand von ihm sind Waehtstuben. Gelegentlich malte er auch Viehstücke, oder Landschaften mit einem ungemein feinen Naturgefühl. Am wenigsten eignete sich sein Talent zur Darstellung von Gegenständen aus der heiligen Geschichte. Da man in letzteren dieselben Charaktere findet, wie in seinen Bauernstücken und es auch an jeder Erhebung des Gefühls fehlt, machen sie bisweilen zwar einen humoristischen, meist aber einen langweiligen Eindruck. Bei seiner ausserordentlichen technischen Gewandtheit gelang es ihm ganz ungemein, die verschiedensten Meister nachzuahmen, oder sogenannte Pasticios zu machen. Seine Stellung als Aufseher der Gallerie des Erzherzogs, welche Meisterwerke aus allen Schulen besass, gewährte ihm hierzu eine unvergleichliche Gelegenheit. Mit besonderer Vorliebe ahmte er indess die grossen Meister der venetianischen Schule, einen Giorgione, Tizian, Bassano und Tintoretto nach. Ja er nahm Veranlassung, jene Galleric selbst zum Gegenstand von Bildern zu machen, wie denn die Gallerie zu Wien ein treffliches Werk dieser Art besitzt, worin er fünfzig Gemälde der italienischen Schule und sich selbst in Verhandlung über Bilder mit dem Erzherzog dargestellt hat. Endlich malte er noch sehr häufig Figuren in den Bildern von andern Landschaftsmalern, als Lucas van Uden. Die Eigenschaften, welche in den Bildern des Teniers am meisten anziehen, sind der ungemeine Sinn der malerischen Anordnung, die feine abgewogene Gesammthaltung, mit den schönsten Farbenakkorden im Einzelnen, und die leichte und geistreiche Touche, welche die einzelnen Pinselstriche unvermalt stehen lässt. Hierin hat es ihm kein anderer Genremaler gleichgethan. Dagegen kann der oft so ergötzliche Humor doch nicht eine gewisse Kälte des Gefühls ersetzen, und herrscht in seinen Formen und Köpfen eine gewisse Einförmigkeit, welche besonders in seinen Bildern mit vielen Figuren auffällt. Da bei diesen noch bisweilen eine gewisse Absichtlichkeit der Anordnung wahrzunehmen ist, so sind es doch im Ganzen Bilder mit wenigen Figuren, worin er seine grössten Triumphe feiert. Zwischen den Gemälden aus den verschiedenen Zeiten seines langen Lebens findet indess ein sehr grosser Unterschied statt. In denen der früheren Zeit waltet ein etwas schwerbrauner Ton vor, die Figuren sind meist ungewöhnlich gross, etwa 12—18 Zoll, die Behandlung ist breit und etwas dekorativ. In diesen ist ein gewisser Einfluss des Brouwer wahrzunehmen, wenn es gleich sicher irrig ist, Teniers zu einem eigentlichen Schüler desselben zu machen. Gegen das Jahr 1610 wird die Färbung klarer, und geht von dieser Zeit bis zum Jahr 1644 in einen sehr lichten Goldton, von da ab aber in einen kühlen Silberton über. Hierzu kommt eine fleissigere und höchst präcise Behandlung. Bilder in dieser Weise, worin er etwa bis zum Jahr 1660 malt, aber gelegentlich auch zu jenem licht-goldnen zurückkehrt, sind, als die schönsten und eigenthümlichsten von ihm, am meisten geschätzt. Später tritt mehr ein entscliieden goldiger Ton ein, der bisweilen sehr kräftig ist. In seiner letzten Zeit wird der Ton wieder schwer bräunlich, die Behandlung unsicher und zitterich. Es versteht sich, dass ich von der erstaunlichen Zahl von Bildern, welche er bei der unglaublichen Leichtigkeit im Produciren, und bei einem so langen Leben ausgeführt hat, verhältniss-mässig nur wenige im Einzelnen anführen kann. Ich bemerke zuvörderst im Allgemeinen, dass von den mir bekannten Gallerien die zu St. Petersburg, Paris, Wien und München am reichsten mit trefflichen Bildern des Teniers besetzt sind, dass sich aber eine grosse Anzahl nicht minder schöner in den verschiedenen Privatsammlungen Englands befindet. Yon den Bildern im Louvre führe ich an, eine Wachtstube, No. 511, in deren Hintergründe der, Christus, verleugnende, Petrus, vom Jahr 1646. Eines der schönsten Bilder des Meisters in dem silbernen Ton, wie im Impasto und Delikatesse der Behandlung. — Der verlorene Sohn bei den Freuden der Liebe, und der Tafel, vom Jahr 1644, No. 512. In der Composition, in dem feinen, lichten Goldton, in geistreicher Behandlung, ein Werk ersten Rangs. Ein Bauernfest vom Jahr 1652, No. 515. Eine reiche, im Goldton meisterlich ausgeführte Composition, worauf Teniers selbst und eine Tochter. Die sieben Werke der Barmherzigkeit, No. 513. In der Sphäre der Bauernwelt des Künstlers aufgefasst. Yon den vier trefflichen Exemplaren dieses Bildes ist dieses in der Klarheit des warmen Tons, in der höchst fleissigen Ausführung, eins der vorzüglichsten. — Eine Landschaft mit Fischern, welche ihr Netz aufziehen, No. 516, führe ich als ein besonders glückliches Beispiel jener grösseren und breiter behandelten Bilder an. Die Wirkung von Regen und Sonnenschein ist hier vortrefflich. Als ein sehr wahrer Thiermaler erscheint er endlich in zwei Falken, welche einen Reiher bewältigen, No. 520. Yon den Bildern in der Pinakothek hebe ich hervor: Eine Zech- und Trinkgesellschaft von zehn Personen, No. 193. Cabinette. Höchst meisterhaft im Silberton durchgeführt! — Eine Affenmahlzeit, No. 194, und ein Affen-und Katzenkonzert, No. 195, sind von derselben Feinheit des Tons und von sehr glücklichem Humor. — Tanzende und spielende Bauern in einer holländischen Wirthsstube, No. 248. Aus derselben Zeit und von ähnlichem Ton, dabei besonders glücklich componirt* und die Figuren, unerachtet ihrer etwas grösseren Verhältnisse* sehr delikat behandelt. — Eine Bauernhochzeit im Freien vom Jahr 1651, No. 249. Yon der Qualität des vorigen, nur in der Composition reicher, im Ton etwas wärmer. — Eine Rauch- und Spielgesellschaft um einen runden Tisch, No. 252. Dieses wunderschöne , sich dem vorigen eng anschliessende, nur wieder etwas wärmere, Bild ist leider durch Putzen sehr angegriffen. Ein minder bedeutendes, doch für die derb energische Auffassung sehr bezeichnendes Bild, ein Bauer, welchem etwas am Kopfe operirt wird, aus dem Museum zu Madrid, ist hier (Fig 51) gegeben. Von den Bildern in der Gallerie zu Wien bemerke ich: Eine Bauernhochzeit mit d. J. 1648 und dem Kamen bezeichnet. Von allen Bildern mit ungewöhnlich grossen Figuren wohl sein Meisterstück. Die vorderen Figuren, im vollen Licht, sind sehr fleissig in einem klaren Goldton ausgeführt, der Hintergrund mit seltner Feinheit in der kühlen Harmonie gehalten. — Eine Kirmess, worauf auch Teniers und seine Familie. In Anordnung, sonniger Klarheit, geistreicher Touche, das schönste mir bekannte Bild dieses Gegenstandes des Meisters. — Das Volksfest des Vogelsehiessens in Brüssel im Jahr 1652, wobei der Erzherzog Leopold Wilhelm von der Brüsseler Sehützengilde eine Ehrenarmbrust erhielt. Unter den vielen Bildnissen aueh die von Teniers und seiner Familie. Bezeichnet und datirt 1652. Unter den Bildern von grossem Umfang (4 F. 5 Z. hoeh, 7 F. 9 Z. breit) ohne Zweifel sein Meisterstück. Die feine Einsieht in der Anordnung der sehr ansehnlichen Anzahl von Personen, die Haltung vermittelst der grossen Massen von Lieht und Schatten, die Lebendigkeit der zahlreichen Portraite, die meisterlieh breite, aber doch fleissige Behandlung aller Theile, verdienen in der That die grösste Bewunderung. — Eine mit Sehnee bedeekte Winterlandsehaft zeigt dureh die ausserordentliche Wahrheit, die Klarheit der winterlichen Luft, dass er auch solehen Gegenständen durchaus gewachsen war.- — Unter den Bildern biblisehen Inhalts ist in Rücksieht der meisterliehen Behandlung das, mit dem Namen und 1653 bezeiehnete, Opfer Abrahams eines der ausgezeichnetsten, dasselbe gilt von der mit dem Namen und 1647 bezeiehneten Versuchung des heiligen Antonius im Museum zu Berlin, No. 859. Unter den zahlreichen Vorstellungen dieses Gegenstandes von Teniers, wohl unstreitig die vorzüglichste.

