Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Maler der Blumen, Früchte, Pflanzen oder sogenannte Stillleben

Schliesslich bleibt uns noch übrig die Gruppe solcher Maler zu betrachten, welche Blumen, Früchte, Pflanzen oder sogenannte Stillleben zum Gegenstände ihrer Kunst gemacht haben. Letztere sind sehr verschiedener Art. Sie bestehen bald aus einem Frühstück, bald aus kleineren todten Vögeln, bald aus allerlei Pracht-gefässen von Gold, Silber oder Glas, bald aus Gegenständen, welche sich auf Kunst und Wissenschaft beziehen, als musikalische Instrumente, Globen, Zirkel u. s. w., öfter mit Anspielungen auf die Vergänglichkeit aller Dinge. Ein eigentliches, geistiges Interesse können natürlich alle diese Gegenstände nicht gewähren. Den Anforderungen des feineren Kunstfreundes entsprechen sie indess vor Allem durch das Malerische in der Anordnung, die vollkommene Haltung, die harmonische Zusammenstellung der verschiedenen, die Schönheit der einzelnen Farben. Zunächst befriedigen sie durch die ausserordentliche Naturwahrheit aller Gegenstände, endlich durch die Gediegenheit und Meisterschaft der Technik. Da die berühmtesten -Frucht- und Blumenmaler häufig auch Stillleben, und wieder die ausgezeichnetsten Maler von Stillleben gelegentlich auch Früchte und Blumen gemalt haben, ist eine strenge Trennung derselben nicht wohl thunlich. Wohl aber lassen sie sich in der Ordnung betrachten, wie sie vorzugsweise das eine, oder das andere Fach behandelt haben. Ich fasse hiernach zuerst die Maler von Blumen und Früchten näher ins Auge.

Jan Davidsz de Heem, geboren zu Utrecht 1600, gestorben zu Antwerpen, wohin er sich 1670 der Kriegsunruhen wegen geflüchtet , hatte, 1674. Er war der Schüler seines Vaters Davidsz de Heem, und ist nicht allein derjenige, welcher die Malerei von Früchten zu der vollen Kunsthöhe der Schule ausgebildet, sondern auch weit der grösste Maler, so die Schule in diesem Fache hervorgebracht hat. Kein anderer kommt ihm in dem trefflichen Geschmack der Anordnung, -welche bisweilen an die, durch Raphaels Genius bestimmte, der Frachtgehänge des Giovani da Udine in den berühmten Logen erinnert, gleich. Dabei ist er ein höchst trefflicher Zeichner, und ist jede einzelne Fracht, oder Pflanze mit dem feinsten Naturgefühl bis zu den grössten Einzelheiten in einem Vortrage ausgeführt, welcher eine grosse Bestimmtheit der Formen mit-Weiche zu verbinden weiss. Nicht minder bedeutend erscheint er aber als Kolorist. Fast durchweg herrscht bei ihm die warme Farbenleiter vor und unvergleichlich versteht er es, verschiedene Farben von grösster Tiefe und Kraft in einer Weise zusammenzustellen, dass sie einen wohlthätigen Eindruck hervorbringen. In seiner früheren Zeit haben seine Bilder meist einen goldigen Ton von einer Tiefe, Saftigkeit und Klarheit, welche bisweilen dem Rembrandt nahe kommt, in seiner etwas späteren, noch immer warmen, werden die Farben der einzelnen Gegenstände, namentlich der Früchte, Blumen, Blätter auf Unkosten des Gesammttons naturwahrer. Er hat zwar meist seine Bilder mit dem Naimcn bezeichnet, aber nur selten die Jahrzahl beigefügt. Die beiden, durch Kunst, wie durch Umfang, mir bekannten Hauptwerke von ihm befinden sich in den Gallerien von „Wien und Berlin. Das Bild in Wien stellt die stattliche Bekränzung des ,in einer Nische stehenden Abendmahlkelches, worüber die strahlende Hostie schwebt, vor. Beziehungsweise hierauf spielen unter den Blumen und Früchten Getreidegarben und Weintrauben eine Hauptrolle. In der Vereinigung der stylgemässen Anordnung und der satten, warmen rembrandtschen Harmonie der Farben, der breiten und doch fleis-sigen Behandlung, das schönste Werk des Meisters. Das Bild in Berlin, Np. 963, stellt oben, unten und an den Seiten die festliche Bekränzung eines steinernen Heiligenbildes dar, welches indess während des Krieges von 1806 abhanden gekommen, jetzt sehr unpassend durch eine, in Farben ausgeführte, Maria mit dem Kinde von einem modernen Maler ersetzt wird. Es ist bezeichnet: Johannes de Heem fecit 1650. Auch hier ist die Anordnung in dem Vertheilen der Formen und Farben, in dem Verhältnisse der Früchte und Blumen zu den Blättern, bewunderungswürdig. Wenn es an Wärme und Einheit des Gesammttons dem Bilde in Wien nach stcht, so übertrifft es dasselbe um Vieles in dem Reichthum und der Ausführung der Einzelheiten in dem trefflichsten Impasto. In Rücksicht der Grösse und des Gegenstandes gewöhnlichere, sonst aber sehr gute Bilder des Meisters sind folgende. Im Museum des Haags, No. 51. Ein Tisch mit Früchten und anderem Nebenwerk. — No. 52. Ein Gehänge von Früchten und Blumen. Ebenso geschmackvoll angeordnet, als trefflich gezeichnet“,Nund in giosser Klarheit, bestimmt und doch weibh gemalt. Im Museum von Amsterdam, No. 109. Ein reiches Gehänge von Früchten und Blumen von einigen Insekten belebt. Höchst ausgezeichnet! — Im Louvre. Auf einem Tische mit einem grünen Teppich,liegen verschiedene Früchte, eine Traube, Erdbeeren, auch eine Auster u.s. w. Ein Muster von Kraft und Klarheit, von grösster Wahrheit des Einzelnen und höchst delikater Ausführung, bei trefflichem Imjasto. — Als Beispiel eines, mehr zur Gattung der Stillleben neigeiden, Bildes nenne ich ebenda, No. 193, wo sich auf einem Tische ein Gemisch von Schaalen, Giesskannen, Schüsseln mit Früchten, ein Messer, ein Tischtuch und eine Uhr befinden. —