Alle die verschiedenen Richtungen und Epoehen von Teniers sind indess am vollständigsten und glänzendsten in der Eremitage zu St. P e-tersburg vertreten, welche von ihm mehr denn dreissig Bilder aufzuweisen hat. Die erste Stelle nimmt hievon das, mit 1643 bezeiehnete, vormals in Cassel befindliche,Fest der Armbrüstsehützen und der Hellebardiere von Antwerpen ein. Näehst dem oben besprochenen Bilde des Sehützenfestes in Brüssel zu Wien, ist es unter den grossen Bildern (4 F. 372 Z. hoch, 5 F. 11 Z. breit) von Teniers das bedeutendste. Allerdings steht es jenem in der Kunst der Anordnung und in der Feinheit der Haltung nahe, denn die auf dem Markt von Antwerpen aufmarschirten Genossenschaften, deren Vorsteher sieh in der Mitte begrüssen, bilden nur eine lange Linie. Dagegen sind die portrait-artigen Köpfe, unter welehen sieh der Künstler und seine Familie, sowie andere ausgezeichnete Künstler der Zeit befinden, wieder jenem an Wärme und Wahrheit des Tons überlegen. Keine andere Gallerie besitzt zunächst eine solehe Reihe von Kirmessen und sonstigen ländlichen Festlichkeiten von so ausgezeichnetem Kunst-werthe. Hier findet der Kunstfreund verschiedene der ihm aus den Stichen von Le Bas bekannten Compositionen, so wie eine der grössten und schönsten, mit 1643 bezeichneten, Wachtstuben. Aber auch an Bildern mit wenigen’ Figuren sind hier verschiedene ersten Ranges vorhanden. Eine Landschaft mit Fischern und ein Seehafen, beide im feinsten Silberton, zeigen ihn endlich auch iu diesen Fächern der Malerei als einen vortrefflichen Meister.

In Betreff der vielen Meisterwerke des Teniers, welche sich in England befinden, bemerke ich nur, dass sich dort an Zahl und Trefflichkeit keine Sammlung mit der der Königin im Buckinghäm-palace messen kann, nächstdem aber die Sammlungen von Sir Robert Peel, von Lord Ellesmere, Lord Ashburton, Thomas Baring Esq., Lord Overstone, besonders vorzügliche besitzen. Ich gehe hier indess nicht näher auf eine Würdigung der einzelnen ein, theils, weil die meisten nicht leicht zugänglich sind, theils, weil ich auf die Besprechung in meinen Treasures verweisen kann,1 wo ich auch noch über eine Reihe anderer, in England befindlicher, Bilder dieses Meisters Rechenschaft gegeben habe. — Teniers hat auch eine grosse Zahl von Blättern radirt, welche in der Erfindung sämmtlich treu mit seinen Bildern übereinstimmen, in der Ausführung aber von sehr verschiedenem Werth sind. In einem, einem Mann im Profil, in einer Nische eine Sanduhr, hat er mit gutem Erfog den Rembrandt nachzuahmen gesucht. Fünf Bauern um einen Tisch in seiner eignen Art, sind fleissig und geistreich. Viele sehr kleine Blätter sind dagegen sehr flüchtig behandelt.

Sowohl die, besonders für Künstler anziehenden, Eigenschaften der Werke des Teniers, als die grosse Gunst, in welcher sie bei dem kunstliebenden Publikum s.tanden, veranlasste nicht allein einige Schüler, sondern auch andere Maler, seine Manier möglichst getreu nachzuahmen. Hierbei trugen sic öfter kein Bedenken, seinen Namen auf ihre Bilder zu setzen. Verschiedentlich sind aber auch, wenn sic die Bilder mit ihren eigenen Namen bezeichnet hatten, diese von Kunsthändlern mit dem Namen des Teniers vertauscht worden. Daher kommt es, dass so wenig beglaubigte Bilder von diesen Schülern Vorkommen, woher es dann sehr schwer hält, sich eine zuverlässige Kunde von der eigenthümlichen Kunstweise eines jeden zu verschaffen. Alle aber unterscheiden sich von dem Meister durch die geringere Klarheit und die minder freie und geistreiche Pinselführung, wie ungleich sie auch in diesen Beziehungen wieder untereinander sind. Als reine Nachahmer des Teniers erscheinen folgende Schüler von ihm. Abraham Teniers, ein Bruder von ihm, geboren 1619, gestorben 1691. Michael Abshofen, de Hondt und Arnold van Maas.

Obwohl ebenfalls ein Schüler des Teniers. und ihm bisweileu zum Verwechseln in seinen Bildern ähnlich, nimmt der, 1625 in Brüssel geborene, Frans Duschastel doch ihm gegenüber eine selbständigere Stellung ein, indem er während eines Aufenthalts in Frankreich auch einen Einfluss von van der Meulen erfuhr. Einen Beweis hiefür liefert sein, im Museum zu Gent befindliches Hauptwerk von grossem Umfang, welches die Huldigung Carls II.r Königs von Spanien, als Graf von Flandern darstellt, so der Statthalter, Marquis von Castel Rodrigo, im Jahr 1 66 6, von den Ständen zu Gent empfing. Es ist mit dem Namen des Künstlers und dem Jahr 16 68 bezeichnet, und, sowohl durch die allgemeine Haltung, als durch die grosse Zahl lebendiger und trefflich gemalter Portraite, von namhaftem Kunstwerth. Ein anderes Bild von ihm ist das Panorama von Valenciennes im Museum von Antwerpen, No. 380, welches, wahrscheinlich‘ 1656 gemalt, dem Teniers ungleich näher steht, so dass es auch dort seinen Namen trägt. Ich stimme indess John Smith, welcher es dem Duschastel giebt, durchaus bei.

Mathys van Helmont, geboren zu Brüssel 1753, gestorben zu Antwerpen 1719. In der Gallerie Aremberg, No. 86, eine Kirmess von ansehnlichem Umfange mit vielen Figuren. Voll lebendiger Motive, von fleissiger Ausführung, doch etwas hart in den Umrissen, etwas bunt in den Farben.

Die folgenden beiden Künstler haben zwar ebenfalls einen starken Einfluss des Teniers erfahren, aber doch mehr als alle vorigen eine von ihm unabhängigere Stellung behauptet.

David Ryckaert, im Jahr 1615 zu Antwerpen geboren, war der Schüler seines Vaters, welcher ebenfalls David hiess. Er malte mit grosser Lebendigkeit in den Köpfen und Motiven und meist in einem goldigen und klaren Ton Bauern im Inneren ihrer Häuser. Sein Vortrag ist frei und meisterlich. Zwei Bilder dieser Art, von denen indess das eine gelitten hat, befinden sich in der Gallerie zu Dresden, No. 961 und 962. Gelegentlich malte er auch Dorfkirmessen. Ein reiches Bild dieser Art von sehr fleissiger Ausführung, vom Jahr 1648, besitzt die Gallerie zu Wien. Es ist in-dess im Fleisch etwas kühler und überhaupt etwas bunt, wie er denn dem Teniers besonders in der Feinheit der Gesammthaltung nachsteht. In einer Hexe mit Ungethümen, ebenda, kommt er in-dess demselben im Impasto und in der Wirkung ziemlich nahe.

Egidius van Tilborgh, geboren zu Brüssel 1625, behandelte ebenfalls Vorgänge aus-‚dem Leben der Bauern, besonders Kirmesse, und zeigte darin viel Geschick in der Anordnung, gut individuali-sirte Kopfe, eine klare Färbung und eine fleissige und treffliche Ausführung. In der Gesammthaltung sind seine Bilder indess öfter etwas bunt. Ein durch Umfang, Reichthum, Klarheit der Färbung und mehr Harmonie, als gewöhnlich, ausgezeichnetes Hauptbild von ihm besitzt die Gallerie zu Dresden, Ko. 972, einige andere die Eremitage.

Obwohl Gegenstände ähnlicher Art wie Teniers behandelnd, folgte der, 1608 zu Brüssel geborene, sicher aber später als 1641, der gewöhnlichen Annahme, zu Antwerpen gestorbene, Joost van Craesbeke, doch entschieden der Richtung seines Meisters, des Adriaen Brouwer, eines Holländers. Da er nicht alt wurde und erst spät das Handwerk eines Beckers mit der Malerkunst vertauschte, ist die Zahl der von ihm ausgeführten Bilder sehr massig und er mithin viel weniger bekannt, als er es bei seinem grossen Talent verdient. Seine Bilder sind voll Leben, die Köpfe wahr und mannigfaltig, die Haltung vortrefflich, die Färbung warm und klar, wenn gleich nicht von dem Zauber seines Meisters, der Vortrag, in einem trefflichen Impasto, sehr geistreich, wenn gleich ebenfalls nicht von der Weiche und Feinheit des Brouwer. In namhafteren Sammlungen kenne ich nur das Innere einer Stube, worin der Mann sich die Stiefel anzieht, während die Frau beschäftigt ist, das Bett zu machen, in der Eremitage. Die glückliche Zusammenstellung der warmen Farben, der Gegensatz der sonnigen Beleuchtung mit einem tiefen Helldunkel, die feste und geistreiche Behandlung machen dieses Bild höchst anziehend. Zunächst erwähne ich das schöne Bild in der Gallerie des Herzogs von Aremberg, Ko. 81, die Werkstatt des Künstlers. Er sitzt an der Staffelei und ist beschäftigt eine Gruppe von drei Männern und zwei Frauen aufzuzeichnen, welche an einem Tisch sitzen. Bezeichnet: I. Y. C. P. Auf Holz. Dieses ist unbedingt eins der vorzüglichsten, von ihm vorhandenen, Bilder. Die Anordnung ist bequem, die Köpfe voll Leben, die Haltung in einer kühlen Harmonie und bei entschiedener Beleuchtung, sehr fein, die Ausführung, in einem soliden Impasto, ebenso fleissig, als geistreich. Bei der grossen Seltenheit bezeichneter Bilder von ihm und der leichten Zugänglichkeit des Besitzers, erwähne ich noch des trefflichen Bildes einer Frau, welche Pfannkuchen backt, mit zwei Kindern, bei Herrn Henderson in London.

Jan Peter Bredaei, geboren zu Antwerpen 1630 und 1689 noch am Leben, malte Landschaften mit Figuren im Geschmack des Jan Breughel, in welchen er indess auch öfter Gebäude von italienischer Bauart anbrachte. Seine Bilder sind mit Einsicht com-ponirt und fleissig ausgeführt, haben aber in der Färbung etwas Schweres und Dunkles. Mir sind in Gallerieen indess keine Bilder von ihm bekannt.

Peter Bout, geboren 1660, oder 1679 zu Brüssel und Anton Frans Boudewyns, sein Zeitgenosse, führten gemeinsam eine grosse Zahl von kleinen Landschaften, meist mit vielen Figuren, aus, welche, in Nachfolge des Jan Breughel, in der Mitte zwischen Landschaften und Genrebildern stehen. Der landschaftliche, von Boudewyns ausgeführte Theil, ist häufig der italienischen Natur entlehnt, von grosser Mannigfaltigkeit der Erfindung und sehr sauberer und ins Einzelne gehender Ausführung. Auch die von Bout gemalten Figuren und Thiere. sind mit vielem Geschmack in den Landschaften vertheilt, gut gezeichnet, und sehr fertig, wiewohl mit einem etwas mageren Pinsel, ausgeführt. Obschon von etwas kleinlichem Charakter, machen diese Bildchen doch einen recht gefälligen Eindruck. Die Gällerie zu Wien besitzt zwei besonders ansprechende Beispiele dieser Art, aber auch unter den sechs Bildern, welche sich von diesen Malern in der Dresdner Gällerie (No. 1001 —1005 und 1007) befinden, gehören einige zu ihren besten Arbeiten.

Pieter van Bioemen, genannt Standaart, geboren zu Antwerpen 1649 (?), gestorben 1719 (?), brachte einige Jahre in Rom zu, in Folge dessen die landschaftlichen, bisweilen fast die Hauptsache bildenden, Hintergründe seiner Gemälde meist einen italienischen Charakter haben. Diese stellen vornehmlich Menschen und Thiere, und wieder vorzugsweise Soldaten und Pferde dar. In der Composition zeigt er viel Einsicht, ist dabei ein tüchtiger Zeichner, und in der Führung des Pinsels von vieler Gewandtheit. Manche Bilder von ihm sind überdem von grosser Kraft und entbehren selbst nicht einer gewissen Klarheit. Die Mehrzahl aber leidet an einer kalten, schweren und dunklen Färbung. Zumal hat er eine Vorliebe für das Ziegelroth, besonders im Fleisch. Bisweilen artet auch sein Vortrag in das Dekorative aus. Unter sechs Bildern von ihm in der Dresdner Gallerie zeichnen sich besonders eine Familie auf der Wanderung, No. 993, nächstdem aber Fischer und ein alter Schimmel, No. 994, endlich Reisende, welche mit Pferden vor einer Schenke halten, No. 995, aus. Ein Feldlager, No. 996, gewährt dagegen ein Beispiel von seinen dunklen Bildern. Ein Halt von Reitern vor einem Marketenderzelt im Museum zu Berlin, No. 1003, gehört dagegen zu seinen besseren Arbeiten.

Zwei Historienmaler, doch als solche nicht von grosser Bedeutung, welche ebenfalls gelegentlich Genrebilder malten, geben uns in ihren Bildern der letzten Art die Eindrücke ihres Aufenthalts in Italien. Der, 1599 in der Umgegend von Antwerpen geborene, 1664 gestorbene Jan Miel, malte Vorgänge ans dem Leben der nie-dern Volksklassen in Italien, Landleute, Musikanten, Bettler u. s. w., in welchen zuweilen die Landschaft vorwaltet. Ja er führte auch gelegentlich geradezu Landschaften und Seestücke aus. Glückliche Motive, eine gute Zeichnung und fleissige Ausführung sind die hervorstechenden Eigenschaften solcher Bilder, wozu sich öfter eine warme Färbung gesellt. Häufig aber ist letztere kühl und dunkel und der Vortrag geleckt. Von seinen ziemlich seltnen Bildern dieser Art finden sich gute Exemplare in den Gallerieen des Louvre, in Dresden, Berlin, Wien, Florenz, Madrid, die grösste Zahl aber in St. Petersburg vor. Von verschiedenen, in Privatsammlungen in England, habe ich in meinen Treasures Rechenschaft gegeben.

Anton Goubau, geboren zu Antwerpen 1616, gestorben ebenda 1698, schliesst sich in seiner Kunstform und Geschmacksrichtung dem holländischen Maler, Jan Asselyn, an. Das einzige, mir von ihm bekannte, imMuseum zu Antwerpen vorhandene Bild, No. 392, welches, nach Ruinen und Skulpturen in der Nähe von Rom, studirende Künstler vorstellt, giebt einen in der Anordnung geschickten, in dem Helldunkel klaren, in der Touche feinen Künstler zu erkennen.

Belgien besass auch in dieser Epoche einige ausgezeichnete Maler, welche sich ausschliesslich der Portraitmalerei befleissigten.

Pieter Meert, geboren zu Brüssel 1618, gestorben ebenda 1669, vereinigt in seinen Bildnissen eine ausserordentlich wahre, wenngleich etwas prosaische, Auffassung mit einer wannen und kräftigen Färbung, und einer fleissigen Ausführung in breitem Vortrag und tüchtigen Impasto. Ein Bild, Magistratspersonen von Brüssel darstellend, befindet sich im dortigen Museum, ein anderes, die Bildnisse eines Schiffskapitäns und seiner Frau, im Museum zu Berlin, No. 844.