Von den meisterlichen Bildern, welche sich in den Gallerien von Dresden und. Kassel befinden, führe ich nur die folgenden an. Aus der ersteren. Allerlei Flüchte und ein Vogelnest, No. 1093, ein ähnliches Bild mit einem gesottenen Hummer, No. 1098. Aus der. zweiten. Früchte, Hummer, Austern, Muscheln, No. 817. Früchte, Hummer, ein Schinken und einige Weingefässe, No. 318. In England kommen Bilder von ihm nicht häufig vor.

Cornelis de Heem, Sohn und Schüler des vorigen Meisters, geboren 1630, malte ganz ähnliche Gegenstände und kaum mit geringerem Erfolg, denn, wenn er. schon nicht in der Anordnung jenes feine Stylgefühl hat, sondern öfter in das Zerstreute und Zufällige verfällt, so steht er jenem in der Zeichnung, in der Wärme und Harmonie der Färbung nicht nach, und übertrifft ihn fast noch in der Weiche und dem Schmelz des Vortrags, bei gleich solidem Impasto. Nur ausnahmsweise ist er bunter und härter. Begreiflicherweise werden seine Bilder häufig für Werke seines Vaters-ansgegeben. -Ich führe daher nur einige Gemälde von ihm an, welche in Gallerien befindlich, wo man die Bilder beider vergleichen, kann. In der Gallerie zu München ist ein Beispiel seiner Zerstreutheit der Composition, bei der Vereinigung aller sonstigen guten Eigenschaften,‘ No. 350, welches Blumen, Früchte und einen Schinken auf einem Tische darstellt. — Ebenda No. 429, Cabinette, verschiedene Früchte auf einer marmornen Platte. Bezeichnet. Die grösste Wahrheit in allen Theilen, die seltenste Klarheit der Farbe, ist hier mit der trefflichsten Abrundung und einem verschmolzenen und gediegenen Vortrag verbunden. In der Gallerie zu Wien finden sich auf einem, ebenfalls bezeichneten, Stillleben von Früchten, Austern und Citrönen auf einem Teller, einer Taschenuhr u. s. w., dieselben Eigenschaften mit einer gefälligeren Anordnung vereinigt. Endlich in der Gallerie zu Dresden schliesst sich diesen, No. 1104, ein Bild eines ähnlichen Gegenstandes, und ebenfalls bezeichnet, an. No>. 1103, aber, ein gesottener Hummer und mehrere Früchte auf einem Tische, zeichnet sich noch besonders durch die erstaunliche Tiefe des warmen Tons aus.