Wallerant Vaillant, 1623 in Lille, welches damals noch zu Flandern gehörte, geboren, bildete sich in Antwerpen unter Erasmus Quellinus zu einem trefflichen Portraitmaler aus. In Frankfurt malte er 1658 zur Zeit der Krönung von Kaiser Leopold L, dessen Bildniss, welches grossen Beifall fand, und ihm viele andere Aufträge verschaffte. Einen ähnlichen Erfolg hatte er auch am Hofe Ludwig XIV., wo er die verwittwete und die regierende Königin, den Herzog von Orleans und eine grosse Zahl anderer Personen malte. Er liess sich darauf in Amsterdam nieder, wo er 1677 starb. In öffentlichen Gallerien wüsste ich kein Bildniss von ihm nachzuweisen. Ein Hauptwerk von ihm aber befindet sich im königl. Schlosse zu Berlin. Es stellt in ganzen, lebensgrossen Figuren, den grossen Kurfürsten und seine erste Gemahlin dar, und steht in jedem Betracht, „Wahrheit der Auffassung, Tüchtigkeit der Zeichnungj Kraft der Färbung, Beobachtung der Haltung und Meisterschaft der Behandlung, keinem Bildnissmaler der Zeit nach.

Nächstdem werden von ihm in dem französischen Waisenhause in Amsterdam zwei vortreffliche Regentenstücke aufbewahrt, welche beweisen, dass die grossen holländischen Portraitmaler, namentlich van der Heist, noch, besonders für die Klarheit und Wahrheit der Färbung, einen sehr wohlthätigen Einfluss auf ihn ausgeübt haben. Das eine, wie es scheint frühere, stellt vier Regentinnen in bequemer Anordnung um einen Tisch sitzend vor, und ist in der Auffassung ebenso lebendig, als in der Färbung kräftig und klar. Das andere, mit dem Namen und 1671 bezeichnete, zeigt drei

Regentinnen, welchen von einer Frau ein kleines Mädchen zur Aufnahme vorgestellt wird. Auch hier ist die Anordnung sehr geschickt, die, in einem zarten Ton gehaltenen, Köpfe fein und wahr, die Hände von grosser Schönheit, das Ganze den spätem Bildern des van der Heist nahe verwandt.

Sehr geistreich sind seine in Kreide gezeichneten Bildnisse, deren sich eine Mappe mit verschiedenen fürstlichen, bei jener Krönung in Frankfurt anwesenden Personen im Kupferstichkabinet zu Dresden, einige andere, sehr vorzügliche, im Kupferstichkabinet zu Berlin befinden. Endlich gehört er zu den ersten, welche mit vielem Geschick eine grosse Anzahl von Blättern nach verschiedenen Meistern der italienischen und niederländischen Schule in schwarzer Kunst, deren Technik, damals noch ein Geheimniss, ihm der Prinz Rupert von der Pfalz mitgetheilt hatte, gestochen hat. Hiebei beschränkte er sich nicht auf das Portrait, sondern behandelte auch historische Gemälde, Genrebilder und Landschaften. Von vier jüngeren Brüdern, welche Wallerant Yaillant in der Kunst unterrichtete, waren der 1628 geborene Jacob, mit dem Beinamen Lewerik (die Lerche), welchen er in Rom erhielt, und der 1627 geborene Bernhard die ausgezeichnetsten. Der erste arbeitete mit vielem Beifall als Historien- und Portraitmaler am Hofe des grossen Kurfürsten in Berlin, der zweite, in Rotterdam ansässige, eignete sich mit ungemeinem Erfolg von seinem Bruder das Zeichnen von Bildnissen in Kreide an. Die noch in den königl. Schlössern in Potsdam und Berlin von Jacob Yaillant befindlichen Bilder zeigen ihn indess in der Zeichnung um Vieles schwächer,“ in der Färbung schwerer und grauer, als sein Bruder. Zudem hat er auch in der Auffassung etwas Gesuchtes. Hieftir liefert sein sehr grosses Bild im Schlosse zu Potsdam, welches den grossen Kurfürsten zu Pferde, und neben ihm seine Gemahlin in einem Triumphwagen darstellt, den vollständigsten Belag. Im Schlosse zu Berlin befinden sich vön ihm die Brustbilder desselben Fürsten und seiner zweiten Gemahlin.

Conzales Cocques, nach dem Kamen wohl unzweifelhaft von spanischen Eltern im Jahr 1618 in Antwerpen geboren, lernte die Malerei bei David Ryckaert, wendete sich aber, als er selbständig geworden war, fast ausschliesslich der Portraitmalerei in kleinem Maassstabe zu. Offenbar hat die Verbindung von Lebendigkeit, mit dem Gesell mack der Auffassung und der eigenthüm-lichen Eleganz der Bildnisse des van Dyck auf ihn einen entscheidenden Eindruck gemacht und es ist ihm gelungen, diese Eigenschaften in seinen ausgezeichneteren Bildern, welche, sich öfter mit Musik unterhaltende, Familien in ganzen Figuren darstellen, in einem hohen Grade zu vereinigen. Dabei ist er ein tüchtiger Zeichner, der warmbräunliche Fleischton klar und harmonisch, dev Yortrag, in diesem kleinen Maassstabe, breit und geistreich. Wie van Dyck bringt er auch häufig Windspiele und andere Hunde an. Meist befinden sich seine Personen in freier Luft Ist der Hintergrund rein landschaftlich, so hat er sich gelegentlich der Hülfe des Artois bedient, befinden sich die Figuren auf der Terrasse eines stattlichen Hauses, so hat bisweilen Ghering für die Architektur seine Hand geliehen. Früchte und Blumen rühren öfter von Peter Gysels her. Bei den wenigen Bildern, in denen der Hintergrund von einem Zimmer gebildet wird, hat hiefür gelegentlich der jüngere Steinwyek ausgeholfen. Häufig hat er auch die Bildnisse einzelner Personen gemalt, welche indess in der Regel von geringerem Kunstwerthe sind. Da er ein Alter von 66 Jahren erreichte (er starb im Jahr 1684), so lässt die verkältnissmässig kleine Zahl seiner Bilder schliessen, dass er mehr zu seinem Vergnügen, als des Erwerbes wegen gearbeitet hat. Das werthvollste, mir auf dem Cöntinent bekannte, und überhaupt eines seiner schönsten Bilder, befindet sich in der Gallerie des Fürsten Esterhazy zu Wien, wo es irrig dem van Dyck- beigemessen wird. Es stellt eine Gesellschaft von vier Herrn und vier Damen auf einer Terrasse vor, welche im Begriffsind ein Conzert zu machen. In jedem Betracht, Bequemheit der Anordnung, Trefflichkeit der Haltung, Wärme und Klarheit der Färbung, Gediegenheit der geistreichen Ausführung, erscheint hier der Meister auf seiner vollen Höhe. Zunächst ist ein Bild in der Gallerie zu Dresden, No. 964, zu erwähnen. Es wird dort, ich weiss nicht aus welchem Grunde, für des Künstlers Familie ausgegeben. Bei weitem die Mehrzahl seiner bedeutenderen Bilder befindet sich indess in England. Unter denen, welche ich dort kenne und auch in meinen Treasures beschrieben habe, zeichnen sich besonders aus, die Bildnisse des Herrn Verfielst und seiner Familie auf einer Terrasse, in Buckinghampalace, unbedingt in jedem Betracht eins des schönsten von ihm vorhandenen Werke, das unter dem Namen „la legon de musique“ bekannte Bild in der Sammlung des Marquis von Hertford, worin er ausnahmsweise durch eine gewisse Handlung als Genremaler erscheint, der Yater am Klavier von seiner Familie umgeben, von seltenster Klarheit der Farbe für ihn, in der Sammlung von Henry Labou-chere, endlich eine Familie in einem holländischen Garten in der Sammlung des Herrn „Walther zu Bearwood.

Schliesslich muss ich als Portraitmaler noch des, 1625 in Antwerpen geborenen, Philipp Fruitiers gedenken, denn, obwohl er fast nur in Aquarell gemalt hat, so war er doch in dieser Gattung in jedem Betracht, Anordnung, Zeichnung, vor allem jedoch in Kraft und Klarheit der Farbe, so ausgezeichnet, dass er selbst die Bewunderung des Rubens, welchen er mit seine? ganzen Familie malte, auf sich zog. Ich weiss jetzt kein Bild von ihm mit Sicherheit nachzuweisen. Er hat indess auch eine Reihe von Blättern, vornehmlich Portraite, unter andern das der Königin Hedwig Eleonora von Schweden, geistreich und in einer sehr kräftigen „Wirkung radirt.

Auch die grossartige Thiermalerei von Frans Sny de rs’wurde noch von einigen Meistern mit vielem Erfolg fortgesetzt.

Der älteste#von ihnen ist der, 1600 zu Aelst geborene, Paul de Vos. Seine Arbeiten waren so gesucht,, dass er vorzugsweise für fürstliche Personen, namentlich-für den Kaiser, den König von Spanien, und den Herzog von Aerschot, seinem ganz besonderen Gönner, arbeitete. Bei einem ausgezeichneten Talent das Augenblickliche und leidenschaftlich Bewegte zu malen, gelangen ihm vor Allem Kämpfe von Hunden mit wilden Thieren, als Bären, wilde Schweine, oder untereinander, so wie auch Jagden. In Kraft und Klarheit der Färbung, in Meisterschaft des Vortrags, kam er dem F. Snyders nahe, er bleibt aber tief unter ihm in der Zeichnung und im Geschmack. Seine Thiere, namentlich seine Pferde und Löwen, sind öfter unwahr und von plumpen Formen. Am besten gelangen ihm noch die Hunde, nächstdem die Rehe und Hirsche. Seine landschaftlichen Hintergründe, welche von grosser Wahrheit, zeigen viel Verwandtschaft zu Lucas van Uden. In öffentlichen Gallerien wüsste ich nur in der von Schleis heim sichere Bilder von ihm nachzuweisen. Zwei Hunde, welche sich um Fleisch zanken, sind von grosser Wahrheit, auch ein von Hunden verfolgter Rchbock, obwohl eine für den grossen Raum arme Composition, verdient Lob, dagegen treten in einem Paradies die oben gerügten Uebelstände hervor.

Der 1625 zu Antwerpen geborene Pieter Boel, welcher für einen Schüler des F. Snyders gilt, sich aber wohl ohne Zweifel noch während seines Aufenthalts in Italien unter der Anleitung seines Oheims, Cornelius de Wael in Genua vervollkommt hat, war ebenfalls mit Recht ein höchst beliebter Künstler, denn er kam dem Snyders in der Schönheit der Composition gleich und gab ihm auch weder in der Zeichnung, noch in der Wahrheit seiner Thiere etwas nach. Selbst in der Klarheit der Färbung tliat er es ihm meist, in der Meisterschaft des Vortrags gewöhnlich gleich. Er soll nach Strut schon 1680 gestorben sein. Von seinen seltnen Bildern befindet sich das beste, mir bekannte, zwei Jagdhunde, welche todtes Wild bewachen, in der Gallerie zu München, No. 327. Auch als Radirer nimmt er eine sehr ausgezeichnete Stelle ein und seine wilde Schweinsjagd, wie seine sechs Blätter mit Vögeln, gehören zu dem Schönsten, wie zu dem Seltensten dieser Art.

Jan Fyt, geboren zu Antwerpen 1609, gestorben ebenda 1661, lernte seine Kunst bei Jan van den Berch, und trat im Jahr 1629, also schon mit 19 Jahren, hls Meister in die Malergilde ein. Später machte er auch eine Reise nach Italien. Er ist nächst Snyders der grösste Tiermaler der flamänischen Schule. Und dabei ist er von jenem durchaus unabhängig. Er arbeitete gelegentlich mit Jacob Jordaens und Thomas Willeborts in der Art gemeinschaftlich, dass jene jlie menschlichen Figuren, er aber die Thiere, die Früchte und Blumen – malte. In seinen Jagden kommt er dem Snyders in der Composition nahe, und steht ihm im Feuer und der Lebendigkeit durchaus nicht nach. Wenn seine Zeichnung öfter minder korrekt ist, so ist er jenem an sonnigen, schlagenden Lichtwirkungen, von bald kühler, .bald sehr warmer Natur, entschieden überlegen. Von allen Thieren hat er die Windhunde mit besonderer Vorliebe und einem Erfolg behandelt, dass es ihm hierin kein anderer Künstler gleich gethan. Das Fell der Vierfüssigen, die Federn der Vögel hat er im Einzelnen mehr wie Snyders mit seltenster Wahrheit wiedergegeben, dagegen steht er jenem entschieden in der Beobachtung der Luftperspective, und daher auch in der Klarheit der Hintergründe nach, welche bei ihm oft schwer und dunkel ausgefallen sind. Sein Vortrag in einer fetten Farbe ist ebenso meisterhaft, als originell. Von Gallerien besitzen die von Wien und München ausserordentliche Meisterwerke von ihm. In der ersteren zeichnen sich vor allen ein grosses Bild mit todten Thieren (nur ein Pfau ist lebend), Früchten und Gefässen durch die höchst kräftige und meisterlich abgewogene Gesammtharmönie, wie durch die ebenso breite, als fleissige Ausführung aus. Für die Meisterschaft in Hunden dürfte eben dort eine Jagdruhe der, minder glücklich, von J. Willeborts gemalten, Diana mit ihren Nymphen, sein Hauptbild sein. Für Windspiele im Einzelnen, und eine sehr fleissige Ausführung im Kleinen, führe ich einen ähnlichen Gegenstand im Museum zu Berlin, No. 967, an. In München ist ein grosses Bild mit todtem Wilde, Früchten und-einem Affen, No. 341, in der wunderbar klaren, sonnigen Haltung des Ganzen, in der Wahrheit des Einzelnen, ersten Rangs. Was Fyt aber in Thierkämpfen geleistet, beweist vor allem seine grosse Bärenhetze ebenda, No. 186. Seine Schweinshetze, No. 339, steht dieser fast nur in dem im Ganzen etwas dunklen Ton nach. In England ist das bedeutendste, mir von ihm bekannte Werk eine grosse Wildeschweinsjagd in Ravensworthcastle, dem Sitze des Lord Ravensworth in York-shire. Jan Fyt hat auch 16 Blätter in zwei Folgen radirt, unter denen die eine, welche Hunde vorstellt, zu dem Ausgezeichnetsten gehört, was es von dieser Art an Malerradirungen giebt. 1

David de Coninck, geboren 1636, gestorben 1687, war ein Schüler des Jan Fyt, und kam ihm in der. Lebendigkeit der Auffassung, in der Kraft der Färbung und in Meisterschaft des Vortrags ziemlich nahe. Von seinen selten vorkommenden Bildern besitzt das Museum von Amsterdam eine Hirschjagd, No. 53, und eine Bärenjagd, No. 54, von sehr grossem Verdienst.

Adriaen van Utrecht, geboren zu Antwerpen 1599, gestorben 1651′, schloss sich, wiewohl älter, als J. Fyt, doch einer anderen Seite dieses Künstlers an, indem er grosse Küchenstücke mit todtem Wild, aber auch mit lebenden Thieren, als Hunden, Affen, und allerlei Esswaaren und Geräth, auch Früchte und Blumen, malte. Er vereinigte ein ungemeines Geschick der Anordnung mit einer erstaunlichen Kraft- und Wärme der Farbe, welche bisweilen dem Rembrandt nahe kommt, einer ungemeinen Wahrheit der Einzelheiten und einer meisterlichen, markigen Behandlung.

Ein Hauptwerk der Art von ihm befindet sieb in der Sammlung von van der Hoop in Amsterdam, ein anderes, Früchte, sonstige Ess‘.vaaren und musikalisehe Instrumente, No. 952, der Dresdener Galleric, noch andere in den Gallcrien zu Braunschweig und Cassel.

Diesen Malern schüesst sich, obwohl er sich in einem viel engeren Kreise bewegt, der im Jahr 1606,1 zu Antwerpen geborene, im Jahr 1662 noch lebende, Jacob van Es, oder van Essen, an. Yon Thiercn malte er nämlich vorzugsweise Fische, Hummern und andere Seethiere, erreichte aber in diesen in Form und Farbe eine seltene Wahrheit und besass eine bewunderungswürdige Freiheit und Meisterschaft des Yortrags. Zeugniss hievon geben zwei grosse Bilder in der Gallerie zu Wien, welche Fischmärkte vorstellen, und worauf die menschlichen Figuren höchst vorzüglich, doch, durch den glühenden Ton, in zu starkem Gegensatz mit der kühlen Fischwclt, von Jacob Jordaens ausgeführt -worden sind. Gelegentlich malte er auch mit ungemeinem Erfolg Stillleben. Ein sehr gutes Bild der Art, Gefässe und Früchte, besitzt das Museum zu Antwerpen, No. 361.