Maria van Oosterwyck, geboren zu Nootdorp in der Nähe von Delft 1630, gestorben 1693, war eine Schülerin des Jan Davidsz de Heem. Diese Künstlerin, welche vorzugsweise Blumen in Vasen, oder Gläsern, gelegentlich, aber mit minderem Erfolg, auch Früchte malte, nimmt meines Erachtens in der Kunstgeschichte nicht die ihr gebührende Stelle ein, welches zum Theil wohl von der grossen Seltenheit ihrer Bilder, namentlich in den Gallerien, herrühren mag. Denn, obwohl ihre Blumenstücke schwach in der Anordnung und auch öfter bunt in der Zusammenstellung der Farben sind, haben doch die einzelnen, wohlgezeichneten Blumen die grösste Wahrheit, namentlich aber eine Tiefe, Glanz und Saftigkeit der Färbung, wie sie kein anderer Blumenmaler erreicht hat. Dabei ist ihr Vortrag, trotz grossen Fleisses, breit und frei, ihr Impasto vortrefflich. Es darf daher nicht wunder nehmen, dass die ersten Fürsten ihrer Zeit, Ludwig XIV., Wilhelm III. von England, der Kaiser Leopold, der König August I. von Polen, Bilder bei ihr bestellten. Die beiden besten, mir von ihr bekannten Blumenstücke, beide mit ihrem ganzen Kamen bezeichnet, befinden sich in den Gallerien zu Wien und Florenz. Auf dem Bilde zu Wien zeichnen sich besonders eine grosse Sonnenblume, Tulpen und Mohn aus. Die brennenden Farben, den eigenthümlichen Glanz der letzten Blumenarten habe ich von keinem anderen Künstler so vollkommen wiedergegeben gesehen. Die Anordnung ist indess geschmacklos, auch hat das Grün nachgedunkelt. Bei dein Bilde in Florenz ist letztere etwas besser, und in allen übrigen Theilen steht es auf derselben Höhe. Zwei Bilder in der Dresdener Gallerie, Blumen in einem Glasgefässe, No. 1356, besonders aber ein Fruchtstück, No. 1357 , treten gegen jene sehr zurück.

Abraham Mignon, geboren zu Frankfurt 1639, gestorben zu Wetzlar 1697, lernte zwar zuerst in seiner; Vaterstadt.bei Jacob Moreeis, doch tragen seine Bilder das entschiedene Gepräge seines zweiten Meisters, des Jan Davidsz de Heem. Das Höchste, was man zu seinem Lobe sagen kann, ist, dass er in seinen besten Bildern diesem nahe kommt. Im Allgemeinen aber steht er ihm sehr nach. Er ist in der Anordnung weniger geschmackvoll, in der Zeichnung viel schwächer, im Farbenton nicht allein weniger warm und klar, sondern in manchen Bildern geradezu kalt und schwer, endlich im Vortrag, bei einer öfter mehr ins Einzelne gehenden Ausführung, ungleich weniger geistreich’ und frei, ja bisweilen selbst kleinlich und geleckt. Er muss sehr fleissig gewesen sein, denn seine Bilder sind in Gallerien und Privatsammlungen ziemlich zahlreich. Im Museum zu Amsterdam befindet sich unter No. 204, ein Marmor tisch, worauf Früchte, Blumen, ein gekochter Hummer, ein silberner Teller, welches in der Harmonie, wie in der Weiche des Vortrags dem J. D. de Heem in der That sehr nahe kommt. — Ko. 205, ebenda, Blumen in einer Vase mit einer Katze und einer Mausefalle ist ein sehr gutes Bild in seiner gewöhnlicheren, im Ton weniger kräftigen, im Vortrag kleinlicheren Weise. In der Sammlung van der Hoop in Amsterdam gehört eine Schüssel mit Trauben, Granaten, Austern, Weissbrod, sowohl in der Anordnung, in der Wärme und Harmonie des Tons, als der bis ins Einzelnste gehenden KaturWahrheit, zu seinen besten Bildern. Im Louvre schliessen sich dem letzten würdig an. Ko. 330, ein Strauss von Feldblumen, und Ko. 333, Blumen und Früchte. Andere ebenda, namentlich Ko. 329, ein Eichhörnchen, todte Fische und Vögel, und Ko. 331, ein Blumenstück, können dagegen als Beispiele für seine Zerstreutheit in der Anordnung, seiner Kälte im Ton und seiner Härte in den Einzelheiten dienen. Unter den Bildern von ihm in der Gallerie zu München zeichnet sich, Ko. 108, mit einem Korb mit Früchten bei einem Eichstamme, einem Vogelnest, Fischen u. s. w., durch die Composition und die hohe Vollendung in einem kühlen Ton besonders aus. Von den höchst ausgezeichneten Bildern .in der Dresdener Gallerie kommt, Ko. 1419, mit einem Korb mit Früchten, worin ein Vogelnest, in der Kraft und Schönheit seinem Meister sehr nahe. Ein anderes, Ko. 1425, Weintrauben und ein Pfirsich auf einem Tisch, ist aber von einer Tiefe und Wärme der Farbe, dass ich es eher von diesem halte. Dass er in der Darstellung todter Thiere in Lebensgrösse wenig glücklich war, beweist ein Hahn und andere Vögel, Ko. 1422, in derselben Gallerie.