Ein dem van Es sehr verwandter Maler war der gegen 1650 blühende Alexander Adriaenssen. Er malte ebenfalls Fische mit der grössten Wahrheit, doch meist in etwas dunklerem Ge-sammtton rals jener. Ein ausgezeichnetes Bild dieser Art befindet sich im Museum zu Berlin, No. 952. Aber auch seine Stillleben, worin meist metallne Gefasse, Krebse, todte Yögel, die Hauptrolle spielen, sind mit einem weichen Pinsel breit und meisterlich gemacht, wie zwei Bilder dieser Art ebenda, No. 922 und 940, zeigen.

Einige andere Künstler  leiten am besten zu dem Fach der eigentlichen Landschaft hinüber.

Peter Snayers, geboren zu Antwerpen 1593, wird für einen Schüler des Heiflrich van Baien gehalten. Er malte zwar vornekm-lieh Vorgänge aus dem Kriegsleben, Schlachten, Gefechte, Lager-scenen, worin er nicht allein eine grosse Lebendigkeit, sondern auch, was sehr selten, eine grosse Deutlichkeit zeigte; doch schon in solchen Bildern spielt der landschaftliche Grund meist eine bedeutende, Rolle, ausserdem aber malte er auch häufig nur Landschaften, wreiche sich durch Wahrheit und Frische der Auffassung und eine sehr klare und kräftige, dem Rubens verwandte, Färbung auszeiehnen. Sein bedeutendes Talent fand dureli seine Ernennung zum Hofmaler des Erzherzogs Albert in Brüssel volle Anerkennung, und er arbeitete aueli für den spanischen Hof. Er war 1662 noch am Leben. Keine Gallcrie giebt Gelegenheit, diesen Meister so naeh allen seinen Richtungen kennen zu lernen, als die zu Wien. In einem Treffen zwischen Fussvolk und Reitern ist das Geschick der deutlichen und dennoch wahren Anordnung, bei der sehr grossen Zahl der Figuren, so wie die gute Abtönung in der Luftperspektive, sehr anerkennungswerth. Der Halt einer Gruppe von Reitern an einem Wasser zieht dureh den klaren, warmen Ton, ‚ die breite und geistreiche Behandlung an. Man sieht darin in jeder Beziehung das Vorbild des van der Meulen. Eine gebirgigte Landschaft, in derenr Yorgrundc einige ruhende Reisende bei ihrem Wagen, zeigt in der poetisehen Auffassung, wie in der brillanten Beleuchtung, der klaren Färbung einen starken und sehr günstigen Einfluss des Rubens. Unter den Bildern des P. Snayers in der Gallerie zu Dresden zeichnet sieh besonders, No. 913, wo Räuber, welelie Reisende getödtet und geplündert haben, von-Soldaten angegriffen werden, durch das sehr Lebendige und Dramatische aus.

Cornelis de Wael, geboren zu Antwerpen 1594, ein Schüler seines Vaters, Jan de Wael, behandelte meist ähnliche Gegenstände, wie P. Snayers, und mit so ungemeinem Erfolg, dass er von dem Herzog von Aersehot in Dienst genommen wurde. Später arbeitete er mit vielem Beifall zu Genua, wo er auch starb. Mir ist in den Gallerien nur ein Durchgang der Israeliten dureh das rothe Meer mit dem Untergang Pharaos in der Gallerie zu Wien bekannt, welches einen Künstler von ungemeinem Talent verräth.

Anton Frans van der Meulen, geboren 1634 zu Brüssel, gestorben 1690 zu Paris, war ein Schüler des Peter Snayers. Sein, jenem eng verwandtes, wiewohl minder erfindungsreiches und weniger auf die Darstellung des Augenblickliehen gerichtetes, Talent fand am Hofe Ludwig XIV., welchen er, wahrscheinlich etwa vom Jahr 1665 ab, überall auf dessen Feldzügen begleitete, um die Erfolge des Königs in möglichster Treue darzustellen, eine vortreffliche Gelegenheit zur Ausbildung. Seine Bilder haben in der Regel einen durchaus landschaftlichen Charakter und stellen vorzugsweise die Ankunft des Königs vor einer niederländischen Festung, die Belagerung, oder den Einzug dieses Herrn nach derselben vor. Sie zeichnen sich durch die grosse Wahrheit, eine sehr klare und blühende Farbe, und eine ungemeine Leichtigkeit und Meisterschaft des Machwerks aus.. Bei manchen kommen hierzu noch die sehr lebendigen Bildnisse des Königs und anderer ausgezeichneter Personen. Ausserdem aber malte er auch Ansichten von Städten, sowie kleinere, meist von Reitern belebte Bilder. Seine Landschaften sind bisweilen zu allgemein grün, seine übrigens sehr wahren, Pferde, etwas zu einförmig. Bei der grossen Leichtigkeit seines Hervorbringens ist die Anzahl seiner Bilder erstaunlich gross. Seine Hauptwerke findet man im Louvre. Unter diesen hebe ich bespnders hervor, den Einzug Kudwig XIY. in Arras, No. 304, denselben in Dinant, No. 310, die Ansicht der Festung Luxemburg, ‚No. 312, und eine Ansicht von Fontainebleau, Nor‘ 314. Nächst Paris besitzt München von allen Gallerien die durch Umfang, wie Schönheit bedeutendsten Bilder von ihm. Namentlich geben die Belagerung von Oudenaerde, No. 418, die Belagerung von Tournay, No. 402, den schönsten Bildern in Paris nichts nach. Auch England besitzt manche sehr gute Bilder von diesem Meister, unter denen sich besonders fünf im Buckinghampalace auszeichnen.

Diesen beiden Malern schliesst sich Robert van Hoecke, ein Schüler seines sonst wenig bekannten Vaters, Carl yan Hoecke, würdig an. Obgleich schon im Jahre 1609, mithin viel früher, ais van der Meulcn, zu Antwerpen geboren, gelangte er doch, augenscheinlich durch den Einfluss des jüngeren Tcniers, in manchen seiner Bilder, welche, durchweg in kleinerem Maassstabe, meist Feldlager und sonstige Vorgänge des Kriegs, gelegentlich aber auch nur Landschaften vorstellen, zu einer grösseren Feinheit des Tons und der Touche. Von Gallerien kann man ihn nur in der zu Wien kennen lernen, welche acht Bilder, und in Berlin, welche eins von ihm besitzt. Unter diesen zeichnen sich besonders eine flache Gegend, in deren Ferne eine Festung, mit vielen Fig-uren, zwei Feldlager und ein Truppenmarsch, durch die treffliche Zeichnung, die feine Luftperspective und die geistreiche Touche aus. Er hat auch eine Reihe von Blättern mit einer feinen und geistreichen, wiewohl etwas flüchtigen, Nadel radirt, deren zwanzig ähnliche Vorgänge, wie seine Bilder, eins eine Geburt Christi, nach Jan van Hoecke, vorstellt.

Auch die Landschaftsmalern, als ausschliessliches Fach, ist im Laufe des 17. Jahrhunderts in Belgien von mehreren Künstlern mit vielem Erfolg angebaut worden. Obgleich diese in technischer Beziehung mehr oder minder den Einfluss des Rubens verrathen, weichen sie doch in der Auffassung entschieden von ihm ab. Einige behandeln, meist mit vielem poetischen Gefühl, vorzugsweise bergigte, reich mit Bäumen bewachsene, Gegenden, in deren Yorgründen sich häufig Sandhügel befinden, andere folgen entschieden der durchs aus idealistischen Auffassung des Nicolas und des Gaspar Poussin.

Der älteste von der ersten Gruppe ist Lodewyek de Vadder, der sicher später als 1650’3 gebären worden ist. Er zeigt in der Klarheit und Kraft der Farbe, in der Entschiedenheit der Beleuchtung, in dem breiten, markigen Vortrag, noch viel Verwandtschaft zu Rubens. Von den öffentlichen Gallerien Europas besitzen meines Wissens nur die zu Brüssel und München Landschaften von ihm, die in der ersteren, No. 81, enthält ein von Bäumen umgebenes Wasser, die in der zweiten, Cäbinet No. 388, ein Bild, in dessen Vorgrunde drei Reiter an einem mit Bäumcu bewachsenen Sandhügel einem Dorfe zueilen, im Mittelgründe sich eine Schaafheerde befindet, der Hindergrund aber von einer duftigen Feme gebildet wird. Bartsch 4 beschreibt 11 radirte Blätter von ihm, welche mit einem reinen Naturgefühl, aber ohne viel Geschmack, in einer etwas derben Weise radirt sind.

Jacob von Artois, geboren zu Brüssel 1B13, gestorben 1665, ist wahrscheinlich ein Schüler des L. de Vadder, jedenfalls hat er sich durchaus nach ihm gebildet. Seine Compositionen haben öfter etwas Grossartig-Poetisches, und sind häufig von sehr ansehnlichem Maassstabe. Dieser Umstand und die häufige Staffage mit Vorgängen aus der heiligen Geschichte haben veranlasst, dass seine Bilder öfter in Belgien zum Schmuck von Kirchen verwendet worden sind; aber freilich ihn häufig, bei einer ausserordentlichen Pinselfertigkeit, zu einer zu breiten und dekorativen Behandlung verführt haben. Auch steht er in der Klarheit der Färbung dem de Vadder um .

Vieles nach, ja er hat im Ton öfter etwas Schweres und Dunkles. Ausnahmsweise hat er aueh Landschaften von rein realistischem Charakter gemalt. Die Figuren in seinen Bildern rühren vornehmlich von C. de Crayer, von Gerhard Zegers , von dem mit ihm befreundeten Teniers und von van Herp her. Bei der ausserordentlichen Leichtigkeit seines Hervorbringens ist die Anzahl seiner Bilder sehr gross, ihr Werth aber sehr ungleich. In Belgien besitzt die Gallerie zu Brüssel vier Bilder von ihm, unter denen sich besonders eine waldige, abendliche Landschaft, „No. 2, mit einem Zug von Landleuten von van Herp, durch die schöne und klare Feme auszeiehnet, im Vorgrunde aber der dunkle und schwere Ton störend ist. Auch eine Landschaft, No. 4, mit dem heiligen Hubert, weleher den Hirsch mit dem Crucifis verehrt, worin der Heilige von C. de Crayer, die Thiere von Peter Snayers, herrühren, ist sehr ansprechend. Eine Winterlandschaft, No. 1 , eine seltne Form des Meisters, zeichnet sich endlich durch die grosse Wahrheit aus. Von Gemälden des Artois in deutschen Gallerien sind vor allem die zwei grossen in der zu Wien mit Vorgängen aus der Legende von Gerard Zegers zu nennen. Sie haben etwas Grossartig-Poetisches , sind fleissiger als -sonst Bilder von solehem Umfang von ihm ausgeführt, und geben würdige Beispiele von seinen für Kirchen bestimmten Bildern ab. Einen Beweis, dass dieser Künstler aueh gelegentlich im kleineren Maassstabe anziehende .Bilder ausführen konnte, liefert eine Landschaft, welche seine gewöhnliche Form der Composition mit einer warmen Beleuchtung und fleissiger Durchführung verbindet, iu der Gallerie zu Dresden, No. 956. Aueh in England befinden sich in verschiedenen Privatsammlungen gute Bilder des van Artois, deren ich zum Theil in meinen Treasures Erwähnung gethan habe.

Cornelis Huysmans, geboren zu Antwerpen 1648, gestorben zu Meehehi 1727, war ein Schüler des J. van Artois und blieb ihm auch in der ganzen Art der Auffassung sehr getreu. Nur siud seine Bilder, bei meist kleinerem Maassstabe, öfter noch idealischer, seine Farbe wärmer, ja bisweilen sich in der Gluth dem Rembrandt nähernd. Seine Ausführung ist zwar ebenfalls breit und geistreich, doch fleissiger, als die von Artois. Endlich zeichnete er aueh die Figuren so gut, dass er gelegentlich dergleichen in den Landschaften anderer Maler ausführte. In Belgien besitzt das Museum zu Brüssel eine seiner grössten Landschaften, No. 111. Unter den vier Bildern im Louvre von ihm zeichnet sich besonders eine,mit Männern, welche Holz sägen, No. 229, sowohl durch die warme Beleuchtung als die schöne Composition, und das Gegenstück, No. 230, durch letztere sehr aus. Für die ungemeine Gluth des Tons ist eine Landschaft in der Gallerie zu Dresden hervorzuheben, No. 999. Eine Landschaft in der Gallerie zu München, worauf drei Kühe, No. 520, ist endlich für diesen Meister- von seltner Klarheit und grossem Fleiss. In Grossbritannien ist mir in öffentlichen Gallerien nur eine Landschaft von kräftiger Färbung in der Royal Institution von Edinburg, und auch in Privatsammlungen nur wenige Bilder von ihm bekannt.

Der zweiten, in der «Auffassung sich dem Gaspard Poussin anschliessenden, Gruppe gehören folgende Maler an:

Abraham Genoels, geboren zu Antwerpen 1640, gestorben 1723,1 lernte die Malerei bei Jacob Baokereel, ging aber schon im Jahr 1659 nach Frankreich, wo er sich in der Landschaftsmalerei so ausbildete, dass Charles Lebrun sich von ihm bei der Ausführung der landschaftlichen Hintergründe seiner Alexanderschlachten helfen li’ess. Im Jahr 1672 trat er in die Malergilde zu Antwerpen ein, wo er sich auch, nachdem er vom Jahr 1674 bis 1682 in Rom zugebracht, für immer niederliess. Seine Compo-sitionen sind edel, seine Zeichnung correct, seine Färbung klar, seine Behandlung geistreich. Die Figuren, welche in seinen Landschaften eine bedeutende Rolle spielen, sind in dem antikisirenden Geschmack des Lairesse mit vielem Geschick gemacht. In öffentlichen Sammlungen kenne ich nur eine, sehr glücklich in der Weise des Nicolas Poussin componirte, Landschaft von ihm im Museum zu Antwerpen, No. 429, worin die, auf einem Hügel versammelten, Musen von der Minerva besucht werden, und ein anderes Bild in der Sammlung’ zu Braunschweig. Die Seltenheit seiner Bilder ist ohne Zweifel die Ursache, dass Genoels ungleich mehr durch seine breit und skizzenhaft, aber geistreich behandelten Radirungen bekannt ist, welche er während seines Aufenthalts in Rom und nach seiner Rückkehr von dort ausgeführt hat. Bartsch giebt die Beschreibung von 73. 2 Der Catalog von Weigel enthält noch 31 andere, so dass also im Ganzen 104 Blätter von ihm bekannt sind.

Jan Frangois Millet, genannt Frangisque, geboren 1642 zu Antwerpen, von einem französischen Yater und einer belgischen Mutter, lernte die Malerei bei Lorenz Frank, bildete aber sich nach dem Vorbilde der beiden Poussins aus, und liess sich auch in Paris nieder, wo er 1680 starb. Wenn er in Schönheit des Liniengefühls, in Reinheit der Zeichnung seine Meister nicht erreicht hat, so sind doch auch seine Compositionen in der Regel von einem sehr edlen Geschmack und ist er jenen meist in einer grösseren Wärme und Klarheit der Färbung überlegen, wiewohl auch bei ihm darin eine gewisse Einförmigkeit herrscht. Seine grosse Freiheit in der Pinselführung artet gelegentlich in eine fast dekorative Breite aus. Seine Figuren sind glücklich und im Charakter der jedesmaligen Landschaft erfunden, und spielen öfter eine bedeutende Rolle. Von den mir bekannten Gallerien besitzt München die vorzüglichsten Bilder von ihm. Eine Landschaft von ansehnlicher Grösse, No. 212, mit antiken Gebäuden, worin ein Hirt eine Heerde Schaafe einhertreibt, athniet ganz den Geist des Gaspard Poussin. Eine andere Landschaft, No. 346, zeigt eine Aussicht auf das Meer, an dessen Küste ein steiles Gebirge bis in die Wolken emporsteigt. Das Gefühl darin ist hochpoetisch, die Behandlung im Vorgrunde aber fast zu breit. Ein kleineres Bild mit einer Weinlese, No. 361, Cabinettes, ist zwar im Allgemeinen für ihn etwas dunkel, doch von edlem, poetischem Gefühl, und die warmbeleuchtete Luft sehr glücklich. Bartsch 1 schreibt ihm mit grosser Wahrscheinlichkeit eine Radirung zu, welcher Dumenil und Weigel noch einige hinzufügen. Ausser der Schönheit der Erfindung ist ihnen eine geistreiche, in dem von Bartsch erwähnten Blatt, auch eine kräftige Nadel eigen.