Jacob Walscapelle, gehört zu der ansehnlichen Zahl trefflicher Maler der holländischen Schule, welche lediglich durch die Aufschriften auf ihren Bildern bekannt sind. Aus diesen Bildern erhellt, dass er sich mit dem seltensten Erfolg nach dem Jan Davidsz de Heem gebildet, wenn er nicht ein Schüler von jenem gewesen ist und um 1670 geblüht hat. Kein anderer Meister steht diesem in der stylgemässen und geschmackvollen Anordnung so nahe, als er. Auch in dem Gefühl für Harmonie des Ganzen, für naturwahre Ausbildung des Einzelnen kommt er ihm sehr nahe. Kur in der Tiefe und Klarheit der Färbung, in der Bestimmtheit der Modellirung, steht er den besten Bildern desselben etwas nach. Die Ursache, dass Bilder von ihm so äusserst selten Vorkommen, besteht wohl darin, dass dieselben meist einem der de Heems beigemessen werden. Ein sehr reiches Gehänge von Früchten mit einigen Blumen untermischt und von Schmetterlingen und Insekten belebt, vortrefflich angeordnet, warm und klar gefärbt und von seltner Naturwahrheit des Einzelnen, mit der Bezeichnung: Jacob Walscapelle, befindet sich unter No. 905 im Museum zu Berlin. Zwei Bilder von ihm, welche ich indess nicht gesehen, sind in der Gallerie zu Schwerin.

Pieter de Ring schliesst sich, zufolge seiner selten vorkommenden, Bilder ebenfalls dem J. D. de Heem und zwar in allen Stücken mit sehr gutem Erfolg an. Ein, zur Bezeichnung seines Namens, mit einem Ring bezeichnetes Bild, No. 258, des Museums zu Amsterdam, welcheö Früchte, einen gekochten Hummer, Austern, Brod u. s. w., darstellt, kommt in der That dem J. D. de Heem sehr nahe. Unabhängiger erscheint er in einem P. de Ring fecit 1650 bezeichneten Bilde, No. 918, im Museum zu Berlin, welches einen Globus, ein Buch, worin ein Mann dargestellt ist, der Seifenblasen macht, eine Sanduhr, Würfel, musikalische Instrumente u. s. w., in sehr malerischer Anordnung und vortrefflicher Ausführung darstellt.

Ich komme jetzt auf eine Gruppe von Malern, welche vorzugsweise Stillleben, worin besonders todte Vögel eine Rolle spielen, gelegentlich aber auch Früchte und Blumen gemalt haben. Bei ihnen waltet meist eine kühle Gesammtstimmung vor.

Evert van Aelst, geboren zu Delft 1602, gestorben 1658, malte in der Regel todte Vögel, gelegentlich auch einen Hasen und dabei allerlei Jagdgeräth, mit einer grossen Wahrheit und sehr ins Einzelne gehenden Ausführung, indess in einem grauen, etwas schweren Ton. Bilder von ihm kommen in den Gallerien selten vor. Zwei dieser Art befinden sich, unter No. 1126 und 1127, in der Dresdener, zwei andere, unter No. 921 und 936, in der Berliner Gallerie.

C. Lilienbergh, nur aus den Aufschriften auf seinen Bildern bekannt, war ein Zeitgenosse des vorigen Meisters und malte ebenfalls mit guter Zeichnung und harmonischer, wenngleich kühler Haltung ähnliche Gegenstände, denen er indess öfter Früchto und Gemüse zugesellt. Er ist in seinem, übrigens sehr sicheFÖfl, Vortrage etwas breiter. Bilder von ihm sind ebenfalls in Gallerien selten zu finden. Unter No. 990 befindet sich von ihm im Museum zu Berlin ein Bild, worauf, auf einem Tische, zwei Schnepfen, kleinere Vögel, Quitten und Artischocken, bezeichnet C. L. 1625. Die Dresdener Gallerie hat von ihm unter No. 1568 ein Bild mit einem todten Rebhuhn und einer todteil Lachtaube. Aus den Bezeichnungen anderer Bilder geht hervor, dass er um 1663 noch am Leben war.

Willem van Aelst, geboren zu Delft um 1620, gestorben zu Amsterdam 1679, war ein Schüler seines Oheims, Evert van Aelst. Er übertraf indess nicht allein diesen weit, sondern ist unbedingt der beste Künstler dieser Gruppe. Solche Bilder von ihm welche, wie die seines Meisters, todte Vögel darstellen, stehen in der malerischen Anordnung, in der fein abgewogenen Harmonie der kühlen, aber klaren Farben, in der grossen Naturwahrheit des Einzelnen, der höchst delicaten und weichen Behandlung auf der vollen Höhe der Schule. Beispiele hiervon gewähren: ein Bild in der Gallerie zu München, No. 357, Cabinette, welches zwei todte Rebhühner und Jagdgeräth vorstellt, und ein W. v. Aelst 1653 bezeichnetes, No. 961, im Museum zu Berlin, welches auf einem Marmortische zwei Schnepfen, und andere kleine Vögel, darüber hängend zwei rothe Rebhühner, enthält. Am meisten aber gefiel er sich in der Zusammenstellung von Früchten und sonstigen Ess-waaren, Häringen, Austern, Brod u. s. w., mit Gläsern und sonstigen Prachtgefässen in Gold und Silber. Diese haben ebenfalls alle jene trefflichen Eigenschaften. Ein sehr gewähltes Bild dieser Art, worauf sich besonders Pfirsiche, Trauben und eine Perlmutter auszeichnen, besitzt unter No. 975, das Museum zu Berlin. Es trägt die Bezeichnung Guillelmo van Aelst 1659. Drei andere, sehr gute Bilder derselben Gattung befinden sich unter No. 1128, 1129 und 1130 in der Dresdener Gallerie.

Einige andere Maler führten Stillleben, worauf allerlei Gcfässe, besonders metallene, nächstdem aber Früchte und Esswaaren dargestellt sind, in einem mehr warmen, bräunlichen, mitunter etwas schweren Ton, aus.

Der namhafteste ist hier Willem Ivalf, geboren zu Amsterdam 1630, gestorben ebenda 1693. Er war ein Schüler des Hendrik Pot. Als Beispiel seiner Kunst führe ich ein Bild, No. 167, im Museum zu Amsterdam, an, worauf eine silberne Vase von zierlicher Form, ein Porzellangefäss mit Orangen und Citronen u. s. w. in geschickter Anordnung, in einem kräftigen Ton, breit in gutem Impasto gemalt sind. Ausnahmsweise malte er auch Genrebilder zumal Köchen, worin immer das Geräth, das Gemüse u. s. w. die Hauptrolle spielen. Dergleichen mit einigen Figuren, von sehr gutem Helldunkel und markiger Malerei besitzt, unter Ko. 259, der Louvre.

C. Pierson, geboren im Haag 1631, gestorben zu Gorcum 1714, malte mit vielem Geschick, in Zeichnung und Yortrag, Triuk-gefässe, Tischgeräth und Esswaaren, in einem etwas einförmigen und schweren, braunen Ton. Zwei Bilder der Art, von denen das letzte mit dem Monogramme des Künstlers bezeichnet ist, befinden sich, unter Ko. 948 und 985 a, im Museum zu Berlin.

Ausgezeichnete Künstler in dieser Gattung sind endlich Pieter Hoestraeten, geboren zu Haarlem 1627, gestorben in London 1698, ein Schüler des Frans Hals, und Willem Klass Heda, geboren zu Haarlem 1594, welcher aber auch gelegentlich Wild, Fische und Geflügel malte. Ich bin indess nicht im Stande, in Gallerien Bilder von dem ersten nachzuweisen. Von Heda befindet sich indess, unter Ko. 62, im Landauer Brüderhause zu Nürnberg ein Frühstück von breiter, meisterlicher Behandlung.