Peter Rysbraeck, 1655 in Antwerpen geboren, war ein Schüler des Frangois Millet, bei dem er eine Zeitlang in Paris zubrachte, sich später in Antwerpen niederliess, aber im Jahr 1729 zu Brüssel gestorben sein soll. Die Auffassung in seinen Bildern athmet öfter eine grossartige, aber melancholische Poesie. Besonders wohlverstanden und schön sind seine Bäume, seine reichen Waldgründe, und die Bildung seiner Wolken. Seine Färbung ist kräftig, neigt aber öfter zum Düsteren. Seine bisweilen bedeutende, der heiligen Geschichte, oder der Mythologie entnommenen, Figuren sind meist gut erfunden, doch öfter in der Ausführung vernachlässigt und durch einen einförmig rothen Fleischton störend für die Harmonie. Meist ist jedoch seine Staffage von idyllischem Charakter. Seine Bilder kommen in den öffentlichen Gallerien selten vor. Das bedeutendste, mir von ihm bekannte Werk befindet sich im Museum zu Berlin, No. 429. Es ist eine grosse Landschaft mit hohen Bäumen und einem Waldgebirge, von dem ein Wasser herabstürzt. Im Yorgrunde befindet sich die Taufe Christi. Eine andere ge-birgigte Landschaft von ansehnlicher Grösse besitzt das Museum von Antwerpen, No. 444. Eine kleinere, minder bedeutende, doch recht gute Landschaft von ihm befindet sich endlich unter No. 630, als unbekannt, in der Gallerie zu Dresden. Es sind sechs von ihm radirte Blätter bekannt. Sie zeichnen sich vornehmlich durch die Compositionen aus, denn die Blätterung der Bäume hat etwas Schwerfälliges und auch die Behandlung der Nadel ist keineswegs leicht.

Jan Frans von Bloemen, genannt Orizonte, geb. zu Antwerpen 1658, gest. zu Rom 1748 (?), war der Bruder des oben erwähnten Pieter van Bioemen, und ist wahrscheinlich schon früh nach Rom gekommen. Dort haben auf seine künstlerische Ausbildung, nächst der Natur der Umgegenden Roms, die Landschaften des Gaspar Poussin einen grossen Einfluss ausgeübt. Wenn er dieses Vorbild in der Grossartigkeit der Auffassung und in dem feinen Liniengefühl nie erreicht hat, eignete er sich doch eine grössere Feinheit und Klarheit in der Abtönung der Fernen an, als jener, deren Schönheit den Italienern Veranlassung gab, ihm den obigen Beinamen „Orizonte“ zu ertheilcn. Dagegen ist er in seinen Vorgründen öfter dunkel und schwer, bisweilen aber überhaupt im Ton fahl und kalt, und im Vortrage weniger geistreich als jener. Im Louvre befinden sich von ihm sechs Bilder, No. 33—38, unter denen die beiden letzten besonders schön sind und desshalb auch für Arbeiten des Gaspar Poussin galten, bis ich sie als von der Hand des Orizonte erkannte. Eine Landschaft von besonders kräftiger, warmer und klarer, und zwei von seiner kalten Färbung bewahrt die Gallerie zu Wien.

Endlich wurde auch die Blumenmalerei in dieser Epoche in Belgien mit grossem Erfolg zu einem besonderen Zweig ausgebildet. Der Hauptmeister hieftir ist Daniel Scgcrs, oder wohl richtiger Zegers.1 Er wurde 1590 geboren, lernte die Malerei bei Jan Breughel, trat mit 24 Jahren in den Orden der Jesuiten, und starb in derem Kloster zu Antwerpen 1661. Kur selten hat er Bilder gemalt, welche lediglich Blumen darstellen, sondern gewöhnlich sich in der Weise mit Historienmalern verbunden, dass diese einen Gegenstand aus der heiligen Geschichte, am häufigsten Maria mit dem Kinde, ausführten, und er denselben, wie zu einem festlichen Schmuck, mit einem Kranz von Blumen umgab. Einigemal ist dieses mit Rubens, am häufigsten mit Cornelis Schut, nächstdem mit van Diepenbeeck und Erasmus Quellinus der Fall gewesen. Seine, bald sehr im Einzelnen ausgeführten, bald etwas mehr dekorativ behandelten, Blumen vereinigen die grösste Katurwahrheit in Form und Farbe mit einer geschmackvollen Anordnung. Für die rotheil Rosen hat‘ er eine Farbe gebraucht, welche noch j^tzt unverändert geblieben ist, während die Rosen aller anderen Blumenmaler bald violett geworden, bald ganz verblichen sind. Seine Bilder waren so beliebt, dass er kaum allen Anforderungen genügen konnte, und selbst fürstliche Personen, wie der Prinz Friedrich Heinrich von Oranien und der grosse Kurfürst es als ein besonderes Glück betrachteten, dergleichen von ihm zu erhalten. Bilder von ihm findet man in den meisten öffentlichen und vielen Privatsammlungen in ganz Europa. Ein recht ausgezeichnetes, mit dem leider schwach ausgefallenen Bildniss des heiligen Ignaz von Loyola von Cornelis Schut, besitzt das Museum von Antwerpen, Ko. 316; ein für die fleissigste und meisterhafteste Ausführung im Einzelnen, mit zwei grau in grau gemalten Kindern von Erasmus Quellinus, das Museum zu Berlin, Ko. 976. Auch unter den sechs Bildern von ihm in der Gallerie zu Dresden zeichnen sich einige sehr aus.

Dieser berühmte Künstler fand verschiedene Kachfolger. Jan Philipp van Thielen, geboren zuMecheln 1618, gestorben 1667, genoss seinen Unterricht und malte ganz im Geschmack seines Meisters, ist indess in Zeichnung und Färbung schwächer, in der Ausführung dekorativer. Zwei Bilder von ihm befinden sich im Museum zu Antwerpen, No.401 und 402. Nicolaus van Ve-rendael, welcher in Antwerpen etwa von 1660 —1670 blühte, kam dem Zegers in der fleissigen Ausführung des Einzelnen und der trefflichen Zeichnung nahe, steht demselben aber in der Kraft und Klarheit der Färbung weit nach. Ein ausgezeichnetes Bild vom Jahr 1670, in dessen Mitte sich, grau in grau, eine Maria mit dem Kinde befindet, besitzt, unter No. 977 A, das Museum zu Berlin.

Text aus dem Buch: Handbuch der deutschen und niederländsichen Malerschulen (1862), Author: G.F. Waagen.

Siehe auch:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Vorrede
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Erstes Kapitel von 800-1150
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Zweites Kapitel von 1150-1250
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Der Germanische Stil
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Ausbildung der eigentlichen selbständigen Malerei
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – vollständige Ausbildung des germanischen Kunstnaturells im Geiste des Mittelalters
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die Schule der Brüder van Eyck his gegen Ende des 15. Jahrhunderts
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die Schule der van Eyck bis zu ihrem Ausgange
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die deutschen Schulen in ihrem Übergange von der Kunstweise der vorigen Epoche zum Realismus bis zum Jahr 1460
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die deutschen Schulen in der realistischen Richtung der van Eyck’schen Schule von 1460-1500
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die Schule von Köln und dem Niederrhein
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die deutschen Schulen in der vollständigen Entwicklung ihrer Eigenthümlichkeit Von 1500-1550
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die fränkischen Malerschulen
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Sächsische Maler
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die schwäbische Schule
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die Malerei am Niederrhein und in Westphalen
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Verzerrung des germanischen Kunstnaturells in der Historienmalerei durch Nachahmung der Italiener
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die Malerei in Deutschland
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Zweite Blüte des germanischen Kunstnaturells in der Form der modernen Geistesart
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die Schule von Belgien