Schliesslich betrachte ich eine kleine Gruppe von Malern, welche Gefallen daran gefunden, in der Regel auf dunklem Hintergründe, allerlei Pflanzen zu malen, die von Schmetterlingen und Insekten belebt werden und an deren Fusse sich zwischen Pilzen und anderen Gewächsen, Schlangen, Eidechsen, Kröten und Frösche, gelegentlich im Kampf mit einander, befinden. Die Bilder dieser Art machen im Ganzen eine dunkle Wirkung und finden sich wohl zum Theil daher iri den Gallerien nicht häufig vor. Der Begründer und Hauptmeister dieser Gattung war der, 1613 in Amsterdam geborene, 1673 gestorbene Otto Marseus, auch öfter irrig Marcellis genannt, van Schrieck. Seine Bilder sind mit Geschick angeordnet, die einzelnen Gegenstände gut gezeichnet, von ungemeiner Katurwahrheit und höchst fleissig im Einzelnen in einer kräftigen Färbung ausgeführt. In der Gallerie zu Dresden befinden sich zwei Bilder von ihm, von denen das eine, Ko. 1221, eine Mohnpflanze und im Grase das Kest einer Grasmücke vorstellt, aus welchem eine Schlange ein Ei raubt, und im Vorgrunde einen Iltis, welcher ein ähnliches Gelüst hat. Das andere, Ko. 1232, enthält nur eine Pflanze mit Insekten. Beide haben durch die vielen weissen Schmetterlinge, ein buntes Ansehen. Ein mit dem vollständigen Kamen bezeichnetes Bild von ähnlicher Composition, Ko. 959, im Museum zu Berlin, stellt zwei einander anzischende Schlangen dar. Es ist ungleich harmonischer in der Wirkung. In die Fusstapfen dieses Meisters trat zuerst sein Freund und Schüler, der 1629 geborene, 1703 gestorbene, Mathaeus Withoos, später der 1655 geborene. Nicolaus Vromans, genannt Schlangenmaler. Sie malten beide mit vielem Geschick ganz in der Weise ihres Vorbildes. Von dem ersteren befindet sich ein Bild im Museum zu Rotterdam. Drei Söhne, Jan, Pieter und Frans, sowie eine Tochter, Alida, folgten der Weise des Vaters. Von Vromans sehe ich mich indess nicht im Stande, ein Beispiel seiner Kunst in Gallerien anzuführen.

Text aus dem Buch: Handbuch der deutschen und niederländsichen Malerschulen (1862), Author: G.F. Waagen.

Siehe auch:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Vorrede
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Erstes Kapitel von 800-1150
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Zweites Kapitel von 1150-1250
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Der Germanische Stil
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Ausbildung der eigentlichen selbständigen Malerei
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – vollständige Ausbildung des germanischen Kunstnaturells im Geiste des Mittelalters
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die Schule der Brüder van Eyck his gegen Ende des 15. Jahrhunderts
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die Schule der van Eyck bis zu ihrem Ausgange
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die deutschen Schulen in ihrem Übergange von der Kunstweise der vorigen Epoche zum Realismus bis zum Jahr 1460
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die deutschen Schulen in der realistischen Richtung der van Eyck’schen Schule von 1460-1500
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die Schule von Köln und dem Niederrhein
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die deutschen Schulen in der vollständigen Entwicklung ihrer Eigenthümlichkeit Von 1500-1550
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die fränkischen Malerschulen
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Sächsische Maler
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die schwäbische Schule
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die Malerei am Niederrhein und in Westphalen
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Verzerrung des germanischen Kunstnaturells in der Historienmalerei durch Nachahmung der Italiener
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die Malerei in Deutschland
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Zweite Blüte des germanischen Kunstnaturells in der Form der modernen Geistesart
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die Schule von Belgien
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die Zeitgenossen und die Schüler von Rubens
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die holländische Schule
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Rembrandt van Ryn
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Schüler und Nachfolger von Rembrandt
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die Genremaler

Weiterführendes zu Rembrandt:
Rembrandt 1606-1669
Rembrandt als Naturbeobachter
Rembrandt im Kunstmuseum Hamburg
Rembrandt und seine Zeitgenossen
Rembrandts Darstellungen der Tobiasheilung
Rembrandts Handzeichnungen
Rembrandts Radierungen
Rembrandts Verworfene Blätter
Rembrandts wiedergefundene Gemälde
Rembrandts Zweifelhafte Blätter

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    6. September 2015
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    6. September 2015

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